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Medienrundschau:
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News vom
14. - 19. Juli 2006
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BBU (2006): Spätere Heiraten, brüchigere Ehen.
Ergebnisse der neuesten Statistik der Bevölkerungsbewegung in der
Schweiz,
in: Neue Zürcher Zeitung online v. 19.07.
- Inhalt:
"Im
Durchschnitt hat jede Frau in der Schweiz 1,42 Kinder.
Schweizerinnen brachten 2005 im Schnitt 1,27 Kinder zur Welt,
während es bei Ausländerinnen 1,87 waren",
meldet die NZZ Online.
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HARTWIG, Ina (2006): Katholische
Rêverien
Ich glaube, also bin ich: Schriftsteller im Bekenntnisrausch,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.07.
- Inhalt:
In der Feuilletoncommunity herrscht Einigkeit darüber,
dass Protestantismus als unhip, Katholizismus als heiß gilt, erläutert Ina
HARTWIG.
Single-dasein.de
hat bereits im April 2004 - also lange bevor die
Feuilletonkatholiken sich nach der Papstwahl outeten - die
Katholisierung der Berliner Republik
vorhergesagt.
HARTWIG
stellt nun mit
Thomas MEINECKE einen popkulturell
versierten Neukatholiken vor:
"Zu
den Spielern unter den neuen Katholiken gehört der bestgelaunteste
deutsche Schriftsteller, der DJ und Musiker Thomas Meinecke. Dass
dieser in seinen Romanen die angesagten
post-post-post-strukturalistischen Theorien thematisiert, besonders
wenn sie Genderfragen betreffen, also eine feinere Form der
Sexualität, ist bekannt. Meinecke, ein in der Hamburger Diaspora
aufgewachsener Katholik, toppte unlängst seinen theorielüsternen
Konstruktivismus durch einen Kunstgriff.
Der katholische Priester sei ein drittes
Geschlecht (Kraft-Ebbing lässt grüßen), begeisterte er sich auf der
Frankfurter Megatagung Kulturzone 06."
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NARHOLZ, Christoph (2006): Nach Bernhard.
Über Thomas Bernhard, seine
Kopisten und die Kopisten seiner Kopisten. Ein Vortrag samt Vorwort,
in: Jungle World Nr.29 v. 19.07.
- Inhalt:
NARHOLZ begibt sich zuerst auf die Spuren von
Thomas BERNHARD, um dann die popliterarischen Epigonen von Rainald
GOETZ bis Moritz von USLAR vorzustellen:
"Nickels
Buch ist neben Krachts »Faserland« und Stuckrad-Barres »Soloalbum«
(...) das heimliche dritte Gründungsdokument der damals so genannten
»neuen«, irgendwie adeligen, boulevardesken, jungskrawalligen
deutschen Popliteratur geworden, die sich einen dandyistisch
zurechtgeschnöselten Gutsherrenbernhard natürlich gerne zum Vorbild
genommen hat.
Moritz
von Uslar schließlich hat es zuletzt sogar geschafft, Bernhard aus
der Bernhardkopie von Rainald Goetz weiterzukopieren. Sein Roman
»Waldstein oder Der Tod des Walter Gieseking am 6. Juni 2005« stimmt
ein besonders extralässig abgehangenes Weltanschauungsgerede an, das
im Betriebsklima unterschwellig aber trotzdem ungesund überhitzt,
weil Bernhards fröhliche Totalisierungslust, besänftigt zwar durch
die mildernde Intervention von Goetz, als herausfordernder
Übertreibungsdruck weiter auf dem weichen Text lastet und ihn dazu
treibt, glotzäugig einerseits wirklich jeden Mist ganz besonders
beflissen hoch kompliziert intensiv toll zu finden, und auf der
anderen Seite genauso hingegeben in eine banale Trübsal versenkt."
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- MONATH, Hans (2006): "Die Politik soll
in die Hocke gehen".
