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Medienrundschau:
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News vom 20. - 30. Juni
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SCHRÖDER, Christoph (2007): "Jede Dummheit bleibt archiviert".
Bachmann-Preis-Juror Ijoma Mangold im Gespräch über den
Klagenfurter Wettbewerb als Trendlabor, die Verletzungsgefahr für
arrivierte Autoren und die Funktion der Kritik,
in: Volltext Nr.3, Juni/Juli
- Inhalt:
Der SZ-Literaturredakteur
Ijoma MANGOLD, der erstmals Juror
in Klagenfurt ist, u.a. über die Brauchbarkeit des
Generationenbegriffs:
"Volltext: Wir sprechen immer von
Generationen von Autoren. Betrachten Sie Literatur als Ausdruck der
Mentalität einer Generation? Oder wird der Generationenbegriff
überbewertet? Geht es vielmehr um Themen, die gerade virulent sind?
Mangold: Der Generationenbegriff ist weder über- noch unterbewertet.
Er dient der Komplexitätsreduktion, und als solcher ist er
brauchbar, um sich rasch zu verständigen. Wenn man wirklich etwas
begreifen will, kann man ihn sich meistens schenken. Am spannendsten
ist ja ohnehin immer das, was für seine Generation gerade nicht
typisch ist, was mit seiner Zeit nicht identisch ist - aber auch das
ist ein Gemeinplatz."
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WALTER, Birgit (2007): Zu wem gehört das Kind?
Wenn Eltern sich trennen: Über Rechte und Ansprüche von Müttern und
Vätern, über Zumutungen von Richtern und Leiden von Kindern ein
Gespräch mit dem Juristen Ludwig Salgo,
in: Berliner Zeitung v. 30.06.
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STRUBEL, Antje Rávic (2007): So schön war die Zeit.
Unsere Jugend (Teil 2): Das Versprechen war vage und anderswo -
nicht bei dem gelangweilten Grüppchen, das ich von der Ferne sah,
in: Frankfurter Rundschau v. 30.06.
- Inhalt:
"Als Jugendliche, so scheint es mir im Nachhinein,
war ich entweder den Kleinen noch sehr nah oder den Erwachsenen
schon näher. Näher jedenfalls als jenem dichtgedrängten Grüppchen
auf dem Schulhof am Zaun, das in der hintersten Ecke siedelte, die
man vom Schulhaus schlecht einsah und die den Blicken der Aufsicht
entging oder entgehen wollte. Das Grüppchen, das waren die anderen.
(...). Das Grüppchen, das waren die, (...) die die Verzögerung in
jeder Form als Protest zelebrierten. Daran erinnere ich mich.
An die gelangweilten Körper in den Bänken, die schlaffen Antworten
auf Lehrerfragen, die straff gestylten Haare, die engen Jeans, an
Westturnschuhe, die verboten waren, was keinen aus dem Grüppchen
interessierte, auch an Osmose, Integralen, Heine war das
Desinteresse groß. Heine und Osmose interessierten mich. Aber ich
stand in den Pausen abseits", beschreibt die 1974 in Potsdam
geborene STRUBEL ihr jugendliches Anderssein in der Vorwendezeit.
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PEITZ, Dirk (2007): Tausend Tränen tief.
Alles löst sich auf: Blumfeld gehen, Tocotronic kapitulieren, der
deutsche Pop-Rest will bloß bleiben. Die Stimmen des kritischen linken
Bewusstseins werden immer leiser, Grönemeyer und Konsorten brüllen
immer lauter,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.06.
- Inhalt:
"Wo ist noch Platz zwischen Grönemeyer, Demo-Clowns
und Henna-Hippies, die ja mindestens ein ästhetisches Problem haben
in ihrem »kreativen« Dagegensein; wo ist Platz zwischen autonomer
Gewalt und altlinker Phraseologie, zwischen dem an seiner eigenen
Buntheit besoffenen altgrünen Kulturenkarneval und den gutgelaunt
prekären Selbstausbeutern und ihrer Laptopisierung allen
öffentlichen Raums, gerade in Berlin",
fragt Dirk PEITZ angesichts des
Abschiedskonzerts von Blumfeld und dem neuen Album "Kapitulation"
von Tocotronic.
