| |
|
[
News-Hauptseite
] [ Glossar ] [
Suche ] [ Homepage
] |
|
| |
|
Medienrundschau:
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
News vom
24. - 26. August 2005
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
Zitat
des Monats:
"Was
heute an den demografischen Klagemauern bejammert wird -
Geburtenrückgang, Vergreisung, Migration -, sind nicht Irrläufer
und Ausläufer der Evolution. Eher kündigt sich darin eine neue
Entwicklungsstufe mit neuen Problemlösungen an. Gesellschaften
stellten ihre Nachwuchssicherung um: von vielen, riskanten und
kurzen auf wenige, sichere und längere Lebensläufe; von
Quantitäten auf Qualitäten; von biologischer auf soziokulturelle
Reproduktion; von Autarkie auf Arbeitsteilung. Diese neue
Arbeitsteilung zwischen produktiven und reproduktiven,
kinderarmen und kinderreichen Gesellschaften gilt womöglich nur
für eine Übergangsphase von 50 oder 100 Jahren. nach und nach
werden alle Kulturen sich umstellen: von einer breiten
Reproduktionsbasis mit hoher Sterblichkeit auf eine schmale
Basis lang lebender Individuen.
Dies
zu begreifen und zu akzeptieren, fällt uns schwer."
(Karl
Otto Hondrich im Cicero, August 2005)
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
LEBER, Sebastian (2005): Und es hat Klick gemacht.
Flirten im Internet ist etwas für Pragmatiker. Unser Autor hat sich
auf Singlebörsen sehr genau umgeschaut
in: Tagesspiegel v. 26.08.
- Inhalt:
"Singlebörsen im Internet sind hilfreich für
schüchterne Leute, die sich nicht trauen, in der Disko einen Jungen
oder ein Mädchen anzusprechen. Sie sind aber auch hilfreich aus ganz
anderen Gründen: Man muss zum Beispiel keine teuren Drinks in Bars
ausgeben und bei viel zu lauter Musik herumschreien. Man muss sich
vorher auch nicht stundenlang schminken oder sonst wie herausputzen,
sondern kann sich ganz lässig in Trainingshose und Wollpullover an
die Tastatur setzen. Und: Man ist am nächsten Morgen lange nicht so
müde wie nach einer durchzechten Nacht", meint LEBER.
|
|
| |
|
-
BINDER, Elisabeth (2005): Kinderglück statt Kinderlast.
Ein Forum aus Prominenten will mit Unterstützung von Unicef die
Mentalität der Deutschen ändern
in: Tagesspiegel v. 26.08.
- Kommentar:
Die neue bevölkerungspolitische Doktrin lautet
nun: nicht mehr die Last des Kinderkriegens, sondern das
Familienglück soll propagiert werden.
Das
sieht dann so aus wie in der Zeitschrift Cicero, wo
SCHRÖDER-KÖPF mütterliche Mutmach-Prosa schreibt. Die Wirkung solch
öder Erbauungsliteratur dürfte eher gering sein.
In
Großbritannien ist man da schon weiter. Dort arbeitet Helen FIELDUNG
als Volkspädagogin.
Bridget
Jones, das Rolemodel für neurotische Karrierefrauen auf Partnersuche
ist mittlerweile schwanger.
Bridget
Jones könnte also nun zum Rolemodel für neurotische Spätgebärende
werden. Wie dieses Experiment ausgeht, wird die Zukunft zeigen...
|
|
| |
|
-
MARTENSTEIN, Harald (2005): Bürger oder Bettelmann.
Was schulden die Reichen den Armen? Schulden sie ihnen überhaupt
etwas? Eine soziale Gewissensforschung,
in: Tagesspiegel v. 26.08.
- Kommentar:
Bobo MARTENSTEIN erklärt uns, dass
wir schwächliches Bevölkerungsmaterial uns in Zukunft gefälligst
mit einer Ärmstenfürsorge zufrieden geben sollen, denn soziale
Gerechtigkeit gibt es sowieso nur im Jenseits.
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
KRAUSE, Tilman (2005): Bald ist alles vorbei.
Der französische Autor Michel Houellebecq gibt sich in seinem neuen
Roman grenzenlos pessimistisch,
in: Welt v. 26.08.
