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Medienrundschau:
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News vom
26. - 31. Dezember
2004
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Zitat
des Monats:
"Herbert
behauptet stock und steif, er sei Single. Dabei lebt er seit
über zehn Jahren mit seiner Freundin Angelika zusammen. Unsere
Gespräche darüber verlaufen stets nach dem gleich Strickmuster:
»Herbert, sieh es einfach ein. Du bist kein Single«
»Natürlich bin ich das. Genau wie du«
»Und was ist mit Angelika?«
»Was soll mit ihr sein?«
»Ihr wohnt seit zehn Jahren in einer Wohnung«
»Na und? Wir haben eine WG. Um genau zu sein, eine Zweier-WG.«
»Natürlich. Und die Tatsache, dass ihr miteinander schlaft, hat
wohl auch nichts zu sagen?!«
»Genau. Wir haben Sex miteinander. Deswegen ist man doch in
keiner Beziehung. Das müsstest du doch am besten wissen.«
»Ich habe aber nicht seit zehn Jahren Sex mit derselben Frau.«
»Zufall. Es ergibt sich halt so, wenn man zusammenwohnt.«
(aus:
Daniel Bielenstein "Die Frau fürs Leben", 2004, S.32f.) |
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GSELLA, Thomas (2004): Papier - Computer 0:3,
in: TAZ v. 31.12.
- Kommentar:
In der Zeitungs-Rettungsaktion "Erlesenes
erhalten" dichtet GSELLA u.a. über das "Versagen männlicher Singles
im Café":
"Wenn sie morgens ganz allein
erwachen,
laufen sie so schnell es geht hinaus.
Im Café umringt sies helle Lachen
jener, die nachtnächtlich Liebe machen,
und die Frauen sehn wie Wunder aus.
Und die Singles sind allein am Tische,
furchtbar stumm und schrecklich ungestört.
Doch da zwängt sich stumm in eine Nische
nah am Fenster eine neue Ische,
die ersichtlich niemandem gehört.
Stunden sitzt sie, in der FAZ vergraben,
und nur manchmal geht ihr Blick dorthin,
wo die Frauen gute Männer haben.
Und dann träumt sie von den Herzensgaben
aus Juwelen, Gold und Hermelin.
Stunden liest sie, und aus Augenwinkeln
wirft sie Angeln in den Singlekreis.
Keiner schnappt. Da fängt sie an zu trinkeln.
Alle zehn Minuten muß sie pinkeln -
"Ober, nochn Gin! Was soll der Scheiß?"
Stunden kippt sie, ihre Lider senken
sich in Singles, die verschwimmen ganz,
als sie schreit: "Euch Grufties soll man henken!
Ihr Versager! Mich derart zu kränken!
Warum habt ihr Wichser einen Schwanz?"
Und so weiter … kaum zu glauben! Schlimm!
Wer die FAZ liest, hat halt kein Benimm.
Die Lyrik von GSELLA fasst
zusammen, was
Iris HANIKAs Prosa über das
weibliche Single-Dasein schon immer wusste.
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HORX, Matthias & Oona HORX (2004): Das große Liebesabenteuer.
Im Zeitalter von Internet und
Globalisierung entwickelt sich eine neue "Großindustrie" der
Partnersuche,
in: Frankfurter Rundschau v. 31.12.
- Kommentar:
Die Partnersuche ist spätestens seit Beginn der Single-Hysterie
Anfang der 90er Jahre Mittelpunkt der Single-Industrie.
Das Internet schafft hier
keine neue Großindustrie, sondern verändert nur die Formen der
Partnersuche. Alte Formen müssen sich anpassen oder werden durch
virtuelle oder modernisierte Angebote verdrängt.
Was die Autoren hier als
Trend 2005 propagieren, war zudem bereits 2004 in aller Munde
(Online-Partnersuche als Killer-Applikation).
Einigermaßen neu ist
nur, dass seit dem Erfolg von Michel HOUELLEBECQ endlich der
Single-Mann in den Mittelpunkt rückt.
Auch wenn die allzu sehr
vereinfachende These vom männlichen "Frust-Single" genauso daneben
liegt wie die bisherige Fokussierung auf die weibliche Karrierefrau
à la "Sex and the City", so wird damit zumindest der Tatsache
Rechnung getragen, dass das Alleinleben im mittleren Lebensalter
nicht weiblich, sondern männlich ist.
