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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 16. - 21. Juli 2004

 
 
     
     
     
 
   
Zitat des Monats:
"Als gewollt Kinderloser sollte man sich beizeiten ein dickes Fell zulegen. (...).
Der »Egoismus«-Vorwurf ist (...) der wohl populärste und dennoch nur das erste Glied in einer langen Kette von Vorurteilen und Vor-Verurteilungen, denen sich die Kinderlosen ständig ausgesetzt sehen. Wohl denen, die da wenigstens alleine sind, greift doch bei ihnen das double-income-no-kids-Argument nicht sogleich, wenn die Gegnerschaft auch nicht müde wird zu betonen, dass Steuern zahlen allein den Generationenvertrag ja wohl nicht retten könne. Jetzt sind wir also auch noch Schuld an der Unsicherheit der Renten. All denen, die daran glauben, sei hier mitgeteilt, dass auch unsere Altvorderen vom Beginn bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts es nicht zum, für einen funktionierenden Generationenvertrag entscheidenden, Reproduktionsniveau schafften. Heißt, schon vor 70 Jahren wurden nicht genügend Kinder geboren, um das Bevölkerungsniveau konstant zu halten.
Ein anderes Vorurteil, das sich so hartnäckig hält wie vermeintliche Eisenanteile in Spinat, ist die Einsamkeit der Kinderlosen im Alter. Ein echtes Ammenmärchen. Schließlich ist alles andere als bewiesen, dass Kinderreiche per se im Alter besser dran wären, was die Quantität und Qualität ihrer Sozialkontakte oder die Bereitschaft ihrer Kinder zur Versorgung und Pflege anginge. Längst ist nicht mehr selbstverständlich, dass die eigenen Kinder im Alter für Betreuungsaufgaben zur Verfügung stehen, und in den wenigsten Familien leben mehr als zwei Generationen dauerhaft unter einem Dach.
"
(Mattias WINKLER in der Wochenzeitung Freitag Nr.29/30 vom 09.07.2004)
 
 
 
  • ENKE, Julia (2004): Der Zeitlupenmensch.
    Am Ende bleibt man immer unbefriedigt zurück: Ein Video für Houellebecq-Verehrer,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 21.07.
    • Inhalt:
      Julia ENKE berichtet von dem Video "Plateforme - Une Lecture" des Journalisten Michel MEYER, der eine Lesung des Buches "Plattform" in Karlsruhe dokumentiert hat.

               Außerdem weist ENKE darauf hin, dass im Herbst bei Fayard der neueste Roman, Arbeitstitel "Une fle" (Eine Insel), erscheint.
 
  • HERZINGER, Richard (2004): Die Kassenwarte der Moral,
    in: Politisches Feuilleton. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v. 21.07.
    • Kommentar:
      Kinderlose sollen höhere Beiträge für die Pflegeversicherung zahlen. Richard HERZINGER beschreibt den Prozess, in dem Lebensstilgruppen in den Fokus einer solchen Politik geraten:

               "Immer unverhohlener wird nämlich von Seiten der politischen Klasse versucht, durch gesetzgeberische und steuerpolitische Maßnahmen wertend in die Lebensgewohnheiten der Bürger einzugreifen und sie in eine von oben gewünschte Richtung zu lenken. Das funktioniert so: Erst wird eine bestimmte Verhaltenweise oder ein bestimmter Lebensstil als sozial besonders problematisch eingestuft. Dann wird, gestützt auf vermeintlich zwingende wissenschaftliche Erkenntnisse, dringender »Handlungsbedarf« ausgerufen. Sodann werden Wege ersonnen, bei den Bürgern, die solch unerwünschten Lebensweisen anhängen, zusätzlich abzukassieren."
               Auf single-dasein.de wird dieser Prozess der politischen Konstruktion (z.B. anhand der Geburtenkrise) dokumentiert und analysiert. 
 
