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Medienrundschau:
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News vom
16. - 23. September
2004
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Zitat
des Monats:
"Typ I
Beziehungsfern (...) zeigt Befragte, die lange Phasen
ihres Erwachsenenlebens (bis zum Alter von 45) als Single gelebt
haben, für die das Single-Dasein also eine Art Lebensstil
darstellt und mehr ist, als eine bloße Übergangsphase. Der
Anteil dieser dauerhaft Beziehungsfernen ist nun über die
Generationen nicht angestiegen, er liegt einigermaßen konstant
bei einem Zehntel. Die (...) Zunahme von Singles (...) ist (...)
also tatsächlich nicht als Durchsetzung eines eigenen,
beziehungsfernen Lebensstils zu werten, sondern als Ergebnis der
großen Beziehungsfluktuation."
(Arne
Dekker & Silja Matthiesen in der Zeitschrift für
Familienforschung, H.1/2004, S.50) |
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Anhörung im Gesundheitsausschuss
des Bundestages zum "Kinderberücksichtigungsgesetz" am 22.09.
- Inhalt:
BERGIUS berichtet über die Anhörung zur
Änderung der Pflegeversicherung, liefert Hintergründe und einen
Kommentar.
BERGIUS zitiert Experten wie den
Verfassungsrichter Helge SODAN, Franz RULAND von der
Rentenversicherung, den Wirtschaftsprofessor Johann EEKHOFF und den
Bremer Sozialforscher Heinz ROTHGANG.
Uneinigkeit besteht darüber,
wer in die Kategorie "kinderlos" fallen soll, denn eines hat die
Anhörung klar gemacht: kinderlos ist nicht gleich kinderlos...
- BERGIUS, Michael (2004): Pflege-Pläne
zerpflückt.
Experten dringen auf Steuerfinanzierung
Die Pläne der Bundesregierung für Minimal-Korrekturen bei der
Pflegeversicherung geraten zunehmend unter Beschuss. Experten halten
die beabsichtigten Neuerungen für bürokratisch, ungerecht und
verfassungsrechtlich bedenklich,
in: Frankfurter Rundschau v. 23.09.
- BERGIUS, Michael (2004): Pflege-Malus
sorgt für Unmut.
Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) gerät unter Druck: In
seltener Einhelligkeit haben Experten ihr geplantes
"Kinderberücksichtigungsgesetz" als unzureichend kritisiert,
in: Frankfurter Rundschau v. 23.09.
- BERGIUS, Michael (2004): Schmidts Gemurkse,
in: Frankfurter Rundschau v. 23.09.
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AMEND, Christoph (2004): Diese Biskys.
Familienpolitik. Vater Lothar ist Chef der PDS, Sohn Norbert
erfolgreicher Maler, Mutter Almuth war IM – und Sohn Jens hat über all
das ein Buch geschrieben. Porträt einer deutschen Familie,
in: Die ZEIT Nr.40 v. 23.09.
- Inhalt:
Anlässlich des Buches
"Geboren am 13. August" von Jens BISKY, porträtiert Christoph
AMEND die Familie BISKY.
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- GLASER, Peter (2004): Vorwärts in
die Kuhzunft.
Wo spielt die Musik?
Pop kommt in Deutschland aus der
Provinz: Wie Düsseldorf einen kurzen Sommer der Anarchie erlebte,
in: Tagesspiegel v. 23.09.
- Inhalt:
"Ich bin Österreicher, aus Graz. Während wir kleinen
Berglandhippies in den frühen Siebzigerjahren noch auf alten
Autobussitzen in einer Kellerdisko das Küssen lernten, war anderswo
schon längst alles gelaufen und in dunkelbraune
Breitcordwohnlandschaften und den Fettglanz von Lipgloss
hineinverloschen. 1978 folgte ich der Einladung eines Freundes, er
hatte eine günstige Unterkunft in einem Heizungskeller anzubieten,
und rettete mich nach Düsseldorf", so beginnt
Peter GLASER seine kurze Geschichte des Punk in Düsseldorf, die
Jürgen TEIPEL in »Verschwende deine Jugend« ausführlich beschrieben hat.
