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Medienrundschau:
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News vom
18. - 20. Oktober 2006
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Zitat des Monats:
"Seien
Sie vorsichtig bei einem Partner, der niemals wirklich allein
gewohnt hat. Wenn ein Mann von der Vollversorgung im Hotel Mama
direkt in die Bequemlichkeitszone bei seiner künftigen Frau
zieht, dann ist das eine schwere Hypothek für eine
Partnerschaft. Auch das klassische Modell einer
schutzbedürftigen hilflosen Frau, die sich nach den starken
Schultern eines Mannes sehnt, ist keine gute Basis für eine
dauerhafte Beziehung."
(aus: Marion & Werner
Tiki Küstenmacher
"Simplify your love" (2006, S.43) |
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MOHR, Reinhard (2006): "Das Gefühl abgehängt worden zu sein".
Hat Deutschland eine Unterschicht und darf man sie so nennen? Im
Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt der Hamburger Soziologe Heinz
Bude das tief verwurzelte Gefühl vieler Bürger, vom Wohlstand
abgehängt zu sein - obwohl es ihnen finanziell gar nicht schlecht
geht,
in: Spiegel Online v. 20.10.
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THOMAS, Christian (2006): Einen Begriff einbürgern.
Interview mit Sighard Neckel,
in: Frankfurter Rundschau v. 20.10.
- Inhalt:
Sighard NECKEL erläutert u.a. den Unterschied der Begriffe
"Unterschicht" und "Prekariat".
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OESTREICH, Heide (2006): Frauen und Kinder zuerst!
Eine neue Studie belegt: Die Mehrheit der Mütter in den USA ist
mittlerweile berufstätig, verbringt aber mehr Zeit mit dem Nachwuchs
als noch 1965. Woran sie sparen: Kochen, Bügeln, Putzen,
in: TAZ v. 20.10.
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DIETRICH, Stefan (2006): Gefangen im Sozialstaat,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.10.
- Inhalt:
Stefan DIETRICH meint, dass Deutschland dem
Ideal einer sozial durchlässigen Leistungsgesellschaft nie so nah
war wie im Elend der Nachkriegszeit:
"Im
ersten Nachkriegsjahrzehnt, als Millionen von Entwurzelten,
Ausgebombten und Vertriebenen gezwungen waren, sich neue Existenzen
aufzubauen, fand sozialer Aufstieg in Deutschland auf breiter Front
statt. Kinder »einfacher« Arbeiter wurden Facharbeiter oder
Bankangestellte, Kinder von Angestellten Lehrer oder Ärzte. In
diesen Jahren wurde der Boden für ungezählte Karrieren der heutigen
Oberschicht bereitet".
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Studie "Gesellschaft im Reformprozess" im Auftrag der
Friedrich Ebert Stiftung
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HANSELMANN, Matthias (2006): "Nur Zuspitzung bringt politische
Diskussion in Gang".
Historiker Paul Nolte verteidigt Begriff "Neue Unterschicht",
in: DeutschlandRadio v. 18.10.
- Anmerkung:
Im aktuellen Sonderheft der Zeitschrift Merkur
hat der Historiker Paul NOLTE in seinem Beitrag
Topographien der Klassengesellschaft klar benannt,
worum es Neokonservativen wie NOLTE bei dieser Debatte um die neuen
Unterschichten einzig und allein geht:
"Es
geht, vereinfacht gesagt, immer um zweierlei: um Schuldzuweisungen
und um Handlungsanleitungen."
NOLTEs
Position ist hier eindeutig. Er sucht die Schuld zu allererst bei
den Individuen selber (Fehlverhalten, Verantwortungslosigkeit) und
nicht in überindividuellen bzw. strukturellen, gesellschaftlich
verursachten Bedingungen. Nur dann sind Handlungsanleitungen
überhaupt sinnvoll.
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KÖNIG, Jens (2006): Eine arme Debatte.
Wie Medien und Politik aus einem urplötzlich entdeckten Skandal
ihren Nutzen ziehen wollen,
in: TAZ v. 18.10.