- Inhalt:
Für KRAUSE sind Autor
Michel Houellebecq und Romanfigur
Daniel1-25 identisch:
"Unumwunden
kann sich Michel Houellebecq jetzt zu erkennen geben als das, was er
ist und wohl von Anfang an auch war: ein frustrierter Sexmaniac, der
seinen Selbstekel in Kulturkritik ummünzt.
(...).
»Ich war unerlöst« lautet sein letztes Wort. Das ist die Absage an
all jene Hoffnungen, auf welche die Helden in Houellebecqs früheren
Büchern noch blickten. Was bleibt, sind Leere und Einsamkeit, will
uns der Dichter sagen. Nichts, aber auch gar nichts in diesem Buch
verleitet uns dazu, diesen Befund auf irgend jemand anderen zu
beziehen als auf ihn selbst."
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
DOTZAUER, Gregor (2005): Sag niemals Nietzsche.
Nachrichten aus der geklonten Zukunft: Michel Houellebecqs Roman
"Die Möglichkeit einer Insel",
in: Tagesspiegel v. 25.08.
- Inhalt:
"Wer etwas mitzuteilen hat, soll Leitartikel schreiben,
Manifeste an Türen nageln, oder, wenn es sein muss, eine Partei
gründen. Aber er braucht nicht Romane zu schreiben, mit Figuren, die
nur Hüllen von Meinungen sind. Er soll lieber gleich Essays verfassen,
wie Houellebecq selbst es glänzend versteht. (...) Was das
Literarische an seinen Büchern ausmacht, bleibt offen. Und was dessen
Anschein erweckt, ist eine öde, unrhythmische, aus den Schlacken des
19. Jahrhunderts bestehende Beschreibungsprosa", kritisiert
Gregor DOTZAUER.
-
MEISTER, Martina (2005): Der dreiundzwanzigste Klon.
Vom Olymp direkt in die Abendnachrichten: Michel
Houellebecqs neuer Roman "Die Möglichkeit einer Insel",
in: Frankfurter Rundschau v. 25.08.
- Inhalt:
Martina MEISTER kennt keine Gnade:
"Es
geht, kurz gesagt, um die Abschaffung der Menschheit. Um einen Roman,
getaucht abwechselnd in das grelle Licht Spaniens, das fahle der
Endzeit, bevölkert von Clowns und Klonen, von Neomenschen und
Neandertalern, ein Buch, das von der Unmöglichkeit der Liebe handelt,
von Sex und Sekten, eine moderne Version der biblischen Apokalypse des
Buches Daniel, an das schon die Kapitelüberschriften erinnern,
angesiedelt irgendwo auf der Grenze zwischen Science Fiction,
philosophischer Erzählung und porno chic. Was Houellebecq vorab als
sein wichtigstes Buch angekündigt hat, ist sein schwächstes. Ein
erneuter Aufguss seiner Themen, zusammengequirlt nicht unter dem Druck
des Leids, sondern unter dem eines bereits eingestrichenen Honorars."
- Kommentar:
Was MEISTER nicht erwähnt: Houellebecq ist nicht nur kinderfeindlich,
sondern kinderlosenfeindlich.
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
BISKY, Jens (2005): Ost gegen West.
Der große Graben
(3). Das Tabu, ängstlich gehütet: Die deutsche Einheit ist
gescheitert,
in: Süddeutsche Zeitung v. 25.08.
- Inhalt:
Jens BISKY geißelt den
Transferwahn, der auf dem unerfüllbaren Versprechen von der
Angleichung der Lebensverhältnisse beruht.
Eine
innere Einheit existiere nicht. Der Osten verweigere sich sogar der
westlichen Mitte-Presse, weil es im Osten an einem Bürgertum wie in
München mangele:
"Nach
der systematischen Entbürgerlichung in der DDR, nach der
Ausschaltung der sozialistischen Funktionseliten und der anhaltenden
Abwanderung fehlt es im Osten an einem Bürgertum, einem Mittelstand,
an Eliten. Der soziale Raum zwischen Familie und Staat ist nur
schwach besetzt."
