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Medienrundschau:
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News vom
19. - 24. August 2006
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Zitat des Monats:
"Die
Geburtenrate ist keine individuelle, sondern eine kollektive
Grösse. Sie hat nichts mit individueller Schuld zu tun, sondern
mit gesellschaftlichen Zusammenhängen. Der säkulare Rückgang der
Geburtenrate seit dem 19. Jahrhundert steht in Verbindung mit
einer Reihe von Entwicklungen, die nur positiv gesehen werden
können. Zu diesen Errungenschaften gehören die Hygiene, die
Medizin, die Wissenschaft, die Bildung, die Armutsbekämpfung,
die soziale Sicherheit, die private Freiheit und die
individuelle Lebenserwartung.
Die
Fortschritte in diesen Gebieten beschleunigen sich sogar, obwohl
seit längerem die Geburtenrate in allen Industriegesellschaften
unter die magische Ziffer von 2,1 Geburten pro Frau gefallen
ist, durch die eine stabile Reproduktion der Bevölkerung
angeblich gewährleistet ist. Statt sich dadurch zu schaden,
profitieren moderne Gesellschaften offenbar von den Kindern, die
nicht geboren werden. Sie brauchen die Kinder nicht, zumindest
nicht in gewohnter Zahl. Auch wenn die zahlen- und altersmässige
sowie die kulturelle Zusammensetzung ihrer Bevölkerungen keinen
Bestand haben - darauf kommt es gar nicht an. Die Aufmerksamkeit
der Demographen und der Angstgemeinde, die sich um sie schart,
richtet sich auf Bestände, die irrelevant sind."
(Karl Otto Hondrich in
der Neuen Zürcher
Zeitung vom 29.07.2006) |
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MÜLLER, Reinhard (2006): Die Abschaffung der Hausfrauenehe,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.08.
- Inhalt:
Passend zur Leben-Beilage der ZEIT
konstatiert Reinhard MÜLLER, ein Angehöriger der Generation Golf,
auf Seite 1 die Abschaffung der Hausfrauenehe.
Das
neue Elterngeld wird als Subvention begriffen und dazu hat MÜLLER
eine ganz dezidierte Meinung:
"Tatsächlich
verbessert zuviel Regulierung weder die Chancen von Müttern und
Vätern im Berufsleben, noch beseitigt sie das demographische
Problem. Das hat die bisherige steuerliche Begünstigung der
Hausfrauenehe nicht vermocht - und daran wird auch künftige
staatliche Umerziehung nichts ändern.
Ein
Klima der Zuversicht steht im Widerspruch zum jede Freiheit
abwürgenden Subventionsstaat."
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BAUCHMÜLLER, Michael (2006): Ostdeutschland gehen die Menschen aus.
Neue Bundesländer besonders stark vom Geburtenrückgang in Europa
betroffen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.08.
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MANGOLD, Ijoma (2006): Machst du das zu Hause auch?
"Ortsgespräch": Florian Illies, der Erheischer des Kopfnickens,
malt die Idylle seiner ländlichen Heimat,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.08.
- Inhalt:
"Die Vorstellung, dass irgendetwas am eigenen Leben
individuelle sei und nicht typisch, wird man sich nach der Lektüre
getrost abschminken" , meint
Ijoma MANGOLD.
Das
Prinzip des Erfolgs der Bücher von ILLIES erklärt er sich
folgendermaßen:
"Noch
weit unterhalb jener Ebene, auf der es um Ansichten, Meinungen,
zustimmende oder abweichende, gehen könnte, rufen seine Bücher ein
undramatisches, dafür kontinuierliches Kopfnicken hervor. Es sind
Bücher, die gewissermaßen die Wahrheitsfrage und den konfliktuösen
Ernstfall so grundsätzlich ausschalten, dass so etwas wie
Widerspruch schlechterdings nicht möglich ist. Man kann auf diese
Zustimmungsgeneratoren, wenn man ein Bedürfnis nach Abgrenzung
verspürt, nicht mit »Das ist falsch!« reagieren, sondern nur mit
»Das interessiert mich nicht«."
MANGOLD
bescheinigt ILLIES, dass er ein "Idylliker von Format" sei, der wild
entschlossen sei, Heimat nicht als Ort der Enge, Zurückgebliebenheit
und neurotischen Sozialkontrolle zu beschreiben, sondern als Oase
der Entschleunigung.
Zum
Schluss fragt sich MANGOLD jedoch, ob der Aufwand an Witz,
Beobachtungsgabe und sprachlicher Intelligenz, den ILLIES zur
Erzeugung eines Wohlgefühls geteilter Erinnerung betreibt - nicht
ein bisschen Ressourcenverschwendung sei.
