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Medienrundschau:
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News vom
26. - 31. Oktober 2003
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Zitat
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"Ich
kenne eine Frau, die wäre lieber aus falschen Gründen mit einem
Mann zusammen als aus richtigen Gründen allein - das kommt, weil
sie Angst hat, Angst vorm Verlassenwerden, vor dem Alleinsein.
Dabei entsteht aus der Angst erst Einsamkeit und daraus
letztendlich auch die Freiheit. Zu deprimierend? Nein, überhaupt
nicht. Zu oft und vor allem zu lange habe ich meine Zeit mit
Menschen verbracht, die mir furchtbar egal waren (...). Gerade
in meinem Alter scheint es so ein Zwang zu sein, sich in die
Gesellschaft zu begeben, Menschen kennen zu lernen
(...). Ich kenne welche, die leben seit Jahren in
Partnerschaften und sie sind einsam. Ich kenne welche, die haben
viele Freunde und sie sind einsam. Ich kenne Nachtlebenmenschen,
die gehen ständig aus und sind einsam. Angst zuzulassen bedeutet
also auch, die Einsamkeit hinzunehmen, sie zu ertragen, sie als
das zu akzeptieren, was sie ist, was sie sein sollte: der Ort,
an dem wir alleine sind, von dem wir beginnen - der Ort von dem
aus alles möglich ist."
(Matthias Kalle in
"Verzichten auf", 2003, S.216) |
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- STUIBER, Petra (2003): Pragmatisch,
praktisch, klug.
Eine "Ego-Generation" wachse heran, sagt der Jugendforscher
Bernhard Heinzlmaier im Gespräch mit Petra Stuiber. Revolution sei
passé, es regiere die Angepasstheit. Gleichzeitig steige aber der
Leistungsdruck: im Beruf, im Privatleben - und auch im
Körperbewusstsein,
in: Der Standard v. 31.10.
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CLAUSS, Ulrich (2003): Generation Rentenloch.
Sie verteilen Flugis,
sprechen über Lautis und halten Transpis hoch. Die jungen Protestler
von Attac blasen zum Angriff auf den Parteienstaat. Nahezu unbemerkt
werden die Globalisierungsgegner zu einer neuen Bewegung,
in: Welt v. 31.10.
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- PRANGE, Astrid (2003): Von Ruhe
keine Spur.
Generationenkonflikt. Die Neiddebatte über Mallorca-Rentner ist
schädlich,
in: Rheinischer Merkur Nr.44 v. 30.10.
- GIERTH, Matthias & Robin Mishra:
Schluss mit verordneter Nächstenliebe.
Alt gegen jung. Künstliche Hüftgelenke nur bis 85? Philipp
Mißfelder verteidigt sich,
in: Rheinischer Merkur Nr.44 v. 30.10.
- Kommentar:
"Aber welche Generation ist es denn
eigentlich, die den Generationenvertrag verweigert? Die jungen
Leute, weil sie nicht genügend Nachwuchs bekommen?
Das ist richtig. Viele junge Leute haben sich aus dem
Generationenvertrag verabschiedet. Wir sind eben ein
familienfeindliches Land. Für viele Leute ist es ein ernsthaftes
Armutsrisiko gewesen, und ist es heute erst recht, Kinder zu
kriegen. Aber dennoch: Die 68er Generation, die Generation
meiner Eltern, hat das Problem größtenteils verursacht, und eben
nicht meine Generation", entgegnet
Philipp MIßFELDER.
Da liegt er zwar richtiger als Susanne
GASCHKE, aber inwieweit
Demografie überhaupt die gegenwärtige Rentendebatte
rechtfertigt,
das ist eine ganz andere Frage, die hier
ausgeblendet wird.
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SCHWARZER, Alice (2003): Nur Mutti hat die ganze Macht.
Deutsche Frauen werden Fußballweltmeister, gebieten über Verlage
und regieren auch sonst kräftig mit. Als Vorbilder mag sie die
Gesellschaft trotzdem nicht akzeptieren,
in: Die ZEIT Nr.45 v. 30.10.