  • RUNGE, Heike (2004): Nur für Frauen.
    Die Kulturgeschichte des Bikinis steckt voller Glamour. Die individuellen Geschichten über das Tragen von Zweiteilern dagegen sind gespickt mit Pannen. von heike runge,
    in: Jungle World Nr.29 v. 21.07.
    • Inhalt:
      Heike RUNGE liefert eine kurze Kulturgeschichte des Bikinis:

               "Für den den französischen Soziologen Jean Claude Kaufmann, der auf die Errungenschaften der 68er-Kämpfe mit demselben Ekel blickt wie der Literat Michel Houellebecq, ist der mit Bikini-Schönheiten gespickte Strand ein Kriegsschauplatz, ein Territorium der Intoleranz voller heimtückischer und erbarmungsloser Klassifikationen und Hierarchien. Kaufmanns Studie über die neuen Regeln des Strands kommt zu dem deprimierenden Schluss: »Keine Rasse, kein Alter, keine Figur ist verboten. Wenn man jedoch genau hinschaut, bemerkt man, vor allem an den großen Stränden, wenige Dicke, Alte oder Hässliche, und wenn, dann haben sie sich häufig schüchtern an den Rand des Strandes verzogen. Denn es ist zwar nicht verboten, jedoch geben Blicke und tausend unhörbare Botschaften denen, die von der Norm abweichen, zu verstehen, dass sie die Zielscheibe der Kritik sind. Sie werden toleriert, sind aber unwiderruflich verurteilt, disqualifiziert.«"
               Die nicht genannte Studie von Jean-Claude KAUFMANN heißt "Frauenkörper - Männerblicke" und ist 1996 beim Konstanzer UVK-Verlag erschienen.
 
  • CAVELTY, Gieri (2004): Variabel.
    Daniel Goetschs Roman "X",
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 21.07.
    • Kommentar:
      Daniel GOETSCH befasst sich in dem Roman "X" mit der Frage, was passiert, wenn Schüchternheit bzw. Sozialphobien medikamentös behandelt werden.

               CAVELTY schildert die Handlung der "in weiten Teilen durchaus anregend zu lesende Geschichte eines postmodernen Rip Van Winkle und Don Quijote in Personalunion" folgendermaßen:
               "Der anonyme Ich-Erzähler, «Kind der Vorstadt» und verkrachter Student, kehrt aus einer überlangen Schlafkur ins aktive Leben zurück. Während seiner Absenz indes scheint «ein Ruck durch meine Umwelt gegangen» zu sein. Sein Seelenbruder Luk ist vom harmlosen Stubenhocker zum unnahbaren Szenegänger mutiert und betreibt einen schwunghaften Medikamentenhandel. Weit schlimmer empfindet er das spurlose Verschwinden der angeblichen Geliebten. Auf der Suche nach seiner Dulcinea wie überhaupt nach einer Zukunft erliegt unser Held stetig Sinnestäuschungen und dem «Gefühl, es sei nicht mein Film, der hier abspult». Er wähnt sich von Klonen umgeben, wird dabei aber seinerseits zusehends zu Luks Kopie. Stress und Verzweiflung drängen ihn in die Pillensucht und in den Dunstkreis von Drogenhändlern. Anderer Leute Unglück hilft dem Protagonisten schliesslich wieder auf die Beine: Von der ans Spitalbett gefesselten Mutter erbt er die Wohnung in der zwar trostlosen, trotzdem aber irgendwie heimeligen Agglomeration. Und vom verstorbenen Luk übernimmt er die Freundin, die seiner abhanden gekommenen Angebeteten glücklicherweise sehr ähnlich sieht."
 
