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Medienrundschau:
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News vom
25. - 31. August
2004
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Zitat
des Monats:
"Die
bislang für einen westdeutschen Geburtsjahrgang niedrigste
endgültige Kinderzahl wird mit 1439 für die 1968 geborenen
Frauen geschätzt. Für die danach geborenen Frauen (1969, 1970)
erwarten wir mit 1456 bzw. 1472 leichte Anstiege der endgültigen
Kinderzahl. Der Rückgang der endgültigen Kinderzahlen, der
bereits seit dem Jahrgang 1933 (2224) bestand, ist damit
abgeschlossen."
(Jürgen Dorbritz
in den BIB-Mitteilungen, Nr.2 v. 22.06.2004) |
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BUTTERWEGGE, Christoph (2004): Deutschland droht
eine doppelte Spaltung.
Mit Hartz IV wird nicht nur die Wohlstandskluft
zwischen West und Ost tiefer, sondern auch die zwischen oben und unten,
in: Frankfurter Rundschau v. 31.08.
- Inhalt:
Christoph BUTTERWEGGE beschreibt
das Nachwendedeutschland als "postmoderne Zweiklassengesellschaft":
"Regionale und soziale Disparitäten
überlappen sich, weshalb Deutschland eine doppelte Spaltung droht:
Neben dem West-Ost-Wohlfahrtsgefälle, das in beiden Landesteilen von
einem Süd-Nord-Wohlstandsgefälle überlagert wird, vertieft sich die
Kluft zwischen oben und unten, weshalb man 15 Jahre nach der »Wende«
von einer postmodernen Zweiklassengesellschaft sprechen kann. Durch
ökonomische Krisenerscheinungen franst die kleinbürgerliche Mitte in
den westlichen Bundesländern aus, während sie in den östlichen erst
gar nicht zum gesellschaftlichen Gravitationszentrum geworden ist."
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BARTELS, Gerrit (2004): Wer lacht, hat Pech gehabt.
Das Warten auf den Sonnenschein: Ein Bücherherbst, der
sich genauso Erfolg versprechend wie unaufgeregt entwickelt, und ein
eigenartiger, aber interessant wechselvoller Saisonauftakt im
Literarischen Colloquium Berlin,
in: TAZ v. 31.08.
- Inhalt:
BARTELS sucht den Bestsellerautor des
Bücherherbstes:
"Die
neuen Bücher einiger Großautoren wurden schon früh in diesem Sommer
veröffentlicht, von
Martin Walser,
Peter Handke, Volker Braun; es folgten dieser Tage die einiger
potenzieller Großautoren, von Ralf Rothmann etwa,
Thomas Meinecke oder Bodo Kirchhoff; und in
Sven Regener oder Thomas Brussig legen demnächst zwei jüngere
Autoren neue Romane vor, die die literarische Welt nicht aus den
Angeln heben werden, aber ordentlich Verkäufe versprechen.
Ein neuer Star aber, einer, an dem keiner vorbeikann, ist nicht in
Sicht, keine neue Judith Hermann, kein Christian Kracht, kein Georg
Klein. (...). Und ob es bei
Sophie Dannenbergs »Das bleiche Herz der Revolution« zugreift,
einer »bissigen« Auseinandersetzung eines Kindes mit seinen
68er-Eltern, sei dahingestellt: Vom Verlag stolz als heißes Eisen
gehandelt, waren zumindest erste professionelle Leser eher
enttäuscht, wenn nicht gar entsetzt von der Qualität des Buches."
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GRAW, Ansgar (2004): Der mit den Linken tanzt.
"Die Reformlüge": CSU-Vize Horst Seehofer präsentiert
das Buch des SPD-Nationalökonomen Albrecht Müller,
in: Welt v. 31.08.