"Tocotronic befinden sich weiter im Kampf. Für die Kunst in der
Kunstform Popmusik, für das »Zersplitterte, Ambivalente,
notgedrungen Schwafelige«, gegen alles, was bloß von Herzen kommen
will, »gegen die herrschende
Emo-Kultur, die man bekämpfen muss, weil sie künstlerisch das
Reaktionäre schlechthin darstellt.« Es ist ein aussichtsloser Kampf,
Tocotronic haben ihn vielleicht immer nur für und mit sich selbst
geführt. Jetzt aber führen sie ihn wirklich sehr allein. Sie können
nicht anders. Sie machen weiter", meint PEITZ.
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WEISS, Rainer (2007): Auf den Schattenlinien.
Ein Aussenseiter des literaririschen Betriebs oder Das kurze Leben
des Schriftstellers,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 30.06.
- Anmerkungen:
Rainer WEISS erinnert an
Jörg FAUSER, dessen 20.
Todestag bevorsteht. Der Alexander-Verlag gibt seit 2004 eine
FAUSER-Edition heraus, die im Herbst mit journalistischen Arbeiten
("Der Strand der Städte") und der Erstveröffentlichung des
Romanfragmentes ("Die Tournee") abgeschlossen wird. Zwischen 16. und
22. Juli erinnern 3 Veranstaltungen, u.a. mit Ambros WAIBEL und
Klaus THEWELEIT, an den früh verstorbenen Schriftsteller (Näheres
dazu unter
www.joergfauser.de).
Vor kurzem schrieb ein Journalist
über den Gegensatz von investigativem Journalismus und Pop. Jörg
FAUSER zeigt, dass dieser Gegensatz keineswegs kennzeichnend für die
Popliteratur sein muss.
Mit seinem unterschätzten
Berlin-Roman
"Das Schlangenmaul"
hat FAUSER gezeigt, wie der engagierte deutsche Männerroman jenseits
von Frauenverstehern wie Frank GOOSEN ("Liegen
lernen") bzw. Daniel BIELENSTEIN ("Die
Frau fürs Leben") oder dem
pseudo-relevanten Realismus eines
Matthias POLITYCKI
("Herr der Hörner") aussehen könnte.
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GEISEL, Sieglinde (2007): "Es muss doch immer weitergehen".
Überlegungen über den ausgeblendeten Alltag mit Kindern,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 30.06.
- Anmerkungen:
"Warum
soll man Kinder kriegen? Die unsrige ist die erste Gesellschaft, die
sich darüber Gedanken macht, doch die endlosen Kinder-Debatten haben
etwas Gespenstisches. Dies gilt sowohl für den politischen Diskurs
um Renten, Demografie und Krippenplätze als auch für die Gespräche
im Wohnzimmer, wo manche Paare über ihren Kinderwunsch diskutieren,
als handle es sich um eine teure Anschaffung oder eine schwere
Operation. Die Frage jedoch, ob man einen Menschen auf die Welt
bringen möchte, lässt sich nicht in diesen Kategorien denken - sie
übersteigt schlicht unseren Horizont. Das mag auch ein Grund dafür
sein, dass wir die Kinderfrage erst seit einigen Jahren diskutieren
- obwohl die Geburtenrate sofort drastisch zu sinken begann, als die
Pille die Frauen vom biologischen Zwang befreit hatte, Kinder zu
bekommen", behauptet
Sieglinde GEISEL.
Der Historiker Thomas
ETZEMÜLLER zeigt in seinem Buch
"Ein ewigwährender Untergang"
jedoch, dass die Debatte um Kinderlose bereits 100 Jahre alt ist. Es
wird gerne vergessen, dass die Pille keineswegs das erste
Verhütungsmittel war. Im Buch
"Ein Leben ohne Kinder",
herausgegeben von Dirk KONIETZKA & Michaela KREYENFELD, ist
nachzulesen, dass das Niveau der Kinderlosigkeit bereits Anfang des
20. Jahrhunderts das gleiche Niveau erreicht hatte wie heutzutage.
Bereits Anfang des letzten Jahrhunderts behaupteten Wissenschaftler,
dass die damals neuen Verhütungsmittel die Rationalisierung
vorantreiben würden und Kinderkriegen deshalb seine
Selbstverständlichkeit verloren habe.
Die neue Kinderfrage wird
auch nicht erst seit heute geführt, sondern setzte bereits Anfang
der 70er Jahre ein und erreichte bis
Ende der 70er Jahre hysterische
Ausmasse.