- Inhalt:
Alice SCHWARZER befasst sich u.a. mit der
Mediendebatte um die Männerdämmerung:
"Die
neuen Frauen wollen sich nicht mehr zwingen lassen zu wählen, sie
wollen gleichzeitig ein weibliches und ein männliches Leben leben. Sie
sind die Töchter der Emanzipation (...). Sie leben aber leider in
einer Welt, in der Frauen weit davon entfernt sind, einfach nur Mensch
sein zu dürfen, sondern noch immer – und neuerdings wieder verschärft
– an der Frauenelle gemessen und auf ihr Frausein zurückgeworfen
werden.
Symptomatisch dafür war im Sommer 2003 ein Feuilleton-Spektakel über
die angebliche »Männerdämmerung«, heraufbeschworen von Frank
Schirrmacher, dem Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Von
einer »Unterwerfung« der Männer durch die »mächtigen Frauen« war da
wohlig-erschauernd die Rede (...). Machtübernahme der Frauen oder
Domina-Fantasien der Männer? Wohl eher Letzteres.
(...).
Nach der Schirrmacher-Veröffentlichung griffen mehrere weibliche
Edelfedern in Folge zum Laptop und (...) erinnerten daran, dass, keine
Sorge, 95 Prozent der Produktionsmittel und 99 Prozent der Alphajobs
weiterhin fest in Männerfaust sind.
Aber das alles weiß auch der Feuilletonherausgeber der FAZ, denn es
steht ja täglich in seinem Wirtschaftsteil. Und darum geht es ihm auch
gar nicht. Es geht ihm ganz einfach um die grundsätzliche und
routinemäßige Feststellung: Eine Frau bleibt eine Frau bleibt eine
Frau. Und in der Tat, es ist was dran. In Zeiten der Forderung nach
Partizipation ist es ein Trick, Frauen auf der Bühne vortanzen zu
lassen, während Männer hinter den Kulissen die Strippen ziehen – und
dann gerade diese Frauen gleichzeitig zur demütigen Demonstration von
»Weiblichkeit« zu nötigen."
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STOLZ, Matthias (2003): Gucci-Baby.
Überaltert: Kinder sind Mangelware. Deshalb hat die Werbung sie als
Statussymbole entdeckt,
in: Die ZEIT Nr.45 v. 30.10.
- Kommentar:
Nach der SZ
hat nun auch die ZEIT die Mutter als Statussymbol zum Thema gemacht.
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- RAULFF, Ulrich (2003): 1945.
Ein Jahr kehrt zurück. Tausche Geschichte gegen Gefühl,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.10.
- Inhalt:
Ulrich
RAULFF verteidigt u.a. Uwe TIMM gegen
Günter FRANZEN:
"Im
Spiegel hat diese Woche der Schriftsteller Günter Franzen seinem
Kollegen Uwe Timm (»Am Beispiel meines Bruders«) und mit ihm der gesamten
rot-grünen Koalition der bundesrepublikanischen Altlinken
Gefühlskälte vorgeworfen. Unter dem Titel »Links, wo kein Herz ist«
rechnet er mit denen ab, die den »tausend in einer Nacht verbrannten
Kindern von Heilbronn«, den »erstarrten Säuglingen, deren kleine
Körper die vereisten Fluchtwege säumten« und der »namenlosen Legion
der sich unter den Kolbenstößen der Soldateska windenden
halbwüchsigen Nachrichtenhelferinnen in Ostpreußen« das »Recht auf
unsere Gefühle und Erinnerungen« verweigern.
Wie man sieht, hat Günter Franzen den Gegensatz von links und
rechts, den er hier so wundersam bilderreich beschwört, hinter sich
gelassen. Geblieben ist der Gegensatz von Kitsch und Kunst. Wenn das
die Sprache des Gefühls ist, in der fortan Geschichte geschrieben
werden soll, dann wissen wir, was zu tun ist. Morgen gehen wir auf
den Markt, mit einem großen Schild, darauf steht geschrieben:
Tausche Hans-Ulrich Wehler gegen Heinz G. Konsalik."
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BUSS, Christian (2003): Abgründe bekennender Lehrersöhne.
Bitte nicht als
Nachzügler des Achtziger-Revivals missverstehen: In dem
Kinofilm "Sie haben Knut" zeichnen Regisseur Stefan Krohmer
und Autor Daniel Nocke ein Generationsporträt als Studie
eines Übergangs - die Ideale der Siebziger hallen nach, der
Hedonismus der Neunziger kündigt sich an,
in: TAZ v. 29.10.