BISKY
fordert deshalb eine Kultur der Ungleichheit und der Unterschiede.
|
|
| |
|
-
KREYE, Andrian (2005) Auf der richtigen Seite der Brücke.
Im Schatten (VI): Brooklyn beginnt wieder zu leuchten. Belächelt
und zweitklassig verkam der New Yorker Stadtteil gegenüber Manhattan,
nun treibt es nach den Künstlern auch die Makler über den Fluss,
in: Süddeutsche Zeitung v. 25.08.
- Inhalt:
Andrian KREYE vermisst die soziale
Segmentierung New Yorks neu.
Er
beschreibt die Gentrifizierung von Brooklyn, dessen krassen
Gegensätze zwischen den schwarzen Einheimischen und den weißen
Zuzüglern Jonathan LETHEM in dem Roman
"Die Festung der Einsamkeit"
beschrieben hat.
KREYE
liefert eine Momentaufnahme der gegenwärtigen Verhältnisse:
"Die
Künstler und Bohèmiens von New York sehen Manhattan längst als
urbanen Vergnügungspark für Touristen und Neulinge. Die besten
Nachtclubs der Stadt gibt es in Williamsburg, die interessantesten
Lokael in Cobble Hill, die zukunftsträchtigsten Künstler-Enklaven
sind in Greenpoint und Bushwick, und die Literaturszene konzentriert
sich um Park Slope, wo Paul Auster und Jonathan Safran Foer und
Jonathan Lethem leben. Viel weiter als bis zum Park sind die
bürgerlicherliche Zuzügler nicht gekommen."
|
|
| |
|
-
LINTZEL, Aram (2005): Die Kindheit für Erwachsene.
Die infantilen Texte in der neuen deutschen Popmusik,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 25.08.
- Inhalt:
Für
Aram LINTZEL vollzieht sich in der
neuen deutschen Popwelle die regressive Abwehr der harten
ökonomischen Realitäten.
Keine
"teenage angst" weit und breit, sondern Rückzug in die heile Welt
der Erinnerung:
"Die
deutschsprachige Popmusik scheint jener Rolle rückwärts ins
Kuschelige zu folgen, die vor einigen Jahren in der «Generation
Golf»-Literatur eines
Florian ILLIES,
einer Alexa Hennig von Lange vorgemacht wurde: Auch diese reanimierten
eine Lebenswelt, in der die Pubertät nicht das von Jean-Jacques
Rousseau beschriebene «dunkle Reich» war. Die besänftigende
Botschaft: Wir waren eine glückliche Familie, mit den
Schmuddelkindern haben wir nie gespielt!"
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
FEHR, Marianne (2005): Mit dem Pudel schmusen.
Frauen über fünfzig gehört die Zukunft, sagen die Trendforscher.
Bloss: was für eine? Wer auf dem Sprung ins Seniorenalter schon die
Gelenke spürt, denkt weniger an «Silber-Generation» als an
Orangenhaut. Bekenntnisse aus der Grauzone – ohne Scham, mit Stolz,
in: Weltwoche Nr.34 v. 25.08.
- Kommentar:
Der Blick von FEHR ist rückwärtsgewandt,
bestenfalls pädagogisch wertvoll nach dem Motto: Seht Euch diese
68er-Generation an: partnerlos und kinderlos im Alter, so geht es
Euch, wenn Ihr nicht rechtzeitig den Partner fürs Leben findet und
Kinder kriegt.
Solche
Storys hält Detlef GÜRTLER in
"Kinderland" für den Trend der Zukunft.
Die
Gesellschaft der Langlebigen ist jedoch nicht mit den veralteten
Kategorien der Vergangenheit einzufangen.
Auch
technologische Revolutionen lassen sich nicht aufhalten.
Mama mit 60?
Technology Review bietet einen Blick in die Zukunft, abseits
von geklonter Science-Fiction à la
HOUELLEBECQ.
Das
US-amerikanische Time Magazine berichtete bereits am
16. Mai 2005 über die weibliche Midlife-Crisis. Am 22. August
konnte man das dann auch in der Europa-Ausgabe lesen.
|
|
| |
|
-
HILDEBRANDT, Tina & Bernd ULRICH (2005): "Wir brauchen ein Konzil".