1975 war der letzte Deutsche
bereits auf dem Spiegel-Cover zu sehen.
Spätestens seit Anfang der 80er
Jahre hat der Kampf zwischen alter und neuer Mitte um die
Kinderfrage begonnen.
Elisabeth BECK-GERNSHEIM hat mit
ihren Büchern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf die Agenda
gesetzt. Es bedurfte aber erst der Generation Ally, um dem
Thema den politischen Durchbruch zu bringen.
Im Buch "Die
Single-Lüge"
werden die Folgen des unfruchtbaren Kampfes zwischen alter und neuer
Mitte beschrieben. Nicht die Kinderlosen sind das Problem, sondern
das jahrzehntelange Patt zweier Eliten, die mit ihrem
jeweiligen Familienbild den Rest der Bevölkerung beglücken wollten.
Die
Debatte um eine Kultur der Kinderlosigkeit,
die nun JournalistInnen wie GEISEL anzetteln, lenkt von den
verpassten Chancen der letzten Jahrzehnte ab.
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SZ-Magazin-Titelgeschichte:
Wir Kinder von Traurigkeit. |
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EHRENREICH, Barbara (2007): Der letzte Tanz.
Jahrhundertelang feierten die Menschen heiter und unbeschwert.
Erst die Moderne brachte uns die unheilbare Traurigkeit, die wir bis
heute fühlen. Ein Essay,
in: SZ-Magazin Nr.26 v. 29.06.
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MÜLLER-JUNG, Joachim (2007): "Zweiklassenmedizin".
Lauterbachs Schrei,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.06.
- Inhalt:
MÜLLER-JUNG, der das Buch
"Der Zweiklassenstaat" von Karl
LAUTERBACH einzig auf den Aspekt der Zweiklassenmedizin reduziert,
stellt fest:
"Seitdem Lauterbach vorige Woche sein
Buch vorgestellt hat, gab es viele Reaktionen, aber noch keine
vernehmbaren, die sich grundsätzlich gegen seine ungenierten
Angriffe auf das medizinische System richten."
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LÜDEMANN, Susanne (2007): Ödipus ohne Komplex?
Bedingung der Möglichkeit von Freiheit: Die aktuelle
Verfassungsbeschwerde lässt die kulturelle Funktion des Inzestverbots
außer Acht,
in: Frankfurter Rundschau v. 29.06.
- Inhalt:
Susanne LÜDEMANN verteidigt das Inzestverbot:
"Ginge es tatsächlich um
bevölkerungshygienische' Maßnahmen, könnte man - und müsste sogar -
auf das Inzestverbot verzichten. Es geht aber um ganz etwas anderes,
nämlich darum, grundlegende kulturelle Unterscheidungen wie die
zwischen Liebe und Sexualität, zwischen Familie und Gesellschaft,
zwischen Nähe und Distanz und schließlich auch zwischen den
Generationen aufrecht und intakt zu halten. "Inzest" heißt logisch
gesehen nämlich nichts anderes, als diese Unterscheidungen
aufzugeben und sie damit auch für die kulturelle Orientierung des
Einzelnen unbrauchbar zu machen."
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COULMAS, Florian (2007): Die Unfähigkeit, allein zu bestehen.
Hikikomori - der pathologische Rückzug junger Menschen aus der
alternden Gesellschaft,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 29.06.
- Inhalt:
"Hikikomori ist ein Begriff, den vor einigen Jahren
der Psychologe Tamaki Saito geprägt hat. Er bedeutet «akuter Rückzug
aus der Gesellschaft» und bezeichnet sowohl das Syndrom als auch die
davon Befallenen.
(...). Hikikomori ist heute in
Japan eine anerkannte Zivilisationskrankheit, deren Auftreten den
Rahmen individueller Fehlentwicklung längst gesprengt hat. Die Zahl
der Betroffenen wird auf über eine Million geschätzt.
(...).
Achtzig Prozent der Hikikomori sind junge Männer über achtzehn",
berichtet
Florian COULMAS, der das Phänomen
der Hikikomori auch im Zusammenhang mit der Modernisierung Japans
sieht:
"Kollektivismus war die herrschende
Ideologie, die von dem Einzelnen verlangte, sich im Interesse des
Gemeinwohls unterzuordnen, es ihm aber auch erlaubte, sich
einzuordnen, mit dem
Strom zu schwimmen in der Gewissheit, voranzukommen und nichts
falsch zu machen.