- Inhalt:
"Die
Tragikomödie »Sie haben Knut« (...) versorgt das Publikum
nicht mit ewigen Werten oder schönen Erinnerungen. Es geht
um den Widerstreit zwischen Politaktivisten und Vertretern
der erwachenden Spaßfraktion. Regisseur Stefan Krohmer und
Drehbuchautor Daniel Nocke haben in ihrer Ensemblearbeit
zur Aufschlüsselung der psychosozialen Gemengelage ein
Dutzend junger Erwachsener samt Nachwuchs auf einer
Skihütte zusammengesperrt. Die Stimmung schwankt zwischen
Kuschelhölle und Debattiergulag",
schreibt BUSS über den Film, der
keinen Zweifel daran lasse, dass es
sich immer noch lohne für einen radikalen Individualismus
zu kämpfen.
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- HERBON, Bernd (2003): Man trägt wieder
Kind.
Was wir vom neuen Mütter-Chic lernen können - und was nicht,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.10.
- Kommentar:
Es hat lange gedauert, aber nun ist der urbane
Baby-Boom der Mütterelite auch in der greisenhaften SZ angekommen:
"Vertraut
man den Signalen der Szene, müssten die
schlechten
Geburtenraten in Deutschland (1,35 Kinder pro Frau) und
in anderen europäischen Ländern bald der Vergangenheit
angehören. Denn statt androgyner Autisten lächeln nun
selbstbewusste Model-Mütter mitsamt ihren Babys von den
Hochglanzseiten. Man trägt offenbar wieder Kind",
weiß HERBON zu berichten.
Und
offenbar hat er auch etwas vom Baby-Boom in Berlin mitbekommen, aber
ganz auf der Höhe der Zeit ist er offenbar nicht:
"Und was wird nun aus der
modebewussten Kinderliebe? Möglicherweise mehr als ein Modegag. In
den deutschen Trendsetter-Bezirken Prenzlauer Berg und Berlin-Mitte ist die
Botschaft jedenfalls längst angekommen. Dort stieg die Geburtenrate
in den letzten vier Jahren um etwa 25 Prozent. Vielleicht werden die
Yuppie-Bastionen von Schwabing bis Eppendorf bald nachziehen.
Der Baby-Porsche als Einstiegsmodell aller Arrivierten hätte dann
ausgedient zugunsten eines neuen Statussymbols: dem Porsche mit
Kindersitz", hofft HERBON.
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WINKELMANN, Ulrike (2003): Wer ist die Victoria?
Bundeskanzler Schröder hat
mit dem Begriff der "viktorianischen Armenfürsorge" für die
Unions-Position die aktuelle Sozialstaatsdebatte bereichert. Zumindest
jene am Stammtisch,
in: TAZ v. 28.10.
- Inhalt:
Ulrike WINKELMANN
macht einen Ausflug in die Geschichte, um über die viktorianische
Armenfürsorge aufzuklären:
Gerhard
Schröder (...) hat (...) mit seiner »viktorianischen Armenfürsorge«
die aktuelle Sozialstaatsdebatte wirklich bereichert. (...).
Es ist ein kleiner Junge, der wie niemand sonst dafür steht, was
unter viktorianischer Armenfürsorge zu verstehen ist. Oliver Twist
wurde als Romanheld im selben Jahr geboren, in dem Königin Victoria
den Thron bestieg: 1837. Charles Dickens ließ Oliver in einem
Armenhaus in der Provinz aufwachsen, flüchten und in einer Londoner
Diebeshöhle landen, aus der ein gütiger reicher Mann ihn retten
will.
(...). An Oliver deklinierte Dickens durch, was die erst viel später
so benannte viktorianische Armenfürsorge ausmachte: das Erkennen von
Armut, die Frage nach ihrer Unschuld, den Wunsch, Schlimmeres zu
verhindern, das Dilemma, wenn Abhängigkeit durch Abhängigkeit
ersetzt wird - und die Heuchelei, als Reicher über all das wohlfeil
zu plaudern."
