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Medienrundschau:
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News vom
21. - 30. April 2004
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Zitat
des Monats:
"Sie
haben das Privileg, zu einer Generation zu gehören, die nicht
aufs Abstellgleis geschoben werden kann. Der Grund dafür ist
einfach: Die Alterspyramide erfährt eine dramatische Umkehrung,
die Tanne verwandelt sich in einen Atompilz.
Altwerden
als Massenphänomen wird vor allem die Industriegesellschaften
grundlegend verändern.
(...).
Während
diese Entwicklung gemeinhin als Schreckensszenario dargestellt
wird, das der Jugend ihr Recht auf Zukunft nimmt und generell
unfinanzierbar ist, birgt es für die Alten von morgen - und das
sind wir- ungeahnte Chancen.
(...). Die umworbene Masse ist automatisch die privilegierte
Klasse. Nur was uns interessiert, lässt sich verkaufen oder
politisch durchsetzen. (...).
Die
Investmentbank UBS Warburg vertritt die These, dass die
Gesellschaft zwar altert, aber alle davon profitieren. Da sich
in der Gruppe der heute 30- bis 49-Jährigen ein
überdurchschnittlich großer Anteil von Singles oder »Dinks«
(Double income, no kids) tummelt, ständen der Wirtschaft goldene
Zeiten bevor - ganz unabhängig von der US-Wirtschaft oder
strukturellen Reformen in Europa. Dinks und Singles geben ihr
Geld aus, statt es für die Nachkommen fest anzulegen.
Die
Rentendiskussion ist wie ein letztes Aufbäumen der Angstmacher."
(aus:
Martin Schacht "Die ewige Zielgruppe", 2004, S.12ff.) |
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BLÄSKE, Gerhard (2004): Frauen müssen draußen bleiben.
Ein dichtes Netz von Betreuungseinrichtungen erlaubt es den meisten
Französinnen trotz Kindern zu arbeiten, - in die Chefetagen kommen
aber fast nur Männer,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.04.
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BESSING, Joachim (2004): Sie haben eine neue Nachricht erhalten, Sie
Irrer!
Das Mobiltelefon galt einmal als nützliche Erfindung. Aber es hat
sich zur bösen Macht entwickelt und will uns in den Wahnsinn treiben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.04.
- Kommentar:
In der SZ wurde wie überall das
Manifest "Tristesse Royale" zerrissen, nichts desto trotz ist
die SZ, speziell in ihrer Magazinbeilage, mittlerweile ein Hort
royaler Tristesse.
Seit aus Männer ohne Frauen
(Willi WINKLER) u.a. Männer mit Frau und Kind geworden sind, die
sich um die Rettung der Familie sorgen, oder Männer, die das
stilvolle Verarmen predigen, dürfen sie in der SZ so ziemlich alles
schreiben, was ihnen einfällt...
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HINTERMEIER, Hannes (2004): Gerechtes Denken ist langweilig.
Dem Zeitgeist ein Schnippchen: Der Karolinger Verlag und seine
Verleger,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.04.
- Inhalt:
HINTERMEIER porträtiert die Verleger Peter WEIß
(Jahrgang 1942) und Jean-Jacques LANGENDORF (Jahrgang 1938) des
österreichischen Karolinger Verlag.
Das Verlagsprogramm wird uns
von HINTERMEIER mittels Zitat präsentiert:
"»Morgens Republikaner, bei
Sonnenuntergang Monarchist; Atheist bei Sonnenschein, ultramontaner
Katholik in gewissen Stunden des Schattens und des Schweigens«
schreibt Fernando Pessoa am 5. April 1915 (...). Karolinger steht
für diese komplizierte Vielfalt des Denkens."
Im Karolinger Verlag erschien
u.a. "Die Häresie der Formlosigkeit" von Martin MOSEBACH.
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MÜCHLER, Günther (2004): Paul Nolte: Generation Reform,
in: Das Politische Buch. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v. 30.04.
- Inhalt:
"Nolte enumeriert fünf Eckpunkte eines neuen
konservativen Profils: Religiöse Fundamente in einer postsäkularen
Welt; Eindämmung der Ego-Gesellschaft; Subsidiaritäts- und
Netzstrukturen; Identitäten und Identitätsräume; Maßhalten und
Machbarkeitsprinzip.
Dreh- und Angelpunkt ist für den Autor dabei der Begriff der
»Verantwortung zur Veränderung«", erläutert Günther MÜCHLER zum
Essayband "Generation Reform"
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RUTSCHKY, Katharina (2004): Ja zum Doktor, nein zu Kindern,
in: Welt v. 30.04.
- Kommentar:
Noch ein Nachtrag zum
Mythos der kinderlosen Akademikerin.
RUTSCHKY möchte das Problem vor dem Hintergrund des
Nationalsozialismus debattiert haben:
"Es ist doch auffällig, dass
Deutschlands niedrige Geburtenquote in Ländern wie Italien, Spanien,
Griechenland, Österreich und inzwischen auch Portugal Parallelen hat
- bei allen kulturellen Unterschieden samt und sonders Länder, die
wie wir die Erfahrungen von Krieg, Bürgerkrieg und Diktatur machen
mussten. So viel Gewalt muss den Lebensnerv von Generationen
beschädigt haben. Schuldzuweisungen und Panikmache sind die
schlechtesten Mittel, ihn wieder hochzupäppeln."
Parallelen sieht man jedoch nur,
wenn man die Geburtenraten traditionell berechnet.
David A. COLEMANN hat jedoch im
neuesten Heft des pro familia magazins viel differenziertere
Erkenntnisse vorgelegt. Die Entwicklung in Ländern wie Italien,
Spanien und Österreich ist anders verlaufen wie in Deutschland.
Wer den dramatischen
Geburtenrückgang in den neuen Bundesländern ausblendet, wer
überhaupt die Zweiteilung Deutschlands ignoriert, der kann nicht
erwarten, dass seine Überlegungen die Wirklichkeit in Deutschland
einfangen können.
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NOUVEL
OBSERVATEUR-Titelgeschichte: Les nouveaux célibataires.
Ils inventent d'autres façons
d'être ensemble |
-
LEMONNIER, Marie (2004): Les nouveaux célibataires.
Ils inventent d'autres façons de vivre ensemble,
in: Nouvel Observateur Nr.2060 v. 29.04.
- NICOLOPOULOS, Stéphane (2004): Coeurs à
prendre,
in: Nouvel Observateur Nr.2060 v. 29.04.
-
LEMONNIER, Marie (2004): Suivez le guide...
in: Nouvel Observateur Nr.2060 v. 29.04.
-
LEMONNIER, Marie (2004): Angelina Jolie,
in: Nouvel Observateur Nr.2060 v. 29.04.
-
LEMONNIER, Marie (2004): De soi à soi, les vertus de la solitudes,
in: Nouvel Observateur Nr.2060 v. 29.04.
-
LEMONNIER, Marie (2004): Libres, ensemble?
Vivre chacun chez soi et se retrouver deux
week-ends par mois, telle est l’une des recettes des évadés de la
solitude pour éviter l’usure de la vie à deux,
in: Nouvel Observateur Nr.2060 v. 29.04.