Inzwischen sind die Grundlagen des steten gleichförmigen Aufstiegs
zerbrochen. Die Deregulierung des Arbeitsmarkts im Zuge der
Globalisierung und der lang anhaltenden Wirtschaftsflaute seit
Beginn der neunziger Jahre hat zu einem drastischen Rückgang
dauerhafter Beschäftigungsverhältnisse geführt. Statt durch Wachstum
und Konformitätsdruck ist das Leben durch Risiko und Konkurrenzdruck
gekennzeichnet, eine Entwicklung, die an der ideologischen Front
durch die Propagierung des Individualismus als wertvoller
Lebenshaltung noch verstärkt wird."
Zu den
demographischen Ursachen des Phänomens hat COULMAS Spekulatives zu
bieten, nämlich die Verringerung der Personen pro Haushalt, die
COULMAS als Vormarsch er Ein-Kind-Familie beschreibt:
"Begleitet wurde diese Entwicklung von
tiefgreifendem demografischem
Wandel mit vielen Folgen für die Gesellschaft."
(...).
Alle Energie, alle Hoffnungen und Erwartungen der Eltern
konzentrieren sich auf die wenigen Kinder, deren Wünsche erfüllt
werden und die nicht lernen, einem Druck standzuhalten und sich
durchzusetzen.
Die Verkleinerung der Familie bringt neue Persönlichkeitstypen und
neue Interaktionsmuster hervor, wie sie die Hikikomori
exemplifizieren. Beweise dafür, dass diese Art der Unangepasstheit
eine Folge der verminderten Familiengrösse ist, gibt es nicht, aber
die wachsende Zahl von Einzelkindern wird von vielen Japanern mit
Sorge betrachtet. Die Einzelkind-Familie ist auf dem Vormarsch."
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Studie
"Ungewollt kinderlos" des Berlin-Instituts für Bevölkerung und
Entwicklung
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BRÜNING, Anne (2007): Mehr Reagenzglaskinder für das Land.
Die Reproduktionsmedizin könnte helfen, den Bevölkerungsrückgang
in Deutschland abzuschwächen,
in: Berliner Zeitung v. 28.06.
- Anmerkungen
BRÜNNING hat die einseitige Agenturmeldung zur Studie
unkritisch übernommen.
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KAMANN, Matthias (2007): Künstliche Befruchtung soll den
Geburtenrückgang abschwächen.
Laut Umfrage sind 1,4 Millionen Deutsche aus medizinischen
Gründen ungewollt kinderlos - Überprüfung der Zuschussregeln
gefordert - Schwierige Datenlage,
in: Welt v. 27.06.
- Inhalt:
Matthias KAMANN weist auch auf die
Problematik der Studie des Berlin-Instituts hin, die bei den
Agenturberichten, die auf den Webseiten von so genannten
Qualitätszeitungen verbreitet werden (z.B.
sueddeutsche.de),
ausgeblendet bleiben:
"Einem
Teil der von Allensbach erhobenen 1,4 Millionen Menschen, die aus
medizinischen Gründen keine Kinder bekommen können, kann
allerdings die Reproduktionsmedizin nicht mehr helfen. Denn
zumindest bei den älteren Frauen dieser Gruppe liegen nicht mehr
medizinische, sondern biologische Gründe für die Kinderlosigkeit
vor (...).
Hinzu kommt, dass bei der
Erhebung nicht nachgefragt wurde, warum die Menschen trotz
Beischlafs kinderlos blieben.
(...). Die bei der Vorstellung
der Studie anwesende Reproduktionsmedizinerin Bettina Pfüller von
der Berliner Charité erklärte auf Nachfrage, dass nur 50 Prozent
ihrer Patienten an Formen der Unfruchtbarkeit leiden, die
medizinische Interventionen ratsam er scheinen lassen. Bei den
anderen liegen psychische Gründe vor so wie bisher unbekannte
biologische Ursachen und zuweilen mangelhafte Kenntnisse über die
Einzelheiten der natürlichen Zeugung. Unterstützt wurde die
Erstellung der Studie laut Berlin-Institut von der Serono GmbH.