 
 
  • WIESEMANN, Hans-Olaf (2004): Gesellschaft im Zeitalter erhöhter Langlebigkeit.
    Frank Schirrmachers "Methusalem-Komplott",
    in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Nr.7/8, Juli-August
    • Kommentar:
      Hans-Olaf WIESEMANN, Jahrgang 1967, begrüßt den Einstellungswandel zum Demografieproblem:

               "Jetzt ist die demografische Frage, der simultane Geburtenrückgang und Anstieg der Lebensdauer, in das gesellschaftliche Bewusstsein, in die Talkshows unseres Leitmediums Fernsehen, gedrungen. Frank Schirrmachers Buch Das Methusalem-Komplott kommt zur rechten Zeit und trägt zur Versachlichung bei", schreibt WIESEMANN.
               WIESEMANN ist offensichtlich selbst Opfer dieser Debatte, denn einen "simultanen Geburtenrückgang und Anstieg der Lebensdauer" gibt es in Deutschland nicht.
               Dies hat kürzlich selbst das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung verlautbaren lassen:
               "Die bislang für einen westdeutschen Geburtsjahrgang niedrigste endgültige Kinderzahl wird mit 1439 für die 1968 geborenen Frauen geschätzt. Für die danach geborenen Frauen (1969, 1970) erwarten wir mit 1456 bzw. 1472 leichte Anstiege der endgültigen Kinderzahl. Der Rückgang der endgültigen Kinderzahlen, der bereits seit dem Jahrgang 1933 (2224) bestand, ist damit abgeschlossen." (Jürgen DORBRITZ in den BIB-Mitteilungen vom 22.06.2004)
 
  • KOCKA, Jürgen (2004): Reformen, Generationen und Geschichte,
    in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Nr.7/8, Juli-August
    • Inhalt:
      Jürgen KOCKA lobt das Buch "Generation Reform" von Paul NOLTE, hält dessen appellatives Anliegen jedoch für zum Scheitern verurteilt:

               "Es liegt heute nahe, in Generationen zu denken. Der mittlerweile viel diskutierte demografische Wandel und seine noch längst nicht bekannten gesellschaftlichen Folgen laden dazu dringend ein. (...). Was in der schnell wachsenden Industriegesellschaft früher die Klassenspannungen waren, könnten in der alternden und schrumpfenden Nach-Industriegesellschaft der Zukunft die Interessengegegensätzen und kulturell ausdeutbaren Spannungen zwischen den Altersgruppen sein. (...).
      Vermutlich endet die Ausrufung der Generation Reform wie die Hoffnung Heinz Budes auf eine durch die deutsche Einigung neu politisierte »Generation Berlin« vor etwa zehn Jahren: Sie blieb - jedenfalls bisher - unerfüllt, man redet kaum noch von ihr."
 
  • GUDE, Hubert (2004): Falscher Flirt.
    Ein Insider berichtet, wie ein Hamburger Dienste-Provider mit professionellen Chat-Moderatoren SMS-Kunden systematisch abzockt,
    in: Focus Nr.30 v. 19.07.
 
  • BRAND, Jobst-Ulrich (2004): "Mir fehlt es an Zurückhaltung".
    Deutschlands streitbarster Autor, Martin Walser, hat einen neuen Erotikroman geschrieben, wehrt sich gegen Kritikerschelte und leidet mit dem Kanzler in der Krise,
    in: Focus Nr.30 v. 19.07.
 
  • TATORT-Jubiläum: 15 Jahre Lena Odenthal als Role-Model für weibliche Singles

    • SICHTERMANN, Barbara (2004): Kein bisschen amtsmüde.
      Lena Odenthal ermittelt seit 15 Jahren - und am Sonntag wieder im "Tatort: Gefährliches Schweigen",
      in: Tagesspiegel v. 18.07.
      • Inhalt:
        Barbara SICHTERMANN über den Versuch die Single-Rolle zu verändern:

