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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 11. - 18. April 2006

 
 
     
       
   

Zitat des Monats:

"Er sei es gewohnt, Distanzen zu ertragen, erklärt Chris, er sehe ja sogar seine Freundin Anika nur dreimal im Jahr, noch nicht einmal an Feiertagen. Dass sie sich an Weihnachten verabreden würden, sei klar, denn da müssten sie beide nie arbeiten, aber Ostern zum Beispiel, er könne sich nicht daran erinnern wie er die letzten Osterfeste verbracht hätte. »Irgendwie ging Ostern meistens an mir vorbei, ich habe noch nicht einmal Eier gekauft. Manchmal überweist meine Oma ein Osterei auf mein Konto. Ostern ist ein typisches Pärchenfest. Die Pärchen fahren für ein paar Tage raus, ein bisschen ins Grüne. Aber wenn man alleine ist oder die Freundin irgendwo in der Pampa, auf dem Land, aber leider in einem anderen, dann feiert man Ostern eben nicht. Oder man führt zu den Eltern. Aber ich will, ehrlich gesagt, nicht mit meinen Eltern zu dritt am Frühstückstisch sitzen, Vivaldi hören und bunte Schalen in den Eierbechern stapeln. Diese Festtage werden doch echt überschätzt.«"
(aus: Nikola Richter "Die Lebenspraktikanten", 2006, S.51f.)

 
 
   
 
  • RUTSCHKY, Michael (2006): Fromme und tückische Dame.
    Sie hatte jenen Sinn für Exzentrik, den Briten so lieben: Zum Tode der schottischen Schriftstellerin Muriel Spark,
    in: Frankfurter Rundschau v. 18.04.
    • Inhalt:
      "
      Manche Leser zählen zu den Romanen, die sie auf immer Ms. Spark haben verfallen lassen, auch The Bachelors (1960), woran sehr schön zu studieren ist, was sie sich als Romanautorin von der Konversion zum Katholizismus versprach. Keinen durch Gehorsam und Unterwerfung errungenen hohen Lebenssinn - aufgehorcht, Frömmel-Feuilleton - , vielmehr eine ungeheure Erweiterung der Erzählmöglichkeiten.
                
       Dougal Douglas, der erotische Soziologe, ist wirklich der Beelzebub, die Mädchen können es an den abgeschliffenen Hörnern auf seiner Stirn erfühlen. Patrick Seton, ein eklig weißblonder Junggeselle, spielt eine Führerrolle in der spiritistischen Subkultur Londons und kann Geister beschwören wie kein anderer. Denn die Junggesellen leben außerhalb von Gottes Schöpfungsordnung - schon morgens im Supermarkt bringen sie die Hausfrauen beim Einkaufen durcheinander - , eine Ordnung, die dem Mann den Eintritt in den heiligen Bund der Ehe und Vaterschaft vorschreibt. Dagegen haben die Junggesellen anhaltend Kontakt zu den Dämonen und jeder anderen Art von metaphysischem Ungeziefer, dem also Muriel Spark liebevoll Zugang verschaffen konnte zu diesem Roman, zu ihrer Romanwelt dank der katholischen Lehre", meint Michael RUTSCHKY
 
  • FRIED, Nico (2006): Und Frau Merkel blicket stumm.
    Die Union ist zerstritten, was das Elterngeld angeht. Familienministerin von der Leyen lamentiert, Söder bleibt konservativ. Und die Kanzlerin verhält sich mal wieder wie die Mutter des Zappelphilipps,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 18.04.
 
