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Medienrundschau:
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News vom
20. - 29. Februar 2004
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JUL (2004): Deutsche Familie,
in: TAZ v. 28.02.
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UNFRIED, Peter & Jan FEDDERSEN (2004): "Und dann wird Merkel
Kanzlerin".
Die Krise von Rot-Grün ist
offensichtlich, die Unterstützung für ihre Reformpolitik erodiert. Die
Deutschen wollen ihre Ruhe. Erleben wir nun die Renaissance alter
Familienwerte? Werden wir alle konservativ, wie Heinz Bude, Soziologe
am Hamburger Institut für Sozialforschung, behauptet? Ein Gespräch
über linke Horrorszenarien und die Nöte einer visionären
Sozialpolitik,
in: TAZ v. 28.02.
- Kommentar:
Heinz BUDE, der in Zeiten der New
Economy den Lebensunternehmer als unternehmerischen Einzelnen
zum Pionier der Berliner Republik stilisiert hat, macht nun eine 180
Grad Kehrtwende und propagiert einen
neuen Familienfundamentalismus der
Neuen Mitte.
Konsequent wird dabei
jedoch das ursprüngliche Projekt weiter verfolgt: Es geht um den
Kampf der Eliten gegen die Nicht-Eliten. Der Sozialstaat soll
zukünftig vor allem für die Besserverdienenden da sein. Kern dieser
Umfunktionierung ist eine neue Sozialpolitik:
"Wollen
wir, zum Beispiel, dass die berühmten staatlichen Transferzahlungen
vor allem an Individuen gehen, oder wollen wir damit eine Ökologie
von Institutionen schaffen, die die Familie unterstützen. Also:
Kitas etwa oder Ganztagsschulen. Wenn man dies bejaht, hätte dies
natürlich die Folge, dass die Sozialhilfe reduziert werden muss. Das
ist überhaupt keine Frage: Wenn wir die Ökologie der Kinderbetreuung
verbessern bei der gegenwärtigen staatlichen Finanzlage, führt das
zwangsläufig zur Reduktion von Individualtransfers, das geht
überhaupt nicht anders. Also unser Denken über die Bedeutung der
Familie hat durchaus harte Konsequenzen."
Dies ist eine
ernstzunehmende
Kampfansage an alle Elternlosen,
denen auch noch der letzte sozialstaatliche Rückhalt entzogen werden
soll.
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KNOTT, Thilo (2004): Kategorischer Ackermann.
Die Deutsche Bank fordert in
ihrer Studie "Mehr Wachstum für Deutschland" einen neuen Wertekanon -
wegen der Deutschen (träge) und ihrer Politiker (machtbesessen).
Ausgerechnet!
in: TAZ v. 28.02.
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MUES, Gabor & Bastienne MÜLLER (2004): Abschied von der
Gelehrtenrepublik.
Warum wir keineswegs mehr Studenten brauchen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.02.
- Kommentar:
Ein Beitrag zum Klassenkampf von Oben.
In der Jungle World wurde
bei bereits im Januar die Proletarisierung der zukünftigen Eliten
beklagt. MUES & MÜLLER knüpfen daran an.
Die Einschränkung des
Zugangs zu den Universitäten - wie sie von MUES & MÜLLER vertreten
wird, ist jedoch ein zentraler Baustein eines
Klassenkampfes von oben, der nicht die Kinder der Eliten vom
Studium abhält, sondern die unliebsame Konkurrenz durch die Kinder
von Nicht-Eliten noch stärker einschränken soll.
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MATZIG, Gerhard (2004): Vom Ende der Zukunft.
Heimatfilme, Schuluniformen,
Benimm-Fibeln: Die Ästhetik der heranziehenden Gerontokratie ist der
Nostalgie gewidmet – und der Angst,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.02.
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NZZ-ZEITFRAGEN: Glückssuche
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HOF (2004): Glückssuche,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 28.02.
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HOFMANN, Markus (2004): "Das Glück gehört zum Gesamtprogramm der
Moderne".