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- Der wichtige Artikel
WALTER, Franz (2004): Einheitsfront der
Reformer.
Wer den Sozialstaatsumbau ablehnt, hat im Bundestag und in der
politischen Elite keine wirkungsvolle Stimme mehr - also gibt er sie
Außenseitern,
in: Süddeutsche Zeitung v. 22.09.
- Inhalt:
Franz WALTER kritisiert den deutschen
Elitenkonsens:
"Allein mit dem Bekenntnis zur
»Reform« verschafft man sich (...) Zugehörigkeit zu denen, auf die
es in diesem Land ankommt. Wer auch nur ein vorsichtiges
Fragezeichen setzt, wird meist schnell und scharf exkludiert, gilt
womöglich als tumber Bsirskeist, als sozialstaatlicher
Ewiggestriger, in der mildesten Version: als Leugner der
Wirklichkeit.
Eben das aber ist die Ausgangslage für die Verwerfungen, die sich
zuletzt an einigen Montagabenden entluden und an Wahlsonntagen
äußerten, und über die dann die Eliten dieser Republik ihre
sorgenvollen Klagelieder anstimmen. Denn wer die Reformen nicht
goutiert - und das sind seit Jahren hartnäckig und störrisch große
Teile dieser Gesellschaft - sieht sich politisch auf
außerparlamentarisches Terrain abgestellt."
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- SPEX (2004): Punk-Special,
in: Spex
Nr. 280, September
-
LANTZ, Marek (2004): Gegen das Gesetz und gewinnen.
Ein radikales Versprechen oder
Markenartikel im Supermarkt? Heute beginnt in Kassel der »Punk!
Kongreß«,
in: junge Welt v. 22.09.
- LANTZ, Marek (2004): "Lebendig
und flüchtig sollte es sein".
Hits zum Mitsingen oder
Avantgarde? Ist der »Punk! Kongreß« retro, museal, kommerziell oder
eine Reaktion auf »Hartz IV«? – Ein Gespräch mit Ricarda Eggs,
in: junge Welt v. 22.09.
-
ZYLKA, Jenni (2004): Für immer Punk.
In Kassel wird ab heute der Punk
diskutiert. Beziehungsweise das, was von ihm noch übrig ist.
Hochoffiziell, gefördert von der Bundeskulturstiftung - und
wahrscheinlich gar nicht so langweilig, wie sich das anhört.
Paradox: Die "No Future"-Jugendkultur scheint tatsächlich Zukunft zu
haben,
in: TAZ v. 22.09.
- Inhalt:
Jenni ZYLKA berichtet über den
Punk! Kongress in Kassel:
"Ricarda Eggs findet Punk angesichts
der momentanen gesellschaftlichen Situation sogar brandaktuell:
»Schau dir die Mode an oder die Musik: Punk beeinflusst die
Popkulturproduktion bis heute. Die Ich-AG ist ja sozusagen eine
Erfindung des Punk. Nur dass das damals noch ,do it yourself'
hieß«, referiert sie."
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- STEYER, Claus-Dieter (2004):
Ordnung unterm Bett.
Die Familienpartei erreichte 2,6
Prozent – und wurde damit zur stärksten unter den Kleinen,
in: Tagesspiegel v. 22.09.
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- KRUMBHOLZ, Martin (2004): Narziss
und Psyche.
Katja Kullmann erzählt von "fortschreitenden Herzschmerzen",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 22.09.
- Inhalt:
Für KRUMBHOLZ ist die
Story von Katja KULLMANN zu
vorhersehbar:
"Solange die Geschichte in der Schwebe
ist und das Paar eine Chance zu haben scheint, macht die Erzählung
Spass. Mona ist in ihrer Liebesunbedingtheit eine sympathische
Figur, aber ihre Naivität wird ihr von der Autorin nicht verziehen.
(...). Letztlich verbündet die Autorin sich nicht mit der
schwärmenden Heldin, sondern mit dem Mann, mit dem Stärkeren."
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REINECKE, Stefan (2004): "Das reißt den Osten weg".
Wie ticken ostdeutsche Wähler, Wolfgang Engler?