Die Grünen fordern einen
Perspektivwechsel: Rechte von Kindern sollen in den Mittelpunkt rücken,
in: Tagesspiegel v. 19.07.
- Inhalt:
Hans MONATH berichtet über Vorschläge der
Kinderkommission der Grünen:
"Nach
dem Willen der Grünen sollen Kinder vom ersten Lebensjahr an einen
Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz erhalten, die Betreuung
soll bis zum 12. Lebensjahr kostenfrei sein. Zur Finanzierung
schlägt die Kommission vor, das Ehegattensplitting abzuschmelzen und
die frei werdenden Mittel in Höhe von fünf Milliarden Euro jährlich
in den Ausbau der Kinderbetreuung zu investieren."
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- SIEGMUND-SCHULTZE, Nicola (2006): Wenn
Patienten schwindeln.
Manche Menschen schaden sich
selbst, um ins Krankenhaus zu kommen. Oft ist Einsamkeit die Ursache,
in: Tagesspiegel v. 19.07.
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FÜLLER, Christian (2006): Lord Dahrendorfs neue Chefin.
Das Wissenschaftszentrum
Berlin angelte sich einen Hai in den Karpfenteich: Jutta Allmendinger
will Präsidentin werden - und trotzdem weiter über Arbeit, Bildung und
Armut forschen. Der Staat lässt seine Kinder bereits in der Schule
fallen, so ihre These,
in: TAZ v. 19.07.
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TUTT, Cordula (2006): Die Zukunft
liegt in Marxloh.
Deutschland schrumpft (3): Das Ruhrgebiet,
in: Financial Times Deutschland v. 19.07.
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- EUBEL, Cordula (2006): Immer weniger,
aber kein Minusgeschäft.
Verband: Auch Jüngere profitieren von der Rente,
in: Tagesspiegel v. 18.07.
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MIEGEL: Rente hat keine Zukunft.
Experte erwartet Bezüge knapp über der Sozialhilfe,
in: DeutschlandRadio v. 18.07.
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- WENZEL, Uwe Justus (2006): Der Moderne
auf die Schultern klopfen und den Rücken stärken.
Gerhard Schulzes Soziologie des "schönen Lebens",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.07.
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- TUTT, Cordula (2006): "Man wird Jeep
und Handy brauchen".
Deutschland schrumpft (2): Brandenburg,
in: Financial Times Deutschland v. 18.07.
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- TUTT, Cordula (2006): Der Kampf um
die Köpfe.
Deutschland schrumpft (1): Herausforderung bis 2050,
in: Financial Times Deutschland v. 17.07.
- Inhalt:
Mit Verweis auf die gegensätzlichen Einschätzungen
von Herwig BIRG und Thomas STRAUBHAAR schreibt
Cordula TUTT:
"Dass die
Entwicklung der Wirtschaft insgesamt schadet, ist nicht
ausgemacht.
In der
5teiligen Serie sollen deshalb Regionen vorgestellt werden, "die
unterschiedlich vom Schwund betroffen sind und unterschiedliche
Ideen verfolgen, damit umzugehen.
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- KÖHLER, Andrea (2006): Die einsame
Masse.
Die Amerikaner schliessen immer weniger Freundschaften,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 17.07.
- Inhalt:
Angesichts einer neuen Studie zum Niedergang
der Freundschaft in den USA, rollt Andrea KÖHLER nochmals die
Geschichte der modernen Einsamkeit und die populäre Tradition der
Klage über den Verfall der Gemeinschaft auf.
David
RIESMAN und Robert D. PUTNAM sind die populärsten Gewährsmänner
dieser Sicht, deren historische Wandlungsfähigkeit KÖHLER
folgendermaßen skizziert:
"Nun
ist die Erfahrung - oder soll man sagen: «Erfindung»? - der
Einsamkeit eine Konstante moderner Gesellschaften, und lediglich
ihre Beschreibung trägt unterschiedliche Züge. Die «einsame Masse»
nach dem Zweiten Weltkrieg, die karrieregeleitete Konkurrenzangst
der siebziger und die Single- und Yuppiekultur der achtziger Jahre,
der Kollaps sozialer Kontexte, den Putnam den neunziger Jahren
zuschrieb - das sind lediglich unterschiedliche Uniformen einer
Grundbefindlichkeit, die jeder am eigenen Leib schmerzlich erlebt."
