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Medienrundschau:
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News vom
16. - 20. Dezember 2005
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Zitat
des Monats:
"Trotz
ihrer Zugehörigkeit zum unteren Einkommensquintil (Anm.d.V.:
Einkommensfünftel) bleibt eine relativ große Gruppe (ca. 30 %)
von eigentlicher Armut verschont. Zu diesen
»Unterversorgungsfreien« gehören überdurchschnittlich oft
Menschen mit einem hohen Bildungsniveau und einer guten
beruflichen Position. Hinsichtlich der Familienform finden sich
hier v.a. Ehepaare ohne Kinder.
(...).
Kritisch ist, dass mehr als die Hälfte
(ca. 55 %) der Niedrigeinkommenshaushalte zwei oder mehr
Problemlagen vereinen. (...). Anhäufungen von Deprivationen
finden sich v.a. bei Alleinlebenden, in den neuen Bundesländern
und bei Alleinerziehenden."
(Tanja
Mühling in der Zeitschrift für Familienforschung, Heft 2, 2005)
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HAMANN, Sibylle (2005): Wer will mich?
Die neue alte Urangst: Je erfolgreicher eine Frau, desto eher
bleibt sie allein. Ist das der Fluch des Feminismus oder die Rache des
Patriarchats?
in: Profil Nr.51/52 v. 19.12.
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JEISMANN, Michael (2005): Das Risiko heißt heute: Zusammenbruch der
Weltgesellschaft,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.12.
- Kommentar:
Apokalyptiker wie Diamond JARED sind Menschen, in
deren Weltbild kognitive Dissonanzen keinen Platz haben, denn wenn
der Weltuntergang verhindert werden muss, dann kann man über
Widersprüche einfach hinweg gehen. So ist es möglich, dass JARED
einerseits die Überbevölkerung der Welt als Problem ansieht und
andererseits Kinderlosen verantwortliches Verhalten abspricht.
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SCHRÖDER, Christian (2005): T-Shirts getränkt im Blut von Jerry
Garcia.
Joseph Heath und Andrew Potter wollen den Mythos von der
Gegenkultur entzaubern,
in: Tagesspiegel v. 19.12.
- Kommentar:
SCHRÖDER hat an dem Buch
"Konsumrebellen" Gefallen gefunden, weshalb er sich auf eine
Nacherzählung beschränkt.
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- Der singlefeindliche
Artikel:
LOHSE, Eckart (2005): Wege aus dem Zeugungsstreik.
Überraschung: Es sind die Männer, mehr noch als die Frauen, die
keine Kinder wollen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 18.12.
- Kommentar:
Es gibt keine "rückläufige Geburtenrate" wie
LOHSE behauptet.
Nicht einmal die singlefeindlichen deutschen
Bevölkerungswissenschaftler
behaupten solchen Unsinn!
Der
Bericht
Starke Familie, den LOHSE
vorstellt, zeigt das genaue Gegenteil dessen auf, was LOHSE gerne
hätte.
Die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen ist
zurückgegangen! Sie ist aber nicht in dem Maße
zurückgegangen wie das Nationalkonservative gerne hätten.
Der
Bevölkerungsgeschichtler Josef EHMER widerlegt in seiner
Bevölkerungsgeschichte und Historischen
Demographie die Mär, dass der Babyboom in der
Nachkriegszeit oder die nationalsozialistische Geburtenpolitik den
langen Trend zur 2-Kinder-Familie gebrochen hätte:
"Die
Frauengeneration, die in den 1850er Jahren geboren wurde, brachte im
Durchschnitt etwas mehr als fünf Kinder zur Welt. Erst die
folgenden, zwischen 1860 und 1900 geborenen Frauengenerationen
standen am Beginn des Übergangs zur bewussten Geburtenkontrolle und
Familienplanung. Die »durchschnittliche Kinderzahl« sank in wenigen
Jahrzehnten von rund fünf auf rund zwei. Die »Zwei-Kinder-Familie«
wurde zum vorherrschenden gesellschaftlichen Ideal. Dies löste in
der Zeit um den »Großen Krieg« und noch mehr in den 1920er und
1930er Jahren heftige politische Debatten aus, die nationalistisch,
»völkisch« und zunehmend auch rassistisch aufgeladen wurden. Der
Rückgang der Geburten wurde als Ausdruck von Dekadenz, als
»Volkstod« oder »Rassetod« interpretiert.