- Inhalt:
GRAW berichtet über eine Buchvorstellung, bei
der Horst SEEHOFER die Demografie als Mittel sozialpolitischer
Demagogie kritisiert:
"Ein
zentraler Irrtum, befindet Horst Seehofer mit Friedrich Nietzsche,
bestehe darin, dass jede Generation überzeugt sei, vor der größten
Herausforderung der Menschheitsgeschichte zu stehen. Und deswegen
seien die alarmistischen Deutschen seit 40 Jahren überzeugt, ein
»sterbendes Volk« zu sein. Doch
die demografische Entwicklung werde eindeutig übertrieben
dargestellt, sagt Seehofer."
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MÄRZ, Ursula (2004): Zug der Unzufriedenen.
Montags auf die Straße: Protokoll zu den fortlaufenden
Berliner Demonstrationen gegen die Reformpolitik der rot-grünen
Bundesregierung,
in: Frankfurter Rundschau v. 30.08.
- Inhalt:
Ursula MÄRZ beschreibt die Gemengelage der
Berliner Montagsdemonstration:
"Sozial
handelt es sich fast durchweg um Menschen der unteren Mittelschicht
an der unteren Einkommengrenze, Menschen zwischen 30 und 70 Jahren.
Das verbindende Intentionsmerkmal sind blaue Schilder, die viele mit
sich tragen und auf denen steht: "Weg mit Hartz IV, das Volk sind
wir." Weit und breit sind weder die notorischen Kreuzberger
Schlachtenbummler noch Angehörige des linksliberalen
Kulturbürgertums zu sehen oder neutral teilnehmende Beobachter,
lediglich der
Publizist Ulrich Enzensberger, von dem in Kürze ein Buch über die
Geschichte der Kommune 1 erscheint, geht zwischen den Menschen
hindurch. Er fällt schon deshalb aus dem Rahmen, weil er ein Jackett
trägt."
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KLÜVER, Reymer (2004): Eine Frage des Stolzes.
Der Grüne Oswald Metzger tingelt durch die Republik und schimpft
über die eigene Partei - für die er doch eigentlich wieder in den
Bundestag will,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.08.
- Inhalt:
KLÜVER porträtiert den
Vorzeige-Grünen der neuen Bürgerbewegung,
der mit Ehrlichkeitspathos und Schmerz, Schweiß- und Tränen-Reden
den Neoliberalismus unters Volk bringt:
"Sein
im letzten Jahr veröffentlichtes Buch ist jetzt als Taschenbuch
herausgekommen. Er hält jede Woche zwei, drei, mitunter mehr
Vorträge, für die er 3000 Euro fordert und erhält. Er wird auf
Podien und in Talkshows eingeladen. Und hilfreich ist sicher auch,
dass ihn die Bertelsmann-Stiftung als Berater verpflichtet hat."
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BESTE, Ralf & Gabor STEINGART (2004): "Da müssen wir
durch".
Außenminister Joschka Fischer, 56, über die Kampfkraft
seiner Grünen, Oskar Lafontaines Pläne für eine Linkspartei und die
wachsende Zerstrittenheit der Union,
in: Spiegel Nr.36 v. 30.08.
- Inhalt:
Joschka FISCHER u.a. über die Wählerschaft der Grünen:
Wenn wir eine große Volkspartei
wären wie die SPD, hätten wir vielleicht dieselben Probleme. Die
Grünen haben aber eine andere Wählerschaft. Ich verrate Ihnen mal
ein Geheimnis: In Marburg, Frankfurt, Köln und anderswo sind wir
schon seit der Gründung auch in gutbürgerlichen Gegenden, um nicht
zu sagen reichen Gegenden gewählt worden. Und das, obwohl wir immer
für soziale Gerechtigkeit eingetreten sind und nie Klientel-Politik
für Besserverdienende à la FDP gemacht haben. Heute laufen bei den
jungen Erstwählern die Entscheidungen oft nicht zwischen der SPD und
uns, sondern zwischen uns und der CDU.
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SCHMID, Thomas (2004): Die nervöse Republik.