 
  • HOLM, Kerstin (2006): Gelbe Gefahr.
    Das schrumpfende russische Volk findet keine Arbeit,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.04.
    • Inhalt:
      HOLM berichtet ausgiebig über einen Artikel des russischen Politikwissenschaftlers Michail MARTYNOW, der das Problem der "überschüssigen" Bevölkerung mit dem Niedergang der russischen Geburtenrate in Verbindung bringt. Dazu nimmt er einen Umweg über die Antike:

                
       "Auch die Römer kämpften gegen Bevölkerungsschwund. Martynow erinnert daran, daß in der Kaiserzeit öffentliche Ämter bevorzugt an Kinderreiche vergeben, daß Verwitwete zur Neuheirat verpflichtet wurden und daß Kinderlose nicht erben durften. Den demographischen Trend dadurch umzukehren gelang indessen nicht. Der Russe zitiert Malthus mit dem Ausspruch, wenn die Römer bloß die Zahl ihrer Sklaven halbiert und die Bürger genötigt hätten, ihre Liegenschaften selbst zu bearbeiten, hätte sich die Bevölkerungszahl ohne alle Sondergesetze rasch erholt."
 
 
  • SIMON, Ulrike (2006): Mannomann.
    Seit zehn Jahren erscheint „Men’s Health“ in anhaltend hoher Auflage – und erklärt den Männern, wo es mit den Frauen langgeht,
    in: Tagesspiegel v. 16.04.
    • Inhalt:
      "»Männer reden, anders als Frauen, nicht untereinander über ihre Probleme und Unzulänglichkeiten.« Daher fehle es an Wissen. Eher würden Männer einen Brief an »Men's Health« schreiben als einen Freund um Rat ersuchen," meint Men's Health-Chefredakteur Wolfgang MELCHER.
 
  • OTTE, Romanus (2006): Ein Kind aus Liebe, nicht aus Vaterlandsliebe,
    in: Welt am Sonntag v. 16.04.
    • Inhalt:
      "Ich habe die Kinderdebatte mit besonderer Anteilnahme verfolgt. Denn in dieser Zeit wurde unser erstes Kind geboren. (...). Viel war da von der Bedeutung des Kindersegens für das Land (und die Rentenkasse) zu lesen. (...).

                
       Doch die Geburt eines Kindes ist Privatsache und soll es bleiben. Unser Sohn ist aus Liebe geboren, nicht aus Vaterlandsliebe. (...).
                
       In unserer kleinen Familie bin ich berufstätig, meine Frau ist es derzeit nicht. Aber wir sehen darin keine Stellungnahme zur Gesellschaftspolitik (...).
                
       Gerade in der Familienpolitik schickt sich die große Koalition an, zwei Irrwege fortzusetzen: die Umerziehung des Volkes über Steuern und Beihilfen und die Umverteilung der Einkommen durch den alle umsorgenden Staat.
                
       Für Umerziehung steht das Elterngeld. Es soll Einbußen mildern, wenn Eltern zur Kinderbetreuung im Beruf pausieren. Klingt gut, aber ist das Aufgabe des Staates? Und in voller Höhe soll nur gezahlt werden, wenn Mutter und Vater eine Auszeit nehmen. Die volkserzieherische Absicht ist klar. Aber was geht es bitte den Staat an, wie Eltern ihre Aufgaben aufteilen?" meint OTTE.
 
  • WAGNER, Richard (2006): Frohe Botschaft!
    Die Strukturprobleme einer Gesellschaft sind primär ökonomisch und organisatorisch bedingt. Es gibt kein Nachwuchsproblem. Allen demographischen Krisenmeldungen zum Trotz: Die Lage ist besser als die Stimmung. Nachrichten aus einem guten Land,
    in: TAZ v. 15.04.
    • Inhalt:
      Für den Schriftsteller Richard WAGNER gibt es in Deutschland kein Nachwuchsproblem, sondern eine Beschäftigungskrise:

                
       "Vielleicht sollten wir uns nicht nur mit dem offensichtlich falsch gepolten islamischen Mann auseinander setzen sondern auch den frustrierten deutschen Möchtegernpatriarchen ins Auge fassen. Wenn diese Männer meinen, der Konkurrenz der Frauen nicht mehr gewachsen zu sein, sollten sie zu Hause bleiben, für Kind und Katze sorgen und den Wintergarten pflegen, während im Gegenzug die Karrierefrau das Geld ranschafft.
      Der neuerliche Rückgriff auf die Familie ist ein Angriff auf die Urbanität, weil er die Leistungsfähigkeit wieder geschlechtsspezifisch anstatt individuell betrachtet, wie es einer liberalen Gesellschaft angemessen wäre. Nicht jede Frau möchte eine Maria sein, aber auch nicht jeder Maria wird ein Jesus beschert.