Die Entwicklung der »Fruchtbarkeitsrate« verlief parallel, wies aber
gravierende kurzfristige Schwankungen auf. Im ersten Weltkrieg
beschleunigte sich der langfristige Trend des Geburtenrückgangs
enorm, gegen Ende des Krieges sank die Rate auf einen bis dahin kaum
vorstellbar niedrigen Wert von fast 1,5. In den Nachkriegsjahren
stieg sie rasch wieder an (...). Dieser Anstieg war allerdings von
sehr kurzer Dauer. Schon in den 1920er Jahren gingen die
»Fruchtbarkeitsraten« wieder zurück, um in der Wirtschaftskrise 1932
einen neuerlichen Tiefpunkt von 1,7 zu erreichen. Am Beginn des
»Dritten Reichs« erfolgte ein Anstieg, in den letzten Jahren des
Zweiten Weltkriegs ein neuerlicher dramatischer Rückgang. (...).
Nach
dem Zweiten Weltkrieg fand, wie es schien, der langfristige Trend
des Rückgangs sein Ende. Die in der Zwischenkriegszeit geborenen
Frauen prägten die Geburtenentwicklung in den ersten Jahrzehnten der
Bundesrepublik und der DDR. Ihre Generation war die Trägerin des
»Babybooms« der 1950er und 1960er Jahre. In der Mitte der 1960er
Jahre stieg die »Fruchtbarkeitsrate« auf über 2,5, ein Wert, der
seit dem Beginn des ersten Weltkriegs nicht erreicht worden war. Die
»durchschnittliche Kinderzahl« lag aber auch in dieser Periode nur
knapp über zwei, ein Hinweis darauf, dass auch im »Babyboom« das nun
etablierte Ideal der »Zwei-Kinder-Familie« nicht mehr grundsätzlich
in Frage gestellt wurde." (S.44).
Bedenkt
man also die Tatsache, dass der »Babyboom« der 1960er Jahre ein
völlig außergewöhnliches Ereignis war und dass selbst damals nicht
die Drei-Kinder-Familie, sondern nur die Zwei-Kinder-Familie das
Ideal war, dann muss man sich fragen, ob das Ziel der
Nationalkonservativen um Herwig BIRG und Hans-Werner SINN nicht
völlig unrealistisch ist.
Es
könnte nur durchgesetzt werden, wenn wir zu einer vormodernen,
mittelalterlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsweise zurückkehren
würden. Dies bedeutet aber auch: hohe Sterblichkeit und grenzenlose
Armut für weite Teile der Bevölkerung! Wer dies möchte, der sollte
das bitte auch öffentlich verkünden und sich nicht hinter einer
Debatte über den demografischen Wandel verstecken. Dies ist feige!
Wenn
LOHSE andauernd von einer "stabilen Bevölkerungsentwicklung" spricht
und dann behauptet, dass dazu eine Geburtenrate von 2,1 notwendig
sei, dann ist das zudem fremdenfeindlich!
Der
Statistiker Eckard BOMSDORF hat in der Zeitschrift Deutsche
Rentenversicherung (8-9/2005) nachgewiesen, dass bereits eine
Geburtenrate von 1,7 ausreichend sei, um bei einer begrenzten
Zuwanderung die Bevölkerung stabil zu halten. Eine solche
Geburtenrate könnte ohne große Probleme in den nächsten Jahren
erreichbar sein. Bereits um die Jahrtausendwende lag die
Geburtenrate der in den 1960er Jahren geborenen Frauen bei über 1,5,
obwohl diese Frauen ihren Gebärzyklus nicht vollendet hatten und die
Anzahl der Spätgebärenden überproportional zugenommen hat.
Ganz
zum Schluss noch kurz zum Zeugungsstreik, der genauso ein
Hirngespinst ist wie der Gebärstreik.
Die
Zahlen, die LOHSE präsentiert, beziehen sich nicht auf lebenslange
Kinderlosigkeit, sondern auf das Leben mit Kindern im Haushalt. Hier
wurde bereits darauf hingewiesen, dass sich
dahinter ein
Mißbrauch des Sozialstaats verbergen könnte, aber nicht unbedingt
eine höhere Kinderlosigkeit der Männer vorliegen muß.