- Inhalt:
Jens KÖNIG sieht in einem BamS-Artikel vom
Wochenende den Ausgangspunkt der aktuellen Unterschichten-Debatte.
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FÜLLER, Christian (2006): "Millionen, die in Armut wie gefangen
sind".
Der Begriff "Unterschicht" beschreibt die ausweglose Situation
von Armen zutreffend, sagt die Soziologin Jutta Allmendinger,
in: TAZ v. 18.10.
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BOURDIEU, Pierre (2006): Prekariat ist überall.
Zur Aktualität eines Begriffs,
in: Frankfurter Rundschau v. 18.10.
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DATH, Dietmar (2006): Die Unvertretbaren,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.10.
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BUDE, Heinz (2006): Abhanden gekommen.
Was ist los mit der Unterschicht? Die Debatte führt ins Zentrum
der deutschen Gesellschaft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 18.10.
- Inhalt:
Heinz BUDE sieht im Begriff der sozialen Exklusion
eine Klammer, die die eigentliche Unterschicht ("Überflüssige",
"Ausgegrenzte") und die uneigentliche Unterschicht ("urbane Penner",
"Generation Praktikum") in Form von "quer durch die Gesellschaft
laufenden Gefährdungslagen" zusammen denkt.
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SZ-Thema des Tages: Wie die Welt wächst
- WERNICKE, Christian (2006): Der Held
namens Citizen X.
Niemand weiß, wer der 300-millionste Amerikaner ist - es könnte
auch ein Latino sein,
in: Süddeutsche Zeitung v. 18.10.
- Inhalt:
WERNICKE erläutert, warum der 300-millionste
Amerikaner in den USA nicht gefeiert wird, wie es dem
"demografischen Durchbruch" angemessen wäre:
"Fast
die Hälfte aller Neu-Bürger sind sogenannte Hispanics (...). Und
viele von ihnen kommen nicht in einem US-Kreißsaal zur Welt,
sondern schleichen sich nachts über die Südgrenze hinein ins Land.
(...).
Weil Latinos mit 27,2 Jahren im statistischen Mittel neun Jahre
jünger und allgemein kinderfreudiger sind als
US-Durchschnittsbürger, warnt etwa der rechtskonservative
Republikaner Pat Buchanan in einem neuen Bestseller »Notstand«"
vor Überfremdung."
- HICKMANN, Christoph (2006): Eine
Rate, die sich nicht auszahlt.
Deutschland bracht mehr Kinder,
in: Süddeutsche Zeitung v. 18.10.
- Anmerkung:
Obwohl das Beispiel USA zeigt, dass
Bevölkerungszuwächse in den Industriestaaten nur durch eine hohe
Einwanderung zu erzielen sind, wird HICKMANN nicht müde, die
nationalkonservativen Deutungen des Demografen Herwig BIRG - ohne
Hinweis auf Gegenpositionen - zu präsentieren.
HICKMANN
verheddert sich dabei in Widersprüche, die typisch sind für die
hysterische deutsche Debatte um den Geburtenrückgang. So behauptet
er zum einen, dass die Geburtenrate seit 100 Jahren kontinuierlich
sinke, aber andererseits liege sie seit 30 Jahren bei
durchschnittlich 1,4. Was denn nun, Herr HICKMANN?
Auch
wenn es HICKMANN nicht in den Kram passt:
Der Spiegel titelte nicht bereits im
Jahr 1972 "Sterben die Deutschen aus?" sondern erst im März 1975.
Nicht
das Faktum, dass die Zahl der Gestorbenen erstmals die Zahl der
Geburten übertraf, sondern die Entdeckung, dass sich der
demografische Wandel zur Skandalisierung eignete, brachte das
Thema auf das Cover des Spiegels.
Im
Kontext der so genannten "neuen sozialen Frage" wurde das
Demografiethema von den CDU-Politikern um Kurt BIEDENKOPF und
Heiner GEIßLER auf die Agenda gesetzt.