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BUI, Doan (2004): Solo bizness.
Europe: un marché de 140 milliards d'euros,
in: Nouvel Observateur Nr.2060 v. 29.04.
-
BUI, Doan (2004): Jeune, jolie, seule... et flambeuse,
in: Nouvel Observateur Nr.2060 v. 29.04.
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BUI, Doan (2004): Le boom des romans pour coeurs solitaires,
in: Nouvel Observateur Nr.2060 v. 29.04.
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AMI (2004): Von 2005 an höherer Pflegebeitrag für Kinderlose.
Familien sollen dagegen entlastet werden. Höhe noch offen.
Gesundheitsministerium rechnet Modell durch,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.04.
- Kommentar:
AMI meldet, dass angeblich bereits im Mai ein
Gesetz beschlossen wird, das Kinderlose in der Pflegeversicherung
stärker belastet.
Dies wäre der
Einstieg in den katholischen Sozialstaat,
der darauf abzielt Staat und Arbeitgeber aus dem
Familienlastenausgleich herauszuhalten und mittels der neuen
Konfliktlinie Familien contra Singles den Klassenkonflikt zwischen
Kapital und Arbeit auf die Reproduktionssphäre zu verschieben.
Der katholische Sozialstaat verschiebt die Lasten der
Bevölkerungspolitik auf die zwangsversicherten Arbeitnehmer.
Die Richter des Bundesverfassungsgerichts können sich die Hände
reiben: ihre Altersversicherung ist davon unabhängig!
Bert Rürup, der neuerdings für eine nachhaltige Familienpolitik
plädiert, die ebenfalls die Kinderlosigkeit als zentrales Problem
definiert, wendet sich entschieden gegen eine Lösung innerhalb der
Sozialversicherungen, weil diese gerade Geringverdiener bestraft,
während Beamte, Selbständige, Richter und andere Besserverdienende
nicht an den Kinderkosten beteiligt werden.
Wer sich als Single (darunter fallen in diesem
Fall auch Eltern, deren Kinder nicht mehr im Haushalt leben) gegen
diese Ungerechtigkeit nicht wehrt, der lebt verkehrt!
Um die Dimensionen des Betrugs ein wenig deutlicher zu machen ein
paar Zahlen zur Lage der 45-55-Jährigen im Jahr 1994:
Damals lebten nur 18 % Kinderlose, aber
42 % Eltern ohne Kinder im Haushalt mit einem Pro-Kopf-Einkommen
über 3000 DM dieser Altersgruppe in den alten Bundesländern. Bei den
2500-3000 DM-Einkommen waren es 14 % Kinderlose, aber 33 % Eltern
ohne Kinder im Haushalt. Unter jenen, die weniger als 2500 DM
verdienten, lebten gar nur 1 - 5 % Kinderlose, aber zwischen 6 und
35 % Eltern ohne Kinder im Haushalt. Diese Daten wurden vom
Deutschen Jugendinstitut erhoben
(BIEN/BAYER/BAUEREIß/DANNENBECK "Die soziale Lage von Kinderlosen,
1996, S.102).
Die Daten sind zwar bereits 10
Jahre alt, aber die Veränderungen sind nicht so groß, dass diese
Daten keinen Anhalt mehr geben könnten. Sie zeigen eindeutig, dass
unter den Zwangsversicherten nur eine kleine Minderheit tatsächlich
lebenslang kinderlos ist. Der größte Teil sind Eltern, deren Kinder
nicht mehr im Haushalt leben.
Wenn heute die Kinderlosigkeit auf über 30 % geschätzt wird, dann
ist damit viel Demagogie, aber wenig Stichhaltiges mit im Spiel.
Eltern werden durch die
Verwendung eines weiten Begriffs von Kinderlosigkeit darüber
getäuscht, dass sie die Hauptlast dieser Politik tragen werden.
Es ist ja bezeichnend, dass der
Familiensurvey neuere Daten aus dem Jahr 2000 zuließe. Sie aber
entweder nicht ausgewertet oder nicht veröffentlicht werden. Der
Bürger soll offenbar über seine Lage im Unklaren gelassen werden...
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ULRICH, Bernd (2004): Jetzt sind wir dran.
Frank Schirrmacher schmiedet das "Methusalem-Komplott". Aber die
40-Jährigen sind keine Opfer, sondern Gewinner,
in: Die ZEIT Nr.19 v. 29.04.
- Kommentar:
Bernd ULRICH kocht einen Eintopf aus ein bisschen
Martin SCHACHT "Die ewige Zielgruppe" und zuviel
78er-Philosophie à la Reinhard MOHR, Matthias POLITYCKI und
Tilman KRAUSE. Nicht zuletzt die Gestaltung der Wende zum Weniger.
Heraus kommt leider nichts Stimmiges. Den 78ern als
Zwischengeneration zwischen den 68ern und der Generation Golf fehlt
die Masse, um jene Macht zu erlangen, die ihnen ULRICH andichtet.
SCHACHT hat dagegen 78er und Generation Golf zur machtvollen
Kaufkraftgruppe zusammengefasst.
Die Generation Golf schickt ULRICH ins
gemütliche
MONOPOL-Abseits:
"Nie waren sich die 68er und ihre ewigen
Plagegeister, also wir, so nahe wie nach Erfindung der Generation
Golf. Dann kamen
Börsenkrach und Medienkrise. Die Jungunternehmer gingen Pleite,
und seit dem 11. September 2001 sind wieder
Ernst und Geschichte gefragt. Von dieser Wende hat sich die
Generation Golf bis heute nicht erholt. Ihr Vormann Illies hat ein
verspätetes Start-up-Unternehmen, eine Zeitschrift für Kunst,
gegründet – eine mutige Entscheidung, aber auch ein Signal: Seine
Generation hat den Kampf um das Zentrum der Gesellschaft und um die
geistige Hegemonie vorerst aufgegeben. Dabei sein reicht ihr."
Was an Bernd ULRICH gewaltig nervt, das ist
der Versuch den demografischen Wandel als unabänderliche Tatsache
darzustellen, der angeblich zum alternativlosen Handeln zwingt.
Politik wird hier entpolitisiert, bzw. zur Sache
einer verschworenen Elite stilisiert. Single-dasein.de zeigt jedoch,
dass bereits der demografische Wandel ein Mythos ist, der mit neuen
Denkverboten einhergeht.
Ach ja, es sollte ja um Frank
SCHIRRMACHER gehen. Den nimmt ULRICH jedoch nur zum Anlass um sein
eigenes Süppchen zu kochen. Ganz unrecht hat er ja nicht, wenn er
schreibt:
"Frank
Schirrmacher wirft sich namens unserer Generation in die
Opferrolle. Und das zu einem Zeitpunkt, da das krasse Gegenteil der
Fall ist. Die Mittvierziger werden gerade dominant. Sie erobern
Machtzentralen und Multiplikatorenrollen, sie gehen in die Spitze
und in die Breite. Mit einem Wort: Sie werden zur herrschenden
Generation. "
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FRANKFURTER RUNDSCHAU (2004): Deutschland braucht mehr Kinder.
Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften wollen eine
neue "Allianz für Familie" schmieden, die allen Gewinn bringt,
in: Frankfurter Rundschau v. 28.04.
- Kommentar:
Die FR druckt die Präambel der "Allianz für Familie -
Balance für Familie und Arbeitswelt" ab.
Der Text hebt vor allem auf die
Geburtensteigerung ab, wenn es heißt, dass wir eine "aktive
Bevölkerungsentwicklung" brauchen und das Ziel einer "bevölkerungsstabilisierenden
Geburtenrate" genannt wird. Daraus wird dann hergeleitet, dass
Familienwerten gute Entfaltungsbedingungen gegeben werden müssen und
Anreize sollen neu gesetzt werden.
In dieser Sicht wird Kinderlosigkeit nicht nur
zum Defizit, sondern zum zentralen gesellschaftlichen Problem
erklärt!
Bezeichnenderweise werden die 70er Jahre zum
Ausgangspunkt des Problems, sowohl des Arbeitsmarktes als auch der
demografischen Krise, gemacht. Normativer Bezugspunkt ist ganz
offensichtlich die angebliche Familienidylle der 50er Jahre. Der
Unterschied ist jedoch, dass nicht die Einernährerfamilie, sondern
die Doppelverdienerfamilie propagiert wird. Die Steigerung der
Ehefrauenerwerbstätigkeit ist ein gleichwertiges Ziel dieser
nachhaltigen Familienpolitik.
Die Ganztagsbetreuung für Karrierefrauen wird dem
Normalo, der das schließlich hauptsächlich finanzieren wird,
als kompensatorisches Bildungsprinzip schmackhaft gemacht, denn der
"Lebens- und Bildungsweg eines Kindes wird vor allem innerhalb der
ersten sechs Lebensjahre geprägt".
Kinderlose Akademikerinnen, ihr
Anteil wird auf über 40 % geschätzt, sind die Kernzielgruppe
einer Politik für die Mütterelite, wie sie von
Renate SCHMIDT vertreten wird, auf deren Initiative diese
Allianz entstanden ist.
Im Papier stellt sich die
Bevölkerungspolitik als liberale Angebotspolitik dar. Was aber
passiert, wenn Kinderlose gar nicht einsehen, dass sie mit Kind
glücklicher sein sollen? Man kann gewiss sein, dass dann über kurz
oder lang die Hardliner mit rigiden Maßnahmen gegen Kinderlose
vorgehen werden...
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PEITZ, Christiane (2004): Von Raben und Müttern.
Warum die Deutschen immer weniger Kinder kriegen. Ein Plädoyer
gegen das Sicherheitsdenken,
in: Tagesspiegel v. 28.04.
- Kommentar:
PEITZ bringt das Kunststück fertig einerseits
die Hysterie bezüglich der Bevölkerungsentwicklung zu beklagen und
andererseits die Ängste vor dem Aussterben der Deutschen zu
instrumentalisieren.
Ihre Botschaft ist: alles ist richtig,
solange es der Geburtensteigerung dient:
"Wenn die Deutschen nicht
aussterben wollen, müssen sie lernen, ihre Pflichten zu
vernachlässigen. Familienplanung? Wir brauchen nicht mehr
Vorzeigeeltern, sondern mehr Improvisationskunst, individuelle
Freiheit und lebenspraktische Fantasie. Vielleicht bekommen dann eines
Tages auch in Deutschland mehr unverheiratete Paare Kinder, getrennt
erziehende oder alleinstehende Eltern,
Patchworkfamilien, Wohn- und Lebensgemeinschaften jeglicher
Couleur. Und zwar ohne schlechtes Gewissen und gesellschaftliches
Misstrauen oder gar moralische Ächtung. Klar, Kinder brauchen
Verbindlichkeit. Aber nicht rund um die Uhr und nicht unbedingt von
den biologischen Eltern.".
Bereits die Prämisse von PEITZ
ist jedoch fragwürdig, wenn sie behauptet, dass nur bei einer
Geburtenrate von 2,1 (...) die Bevölkerungszahl halbwegs stabil
(bleibt).
Seit über 50 Jahren beweist die
Bevölkerungsentwicklung in Deutschland das Gegenteil. Ob
Flüchtlingsströme in den 50er Jahren, Gastarbeiter in den 60er und
70er Jahren oder Ost-West-Wanderungen seit der Wiedervereinigung.
Immer spielte die Zuwanderung die entscheidende Rolle für die
Bevölkerungsentwicklung. Auch die neue Ost-Erweiterung der EU wird
hier keine Ausnahme machen.
Die gegenwärtige Hysterie
speist sich in erster Linie aus einem neuen Nationalismus.
Es geht um eine neue Blut- und
Bodenpolitik, die nicht zuletzt bei Frank SCHIRRMACHER anklingt, wenn
er
die alten 68er dem "youth bulge" der Islamisten gegenüberstellt.
Es ist auch kein Zufall, dass
neuerdings der Nazi-Slogan "Volk ohne Raum" reaktiviert als "Raum ohne
Volk" wiederkehrt.
Die allseitige Zustimmung der
Eliten zu einer Politik der aktiven Bevölkerungsentwicklung kann nicht
allein aus familienpolitischen Gesichtspunkten erklärt werden, sondern
dahinter stehen neuartige geopolitische Überlegungen.
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KRÖNER, Magdalena (2004): Die blaue Blume haut ins Auge.
Markiert der aktuelle Boom des Romantischen in Mode, Design und
Kunst die nostalgische Hinwendung zu einer reaktionären Innerlichkeit?
Und was sucht eine neue Garde junger Maler, die gegenwärtig das
Arsenal des Romantischen plündert? Eine prosaische Recherche in den
Gefilden des Elegischen,
in: TAZ v. 27.04.
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- MONATH, Hans (2004): Junge, Junge.
Menschen wohnen hier schon lange nicht mehr – ein Satz, der für
viele Landstriche in Deutschland Wirklichkeit werden könnte. Immer
mehr Senioren, immer weniger Kinder: Die Politik steht dem hilflos
gegenüber. Dabei sind neue Konzepte dringender denn je,
in: Tagesspiegel v. 27.04.
- Kommentar:
MONATH stellt die 100seitige Studie des
Berlin-Instituts vor, indem er zuerst die Horrorszenarien der
Autoren andeutet, um dann den Vorstandschef des Instituts zu
zitieren, der ein "Zeitfenster von gut zehn Jahren" als letzte
Chance für grundlegende Reformen ansieht.
Damit stellt sich Hans FLEISCH auf die Seite von
Hans-Werner SINN, der diesen Zeitraum für die Durchsetzung einer
Rente nach Kinderzahl anvisiert.
Dagegen ist für den angesehenen US-amerikanischen
Demografen James V.
VAUPEL keine Eile notwendig. Er weist stattdessen
selbstkritisch auf die unübersehbaren Defizite seiner Zunft hin.
"Zum ersten Mal haben Demografen anhand klarer
Kriterien einen Atlas demografischer Entwicklung Deutschlands auf
Kreisebene vorgestellt, der heutige und künftige
Wanderungsbewegungen innerhalb des Landes anschaulich macht",
meint MONATH.