Sozialdemokrat Sigmar Gabriel (45) über den Generationswechsel in
seiner Partei, den Wert der Freiheit und die Suche der SPD nach einer
neuen Identität,
in: Die ZEIT Nr.35 v. 25.08.
- Kommentar:
Die ZEIT ist heute wieder ein öder Ort.
Inhaltsleerer geht es kaum noch. GABRIEL recycelt den
Wertewandel-Topos, den der Politikwissenschaftler
Franz WALTER in die SPD-Debatte
eingeführt hat:
"ZEIT:
Wie unterscheidet sich die neue Generation von den 68ern?
Gabriel:
In den fünfziger Jahren haben die Soziologen von der Tyrannei der
Dorfgemeinschaft gesprochen. Es gab eine große kulturelle Enge,
einen Mangel an Freiheit, gegen den sich die 68er-Bewegung wandte.
Spätestens seit den Neunzigern gibt es eher so was wie eine Tyrannei
der Entscheidungszwänge. Man muss sich jeden Tag neu orientieren,
nichts ist mehr klar. Traditionelle Werte, die die 68er eher
abgelehnt haben, Disziplin, Ordnung, Klarheit, Verbindlichkeit,
Verlässlichkeit, sind wieder en vogue. Was die 68er als Befreiung
empfunden haben, die Offenheit des Lebens und damit auch die
Unklarheit, wie es weitergeht, wird heute als Belastung und Druck
empfunden."
|
|
| |
|
-
GASCHKE, Susanne & Susanne MAYER (2005): Weil sie eine Frau ist?
Als erste Politikerin könnte Angela Merkel Kanzlerin werden. Ist
die Frauenbewegung am Ziel? Wählerinnen, die sich nie vorstellen
konnten, für die CDU zu stimmen, geraten plötzlich in Versuchung.
Merkel wählen - aus Solidarität? Ein Pro und Contra
in: Die ZEIT Nr.35 v. 25.08.
- Kommentar:
Natürlich geht es in der ZEIT nicht um
die Frauen- sondern um die Mütterfrage.
"Eine
Gleichstellungspolitik, die lediglich darauf zielte, allen Frauen
die gleiche bedingungslose »Freiheit« zu eröffnen, brauchen wir
nicht: Sie käme zu spät. Zur Bindungslosigkeit sind wir heute schon
frei – das beweisen sowohl die deutsche Geburtenrate als auch unsere
Scheidungsquote",
kläfft
Susanne GASCHKE und
Susanne MAYER erwidert:
"Wäre Angela Merkel eine typische Ostdeutsche, dann
wäre sie Mutter und hätte schon in Bonn in Ermangelung von
Kita-Plätzen und Ganztagsschulen die Segel streichen müssen. Wäre
sie eine typische Westdeutsche, hätte sie ihre Empörung darüber
herausposaunt und sich alle zu Feinden gemacht. Angela Merkel ist
ein gesamtdeutsches kinderloses Erfolgsmodell."
|
|
| |
|
-
FLORIN, Christiane/LÖBBERT, Raoul/NEUBAUER, Hans-Joachim (2005):
Oh,
wie weh ist mir!
JAMMERTAL / Deutsches Panoptikum: Sieben Typen, die den
RM-Redakteuren die Laune verderben,
in: Rheinischer Merkur Nr.34 v. 25.08.
- Kommentar:
"Müde, matt, marode? Die »deutsche Jammermentalität«
ist ein Medienmythos", lautet die Botschaft des
Psychologie Heute-Essays des Soziologen Helmut KLAGES (09/2005).
Er trifft damit den Nagel auf den Kopf, denn es sind unsere
Medienmacher, die uns mit ihrem Gejammer den Kopf zunageln. Schaut
in den Spiegel!
IHR seid die Jammer-Elite!
|
|
| |
|
-
-
STEINFELD, Thomas (2005): Der Narr verlässt die Kampfzone.
Am Ende: Michel Houellebecq und sein Roman "Die Möglichkeit einer
Insel",
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.08.