                
       Die höchsten Kosten für den Sozialstaat werden nicht durch Singles verursacht, sondern von den Familien, den gescheiterten und den stinknormalen. Eine Million Kinder leben in Deutschland von Sozialhilfe. Es soll aber auch Familien geben, die vom Kindergeld leben. Darüber gibt es, aus Gründen der politischen Korrektheit, keine Statistik."
 
  • PARKS, Tim (2006): Weniger ist mehr.
    Ein Gespenst geht um in Europa: die Angst vor dem Aussterben. In Deutschland wird die Debatte besonders heftig geführt. Warum eigentlich? Was wir an den Deutschen haben, merken wir vielleicht erst dann, wenn sie weniger sind,
    in: TAZ v. 15.04.
    • Inhalt:
      Das Thema des Tages "Schöner aussterben" bestreitet der in Italien lebende, britische Schriftsteller Tim PARKS:

                
       "Der Sozialismus hat uns nicht erlöst; das freie Unternehmertum beschwört nur das Schreckgespenst von Importfluten aus China herauf; und das Ideal Europa überzeugt keine junge Frau von der Mutterschaft. Und das vielleicht Entscheidendste: Wir haben jegliches Vertrauen in eine Medienlandschaft verloren, die doch eigentlich unsere zersplitterte Gesellschaft zusammenhalten will. Die seichte Phrasendrescherei, die Endlosschleife aus Melodram und Beruhigungspille ist abstoßend.
                
       (...).
      Wenn wir erst mal arbeitslos und ärmer sind, dann werden wir gezwungen sein, auf neue Art und Weise zusammenzuleben. Der Fehler aller grobschlächtigen demografischen Vorhersagen ist der, dass wir nicht wissen, wie die Menschen auf den Ernstfall reagieren werden.
      "
 
  • RUHENSTROTH-BAUER, Peter (2006): Schrumpfen ist fein.
    Die Politik reagiert hysterisch auf den demografischen Wandel, es kommt aber darauf an, ihn intelligent zu gestalten. Nur weil das Volk insgesamt älter wird, muss der Lebensstandard nicht sinken. Im Gegenteil: Diese Entwicklung birgt neue Chancen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 15.04.
 
 
  • ALTENBOCKUM, Jasper von (2006): Wir Rabenväter,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.04.
    • Kommentar:
      Die Schützengräben werden wieder ausgehoben. Diesmal wird noch tiefer gegraben.

                
       ALTENBOCKUM, Jahrgang 1962, Repräsentant der klassischen Familie, schmollt auf Seite1! Was den kinderlosen Karrierefrauen recht ist, das darf dem Patriarchen nicht verwehrt werden: Das Recht auf Kinderlosigkeit als Mittel zur Erpressung der Gegenseite!
                
      ALTENBOCKUM jammert uns vor, dass der gute alte Patriarch höchstens noch zur Musealisierung taugt, denn "Väter und Mütter (sind) zur Minderheit geworden sind, zumal solche, die nicht geschieden sind".
                
      Auch wenn das Herr ALTENBOCKUM nicht passt, weder Mütter noch Väter sind eine Minderheit!
                
      Dass solcher Unsinn weiter verbreitet wird, deutet darauf hin, dass die große Koalition keineswegs den Graben zwischen alter und neuer Mitte eingeebnet hat, sondern es geht jetzt erst recht um den Endkampf.
  • HOFFMANN, Christiane (2006): Wir Seelchen.
    Eingeholt vom wahren Leben. Warum Kinder sein müssen,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.04.
    • Kommentar:
      Christiane HOFFMANN, Angehörige der Generation Golf, wird heute fürs SCHIRRMACHER-Feuilleton in den Ring geschickt, um die schwächelnde Gebärnation zur Raison zu bringen.