                 "Ist Lena verbindlicher geworden, hat diese Kommissarin ohne Privatleben, die ihr Apartment bloß WG-mäßig mit dem Kollegen Kopper teilt, jetzt doch ein paar weiche Seiten entwickelt, womöglich auch ein bisschen freundliche Fraulichkeit?
        Nun, Drehbuchschreiber haben getan, was sie konnten, um ihr Reste eines Familienlebens anzudichten. So kam in einer Folge plötzlich eine Tante vor, und als Verdächtiger kreuzte kürzlich ein Jugendfreund auf, dem Lena mal so nahe gestanden hat, dass ihre Objektivität in Frage stand. Kopper mußte das verdächtig Private übernehmen. Im Grunde prallen solche Versuche einer Angleichung der Lena Odenthal an die weibliche Normalbiographie von der Figur ab.
        Diese Kommissarin lebt nicht aus einem natürlichen familiären Humus heraus, sondern aus der vollkommenen Künstlichkeit der Fernseherfindung, und man unterschätzt das Publikum, wenn man meint, es akzeptiere auf dem Bildschirm nur Gestalten mit realistischem Hintergrund und nachvollziehbarer Lebensführung. Es will die Ikone. Zu Odenthal passt keine Tante. Sie ist, sagen wir mal, die legitime Tochter des Kerls, der im schönen alten »Tatort«-Trailer so telegen durch den Regen davonrennt.
        Das englische Volk nannte Elisabeth die Große seine »jungfräuliche Königin«. Damit war nicht gemeint, dass die Queen immer alleine schlief und von Sex nichts wusste, sondern dass sie sich niemals einem Mann unterordnete, dass sie frei blieb. In diesem Sinn ist auch Lena Odenthal eine jungfräuliche Kommissarin.
        "
    • BRAUCK, Markus (2004): Die zweite Haut.
      Seit 15 Jahren spielt Ulrike Folkerts die "Tatort"-Kommsissarin Lena Odenthal,
      in: Frankfurter Zeitung v. 17.07.
      • Inhalt:
        Markus BRAUCK schreibt darüber wie Ulrike FOLKERTS sich bisher erfolgreich dagegen gewehrt hat, dass ihre Rolle kaputtgeschrieben wird:

                 "Es gibt (...) einen Punkt in ihrem Leben, da ist sie unermüdlich, kämpferisch und vermutlich auch sehr anstrengend. Immer dann, wenn es um Lena Odenthal geht. Wenn Drehbuchautoren die Figur ummodeln wollen. Aus der »coolen Katze« (Folkerts) eine schwache Frau machen, die von starken Männern rausgehauen werden muss. Wenn irgendwer sagt, zuviel Gesellschaftskritik im Krimi wollten die Leute am Sonntagabend nicht sehen. Da wird die Folkerts zur Odenthal. Kämpft. Nervt. Ist störrisch. »Ich lasse nicht zu, dass die Rolle kaputt gemacht wird»«, sagt sie. Auch wenn selbstironische, etwas clowneske Ermittler seit dem Erfolg des Tatorts aus Münster zurzeit sehr angesagt sind. »Odenthal-Tatorte sind mehr als Unterhaltung«, davon ist sie überzeugt. »Das kann man den Zuschauern auch zumuten.«"
 
  • BECKER, Lisa (2004): Mehr Krippen machen uns auch nicht kinderfreundlich.
    Bis 2010 soll es in Westdeutschland 170 000 neue Kinderbetreuungsplätze geben. Bringt nichts, sagen Wissenschaftler: Zumindest nicht für die Geburtenrate,
    in: Frankfurter Allgemeine  Sonntagszeitung v. 18.07.
    • Kommentar:
      Lisa BECKER verteidigt die Interessen der alten Mitte-Eliten und damit die Managerehe.