Zugegebenermaßen es ist eine Fleißarbeit,
einen Zukunftsfähigkeitsindex als Summe von 22 Indikatoren
zusammenzustellen. Gleichzeitig ist gerade das ein Manko.
Erstens stammen die Zahlen vorwiegend aus den
Jahren 2000/2001. Kein einziger Journalist hat bisher die
Aktualität der Studie in Frage gestellt. 3 Jahre - eine
New-Economy-Euphorie und ein -Katzenjammer liegen jedoch
dazwischen.
Die cloppenburgisch, katholisch-ländliche Variante
der "Blut-Schweiß- & Tränen-Familie" wird als alternativloses
Modell für Kinderreichtum gepriesen.
Das
Prenzlauer Berg-Popeltern-Phänomen war damals noch unbekannt.
Family-Gentrification als urbane Form der Elternschaft wird aber
nicht einmal von den hauptstädtischen Medien ins Spiel gebracht.
Überhaupt: Der Ansatz des Berlin-Instituts
ist geradezu großstadtfeindlich!
Die Tatsache, dass Städte Bildungsinfrastruktur,
Freizeitangebote und Arbeitsplätze bereitstellen wird nicht
gewürdigt. Umlandgemeinden dagegen, die nur Wohn- und
Schlafstätten sind, dafür aber besser verdienende junge Familien
anziehen, haben das Wohlwollen der Autoren.
Die Tatsache, dass Geburtenniedrigwerte und
Geburtenhochwerte räumlich ganz dicht nebeneinander liegen können,
beweist doch eher, dass die Menschen das Beste zweier Welten
kombinieren.
Die Indikatoren zementieren politische Grabenkämpfe
zwischen Stadt und Land. Sie spiegeln deshalb nicht in erster
Linie das Verhalten der Menschen wider, sondern überkommene
politische Strukturen.
Der Indikator Single-Haushalte bevorzugt
z.B. eindeutig ländliche Gebiete. Adäquat wäre dagegen das
Konzept der multilokalen
Mehrgenerationen-Familie gewesen.
Dann wäre nicht der Haushalt, sondern die
haushaltsübergreifende Solidarität der Familienmitglieder der
entscheidende Faktor gewesen.
Repräsentative Studien wie der
Familiensurvey (DJI) oder der
Alterssurvey (Martin KOHLI) zeigen,
dass Single-Haushalte ein unbrauchbarer Indikator sind.
Nicht einmal zur Bestimmung der Kinderlosigkeit ist
er tauglich, wie eindrucksvoll
Gert HULLEN nachgewiesen hat. Familie wird damit jedoch auf
eine einzige Lebensphase reduziert.
In Großstädten gibt es z.B. viele
Wohnungen, die von einer Alleinerziehenden und einem Single
geteilt werden. Jenseits der Großstädte wird so etwas dagegen
eher als nichteheliche Lebensgemeinschaft mit Kind gezählt. Die
Studie reproduziert damit Artefakte der amtlichen Statistik.
Alle Berichte über die Studie - eingeschlossen
MONATH - enthalten sich jeglicher kritischer Stimmen, sondern
zeichnen brav die Ergebnisse und Einschätzungen der Studienautoren
nach. In einem Tagesthema hätten jedoch auch kritische Stimmen
Platz gehabt.
MONATH geht dagegen spezieller auf das Thema
Altern ein, das gerade von
Frank SCHIRRMACHER popularisiert
wird. Außerdem weist er auf den bevölkerungspolitischen Schwenk
der Regierung hin.
Renate SCHMIDT hat sich im November 2003 bei der
Vorstellung des Gutachtens "Nachhaltige Familienpolitik im
Interesse einer aktiven Bevölkerungsentwicklung" ausdrücklich für
eine nachhaltige Familienpolitik ausgesprochen. Diese Kurswende
ist ohne großes Medienecho über die Bühne gegangen.
Im
neuesten Heft des pro familia magazins
werden die Konsequenzen eines solchen Politikwechsels im
Schwerpunkt "Familienpolitik = Bevölkerungspolitik" diskutiert.
MONATH hebt explizit hervor:
"Schließlich sind die Kinderzahlen ausgerechnet in den Kreisen
Cloppenburg und Vechta am höchsten, wo es nur wenige Hort-Plätze
für die Kleinen gibt und sich im traditionell-katholischen Milieu
viele Frauen ganz der Familie widmen und auf eigene Erwerbsarbeit
verzichten".
Mit diesem Hinweis auf eine absolute
Ausnahmeerscheinung, wird sozusagen die Politik der Vereinbarkeit
von Beruf und Familie grundsätzlich in Frage gestellt.
Warum sollte die Politik viel Geld in eine
aufwendige Kinderbetreuung investieren, wenn die katholische
"Blut-Schweiß- & Tränen-Familie" - genauso wie andere religiös
motivierte Familien - das auch ganz ohne öffentliche Unterstützung
hinbekommen? Diese Familien sind damit der ideale Stützpfeiler
eines
subsidiären Sozialstaates.
Während also die Popeltern vom
Prenzlauer Berg zwar gerne auf eine öffentliche Infrastruktur
zurückgreifen, um ihre wenigen Statuskinder auf die Welt zu
bringen, entscheiden sich religiöse Eltern - ohne Murren - für
Kinderreichtum, wie der Bericht von Matthias OLOEW über
Cloppenburg nahelegt.
- OLOEW, Matthias (2004): Kinder, Küche,
Kirche.
Warum die Stadt Cloppenburg keine Nachwuchssorgen hat,
in: Tagesspiegel v. 27.04.
- TSP (2004): Kinder, Kinder.
Wie die Bevölkerungsstruktur Deutschlands 1980 aussah und wie sie
sich bis 2020 verändert haben wird. Gründe und Konsequenzen,
in: Tagesspiegel v. 27.04.
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LANG, Susanne (2004): "Werther würde heute nicht mehr Selbstmord
begehen. Er würde im Internet nach einer anderen Frau suchen".
Die Soziologin Eva Illouz über die romantische Liebe in Zeiten des
Kapitalismus, Partnerwahl im Internet und das Dilemma der
Konservativen,
in: TAZ v. 26.04.
- Kommentar:
Eva ILLOUZ hat mit
"Der Konsum der Romantik" ein Buch
über die Liebe in der modernen Gesellschaft geschrieben. Im
Interview geht sie u.a. auf die Koexistenz zweier Liebesmodelle ein:
"Ich glaube, in unserer Kultur existieren zwei
konkurrierende Liebesmodelle. Das romantische besteht in einer
Erfahrung: spontan, plötzlich und überwältigend. Man ist fasziniert
von einer Person, in die man verliebt ist. Das andere Modell ist das
realistische. Es macht uns sehr misstrauisch gegen diese Romantik,
sagt uns, dass es nicht von Dauer ist, nur ein Produkt von
Hollywood-Klischees. Es kreist im Gegenzug darum, den Arbeitsalltag
mit all seinen Schwierigkeiten zusammen zu meistern und dem andern
die Hand zu halten, wenn er krank ist. Beide Modelle existieren
gleichzeitig."
Der französische Soziologe Jean-Claude-KAUFMANN hat
in seinem Buch "Der Morgen danach" die Koexistenz der beiden Liebesmodelle
und ihre Konsequenzen aufgezeigt.