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MOHR, Mirjam (2006): Die Mär von den aussterbenden Deutschen.
Die Demografie liefert
scheinbar immer neue Hiobsbotschaften: Die Geburtenrate sinkt, die
Gesellschaft vergreist, die Deutschen sterben aus. Doch Experten
warnen vor übereilten Schlüssen: Oft werde mit gewagten
Interpretationen lückenhafter Daten Panikmache betrieben,
in: Spiegel Online v. 23.08.
- Anmerkung:
Bereits
Mitte Juli und
vor einer Woche
war exklusiv auf single-dasein.de zu lesen, was nun auch
spiegel online verbreitet:
"Unbestritten
ist, dass Deutschland eine niedrige Geburtenrate hat. Doch bei der
Berichterstattung werden unterschiedliche Begriffe vermischt: 2004
etwa erreichte die absolute Geburtenzahl mit 705.622 Neugeborenen
den niedrigsten Stand seit Kriegsende. Daraus wurde später die
Aussage, dass die zusammengefasste Geburtenziffer - die
durchschnittliche Zahl an Kindern, die eine Frau in ihrem Leben
bekommt - so niedrig sei wie noch nie seit 1945. Das aber ist
falsch: 2004 bekam eine deutsche Frau im Schnitt 1,36 Kinder.
Während beinahe der gesamten 90er Jahre war der Wert niedriger, etwa
1994 mit 1,24, oder bestenfalls genauso hoch. Und auch 1985 lag die
Kennziffer im damaligen Bundesgebiet nur bei 1,28.
(...).
Weiter geht es mit der Verwechslung der
zusammengefassten und der
rohen Geburtenziffer: Die rohe Geburtenziffer gibt die Zahl der
Geburten je 1000 Einwohner an. Das Berlin-Institut für Bevölkerung
und Entwicklung hatte
im März mit der Mitteilung Entsetzen ausgelöst, Deutschland
liege in dieser Hinsicht seit mehr als 30 Jahren auf dem letzten
Platz weltweit. In der Berichterstattung wurde dies mit der
zusammengefassten Geburtenziffer verwechselt, bei der aber laut
Eurostat 2003 und 2004 allein zehn EU-Länder hinter Deutschland
lagen."
Während
hier jedoch nur die Daten von 2004 betrachtet werden, hat
single-dasein.de bereits die
Berichterstattung über die Geborenenzahlen von
2005 genauer analysiert.
Im
Buch
"Die Single-Lüge" wird die Debatte
um den demografischen Wandel ausführlich dargestellt und die
Mechanismen und Interessen an der demografischen Demagogie
aufgezeigt.
Während
die Soziologen erst auf ihrem Kongress im Herbst die Natur der
Gesellschaft zum Thema machen und nach und nach die ersten Bücher
zur Debatte erscheinen werden, ist das Buch
"Die Single-Lüge" das
erste Buch, das die bevölkerungspolitische Debatte kritisch
beleuchtet.
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FR-Plus: Zahlen, bitte!
Weil der Staat zu wenig über seine Bürger weiß, steht die erste
Volkszählung seit 1987 an
-
FREITAG, Jan (2006): Wer ist Deutschland?
Weil der Staat zu wenig über seine Bürger weiß, steht 2010 eine
Volkszählung an. Kosten von 470 Millionen Euro,
in: Frankfurter Rundschau v. 23.08.
- Inhalt:
FREITAG nennt Gründe, warum eine
Volkszählung erforderlich sei.
Der
Kampf um den jährlichen Mikrozensus zeigt jedoch, dass nicht die
Datenerhebung an sich das Problem ist, sondern welche Daten
erhoben werden sollen.
Als
Beispiele nennt FREITAG Fragen rund um Familie und
Kinderlosigkeit. Bei diesen identitätspolitischen Fragen geht es
weniger um die korrekte Wirklichkeitserfassung, sondern um die
Skandalisierungsmöglichkeiten, die Nichtwissen bietet:
"Das
zeigt bereits der Mikrozensus. Als 2004 der Katalog (...) durch
den Unions-dominierten Bundesrat ging, flog die Frage nach der
personengebundenen Kinderzahl raus - angeblich als zu intim. Da
nur im Haus lebende Kinder erfasst wurden, galten bereits
ausgezogene somit quasi als ungeboren, was die Geburtenrate auf
ein politisch ausschlachtbares Maß drückte. Aus ähnlichen Motiven
dürften Fragen zur Kinderbetreuung gestrichen worden sein: Sie
vertragen sich nicht mit dem konservativen Primat der Familie."