Die Ostdeutschen sind
staatsmüde und entnervt. Ihnen fehlt die Perspektive. Deshalb ärgern
sie das System - und stimmen für rechtsextreme Parteien. Das Einzige,
was uns rettet, ist Bildung,
in: TAZ v. 22.09.
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- HALTER, Martin (2004): Bürgerkrieg
mit Iggy Pop.
Kroatiens Generation X: Rujana Jegers zickiges Romandebüt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.09.
- Inhalt:
Martin HALTER rezensiert
den Debütroman
"Darkroom" der Kroatin Rujana JEGER:
"»Darkroom« ist weniger ein
Roman als ein Album der jugoslawischen Generation X mit gestochen
scharfen Polaroids, Erinnerungsfetzen, losen Tagebuchnotizen und
E-Mails (...).
Ihr Leben besteht aus Drogen, Sex und Rock 'n' Roll, und das »Take a
walk on the wilde side« ist für sie mehr als nur eine Phrase. So
wird Ernst Jüngers ästhetisch unterkühltes Abenteurertum als
Coolness im Zeitalter virtueller Wirklichkeit reproduziert".
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SCHOELLER, Olivia (2004): Prada und andere Abenteuer.
Sex and the City,
in: Berliner Zeitung v. 21.09.
- Inhalt:
SCHOELLER porträtiert
Candace BUSHNELL, die "Sex and the City" erfunden hat.
-
CHK (2004): Gefahrenzone 40.
"Sex and the City" endet - und das Leben geht weiter,
in: Süddeutsche Zeitung v. 21.09.
- Kommentar:
An der Gefahrenzone 40 wird die "Sanduhr des Lebens"
umgedreht, mahnt uns die früh vergreiste SZ heute.
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SKAI, Hollow (2004): Am Nabel der Welt: Wo spielt die Musik?
Deutscher Pop kommt aus der Provinz: Eines Tages kam sogar Hannover
ganz groß raus,
in: Tagesspiegel v. 21.09.
- Inhalt:
Hollow SKAI erzählt die Geschichte des Punks
in Hannover, die von
Jürgen TEIPEL ignoriert wurde:
"Die Stadt hatte bereits einige
namhafte Hard-Rock-Bands hervorgebracht. Die waren in Japan, England
oder den USA beliebter als daheim. Aber sonst war es kein
Standortvorteil, an der Leine aufzuwachsen. In Hannover gab es nicht
mal eine Plattenfirma.
Doch dann trafen 1977 die ersten Singles von den Sex Pistols und den
Ramones in der niedersächsischen Landeshauptstadt ein. »Ohne
Scorpions, Jane, Eloy in die 80er Jahre!«, lautete die Parole, und
da ich zu doof war, um drei Akkorde auf der Gitarre zu spielen, gab
ich ein Fanzine heraus und gründete mit Musikern der Band
Hans-à-Plast ein Label. Wir nannten es nach einem Song des von uns
verehrten Punk-Altmeisters Iggy Pop No Fun Records.
No Fun wurde schnell über Hannover hinaus bekannt. Dem Hamburger
Musikkritiker Diedrich Diederichsen kamen wir zwar »mindestens so exotisch«
vor »wie sowjetische Algenfischer im Eismeer«, doch unsere Platten
verkauften sich wie geschnitten Brot und unser Umsatz überschritt im
zweiten Geschäftsjahr bereits die Millionen-Grenze. Die Frauen von
Hans-à-Plast, unserem Zugpferd, zierten schon bald das Titelbild der
legendären Musikzeitschrift »Sounds«."
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RESPONDEK, Meike (2004): "Nur kurz ins Schlafzimmer"
Die US-Kolumnistin Amy Sohn über ihre Rolle bei "Sex and the City"
und das Liebesleben der New Yorker,
in: Focus Nr.39 v. 20.09.
- SCHRÖTER, Juliane (2004): Die Freundschaft
der Frauen ist wichtiger,
Warum „Sex and the City“ tatsächlich gesehen wird: Die Serie im
Praxistest ihrer Zuschauerinnen,
in: Tagesspiegel 20.09.
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JAHBERG, Heike (2004): Trennungsgrund Hartz?