Abschließend
eine Kritik am Kanzlerkurs:
"Ob
öffentliche Leistungen mit niedergeschlagenen Augen dankend
entgegengenommen oder selbstbewusst als Recht eingeklagt werden, hat
(...) nichts damit zu tun, ob sie steuer- oder beitragsfinanziert
sind. Die Frage ist vielmehr, ob alle ein Recht darauf haben oder ob
jemand aussucht, wer wie viel haben darf. Zurzeit ist es die SPD,
die ihre deserving poor sucht."
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- COULMAS, Florian (2003): Im Preis
inbegriffen.
Made in Japan: Erfahrungen einer "alten" Gesellschaft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 26.10.
- Kommentar:
"Japan
war (...) das erste Land, in dem es nach 1945 zu einem drastischen
Geburtenrückgang kam",
lesen wir und fragen uns erstaunt, wie konnte
Japan trotz Geburtenrückgang derart lange wirtschaftliches Vorbild
für Deutschland sein? Den Autor interessiert das jedoch gar nicht.
Und
auf der Strecke bleibt auch die Tatsache, dass Japan in den 70er
Jahren einen "Alters-Schock" erlebte.
Arthur
E. IMHOF beschreibt, "daß erwachsene (20jährige) Menschen nicht
länger, wie noch unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg
durchschnittlich mit 60,9 Jahren (Männer) und 64,9 Jahren (Frauen)
starben, sondern (im Jahr 1970) mit 71,3 und 76,1 Jahren. Doch war
nicht nur die Lebenserwartung in kurzer Zeit sprunghaft angestiegen;
im Zusammenhang damit hatte ein ebenso rascher Wandel vom alten zum
neuen Sterbemuster stattgefunden, weg von den ehedem rasch tötenden
Infektionskrankheiten und hin zu langwierigen chronischen
degenerativen Leiden, zu Senilität und langer Abhängigkeit von
Fremdbetreuung." (Individualismus und Lebenserwartung in Japan.
Japans Interesse an uns, 1986).
IMHOF
erwähnt einen japanischen Bestseller aus dem Jahr 1972, der das
Problem auf den Punkt brachte. Die Schriftstellerin
Sawako ARIYOSHI beschreibt in der Novelle "Kokukotsu no hito"
das Dilemma einer modernen japanischen Frau angesichts des
Pflegeproblems, für das im damaligen Japan kein Bewusstsein
vorhanden war.
Die
Entstehung des Schimpfwortes vom "parasitären Single", das modernen
berufstätigen Singlefrauen gerne angehängt wird, hat seine Ursache
u.a. auch in dieser rasanten Entwicklung der Zunahme der
Lebenserwartung.
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SCHEEL, Kurt (2003): Onkel Heinz.
Fernsehzimmer. Kurt Scheel hat auf dem Bildschirm das Grauen
gesehen,
in: Tagesspiegel v. 27.10.
- Kommentar:
Kurt SCHEEL über den
Onkel Heinz
in ihm:
"Fernsehen ist Klassenkampf von
unten, auf Dauer gestellt, 24 Stunden am Tag, und die bürgerliche
Gesellschaft, also Sie und ich, schaut staunend, befremdet,
angeekelt und lüstern zu."
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HALTER, Hans & Kathrin HECHT (2003): Land der 100-jährigen Frauen.
In welchen Regionen lebt sich's am längsten? Sterben Arme früher
als Reiche? Welche Berufe verkürzen, welche verlängern das Leben?
Bevölkerungsforscher haben die steigende Lebenserwartung der Deutschen
untersucht und sind dabei auf verblüffende Unterschiede gestoßen,
in: Spiegel Nr.44 v. 27.10.
- Kommentar:
"Statistisch gesehen macht es einen beträchtlichen
Unterschied, ob man ledig, verheiratet, verwitwet oder geschieden
ist.
Wer verheiratet ist, lebt am längsten. Die Erklärung: Verheiratete
Personen haben in der Regel ein sozial stabiles Umfeld und legen
deshalb auch mehr Wert auf ihre Gesundheit. Die psychische
Stabilität der Durchschnittsfamilie vermindert den Stress. Der
geordnete Alltag mit seinen regelmäßigen Essens- und Schlafenszeiten
ist offenbar eine gesunde Lebensweise", schreiben die Autoren.