ILLOUZ sieht in der Online-Partnersuche eine
Beschleunigung des pragmatischen Liebesmodells:
"Das Internet hat die Einstellung von Männern und
Frauen zur Liebe grundsätzlich verändert, weil es einen riesigen
Pool an möglichen Kandidaten eröffnet. Eine Suchmaschine kann bis zu
200 Treffer auf eine sehr individuelle Anfrage liefern. Im 19.
Jahrhundert hatte eine Frau vielleicht drei Angebote in ihrem ganzen
Leben. Beim zweiten überlegte sie sehr gut, ob sie es ablehnen
sollte. Heute ist man extrem wählerisch. Liebe ergibt sich aus einem
rationalen Suchprozess, den das Internet verstärkt hat: Man wählt
nicht auf der Grundlage von körperlicher Präsenz oder Merkmalen,
sondern nach Vorlieben, Bildungsgrad, Status, Alter und so weiter.
Erst danach wartet die Hürde des ersten Treffens."
Hans-Peter BLOSSFELD hat
anhand einer europäischen Untersuchung nachgewiesen, dass die von
ILLOUZ genannten Kriterien der gemeinsamen Vorlieben, Bildungsgrad
und Status bereits für die Offline-Partnersuche gelten.
Bildungssysteme und die damit verbundene Infrastruktur haben als
Heiratsmärkte bereits zur Durchsetzung dieser Kriterien geführt.
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ESSER, Barbara (2004): Rasterfahndung nach dem
Richtigen.
630 00 Singles suchen bei Parship, Deutschlands größtem
Online-Kuppler, die große Liebe. Ohne System geht das nicht. Und auch
nicht ohne Blessuren,
in: Focus Nr.18 v. 26.04.
- Inhalt:
ESSER stellt u.a. den über 70jährigen Professor Hugo
SCHMALE vor, der das psychologische Testverfahren von Parship
entwickelt hat (siehe
hierzu ausführlicher NZZ FOLIO vom Februar 2004).
Geschiedene, Getrenntlebende, Verwitwete und Alleinerziehende werden
von ESSER zur Gruppe der "Second-Hand-Kandidaten" zusammengefasst.
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BÄUMLISBERGER, B/BEHREND, T./FUHRER, A./HEISSMEYER, A./SCHWAB, F.
(2004): Die geteilte Republik.
Bis zum Jahr 2020 öffnet sich eine Riesenkluft zwischen
Boomregionen und Landschaften, die veröden. Der Abstieg trifft nicht
nur den Osten, sondern auch Teile des Westens,
in: Focus Nr.18 v. 26.04.
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SATTLER, Stephan (2004): "Wir müssen uns neu erfinden".
Frank Schirrmacher fordert
energisches Umdenken über das Altern und wirbt für "Das
Methusalem-Komplott": die Revolte gegen die Verschwendung der
Lebenszeit,
in: Focus Nr.18 v. 26.04.
- Kommentar:
Angeblich soll
SCHIRRMACHERs Pamphlet den Abschied vom Jugendwahn eingeleitet
und das Denken über das Altern revolutioniert haben.
Man fragt sich doch eher, wie konnte es dazu kommen,
dass unsere Elite dieses Thema so lange verhindert hat und nun in
einer Form präsentiert, die einem neuen Führerkult das Wort redet.
Lange genug jedenfalls, um in Ruhe einschneidende
Reformen durchzuführen, deren Folgen erst in den nächsten
Jahrzehnten sichtbar werden. Die eingeleiteten Sozialreformen
treffen ja nicht in erster Linie die jetzigen Rentnergenerationen,
sondern jene Generation, für die SCHIRRMACHER sich zum Vordenker
aufschwingen möchte.
Die Janusköpfigkeit von SCHIRRMACHER zeigt
sich im Vergleich des FOCUS-Interviews mit dem
WamS-Interview:
"FOCUS:
Was müsste dringend ins öffentliche Bewusstsein?
Schirrmacher: Wir haben eine rückläufige Geburtenrate, wir haben
nach wie vor anziehende Sozialsysteme, und wir haben im Süden des
Mittelmeers explodierende demographische Entwicklungen. Der Jemen
wird von heute 18 Millionen in 50 Jahren auf 140 Millionen Einwohner
ansteigen. Das ist Statistik. Sie zeigt unbarmherzig die
demographische Entwicklung und damit die ungeheuren Konflikte der
Zukunft. Selbst ein Wunder, die massenhafte Zeugung von Kindern in
Deutschland,käme – demographisch gesehen – zu spät. Doch bevor die
schrumpfenden Generationen nach mir über die Soziallasten
verzweifeln und das Problem der Alten einfach abschaffen, sollten
wir Wege aus der Gefahr aufzeigen."
Dramatisierer und Weltenretter
sind die beiden Rollen, die SCHIRRMACHER zugleich einnimmt...
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ADAM, Konrad (2004): Von Bayern lernen,
in: Welt v. 26.04.
- Kommentar:
Konrad ADAM möchte die etwas überdurchschnittliche
Geburtenrate in Bayern STOIBERs Politik zuschreiben, aber dies wäre
falsch.
Die Autoren der
Studie des Berlin-Instituts weisen
darauf hin, dass STOIBERs Bayern von der Gnade der günstigen
Altersstruktur zehrt. Die Flüchtlingsströme aus dem Osten in den
50er Jahren, die vor allem dem deutschen Süden zugute kamen,
beeinflussen auch heutzutage noch die Bevölkerungsentwicklung in
Bayern.
Daneben zehrt Bayern aber auch
noch vom Katholizismus.
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KAHL, Reinhard (2004): Deutschlands kinderlose Elite: Lauter letzte
Menschen.
Nehmen wir Abschied vom Mythos der Familie - oder von der Zukunft,
in: Welt am Sonntag v. 25.04.
- Kommentar:
Einer der größten Mythen ist die
kinderlose Akademikerin. Sie
geistert seit den 80er Jahren durch die Gazetten der
wertkonservativen Medien.
Links- und Rechtspopulismus widmen sich dem Sujet
gleichermaßen. Die Linken begrüßen den angeblichen Gebärstreik im
Namen einer Verbesserung von Beruf und Familie, während der
Rechtspopulismus das Aussterben der intelligenten Deutschen
zelebriert. Beide Seiten haben deshalb keinerlei Grund, ihre
Vorurteile an empirischen Fakten messen zu lassen.
NIRGENDS, aber auch NIRGENDS! Nirgends lassen
sich exakte Daten über die Kinderlosigkeit der Akademikerfrauen
finden. Warum? Es gibt sie schlicht nicht!
Es kursieren allenfalls Schätzungen, die fragwürdig
sind. Aus der Anzahl von Single-Haushalten, die von Frauen mit
Hochschulabschluss geführt werden, wird z.B. auf die lebenslange
Kinderlosigkeit dieser Frauen geschlossen.