Beim Arbeitslosengeld II werden Partner künftig stärker in die
Pflicht genommen – das kann zu Konflikten führen,
in: Tagesspiegel v. 20.09.
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NOLTE, Paul (2004): Oh! Position!
Kleines Wörterbuch der Reform-Sprachstörungen,
in: Tagesspiegel v. 20.09.
- Inhalt:
Der Tagesspiegel druckt ein gekürztes
Reform-Wörterbuch der Reformwilligen aus dem Kursbuch
"Die große Entsolidarisierung" nach.
Garantiert neuernst
textet dort der neokonservative Besitzstandswahrer
Paul NOLTE z.B.:
"Bsirske, Peters, Sommer:
Neues hochkonservatives Triumvirat der Besitzstandsverteidigung.
Zuspätgekommene der siebziger und achtziger Jahre. Drohen dem Kanzler
regelmäßig, doch geht wirkliche Gefahr von ihnen nicht aus."
Was in deutschen Pfarrhäusern als humorvoll gilt,
liest sich dann z.B. so:
"Familie: Lebensform
nicht unbedingt verheirateter Erwachsener nicht unbedingt
verschiedenen Geschlechts mit nicht unbedingt eigenen Kindern. Vor
Jahren auf Reservate in Hochsauerland und Emsland zurückgedrängt,
breitet sich die Familie wieder flächendeckend aus. Besser man hat
eine, sonst kriegt man Schwierigkeiten im neuen Verteilungskampf."
Über die demographische
Entwicklung, Gerechtigkeit und Spaßgesellschaft usw. gibt es ähnlich
Pfarrhäuslerisches.
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- GÖBEL, Heike (2004): Die
Sache des Friedrich Merz.
Der Weg aus der deutschen Düsternis führt zurück zu den
Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.08.
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BERG, Sibylle (2004): Mein kleines unruhiges Zweitland.
Die Schriftstellerin Sibylle Berg, die vor kurzem von Zürich nach
Tel Aviv gezogen ist, über das Leben in Israel,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.09.
- Inhalt:
Sibylle BERG u.a. über ihre
Überlegenheit gegenüber dem Touristen:
"Um eine Stadt kennenzulernen,
empfiehlt es sich, eine Wohnung zu suchen. Da hat man was zu tun,
fühlt sich Touristen überlegen und lernt wichtige Sachen. Ich weiß
jetzt, was Irsraelis mit Designerwohnung meinen (Fenster mit
Bleiglas), was mit modern (die Fenster lassen sich bewegen, lebhaft
(Hauptstraße, Busse, Hupkonzerte). Ich weiß, welche Stadtteile gehen
(Zentrum) und welche nicht (Bat-Yam, sieht aus wie Rumänien). Jetzt
wohne ich um die Ecke von der Hauptstraße mit Kaffees, Läden,
Restaurants, und um die Ecke vom Meer."
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HELD, Gerd (2004): Mehr Staat wagen.
Die freie Gesellschaft braucht eine äußere Herausforderung. In
Deutschland mag man das nicht. Man badet lieber im lauen Wasser des
Zivilen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.09.
- Inhalt:
Gerd HELD sieht in der Art wie Sozialpolitik
betrieben wird, eine sozialökologische Entscheidung für das künftige
Staatsvolk:
"Platz für eine zahlreichere
Bürgerschaft ist nur dann möglich, wenn die Sozialpolitik ihre
Mittel auf einen (Teil-)Schutz in marginalen Lagen und Notlagen
konzentriert. Mittelstandsförderung hingegen läuft auf die Dauer
immer auf eine Verengung des Platzangebots hinaus - nicht nur, weil
das Geld dann unten fehlt, sondern auch, weil sei die Unterklassen
in ihrem besonderen Existenzkampf nicht anerkennt, sondern
entmutigt. So entsteht keine great society, sondern eine
ziemlich exklusive Mittelstandsgesellschaft."
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NZZ-Literatur und Kunst: Pop
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BREITENSTEIN, Andreas (2004): Die Wüste lebt.
Unsere globale Pop-Kultur,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.09.