Ein Gespräch mit dem Philosophen Dieter Thomä,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 28.02.
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DURRER, Stephan (2004): "I did it my way".
Lebenshilfe-Ratgeber als Kompass des modernen Individuums,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 28.02.
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MÖNNINGER, Michael (2004): Demografie als Volkssport.
1945 sah Charles de Gaulle sein Volk vom Aussterben bedroht:
"Frankreich braucht zwölf Millionen Babys!" Heute hat das Land die
höchste Geburtenrate in Europa,
in: Die ZEIT Nr.10 v. 26.02.
- Kommentar:
Heute ist wieder Märchenstunde bei der Tante
ZEIT.
Diesmal wird uns
Frankreich als Kinderwunderland vorgestellt.
Tatsächlich hat Frankreich
die gleiche Debatte nur etwas früher als Deutschland durchlaufen. Das
Buch "Tyrannei der Lust" zeigt, dass der französische Babyboom
genauso "überraschend" gekommen ist, wie das in Deutschland der Fall
sein wird.
Anfang der 90er Jahre war
Schweden noch das Kinderwunderland. Schweden ist ein gutes Beispiel
dafür, dass ein Babyboom (wie das Wort es bereits nahe legt) nicht
ewig anhält.
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WIEGANDT, Kai Martin (2004): An der grauen Donau.
Xaver Bayer schwelgt in Monotonie und Unerheblichkeit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 26.02.
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LUFT, Hans (2004): Wem gehört der Text?
Und wieso ist Mischen jetzt strengstens verboten? Die neuen
Schwierigkeiten des Lebens mit der Literatur,
in: Frankfurter Rundschau v. 26.02.
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MICHALZIK, Peter (2004): Rada, Elena und Maxim: Neues aus Billerbü.
Dichtung statt Wahrheit - Reden und Schweigen in einer
Schriftstellerfamilie,
in: Frankfurter Rundschau v. 26.02.
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- HAAS, Franz (2004): Poetische
Momentaufnahmen.
Franziska Gerstenbergs exzellentes Erzähldébut,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 25.02.
- Inhalt:
"Vielleicht
sind die neuen deutschen Bundesländer doch nicht so heillos von der
Ostalgie befallen, wie es im letzten «Merkur» diagnostiziert wird.
(...). Es gibt nicht nur die kuscheligen Erinnerungen der
«Zonenkinder», das zartbittere Gedenken an das Leben «Am kürzeren
Ende der Sonnenallee», die süss-saure Nostalgie nach
Spreewaldgurken. Und es gibt zum Glück für die neue deutsche
Literatur eine Generation, für die die Schrecken und Wonnen der DDR
nicht mehr erstes Pflichtthema sind.
Franziska Gerstenberg, die 1979 in Dresden geboren wurde und in
Leipzig und Hannover lebt, ist jung genug, um nicht einmal zu jener
«Millenniumsgeneration» zu gehören, deren intellektueller Marktwert
im letzten
»Kursbuch«
taxiert wird",
schreibt HAAS über den Erzählband
"Wie viel Vögel" von Franziska GERSTENBERG.
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RUTSCHKY, Michael (2004): Familienkult,
in: TAZ v. 25.02.
- Inhalt:
"Der
Familienkult in der Bundesrepublik ist, wenn ich richtig sehe, wenig
erforscht. Alle nehmen ganz selbstverständlich daran teil, wo sich
die Gelegenheit bietet; deshalb bleibt der Kult unsichtbar. Hohe
Geburtstage eignen sich glänzend;
immer wieder bildet das Weihnachtsfest den Kulminationspunkt.
Dass es dabei stets um Konsum geht - das Essen, die Geschenke -,
pflegt den Kulturkritiker zu irritieren; unnötigerweise. Denn die
Familie konsumiert strikt im Rahmen ihres Kults, wie unser
Abendessen mit geselligem Beisammensein lehrt" weiß der
Freizeitethnologe Michael RUTSCHKY vom deutschen Alltag zu
berichten.
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SEIBT, Gustav (2004): Die große Furcht.