Im neuen
Mai-Heft von GEO wird erstmals so
deutlich wie sonst nirgends diese Gruppe definiert:
"44,3 Prozent der 35-39-jährigen westdeutschen
Frauen, die in einem kinderlosen Haushalt leben, haben einen
Hochschulabschluss." (Anke SPARMANN, Vielleicht irgendwann...,
S.101)
Dies ist im Gegensatz zu den sonstigen schwammigen
Aussagen eine Aussage, die sich kritisieren lässt, wenngleich - grob
fahrlässiger Fehler! - die Jahreszahl fehlt.
Stammen die Daten etwa aus dem Jahr 1990 oder sind
sie neueren Datums? Wenn die Daten nicht völlig veraltet sind, dann
ist eine Angabe ja keine Problem, oder? Fehlen die Angaben, dann
müssen wir unterstellen, dass die Daten eigentlich ihr Verfallsdatum
überschritten haben. Wir wollen den Journalisten doch nicht gleich
Schlamperei unterstellen, oder?
Der Besitz eines Hochschulzeugnisses heißt
noch lange nicht, dass diese Frauen auch in einem akademischen Beruf
tätig sind, also eine Karriere machen.
Wo bleiben die Daten darüber, welchen Berufserfolg
kinderlose Frauen mit Hochschulabschluss haben? Wo sind die Daten
über die Arbeitslosigkeit dieser Frauen?
So genau will man es jedoch gar nicht wissen. Vorab ist bereits klar
woran es liegen muss: Konsum statt Kinder ist der einzige Grund, den
Sozialpopulisten kennen.
Die Herangehensweise über Single-Haushalte
kann nicht ausschließen, dass eine Frau Kinder geboren hat.
Es könnte sich um einen Zweithaushalt handeln, d.h.
das Kind wird im Haushalt des Vaters erzogen. Gerade in der neuen
Mitte ist es nicht unüblich, dass der Mann weniger verdient und
deshalb für die Kindererziehung zuständig ist.
Bei Scheidungen könnte das Kind beim Vater aufwachsen. Das ist zwar
nicht selbstverständlich, aber gerade in den neuen Milieus auch
nicht ausgeschlossen
Erst recht nicht ausgeschlossen werden kann,
dass diese Frauen noch Kinder gebären.
Gerade die Zahl der Spätgebärenden hat bei den
Hochschulabsolventen enorm zugenommen. Bei den 35-39-jährigen Frauen
werden also auch potenzielle Eltern mitgezählt. Warum werden also
nicht die Prozentzahlen von 40-45jährigen Frauen angegeben? Dann
wären schon viele potenzielle Mütter weggefallen.
Nur wer spätgebärende Mütter
nicht gesellschaftlich akzeptiert und deswegen mit allen Mitteln
versucht sie als Kinderlose oder Rabenmütter zu diffamieren, hat ein
berechtigtes Interesse, die Kinderlosigkeit der Akademikerfrau zu
dramatisieren.
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POSCHARDT, Ulf (2004): "Wir erobern einen neuen Planeten".
Deutschland stirbt aus - oder verblödet. Jüngste Studien beweisen:
Wir vergreisen und überlassen die Städte Wölfen und Luchsen. Ein
Expertengespräch mit dem Bestsellerautor Frank Schirrmacher,
in: Welt am Sonntag v. 25.04.
- Kommentar:
Man kann
Frank SCHIRRMACHER vieles
vorwerfen, aber nicht, dass er den Geburtenrückgang moralisiert,
über sein Frauenbild sagt die Antwort jedoch einiges:
"Akademikerinnen bekommen weniger Kinder. Ob die auch
klüger sind, lasse ich dahingestellt. Frauen sind, wie wir alle
wissen, enorm benachteiligt, weil hier die Natur die biologische Uhr
besonders unbarmherzig implantiert hat. Deshalb halte ich es
übrigens auch für moralisch verwerflich, Frauen, egal ob klugen oder
unklugen, vorzuwerfen, dass sie keine Kinder in die Welt gesetzt
haben."
Bei der Frage nach dem Zusammenhang von
Sozialstaat und Geburtenrate, der seit Ende der 70er Jahre
konstruiert wird, kontert SCHIRRMACHER:
"WamS:
Welche Schuld trägt der Sozialstaat am Versiegen ureigenster
Fortpflanzungswünsche?
Schirrmacher: Ich weiß nicht, ob es uns so
gefiele, dass nur diejenigen Kinder bekommen, die auf das Geld aus
sind, mit denen der Staat die Kinder honoriert. Außerdem warne ich
vor der Diffamierung all derjenigen, die aus welchen Gründen auch
immer keine Kinder in die Welt gesetzt haben."
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REINECKE, Stefan (2004): "Unser Problem ist nicht die Alterung,
sondern eine Politik ohne Ideen", sagt Hans Bertram.
Weniger Kinder, mehr Alte. Wird die Zukunft also grau? Nein. Denn
die Demografie ist nicht unser Schicksal,
in: TAZ v. 24.04.
- Inhalt:
Hans BERTRAUM wendet sich u.a. gegen jene
Angstgesellschaft, in der unsere
Eliten erst jene Ängste erzeugen (siehe z.B.
Frank SCHIRRMACHER), mit denen sie
sich dann als Weltenretter profilieren können:
"Es
gibt eine Art demografische Krisenstimmung, die stark von
Projektionen bestimmt wird. Der französische Historiker
Fernand Braudel hat gezeigt, dass es solche
Alterungsprozesse immer schon gegeben hat. Es kommt darauf an, wie
wir gesellschaftspolitisch reagieren. Unser Problem ist nicht die
Alterung, sondern die Verschwendung von Humankapital. Denn wir gehen
davon aus, dass niemand, der älter als 60 oder 65 ist, produktiv
sein kann. Das ist eine historisch ganz neue Vorstellung, die erst
seit den 70er-Jahren existiert.
Vielerorts heißt es doch: Die Demografie ist unser Schicksal.
Nein. Das stimmt so nicht. Die düsteren Prognosen werden nur
eintreten, wenn wir es nicht schaffen, das wachsenden Potenzial von
älteren, noch produktiven Menschen einzubeziehen. Das ist kein
Schicksal, sondern Politik. Wenn wir nur auf die Demografie starren
und uns in Schreckensszenarien vertiefen, wird das eine
self-fulfilling prophecy."
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- Kommentar:
Das Berlin-Institut hat die Zukunftsfähigkeit
deutscher Regionen bis ins Jahr 2020 prognostiziert.
In den Medien wird entweder
der demografische Wandel und/oder die ökonomische Situation als
Ursache mangelnder Zukunftsfähigkeit in den Mittelpunkt gerückt.
Welt und WamS nutzen die Studie,
um gegen Kinderlose zu hetzen. Obwohl die Wissenschaftler 22
Indikatoren zur Beurteilung der Zukunftsfähigkeit herangezogen
haben, interessieren sich die wertkonservativen Medien nur für die
Geburtenentwicklung.
Die Studie zeigt jedoch, dass der
heutige Altersaufbau das Produkt von Entwicklungen ist, die zum Teil
vor den 60er und 70er Jahren datieren. Bayern verdankt z.B. seine
gegenwärtig günstige Altersstruktur den Flüchtlingsströmen aus den
Ostgebieten während der 50er Jahre.
Ländliche Gebiete mit hohen
Geburtenraten profitieren von nahen Städten mit einer florierenden
Wirtschaft.