               Mit Gary BECKER fordert sie die Privatisierung der Kinderbetreuung.
               Die Vertreter neokonservativer Think-Tanks (so z.B. Rainer KLINGHOLZ vom Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung oder Stefanie WAHL, die Meinhard MIEGEL ab und an öffentlich vertreten darf) dürfen ihrer Geringschätzung öffentlicher Kinderbetreuung Ausdruck verleihen.
               Gewiss ist es richtig, dass die Infrastruktur für berufstätige Mütter nur für ein bestimmtes Milieu bedeutsam ist, weshalb es sich hier um einen Kulturkampf der Eliten handelt, bei dem der Rest der Bevölkerung die negativen Folgen zu tragen hat.
               Lisa BECKER schreibt, dass in Deutschland im Gegensatz zu Frankreich die gewollte Kinderlosigkeit bei zwei Dritteln der Deutschen ein erstrebenswerter Lebensentwurf sei.
               Wann und von wem diese Umfrage durchgeführt wurde, wird jedoch nicht erwähnt.
               Dagegen läßt sich inzwischen empirisch nachweisen, dass auch in Deutschland das Ende des Geburtenrückgangs eingesetzt hat.
               Der Bevölkerungswissenschaftler DORBRITZ hat in den neusten BIB-Mitteilungen geschrieben:
               "Die bislang für einen westdeutschen Geburtsjahrgang niedrigste endgültige Kinderzahl wird mit 1439 für die 1968 geborenen Frauen geschätzt. Für die danach geborenen Frauen (1969, 1970) erwarten wir mit 1456 bzw. 1472 leichte Anstiege der endgültigen Kinderzahl. Der Rückgang der endgültigen Kinderzahlen, der bereits seit dem Jahrgang 1933 (2224) bestand, ist damit abgeschlossen."
 
  • MÜNCHHAUSEN, Anna von (2004): "Eltern haben das Erziehen verlernt".
    Bundesfamilienministerin Renate Schmidt über vernachlässigte Kinder, berufstätige Mütter und arme Familien,
    in: Frankfurter Allgemeine  Sonntagszeitung v. 18.07.
    • Kommentar:
      Renate SCHMIDT doziert ihre sozialpopulistische Sichtweise von der gespaltenen Gesellschaft:

               "Wir dürfen nicht zulassen, daß diese Gesellschaft in zwei Teile zerfällt. Auf der einen Seite die mobilen Kinderlosen mit hohem Einkommen, aber ohne Zeit, es zu verbrauchen. Und auf der anderen Seite die anderen, die ein geringes Einkommen haben und sich um Kinder kümmern."
               Die Psychologin Christina CARL, die sich mit der Kinderlosigkeit in Deutschland wissenschaftlich beschäftigt hat, sieht die Situation im Freitag vom 09.07.2004 dagegen differenzierter:
               "Was die Einkommenssituation von Kinderlosen im Vergleich zu Eltern betrifft, finden sich in der Forschungsliteratur widersprüchliche Ergebnisse. Dies ist möglicherweise ein Hinweis auf zwei verschiedene soziale Milieus. Zum einen gibt es die hoch qualifizierten kinderlosen Frauen und Männer, die voll erwerbstätig sind und entsprechend viel verdienen. Es gibt aber auch Kinderlose, die trotz Erwerbstätigkeit nur ein niedriges Einkommen erzielen.
               Ein weiteres Dogma der neokonservativen Familienpolitik, wonach kinderreiche Familien generell arm dran seien, wird durch neue Untersuchungen von Marina RUPP ebenfalls nicht gestützt:
               "Unter den Kinderreichen finden sich vergleichsweise viele Besserverdiener. Aus der mit einem durchschnittlichen monatlichen Haushaltsnettoeinkommen sowieso schon privilegierten Stichprobe bleiben den Kinderreichen im Monat im Schnitt sogar rund 500 Euro mehr zur freien Verfügung als den kleineren Familien. Über 13 Prozent der »3-plus-Familien« verfügen gar über ein Nettoeinkommen von mehr als 6000 Euro; bei den Familien mit einem Kind können nur rund sechs Prozent, bei den Zweikindfamilien rund fünf Prozent auf diesem hohen Niveau mithalten." (Psychologie Heute, März 2004
 
 
  • UPJ (2004): Liebe, noch immer,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 17.07.
    • Inhalt:
      Der Autor rezensiert den Band "Liebe in Zeiten der Weltgesellschaft" von Karl Otto HONDRICH. Der Band fasst acht ältere Essays aus unterschiedlichen Kontexten unter das Thema Liebe:

               "Warum nur tun wir uns so schwer, die Wirkungsmacht der Gefühle anzunehmen? Der Soziologe Karl Otto Hondrich gibt auf diese Frage eine vierstufige Antwort: Als undefinierbare Gefühle beleidigen sie nur zu oft unsere Rationalität, als kollektive Gefühle unsere Individualität, als unbeabsichtigte Gefühle unseren Willen, als verborgene Gefühle schliesslich unseren Anspruch auf Aufklärung."
 