                
      Wenn Frauen in den Ring steigen, dann ist Leidenschaft und Emotion angesagt, statt männliche Sachlichkeit, wie HOFFMANN ausführt:
                
      "Warum wird die Debatte über Kinder so versachlicht, so seltsam gefühllos geführt, warum erschöpft sie sich im Materiellen und Organisatorischen? (...). Vielleicht liefert aber auch die Tatsache, daß wir nicht über die Gründe sprechen, warum wir trotz aller Widrigkeiten noch Kinder bekommen, einen Hinweis darauf, warum wir es immer weniger tun. Vieles spricht dafür, daß die Debatte über die sachlichen, materiellen Gründe für unsere sinkende Geburtenrate nur den darunterliegenden, tieferen Grund verdeckt: die Seelenlage derer, die heute so alt sind, daß sie Eltern sein könnten."
                
      Es gibt hier ein Problem. HOFFMANN behauptet, dass wir immer weniger Kinder kriegen.
                
      Tatsächlich sinken die GeburtenZAHLEN. Unsere Demografen lassen uns aber schlichtweg im Stich, wenn es darum geht die GeburtenRATE der jüngeren Generationen zu beleuchten.
                
      Warum gibt es keine Veröffentlichungen zu diesem Problem? Was will man uns verheimlichen?
                
      Herwig BIRG hat ein Buch herausgebracht: Die ausgefallene Generation. Nachweislich sind die Zahlen, die BIRG zum Jahrgang 1965 liefert, mindestens 5 Jahre alt. Warum werden uns also neuere Zahlen vorenthalten? BIRG hat eine Geburtenrate von 1,5 für den Jahrgang 1965 berechnet. Diese Zahl ist überholt. Die Geburtenrate liegt über 1,6.
                
      Warum wird also keine Debatte über den "Babyboom" der jüngeren Generationen geführt?
                
      Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat vor kurzem das Buch "Die demographische Lage der Nation" veröffentlicht. Dieses Buch will uns weismachen, etwas über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands aussagen zu können. Wie ist das möglich, wenn darin die Geburtenraten der jüngeren Jahrgänge schlichtweg ignoriert werden? Man verwendet gerne die zusammengesetzte Geburtenziffer oder rohe Geburtenziffern. Schön und gut, aber das ist keine ausreichende Analyse!
                
      Die Herangehensweise des Berlin-Instituts ist geprägt von einer Diktatur der Bestandserhaltung.
                
      Wenn man also wissen will, wie es aussieht, wenn jede Frau dazu verpflichtet wird den selben Anteil zur Bestandserhaltung zu leisten, dann ist dieses Buch nützlich.
                
      Die Sprache ist technokratisch: Arme, Alte, Arbeitslose - alles unnötiger Ballast. Die junge Familie ist die einzige relevante Größe. Eltern, die alt sind, belasten dagegen den Index der Zukunftsfähigkeit. So einfach kann man sich das machen!
                
      Tatsache ist jedoch, dass es auch in Zukunft Kinderlose, Kinderarme und Kinderreiche geben wird.
                
      Man kann natürlich die Seele dafür verantwortlich machen wollen. Das zeugt jedoch von Ignoranz. Die Gründe eines Lebensstils sind nicht monokausal erklärbar, sie liegen keineswegs ausschließlich im Willen von Einzelnen begründet.
                
      Was hindert uns also daran, jene zu fördern, die Kinder bekommen möchten? Warum möchte man Kinderlose, die aus ganz unterschiedlichen Gründen, keine Kinder bekommen können/wollen, missionieren?
                
      Man darf bezweifeln, dass diese ungewollten Kinder einer Wissensgesellschaft dienlich wären.
                
      In jedem anderen Gesellschaftsbereich wird die Zunahme der Ungleichheit als optimale Lösung propagiert. Nur im privaten Bereich möchte man nun Ergebnisgleichheit für (fast) alle einführen?
 
 
  • SCHMIDT, Michael (2006): Verschwörung regiert.
    Der frühere Brandt-Berater Albrecht Müller rechnet mit Deutschlands Elite ab – und erntet nicht nur Lob,
    in: Tagesspiegel v. 13.04.
 