- Inhalt:
BREITENSTEIN beschreibt im Editorial Pop
pophistorisch als Gegengift zum Existentialismus:
"Ist es Zufall, dass der Pop auf den
Existenzialismus folgte? Dieser war nichts anderes als der grosse
Jammer über den Sturz der Götter und der Versuch einer
heroisch-tragischen Revolte gegen den daraus folgenden Nihilismus.
(...). Der Pop hingegen
ist angetreten zu beweisen, dass die Wüste lebt, dass das Problem
der Metaphysik sich erledigt durch Zerstreuung und Indifferenz,
Narzissmus und Spektakel, Ironie und Distanz, Sex und Design. Wer
einer religiös- pessimistischen Sicht der Dinge nachhängt, lautet
seine Frohbotschaft, ist selber schuld. Gott ist tot, doch was
soll's, solange die Energien des Glücks fliessen."
In der Beilage soll ansonsten
das "Feld des Pop voller Ambivalenzen und Unschärfen, Paradoxien
und Aporien" beackert werden.
- WYSS, Beat (2004): Hochkultur Pop.
Über eine Kunst der Versöhnung mit der Entfremdung,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.09.
-
GRASSKAMP, Walter (2004): Schönheit und Müll.
Streifzug durch die zahlreichen Paradoxien des Pop,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.09.
- WENZEL, Uwe Justus (2004): Woran sich
schale Köpfe laben.
Vorüberlegungen zu einer Theorie der "Pop-Philosophie",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.09.
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SCHÄFER, Frank (2004): Pop ist Pop.
Anmerkungen zur Ästhetik der Popmusik,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.09.
- BRAUN, Michael (2004): In dubio pro disco.
Popliteratur - zur Historisierung eines Genres,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.09.
- SCHWIND, Elisabeth (2004): "Fragt in 200
Jahren noch jemand nach Bro'Sis?
Die klassische Musik und die Logik des Pop,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.09.
- THURNER, Christina (2004): Zitat-Feier im
Klang-Körper.
Zeitgenössischer Tanz zelebriert und reflektiert Popkultur,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.09.
- BUCHSCHWENTER, Robert (2004): Einfühlen im
Überfluss.
Popmusik und Film - (nur) ein frivoles Verhältnis?
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.09.
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- JARREN, Otfried (2004): Unter Riesen
auf brüchigem Boden.
Zeitungskrise als Krise der gesellschaftlichen Intermediäre,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 17.09.
- Kommentar:
"Den
Tageszeitungen geht es wie Parteien oder Verbänden: Das
Wechselverhalten nimmt zu, ablesbar an den rückläufigen
Abonnementszahlen bei Zeitungen. Das hat sowohl politische wie
pragmatische (Single-Haushalte, Lebensstil) Gründe. Zugleich wird,
auch von der Leserschaft, nach «Nutzwert» gefragt, und damit nimmt
die Forderung nach einem journalistischen Dienstleistungsverständnis
zu. Das Abonnement ist mit dem Modell «Stammwähler» vergleichbar",
stellt der Zürcher Medienforscher JARREN fest.
JARREN überträgt
hier einfach das
BECKsche Individualisierungsschemata
von der Politik auf die Medien.
Daraus folgt
für die Zeitungen ein Autoritätsverlust, der zum stärkeren Eingehen
auf die Leserwünsche zwingt.
Dies wiederum
widerspricht jedoch zum einen dem journalistischen Selbstverständnis
einer relativen Autonomie, dem z.B. unsere elitären Feuilletonisten
anhängen und zum anderen dem neuen Autoritarismus unserer neuen
Werteeliten.
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EBERLEIN, Undine (2004): Schönheit knistert.
Subversiv. Schönheit
ist ein Glücksversprechen. Aber gilt das noch, im Zeitalter des
allgemeinen Bodyshaping? Versuch einer Neubestimmung,
in: Robinson. Beilage der Wochenzeitung Freitag Nr.39 v. 17.09.
- Inhalt:
Undine EBERLEIN dringt durch die
Oberflächen des modernen Schönheitskults zum subversiven Kern vor:
"Ein
neuer und höchst paradoxer, nämlich vordergründig hedonistischer
Puritanismus hat sich durchgesetzt, der auch noch die Schönheit und
die Lust dem ökonomischen und damit gesellschaftlichen Erfolg
unterwirft.
