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News vom 27. - 31. August

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

Den Deutschen fehlt die Gelassenheit in Sachen demografischer Wandel

"Fehlprognose nach Fehlprognose hinderte Demographen und andere Publizisten nicht daran, die Katastrophe an die Wand zu malen. Für fünf bis 20 Jahre kann man sinnvolle Prognosen stellen, auf Generationen voraus aber sagen sie seit je den Untergang vorher - denn nur durch die Wahl »möglichst weite[r] Zeiträume für statistische Berechnungen [kann] die konstatierte Bedeutungsschwere der Bevölkerungsentwicklung überhaupt publikumswirksam« dargestellt werden.
             Noch im Jahre 2005 wiederholen die deutschen Medien unverdrossen die alten Schreckensmeldungen - »Kontinent ohne Kinder«, »Land ohne Kinder«, »Land der Greise«, »Den Deutschen fehlt der Wunsch zum Kind«, »Lieber kinderlos als arbeitslos«, »Die kinderarme Gesellschaft« - wie ein Mantra.

aus: Thomas Etzemüller (2007, S.147) - Weltuntergang
             (...).
Ja, wie soll man eigentlich nicht in allertiefste Lebensangst verfallen, wenn Deutschlands Publizisten sich zu derart schrillen Geißelungszügen durch die Republik aufmachen? Sie vereinnahmen jedes Problem, jede Veränderung.

             (...).
Wie erleichternd ist es da, schwedische Tageszeitungen zu lesen. Dank Viggo und Jakob und Elisa wächst die Bevölkerung. Ausländer gehören dazu, man muß sie nur zu integrieren. Immer wieder gibt es einen baby boom, in den 1960ern, 1990ern und just nach der Jahrtausendwende. Junge Akademikerpaare ziehen in die Großstadt, heiraten nicht, arbeiten beide und bekommen trotzdem Kinder, oft mehr als zwei. Die drohende Flut der Alten? Ein Mythos, schreibt der Chefökonom des Arbeitgeberverbandes (...). Die Alten lebten länger und seien gesünder als früher, man müsse sie nur ins Arbeitsleben integrieren, jeden nach seinem Vermögen. Ohnehin habe die Kategorie des Alters etwas Willkürliches, deshalb könne man sie auch neu definieren. (...). Natürlich ist nicht alles eitel Sonnenschein. (...). Die schwedische Geburtenrate ist die niedrigste in Nordeuropa, so etwas wurmt. (...). Aber (...) die Gelassenheit, mit der etwas als Problem beschrieben wird, wenn es wirklich ein Problem aufgefasst wird, um es dann zu lösen, sollte man auch in Deutschland etwas mehr pflegen."
(aus: Thomas Etzemüller "Ein ewigwährender Untergang" (2007, S.146ff.)

 
       
       
     
   
  • NIEJAHR, Elisabeth (2007): Der wahre Altersunterschied.
    Heute geht es den meisten Rentnern gut. Aber die Altersarmut wird zunehmen, weil viele Bürger nicht in der Sozialversicherung sind,
    in:
    Die ZEIT Nr.36 v. 30.08.
  • HEUSINGER, Robert von (2007): Weniger für die Bank.
    Die deutschen Finanzinstitute verdienen viel Geld an der privaten Altersvorsorge ihrer Kunden. Der Mannheimer Professor Martin Weber hat einen Reformvorschlag,
    in:
    Die ZEIT Nr.36 v. 30.08.
    • Inhalt:
      Zeit: Sie fordern den Staat auf, gemeinsam mit der Finanzindustrie einen kostengünstigen Fonds anzubieten?

                  Weber: Das ist der liberale Paternalismus. Jeder Bürger darf das Produkt wählen, das er für richtig hält, und er darf auch auf gut gemachte Werbung hereinfallen. Aber der Staat muss dafür sorgen, dass es als Alternative einen solchen Günstig-Fonds gibt. Es kann doch nicht sein, dass der Staat die Finanzierung der Altersvorsorge seiner Bürger privatisiert, die Gewinne daraus aber Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften zuschanzt. Die Gewinne gehören den Bürgern!
 