- Kommentar:
HOUELLEBECQs deutscher Imagedesigner,
Thomas STEINFELD, erklärt uns
zuerst, dass zur Authentizität des Clowns das Scheitern gehört,
und dann verhilft er ihm zum Scheitern:
"Die
große Schwäche dieses Romans: er ist ein Lamento, ein einziges
großes Dokument der Wehleidigkeit (...). Diesem Lamento ist der
wüste Zorn gewichen, der Michel Houellebecqs frühe Romane
auszeichnete, der Wille zum Skandal, der wütende Aufstand gegen
die Normalität, das Korrekte und den radikalen Individualismus,
der in der sexuellen Freizügigkeit den letzten Rest individueller
Würde der freien Marktwirtschaft überantwortete.
Rückblickend
betrachtet, ist diese verzweifelte Wut Stück für Stück, Buch für
Buch aus dem Werk von Michel Houellebecq verschwunden (...). Das
Aufbegehren gegen eine gigantische, so politische wie soziale
Zumutung ist fort, und damit die Dringlichkeit, das Fahrige,
Disparate und doch unglaublich Insistierende, das (...) Ausdruck
einer Gemeinsamkeit war zwischen dem, was er als Schicksal
empfand, und dem, was diese Gesellschaft als ihr Los erkannte."
Selbstreferenziell,
fasst STEINFELD nochmals das Dilemma zusammen:
"An
die Stelle des Aufbegehrens ist in
»Die Möglichkeit einer Insel« die Science-Fiction getreten.
Das ist problematisch, denn der Leser spürt die Absicht in diesem
Gestus von »eines Tages werden wir auf diese Welt als auf eine
einzige Katastrophe zurückblicken«."
-
SIMON, Anne-Catherine (2005): Zurück in der Kampfzone.
Literatur und Erregung. Michel Houellebecqs neuer Roman "Die
Möglichkeit einer Insel" erscheint am 31. August
in: Die Presse v. 24.08.
- Kommentar:
SIMON widmet sich dem Topos, der HOUELLEBECQ
die Sympathie der Familienfundamentalisten einbringen könnte:
"Der
Traum vom Filmemachen verfolgt Houellebecq seit den Siebzigerjahren.
Auch sein neuer Romanheld Daniel1 schreibt ein Drehbuch: »In der
ersten Viertelstunde des Films sah man, wie Babyschädel durch
Schüsse unentwegt explodierten.« Die Täter: »ein straff
organisiertes Netz von Kindermördern, die sich von Thesen aus der
Szene der Fundamentalökologisten anregen ließen«. Daniels
Filmprojekt wird abgelehnt, der Grund dafür »konnte nur darin
liegen, dass es noch gewisse Tabus gab (in diesem Fall den
Kindermord). Wenn es ein Tabu gab, konnte das nur bedeuten, dass
tatsächlich ein Problem bestand.«
Worin
es sich zeigt, erfährt man auch: »Im Laufe jener Jahre waren in
Florida die ersten childfree zones eingeführt worden, luxuriöse
Anwesen für Menschen um die Dreißig ohne Komplexe. Zum ersten Mal
erklärten junge Leute öffentlich, dass sie nicht den Wunsch hatten,
den Ärger und die Last, die mit dem Großziehen von Sprößlingen
verbunden war, zu ertragen.« Houellebecq ist überzeugt, dass die
Entwicklungen, die er beschreibt, tatsächlich stattfinden werden.
»Also muss man darüber sprechen.«".
Gleichzeitig
zeigt das Beispiel HOUELLEBECQs Dilemma: er ist auf seinem
katholischen Auge blind.
Statt
nach Florida, sollte nach Rom geschaut werden. Dort existiert die
erste kinderfreie Weltmacht...
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
GEBHARDT, Richard (2005): Alles, was rechts ist.
Der Verfassungsrichter Udo Di Fabio entscheidet mit über die
Zulässigkeit der Neuwahlen. Er ist eine wichtige Figur des neuen
Konservatismus
in: Jungle World Nr.34 v. 24.08.