Berlin ist nicht Weimar. Das war mehr Glück als Leistung. Haben wir
in den besseren Zeiten wirklich genug gelernt für schlechtere?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 29.08.
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EISENHAUER, Bertram (2004): "Wir haben keine Kultur
des Verlierens".
Der Soziologe Martin Doehlemann über Franziska van Almsick, den
Hartz-IV-Protest - und die Kunst der selbstüchtigen Bescheidung,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 29.08.
- Inhalt:
Martin DOEHLEMANN über das Fehlen
einer Kultur des Verlierens:
"In unserer Kultur, die sehr
medial geprägt ist, schätzen wir den großen triumphalen Ausdruck.
Jeder siegreiche Autorennfahrer spritzt grundsätzlich mit Sekt
herum, jeder Sieger macht das Victory-Zeichen. Aber Ausdrücke, die
uns das innere Verkraften von Niederlagen ermöglichen, gibt es sehr
selten. Es gibt keine Mitleidsetikette, es gibt keine Etikette
dafür, wie wir Verluste und Einbußen begleiten. Solche Aguenblicke
werden zur Solonummer. Da stehen wir alleine da, haben vielleicht
Freunde oder Psychiater. In den westlichen Wohlstandsgesellschaften
gibt es keine Verliererkulturen mehr."
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LOTTMANN, Joachim (2004): Guten Tag, ich will meinen
Körper zurück.
Mit der Schriftstellerin Kerstin Grether über die Berliner
Kastanienallee. Ein Kontrollgang,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 29.08.
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HENTSCHEL, Joachim (2004): Arbeiter sind klasse.
Vor genau zehn Jahren erschien das erste Album von Oasis, für viele
Menschen eine Offenbarung. Was war noch mal die Geschichte?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 29.08.
- Inhalt:
Vor 10 Jahren erschien das Debütalbum "Definitely
Maybe" von Oasis. HENTSCHEL rekapituliert nochmals das
Missverständnis von Cool Britania:
"Eigentlich hatte die Band
vorgehabt, sich dem Radiopublikum mit einem hedonistischen
Arbeiterkampflied vorzustellen. Coole Wampe: »Du bist ein
Ausgestoßener, du gehörst zur Unterklasse/Aber das ist dir egal,
denn dein Leben ist schnell genug.« Sie nahm dann lieber den weich
gereimten Mumpitz-Song »Supersonic« (»Sie trieb's mit einem Doktor
in einem Helikopter«") (...).
Nostalgisch verklärt sagen viele, es habe damals sonst keine
gescheite Musik gegeben - wer einen der frühen Auftritte erlebt hat,
versteht diese falsche Aussage instinktiv richtig. (...).
»Die Jungs würden es nie wagen, dieses Konzert bloß 'schön' zu
finden. Schön ist vielleicht das Wetter oder der Tag in der
Bier-Reklame, aber hier muß Freude begründet werden, und das geht ja
auch gut«, schrieb Benjamin von Struckrad-Barre 1998 am Schluß von
»Soloalbum«, dessen Kapital nach Oasis-Liedern benannt sind und das
ein ähnlich großkotziges, im Kern simples Debüt war wie »Definitely
Maybe«. Wenn auch nicht Working Class.
(...).
Dass sie 1994 nach fünfzehn Jahren konservativer Regierung die
Grundregeln des Thatcherismus längst selbst verinnerlicht hatten,
daß sie statt Klassenkampf nur persönliche Beförderung suchten,
hatte der Labour-Vorsitzende Tony Blair jedenfalls schneller erkannt
als das Publikum, das den Britpop-Trend und den neuen Swing von
London als erfrischende Vorboten der Befreiung las. (...).
Im Mai 1997 gewann New Labour die General Election, und kurz bevor
Blair Studiengebühren vorschlug und Zwangsbeschäftigung für genau
die Arbeitslosen, die ihm mit ihrer Popmusik so gut ins Amt geholfen
hatten, empfing er Noel Gallagher zur Sieger-Party in der Downing
Street."