   
  • ASSHEUER, Thomas (2007): Die Dunkelseher.
    Ob Stefan George oder Oswald Spengler: Intellektuelle Untergangspropheten haben Konjunktur. Was macht sie so faszinierend?
    in:
    Die ZEIT Nr.36 v. 30.08.
    • Inhalt:
      Thomas ASSHEUER huldigt erschaudernd Oswald SPENGLER:

                  "Spengler schrieb so fiebernd und suggestiv, so süchtig nach Blut, Opfer und Untergang, als habe ihn das Unheil persönlich in die Welt geschickt".
                  ASSHEUER sucht nach Parallelen, warum SPENGLER noch heutzutage die diversen Demografische Niedergangsszenarien antreibt:
                  "Vieles spricht dafür, dass der »Übergang von einer westlichen zu einer asiatischen Wirtschaft« (Hobsbawm), also die rasante Karriere Chinas, ähnliche Ängste auslöst wie für Spengler der Aufstieg Japans."
                  Zuletzt verbindet ASSEUER diese Ängste mit dem aktuellen Merkur-Sonderheft, in dem der fehlende Wille zur Macht beklagt wird:
                  "In der einst ruhmreichen Zeitschrift Merkur hat ein irrlichternder Zeitgenosse gerade noch einmal den Untergang des Abendlandes inhaliert und spenglert nun enthemmt vor sich hin. Mit Spenglers »Tatsachenblick« schaut Uwe Simon auf die deutsche Sozialstaatsdekadenz und fragt sich an jeder Kebab-Bude, ob die Demokratie in der Stunde der chinesisch-islamischen Gefahr noch die richtige Staatsform ist. »Kann unsere Methode der politischen Willensbildung das leisten?« Die Antwort der kleinen Spengler klingt so wie immer, und sie lässt schaudern: Vermutlich nicht." 
 
   
  • SCHOTT, Oliver (2007): Dem Leben Schönes schenken.
    Warum ist heute die Monogamie auch im linken Milieu die gängige Form der Liebesbeziehung? Ist es nicht fortschrittlicher, in puncto Freundschaft und Sexualität einen verantwortungsbewussten Hedonismus zu pflegen? Was an konformistischen und romantischen Beziehungsmodellen abzulehnen ist, warum Eifersucht dumm ist, welche Vorteile das »Fremdgehen« haben kann und wie wir dabei zu besseren Menschen werden,
    in:
    Jungle World Nr.35 v. 30.08.
 
     
   
  • NIKOLOW, Rita (2007): Einbußen durch Abwanderung und Geburtendefizit,
    in:
    Tagesspiegel v. 30.08.
    • Inhalt:
      "
      Sachsen-Anhalts Bevölkerung schrumpft: Seit 1990 ist die Zahl der Einwohner von 2,9 Millionen auf weniger als 2,4 Millionen gesunken", berichtet NIKOLOW.
 
   
  • SCHMITT, Cosima (2007): Bund bringt Licht in die Kitas.
    Kompromiss im Kita-Streit: Der Bund wird sich stärker an den laufenden Kosten beteiligen, indem er den Ländern mehr von der Umsatzsteuer abgibt,
    in:
    TAZ v. 29.08.
  • BACHMANN, Andreas (2007): "Skeptisch bei 750.000 neuen Plätzen".
    Die Kita-Betreiber bezweifeln, dass mit dem Kompromiss zwischen Bund und Ländern das Angebot besser wird - Interview mit Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband,
    in:
    TAZ v. 29.08.
  • MONATH, Hans (2007): "Erfreulicher Tag" für Eltern und Kinder.
    Familienministerin von der Leyen feiert mit einem Freudensprung die Einigung über die Finanzierung des Krippenausbaus,
    in:
    Tagesspiegel v. 29.08.
  • GASEROW, Vera (2007): Kinderkrippen.
    Weg für den Ausbau ist frei,
    in: Frankfurter Rundschau v. 29.08.
 
   
  • JANOSITZ, Paul (2007): Fast ewig.
    Die Lebenserwartung in Deutschland ist erneut gestiegen. Wie alt kann der Mensch noch werden?
    in:
    Tagesspiegel v. 29.08.
    • Inhalt:
      "
      In Deutschland haben Jungen inzwischen gute Chancen, 76,6 Jahre alt zu werden. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Bundesamts. Mädchen kommen auf 82,1 Jahre. Jede zweite Frau wird zurzeit 85 Jahre alt; die Hälfte der Männer erlebt noch den 79. Geburtstag. Bei einem ungebrochenen Trend würde die menschliche Lebenszeit bis Ende des Jahrhunderts um weitere 23 Jahre steigen", berichtet JANOSITZ.
 