Können Reformen überhaupt "vermittelt" werden?
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.02.
- Kommentar:
Was für
Arnulf BARING
Weimarer Verhältnisse sind, das sind für
Gustav SEIBT
italienische Verhältnisse, die Deutschland drohen.
Es mag ja sein, dass dem
Dramatisierer SEIBT die Sozialreformen nicht weit genug gehen. Es
ist jedoch verharmlosend, wenn er bei den Sozialreformen von einem
Vermittlungsproblem spricht. Was soll eigentlich vermittelt werden?
SEIBT schreibt dem
demografischen Wandel eine Naturgesetzlichkeit zu, die nicht
existiert.
Seit
Gerd BOSBACH - viel zu spät - die Unumstrittenheit der
Bevölkerungsvorausberechnung vom Juni 2003 als Ideologie entlarvt
hat, ist es nicht mehr möglich - so wie es SEIBT dennoch versucht -
sich auf den unausweichlichen demografischen Wandel zu berufen.
Es reicht nicht mehr, Horrorszenarien zu bebildern. Vielmehr ist
das statistische Fundament zusammengebrochen, auf dem SEIBT seine
Argumentation aufgebaut hat.
Es gibt also kein
Vermittlungsproblem, sondern das Ausmaß des demografischen Wandels
und dessen Folgen stehen zur Debatte.
Wer wie SEIBT behauptet,
dass ein bislang funktionierender Pluralismus per Demografie
ausgehebelt wird, leugnet die bestehende Schieflage im System der
Interessenorganisation.
Im Gegensatz zu den
Familienfundamentalisten haben Singles keine Lobby.
Denn anders ist es nicht
zu erklären, dass es über ein halbes Jahr gedauert hat, bis die
Strittigkeit des demografischen Wandels überhaupt thematisiert
werden konnte. Non-Decision-Making nennt man in den
Politikwissenschaften dieses Phänomen, bei dem der politische Gegner
nicht einmal in der Lage ist, berechtigte Kritik in den politischen
Prozess einzubringen. Die Mitte-Medien haben dies bis zur
Verabschiedung der Agenda-Gesetze im Dezember verhindert.
Nur
im August durfte Detlef GÜRTLER in der Welt erste Zweifel
anmelden. Ein Echo erzeugte das nicht. Die ehemals alternative,
neuerdings neoliberale TAZ veröffentlichte nicht einmal einen
kritischen Leserbrief von single-dasein.de.
SEIBT bläht -
wie das Polarisierer gerne tun - die Minderheit der lebenslang
Kinderlosen auf, indem er sie mit den Eltern, deren Kinder
ausgezogen sind, zu einem "Keulenhaupt" zusammenfasst, das dann "zu
großen Teilen aus Kinderlosen" besteht.
Tatsächlich gibt es diese
Interessenidentität nicht, die SEIBT und andere Sozialpopulisten
behaupten, damit das ersehnte Drama seinen unguten Lauf nehmen kann.
Es ist
offensichtlich, dass SEIBT hier einen Generationenkonflikt
inszeniert, der nichts anderes ist als ein Klassenkampf von oben.
Unsere Eliten stehlen sich
aus der Verantwortung. Solidarität kennen sie nur unter
Ihresgleichen. Da wird sich mit Josef ACKERMANN (siehe hierzu
Sighard NECKEL in
der ZEIT) verbrüdert, der seine Verachtung für den demokratischen
Staat im Gerichtssaal demonstriert. Und nicht zuletzt werden gerne
die Arbeitnehmertugenden gelobt, obgleich es so manchem eher auf die
gewünschte Fügsamkeit ankommt und weniger auf
Leistungsgerechtigkeit.
