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Medienrundschau:

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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 20. - 30. Juni

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

Der langfristige Wandel partnerschaftlicher Lebensformen im Spiegel des Mikrozensus

"Entgegen weit verbreiteten Auffassungen kann ein genereller Trend zur Abkehr von festen, verbindlichen partnerschaftlichen Beziehungen nicht festgestellt werden. Ein Vergleich der Lebensverläufe verschiedener Kohorten zeigt aber, dass partnerschaftliche Bindungen zunehmend später und bis zum mittleren Erwachsenenalter auch seltener eingegangen werden. Im höheren Alter nimmt hingegen der Anteil derer, die in einer Ehe oder Lebensgemeinschaft leben, zu, was vor allem auf die Veränderung der Alters- und Geschlechterstruktur der älteren Bevölkerung zurückzuführen ist."
(Andrea Lengerer & Thomas Klein in der Zeitschrift "Wirtschaft und Statistik", April 2007, S.433)

 
       
       
   
  • SCHRÖDER, Christoph (2007): "Jede Dummheit bleibt archiviert".
    Bachmann-Preis-Juror Ijoma Mangold im Gespräch über den Klagenfurter Wettbewerb als Trendlabor, die Verletzungsgefahr für arrivierte Autoren und die Funktion der Kritik,
    in: Volltext Nr.3, Juni/Juli
    • Inhalt:
      Der SZ-Literaturredakteur Ijoma MANGOLD, der erstmals Juror in Klagenfurt ist, u.a. über die Brauchbarkeit des Generationenbegriffs:

                   "Volltext: Wir sprechen immer von Generationen von Autoren. Betrachten Sie Literatur als Ausdruck der Mentalität einer Generation? Oder wird der Generationenbegriff überbewertet? Geht es vielmehr um Themen, die gerade virulent sind?
                   Mangold: Der Generationenbegriff ist weder über- noch unterbewertet. Er dient der Komplexitätsreduktion, und als solcher ist er brauchbar, um sich rasch zu verständigen. Wenn man wirklich etwas begreifen will, kann man ihn sich meistens schenken. Am spannendsten ist ja ohnehin immer das, was für seine Generation gerade nicht typisch ist, was mit seiner Zeit nicht identisch ist - aber auch das ist ein Gemeinplatz."
 
   
  • WALTER, Birgit (2007): Zu wem gehört das Kind?
    Wenn Eltern sich trennen: Über Rechte und Ansprüche von Müttern und Vätern, über Zumutungen von Richtern und Leiden von Kindern ein Gespräch mit dem Juristen Ludwig Salgo,
    in: Berliner Zeitung v. 30.06.
 
   
  • STRUBEL, Antje Rávic (2007): So schön war die Zeit.
    Unsere Jugend (Teil 2): Das Versprechen war vage und anderswo - nicht bei dem gelangweilten Grüppchen, das ich von der Ferne sah,
    in: Frankfurter Rundschau v. 30.06.
    • Inhalt:
      "Als Jugendliche, so scheint es mir im Nachhinein, war ich entweder den Kleinen noch sehr nah oder den Erwachsenen schon näher. Näher jedenfalls als jenem dichtgedrängten Grüppchen auf dem Schulhof am Zaun, das in der hintersten Ecke siedelte, die man vom Schulhaus schlecht einsah und die den Blicken der Aufsicht entging oder entgehen wollte. Das Grüppchen, das waren die anderen. (...). Das Grüppchen, das waren die, (...) die die Verzögerung in jeder Form als Protest zelebrierten. Daran erinnere ich mich.

                   An die gelangweilten Körper in den Bänken, die schlaffen Antworten auf Lehrerfragen, die straff gestylten Haare, die engen Jeans, an Westturnschuhe, die verboten waren, was keinen aus dem Grüppchen interessierte, auch an Osmose, Integralen, Heine war das Desinteresse groß. Heine und Osmose interessierten mich. Aber ich stand in den Pausen abseits", beschreibt die 1974 in Potsdam geborene STRUBEL ihr jugendliches Anderssein in der Vorwendezeit.
 