Zwangsläufig
landet man hier wieder bei dem berühmten Professor aus München, der
gerne in einem Atemzug mit dem "Alleinstehenden als Grundfigur der
Moderne" genannt wird. Dabei hat dieser Professor diese Figur nur
übernommen. Aber wer kennt schon Lerke GRAVENHORST?
Die
frohe Botschaft, dass der einsame Surfer dem Freund den Rang
abgelaufen hat, ist zumindest für KÖHLER nicht wirklich eine.
Single-generation.de
wird sich im September-Thema des Monats mit dem neuen Ethos der
Einsamen beschäftigen. Dort wird ein anderer Blick auf dieses
Problem geworfen.
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MARESCH, Rudolf (2006): Die Familie ist tot, es lebe die Familie!
Norbert Bolz und Frank
Schirrmacher beleben die Idee von der Familie als "Keimzelle" der
Gesellschaft wieder,
in: Telepolis v. 15.07.
- Inhalt:
MARESCH rollt noch einmal die
sozialwissenschaftliche Debatte um den Funktionsverlust der Familie
auf. Er stellt Frank SCHIRRMACHER ("Minimum")
in die Tradition der Funktionalisten (z.B. William J. GOODE).
Danach
widmet er sich dem "alten Hut" der Debatte um den demografischen
Wandel, der bereits 1978 heftig geführt wurde. MARESCH wundert sich
deshalb, dass sich seit damals nichts getan hat. Hund statt Kind,
scheint ihm eine logische Konsequenz der gegenwärtigen Situation:
"Solange
Kinder ausschließlich als Kostenfaktor und Lustkiller empfunden
werden; solange vor allem Männer Angst davor haben, Verantwortung
für andere zu übernehmen; solange sich niemand mehr den Stress, die
Last und die Fürsorglichkeit antun will, die Kindererziehung
verlangt, wird man sich zum Zeitvertreib lieber einen Hund
anschaffen. Ihn kann man bei Bedarf auch wieder aussetzen. Wie heißt
es in Michel Houellebecqes »Die Möglichkeit einer Insel« treffend:
»Die Gesellschaft eines Hundes ist deshalb so angenehm, weil man ihn
glücklich machen kann; was er verlangt, ist so einfach zu erfüllen,
sein Ego ist so begrenzt. [...] So hielt Fox Einzug in unser Leben -
und mit ihm die bedingungslose Liebe.«"
Aus
Sicht des Arbeitsmarktes sieht MARESCH zwar das demografische
Problem als gar nicht akut an, nichtsdestotrotz fordert er
drastische Bestrafungen für Kinderlose, d.h. eine Biologisierung des
Sozialen scheint ihm mehr als gerechtfertigt:
"Nein,
der demografische Knick muss kein Fluch sein. Vorausgesetzt, die
Politik macht ihre Hausaufgaben, sie kündigt den Generationenvertrag
auf und stellt das Umlageverfahren auf ein individuelles
Vorsorgeverfahren um. Dass dazu auch gruppenbezogene Maßnahmen
gehören, versteht sich fast von selbst. Kinderreiche Familien und
Gesundheitsbewusste müssen finanziell belohnt und entlastet, Singles
und kinderlose Paare höher besteuert, und Extremsportler und
Risikoträger (Raucher, Alkoholiker...) stärker an den
Gesundheitskosten beteiligt werden.
Es kann nicht sein, dass Kinderlose dieselben Versorgungsansprüche
erwerben wie Eltern mit Kindern. Oder dass Personen, die
absichtlich Schindluder an ihrer Gesundheit treiben, mit anderen,
die Vorsorge betreiben, gleichgestellt werden."
