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Medienrundschau:
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News vom
28. - 30. Juni 2005
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Zitat
des Monats:
"Sie
wollte in die Bucht. Die Bucht war das Zentrum der Insel. Die
Klippen formten einen winzigen Einschnitt der Küste. Steiles
heißes Gestein sparte das Halbrund aus. Der Vulkansand des
Strands erwärmte sich ab zehn, elf Uhr, wenn die Sonne über die
Felskanten schien.
Gegen Mittag glühte der Körper
mit dem Sand. Eine Herzkammer war die Bucht. Die Brecher
zerstoben über Lavabrocken. Die Wasserschleier stiegen auf. In
Regenbogenfarben wehten sie über auslaufende Wellen, über die
Gischt und das Gesicht."
(aus:
Hans Pleschinski "Leichtes Licht", 2005, S.37f.) |
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Stern-Titelgeschichte:
Land ohne Kinder.
Die familienfeindliche Gesellschaft: Wie
Deutschland seine Zukunft verspielt |
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ROSENKRANZ, Stefanie & Anne SCHÖNHARTING (2005): Land ohne Kinder.
Deutschland hat die niedrigste Geburtenrate in der Europäischen
Union. Die Republik vergreist - Resultat völlig verfehlter
Familienpolitik. Wir investieren viel Geld in Familien, aber mit weit
weniger Erfolg als die Franzosen. Und die letzten mutigen Mütter
bezahlen einen schmerzhaft hohen Preis,
in: Stern Nr.27 v. 30.06.
- Kommentar:
Die Vertrauensfrage ist noch nicht gestellt,
aber der Stern läutet bereits den Familienwahlkampf ein.
Diesmal kein
Sozialschmarotzer-Titel,
sondern eine Kombination von
"Deutschland im Jahr 2030" (Stern Nr.18 vom
26.04.2001) und
familienpolitische Klientelpolitik für die Neue Mitte.
Die Stern-Autoren
konstruieren die Geburtenkrise durch unseriöse Berichterstattung.
Nicht die Geburtenrate (TFR) wird
als Maß für internationale Vergleiche verwendet, sondern die rohe
Geburtenziffer.
Zu den Kinderlosen werden auch
potenzielle Mütter bzw. Eltern, deren Kinder nicht mehr im elterlichen
Haushalt leben, hinzugezählt.
Gert HULLEN hat nachgewiesen, dass in der amtlichen Statistik die
Kinderlosigkeit der Frauen, die in den 60er Jahren geboren wurden,
überschätzt wird.
Die
Kinderlosigkeit der Akademikerinnen wird zu hoch angegeben.
Begriffe wie
"Bevölkerungsimplosion" oder "demographischer Kollaps" suggerieren
einen Notstand, der antidemokratische Affekten Vorschub leistet.
Familienpolitisch wird
Fremdbetreuung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den
Mittelpunkt gestellt.
Damit grenzt sich der
Stern gegen die FAZ ab, die sowohl die
Aufwertung der deutschen Mutter betreibt als auch für das
Elterngeld, das
Spitzenmüttern zugute kommt,
plädiert.
Ursula von der LEYEN und nicht
mehr Renate SCHMIDT wird als Modell Deutschland propagiert, damit wir
implizit ein Paradigmenwechsel von Aufstieg zu Herkunft vollzogen.
Verkauft wird das, indem der Aspekt Fremdbetreuung in den Vordergrund
gerückt wird.
Man darf gespannt sein, wen
der Stern im Familienwahlkampf als Nächstes ins Visier nimmt...
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HASS, Frauke (2005): Die Kinderlosen,
in: Frankfurter Rundschau v. 30.06.
- Kommentar:
HASS, Jahrgang 1965, schließt sich
Elke BUHR an, und sieht deshalb die lebenslang
kinderlosen Karrierefrauen auf dem Vormarsch.
Dabei beruft sie sich auf die
fragwürdige
Allensbach-Studie, die im April vorgestellt wurde. Nicht
Aufschub von Geburten, sondern Gebärstreik heißt -
familienwahlkampfgerecht - die Parole.
Für HASS geht der Druck auf
Kinderlose nicht weit genug:
"In der politischen Diskussion
nimmt die Ächtung der Kinderlosen zwar zu: etwa in der Debatte über
den mittlerweile erhöhten Beitrag der Kinderlosen zur
Pflegeversicherung. Im Alltag der heute 40-Jährigen spielt das
dagegen keine Rolle. Mieses Image der Kinderlosen? Keine Spur."
Fakt ist jedoch, dass die
Kinderlosigkeit, der in den 60er Jahren
geborenen Frauen, viel geringer ist, als die amtlichen
Daten weismachen möchten.
Der Soziologe
Hans BERTRAM hat zudem darauf
hingewiesen, dass nicht die lebenslange Kinderlosigkeit, sondern
hauptsächlich der Rückgang von Familien mit 2 und mehr Kindern für
den Geburtenrückgang verantwortlich ist.
Die Bestrafung von
Kinderlosen (deren Lebenssituation nicht so homogen ist, wie die
verengte öffentliche Debatte das nahe legt) wäre also der falsche
Weg, nichts spricht jedoch dagegen, die Bedingungen für die
Erziehung von Kindern zu verbessern.
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KAUFMANN, Stephan & Regine ZYLKA (2005): Rente wird Verlustgeschäft.