Diese bezeichnet sich selbst als „weltweit führend in der
Behandlung von Unfruchtbarkeit“ und erklärt: „Unser Marktanteil
liegt in diesem Bereich bei über 60 Prozent."
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KAMANN, Matthias (2007): Zum Wohle der Paare,
in: Welt v. 27.06.
- Inhalt:
KAMANN möchte künstliche Befruchtungen nicht
mehr von den Krankenkassen finanzieren lassen, sondern aus dem
allgemeinen Steueraufkommen, lehnt jedoch bevölkerungspolitische
Begründungen ab:
"Dass nun auch schon der Zustand
weiblicher Eierstöcke und männlicher Hoden über unsere Zukunft
entscheiden soll, dass weiterhin das Rauchen oder die Dickleibigkeit
als Fertilitätsrisiken von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung sein
sollen, ist eine gefährliche Tendenz, bei der sich zeigt, wie die
demografische Panik in immer weitere Bereiche unseres Lebens
ausgreift - von den wirtschaftlichen Interessen der
Reproduktionsmediziner ganz zu schweigen."
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BERGER, Annette (2007): Die bezahlte Kinderlosen-Studie,
in: ftd.de v. 27.06.
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HESENER, Britta (2007): Raus aus der Demografie-Falle - aber wie?
in: stern.de v. 27.06.
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RASCHE, Uta (2007): Lafontaine-Gattin Müller.
Die Eva Herman der Linken,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.06.
- Inhalt:
Uta RASCHE porträtiert Christa MÜLLER, die
familienpolitische Sprecherin der Linken, die familienpolitisch der
CSU und der Familienpartei näher steht als der SPD:
"Sie
ist überzeugt, dass mehr Betreuungsplätze nicht zu mehr Geburten
führen würden, das Erziehungsgehalt hingegen schon.
»Heute werden durch das
Sozialversicherungssystem Kinderlose auf Kosten von Familien
subventioniert, das muss aufhören«, sagt sie - und steht damit
in der Nähe des ehemaligen Verfassungsrichters
Paul Kirchhof, der 2005 in Angela Merkels Wahlkampfteam war, und
des hessischen Sozialrichters
Jürgen Borchert, der für Roland Koch familienpolitische Konzepte
erarbeitet hat."
RASCHE sieht dahinter
wahltaktisches Kalkül:
Das Saarland ist ländlich, strukturkonservativ,
katholisch. Die
»Familienpartei«,
die schon seit langem ein
»Erziehungsgehalt«
fordert, erhielt 2004 drei Prozent - wenn alle ihre Wähler beim
nächsten Mal für die die Linke stimmen würde, wäre Lafontaine wohl
immerhin im Landtag."
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SCHWÄGERL, Christian (2007): Linke Xenophobie.
Gebildete sollen draußen bleiben,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.06.
- Inhalt:
Christian SCHWÄGERL sieht in der Einwanderung
Hochgebildeter eine Notwendigkeit, um dem
Down-Breeding entgegen zu wirken:
"Frau Schavan hat die Demographie auf
ihrer Seite: Wo kaum Kinder sind, kann man nur wenige zu
Hochqualifizierten machen. Wenn das Bruttosozialprodukt und damit
das Sozialsystem aber mit jeder Globusumdrehung stärker von
Hochgebildeten abhängt, wird das ein Problem. Während Finanzminister
die Schul- und Ausbildungskosten, die mangels Kindern entfallen, für
Rente und Soziales verfrühstücken, graust es den Verantwortlichen in
Firmen und Hochschulen vor den Folgen. Wenn schon hausgemacht,
müsste der Wissensträgernachwuchs aus den Einwanderervierteln wie
Hamburg-Veddel oder Köln-Ehrenfeld kommen, der Heimat der heutigen
Erstklässler. Bisher zeichnet die Abiturientenquote dort ein anderes
Bild.
Das ist die skurrilste Seite der neuen linken Xenophobie: Über
Jahrzehnte hat man eine Einwanderung in die Sozialsysteme als
multikulturelle Bereicherung begrüßt, ohne die Einwanderung der
Migrantenkinder in das Bildungssystem zu forcieren."
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GÖRNER, Rüdiger (2007): Schluss mit romantisch.
Wolfgang Matz über das Jahr
1857, als drei Meisterwerke von Flaubert, Baudelaire und Stifter
erschienen,
in: Die ZEIT Nr.27 v. 28.06.