  • HERRNDORF, Wolfgang (2004): Klagenfurt.
    Ein erfundener Erfahrungsbericht über das Ingeborg-Bachmann-Wettlesen am Wörthersee,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.07.
    • Inhalt:
      Wolfgang HERRNDORF plaudert über seine Teilnahme in Klagenfurt:

               "Was wollte ich eigentlich in Klagenfurt? Man wurde das Gefühl nicht los, sich rechtfertigen zu müssen. Goetz hatte sich an Ort und Stelle selbst bestraft, Nadolny seinen Preis verschenkt, Georg Klein schrie nur noch Fußballreportagen. Warum wollte ich dahin, wo keiner hinwollte? Lassen Sie es mich so formulieren.
      Martin Walser inszeniert zu jedem Buch einen eigenen Skandal und hat es in der Liste der reichsten Deutschen auf Platz 34 gebracht."
      (...).
      "Eine andere Möglichkeit war, Tabus zu brechen wie ein Geisteskranker (...). Das letzte Tabu hatte meines Wissens Jana Hensel geknackt: Verniedlichung des Totalitarismus.
      (...).
      Eine dritte Strategie sah vor, gerichtsnotorisch zu werden (....). Biller, Herbst und Lentz hatten das vorgemacht, ich fand ihre Bücher fantastisch. aber auch dieser Weg war mir verbaut, man brauchte häßliche Ex-Freundinnen dazu.
      (...).
      Meine ganze Aufmerksamkeit im Vorfeld galt der Erlangung des Burkhard Spinnenschen Wohlwollens. In den Jahren zuvor hatte man erkennen können, daß, wer Juror Spinnen auf seiner Seite hatte, nicht unterging, jedenfalls nicht auf dramatische oder unelegante Weise."
 
  • BESSING, Joachim (2004): Wir Müllschlucker.
    Wie es ist, wenn wir nur noch Hunger haben, aber nicht mehr kochen wollen. Ein Abgesang auf Fertignahrung und Designerfood,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.07.
    • Kommentar:
      Joachim BESSING beklagt - wie üblich - Kulturverluste:

               "Die gute Küche hatte hier nie wirklich Tradition. Die Entwicklung hin zu einer solchen begann erst 1971, als der Bauunternehmer Fritz Eichbauer sein Restaurant Tantris in München eröffnete. Zuvor war Deutschland ein öder Fleck auf der europäischen Karte.
      (...). Diese Kulturrevolution aus den 70ern ist gescheitet. Hervorgegangen sind daraus einzig der so genannte Hobbykoch (...) und eine potente Lebensmittelindustrie, die den Rest der Deutschen ihre Fertignahrung liefert."

               Das Einmaleins der Konstruktion von Kulturverlusten geht so: Man nehme eine Jahrhundert, das lange genug zurückliegt, damit kein Zeitzeuge mehr existiert und setze dann die Menschheit mit dem Bildungsbürgertum gleich:
               "Ein Mensch es 19. Jahrhunderts beherrschte immerhin noch drei Kulturtechniken, mithilfe derer er sich ausdrücken konnte: einen Brief schreiben, ein Musikinstrument spielen, ein Bild malen oder zeichnen."
               Im zweiten Schritt vergleiche man das ideale Selbstbild bildungsbürgerlichen Gebarens mit dem, was die gegenwärtige Massengesellschaft an Idiosynkrasien so zu bieten hat.
               Dazu reicht z.B. ein Blick durch ein Schaufenster von McDonalds in einer x-beliebigen Stadt oder die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln usw.
               BESSING verbindet nun sein Plädoyer für die Fertigkeit des Kochens (seiner Frau?), indem er den Verlust der Kulturtechnik (Kochen statt Musizieren oder Malen!) im Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft ("Kein Ei braten können und auch noch stolz darauf sein") beklagt.
               Bei BESSINGs herrschen geradezu idyllische Zustände im "vollausgestatteten, vom Müßiggang nur so wabernden Schlaraffenland", in dem es "von aller Arbeit befreite Menschen" nur so wimmelt.
               Wie gut dass demnächst HARTZ IV in Kraft tritt, denkt es in dem so vorgebahnten Leser! 
 