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WIN (2004): Erfolgreiche Menschen haben kaum Sex,
in: Welt am Sonntag v. 29.08.
- Kommentar:
Im Kulturkampf gegen kinderlose
Doppelverdiener haben US-amerikanische Forscher den DIN kreiert:
Double Income No Sex.
WIN schreibt dazu:
"Künftig
können Sie aufhören, das Vorzeigepärchen aus dem Nachbarhaus zu
beneiden. Beide sehen toll aus. Beide sind ultraerfolgreich.
Wahrscheinlich aber sind es »Dins«, und denen fehlt etwas
Entscheidendes: Sex."
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JESSEN, Philipp (2004): Hart, aber romantisch.
Warum gerade Männer eine Schwäche für romantische Komödien haben.
Ein Bekenntnis,
in: Welt am Sonntag v. 29.08.
- Inhalt:
JESSEN beklagt sich darüber, dass es
heutzutage keine romantischen Frauen mehr gibt:
"Wurde
sich früher über die körperliche Verweigerung der Frauen beschwert,
so höre ich immer öfter Freunden und auch Fremden zu, die sich über
fehlende Romantik und Bindungsfähigkeiten des anderen Geschlechts
beschweren. Die einen schieben es auf die heimlich angekommene
Emanzipation, ich schiebe es auf die TV-Serie
»Sex and the City«. Doch in einem sind wir uns einig: Die
romantische Abkühlung der Frau von heute ist einfach eine Tatsache."
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WAGNER, Elisabeth (2004): Die Freundin der Siegerin.
Einige gute Gründe, allein zu sein. Ein Protokoll,
in: Berliner Zeitung v. 28.08.
- Inhalt:
WAGNER protokolliert das Leben einer
Alleinlebenden:
"Übrigens, ich heiße Anna,
ich bin Schauspielerin, 32 Jahre alt, und ich lebe allein.
Ich habe aufgehört zu zählen oder darüber mit meinen Freunden zu
reden. Die Männer, die ich kennen lerne, stelle ich selten noch
jemandem vor. Es ist doch so, sobald wir einen Termin gefunden haben
und meine Freunde ihm begegnen könnten, ist es meistens auch schon
wieder vorbei. Es hat lange gedauert, bis ich glauben konnte, dass
sich die Dinge tatsächlich wiederholen. Denn im Grunde mag ich keine
Affären, und immer, wenn etwas beginnt, sehr viel seltener als Sie
sich das jetzt ausmalen, versuche ich mir vorzustellen, wohin es
führen könnte. Viele meiner Freundinnen bekommen jetzt Kinder. Sie
legen mir ihre Babys in den Arm und fragen: »Na, wie fühlt es sich
an?« Ich sollte weinen, zusammenbrechen und meine Einsamkeit
bekennen, möglich, sie wären zufrieden mit mir und würden aufhören,
mich anzusehen wie eine schiffbrüchige Kranke. Aber so einfach ist
es nicht. Ich kann mich nämlich anstrengen wie ich will, ich spüre
das Unglück nicht."
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Gründung der Seniorenorganisation
"Grüne Alte"
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EICHSTÄDT-BOHLIG, Franziska (2004): Zukunft "Made in
Germany".
Der Umverteilungssozialismus hat ausgedient,
in: Tagesspiegel v. 28.08.
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KIANI, Wäis (2004): Steht auf, wenn
ihr Männer seid.
Erst forderten Frauen den femininen Typ. Jetzt, da es ihn gibt,
wollen sie ihn wieder umerziehen. Zum echten Mannsein gibt es endlich
den Regelkatalog. Wir zitieren aus dem neuen Buch "Stirb, Susi",
in: Financial Times Deutschland v. 27.08.
- Kommentar:
Wäis KIANI hat im Dezember 2003 ihr
"Stirb, Susi" in der Süddeutschen
Zeitung vorgetragen.