     
   
  • EVERTS, Lotte & Felix PETERSEN (2007): Rechtschaffen müde.
    Die digitale Bohème aus der Sicht der Generation Praktikum,
    in: Berliner
    Zeitung v. 28.08.
    • Inhalt:
      "
      Der Verteidigungsversuch eines »linken Neoliberalismus« ging deswegen gründlich schief. Schnell wurde deutlich, dass es über den Wunsch der Rechtfertigung hinaus keinen Grund für die Veranstalter gab, sich selbst als politische Interessengruppe zu titulieren. Denn niemandem wäre konkret damit geholfen, wenn es Friebe gelänge, »links« und »neoliberal« auf seiner eigenen Fahne mit einem Bindestrich zu versehen, solange die unter links aufgezählten Werte, wie Solidarität, Selbstverwirklichung, Selbstbestimmung und gerechte Verteilung des Privateigentums nur für die bereits erfolgreichen Mitglieder der Digitalen Bohème gelten.
                  Statt Phrasendrescherei und Name-Dropping hätte man gern darüber gesprochen, wie ein von bereichernder Arbeit erfülltes Leben erst erreichbar wird. So aber erschien es geradezu als Provokation, den Habitus einer Szene vorgeführt zu bekommen, die sich damit beschäftigt, Labels für ihren Lebensstil zu designen - und aus der Diskussionsveranstaltung wurde eine aufgeblasene Werbekampagne, die das politische Desinteresse der digitalen Bohème nur mäßig verdeckte", kritisieren Lotte EVERTS & Felix PETERSEN.
 
     
   
  • ERB, Nadja (2007): Die Kinder-Reichen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 28.08.
 
   
  • Kongress 9to5 - Wir nennen es Arbeit

    • DÜCKERS, Tanja & Anton LANDGRAF (2007): Schöne neue Arbeitswelt,
      in: Frankfurter Rundschau v. 27.08.
      • Inhalt:
        "
        Die Organisatoren verstehen es gut, alte Begriffe lediglich mit neuen, hippen Namen zu belegen. Aus Freiberuflern wird die »digitale Bohème«, ein Kongress nennt sich lässigerweise »Festival-Camp« und das, was man zu Zeiten des Tunix-Kongresses ganz dröge, aber treffend »Realpolitik« genannt hat, nennt sich nun »linker Neoliberalismus«.
                    So lange auf dem Festival konkrete Projekte angeboten werden wie Informationen über Copy-Right, wenn Überlegungen zur Vereinfachung der Steuererklärung angestellt oder vorgeführt wird, wie ein Song an einem einzigen Tag geschrieben, umgesetzt, vermarktet und abends im Radio gespielt werden kann, funktioniert das Festival als Ort der Vernetzung von Menschen und Informationen.
                    Sobald man sich aber am großen Überbau versucht, kommt nicht viel Neues oder Kluges heraus", kritisieren Tanja DÜCKERS und Anton LANDGRAF.
 
   
  • Die digitale Bohème: Links und neoliberal

    • BISKY, Jens (2007): Arbeit tötet.
      Eine Branchenmesse für Menschen, die Branchenmessen verabscheuen: Die digitale Bohème diskutiert in Berlin über ihre Zukunft: Ist Arbeit ohne Festanstellung besser als Sex?
      in: Süddeutsche
      Zeitung v. 27.08.
    • MATZIG, Gerhard (2007): Ich mache was mit Medien.
      Eine neue Gesellschaftsklasse, die "digitale Bohème", will das Erbe von Kunst, Kultur und Intellekt antreten - aber die "Kreativen" verwechseln Geist und Ökonomie,
      in: Süddeutsche
      Zeitung v. 27.08.
 
   
  • RATHENOW, Lutz (2007): Leben und trinken in der Trostlosigkeit.
    Der Osten zerfällt: In den Städten herrscht der Erfolg, in der Provinz dagegen jugendlicher Stumpfsinn,
    in:
    Tagesspiegel v. 27.08.
 
     
     
   

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Zu den News vom   17. - 25. August 2007

 
       
   
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