- Inhalt:
Für GEBHARDT ist Udo Di Fabio ("Kultur
der Freiheit") ein Peter HAHNE für die gebildeten Stände:
"Sein
sozialwissenschaftliches Denken wurde entscheidend vom
Systemtheoretiker Niklas Luhmann geprägt, der auch seine zweite
Dissertation betreute. Wirft man jedoch einen genauen Blick in sein
hoch gelobtes Buch über die geistigen Fundamente der »Freiheit«,
entdeckt man nicht nur den Einfluss Luhmanns. Passagenweise
verdichtet sich der Eindruck, es handle sich beim Feldzug des
Karlsruher Richters gegen die Geißel einer »hedonistischen
Freizeitgesellschaft« um die akademische Variante des
Bestsellers über das »Ende der Spaßgesellschaft«, den Peter
Hahne vom ZDF verfasst hat."
|
|
| |
|
-
SUNDERMEIER, Jörg (2005): Das coole Wissen.
Vor 25 Jahren wurde die Spex gegründet. Sie gab vor, was man
kaufen, hören, lesen musste,
in: Jungle World Nr.34 v. 24.08.
- Kommentar:
Jörg SUNDERMEIER erzählt von der
Zeit als die 78er noch hip waren, aber es noch keiner wußte, weil
sie sich in ihrer Spex-Nische verkrochen hatten.
Heute
dagegen kennt jeder die 78er, aber keiner will dazugehören.
Wir
Lifestyle-Linke, was waren wir doch für hippe Jungs, wir hatten das
coole Wissen und die anderen nur die Macht.
So
könnte man diese Früher war alles besser-Jammeriade zusammenfassen,
in der SUNDERMEIER noch einmal das - inzwischen vergreisende -
Personal jener Jahre Revue passieren lässt:
"Die
Spex (...) redete immer von dem mordsseltenen Zeug, das man sich
besorgen musste via Zickzack-Mailorder, das man auf Kurzurlauben in den Städten
kaufen musste, redete von aufregenden Konzerten, die in Siegen,
Konstanz, Bielefeld und Krefeld nie stattfanden, redete aufgeregt
von Dingen, die es ausschließlich in New York, Tokio oder wenigstens
Antwerpen gab.
Bücher
des März-Verlages wurden empfohlen, die man nur in sehr guten
Antiquariaten fand, Kataloge, die sich niemand leisten konnte,
wurden zur Pflichtlektüre erklärt. Arschlöcher halt, Söhne und
Töchter just jener verhassten SPD-Lehrer, Leute, die das dicke
Taschengeld hatten und irgendwie den Riecher für das, was dann bald
schwer angesagt, man sagte damals: »wichtig« wurde.
Das
war das coole Wissen. In der Spex-Redaktion machte man mit
Rainald Goetz, dem verrückten Mediziner aus München, rum, der
damals gerade bei Suhrkamp debütierte, mit
Martin Kippenberger, der ein bisschen im SO36 aufgetreten war
und danach genialisch-betrunken durch die Welt jettete, in der
Spex-Redaktion war man mit den Musikerinnen und Musikern bekannt bis
verwandt, mit den Labels verschwägert.
Im Verlag Kiepenheuer & Witsch, der einige Jahre zuvor das Wort Pop
nicht einmal denken konnte, produzierte man merkwürdige,
hochnervöse, zeitgemäße Bücher, die alle lesen mussten, auch
diejenigen, die die Spex-Redaktion und ihre Zeitschrift abgrundtief
hassten.
(...).
Damals stand in der Zeitschrift, was wir alle ein paar Monate später
kaufen mussten, (...) und die Ausgabe, in der erstmals eine
geschäftstüchtige Discoqueen aus New York auftauchte, die man
ein paar Monate später verzweifelt zu ignorieren versuchte, (...)
wurde in der Spalte, in der man alte Ausgaben bestellen konnte,
immer beworben mit dem Satz: »First appearance in der Weltpresse«.
(...).
Cooles
Wissen funktionierte immer über Codes, und Spex war die Zeitschrift,
die das Wissen und die Codes vermittelte. Man glaubte ihr. In der
konkret beschäftigte man Diederichsen einige Zeit als Popsachverständigen, die taz fragte
mal schüchtern nach Beiträgen. Nach getaner Arbeit ließ sich die
Redaktion dann gern im Kölner »Sixpack« anhimmeln (...). In dieser
Zeit, die spätestens 1995 endgültig vorbei war, war die Spex etwas
Besonderes (...).