Junge Männer zahlen mehr in die Altersversicherung ein, als sie
später herausbekommen Studie sorgt für Wirbel / Regierung gibt sich
zuversichtlich,
in: Berliner Zeitung v. 30.06.
- Kommentar:
Die Berliner Zeitung widmet sich mit mehreren
Beiträgen der Studie von
Meinhard MIEGEL, dem Cheflobbyisten der Versicherungsbranche.
Die Altersvorsorge gilt als einer
der profitabelsten Zukunftsmärkte alternder Gesellschaften. Die
Profite der Versicherungsbranche sind umso größer, desto mehr die
Rentenversicherung verdrängt werden kann.
Oberstes Ziel der Studie ist
deshalb das Vertrauen in das Rentensystem zu zerstören. Diese
Strategie zielt in erster Linie auf junge Singles, denen die private
Altersvorsorge als die bessere Alternative erscheinen muss.
Dies gilt umso mehr, da
Forderungen nach einer Einführung der
Rente nach Kinderzahl, junge Singles ebenfalls verunsichern.
-
JELLEN, Reinhard (2005): "Brüning 2010".
Die Bundesregierung propagiert die Unausweichlichkeit einer
Privatisierung der Rente. Parallelen zum Abbau des Sozialstaats in der
Weimarer Republik sind dabei unübersehbar,
in: junge Welt v. 30.06.
- Inhalt:
JELLEN verweist darauf, dass die Einführung
einer privaten Altersvorsorge in Deutschland bereits zweimal
gescheitert ist:
"Es ist also festzuhalten, daß das
Kapitaldeckungsverfahren in Deutschland bereits zweimal eingeführt
wurde und zweimal wieder durch das Umlageverfahren ersetzt werden
mußte, weil es nie richtig funktionierte"
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MONATH, Hans (2005): "Mit Verspätung in die Gegenwart".
Union übernimmt in Familienpolitik teilweise SPD-Kurs. Ministerin
nennt deren Finanzierung unsolide,
in: Tagesspiegel v. 30.06.
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LAU, Jörg (2005): "Und plötzlich wählst du CDU".
Angela Merkel die Stimme geben? Menschen, die sich das früher
nie vorstellen konnten, denken auf einmal darüber nach. Ein Rundgang
durch sieben wankelmütige Milieus,
in: Die ZEIT Nr.27 v. 30.06.
- Kommentar:
Jörg LAU möchte Milieus (Plural) beschreiben,
in denen Wechselwähler zuhause sind. Für LAU ist der Wechselwähler
jedoch nur im Mitte-Milieu zuhause.
Hier greift er dann 7 Typen
heraus: der 68er aus dem Post-68er Milieu (!), Prototyp
Gerhard SCHULZE; ein Schriftsteller aus der 68er-Generation, der
sich nicht als Wechselwähler outen möchte; eine Ostfrau (Männer
werden offenbar als Modernisierungsverlierer aussortiert);
Deutsch-Türken, die sich von Multikulti abgrenzen (Marke Feridun
ZAIMOGLU); Intellektuelle, die zum Feuilleton-Katholizismus
konvertiert sind; Studenten, die sich Studiengebühren leisten können
und die allein erziehende Lehrerin, die sich von ihrem eingeübten
Lebensgefühl endlich auch politisch verabschiedet (Marke
Harald
MARTENSTEIN).
Fasst man das zusammen, dann
steht für den LAUschen Wechselwähler eigentlich nur der Wechsel
zwischen Rot, Grün und Schwarz, Gelb zur Disposition.
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DIEDERICHSEN, Diedrich (2005): Die verschworene Sprache der Engel.
Was kann es an Intensität mit Sex und Gewalt aufnehmen? Die Kunst?
Der Liebestod? Die Wiederbegegnung mit Arthur Penns "Bonnie und Clyde"
im Kino erinnert nicht nur an die Romantisierung individuellen
Desperadotums in den 60ern, sondern auch an eine vergessene
Dramaturgie der Blicke,
in: TAZ v. 30.06.
- Inhalt:
Diedrich DIEDERICHSEN über den
68er-Kultfilm "Bonnie & Clyde:
"Es ist die Story eines Impotenten
und einer unreifen Provinzdichterin, die sich den ihnen verwehrten
Zugang zur Welt und Intensität erzwingen. Erfolgreich. Aber nicht
jede erfolgreiche Selbstermächtigung ist nur segensreich. Aber schön
sind sie. Um diese Tragik geht es."
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DÜWEKE, Peter (2005): Deutsche Lebensläufe.
Der Berliner Soziologe Karl Ulrich MAYER hat sie erforscht - und
geht nun an die Yale-Universität,
in: Tagesspiegel v. 28.06.
- Inhalt:
Anlässlich des Weggangs des Soziologen Karl Ulrich
MAYER, berichtet DÜWEKE über die deutsche Lebensverlaufstudie, die
seit 1983 läuft.
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Indiz Bettwäsche.
Hausbesuche von Hartz-IV-Inspizienten. Eine allein erziehende
Mutter: Jahrelang lebte sie von Sozialhilfe. Doch im Dezember kam ein
Mann vom Sozialamt, der die Wohnung besichtigen wollte. Er sah das
Doppelbett, zwei Kissen und zwei Decken. Das Amt strich die Hilfe:
Soll doch ihr Mann zahlen. Sie hat keinen. Nun kämpft sie,
in: TAZ v. 28.06.
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Zu den News
vom
20. - 27. Juni 2005
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