Anmerkung:
FREITAG macht es sich natürlich ein bisschen
zu leicht, wenn er allein der CDU/CSU den schwarzen Peter
zuschiebt.
Faktisch
hat KEINE im Bundestag vertretene Partei ein Interesse an
korrekten Daten zur lebenslangen Kinderlosigkeit. In dem Buch
"Die Single-Lüge"
wird aufgezeigt, warum die Parteien ganz gut mit dem Nicht-Wissen
leben konnten. Zudem wird aufgezeigt, dass vorhandene Daten zur
lebenslangen Kinderlosigkeit schlichtweg ignoriert wurden, weil
sie nicht politisch korrekt sind.
Das
Pflegeurteil vom April 2001,
dessen singlefeindliche Komponente einzig auf einem
Gutachten von Herwig BIRG
gründete, wäre niemals politisch so einfach durchsetzungsfähig
gewesen, wenn die Zahlen zur lebenslangen Kinderlosigkeit
(tatsächliche Kinderlosigkeit) und nicht einfach nur die Zahlen
der Haushalte ohne Kinder (amtsstatistische Kinderlosigkeit)
Grundlage gewesen wäre.
Die
Umdefinition von Eltern in Kinderlose ist Teil der fatalen
politischen Kultur in Deutschland.
Die
Nebenwirkung dieser Single-Lüge
ist auch Schuld an der vergleichsweise geringen Geburtenrate in
Deutschland. Im Buch
"Die Single-Lüge"
werden diese
Zusammenhänge detailreich aufgezeigt.
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- EUBEL, Cordula (2006): Uneins vereint.
Kuschelig oder kantig? Wirtschaftsliberal oder sozial? Die CDU
sucht auf einem Kongress nach sich selbst,
in: Tagesspiegel v. 23.08.
- Inhalt:
"Protestantisch, kinderlos, in zweiter Ehe verheiratet. Pofalla hat
Einiges mit seiner Chefin gemein", meint EUBEL zum
CDU-Generalsekretär
Ronald POFALLA, der die Parole "Neue Gerechtigkeit durch mehr
Freiheit" ausgegeben hat.
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BEHRENS, Roger (2006): Die Natur beißt zurück.
Von Kante gibt es ein neues Album. Diskurs und Rock kommen auf ihm
nicht zu kurz,
in: Jungle World Nr.34 v. 23.08.
- Inhalt:
"Kante (...) bedienen (...) keine naivromantische
Sehnsucht, keine Weltflucht, keine pseudoontologische
Seinsvergessenheitslyrik; thematisch ist die von Kante skizzierte
Tierwelt eine andere als die neuerlich etwa von Tocotronic oder
Blumfeld angerufene. Vielmehr wird hier eine Natur profaner
Erleuchtung beschrieben: Sie ist messianisch und materialistisch
zugleich, und zwar genau in der Weise, wie das alltägliche
Naturverhältnis sich heute allenthalben äußert", meint
Roger BEHRENS
zum Album "Die Tiere sind unruhig" von Kante.
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MENSING, Kolja (2006): Generation Heimatfront.
Blühende Wiesen und
Kittelschürzen: In seinem neuen Buch "Ortsgespräch" unternimmt der
Bestsellerautor Florian Illies eine sentimentale Reise in die deutsche
Provinz,
in: TAZ v. 23.08.
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VOGEL, Sabine & Rolph KOTSCH (2006): Manches bleibt geheim am Main.
Wie die FAZ eine Sensation
verschwieg und den Rummel um das neue Grass-Buch inszenierte,
in: Berliner Zeitung v. 22.08.
- Anmerkung:
Die Rezensenten der Berliner Zeitung
haben genauso geschlafen wie alle anderen, aber nun warten sie mit
sensationellen! Enthüllungsstorys! zum
GRASS-Geständnis auf.
Die
Sensation sei bereits im April bekannt gewesen, aber von FAZ & Co
bis jetzt geheim gehalten worden. Dies wird mit markigen Worten
kommentiert:
"Wenn
die PR-Nummer mit Grass Schule macht, müssen sich künftig alle
investigativen Journalisten mit ihren Erkenntnissen solange
zurückhalten, bis das Buch zum Skandal auf dem Markt erhältlich ist."
Haben
eigentlich Deutschlands investigative Journalisten nichts Besseres
zu tun als primitive Marketingkampagnen des Literaturbetriebs
aufzudecken?