Das größte Manko: Eine
Studie, die ihre Ergebnisse aus der Sicht politischer
Gebietskörperschaften aufbereitet, verzerrt zwangsläufig den Blick
auf die Ursachen.
Menschen halten sich mit ihrem
Verhalten nicht an politische Grenzen. Eine Politik, die nicht über
ihre kleinkarierten Grenzen schaut, führt deshalb zu
kontraproduktiven Maßnahmen. Standortkonkurrenz verhindert den
effiziente Einsatz der Mittel und führt dazu, dass Regionen
gegeneinander ausgespielt werden.
Das Mai-Heft der Zeitschrift GEO
präsentiert in ihrer 32seitigen Beilage zu den demographischen
Perspektiven Deutschlands ausführlich die Ergebnisse der Studie. Es
werden die Länderprofile dargestellt, die alle Kriterien der
Zukunftsfähigkeit genannt und die Benotung aller Städte in einer
Tabelle aufgeführt.
Das grundsätzliche Problem
der Studie besteht darin, dass die einzelnen Kriterien nicht
gewichtet werden, sondern unverbunden nebeneinander stehen. Die
Gesamtnote ist deshalb durchaus fragwürdig.
Die Stadt Heidelberg hat z.B. mit
0,88 die niedrigste Geburtenrate in Deutschland. Eine
Universitätsstadt wie Heidelberg, lebt zu allererst durch seine
Studenten. Man kommt nicht zum Kinderkriegen, sondern zum Studieren
in die Stadt. Junge Familien ziehen dagegen ins Umland. Ausnahme:
Family Gentrifier. Städte sind für Menschen also vor allem in einer
ganz bestimmten Lebensphase attraktiv.
Wer Städten ihre historisch
gewachsene Kinderarmut zum Vorwurf machen möchte, der stellt die
moderne, arbeitsteilige Gesellschaft grundlegend in Frage. Es geht
dabei zentral um die Frage, ob die Einnahmen zwischen einzelnen
Kommunen gerecht verteilt werden.
Darf es sein, dass der Wohnort höher
bewertet wird als der Arbeitsort, der Bildungsort oder der
Freizeitort? Eine kleinräumige Betrachtung von Geburtenzahlen führt
möglicherweise zu weitreichenden Fehlschlüssen, wenn nicht die
besondere Funktion einer Stadt berücksichtigt wird.
Wenn auf die vielen Alten in
Baden-Baden hingewiesen wird, als ob das ein Defizit sei, dann wird
dies sofort fragwürdig. Ein Kurort zeichnet sich nun einmal durch
einen höheren Anteil an älteren Menschen aus. Daraus jedoch
waghalsige Prognosen über die Zukunftsfähigkeit abzuleiten, das
wirft eher ein seltsames Licht auf die Forscher und ihre
Herangehensweise.
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FEB (2004): Der Süden hat die Zukunft noch vor sich.
Eine Studie des Berlin-Instituts für Demographie macht große
regionale Unterschiede in Deutschland aus,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.04.
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SCHWÄGERL, Christian (2004): Im alten
Land.
Raum ohne Volk: Zwischen Usedom und Fichtelgebirge wird man schon
im Jahr 2020 kaum noch Menschen begegnen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.04.
- GRASSMANN, Philip (2004): Forscher sehen
Deutschland auf dem Weg in die zweite Liga.
Studie über Folgen der Überalterung und des Wegzugs junger
Menschen. Schlechte Zukunftschancen für den Osten, aber auch für
einige Regionen im Westen/Bayern und Baden-Württemberg am besten
gerüstet,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.04.
- Inhalt:
GRASSMANN weist darauf hin, dass die 5 Landkreise
mit der schlechtesten Zukunftsfähigkeit allesamt Leidtragende des
Zusammenbruchs traditioneller Industrien seien:
"Altenburger Land
(Braunkohletagebau), Wismar und Bremerhaven (Schiffbau),
Gelsenkirchen (Kohle), Löbau-Zittau (Textilwirtschaft)."
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HERRMANN, Ulrike (2004): Wo Deutschland jung ist.
In religiös geprägten Gegenden kommen viele Kinder zur Welt. Bald
öd und leer: Gelsenkirchen und Löbau-Zittau
in: TAZ v. 23.04.
- Kommentar:
Ulrike HERRMANN, früher für die
kinderlosenfreundliche Berichterstattung bei der TAZ zuständig,
muss nun zur Strafe über die Studie vom Berlin-Institut berichten.
Mehr muss man über die bevölkerungspolitische Wende der TAZ nicht
mehr sagen.
Mit dem Zusammenhang von
Katholizismus, Sozialstaat und Geburtenpolitik beschäftigt sich
das Mai-Thema von single-dasein.de:
"Kindersegen durch Glaubensstrenge?
Das Beispiel Cloppenburg in Niedersachsen scheint dies nahe zu
legen. Nirgendwo sonst kommen in Deutschland so viele Kinder zur
Welt wie in dieser katholischen Enklave: 1,92 pro Frau.
Allerdings, das verwirrt, sind die Protestantinnen in Cloppenburg
genauso gebärfreudig - obwohl es kaum Kinderbetreuung gibt."
Der in Deutschland dominante
Katholizismus ohne Katholiken
erklärt, warum dies so ist.
- SIEMS, Dorothea (2004): Die Schlauen
sterben aus,
in: Welt v. 23.04.
- DSI (2004): "Immer weniger Kinder in
bildungsfernen Schichten",
in: Welt v. 23.04.
- PETER, Joachim (2004): Die Gegensätze
verschärfen sich.
Bevölkerungswanderungen in wohlhabende Gebiete - Dramatischer
Geburtenrückgang - Der Osten verliert,
in: Welt v. 23.04.
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BUHR, Elke (2004): Weil ich ein Mädchen bin,
in: Frankfurter Rundschau v. 23.04.
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KREMP, Herbert (2004): Als die Jungen begannen, die Alten zu töten.
Auf die demographische Katastrophe folgte das Pogrom: Eine Vision
aus dem Jahr 2029,
in: Welt v. 22.04.
- Kommentar:
Die Zukunfts-taz war schon ein Graus. Die Neue Mitte
ist ausgeblutet und ideenlos.
Herbert KREMP möchte es nun der
taz nachmachen, nur ist Oswald der SPENGLER sein Untergangsprophet.
Die WELT macht kostenlos Werbung für sein Book of Demand Memoiren
der Zukunft - Deutschland 2050.
KREMP, Jahrgang 1928, wird
man im Jahr 2050 nicht mehr haftbar machen können, wenn seine
Horrorszenarien nicht eingetroffen sind. Selbst
Bevölkerungswissenschaftler übernehmen ja bekanntlich keinerlei
Haftung für ihre Prognosen oder Modellrechnungen.
In Deutschland übertreffen sich die
Miesepeter gegenseitig. Wer heutzutage nicht seine ganze Energie in
Bücher über den Abstieg Deutschlands investiert, der scheint den
neuesten Trend noch nicht erkannt zu haben. Die Deutschen also ein
Volk von Masochisten?
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SCHULTHEIS, Christoph (2004): Leben in der Schublade.