 
 
  • LIESKE, Tanya (2006): Endorphine und Endgültigkeit.
    Solange Mutterschaft am Ende der gesellschaftlichen Werteskala rangiert, verläuft demographischer Aktionismus im Sand,
    in: Welt v. 12.04.
    • Inhalt:
      LIESKE hält SCHIRRMACHERs Bestandsaufnahme für richtig, aber unvollständig:

                

      "Viele Mütter beschreiben einen Zustand der inneren Zerrissenheit. Dieser wird gern diskutiert vor dem Hintergrund ihrer divergierenden Aufgaben zwischen Beruf und Familie, oder auch dem Verzicht auf den Beruf zugunsten der Familie. Doch diese Analyse greift zu kurz. Viele Mütter fühlen sich zerrissen, weil sie aus dem Kodex unserer Gesellschaft herausfallen, aus allem, was diese Gesellschaft wertschätzt und als Leitbild propagiert. Es sind dies Jugend, Schönheit, Mobilität, Unabhängigkeit, Erfolg, Reichtum und kosmopolitische Gewandtheit, in der Summe: Glanz."

 
  • ZUCKER, Renée (2006): Simple twist of fate,
    in: TAZ v. 12.04.
    • Inhalt:
      Renée ZUCKER liefert noch einen Nachtrag zu Philip LONGMAN:

                
      "Bastarde, sagt Longman, also unehelich Geborene, werden im Patriarchat nicht akzeptiert, weil sie das männliche Investment in die nächste Generation aushöhlen.
                
      (...).
      Eheliche Kinder hingegen gehören schon traditionell in die Familie des Vaters, tragen zur Verbreitung seines Namens bei und sind eine immerwährend sprudelnde Quelle von Ehre (oder Scham) für ihn, deshalb legen sich die Väter von legitimen Kindern auch mehr ins Zeug.

                
      Manchmal könnte man glatt glauben, Mr Longman sei ein frommer Muslim. Tja. Liebe ungläubige Betschwestern, so sieht's aus an der Front. Momentan. Aber immer wenn man meint, es geht nicht mehr, bäumt sich eine der Urgewalten feministischen Bewusstseins am Horizont auf.
                
      Helke Sander kommt mit neuesten Erkenntnissen aus der Mitdenkzentrale. Sie findet zwar die Aufforderung zum Geschlechtsverkehr aus Kathedralen und Kirchen zum Piepen, aber sie findet rein gar nichts dabei, wenn die Bevölkerung schrumpft. Während ich ja der Ansicht bin, die Deutschen hätten ihre historische Rolle genügend erfüllt und könnten in aller Stille abtreten, träumt sie von grasüberwucherten Autobahnen für die Hinterbliebenen und von überfluteten Elbwiesen, in denen deren Kinder schwimmen lernen."
 
  • HENSEL, Jana (2006): In Schmutz und Dreck Dinge finden, die leuchten.
    Von wegen neue Bürgerlichkeit: Die deutsche Literatur begibt sich in die sozialen Randzonen und entdeckt die Helden der Unterschicht,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.04.
    • Kommentar:
      Dank Paul NOLTE gibt es nun nicht nur Unterschichten-TV, sondern Jana HENSEL kann nun auch die Unterschichten-Literatur präsentieren.

                
      Gemäß dem Diktum der Empathiker hat der Autor mit seiner Biografie die Authentizität des Werks zu bezeugen. "Diese Autoren kennen die Wirklichkeit, sie sind mit ihr reifer geworden", lobt HENSEL das Unterschichten-Autoren-Personal von Clemens MEYER bis Claudia KLISCHAT.
                
      Offenbar hilft es ungemein, das Leipziger Literaturinstitut besucht zu haben, um mit "klaren, authentischen Blick auf die Verhältnisse in den sozialen Randlagen der Gesellschaft" überzeugen zu können.
                
      Merkwürdig ist eigentlich nur, dass HENSEL krampfhaft versucht, einen Gegensatz zwischen Unterschicht und neuer Bürgerlichkeit zu konstruieren. Dabei liegt es doch auf der Hand: ohne die neue Bürgerlichkeit gäbe es diese neue Unterschicht gar nicht...   
 