   
  • PEITZ, Dirk (2007): Tausend Tränen tief.
    Alles löst sich auf: Blumfeld gehen, Tocotronic kapitulieren, der deutsche Pop-Rest will bloß bleiben. Die Stimmen des kritischen linken Bewusstseins werden immer leiser, Grönemeyer und Konsorten brüllen immer lauter,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 30.06.
    • Inhalt:
      "Wo ist noch Platz zwischen Grönemeyer, Demo-Clowns und Henna-Hippies, die ja mindestens ein ästhetisches Problem haben in ihrem »kreativen« Dagegensein; wo ist Platz zwischen autonomer Gewalt und altlinker Phraseologie, zwischen dem an seiner eigenen Buntheit besoffenen altgrünen Kulturenkarneval und den gutgelaunt prekären Selbstausbeutern und ihrer Laptopisierung allen öffentlichen Raums, gerade in Berlin",
      fragt Dirk PEITZ angesichts des Abschiedskonzerts von Blumfeld und dem neuen Album "Kapitulation" von Tocotronic.

                   "Tocotronic befinden sich weiter im Kampf. Für die Kunst in der Kunstform Popmusik, für das »Zersplitterte, Ambivalente, notgedrungen Schwafelige«, gegen alles, was bloß von Herzen kommen will, »gegen die herrschende Emo-Kultur, die man bekämpfen muss, weil sie künstlerisch das Reaktionäre schlechthin darstellt.« Es ist ein aussichtsloser Kampf, Tocotronic haben ihn vielleicht immer nur für und mit sich selbst geführt. Jetzt aber führen sie ihn wirklich sehr allein. Sie können nicht anders. Sie machen weiter", meint PEITZ.
 
   
  • WEISS, Rainer (2007): Auf den Schattenlinien.
    Ein Aussenseiter des literaririschen Betriebs oder Das kurze Leben des Schriftstellers,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 30.06.
    • Anmerkungen:
      Rainer WEISS erinnert an Jörg FAUSER, dessen  20. Todestag bevorsteht. Der Alexander-Verlag gibt seit 2004 eine FAUSER-Edition heraus, die im Herbst mit journalistischen Arbeiten ("Der Strand der Städte") und der Erstveröffentlichung des Romanfragmentes ("Die Tournee") abgeschlossen wird. Zwischen 16. und 22. Juli erinnern 3 Veranstaltungen, u.a. mit Ambros WAIBEL und Klaus THEWELEIT, an den früh verstorbenen Schriftsteller (Näheres dazu unter www.joergfauser.de).

                   Vor kurzem schrieb ein Journalist über den Gegensatz von investigativem Journalismus und Pop. Jörg FAUSER zeigt, dass dieser Gegensatz keineswegs kennzeichnend für die Popliteratur sein muss.
                   Mit seinem unterschätzten Berlin-Roman "Das Schlangenmaul" hat FAUSER gezeigt, wie der engagierte deutsche Männerroman jenseits von Frauenverstehern wie Frank GOOSEN ("Liegen lernen") bzw. Daniel BIELENSTEIN ("Die Frau fürs Leben") oder dem pseudo-relevanten Realismus eines Matthias POLITYCKI ("Herr der Hörner") aussehen könnte.   
 