Im
Buch
"Die Single-Lüge" wird
aufgezeigt, dass die nationalkonservative Position darauf abzielt,
alle Familienformen jenseits der klassischen Familie zu
diskreditieren.
Dass
diese nationalkonservative Position zunehmend auch in liberalen
Kreisen salonfähig wird, zeigt das Buch
"Die Helden der Familie" von
Norbert BOLZ. Der Medienwissenschaftler polemisiert darin sowohl
gegen Alleinerziehende als auch gegen Patchworkfamilien.
- BERNDT, Christina (2006): Das Kind
der Statistik.
Gezeugt von den Demografen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 18.10.
- RATTENHUBER, Edeltraut (2006):
Wettlauf der Giganten.
Indien versucht, China einzuholen, und deswegen sieht Delhi im
Nachwuchs auch einen Wirtschaftsfaktor,
in: Süddeutsche Zeitung v. 18.10.
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MARSCHALL, Christoph von (2006): Amerika zählt auf sie.
Der dreihundertmillionste US-Bürger ist geboren. Aber wo? Wie sieht
er aus?
in: Tagesspiegel v. 18.10.
- Anmerkung:
MARSCHALL berichtet über das Spektakel, das in
den USA um die Geburt des 300.000.000sten US-Amerikaners gemacht
wird. Anders als in Deutschland wird dort die Familien-Rhetorik und
nicht die Single-Rhetorik gepflegt.
Gemäß
dem neokonservativen Dogma vom "Kampf der Kulturen" muss es ein
Hispanic sein, also wird ein solcher tv-gerecht serviert:
"CNN
präsentierte Alessandra Marcela Ruiz als das Millionenbaby, im Arm
ihrer Mutter, daneben der stolze Vater, beide Hispanics. Natürlich,
es ist eine willkürliche Wahl."
Im
Kommentar räsoniert Malte LEHMING über das Alte Europa und das
"demografische Wunder" in den USA. Leider bleibt LEHMING genauso wie
RÜB Fakten
schuldig...
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ZYLKA, Regine (2006): Rente mit 67 sorgt für höhere
Arbeitslosigkeit.
Studie der Bundesagentur für Arbeit vorgelegt,
in: Berliner Zeitung v. 18.10.
- Anmerkung:
Regine ZYLKA kündigt für den Herbst einen
Gesetzesentwurf zur Neugestaltung der Renten an. Bislang waren
solche Rentengesetze immer von Hetzkampagnen gegen Kinderlose
begleitet.
Da
für November die Veröffentlichung einer neuen
Bevölkerungsvorausberechnung geplant ist, könnte den Kinderlosen
also ein heißer Herbst bevor stehen...
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FEDDERSEN, Jan (2006): "Alles ist verzeihbar".
Die bequemen Heilsversprechungen der religiösen Rechten in den USA
finden immer mehr Anhänger. Auf den sexuellen Wahn der Evangelikalen
reagieren die Linken trotz Wahlkampf wie gelähmt,
in: TAZ v. 18.10.
- Inhalt:
Dagmar HERZOG, Autorin des Buches
"Die Politisierung
der Lust", berichtet im Interview über den erfolgreichen Kampf
christlicher Strömungen gegen Homosexualität,
Teenagersex und Abtreibung in den USA.
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NOTZ, Gisela (2006): Frauen machen Druck.
Alternative Zeitungen und Zeitschriften der Neuen Frauenbewegungen
– wo sind sie geblieben? Entstehungsgeschichten, Beispiele und
politische Konzepte,
in: Jungle World Nr.42 v. 18.10.
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DORN, Thea (2006): Unnachgiebiger werden! Oder hinschmeißen!
Passend zu Eva Hermans Apfelkuchen-Thesen ist sie auch in der
Politik wieder da: die Sehnsucht nach dem bärig-bärtigen Mann, der im
rechten Moment auf den Tisch haut. Doch Angela Merkel hat noch immer
die Chance, sich aus politischen und gesellschaftlichen Mustern von
vorgestern zu befreien,
in: Spiegel online v. 18.10.
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Zu den News vom 11. -
17.
Oktober 2006
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