Der Elitenforscher
Michael HARTMANN hat hierzu in der
FR vom 09.02.2004
treffend bemerkt:
"Entgegen
den Beteuerungen der meisten Politiker, Manager und Medienvertreter
handelt es sich bei Eliten nämlich nicht einfach um die
Leistungsstärksten eines jeden gesellschaftlichen Sektors. Das in
diesem Zusammenhang immer wieder verwendete Beispiel vom
Spitzensport führt in die Irre. Im Sport zählt man, lässt man Doping
und Ähnliches einmal außer Acht, in der Regel auf Grund seiner
individuellen Leistung zur Spitze. Damit ist keine dauerhafte
soziale Stellung in der Gesellschaft verknüpft. Deshalb wird
normalerweise ja auch von Spitzensportlern und nicht von der
Sportelite geredet. Ein Leichtathlet, dessen Körper den Belastungen
nicht stand hält, ist ebenso schnell wieder unten, wie er oben war.
Genau das ist bei den wirklichen Eliten in Wirtschaft, Verwaltung,
Justiz, Wissenschaft und Justiz anders. Sie gehören qua Position und
zumeist auch qua sozialer Herkunft relativ dauerhaft zu den so
genannten besseren Kreisen der Gesellschaft."
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KISSLER, Alexander (2004): Leidensindex Deutschland.
In ihrer Reform-Agenda fordert die Deutsche Bank einen neuen
Wertekanon, das Ende des Lobbyismus und den Abschied vom
"Karrierepolitiker",
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.02.
- Kommentar:
Wo SEIBT ist, da ist sein Adlatus KISSLER nicht weit!
Im neoliberalen
Zeitgeistfeuilleton der SZ, in dem nicht selten der
Wirtschaftsressortredakteur PIPER dem ökonomischen Imperativ zum
Gehör verhilft, darf nun
Alexander KISSLER, der auch gerne
Loblieder auf die neuen - derzeit etwas lahmenden - Bürgerbewegungen
singt, die Interessen der Deutschen Bank verteidigen.
Die Großbank irritiert,
dass neben ihr noch über 1700 andere Lobbyisten in der Politik
vorsprechen dürfen. Reformstau erzeugen natürlich immer nur die
anderen.
Neue Werte braucht deshalb
das Land, referiert KISSLER brav aus dem Pamphlet "Mehr Wachstum für
Deutschland" (was irgendwie ziemlich einfallslos ist, denn so heißen
diese Pamphlete immer).
Wettbewerb statt
Demokratie heißt das Motto, mit dem - keiner wundert sich - der
Standort Deutschland flott gemacht werden soll.
Dem antidemokratischen
Neobourgeois geht es um die Entsorgung demokratischer
Gepflogenheiten, die er als Relikt der Überflussgesellschaft
missversteht.
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RULFF, Dieter (2004): Arme Bürgergesellschaft.
Das neue Loblied auf Flexibilisierung und Selbsthilfe ist
trügerisch. Denn die Freiheit, die da gepriesen wird, hat einen Haken:
Sie ist Zwang,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.02.
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RUTSCHKY, Katharina (2004): Leben im Zeichen des Geizes.
Die meisten Deutschen
glauben, dass es abwärts geht, und das Schlaraffenland ist in die
Ferne gerückt. Kleiner Versuch über die gefühlte Armut,
in: Tagesspiegel v. 22.02.
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FOCUS-Titelgeschichte:
generation ratlos.
Die Mittdreißiger.
Zwischen Jobkrise, Zukunftsangst und Beziehungschaos |
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BODE, Katja Nele & Angelika STEFFEN (2004): Generation ratlos.
Die Kinder der 68er sollten längst erwachsen sein - doch sie
stecken fest in der Adoleszenz, einem starren System und
Zukunftsangst,
in: Focus Nr.9 v. 21.02.
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Kommentar:
"Die erste Generation, die für ihr Überleben nicht
zwingend arbeiten musste", dieser Satz schränkt die Generation
Golf bereits auf das Segment der Privilegierten dieser
Altersgruppe ein.
Was
dann kommt ist ein einziges Jammertal, das von dem üblichen halben
Dutzend Repräsentanten dieser Generation abgeleitet wird.
Aus
dem
»Kursbuch: Die 30-Jährigen«
wird Malin
SCHWERDTFEGER, das selbsternannte Über-Wir der Generation
Golf, zitiert und das FAZ-Krisenopfer Stefanie FLAMM, deren
Entlassungsstory
bei den Lesungen gerne goutiert wird, denn man ist dort unter
seinesgleichen.