In
dem Buch
"Die Single-Lüge" wird aufgezeigt,
dass die von MARESCH vorgeschlagenen Reformen kontraproduktiv sind.
Sie werden die gesellschaftlichen Probleme nicht lösen, aber die
Spaltung der Gesellschaft noch weiter vorantreiben.
MARESCH
übernimmt die durchaus
umstrittenen
Ausführungen von Frank SCHIRRMACHER zur Familie kritiklos und knallt
sie Ulf POSCHARDT an den Kopf:
"Ulf
Poschardt, der jüngst eine
melancholischen Ode an die Einsamkeit entrichtet hat und dem
Solitär den Vorzug vor aller Paar- oder Verbundbildung gegeben hat,
sollte sich vorsehen. In der Gefahr ist der Single stets allein.
Rücken Familien in der Not enger zusammen, lassen Freunde sich
gegenseitig im Stich. Jeder Promi weiß das, wenn er, aus welchen
Gründen auch immer, öffentlich in Ungnade gefallen ist. Das kann man
notfalls mit Camusschen Gesten wegwischen. Sollte aber, wie Gabor
Steingast demnächst weissagt, tatsächlich der »Weltkrieg um
Wohlstand« ausbrechen, könnten Selbstfindung, Selbstliebe und
Selbststilisierung sich zum »Standortnachteil« für den Single
erweisen. Nicht nur bei der Geburt und beim Sterben ist der Mensch
allein, auch im Seniorenheim, auf der Intensivstation und in anderen
grenzwertigen Situationen. Hat er niemanden, mit dem er irgendwie
geschwisterlich verbunden ist, wird er sich wie einst Münchhausen,
am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen müssen."
Frauen
sollen es richten ist auch die Meinung von MARESCH, denn die Männer
können es nicht, wie er seine Gewährsfrau Elke BUHR erklären lässt:
"Dem
infantilen, vor Familienarbeit und Kindererziehung ständig
flüchtenden Mann hat Elke Buhr
am »Vatertag« eine
liebevoll-bissige Studie gewidmet (Der
infantile Mann), und damit Schirrmacher
wider Willen recht gegeben. (...). Selten hat jemand das eigene
Scheitern besser illustriert als die FR-Redakteurin."
Neben
SCHIRRMACHER gilt MARESCH der Medienwissenschaftler Norbert BOLZ als
Gewährsmann, dessen Buch
"Die Helden der Familie" ihm gerade
recht kommt, um gegen die berufstätigen Rabenmütter zu polemisieren,
die ihre Kinder in Verwahranstalten abliefern möchten:
"Der
»Vorsorgestaat« (Francois Ewald) oder »vorsorgende Sozialstaat«, wie
es im SPD-Programm jetzt heißt, lügt sich in die Tasche, und mit ihm
all jene Kohorten rotgrüner Besserverdiener, die glauben, den
»Kinderschwund« durch eine »Verstaatlichung der Kinder« beikommen zu
können. Sie in soziale Bewahranstalten zu sperren, wird kaum für
Abhilfe sorgen. Sie bieten vielleicht Betreuung, aber keine Hingabe
und liebevolle Zuwendung. Und sie bieten Kompensation, um das
schlechte Gewissen und Schuldgefühle von Eltern zu betäuben. Was die
Gesellschaft im innersten zusammenhält: Handlungen zu begehen ohne
Gegenleistung zu erwarten, kann weder vom Markt noch vom Staat
organisiert werden. Darin sind sich Bolz und Schirrmacher mit J.
Habermas und dem Institut für Sozialforschung in Frankfurt einig."