So
lange keine seriösen Zahlen dazu vorgelegt werden können, sollten
sich Männer dieser Scheindebatte verweigern!
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KIESERLING, André (2005): Was lehrt der Eunuch über freie Liebe?
"Diskutiert alles!" und "Bindet euch niemals!" Eine soziologische
Deutung der beiden Devisen von 1968,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 18.12.
- Kommentar:
André KIESERLING beschäftigt sich mit Mythen, die
rein gar nichts mehr mit den heutigen gesellschaftlichen Problemen
zu tun haben. Wir haben Eure ewig gestrige Debatte satt!
Wir
wollen stattdessen über jene 68er reden, die heute die politische
Agenda bestimmen und
deren Deutungsmonopol endlich gebrochen werden sollte...
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GYSI, Gregor (2005): Besser Kinderarmut bekämpfen.
Das Elterngeld setzt die falschen Prioritäten und ist sozial
ungerecht, weil es sich am Einkommen orientiert,
in: Frankfurter Rundschau v. 17.12.
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SAUERBORN, Werner (2005): Endlich können auch Väter loslegen.
Mit dem Elterngeld wächst die Chance für Männer, sich ihren Kindern
mehr als heute zu widmen,
in: Frankfurter Rundschau v. 17.12.
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SCHRATZENSTALLER, Margit (2005): Väter in der Pflicht,
in: Frankfurter Rundschau v. 17.12.
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SPAEMANN, Robert (2005): Wie konntest du tun, was du getan hast?
Ein philosophischer Versuch über das Gefühl der Scham und die
verbreitete Schamlosigkeit,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 17.12.
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WENZEL, Uwe Justus (2005): Neue Perspektiven auf ein altes Thema.
Die Macht der Gefühle und die Ohnmacht der Gefühlsingenieure,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 17.12.
- Kommentar:
Während Robert SPAEMANNs Aufsatz symptomatisch
für den gegenwärtigen Zeitgeist ist, stellt WENZEL verschiedene
Beiträge vor, die danach fragen, warum Gefühle wie Scham im
Mittelpunkt des gegenwärtigen Interesses stehen.
Ausführlich
stellt er den Beitrag Emotion by design. Das Selbstmanagement der
Gefühle als kulturelles Programm von Sighard NECKEL im
Berliner Journal für Soziologie (Heft 3/2005) vor.
Der
Soziologe hat sich bereits
vor über einem Jahrzehnt mit der
weit verbreiteten These vom Sinken der Schamschwellen befasst.
Dagegen
muss die Befassung mit der Scham und anderen Gefühlen vielmehr im
Zusammenhang mit dem neuen Kapitalismus gesehen werden. Dieser
verlangt ein Gefühlsmanagement. WENZEL merkt zu den Kosten eines
solchen Gefühlsmangements an:
"Sind
die Gefühlsingenieure freie Wesen oder unfreie? Sowohl - als auch,
wird man im Sinne Neckels antworten dürfen. Wer sich sein
Seelenkostüm zwar selbst, aber nach Massgabe sozial erwünschter
«positiver Emotionen» schneidert, liegt im Trend einer
gesellschaftlichen Entwicklung, die zwei gegenläufige Bewegungen
miteinander verzahnt: Fremd- und Selbstzwang, Aussensteuerung und
Innensteuerung nehmen gleichzeitig zu. Das freilich führt dazu, dass
sich «echte» von «falschen» Gefühlen kaum noch säuberlich trennen
lassen. Andere Folgeerscheinungen mögen gravierender sein. Wer sich
durch fortgesetztes mentales Training an den eigenen Gefühlen zu
schaffen macht, wird damit weder die Leibgebundenheit der Emotionen
überwinden noch den ihnen anhaftenden unbewussten Anteil ausschalten
können. Wer dies dennoch versuche, so Neckel, mache leicht mit der
Vergeblichkeit seines Unterfangens in Form von «nicht-intendierten
Nebenfolgen» Bekanntschaft. Dazu zähle das epidemisch vorkommende «Burn-out-Syndrom»:
«Die Erschöpfung, die in der emotionalen Arbeit entsteht, lässt das
persönliche Gefühlsleben schliesslich zeitweilig völlig verarmen.» -
Mental gesteuertes Gefühlstraining kann also zum Gegenteil dessen
führen, was es verspricht.