Da ihre Forderung
nach klassischen Geschlechtsrollen exzellent zum heroischen
Neoliberalismus passt, ist ihr Beitrag mittlerweile zum Buch
aufgebläht worden:
"Anstatt sich auf unserem
Terrain wichtig zu machen, sollte ein Mann lieber mit seinen Kumpels
trinken gehen, sein Auto tunen, Geschäfte machen, möglichst viele
Verhandlungen führen, öfter jemanden auflaufen lassen, seine
Untertanen anbrüllen, ständig an Sex denken und auch bei jeder
Gelegenheit mehr oder weniger freundlich darum bitten und, ganz
wichtig: viel lügen: Echte Männer müssen keine Angst haben, sie
werden immer gebraucht. Nicht zum Schwere-Sachen-Heben. Wirklich
nicht."
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WINKELMANN, Ulrike (2004): Die junge Tante SPD.
Hoffnungsträger der Sozialdemokratie. Niemand
mag sie mehr, die SPD. Und intern streitet die Partei um den
Kanzlerkurs. Wer sind die jungen, aber nicht mehr ganz jungen
Aufsteiger, die nach der Agenda 2010 der SPD ein neues Gesicht geben
werden? Auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene gibt es sie längst.
Drei Beispiele,
in: TAZ v. 27.08.
- Inhalt:
Ulrike WINKELMANN stellt drei Generationsgenossen aus der SPD
vor: Kristin ALHEIT, Florian PRONOLD und Heiko MAAS.
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AHBE, Thomas (2004): Das Ende einer Beziehung.
Umbau der Parteienlandschaft.
Das modernisierte bürgerliche Milieu des 21.
Jahrhunderts braucht den Sozialstaat nicht mehr; der Streit um die
Etikettierung der Sozialproteste macht die künftigen politische
Bruchlinien sichtbar,
in: Freitag Nr.36 v. 27.08.
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HORX, Matthias (2004): Glückliche Familien.
Eltern und Kinder passen ihr Zusammenleben sehr
erfolgreich dem gesellschaftlichen Wandel an,
in: Welt
v. 26.08.
- Kommentar:
Matthias HORX hat die glückliche
Familie entdeckt.
Er greift dazu bis zu
Wilhelm Heinrich RIEHL und dessen Zerfallsrhetorik zurück, um
diese Sichtweise dann zu verwerfen.
Vier Familientypen stellt
uns HORX vor, die er wieder mit seinem berühmt-berüchtigten
Vokabular benennt als "neue Familie", "re-aristokratisierte
Familie", "fraktale Puzzle-Familie" und die "Nicht-Familie" (hierin
werden die Polarisierer natürlich einen Etikettenschwindel sehen).
HORX wertet die
Familiengründung als Lebenskunst auf und sieht in der Partnerwahl
den entscheidenden Schlüssel dafür, ob die Familiengründung gelingt.
"Wer
nach zwölfeinhalb ernsthaften Partnerschaften eine feste Bindung
eingeht, hat die besten Chancen auf eine stabile lebenslange
Beziehung",
prophezeit uns HORX in Anlehnung an spieltheoretische Überlegungen.
Das Single-Dasein wird in
dieser Sicht als notwendige Phase beschrieben. "Serielle Monogamie"
ist also der erfolg versprechende Weg zu stabilen Beziehungen.
Diese Sichtweise deckt sich
z.B. mit neueren empirischen Studien von Gunter SCHMIDT u.a.
Der französische Soziologe
hat in seinem Buch "Der Morgen danach" ebenfalls dieses pragmatische Liebesideal
als den modernen Weg beschrieben.
Damit ist HORX bei
jener Sichtweise angekommen, die single-dasein.de von Anfang an
vertreten hat...
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- MONATH, Hans & Stephan-Andreas CASDORFF
(2004): "Wir können die Ängste der Menschen entkräften".
Außenminister Joschka Fischer über Hartz IV, die
Notwendigkeit, mehr in die junge Generation zu investieren und über
grüne Wohlfühlministerien,
in: Tagesspiegel
v. 26.08.