Da
gäbe es doch wahrlich anderes, das die Glaubwürdigkeit des
Journalismus längst beschädigt hat.
Wenn
man z.B. noch keine aktuelle Statistik zur Hand hat, aber eine her
muss, weil z.B. SCHIRRMACHERs Buch "Minimum" zum Bestseller
hochgejubelt werden soll,
dann werden notfalls auch gezielt falsche
Zahlen präsentiert, die dann zur Sensation aufgebauscht werden.
In der Debatte zum demografischen Wandel sind Skandale an der
Tagesordnung. Wo bleibt hier der Aufschrei?
Die richtigen Zahlen liegen nun auf dem Tisch!
Woher stammten also die falschen Zahlen?
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SCHMALE, Holger (2006): Freiheit, Verantwortung, Familie.
Paul Nolte rät der CDU, sich
auf die Suche nach neuen bürgerlichen Werten zu machen,
in: Berliner Zeitung v. 22.08.
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LANG, Susanne (2006): "Raus aus Boheme-Disneyland!"
Steht die Renaissance der Familie wirklich bevor? Jedenfalls ist
sie Thema bei jungen RegisseurInnen, die mit ihren Filmen für den
First-Steps-Nachwuchspreis nominiert sind. Vier persönliche Ansichten
in: TAZ v. 22.08.
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STÜRMER, Michael (2006): Und der Rest der Deutschen wandert aus.
Im vergangenen Jahr haben wieder mehr als 140.000 Menschen das Land
verlassen. Nicht schlimm? Doch. Es sind fast ausschließlich die
Jungen, Aktiven und Tüchtigen, die gehen,
in: TAZ v. 22.08.
- Anmerkung:
In der
FAZ vom
26. Februar 2006 hat Jürgen KAUBE
darüber aufgeklärt, dass die amtliche Statistik - zumal wenn sie so
missbraucht wird wie von Michael STÜRMER - die Zahlen der
dauerhaften Auswanderer überschätzt, weil kürzere
Auslandsaufenthalte bei der jungen Elite zum Teil der
Normalbiografie geworden sind:
"Um
ein realistischeres Bild des »brain drain« zu erhalten, mußte die
Soziologin ihr Augenmerk also auch auf die Dauer des Aufenthalts von
akademisch qualifizierten Deutschen im Ausland richten. So hat
zwischen 1990 und 2000 die Zahl der temporären amerikanischen Visa
für hochqualifizierte Deutsche um etwa 50 Prozent zugenommen. Viele
dieser Personen geben dabei ihren alten Wohnsitz auf, wodurch sie
sowohl hierzulande wie im US-Zensus als Aus- und Einwanderer gezählt
werden. Das Risiko eines sich verstetigenden Aufenthalts ist, so
Diehl, ungefähr konstant geblieben; es beschließen also heute nicht
mehr Deutsche, die eine Zeitlang in Amerika arbeiten, dort endgültig
zu bleiben, als früher. Austauschstudenten aber, die es ebenfalls
vermehrt gibt - in den letzten 25 Jahren ist die Zahl der im Ausland
studierenden Deutschen um das Vierfache angestiegen -, lassen sich
selten in den Vereinigten Staaten nieder."
Die
Welt muss sich zudem vorwerfen lassen, dass sie gezielt
gefälschte Zahlen zur Geborenenstatistik in
Umlauf gebracht hat. Und weil fast die gesamte so
genannte Qualitätspresse dies ungeprüft nachgedruckt hat, wird dies
in der Presse weiterhin totgeschwiegen...
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SIEVERS, Markus (2006): Kurswechsel.
SPD strebt neue Familienpolitik an,
in: Frankfurter Rundschau v. 21.08.
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SIEVERS, Markus (2006): Familienförderung.
Jedes Kind ist gleich viel wert,
in: Frankfurter Rundschau v. 21.08.
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KOGELBOOM, Esther & Ulf LIPPITZ (2006): "Ich habe keine Lust mehr zu
spötteln.
Wenn er gefragt wird, woher
er kommt, antwortet Florian Illies: aus Berlin. Das stimmt nicht ganz.
Denn er hat noch einen Koffer im hessischen Schlitz,
in: Tagesspiegel v. 20.08.
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KORTMANN, Christian (2006): Die Freiheit, fremd zu sein.
Integration ist die heilige Kuh des Zeitgeistes: Arbeitslose,
Gebärunwillige und Ausländer sollen den Erfordernissen der Zeit
gehorchen und sich integrieren, um als Einheit auf ein ungewisses Ziel
hinzuarbeiten. In diesen Plädoyers wird vergessen, dass Desintegration
ein kultureller Wert ist,
in: TAZ v. 19.08.