   
  • GEISEL, Sieglinde (2007): "Es muss doch immer weitergehen".
    Überlegungen über den ausgeblendeten Alltag mit Kindern,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 30.06.
    • Anmerkungen:
      "
      Warum soll man Kinder kriegen? Die unsrige ist die erste Gesellschaft, die sich darüber Gedanken macht, doch die endlosen Kinder-Debatten haben etwas Gespenstisches. Dies gilt sowohl für den politischen Diskurs um Renten, Demografie und Krippenplätze als auch für die Gespräche im Wohnzimmer, wo manche Paare über ihren Kinderwunsch diskutieren, als handle es sich um eine teure Anschaffung oder eine schwere Operation. Die Frage jedoch, ob man einen Menschen auf die Welt bringen möchte, lässt sich nicht in diesen Kategorien denken - sie übersteigt schlicht unseren Horizont. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass wir die Kinderfrage erst seit einigen Jahren diskutieren - obwohl die Geburtenrate sofort drastisch zu sinken begann, als die Pille die Frauen vom biologischen Zwang befreit hatte, Kinder zu bekommen", behauptet Sieglinde GEISEL.
                   Der Historiker Thomas ETZEMÜLLER zeigt in seinem Buch "Ein ewigwährender Untergang" jedoch, dass die Debatte um Kinderlose bereits 100 Jahre alt ist. Es wird gerne vergessen, dass die Pille keineswegs das erste Verhütungsmittel war. Im Buch "Ein Leben ohne Kinder", herausgegeben von Dirk KONIETZKA & Michaela KREYENFELD, ist nachzulesen, dass das Niveau der Kinderlosigkeit bereits Anfang des 20. Jahrhunderts das gleiche Niveau erreicht hatte wie heutzutage. Bereits Anfang des letzten Jahrhunderts behaupteten Wissenschaftler, dass die damals neuen Verhütungsmittel die Rationalisierung vorantreiben würden und Kinderkriegen deshalb seine Selbstverständlichkeit verloren habe.
                   Die neue Kinderfrage wird auch nicht erst seit heute geführt, sondern setzte bereits Anfang der 70er Jahre ein und erreichte bis Ende der 70er Jahre hysterische Ausmasse. 1975 war der letzte Deutsche bereits auf dem Spiegel-Cover zu sehen.
                   Spätestens seit Anfang der 80er Jahre hat der Kampf zwischen alter und neuer Mitte um die Kinderfrage begonnen. Elisabeth BECK-GERNSHEIM hat mit ihren Büchern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf die Agenda gesetzt. Es bedurfte aber erst der Generation Ally, um dem Thema den politischen Durchbruch zu bringen.
                   Im Buch "Die Single-Lüge" werden die Folgen des unfruchtbaren Kampfes zwischen alter und neuer Mitte beschrieben. Nicht die Kinderlosen sind das Problem, sondern das jahrzehntelange Patt  zweier Eliten, die mit ihrem jeweiligen Familienbild den Rest der Bevölkerung beglücken wollten.
                   Die Debatte um eine Kultur der Kinderlosigkeit, die nun JournalistInnen wie GEISEL anzetteln, lenkt von den verpassten Chancen der letzten Jahrzehnte ab.       
 
   
SZ-Magazin-Titelgeschichte: Wir Kinder von Traurigkeit.
  • EHRENREICH, Barbara (2007): Der letzte Tanz.
    Jahrhundertelang feierten die Menschen heiter und unbeschwert. Erst die Moderne brachte uns die unheilbare Traurigkeit, die wir bis heute fühlen. Ein Essay,
    in: SZ-Magazin Nr.26 v. 29.06.
 
     
   
  • MÜLLER-JUNG, Joachim (2007): "Zweiklassenmedizin".
    Lauterbachs Schrei,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.06.
    • Inhalt:
      MÜLLER-JUNG, der das Buch "Der Zweiklassenstaat" von Karl LAUTERBACH einzig auf den Aspekt der Zweiklassenmedizin reduziert, stellt fest:

                   "Seitdem Lauterbach vorige Woche sein Buch vorgestellt hat, gab es viele Reaktionen, aber noch keine vernehmbaren, die sich grundsätzlich gegen seine ungenierten Angriffe auf das medizinische System richten."
 