- Kommentar:
Hans MONATH hat den heutigen Auftritt von
Joschka FISCHER bereits am 23.08. im Artikel "Der Erfolg der Grünen"
vorbereitet, als er schrieb:
"Manche
Spitzenpolitiker der Grünen vermitteln den Eindruck, als fänden sie
ihre Rolle im Windschatten der gesellschaftlichen Kämpfe um Hartz IV
ganz behaglich. Während der Kanzler nun kämpft, ist von Vizekanzler
Joschka Fischer zu den Existenzfragen seiner Koalition nichts zu
hören. Dabei hätte der Politiker, dem die Deutschen die größte
Glaubwürdigkeit bescheinigen, das kommunikative Talent, auch
bildungsferne Schichten zu erreichen. Kanzler Schröder hat den Kampf
um die Vermittlung aufgenommen. Den Verdacht, es ginge ihnen bei
ihrer Abstinenz in der Hartz-Debatte nur darum, die eigene Haut zu
retten, könnten die Grünen ausräumen. Wenn sie auch jene Menschen
ansprechen würden, die in ihrer sozialen Welt nicht zu Hause sind."
FISCHER
verteidigt die Senkung der Spitzensteuersätze mit
Vorteilen für die besser verdienenden Grünenwähler und
wälzt die politische Verantwortung auf Globalisierung,
Europäisierung und demografischen Wandel ab:
"Die
Linke muss sich an diesem Punkt ehrlich machen. (...). Sie wissen
doch ganz genau, dass unter den Bedingungen der Globalisierung und
Europäisierung eine solche Rücknahme hohe direkte Steuern und
Abgaben, aber nicht mehr Verteilungsgerechtigkeit bringen würden.
Den Kohl’schen Spitzensteuersatz von 53 Prozent haben nur noch die
Aufsteiger bezahlt. Auch der Steuerwettbewerb ist Teil des
Standortwettbewerbs. Es ist von viel entscheidenderer Bedeutung,
dass wir die Prioritäten bei den sanften Standortfaktoren der
Zukunft setzen, dass wir die demografische Herausforderung annehmen
und endlich aufholen bei den Ganztagsschulen und der
Kinderbetreuung. Bei der Ausbildung junger Menschen und im
Hochschulbereich müssen wir zulegen, um international
wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir müssen viel mehr in die junge
Generation investieren."
Solcher Verantwortungsverschiebung hat z.B.
der Wirtschaftsweise
Peter BOFINGER (Berliner Zeitung, 23.08.2004)
beim Standortwettbewerb entschieden widersprochen:
"Aber
Deutschland ist ein Hochsteuerland.
Das ist ein Ammenmärchen. Laut OECD liegt die Steuerquote nur in
Japan, den USA und Spanien noch niedriger als bei uns. Auch mit
einem Spitzensteuersatz von 45 Prozent liegen wir unter dem Niveau
der meisten bisherigen EU-Mitgliedsländer."
Beim Problem
des demografischen Wandels hat der Statistiker
Gerd BOSBACH erhebliche Einwände
gegen die herrschende Sichtweise vorgebracht.
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FALTER-Titelgeschichte:
Fetisch Familie.
Wie sich die Politik eine Familie
vorstellt und wie Familien im wirklichen Leben aussehen |
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JOHN, Gerald & Eva WEISSENBERGER (2004): Die liebe Familie.
In Österreich leben eineinhalb Millionen Familien.
Die Regierung preist sie als Keimzelle der Gesellschaft - aber nur
wenn die Eltern nicht schwul oder lesbisch sind. Sind nur Vater,
Mutter, Kind eine echte Familie? Wie heil sind die Familien
wirklich?
in: Falter Nr.35 v. 25.08.