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MENASSE, Eva (2007): Rabenmutter!
in: DeutschlandRadio v. 27.06.
- Anmerkungen:
Provozierte die
zweite Welle der Frauenbewegung durch
Selbstbezichtigungen wie "Ich habe abgetrieben", so heißt die
Provokation der
dritten Frauen-Welle:
"Ich bin eine Rabenmutter".
Eva MENASSE, Mitglied der
Generation Ally, verbindet ihre Selbstbezichtigung mit einem Loblied
auf Berlin:
"Dass ich eine Rabenmutter sein
kann, verdanke ich weiters der Tatsache, dass ich im großen,
dreckigen Berlin lebe. In einer sanften Hügellandschaft in Bayern
oder Baden-Württemberg, zwischen den Konservativen und den Kühen,
könnte ich nämlich lange nach jemandem suchen, der mein Kind
betreut. Dort ist die Welt noch heil, und alle Mütter, auch die, die
gern gearbeitet haben oder die das Geld aus ihrer Erwerbsarbeit
dringend brauchen würden, sind froh, glücklich und dankbar, sich
ganz ihren Kindern widmen zu können. Oder etwa nicht?
Aber
Berlin, diese manchmal brutale Stadt, gegen die man viel haben kann,
ist immerhin ein Kinderbetreuungsparadies."
Eltern, die für ihre Kinder
gerade eine Grundschule suchen,
sehen das dagegen anders.
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HAUBOLD, Josefine (2007): "Mich nervt die Harmlosistan-Kultur".
Tocotronic ist eine der am meisten beachteten deutschsprachigen
Bands. Dieser Tage erscheint ihr neues Album. Ein Gespräch mit dem
Sänger Dirk von Lowtzow über Kapitulation, Pop, Politik, Natur und die
Jungle World,
in: Jungle World Nr.26 v. 27.06.
- Inhalt:
Dirk von LOWTZOW distanziert sich,
wie es sich heutzutage gehört,
vom Pop:
"Es gibt eigentlich kaum etwas,
das ich schrecklicher finde als dieses ewige Insistieren auf
Authentizität. Dabei wird oft übersehen, dass es eben überhaupt kein
Gegengift zur herrschenden Gesellschaft ist, dieses besonders
Ehrliche, sondern dass es von der Macht nur gewünscht sein kann,
dass alle immer ganz besonders ehrlich, ganz besonders authentisch
sind. Deshalb finde ich das als Gefühl nicht besonders interessant.
Uns ging es schon von Anfang an als Band darum, Kunst zu machen, und
nicht darum, authentische Gefühle auszudrücken."
Und vom Backlash in den
Geschlechterbeziehungen:
"Seid ihr eigentlich noch wütend?
Auf jeden Fall! Ich finde,
diese Platte ist wahnsinnig wütend. Sie ist ganz schnell
geschrieben, auch die Texte, und sie ist ein einziges Aufbegehren
gegen diese Harmlosistan-Kultur, die mich so nervt. Das geht los bei
diesem unverkrampften Patriotismus und geht weiter über das, was man
bei so vielen Künstlern feststellt, dieses überemotionalisierte
Sich-selber-Einbringen in alles, dann gegen diesen Backlash in den
Geschlechterbeziehungen. Deshalb auch so ein Stück wie »Wehrlos«, wo
man sagt, man muss seine eigene Zerbrechlichkeit ausstellen, seine
Fragilität. Das ist als Gegenmittel zu verstehen gegen diese
Jürgen-Vogel-Welt, dieses »Ich hau mal der Frau hier auf den Arsch«,
diese ganze Männer-Kumpel-Welt. Ich finde, es ist mit Sicherheit
auch die, so doof das klingt, weiblichste Platte, die wir je gemacht
haben. So ein Stück wie »Wehrlos« ist ja wahnsinnig feminin.
Etwa, weil es schwach ist?!
Nicht weil es schwach ist, weil es eben nicht männlich
ist.
Weil es das Konzept von Männlichkeit dekonstruiert?
Ja, genau, darum geht es mir. Insofern nimmt die Platte
auch eine Antihaltung ein gegenüber einem Männerbild, das es in der
Rockmusik gibt, in dieser ganzen Indie-Kultur. Da herrscht ein
Männer- und Frauenbild, das fast so ist wie vor 50 Jahren. Und damit
meine ich jetzt nicht Eva Hermann. Allein, was es bei
deutschsprachigen Indie-Bands gibt: Diese komische
Jungs/Mädchen-Kultur, die da herrscht, diese Verdummung, diese
Sprachlichkeit, das finde ich so grässlich."