- Inhalt:
"Nicht nur, weil man selbst nicht von irgendwem als
irgendwas integriert werden möchte, gilt es in diesen Tagen, da
Arbeitslose zu Tätigkeiten weit unter ihrer Qualifikation gezwungen
werden und feiste Männer unwidersprochen gebärunwillige Frauen im
Namen des Volkswohls zum Kinderkriegen auffordern, an den kulturellen
Wert von Individualismus und Desintegration zu erinnern. Denn die von
der Mehrheit definierte und gewünschte Norm ist nicht per se
erstrebenswert. Von ihr geht nämlich seit jeher ein immenser Druck
aus, Außergewöhnliches zu stutzen, um es ins herrschende Mittelmaß
einzupassen. Für den kulturellen Fortschritt ist es aber umso
wichtiger, dass der Einzelne genug Eigensinn an den Tag legt, um seine
Ideen durchzufechten, auch wenn es dafür keinen Applaus gibt", meint
KORTMANN.
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DETTLING, Warnfried (2006): Die neue Ökologie des Sozialen.
Künftige Lieben (3). Die materiellen Grundlagen von Ehe, Familie
und Beziehungen haben sich radikal geändert. Das fördert die Suche
nach neuen Formen der Gemeinschaft,
in: TAZ v. 19.08.
- Inhalt:
Warnfried DETTLING verklärt die Ökonomisierung
des Sozialen zur Idylle der Aushandlungsfamilie:
"Die
Stärke »künftiger Lieben« und die Dauerhaftigkeit von Beziehungen
kommen von innen, aus starken und deshalb bindungsfähigen (jungen)
Frauen und Männern, die ihren »Familienvertrag« immer wieder neu
aushandeln und sich dabei beide um die ökonomischen wie um die
emotionalen Dinge kümmern."
Wenn
dann noch die
Vision eines Kurt BIEDENKOPF
hinzukommt, dann wird die blanke Not zur Gemeinschaftssehnsucht
stilisiert und am Ende steht die Sozialökologie als Wiederkehr der
prästabilisierten Harmonie, diesmal jedoch nicht von Gottes, sondern
von Politikers Gnaden:
"Das Private ist
nicht einfach politisch. Aber ohne eine politisch gewollte
Ökologie des Sozialen, die das große Ganze im Blick hat, werden
auch die scheinbar privaten Lebensgemeinschaften nicht blühen und
gedeihen."
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SCHELLENBERGER, Rouven & Daniela VATES (2006): Die Leute wollen nicht
nur Party machen.
Ein Gespräch mit Björn Böhning und
Philipp Mißfelder über Politik
aus der Sicht der Jungen,
in: Magazin der Berliner Zeitung v. 19.08.
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MANGOLD, Ijoma (2006): Seht, wie meine Augen tränen.
Günter Grass häutet seine Zwiebel, findet darin aber nur Metaphern:
Eine Rezension seines Erinnerungsbuchs,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.08.
- Inhalt:
Ijoma MANGOLD, ein
junger Junger (Kurt KISTER), hat
sich selten von einer Zwiebel so genervt gefühlt. Er findet Eitles
und Selbstbzogenes in dem "moralischen Drama".
Dennoch
macht sich MANGOLD die Mühe, die autobiografische Literatur ins Werk
von Grass einzuordnen. Die Zwiebel steht dann in einer Reihe von
prägnanten Dingsymbolen von der Schnecke bis zum Krebs.
Sein
Fazit zum Buch und zur Debatte ist ernüchternd:
"Die
Lektüre dieser poetischen Essenz ist nur dem Lutschen von
Brühwürfeln vergleichbar.
Günter Grass
vorzuwerfen, dass er als Jüngling an das Dritte Reich geglaubt hat,
ist absurd. Über sein langes Schweigen aufschreien mag, wer ihn
zuvor zur moralischen Ikone erhöht hat - es hat aber etwas
Tantenhaftes. Die Rückgabe des Nobelpreises zu verlangen ist
lächerlich. Und wer jetzt auch das bisherige literarische Werk
demoliert sieht, der möge bitte über seinen Literaturbegriff
Auskunft geben. Eines aber kann man sagen: Die literarische Form,
die Grass für sein Eingeständnis bemüht hat, enthält entschieden zu
viele Metaphern. Und solche erhellen die Abgründe des Lebens
meistens nicht."
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 12. - 18.
August 2006
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