Es
war die Zeit (...), in der alle aus einer Clique dieselben Magazine
und Zeitungen lasen, in der es
in den tollen Cafés zum guten Ton
gehörte, dass Süddeutsche und Kicker, Vogue, UZ und Spex rumlagen."
Aber
nun ist alles anders. Man ist so wehleidig wie der neue Michel
HOUELLEBECQ und die wahlweise neue Unregierbarkeit bzw.
Unübersichtlichkeit der
Szenen hat von der hippen
Lifestyle-Linke
nur noch das Onkelhafte übrig
gelassen.
Das
Dilemma dieser zurückgebliebenen Generation liest sich dann so:
"Wenn
sich (...) eine Generation oder Szene nicht mehr darauf einigen
kann, wogegen man sich eigentich wehren muss, kann man sein Publikum
weder provozieren noch schockieren, kann es weder führen noch
abstoßen."
|
|
| |
|
-
BLOME, Nikolaus/WOLBER, Cornelia/MÖLLER, Johann-Michael (2005): "Ich
habe noch viel im Köcher".
Paul Kirchhof hält an seinem radikalen Steuermodell fest - und will
noch viel mehr. Ein Gespräch über Familie, die Freiheit der Bürger,
den Rückzug des Staates und die Zukunft der
"Steuergestaltungskünstler",
in: Welt v. 24.08.
- Kommentar:
Paul KIRCHHOF findet das Elternwahlrecht
erwägenswert, das Kinderlose zu Menschen zweiter Klasse degradiert.
Dass
aber Großeltern, Ur- und Ururgroßeltern in Zukunft zur Mehrheit der
Kinderlosen in Deutschland werden, das
bringt KIRCHHOF in
Erklärungszwang.
Single-dasein.de
hat des Öfteren darauf hingewiesen, dass Familienfundamentalisten
wie KIRCHHOF die Familienmehrheit dadurch zur Minderheit
stilisieren, dass sie Eltern per Definition zu Kinderlosen machen:
"DIE
WELT: Kein Wunder, wenn, wie gesagt, diejenigen in der
Demokratie die Mehrheit haben, für die die Zukunft keine
entscheidende Rolle spielt, weil sie ihr Leben zum großen Teil schon
gelebt haben. Ist das Kinderwahlrecht für Sie eine Option, um den
Familien mit Kindern mehr Macht zu geben?
Kirchhof:
Großeltern sind durchaus an der Zukunft ihrer Enkel
interessiert. Grundsätzlich wäre ein Kinderwahlrecht erwägenswert.
Das setzt aber eine Verfassungsänderung voraus."
|
|
| |
|
-
GÖRKE, André/LEHMANN, Armin/NANNEN, Stephanie (2005): "Es wird keine
Debatte über die Zukunft des Landes geführt".
Muss früher aufstehen, wer Deutschland verändern will? Ein Gespräch
über die Chancen der Jungen und die Fehler der Alten,
in: Tagesspiegel v. 24.08.
- Kommentar:
Philipp MIßFELDER (Junge Union) und
Björn BÖHNING (Juso) posieren als pragmatische
Generation Zuversicht
(Stern), die vom
Generationenkampf nichts wissen will:
"Ihr
Handlungsspielraum wird eingeschränkt, weil mehr Alte über weniger
Junge entscheiden. Was folgt daraus?
BÖHNING:
Erstens, keinen Generationenkrieg provozieren, zweitens, unsere
Positionen trotzdem lautstark vortragen. Es gibt doch viel größere
Konflikte zwischen denen, die ausgegrenzt werden und denen, die
genug haben. Es ist leider nach wie vor wahr: Die Grenze verläuft
nicht zwischen den Generationen, sondern zwischen Arm und Reich.
MISSFELDER:
Den Generationenkonflikt schüren doch in erster Linie die
Meinungsmacher, die den Parteien sagen, ihr müsst euch um die Alten
kümmern, weil die eher wählen gehen."
|
|
| |
|
[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom
18. - 23. August 2005
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die
Inhalte externer Internetseiten
|
|
| |
|
|
|
| |
|
[ Glossar ] [
Suche ] [ Homepage ] |
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|