Wenn
es um die Mittdreißiger geht, dann ist Volker MARQUARDT nicht
weit, der mit "Das Wissen der 35-Jährigen" ein Buch über diese Altersgruppe
verfasst hat. Darin geht es zwar nicht um die Kerngruppe der
Generation Golf (Juristen und BWLer), sondern um ehemalige
Alternativler, die nun die Annehmlichkeiten des Bobo-Lebensstils
genießen.
Für
die Außenansicht der Generation Golf sind der Psychoanalytiker
Wolfgang SCHMIDBAUER aus der 68er-Generation und der Soziologe
Reimer GRONEMEYER zuständig.
Einzig
der
Berliner Soziologe Hans BERTRAM
bringt den gesellschaftlichen Aspekt des Phänomens zur Sprache.
Für
ihn ist der Maßstab der 50er Jahre, der an die Generation Golf
angelegt wird, nicht mehr zeitgemäß:
"Die
Gesellschaft erwartet, dass sie ihr Leben zwischen 30 und 55 voll
gelebt haben".
Angesichts
der gestiegenen Lebenserwartung ist das fürwahr ein hoffnungslos
antiquiertes Denken. Leider wird dieser Ansatz im Artikel nicht
weiter gedacht, sondern es überwiegt das Lamento, bei dem die
Generation Golf zu einer verlorenen Generation stilisiert wird.
Dabei
ist die Akademikerarbeitslosigkeit im Vergleich zur Arbeitslosigkeit
anderer Milieus ein elitäres Luxusproblem.
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FOCUS (2004): Bloß nicht verzagen.
Die Autorin Sibylle Berg glaubt fest daran: Es lohnt sich, das
eigene Phlegma zu überwinden,
in: Focus Nr.9 v. 21.02.
- Kommentar:
Damit Frau BERG noch zur Titelgeschichte passt, wird
ihr Alter einfach jünger angegeben.
"Ich kann nicht verstehen,
dass diese Generation jammert", behauptet Sibylle BERG, nur um am
Ende zu klagen:
"Die gleichberechtigte
Partnerschaft gibt es nicht."
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BETTERMANN, Stella (2004): Last-Minute Suche...
...nach dem Mann fürs Leben - eine Armada gut ausgebildeter
Frauen wünscht sich Karriere, Kerl und Kind. Doch den Panik-Singles
ab 35 läuft die Zeit davon,
in: Focus Nr.9 v. 21.02.
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VILLIGER HEILIG, Barbara (2004): Schöne neue Welt.
Houellebecqs "Elementarteilchen" im Theater Basel,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 21.02.
- Inhalt:
Barbara VILLIGER HEILIG hält die "Elementarteilchen"-Inszenierung
von Albrecht HIRCHE am Basler Theater für harmlos:
"Der
Regisseur illustriert hier lediglich eine von Houellebecqs
provokanten Thesen: diejenige vom Ende der Erotik - im weitesten
Sinn."
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HORX, Matthias (2004): Deutschland im Jahre 2015.
Vier Szenarien für die Zukunft unserer Republik,
in: Welt v. 21.02.
- Kommentar:
"In
den deutschen Betten beginnt eine fieberhafte Produktivität. Die
Geburtenrate steht mit 2,0 auf dem höchsten Stand seit 40 Jahren.
Nach dem dritten Kind zahlen deutsche Bürger bis zu einem Einkommen
von 100 000 Euro keine Steuern mehr, darüber nur linear 15 Prozent.
Eine Vielzahl von steuerlich absetzbaren privaten Dienstleistungen
macht Karriere auch mit Kindern möglich. Die Städte Deutschlands
vibrieren vor Vitalität - sie sind rund um die Uhr geöffnet. Mit
fünf bis sechs Prozent Dauerwachstum ist Deutschland wieder die
Wachstumslokomotive Europas. Aber dies fordert einen Preis",
lautet eines der Szenarien, mit denen
Matthias HORX die Leser der Welt zur
kostenlosen Mitarbeit an seinem neuen Projekt auffordert.