  • Debatte um das Buch "Lichtjahre" von Volker Weidermann

    • DOTZAUER, Gregor (2006): Angriff der Gegenwart.
      Literaturkritik als Kulturkampf: Warum über Volker Weidermanns Buch „Lichtjahre“ so heftig gestritten wird,
      in: Tagesspiegel v. 12.04.
      • Inhalt:
        "
        Zerstreuungswut, Populismus, die ewige Schlacht zwischen Geist und Geld – all das mag es geben. Doch es rüttelt, mitten im deutschen Subventions- und Bücherparadies, noch etwas Grundsätzlicheres am humanistischen Selbstverständnis: eine Unfähigkeit, der eigenen Tradition über das Zitieren hinaus Sinn zu verleihen", meint Gregor DOTZAUER zum Streit zwischen Empathikern und Gnostikern.
    • KRUMBHOLZ, Martin (2006): Kleine Erregung.
      Ein Streit um Volker Weidermanns «Geschichte der deutschen Literatur»,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 11.04.
      • Inhalt:
        "Weidermanns Begeisterungsbuch wendet sich spürbar an ein jüngeres, eher ahnungsloses Publikum, das die Nachkriegsliteratur um mehr als zwei Wochen verpasst hat und nun von einem Gleichgesinnten erfahren will: Welche Lektüre sollte ich nachholen? Das ginge an, käme es dabei nicht zu grotesken Klitterungen. Über Genazino befindet der Verfasser allen Ernstes, er habe «die gute Laune in das Schreiben zurückgebracht». Nicht dass bestimmte (wichtige) Autoren fehlen, ist das Problem - sondern eher, dass Weidermann sich nicht rigoros zu seinem beklemmenden Gute-Laune-Ansatz bekennt und sich von der Idee der Geschichtsschreibung nicht konsequent verabschiedet", meint KRUMBHOLZ.
 
  • TICHY, Roland (2006): Die Demographie-Bombe überleben.
    Die „German Angst“, die deutsche Zukunftsangst und Weltuntergangspsychose, hat einen neuen Namen: Demographie. Wie Wirtschaft und Gesellschaft mit der Überalterung leben – oder: Deutschland geht schon wieder nicht unter,
    in: Handelsblatt v. 11.04.
    • Kommentar:
      "Analysiert man die europäische Politik und ihre Auswirkungen auf das Bevölkerungswachstum zeigen sich unterschiedliche Muster: (...) als großes Flächenland hat allein Frankreich derzeit mit seiner Politik der Nichteinmischung in die innerfamiliäre Ordnung, verbunden mit einem breiten Betreuungsangebot, eine vergleichsweise hohe Geburtenzahl",
      schreiben Roland & Andrea TICHY in ihrem Plädoyer für eine aktive Bevölkerungspolitik, mit dem Titel "Die Alterspyramide steht Kopf" aus dem Jahr 2001.

                
      Fünf Jahre später hat sich der Wind um 180 Grad gedreht, da verbünden sich "Hobbydemographen mit raunenden Dooms-Day-Demographen".
                
      "Alle Formen des Zusammenlebens, die wir kennen, familiäre, freundschaftliche, staatliche, berufliche, lösen sich auf. Unsere Form der Demokratie hat sich zu Ende gewählt, unser Wohlstand ist auf Sand gebaut, der Sozialstaat eine von Würmern zerfressene Fassade, die jedes kleine Kind mit einem Fingerschnippen umstoßen könnte. Wenn es denn noch Kinder gäbe"
                
      Diese Sätze stammen ausnahmsweise nicht aus dem Buch "Minimum" vom Hobbydemographen SCHIRRMACHER, sondern von den Dooms-Day-Demographen TICHY & TICHY (2001).
                