     
   
  • LÜDEMANN, Susanne (2007): Ödipus ohne Komplex?
    Bedingung der Möglichkeit von Freiheit: Die aktuelle Verfassungsbeschwerde lässt die kulturelle Funktion des Inzestverbots außer Acht,
    in: Frankfurter Rundschau v. 29.06.
    • Inhalt:
      Susanne LÜDEMANN verteidigt das Inzestverbot:

                   "Ginge es tatsächlich um bevölkerungshygienische' Maßnahmen, könnte man - und müsste sogar - auf das Inzestverbot verzichten. Es geht aber um ganz etwas anderes, nämlich darum, grundlegende kulturelle Unterscheidungen wie die zwischen Liebe und Sexualität, zwischen Familie und Gesellschaft, zwischen Nähe und Distanz und schließlich auch zwischen den Generationen aufrecht und intakt zu halten. "Inzest" heißt logisch gesehen nämlich nichts anderes, als diese Unterscheidungen aufzugeben und sie damit auch für die kulturelle Orientierung des Einzelnen unbrauchbar zu machen."
 
   
  • COULMAS, Florian (2007): Die Unfähigkeit, allein zu bestehen.
    Hikikomori - der pathologische Rückzug junger Menschen aus der alternden Gesellschaft,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 29.06.
    • Inhalt:
      "Hikikomori ist ein Begriff, den vor einigen Jahren der Psychologe Tamaki Saito geprägt hat. Er bedeutet «akuter Rückzug aus der Gesellschaft» und bezeichnet sowohl das Syndrom als auch die davon Befallenen.

                   (...). Hikikomori ist heute in Japan eine anerkannte Zivilisationskrankheit, deren Auftreten den Rahmen individueller Fehlentwicklung längst gesprengt hat. Die Zahl der Betroffenen wird auf über eine Million geschätzt.
                   (...).
      Achtzig Prozent der Hikikomori sind junge Männer über achtzehn",
      berichtet Florian COULMAS, der das Phänomen der Hikikomori auch im Zusammenhang mit der Modernisierung Japans sieht:

                   "Kollektivismus war die herrschende Ideologie, die von dem Einzelnen verlangte, sich im Interesse des Gemeinwohls unterzuordnen, es ihm aber auch erlaubte, sich einzuordnen, mit dem Strom zu schwimmen in der Gewissheit, voranzukommen und nichts falsch zu machen.
      Inzwischen sind die Grundlagen des steten gleichförmigen Aufstiegs zerbrochen. Die Deregulierung des Arbeitsmarkts im Zuge der Globalisierung und der lang anhaltenden Wirtschaftsflaute seit Beginn der neunziger Jahre hat zu einem drastischen Rückgang dauerhafter Beschäftigungsverhältnisse geführt. Statt durch Wachstum und Konformitätsdruck ist das Leben durch Risiko und Konkurrenzdruck gekennzeichnet, eine Entwicklung, die an der ideologischen Front durch die Propagierung des Individualismus als wertvoller Lebenshaltung noch verstärkt wird."

                   Zu den demographischen Ursachen des Phänomens hat COULMAS Spekulatives zu bieten, nämlich die Verringerung der Personen pro Haushalt, die COULMAS als Vormarsch er Ein-Kind-Familie beschreibt:
                   "Begleitet wurde diese Entwicklung von tiefgreifendem demografischem Wandel mit vielen Folgen für die Gesellschaft."
                   (...).
      Alle Energie, alle Hoffnungen und Erwartungen der Eltern konzentrieren sich auf die wenigen Kinder, deren Wünsche erfüllt werden und die nicht lernen, einem Druck standzuhalten und sich durchzusetzen.

                   Die Verkleinerung der Familie bringt neue Persönlichkeitstypen und neue Interaktionsmuster hervor, wie sie die Hikikomori exemplifizieren. Beweise dafür, dass diese Art der Unangepasstheit eine Folge der verminderten Familiengrösse ist, gibt es nicht, aber die wachsende Zahl von Einzelkindern wird von vielen Japanern mit Sorge betrachtet. Die Einzelkind-Familie ist auf dem Vormarsch."
 