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SUNDERMEIER, Jörg (2007): Schnelles Lesen.
Durch viele Meter Bücher musste sich der Kritiker jörg sundermeier
in all den Jahren lesen. Was hat sich gelohnt? Und wie hat sich der
Buchmarkt verändert?
in: Jungle World Nr.26 v. 27.06.
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OESTREICH, Heide (2007): Welche Frau darf es sein?
Ortstermin unter Frauen: Trendforscher Matthias Horx hat für die
neue Zeitschrift "emotion" Leserinnen katalogisiert und mal wieder
einen Megatrend ausgemacht: die "Glücksstrateginnen",
in: TAZ v. 27.06.
- Inhalt:
Martthias HORX, Marktschreier in Sachen
Megatrend, hat nach dem Single
die Frau entdeckt:
"Matthias Horx kündet der deutschen
Wirtschaft mittlerweile schon seit 15 Jahren vom »Megatrend Frauen«,
den er in den emotion-Leserinnen verkörpert sieht. Seit dem
Jahr 2000 gibt es mehr gut ausgebildete Frauen als Männer. Aus
dieser Umkehr schließt mittlerweile nicht nur Horx, dass Frauen bald
mehr arbeiten, mehr Geld haben, mehr konsumieren - und deshalb
dringend als Zielgruppe ins Auge gefasst gehören. Seit dem
Merkel-Schock schwenkt auch die Medienwelt auf diese Schiene ein und
schreibt nun allerorten »die Frauenrepublik« herbei,
wie kürzlich der
Spiegel. Großzügig übersehen solche Trendmeldungen, dass
die gebildeten jungen Damen bisher meist in Teilzeitjobs landen, was
den Konsum in Grenzen hält - und auch die Karrierechancen.
Kann sich ja alles noch ändern, aber bisher wirkt die schöne neue
Frauenwelt des Herrn Horx deshalb oft etwas verzerrt. Gern wird dann
auch der Wunsch für die Wirklichkeit genommen: Die Frauen wollen
beruflich erfolgreich sein und eine gleichberechtigte
Partnerschaft", meint Heide OESTREICH dazu.
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LUCKSCHEITER, Roman (2007):
Historisch-kritische Ich-Ausgabe.
Bierernste Ironie: Matthias Polityckis vermischte Wortmeldungen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 27.06.
- Inhalt:
Roman LUCKSCHEITER kann dem neuen
Essayband "Vom Verschwinden der Dinge in der Zukunft" von
Matthias POLITYCKI nichts
abgewinnen. Er beschreibt POLITYCKI als Frontmann der
postintellektuellen "78er", der sich um das Weltkulturerbe Ironie
bemüht. Insbesondere den Anmerkungsapparat nimmt LUCKSCHEITER zum
Anlass, um das Problem des Matthias POLITYCKI auf den Punkt zu
bringen:
"Alles ist kritisch editiert, als seien
Handschriften aus dem Mittelalter wiederentdeckt worden. Daraus
ergibt sich ein Kontrast zwischen der luftigen Unbestimmtheit der
Essays und der philologischen Akribie ihrer Präsentation, zwischen
der Banalität der Gegenstände und ihrer angestrengten Aufwertung."
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WIEGANDT, Kai (2007): Bloß nicht bei den Beatles hängenbleiben!
Als Lennon ungreifbar war, der Punkt groß rauskam und der Tod Elvis
holte: Tony Parsons' Roman "Als wir unsterblich waren" über London im
Jahr 1977,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.06.
- Inhalt:
"Wenn man Interesse daran hat, wie es 1977 in London
war, sind die 430 Seiten von "Als wir unsterblich waren" sehr
ergiebig. Die Unterscheidungsmerkmale zwischen den einzelnen
Subgruppierungen unter den Punks beschreibt Parsons minutiös. Er
bringt vieles auf den Punkt, aber was seinem Buch leider schadet,
ist das Pathos, mit dem er Kleinigkeiten aufbläst. Es ist klar, dass
es hier um goldene Zeiten geht", meint Kai WIEGANDT.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom
20.
- 26. Juni 2007
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