In
dieses Bild passt die zunehmende Anfälligkeit für Depression, wie
Neckel mit Hinweis auf den französischen Soziologen Alain Ehrenberg
(«Das
erschöpfte Selbst», dt. 2004) andeutet."
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MEJIAS, Jordan (2005): In der Riesendenkfabrik.
Die "White House Conference" zum Thema des Altern,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.12.
- Kommentar:
Für SCHIRRMACHERs Feuilleton berichtet MEJIAS über
die White House Conference on Aging in Washington.
In
SCHIRRMACHERs Weltbild passen in erster Linie die Ausführungen
von David M. WALKER, denen MEJIAS deshalb viel Raum gibt:
Vom baby boom zum
baby bust heißt das Motto. Da wütet dann der "demographische
Tsunami" und der Staatsbankrott droht.
Es
handelt sich also um die übliche nationalkonservative Rhetorik, die
den Interessen der Besitzstandswahrer des alten und mittlerweile
auch des neuen Bürgertums entgegenkommt.
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DENK, David (2005): "Schwarz-Grün hat kaum Perspektiven".
Unter Angela Merkel ist die CDU für die Grünen als Partner
unattraktiver geworden, sagt ihr parlamentarischer Geschäftsführer
Volker Beck. Als Oppositionspartei werden sie nur mit einem klaren
Wertebekenntnis überzeugen
in: TAZ v. 17.12.
- Kommentar:
Die Grünen sind die Partei der Bürgerkinder
und Aufsteiger, deren Mitglieder - wie hier Volker BECK - das
postmaterialistische Selbstbild als "bunte Truppe" pflegen und sich
ansonsten - klassisch konservativ - dem Gemeinwohl verpflichtet
sehen:
"Der
Politologe Franz Walter hat
am Dienstag in der taz
geschrieben, dass keine Partei bürgerlicher ist als die Grünen - zu
Recht?
Viele
von uns kommen soziologisch aus bürgerlichen Elternhäusern - ich
auch. Aber es gab immer auch Leute, die aus der klassischen
Arbeiterschaft kamen. Die Grünen waren immer eine bunte Truppe, die
sich zusammengefunden hat, weil sie gemeinsame Werte teilt und eine
moderne, linke, emanzipatorische Politik verfolgt. Wir waren nie
eine klassische Linke, die sich bloß auf die verteilungspolitischen
Diskurse reduziert hat.
Und
wie bürgerlich sind Ihre Wähler?
Wir haben eine gut ausgebildete
und zum Teil auch gut verdienende Wählerschaft. Ihr Wahlverhalten
und ihre politische Orientierung richtet sie aber nicht primär an
den egoistischen Interessen des eigenen Geldbeutels aus, sondern an
den gemeinsamen Interessen der Gesellschaft - in puncto Ökologie,
aber auch soziale Gerechtigkeit.
Beschreibt
der Begriff der "kulturell Kreativen" die grüne Klientel richtig?
Da liegt Walter
nicht ganz falsch. Menschen, die in den Innenstädten leben, die auf
eine weltoffene Atmosphäre Wert legen, finden sich bei den Grünen
wieder. Zu kulturell Kreativen kommen auch technologisch
Innovative."
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FÖRSTER, Jochen (2005): Romantiker mit offenen Augen.
Eine Begegnung mit Camille de Toledo, dem Hoffnungsträger einer
neuen, schwärmerisch-realistischen Linken,
in: Welt v. 17.12.
- Kommentar:
Jochen FÖRSTER gehört wie Robert MISIK zu den
Lifestyle-Linken, deren Sprache so sehr Selbstzweck ist wie die
Rebellenpose, die sie transportiert. "De Toledo weiß auch nicht so
recht, das aber virtuos" ist die Quintessenz dessen, was davon
übrig bleibt...
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Der Bericht
"Starke Familie" der Kommission Familie und Demographischer Wandel
der Robert Bosch Stiftung in den Medien
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 13. -
15. Dezember 2005
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