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ALANYALI, Iris (2004): Die beste Freundin der Nation.
Sie ist die einflussreichste
Vielleserin Deutschlands. Wie wird man das? Ein Gespräch mit Elke
Heidenreich über eine schwierige Kindheit, überschätzte Katzen,
unverschämte Verlage, wichtige Romane und noch wichtigere Opern,
in: Welt v. 21.02.
- Kommentar:
Elke HEIDENREICH gilt FAZ-Feuilleton-Chef
Frank SCHIRRMACHER als Beleg für die
Männerdämmerung. HEIDENREICH über
ihr schlechtes Image:
"Neulich
war in der Sonntags-"FAZ" eine Liste mit »Frauen, die wir niemals
heiraten möchten«. Ich war auch dabei. Wenn Ihr wüsstet!, hab ich da
gedacht. Meine beiden Männer waren sehr glücklich mit mir. Der eine
fünf, der andere 25 Jahre lang. Ich bin eine gute Ehefrau. Ich
koche, und ich mach es sehr gemütlich. Es gibt immer Blumen, ich
kann Pfannkuchen backen, und ich verweigere mich auch nicht!"
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STEINFELD, Thomas (2004): Knieübung.
Stilsicher: Die Bayerische Akademie und der Prinz,
in: Süddeutsche Zeitung v. 21.02.
- Kommentar:
Weil sich nicht jeder an LUHMANNs "Gesetze"
hält, schon gar nicht die neuen Reaktionäre, echauffiert sich
Thomas STEINFELD:
"Die
Akademie hat den Rahmen der Literatur, das ästhetische Spiel mit
reaktionärem Gedankengut, das durchaus erlaubt und manchmal
notwendig ist, gesprengt und will die Gesellschaft verändern.
Distanzlos schwärmt sie von einem König der Könige, träumt sie von
glücklichen Untertanen und dem strengen Zeremoniell gerechter
Herrscher."
Katharina
RUTSCHKY hat den reaktionären
Gehalt des Buches als einzige angeprangert, das
Zeitgeistfeuilleton dankte es ihr nicht. Jetzt nachträglich zu
jammern, das ist scheinheilig!
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SCHLAK, Stephan (2004): Nie wieder postmodern.
Die SPD möchte sich an alten Tugenden der Aufrichtigkeit laben,
in: Frankfurter Rundschau v. 20.02.
- Kommentar:
Stephan SCHLAK, Jahrgang 1974, gilt der
Soziologe
Niklas LUHMANN als Erlöser von der
kleinbürgerlichen Identitätsenge.
Das
von ihm beschworene Konzept SCHRÖDER und das Konzept MÜNTEFERING
stehen bei ihm für den Gegensatz von Elite und Masse.
Der
Soziologe LEPSIUS hat bereits vor einiger Zeit die
Generationenrhetorik auf ihren elitären Kern, d.h. auf den
Kulturkampf der Elite, zurückgeführt. SCHLAK ist das beste Beispiel
für diese Sichtweise.
Während
die Massen der Kleinbürger immer noch dem traditionalen,
substantiellen Identitätstypus von Glaubwürdigkeit und
Aufrichtigkeit verhaftet sind, tendiert die Elite zum überlegenen,
postmodernen Identitätstypus.
In
LUHMANNscher Sicht findet Politik nur noch im politischen System
statt. Der Politiker wird damit auf den Politikerdarsteller
reduziert, dessen zentrale Aufgabe in der Herstellung von Zustimmung
liegt.
Die
Generation Golf - wie ihre Interpreten sie sehen - beurteilt
Darstellungen primär nach ästhetischen Kriterien. Konsequenterweise
vergibt SCHLAK deshalb nur Stilnoten.
Der
kleinbürgerliche Habitus von KOHL oder MÜNTEFERING kann in dieser
Sicht nicht punkten.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 15. - 19. Februar 2004
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