Und dennoch: Unsere Erfahrung von Schönheit geht eben nicht restlos
in ihrer ökonomischen und sozialen Funktion und Vernutzung auf.
Vielmehr verweist sie uns beharrlich auch auf ein Moment des
Überschusses, eines vagen und scheinbar unauslotbaren Versprechens.
Sie bietet uns eine Ahnung einer kleinen Transzendierung des
gewöhnlichen Alltags."
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SCHANDL, Franz (2004): Von der Industrie zur Fantasy.
Ostdeutschland in Österreich. Ds Waldviertel hat den Niedergang
schon erlebt und hält manchen Tipp bereit,
in: Freitag Nr.39 v. 17.09.
- Inhalt:
Franz SCHANDL beschreibt den Niedergang des
österreichischen Waldviertels. Dem ökonomischen Niedergang folgte
der demographische (und nicht umgekehrt wie Sozialpopulisten
behaupten!), dem folgte die Auflösung der Verkehrsinfrastruktur, was
bleibt ist die Hoffnung der Entscheider auf die
Erlebnisgesellschaft:
"Das
offizielle Waldviertel gebärdet sich, als sei es ein Laboratorium
Guy Debords, des theoretischen Kopfs der »Situationistischen
Internationale«: »Die Gesellschaft, die das Spektakel trägt,
beherrscht die unterentwickelten Gebiete nicht allein durch ihre
wirtschaftliche Hegemonie. Sie beherrscht sie auch als
Gesellschaft des Spektakels. Dort, wo die materielle Grundlage
noch fehlt, hat die moderne Gesellschaft bereits spektakulär auf die
gesellschaftliche Oberfläche (...) übergegriffen.«"
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- BEGEMANN, Bernd (2004): Ost-Westfalen,
Fast-Weltweit.
Grandios am falschen Ort:
Deutscher Pop kommt aus der Provinz. Eine Erinnerung an Bad Salzuflen,
in: Tagesspiegel v. 17.09.
- Kommentar:
Bernd BEGEMANN, der Sänger unserer
neuen Bescheidenheit in der Liebe, erinnert sich an die Zeit bevor
es die "Hamburger Schule" gab:
"Ich
heiße Bernd und bin der Sohn von Tierarzt Begemann aus der
Ahornstraße in Bad Salzuflen. Ich gehe ins Schulzentrum Lohfeld. Das
ist immer derselbe Weg: die Wasserfuhr runter und dann links.
Manchmal drehe ich ein bisschen durch und zwar immer dann, wenn ich
die Gegend, durch die ich mich bewege, nicht mit der Gegend in mir
zusammenbringen kann. Discjockeys erziehen mich.
Zu der Zeit war ein Discjockey kein
personenkultiger Halbgott, der in wichtiger Gehirnchirurgenpose mit
eingeknicktem Kopf sein sakrales Vinyl befingerte. Sondern jemand,
der uns mitreißen wollte und das konnte, weil er unser Vertrauter
war."
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Das Ende des Jugendwahns
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NIEJAHR, Elisabeth (2004): Wenn die Alten jünger werden.
60-Jährige beim Rockkonzert, grauhaarige Dynamiker als
Werbeträger, Trendwende in den Personalabteilungen: Der Jugendwahn
ist vorbei,
in: Die ZEIT Nr.39 v. 16.09.
- Inhalt:
Elisabeth NIEJAHR berichtet
anlässlich eines Alten-Kongresses der Grünen über die gegenwärtige
Konjunktur des Alternsthema und verkündet - rechtzeitig vor
Erscheinen ihres Buches über die Altenrepublik - das Ende des
Jugendwahns:
"Noch fünf Jahre zuvor hatten
die Grünen eine Veranstaltung mit dem gleichen Thema abgesagt – nur
15 Interessenten hatten sich gemeldet.
Das war 1999, als die Deutschen begannen, Aktionäre zu werden und
das Internet entdeckten. Gefeiert wurden die Helden der New Economy,
ein Jahr später reüssierte Florian Illies, Geburtsjahrgang 1971, mit
seiner Generation Golf. Man war neugierig auf die
selbstbewussten Jungen. Inzwischen sind die meisten dieser Jungen in
Nischen, arbeitslos oder haben sich brav hintenangestellt in der
Generationenreihe. Die Jugend sieht zurzeit etwas alt aus."