Keinen
Moment lang zweifeln die Journalisten an dem Ansatz, dass der
Familienstand entscheidend sei. Es spricht jedoch vieles dafür, dass
die Heterogenität der unterschiedlichen Lebensverhältnisse nicht
genügend berücksichtigt wird. Liest man weiter dann heißt es dort:
"Lebensverlängernd
wirkt die Ehe auf beide Geschlechter. Der Tod des Partners jedoch
trifft die Männer härter. Während Witwen ihre Ehepartner um viele
Jahre überleben, sterben verwitwete Männer ihren Frauen oft schnell
hinterher. »Übersterblichkeit« nennen die Statistiker das und führen
es auf die verbreitete Hilflosigkeit der Ehemänner im verwaisten
Haushalt zurück."
Nach
dieser Erklärung müssten in Zukunft allein wohnende Männer, die gelernt
haben einen Haushalt zu führen, einen Vorteil haben. Hier zeigt sich, dass generationenspezifische Besonderheiten nicht
berücksichtigt werden.
"Die
gesicherte Tatsache, dass ledige und geschiedene Menschen die
niedrigste Lebenserwartung haben, öffnet den Spekulationen Tür und
Tor. Meist sind die finanziellen Rahmenbedingungen Geschiedener
unterdurchschnittlich, der Stress bei der neuen Partnersuche große
und der Alkoholverbrauch beträchtlich", schreiben die Autoren
weiter. Nimmt man hinzu, dass "Einkommen (der) einflussreichste
Bestimmungsfaktor für die Lebenserwartung" ist, dann kommt der
Klassenzugehörigkeit die entscheidende Bedeutung zu.
Sowohl
unter Singles als auch unter Verheirateten gibt es in dieser
Hinsicht große Unterschiede. Für
Berlin heißt es:
"In
Kreuzberg sterben die Männer circa fünf Jahre früher als in
Zehlendorf, die Frauen ungefähr drei Jahre früher. Ganz generell
gilt: In Bezirken mit einer ungünstigen Sozialstruktur - viele
Arbeitslose und allein Erziehende - lebt es sich kürzer."
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- HEIN, Till (2003): Küß mich, du
Langweiler!
Lachen ist gesund? Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis.
Spaßvögel sind zwar beliebter. Doch Studien zeigen, daß ihre
Beziehungen gefährdet sind,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.10.
- Inhalt:
HEIN zitiert u.a. ein Studie des kanadischen
Psychologie-Professor Rdo MARTIN:
"Martin
unterscheidet in seiner breitangelegten Studie zwischen »sozialem
Humor« und »erniedrigendem Humor«. Daß letzterer ein
Beziehungskiller ist, mag ja noch einleuchten. Verblüffenderweise
halten aber auch die Partnerschaften von Personen mit »sozialem
Humor« weniger lang als die von humorlosen Leuten. Zyniker werden
sich darüber totlachen", meint HEINT dazu.
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DATH, Dietmar/MAAK, Niklas/MINKMAR,
Nils/NICKEL, Eckhart/REENTS, Edo/WEIDERMANN, Volker (2003):
Deutsche Finsternis.
Die Sommerzeit geht zu Ende, die Krise geht weiter. Berichte aus
einem düsteren Land,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.10.
- Kommentar:
Geht es auf den Winter zu, da bekommen die FASler die
Krise. Vor fast
einem Jahr war noch Revoluzzertum angesagt, aber ein paar
Generation Golfer und eine
verloren
wirkende Rentner-Armee-Fraktion vor dem Kanzleramt war alles,
was sich da im Nebel tummelte. Nun bleibt nur noch der depressive
Rückzug auf die Romantik.
Unsere
Neo-Hippies sagen dem Punk & New Wave den Kampf an:
"Düsseldorf,
Altstadt. Einer der fatalsten Momente der deutschen
Restaurantgeschichte war die massenhafte Einführung jener fiesen
kleinen, in die Decke eingelassenen Neonstrahler, die Anfang der
achtziger Jahre die gemütlichen Bommellampen und
Chiantiflaschenkerzen aus Pizzerien und Bars verjagten und statt
dessen ihr Licht wie auf den Kopf gestellte Speersche Lichtdome
herunterdonnerten. (...). Essen wurde zu einer chirurgischen
Tätigkeit: Gäste, die sich einst, beflügelt vom schummerigen Glimmen
der Kerzen, in eine romanisch-romantische Stimmung hineintranken,
saßen plötzlich wie überbelichtete Oberärzte unter Lichtgewittern
vor ihrem Operationsbesteck und operierten an Tortellinigeschwüren
herum."