   
  • Studie "Ungewollt kinderlos" des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung

    • BRÜNING, Anne (2007): Mehr Reagenzglaskinder für das Land.
      Die Reproduktionsmedizin könnte helfen, den Bevölkerungsrückgang in Deutschland abzuschwächen,
      in: Berliner Zeitung v. 28.06.
      • Anmerkungen
        BRÜNNING hat die einseitige Agenturmeldung zur Studie unkritisch übernommen.
    • KAMANN, Matthias (2007): Künstliche Befruchtung soll den Geburtenrückgang abschwächen.
      Laut Umfrage sind 1,4 Millionen Deutsche aus medizinischen Gründen ungewollt kinderlos - Überprüfung der Zuschussregeln gefordert - Schwierige Datenlage,
      in: Welt v. 27.06.
      • Inhalt:
        Matthias KAMANN weist auch auf die Problematik der Studie des Berlin-Instituts hin, die bei den Agenturberichten, die auf den Webseiten von so genannten Qualitätszeitungen verbreitet werden (z.B. sueddeutsche.de), ausgeblendet bleiben:

                     "Einem Teil der von Allensbach erhobenen 1,4 Millionen Menschen, die aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen können, kann allerdings die Reproduktionsmedizin nicht mehr helfen. Denn zumindest bei den älteren Frauen dieser Gruppe liegen nicht mehr medizinische, sondern biologische Gründe für die Kinderlosigkeit vor (...).
                     Hinzu kommt, dass bei der Erhebung nicht nachgefragt wurde, warum die Menschen trotz Beischlafs kinderlos blieben.
                     (...). Die bei der Vorstellung der Studie anwesende Reproduktionsmedizinerin Bettina Pfüller von der Berliner Charité erklärte auf Nachfrage, dass nur 50 Prozent ihrer Patienten an Formen der Unfruchtbarkeit leiden, die medizinische Interventionen ratsam er scheinen lassen. Bei den anderen liegen psychische Gründe vor so wie bisher unbekannte biologische Ursachen und zuweilen mangelhafte Kenntnisse über die Einzelheiten der natürlichen Zeugung. Unterstützt wurde die Erstellung der Studie laut Berlin-Institut von der Serono GmbH. Diese bezeichnet sich selbst als „weltweit führend in der Behandlung von Unfruchtbarkeit“ und erklärt: „Unser Marktanteil liegt in diesem Bereich bei über 60 Prozent."
    • KAMANN, Matthias (2007): Zum Wohle der Paare,
      in: Welt v. 27.06.
      • Inhalt:
        KAMANN möchte künstliche Befruchtungen nicht mehr von den Krankenkassen finanzieren lassen, sondern aus dem allgemeinen Steueraufkommen, lehnt jedoch bevölkerungspolitische Begründungen ab:

                     "Dass nun auch schon der Zustand weiblicher Eierstöcke und männlicher Hoden über unsere Zukunft entscheiden soll, dass weiterhin das Rauchen oder die Dickleibigkeit als Fertilitätsrisiken von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung sein sollen, ist eine gefährliche Tendenz, bei der sich zeigt, wie die demografische Panik in immer weitere Bereiche unseres Lebens ausgreift - von den wirtschaftlichen Interessen der Reproduktionsmediziner ganz zu schweigen."
    • BERGER, Annette (2007): Die bezahlte Kinderlosen-Studie,
      in: ftd.de v. 27.06.
    • HESENER, Britta (2007): Raus aus der Demografie-Falle - aber wie?
      in: stern.de v. 27.06.
 