- Inhalt:
JOHN & WEISSENBERGER widmen sich u.a. der
verwirrenden Terminologie im Bereich des Alleinerziehens und der
Stieffamilien:
"Von
der Gesellschaft ebenfalls stiefmütterlich behandelt - und dieses
Wort alleine zeigt, wie negativ dieses Thema besetzt ist - wird
die heterosexuelle Stieffamilie. Sie ist keine dieser
traditionellen Kernfamilien, von denen konservative Politiker
gerne reden. Der Begriff Alleinerzieherin, für diese setzen sich
linke Politikerinnen immer ein, wird der Realität aber auch nicht
immer gerecht. Manche Alleinerzieherin, die für die Statistik als
solche gilt, hat längst einen neuen Lebensgefährten, auf der
anderen Seite fühlt sich manche Mutter in einer klassischen
Familie allein erziehend. Wie viele der eineinhalb Millionen
österreichischen Familien mit Kindern unter 19 Patchwork-Families
sind, lässt sich daher nicht sagen."
Die Soziologin
Katharina MIKO kritisiert, dass soziale Elternschaft in Politik
und Medien kaum eine Rolle spielt, weil es dafür kein positiv
besetztes Wort gäbe:
"Das
Problem der Gesellschaft mit der »multiplen Elternschaft« drücke
sich nicht zuletzt dadurch aus, dass die Leistungen der Stiefväter
und -mütter im politischen Diskurs nie vorkämen, ja, es dafür
nicht einmal ein positiv besetztes Wort dafür gäbe. Miko plädiert
daher dafür, die biologische Tatsache »Eltern« und den rechtlichen
Status »Elternschaft« um einen Begriff für das "»Bevatern« oder
»Bemuttern« zu ergänzen."
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- STEINLE, Bernd (2004): Susie und ihre
Männer.
Drum suche, wer sich ewig bindet: Die Zeitschrift "AlaskaMen" zeigt
Junggesellen aus dem Norden,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 25.08.
- Inhalt:
STEINLE referiert die Geschichte des
Junggesellenkatalogs
"AlaskaMen":
"Susie Carter (...)
bastelte (...) am eigenen Küchentisch ein Heft zusammen und gab 1987
die ersten fünftausend Exemplare von »AlaskaMen« heraus: hundert
Seiten hochkarätiges husband material.
Spätestens als Susie und ihre Männer zwei Jahre später in der
Oprah-Winfrey-Show auftraten, wurde ihr Heft zum Selbstläufer".
STEINLE berichtet,
dass das Spektrum der Berufe der Heiratswilligen vom wenig
spektakulären Gemüsehändler bis zum Goldgräber reicht.
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- WEICKMANN, Dorian (2004): Kühl statt
Gefühl.
Karl Otto Hondrich verabschiedet die romantische Liebe,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 25.08.
- Kommentar:
WEICKMANN ist enttäuscht, dass sich die Essays über
die Liebe in Zeiten der Weltgesellschaft des Soziologen Karl Otto
HONDRICH nicht als Argumente in der gegenwärtigen
Sozialstaatsdebatte missbrauchen lassen: kein Zerfall der Familie,
kein Generationenkonflikt nirgends!
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HOMBRECHER, Maren (2004): Essen, was abfällt.
Wie fühlt sich der Alltag mit 500 Euro im Monat an? Wie
verändert das "Leben light" den Blick auf die Mitmenschen? Und wie
gewinnt man den Survival-Kampf im Sozialladen? Auszüge einer
Betrachtung von unten,
in: TAZ
v. 25.08.
- Kommentar:
Während in der
jungen Welt Journalisten interviewt
werden, die öffentlich-rechtlich abgefedert Hartz-IV zeitlich eng
begrenzt Probe leben, bietet die TAZ Einblick in die derzeitige
Sozialhilfeexistenz.