Unsere Autoren freuen sich deshalb, dass bald das Licht
ausgeht...
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- HORX, Matthias (2003): "Aufbruch aus
der Welt von Bossen und Befehlsempfängern".
Zukunftsforscher Matthias Horx über die Anforderungen der
Wissensgesellschaft. Warum die Unternehmen eine Vertrauenskultur
aufbauen müssen,
in: Tagesspiegel v. 26.10.
- Kommentar:
HORX wird als einflussreichster deutscher
Trendforscher gepriesen. Dabei recycelt HORX ständig nur seine
80er-Jahre-Ansichten. Mehr als der x-te Aufguss von
Ulrich BECK
ist da nicht zu erwarten.
Jetzt
hat HORX den angeblich neuen "Zyklen-Individualisten" entdeckt:
"In
ihrem Buch »Cycles – How We Will Live, Work and Buy« schildert die
amerikanische Sozioökonomin Maddy Dychtwald eine Kultur der neuen
Lebenszyklen. In einer mittleren Lebenserwartung von 80, 90 Jahren,
so Dychtwald, entwickeln sich zwangsläufig völlig neue Phasen und
»Schleifenphänomene«. Menschen steigen mit 60 wieder in neue Berufe
ein, sie beginnen vielleicht mit 70 ein Studium. Und sie verjüngen
sich. Wer heute 60 ist, kann aussehen wie ein 50-Jähriger und denken
wie mit 30. Mehrmals im Leben erleben wir nun Familienphasen mit
verschiedenen Partnern. Auch »remarriages« sind möglich –
Neuorientierungen mit demselben Partner."
Bereits
1978 hat der
Pionier der Singleforschung Peter J. STEIN
mit ETZKOWITZ das
Modell der Lebensspirale (Life Spiral),
das die nun wieder entdeckten "Schleifenphänomene" berücksichtigt,
in der US-amerikanischen Zeitschrift Alternative Lifestyles
vorgestellt.
Das
Modell kritisiert die Annahme einer fest gefügten Abfolge von
Rollen, wie sie im Lebenszyklusmodell von Erik H. ERIKSON vorgesehen sind,
stattdessen geht das Lebensspiralen-Modell von Schleifenphänomen
aus. Nicht die längere Lebenszeit, sondern der Wandel der
Arbeitswelt und die Bedürfnisvielfalt sind nach STEIN & ETZKOWITZ
verantwortlich für die Auflösung der starren Altersstufen.
1990
merkt Dorothea KRÜGER zum Lebensspiralen-Modell an:
"Das
Lebensspiralmodell (...) ermöglicht das Nebeneinander verschiedener
Entwicklungsstufen, die sich unabhängig vom Lebensalter wiederholen
können. Es trägt somit dem sozialen Wandel Rechnung, indem
Unterschiede der menschlichen Bedürfnisse (z.B. Heirat, Nichtheirat)
Anerkennung finden."
Der
Soziologe Günter BURKART sieht diese Auflösung des Lebenszyklus speziell
auf jenes Alternativmilieu beschränkt, für das idealtypisch
Matthias
HORX steht.
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- BRUNS, Tissy/EUBEL, Cordula/WORATSCHKA,
Rainer (2003): Ist Ihre Rente sicher, Frau Schmidt?
Die Sozialministerin erklärt, warum sie Nullrunden für notwendig
hält, warum Reformen den Aufschwung brauchen - und wie Arme sich
privat versichern,
in: Tagesspiegel v. 26.10.
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- MARY, Michael (2003): es gibt nur einen
Gustav Gans.
Glück ist machbar - versprechen Gurus und Ratgeber. Einer hält
dagegen: Unser Autor warnt vor der Glückslüge,
in: Tagesspiegel v. 26.10.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 21. - 25. Oktober 2003
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