-
HILLENKAMP, Sven (2004): Spätzünder. Ich will so alt sein, wie ich
will.
»Seit 1968 hören die Leute auf, alt zu werden«: Ein Gespräch mit
Sebastian Turner über Werbung für junge Alte und das Ende der
Generationenschablonen,
in: Die ZEIT Nr.39 v. 16.09.
-
DIEZ, Georg (2004): Alter und Ego.
In den neunziger Jahren hatte die Jugend immer Recht. Jetzt sind
wieder die Alten gefragt. Beides führt in die Irre. Ein Zwischenruf
von Thomas Ostermeier, dem ehemals jungen Wilden des deutschen
Theaters,
in: Die ZEIT Nr.39 v. 16.09.
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RM-Pro & Contra: Hilft das Elterngeld aus der demografischen Falle?
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SCHMIDT, Renate (2004): Ja, alle Eltern stehen mit dem neuen Modell
besser da,
in: Die Rheinischer Merkur Nr.38 v. 16.09.
- Kommentar:
Familienministerin
Renate SCHMIDT behauptet, dass wir
weltweit die höchste Kinderlosigkeit hätten (möglicherweise
haben wir aber auch nur weltweit die schlechteste Statistik!).
SCHMIDT sieht jedenfalls in
Dänemark und Schweden Vorbilder für Deutschland.
Bert RÜRUP hat mit seinem -
wenig stichhaltigen, aber ökonomisch plausiblen - Gutachten zur
"nachhaltigen Familienpolitik" die Rechtfertigung geliefert, die
Renate SCHMIDT nun landauf, landab verkündet.
Die Prämisse ist: Die Erhöhung
der Geburtenrate muss mit einer Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit
einhergehen. Dies wird als "Vereinbarung von Beruf und Familie"
vermarktet.
SCHMIDT beruft sich dabei auf
den Volkeswillen, der schnell noch per Umfrage dokumentiert worden
ist.
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BÖHMER, Maria (2004): Nein, die Kinderzahl hängt nicht vom
Kontostand ab,
in: Die Rheinischer Merkur Nr.38 v. 16.09.
- Kommentar:
Die Bundesvorsitzende der CDU-Frauenunion bestreitet
den Zusammenhang zwischen Elterngeld und Geburtenrate und verweist
darauf, dass die Geburtenrate in Schweden innerhalb der 90er Jahre
dramatisch gesunken ist.
Die FAZ sprach in diesem
Zusammenhang deshalb von "Mitnahmeeffekten", d.h. das Elterngeld
führt nicht zu mehr Kindern, sondern die geplanten Kinder werden nur
früher geboren.
- HAUN, Patricia (2004): Mein Kind gehört zu
mir!
Zwischenruf einer Mutter. Nachwuchs zu erziehen muss aufgewertet
werden, sagt die Autorin. Es sollte Wahlfreiheit zwischen
Ganztagsbetreuung und Elterngeld geben,
in: Die Rheinischer Merkur Nr.38 v. 16.09.
- Kommentar:
HAUN hat alle Argumente für die Rückkehr der
"Deutschen Mutter" gesammelt.
Wahlfreiheit heißt inzwischen
das Motto dieser Fraktion, die sich einerseits zum Anwalt der Frau
ohne Karrierechancen macht und andererseits für den Ausbau von
Privilegien der Managerehe votiert: Haushaltshilfen und Tagesmütter
für die
"Frau an seiner Seite".
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- REICHART, Manuela (2004):
Erinnerungen wie Gehbehinderungen.
Malin Schwerdtfegers neuer Roman "Delphi" erzählt eine
skurrile Familienchronik,
in: Berliner Zeitung v. 16.09.
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Zu den News
vom 11. - 15. September 2004
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