  • SCHÖNBURG, Alexander von (2004): Der ausfällige Adel.
    Aus dem Album der Arten,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.07.
    • Kommentar:
      Wenn Alexander von SCHÖNBURG nicht über das stilvolle Verarmen schreibt, dann arbeitet er an der Verschwörungstheorie und verteidigt deshalb den Adel gegen die bösen Neureichen...
 
  • VESTRING, Bettina & Uwe VORKÖTTER (2004): Verworrenes liegt mir nicht.
    Angela Merkel über ihren Führungsstil, Umgang mit Macht, deutsche Zukunftschancen und wie es ist, 50 zu werden,
    in: Berliner Zeitung v. 17.07.
    • Inhalt:
      Angela MERKEL sieht einen Generationenkonflikt und seine Lösung:

               "Wir dürfen denen, die die Republik aufgebaut haben, nicht alles nehmen. Wir dürfen aber auch den Jüngeren nicht die Luft zum Atmen nehmen. Wenn sie sich nur noch um ihr eigenes Leben kümmern können, bekommen sie ja erst recht keine Kinder. Ohne Wirtschaftswachstum ist dieses Problem nicht zu lösen.
      Es handelt sich also weniger um einen Verteilungskonflikt als um ein Wachstumsproblem?
      Ohne Wachstum wird der Verteilungskampf nicht zu gewinnen sein. Deshalb ist es falsch, dass Rot-Grün leichtfertig aus bestimmten Zukunftstechnologien aussteigt. Ich halte es beispielsweise für unverantwortlich, dass man an der grünen Gentechnologie vorbei geht, aus der Kernenergie aussteigt oder der Pharmaindustrie immer neue Lasten aufbürdet. Wir brauchen mehr Beschäftigung, das kann ich gar nicht oft genug sagen. Und zwar nicht nur im unteren Lohnbereich, wo die Leute keine Steuern und kaum Abgaben zahlen, sondern in hoch qualifizierten und gut bezahlten Jobs. Alles andere führt uns in die Irre.
      "
 
  • ZEKRI, Sonja (2004): In der Herrenumkleidekabine.
    Warum das Jahrhundert der Frau wohl auf sich warten lässt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 16.07.
    • Inhalt:
      "Kann es sich eine vergreisende Gesellschaft mit schwächelnden Beitragszahlern und wachsendem Fachkräftebedarf wirklich leisten, ganze Kohorten von teuer qualifizierten Frauen zu ignorieren? fragt Sonja ZEKRI und beantwortet sich die Frage mit Untersuchungsergebnissen von Sonja BISCHOFF. Die bessere Bildung der Frauen zahlt sich nicht aus, weil sie die falschen Fächer studieren und später weniger Überstunden machen. Das Kind als Karrierebremse wird ins Reich der Mythen verwiesen und stattdessen die Vorurteile der Männer und der Chefinnen als Haupthindernis hervorgehoben.
 