     
   
  • RASCHE, Uta (2007): Lafontaine-Gattin Müller.
    Die Eva Herman der Linken,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.06.
    • Inhalt:
      Uta RASCHE porträtiert Christa MÜLLER, die familienpolitische Sprecherin der Linken, die familienpolitisch der CSU und der Familienpartei näher steht als der SPD:

                   "Sie ist überzeugt, dass mehr Betreuungsplätze nicht zu mehr Geburten führen würden, das Erziehungsgehalt hingegen schon. »Heute werden durch das Sozialversicherungssystem Kinderlose auf Kosten von Familien subventioniert, das muss aufhören«, sagt sie - und steht damit in der Nähe des ehemaligen Verfassungsrichters Paul Kirchhof, der 2005 in Angela Merkels Wahlkampfteam war, und des hessischen Sozialrichters Jürgen Borchert, der für Roland Koch familienpolitische Konzepte erarbeitet hat."
                   RASCHE sieht dahinter wahltaktisches Kalkül:
                   Das Saarland ist ländlich, strukturkonservativ, katholisch. Die »Familienpartei«, die schon seit langem ein »Erziehungsgehalt« fordert, erhielt 2004 drei Prozent - wenn alle ihre Wähler beim nächsten Mal für die die Linke stimmen würde, wäre Lafontaine wohl immerhin im Landtag."
 
   
  • SCHWÄGERL, Christian (2007): Linke Xenophobie.
    Gebildete sollen draußen bleiben,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.06.
    • Inhalt:
      Christian SCHWÄGERL sieht in der Einwanderung Hochgebildeter eine Notwendigkeit, um dem Down-Breeding entgegen zu wirken:

                   "Frau Schavan hat die Demographie auf ihrer Seite: Wo kaum Kinder sind, kann man nur wenige zu Hochqualifizierten machen. Wenn das Bruttosozialprodukt und damit das Sozialsystem aber mit jeder Globusumdrehung stärker von Hochgebildeten abhängt, wird das ein Problem. Während Finanzminister die Schul- und Ausbildungskosten, die mangels Kindern entfallen, für Rente und Soziales verfrühstücken, graust es den Verantwortlichen in Firmen und Hochschulen vor den Folgen. Wenn schon hausgemacht, müsste der Wissensträgernachwuchs aus den Einwanderervierteln wie Hamburg-Veddel oder Köln-Ehrenfeld kommen, der Heimat der heutigen Erstklässler. Bisher zeichnet die Abiturientenquote dort ein anderes Bild.
                   Das ist die skurrilste Seite der neuen linken Xenophobie: Über Jahrzehnte hat man eine Einwanderung in die Sozialsysteme als multikulturelle Bereicherung begrüßt, ohne die Einwanderung der Migrantenkinder in das Bildungssystem zu forcieren."
 
   
  • GÖRNER, Rüdiger (2007): Schluss mit romantisch.
    Wolfgang Matz über das Jahr 1857, als drei Meisterwerke von Flaubert, Baudelaire und Stifter erschienen,
    in: Die ZEIT Nr.27 v. 28.06.
 
   
  • MENASSE, Eva (2007): Rabenmutter!
    in: DeutschlandRadio v. 27.06.
    • Anmerkungen:
      Provozierte die zweite Welle der Frauenbewegung durch Selbstbezichtigungen wie "Ich habe abgetrieben", so heißt die Provokation der dritten Frauen-Welle: "Ich bin eine Rabenmutter".

                   Eva MENASSE, Mitglied der Generation Ally, verbindet ihre Selbstbezichtigung mit einem Loblied auf Berlin:
                   "Dass ich eine Rabenmutter sein kann, verdanke ich weiters der Tatsache, dass ich im großen, dreckigen Berlin lebe. In einer sanften Hügellandschaft in Bayern oder Baden-Württemberg, zwischen den Konservativen und den Kühen, könnte ich nämlich lange nach jemandem suchen, der mein Kind betreut. Dort ist die Welt noch heil, und alle Mütter, auch die, die gern gearbeitet haben oder die das Geld aus ihrer Erwerbsarbeit dringend brauchen würden, sind froh, glücklich und dankbar, sich ganz ihren Kindern widmen zu können. Oder etwa nicht?
                   Aber Berlin, diese manchmal brutale Stadt, gegen die man viel haben kann, ist immerhin ein Kinderbetreuungsparadies."
                   Eltern, die für ihre Kinder gerade eine Grundschule suchen, sehen das dagegen anders.
 