Nach
diesen Tiraden kommen ihm nur kurz Skrupel angesichts der
Mythen der Bevölkerungsdebatten,
aber
Kirchhof, Matussek und di Fabio
helfen ihm darüber hinweg, und er kann das gelungene Comeback des
Neokonservatismus feiern:
"Neokons
wie Schirrmacher, Bolz, Poschardt und Co. predigen kein Rollback. Im
Gegenteil, sie sind liberal und aufgeklärt, wenden sich gegen einen
bestimmten Sprachgebrauch, sind gewohnt in Paradoxien zu denken und
fühlen sich eher der Popkultur als dem Wertkonservatismus zugehörig.
Auch sind sie keine Kulturpessimisten mehr, sondern Evolutionisten,
die einen eher biologisch, die anderen eher systemkonstruktivistisch
orientiert. Familie ist für sie kein althergebrachtes Sittengemälde
mehr für Ruhe, Zucht und Ordnung, sondern der Schlüssel für
gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit."
In
dieser Reihe wundert man sich höchstens über den Namen POSCHARDT,
der oben doch so vehement angegriffen wurde. Aber eigentlich wundert
man sich doch nicht wirklich, wenn man das Buch gelesen hat.
Und
man wundert sich erst recht nicht, wenn
Philip LONGMANs
These vom Rückkehr des Patriarchat begeistert aufgenommen wird.
Im
September-Thema über das neue Ethos der Einsamen wird gefragt
werden, ob MARESCH' Blick auf den Single gerechtfertigt ist, oder ob
nicht Familien allzu verklärt werden, während die Verdammung der
Alleinlebenden, vielfach uneingestandenen eigenen Ängsten
entspringt, der man sich mit Projektionen auf die Singles elegant
entledigen kann...
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NZZ-Zeitfragen: Schnitt ins Kinderleben
- HOFMANN, Markus (2006): Schnitt ins
Kinderleben,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 15.07.
- Inhalt:
Die Zeitfragen kämpfen heute gegen das romantische
Bild der Patchworkfamilie und wollen deshalb das Kindeswohl im
Scheidungsrecht und bei Patchworkfamilien kritisch beleuchten.
- BÜCHLER, Andrea & Heidi SIMONI
(2006): Scheidungskinder zwischen Wohnmüttern und Besuchsvätern.
Elterliche Sorge und Kindeswohl - Modell und Alltag,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 15.07.
- BLIERSBACH, Gerhard (2006): Wirrungen
und Irrungen neuer Familienformen.
Die Glücksverheissungen der Moderne und die Patchworkfamilie,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 15.07.
- Inhalt:
Unter Rückgriff auf die
Individualisierungsthese von Ulrich BECK erklärt der Psychologe
BLIERSBACH zuerst, warum die Anzahl der Stief- bzw.
Patchworkfamilien steigt.
Danach
kommt er zur Verbreitung und Semantik dieser neuen Familienform:
"Man
schätzt, dass sieben Prozent von allen Familien mit Kindern in
Deutschland sogenannte Patchworkfamilien sind.
Die
Patchworkfamilie ist das familiäre Gefüge, in welchem ein
Erwachsener der nicht-leibliche Elternteil ist. Die
Patchworkfamilie ist eine neudeutsche Wortschöpfung - die
Angelsachsen nennen diese Familienform Stieffamilie. Die beiden
Bezeichnungen konkurrieren in der öffentlichen Diskussion
miteinander. Die Stieffamilie ist das ältere Wort. Das Suffix «stief»,
verwandt mit dem englischen «step» (beraubt, verwaist), deutet
Verlust, Leid, traumatische Erfahrungen und heftige Konflikte an.
Die «Stief»-Familie» formuliert den Aufschrei der Kinder an die
Adresse der Eltern. Die «Patchwork»-Familie ist aus der Sicht der
Erwachsenen formuliert, die ihren leiblichen und nicht-leiblichen
Kindern den Konsensus vorzuleben versuchen: «Wir machen weiter,
auch wenn es nicht einfach ist; was von der Trennung übrig bleibt,
wird zusammengestückelt wie eine Steppdecke; es geht eben nicht
besser.» Patchworkfamilie ist ein optimistischer Begriff,
schliesslich lässt sich auch aus Flicken etwas Ansehnliches
machen. Allerdings sind die heftigen Auseinandersetzungen und die
heftigen Affekte dieser Familienform ausgeblendet."