  • SCHINDHELM, Michael (2004): Halbschwester von Parsifal.
    Morgen wird Angela Merkel 50. Deutungen aus gemeinsamen Jahren,
    in: Welt v. 16.07.
    • Inhalt:
      Michael SCHINDHELM schreibt erst einmal darüber wie er durch seinen Roman "Roberts Reise" für die an Angela MERKEL interessierte Öffentlichkeit wichtig wurde:

               "Man war so gut befreundet, wie es möglich war für zwei Kollegen, die derselben Generation angehörten und die über ein paar sie interessierende Dinge ähnlich dachten.
      Das hätte alles so bleiben können, wäre nicht (für unsereinen gerade noch rechtzeitig) die DDR untergegangen. Und alles anders geworden. Trotzdem wechselte die Perspektive zwischen Angela Merkel und mir erst in ihrem Schlüsseljahr 2000. Sie hatte sich in einer Figur meines soeben erschienenen Romans »Roberts Reise« wiedererkannt. Im Roman hatte der Ich-Erzähler von einer Renate behauptet, sie hätte ihm zum Abschied »Tote Seelen« von Gogol geschenkt, mit der Widmung »Geh ins Offene«. Nachdem die Merkel auf dem Parteitag in Essen in ihrer Rede zum Amtsantritt als Bundesvorsitzende diese Geschichte erzählte und dem akklamierenden Auditorium »Geht ins Offene« zurief, hatte ich eine Weile keine ruhige Minute mehr. Die Öffentlichkeit wollte es jetzt wissen. Wie ist sie? Die Power? Der Mut? Die Intrige? Der Osten? Die Frau? Und: die Frisur?
      "
               Nach dieser Selbstdarstellung schreibt SCHINDHELM über seine Hoffnung bezüglich einer Kanzlerin MERKEL:
               "Vielleicht wird sie eine Ikone wie einst Margaret Thatcher. Frauen haben dazu anscheinend eher das Zeug.
      Der Aufstieg von Angela Merkel markiert den Fall von Männern (...). Ist Schröder der nächste?
      "
               Die Hoffnungen von SCHINDHELM könnten zunichte gemacht werden, wenn - wie Franz WALTER dargelegt hat - in Deutschland erfolgreich eine Linkspartei etabliert werden kann... 
 
  • SUNDERMEIER, Jörg (2004): Trotzki, Goethe und das Glück.
    Das waren die wilden 70er: Eine Erinnerung an Jörg Fauser, der heute 60 Jahre alt geworden wäre,
    in: Berliner Zeitung v. 16.07.
    • Inhalt:
      "
      »Allerdings ist das Leben ein Dreck, aber es ist auch eine Lust, im trüben Bauch der Stadt zu liegen und ihre Fäulnis zu kosten und ihren Eiter zu saufen und ihr Fieber zu beschreiben und hinter ihren Mülltonnen zu kauern vor Tagesanbruch und dann hinauszutreten auf den Platz und zu sagen: Grüß Gott, war eure Verlorenheit auch so sanft wie meine?« Was wie Asphaltliteratur klingt, ist eine. Doch Jörg Fauser, der hier vom »Bauch der Stadt« schwärmt, war alles andere als ein vom Expressionismus infizierter Spätpubertierender, der seinen mangelnden Erfahrungshorizont durch sprachliche Eskapaden zu kaschieren sucht",
      wirft Jörg SUNDERMEIER ein und prangert die Vereinnahmung von Jörg FAUSER durch Popliteraten an:

               "»Rohstoff« ist soeben neu aufgelegt worden. Das Nachwort stammt von Benjamin von Stuckrad-Barre, der sich mithilfe von Superlativen als heißblütiger Fauser-Fan zu erkennen gibt. »Wenn Literatur nicht bei denen bleibt, die unten sind, kann sie gleich als Partyservice anheuern«, hatte Fauser geschrieben. Stuckrad-Barre ist keiner, der »bei denen bleibt, die unten sind«, er ist vielmehr geradezu der Prototyp jenes billig-feinen Literaten, gegen dessen Schreiben sich Fauser stets verwahrt hatte.
      Fauser, der heute 60 Jahre alt geworden wäre, kann sich gegen solche Freunde nicht mehr wehren. Seine Romane dagegen, die besseren unter seinen Gedichten und die Aufsätze allemal - sie zeigen noch heute, dass er solche Freunde nicht nötig hat.
      "
   

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Zu den News vom  11. - 15. Juli  2004

 
 
   
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