      Roland TICHY entdeckt nun jedoch die Vorteile der alternden Gesellschaft und die Grenzen der aktiven Bevölkerungspolitik:
                
      "Fast überall, außer in besonders von Aids heimgesuchten afrikanischen Ländern, steigt die Lebenserwartung und sinkt die Geburtenzahl. In Italien werden noch weniger Bambini geboren als in Deutschland, und mit der heranwachsenden Generation wird auch die Türkei als Arbeitskräftereservoir für deutsche Fließbänder ausfallen. Auch die hoch gelobte Bevölkerungspolitik Frankreichs entpuppt sich, so der Rostocker Demograph Reiner Dinkel, als Täuschung: »In Paris oder Bordeaux werden nicht mehr Kinder geboren als in Berlin oder München.« Die höheren Zahlen kommen dort von arabischen Migrantenfamilien. In der Banlieue hat sich das Fortpflanzungsverhalten Nordafrikas erhalten. Araber als legitime Erben des deutschen Genius? Anders als Frankreichs Nordafrikaner fallen die vergleichsweise assimilationsbereiten Deutsch-Türken als Baby-Reservisten aus – auch unter dem Kopftuch wird, ganz emanzipiert, die Pille eingenommen.
                
      Auch im weißen Amerika bleibt zwischen Party und Partnersuche, wie es die Serie »Sex and the City« zeigt, keine Zeit für Nachwuchs. In der neuen schwarzen und noch neueren asiatischen Mittelschicht bleibt die Wiege so leer wie in Deutschland – der Geburtenüberschuss stammt von mexikanischen Immigranten, religiösen Fundamentalisten und sozialen Randgruppen."
                
      Es ist eine der Merkwürdigkeiten der deutschen Demografie-Debatte, dass ausgerechnet die Nationalkonservativen um Herwig BIRG die hohen Geburtenraten der "Französinnen" bewundern, obwohl sie - in Deutschland wohlgemerkt - die dort geborenen Kinder als Falsche vehement ablehnen würden.
                
      Diese Doppelmoral wird möglich, weil sich der französische und der deutsche "Bevölkerungsbegriff" unterscheiden. Darauf hat Dieter OBERNDÖRFER bereits im Jahr 2002 hingewiesen:
                
      "Wenn »Ausländer« nicht allein nach ihren Pässen, sondern auch nach der ausländischen Herkunft der Wohnbevölkerung definiert werden, fällt Deutschland in der Rangordnung der Aufnahmeländer Europas auch noch weit hinter Frankreich, Großbritannien und die Niederlande zurück. Ihre Zuwanderer kamen zum großen Teil aus ehemaligen Kolonialgebieten und wurden daher in der nationalen Statistik nicht unter der Rubrik »Ausländer« registriert. Zudem verringerte sich die Zahl ihrer Pass-Ausländer kontinuierlich durch großzügige Einbürgerungsregelungen. So beläuft sich inzwischen auch die Zahl der moslemischen Franzosen auf 5,5 Millionen bei einer Gesamtbevölkerung von nur 58 Millionen (Deutschland 2,3 Millionen Moslems, die meisten aber sind im Unterschied zu Frankreich nicht eingebürgert)."
                
      Würde man also identische Bevölkerungsbegriffe verwenden, dann würde die Geburtenrate der deutschen Frauen also keineswegs so schlecht abschneiden wie dies unsere Nationalkonservativen und ihre Sympathisanten behaupten.
                
      Auch der so genannten Überalterung kann TICHY neue Seiten abgewinnen:
                
      "Die Welt wird letztlich nicht in »junge« und »alte« Gesellschaften gespalten – sondern in solche, »die reich alt werden, und in solche, die arm alt werden«, so die United Nations Population Divison.
      Die demographische Entwicklung in Deutschland ist also nicht irgendwie im deutschen Wesen begründet, liegt nicht an faschistischer Vergangenheit oder Dekadenz.
      "
                
      Aus den egoistischen Alten werden nun - ganz im Sinne eines Plädoyers für längere Lebensarbeitszeiten - Opfer des Systems:
                
      "Auf dem Mountain-Bike im erzwungenen Dauerurlaub zwischen Mallorca und Mainau strampelt sich eine riesige industrielle Reservearmee ab – höchst leistungsfähig, aber ausgegrenzt durch ein gesellschaftliches Arbeitsverbot."
 
   

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Zu den News vom   08. - 10. April 2006

 
 
   
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