   
  • 10 Jahre Jungle World

  • HAUBOLD, Josefine (2007): "Mich nervt die Harmlosistan-Kultur".
    Tocotronic ist eine der am meisten beachteten deutschsprachigen Bands. Dieser Tage erscheint ihr neues Album. Ein Gespräch mit dem Sänger Dirk von Lowtzow über Kapitulation, Pop, Politik, Natur und die Jungle World,
    in: Jungle World Nr.26 v. 27.06.
    • Inhalt:
      Dirk von LOWTZOW distanziert sich, wie es sich heutzutage gehört, vom Pop:

                   "Es gibt eigentlich kaum etwas, das ich schrecklicher finde als dieses ewige Insistieren auf Authentizität. Dabei wird oft übersehen, dass es eben überhaupt kein Gegengift zur herrschenden Gesellschaft ist, dieses besonders Ehrliche, sondern dass es von der Macht nur gewünscht sein kann, dass alle immer ganz besonders ehrlich, ganz besonders authentisch sind. Deshalb finde ich das als Gefühl nicht besonders interessant. Uns ging es schon von Anfang an als Band darum, Kunst zu machen, und nicht darum, authentische Gefühle auszudrücken."
                   Und vom Backlash in den Geschlechterbeziehungen:
                   "Seid ihr eigentlich noch wütend?
      Auf jeden Fall! Ich finde, diese Platte ist wahnsinnig wütend. Sie ist ganz schnell geschrieben, auch die Texte, und sie ist ein einziges Aufbegehren gegen diese Harmlosistan-Kultur, die mich so nervt. Das geht los bei diesem unverkrampften Patriotismus und geht weiter über das, was man bei so vielen Künstlern feststellt, dieses überemotionalisierte Sich-selber-Einbringen in alles, dann gegen diesen Backlash in den Geschlechterbeziehungen. Deshalb auch so ein Stück wie »Wehrlos«, wo man sagt, man muss seine eigene Zerbrechlichkeit ausstellen, seine Fragilität. Das ist als Gegenmittel zu verstehen gegen diese Jürgen-Vogel-Welt, dieses »Ich hau mal der Frau hier auf den Arsch«, diese ganze Männer-Kumpel-Welt. Ich finde, es ist mit Sicherheit auch die, so doof das klingt, weiblichste Platte, die wir je gemacht haben. So ein Stück wie »Wehrlos« ist ja wahnsinnig feminin.
                   Etwa, weil es schwach ist?!
      Nicht weil es schwach ist, weil es eben nicht männlich ist.
      Weil es das Konzept von Männlichkeit dekonstruiert?
      Ja, genau, darum geht es mir. Insofern nimmt die Platte auch eine Antihaltung ein gegenüber einem Männerbild, das es in der Rockmusik gibt, in dieser ganzen Indie-Kultur. Da herrscht ein Männer- und Frauenbild, das fast so ist wie vor 50 Jahren. Und damit meine ich jetzt nicht Eva Hermann. Allein, was es bei deutschsprachigen Indie-Bands gibt: Diese komische Jungs/Mädchen-Kultur, die da herrscht, diese Verdummung, diese Sprachlichkeit, das finde ich so grässlich.
      "
  • SUNDERMEIER, Jörg (2007): Schnelles Lesen.
    Durch viele Meter Bücher musste sich der Kritiker jörg sundermeier in all den Jahren lesen. Was hat sich gelohnt? Und wie hat sich der Buchmarkt verändert?
    in: Jungle World Nr.26 v. 27.06.
 