Danach
geht BLIERSBACH auf die Problematik der Familienform ein und zeigt
auf, was zu tun ist.
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TAZ-Dossier: Reproduktion
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LANG, Susanne (2006): Die K-Frage.
Auch Lesben und Schwule
wollen Nachwuchs: eigenen oder adoptierten. Das passt perfekt zu
einer Tendenz der neuen Bürgerlichkeit, die selbst Bundespräsident
Horst Köhler gut findet,
in: TAZ v. 15.07.
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LUIG, Judith (2006): Die Mamas und der Papa.
Familie geht mittlerweile
auch ohne Patriarch: Zwei lesbische Frauen, ein schwuler Vater, ein
Kind. Fertig,
in: TAZ v. 15.07.
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ROßBACH, Henrike (2006): "Das Konsumzeitalter geht zu Ende,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.07.
- Inhalt:
Für den Trendforscher
Matthias HORX hat die
Dienstleistungsgesellschaft die
Konsumgesellschaft abgelöst:
"Alle
reden immer nur von Billigmärkten und vom Preisverfall. Der Diskurs
ging bislang immer so: Der Kunde ist böse, weil er nur noch nach dem
Preis geht, schuld daran ist die Politik, weil sie zu viele Steuern
erhebt. Wir treten die Gegenthese an. Wir glauben, daß wir längst in
einer sich entwickelnden Service-Gesellschaft leben, in der die
Leute sehr wohl Geld für sinnvolle Zeitersparnis, Komfort und
Services ausgeben würden, wenn man es ihnen nur richtig anbieten
würde."
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OSBERGHAUS, Monika (2006): Wir haben kein Recht auf ein Leben mit
Kindern,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.07.
- Inhalt:
Die Schwedin Anna WAHLGREN über den
Arbeitsmarkt, Mutterschaft und Männer:
"Viele
gut ausgebildete Frauen begründen ihre Kinderlosigkeit damit, daß
ihnen der richtige Mann fehlt.
Intelligente
Frauen jagen den Männern nach wie vor Angst ein. Das ist das
nächste, was wir wirklich brauchen: kluge, warmherzige, fürsorgliche
Männer. Sie sind aber im Kommen. Ich selbst habe zwar keinen
gefunden - ich bin siebenfach geschieden! -, aber die Männer sind
dabei, sich zu verändern. Notgedrungen. Die Ära der Männer ist
vorbei. Sie können uns nicht mehr aufhalten, sie können uns nicht
mehr zu Hause isolieren. Wir sind da."
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KERNECK, Barbara (2006): Datenschatz für Sozialforscher.
Seit über einem Jahrzehnt
werden vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung umfangreiche
Daten über deutsche Haushalte zusammengetragen. Auf der
SOEP-Nutzerkonferenz in Berlin wurden jetzt die Auswertungen
vorgestellt,
in: TAZ v. 14.07.
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GEISEL, Sieglinde (2006): Autorin auf Probe.
Nachforschungen bei der Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 14.07.
- Inhalt:
Nach
Ina HARTWIG fügt GEISEL neue Mosaiksteinchen zum
ZIA-Hintergrund der Bachmann-Preisträgerin Kathrin PASSIG hinzu:
"Die
Wurzeln der ZIA, die derzeit über einen festen Kern von sieben
Mitgliedern sowie zwei Dutzend «IM» verfügt, gehen auf ein Magazin
zurück, das zwei Hauptakteure Mitte der neunziger Jahre als
Studenten in Münster herausgegeben hatten. Trug man früher die Texte
zum Drucker und verkaufte die selbst verlegten Heftchen in Kneipen,
stellt man jetzt einfach alles ins Netz."
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom
11. - 13.
Juli 2006
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