Die 37jährige,
arbeitslose Kommunikationsdesignerin HOMBRECHER schildert den Kampf
um die preiswerten "Luxuslebensmittel" im Sozialladen:
"Das
einzig Dumme am Sozialladen ist, dass ihn mittlerweile schon so
viele entdeckt haben. Es kommt zwar noch nicht zu Handgemengen dort,
aber es ist doch ein ganz schönes Gedrängel. Früher gingen dort nur
ein paar Rentner einkaufen. Aber heute gibt es einen regelrechten
Run auf die Bude, nachmittags, wenn zwischen 2 und 3 Uhr die neuen
Lieferungen kommen. Wer da den Kürzeren ziehen muss, ist klar: die
Humpelnden. Seitdem auch viel jüngeres Volk allmählich die
Hemmschwelle überwand und sich hereinwagte in den sozialen Absturz,
leicht von außen durchs Glasfenster zu bezeugen, trifft man hier auf
Arbeiter, neben brotlosen Akademikern, Künstlern und Filmemachern,
die man leicht an ihren schwarzen Hornbrillen erkennt."
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SOFSKY, Wolfgang (2004): Aufruhr der Entbehrlichen.
Nicht das Volk demonstriert, sondern jenes Drittel, das bei der
Modernisierung des globalen Kapitalismus verlieren wird,
in: Welt
v. 25.08.
- Kommentar:
Wolfgang SOFSKY tingelt mit seinem
kapitalfreundlichen Beitrag durch die
Mitte-Medien:
Ein bisschen SCHUMPETER ("schöpferische
Zerstörung"), ein bisschen Heinz BUDE ("unternehmerischer
Einzelner") gemixt mit einer Polemik gegen Konsensdemokratie,
Gewerkschaften und Montagsdemonstrationen.
Fertig ist ein
Mitte-konsensfähiger Beitrag im "Kampf um die Versorgungsquellen",
denn "wer dem Zwang zur Profitmaximierung nicht folgt, scheidet
früher oder später aus".
Und was hat Herr
Sofsky zur Arbeitnehmergesellschaft zu sagen:
"Lohnarbeit
fördert die Apathie. Dem Lohnabhängigen fehlt die Chance, über sein
eigenes Leben zu bestimmen und sich durch höhere Leistung einen
Extragewinn zu verschaffen. (...). Wem die Erfrischungen des
freiwilligen Risikos vorenthalten bleiben, setzt nicht auf Arbeit,
Disziplin und Kreativität, sondern auf Freizeit und Konsum"
Wie wäre es
eigentlich, wenn sich Herr SOFSKY zu allererst aus seiner eigenen
Apathie fördernden Professorenexistenz befreien würde? Sein Beitrag
würde dann zumindest das Flair des unternehmerischen Risikos
ausstrahlen!
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FUCHS, Peter (2004): Riskante Entscheidungen.
Die Montagsdemonstrationen und die Moralisierung der Verhältnisse,
in: Frankfurter Rundschau
v. 25.08.
- Kommentar:
Im Gegensatz zu
Wolfgang SOFSKY
reflektiert der Soziologe
Peter FUCHS mit seiner
Unterscheidung zwischen Gefahr und Risiko die unterschiedliche
Betroffenheit der Reformer und Reformierten:
"Die
unbekannte Zukunft wird zur Voraussetzung aktuellen Entscheidens.
Das ist ein überaus modernes Verfahren, das durch ein Schema
dominiert wird, durch die Unterscheidung von Risiko und Gefahr. Wer
in der Gegenwart entscheidet, geht Risiken ein, die sich für die
Nicht-Entscheider, für die Betroffenen als Gefahren darstellen, die
sie selbst nicht ausgelöst haben. Jede Entscheidung, die sich auf
Zukunft bezieht, wirft damit diejenigen aus, die als Entscheider
Risiken streuen, und diejenigen, für die das Risiko die Zumutung
einer Gefahr ist, durch die man betroffen wird.
Besonders virulent (und dann eben auch: moralanfällig) wird das
Schema dadurch, dass wir dazu neigen, jeweils selbst leichter
Risiken einzugehen als Gefahren zu tolerieren, die wir nicht
ausgelöst haben."
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Zu den News
vom 16. - 24. August 2004
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