   
  • OESTREICH, Heide (2007): Welche Frau darf es sein?
    Ortstermin unter Frauen: Trendforscher Matthias Horx hat für die neue Zeitschrift "emotion" Leserinnen katalogisiert und mal wieder einen Megatrend ausgemacht: die "Glücksstrateginnen",
    in: TAZ v. 27.06.
    • Inhalt:
      Martthias HORX, Marktschreier in Sachen Megatrend, hat nach dem Single die Frau entdeckt:

                   "Matthias Horx kündet der deutschen Wirtschaft mittlerweile schon seit 15 Jahren vom »Megatrend Frauen«, den er in den emotion-Leserinnen verkörpert sieht. Seit dem Jahr 2000 gibt es mehr gut ausgebildete Frauen als Männer. Aus dieser Umkehr schließt mittlerweile nicht nur Horx, dass Frauen bald mehr arbeiten, mehr Geld haben, mehr konsumieren - und deshalb dringend als Zielgruppe ins Auge gefasst gehören. Seit dem Merkel-Schock schwenkt auch die Medienwelt auf diese Schiene ein und schreibt nun allerorten »die Frauenrepublik« herbei, wie kürzlich der Spiegel. Großzügig übersehen solche Trendmeldungen, dass die gebildeten jungen Damen bisher meist in Teilzeitjobs landen, was den Konsum in Grenzen hält - und auch die Karrierechancen.
      Kann sich ja alles noch ändern, aber bisher wirkt die schöne neue Frauenwelt des Herrn Horx deshalb oft etwas verzerrt. Gern wird dann auch der Wunsch für die Wirklichkeit genommen: Die Frauen wollen beruflich erfolgreich sein und eine gleichberechtigte Partnerschaft", meint Heide OESTREICH dazu.
 
   
  • LUCKSCHEITER, Roman (2007): Historisch-kritische Ich-Ausgabe.
    Bierernste Ironie: Matthias Polityckis vermischte Wortmeldungen,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 27.06.
    • Inhalt:
      Roman LUCKSCHEITER kann dem neuen Essayband "Vom Verschwinden der Dinge in der Zukunft" von Matthias POLITYCKI nichts abgewinnen. Er beschreibt POLITYCKI als Frontmann der postintellektuellen "78er", der sich um das Weltkulturerbe Ironie bemüht. Insbesondere den Anmerkungsapparat nimmt LUCKSCHEITER zum Anlass, um das Problem des Matthias POLITYCKI auf den Punkt zu bringen:

                   "Alles ist kritisch editiert, als seien Handschriften aus dem Mittelalter wiederentdeckt worden. Daraus ergibt sich ein Kontrast zwischen der luftigen Unbestimmtheit der Essays und der philologischen Akribie ihrer Präsentation, zwischen der Banalität der Gegenstände und ihrer angestrengten Aufwertung."
 
   
  • WIEGANDT, Kai (2007): Bloß nicht bei den Beatles hängenbleiben!
    Als Lennon ungreifbar war, der Punkt groß rauskam und der Tod Elvis holte: Tony Parsons' Roman "Als wir unsterblich waren" über London im Jahr 1977,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 27.06.
    • Inhalt:
      "Wenn man Interesse daran hat, wie es 1977 in London war, sind die 430 Seiten von "Als wir unsterblich waren" sehr ergiebig. Die Unterscheidungsmerkmale zwischen den einzelnen Subgruppierungen unter den Punks beschreibt Parsons minutiös. Er bringt vieles auf den Punkt, aber was seinem Buch leider schadet, ist das Pathos, mit dem er Kleinigkeiten aufbläst. Es ist klar, dass es hier um goldene Zeiten geht", meint Kai WIEGANDT.
 
   

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