Sind wir nicht alle ein bisschen spießig? Nein, sind wir nicht!
Aber dazu später. Zunächst widmen wir uns der Frage: Was soll das
eigentlich sein, Spießigkeit?
in: TAZ v. 22.04.
- Kommentar:
Neuerdings muss sich die TAZ öfters mit dem Spießer
beschäftigen. Früher war das unnötig, denn es wäre niemand auf die
Idee gekommen, die TAZ für spießig zu halten.
Was ist spießig? Nicht als
spießig gelten zu wollen!
Joachim BESSING wird unter der Rubrik "neuerdings spießig"
abgehandelt. Das muss man bei SCHULTHEIS als Adelsprädikat
auffassen.
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JUNGLE
WORLD-Titelgeschichte: A-wop-bop-a-loo-lp a-lop bam boo! Wang
dang sweet poontang! Boom boom boom boom A-haw haw haw haw! Gabba
gabba hey!
Der Rock’n’Roll wird 50! Panik erfasste Eltern, Pfarrer und
Sittenwächter, als Bill Haley begann, rund um die Uhr zu rocken.
Die Haare wurden länger, die Gitarren quietschten, die Fans
kreischten, die Steine rollten und flogen. Stay high, live fast,
die young. Wenn Sie die lauteste Revolte aller Zeiten überlebt
haben, drehen Sie jetzt die Regler hoch.
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SUNDERMEIER, Jörg (2004): Scream'n'Shout.
Der Rock ist unverständlich. Aber wir bilden uns ein, ihn zu
verstehen. Und zwar über die Lyrics,
in: Jungle World Nr.18 v. 21.04.
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RIPPLINGER, Stefan (2004): Rocky Mountains.
Eine Liebe zu Ted Nugent und Anton Bruckner. Stefan Ripplinger
bilanziert sein Rockerleben,
in: Jungle World Nr.18 v. 21.04.
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GRUMBACH, Axel (2004): Perlen vor die iPods.
Nachruf auf den Plattensammler,
in: Jungle World Nr.18 v. 21.04.
- Inhalt:
GRUMBACH mit einem verfrühten Nachruf auf
den Plattensammler:
"Der
klassische Plattensammler, der viel Zeit und Geld in seine
Leidenschaft investiert hat, würde den Vorwurf des
Fetischcharakters seiner nüchtern betrachtet als Warenanhäufung
bezeichneten Tätigkeit entrüstet zurückweisen. Erst recht seitdem
sein Tun durch
Nick Hornby in »High Fidelity« höhere Weihen bekommen hat:
»Plattensammeln ist nicht so wie Briefmarken oder Bierdeckel oder
antike Fingerhüte sammeln. Da steckt eine ganze Welt drin, eine
schönere, schmutzigere, gewalttätigere, friedlichere,
farbenfrohere, schlüpfrigere, gemeinere und liebevollere Welt als
die, in der ich lebe.«
Trotzdem werden Selbstbild und Identität des Plattensammlers
regelmäßig erschüttert, wenn ein dowloadender Jugendlicher in ein
paar Monaten seinen zigarettenschachtelgroßen MP3-Player randvoll
mit ebenso viel Musikgeschichte gestopft hat, wie der Collector es
nur durch jahrelanges Durchforsten von Plattenläden schaffte. Das
scheibenweise erworbene Gefühl der Exklusivität ist verloren
gegangen, das vermeintliche Geheimwissen offenbart. Es ist nun für
jedermann verfügbar im Internet. Die große coole Plattensammlung,
die stolz die Stationen der individuellen musikalischen
Sozialisation repräsentierte, hat für den Sammler selbst zwar noch
einen großen Wert, aber nicht mehr so sehr für seine unmittelbare
Umgebung: Immer seltener wird er von seinen Mitmenschen gefragt,
ob er vielleicht so gnädig ist, von seinen raren Perlen die eine
oder andere Aufnahme zu machen."
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ROGGENKAMP, Viola (2004): Das Alter ist im Kommen.
Als meine Freunde mir eine Überraschungsparty zu meinem 60.
Geburtstag spendierten, hätte ich sei alle ermorden können (Betty
Friedan in "The Fountain of Age")
in: TAZ v. 21.04.
- Inhalt:
Viola Roggenkampf, die
Frau ohne Kind, provoziert die
Jungen und
Frank SCHIRRMACHER samt Männer-FAZ
mit Sätzen wie:
"Ich gehöre zu der Generation, die
länger lebt, als sich das die Rentenpolitiker vor dreißig Jahren so
dachten. Ich bin da, mich gibt es. Ich will noch lange mitreden.
(...).
Das Alter ist im Kommen. Große Aufgaben liegen vor uns. Wir brauchen
eine neue Frauenbewegung, wir brauchen den Aufstand der alten
Frauen. Wir leben am längsten, wir sind wichtig"
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@jöt (2004): Wellenreiter.
Aufstand der Großmütter,
in: faz.net v. 21.04.
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BERTRAM, Hans (2004): Familien brauchen Zeit.
Warum wir so wenig Geburten haben,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.04.
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MARTENSTEIN, Harald (2004): Rafis Kampf.
Rafael Seligmann begeht in "Bild" und "taz" Führers Geburtstag,
in: Tagesspiegel v. 21.04.
- Kommentar:
"Zum ersten Mal in der deutschen Mediengeschichte hat
gestern derselbe Autor in der »Bild«-Zeitung und in der
»Tageszeitung« am selben Tag über dasselbe Thema geschrieben.
Normalerweise gibt es das nur bei der »Welt« und der »Berliner
Morgenpost«. »Bild« und »taz« unterscheiden sich normalerweise
allerdings etwas stärker voneinander", berichtet
Harald MARTENSTEIN.
1979 als das Single-Dasein
in West-Deutschland noch neu und unerhört war, da schrieb Werner
BREDE den Text "Gebrannte Kinder" in der Anthologie "Ich lebe
allein" über den gefährlichen Narzißmus:
"Nun ein Zitat von einer omnipotenten
Großperson, das recht gut über die praktische Tragweite
narzißtischer Träume informiert. Es klingt ganz harmlos: ein Mann
sagt, warum er ein Single ist. Nur: Dieser Mann ist Hitler", führt
BREDE ein, um dann HITLER zu zitieren:
"Das ist das Schlimme an der
Ehe: sie schafft Rechtsansprüche! Da ist es schon viel richtiger,
eine Geliebte zu haben. Die Last fällt weg, und alles bleibt ein
Geschenk. Das gilt natürlich nur für hervorragende Männer. Daß ein
Mann wie ich noch heiraten wird, glaube ich nicht.
(...).
Es gibt doch nichts Schöneres, als ein junges Ding zu erziehen: ein
Mädel mit 18, 20 Jahren ist biegsam wie Wachs. Einem Mann muß es
möglich sein, jedem Mädchen seinen Stempel aufzudrücken. Die Frau
will auch nichts anderes!"
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AP (2004): "Er ist so goldig".
In Japan sollen Roboter Alte und Kinder therapieren - die
emotionalen Folgen sind noch kaum erforscht,
in: Welt v. 21.04.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 15. - 20. April 2004
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