Weshalb sich dieser bekannte
Fakt über ein Jahrzehnt medial nicht widerspiegelte, das wäre eine
spannende Frage, die jedoch noch keiner stellen will.
Liebe als unsere neue
Religion gehört ebenfalls seit dem "ganz normalen Chaos der Liebe"
zum individualisierungstheoretischen Gemeinplatz.
Die Trendforschung
greift inzwischen eben gerne in die eigene Mottenkiste, wie bereits
das österreichische
Magazin PROFIL feststellte.
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MISIK, Robert (2004): Rebellen, die wissen, was sie tun.
Merkwürdiges 2004: Erst stand
die Band Wir sind Helden an der Spitze der Charts, am Ende wurde der
Film "Die fetten Jahre sind vorbei" zum Kinohit. Doch nicht nur diese
Ereignisse markieren die Rückkehr der Gesellschaftskritik ins Herz der
Popkultur,
in: TAZ v. 31.12.
- Inhalt:
MISIK beschäftigt sich mit der Mode einer
entpolitisierten Gesellschaftskritik:
"Von
der Idee, Protestpop könnte der Soundtrack zum Umbruch sein, sind
wir längst geheilt".
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RUTSCHKY, Michael (2004): Die Ungeheuer aus dem Es.
Immer vom Schlimmsten
auszugehen - besonders bei persönlichen Zukunftsprognosen - ermöglicht
eine umfassende Weltkontrolle. Oder? Gedanken über Pessimismus,
Psychoanalyse, Staat und Schicksalsergebenheit,
in: TAZ v. 31.12.
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- PIPER, Nikolaus (2004): Eine Antwort
auf Sinn,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.12.
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NZZ-Zeitfragen
- HOF (2004): Wie Reisende am Tische,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 31.12.
- HOF (2004): Über das Essen spricht
man nicht.
Vom Esszimmer ins Restaurant - die Geschichte der Dinner Party,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 31.12.
- SCHENKEL, Ronald (2004): Die
ungesellige Gemütlichkeit.
Über die Schwierigkeiten, es sich gemütlich zum machen,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 31.12.
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- ZEIT (2004): Wie demütigend ist die
Bundeswehr?
Gespräch mit Sven Regener,
in: Die ZEIT Nr.1 v. 30.12.
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- WAGNER, Richard (2004): Junge Mitte.
Über die jüngste
Geschäftstüchtigkeit des Ich als Arbeitgeber und unternehmerischer
Sinnstifter in den Zeiten des entpolitisierten Lifestyles - eine
Polemik,
in: Frankfurter Rundschau v. 30.12.
- Inhalt.
Richard WAGNER liefert einen der inzwischen
populär gewordenen Abgesänge auf die 68er-Generation:
"Den
gesellschaftlichen Mainstream beherrschen, jenseits von behauptetem
Generationenbruch und Methusalemmuster, seit einiger Zeit die
Dreißig- bis Fünfzigjährigen. Daran ändert auch die scheinbare
Diskurshoheit der Achtundsechziger nicht viel. Ihre rhetorische
Macht kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ihr letzter
Auftritt ist, und dass dieser letzte Auftritt eher einer politischen
Selbstexekution gleichkommt. (..).
Wer die politische Klasse anführt, gibt in der Gesellschaft längst
nicht mehr den Ton an. (...). Wenn jetzt die Dreißig- bis
Fünfzigjährigen die Mitte der Gesellschaft besetzen, ist diese Mitte
trotz aller Gegenbeteuerungen unpolitisch eingerichtet."
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- ROLL, Evelyn (2004): Die große
Sex-Lüge.
Geschrieben und geredet wurde über Sexualität noch nie so viel wie
heute. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Fast die Hälfte aller Paare
ist völlig entsext,
in: Forecast 2005. Beilage der Süddeutschen Zeitung v. 29.12.
- Kommentar:
Evelyn ROLL zitiert nochmals die kulturkritischen
Statements von Alt-68ern wie Günter AMENDT und Volkmar SIGUSCH zum
Thema "oversexed and underfucked", die seit der Jahrtausendwende die
Demografiedebatte sexualpolitisch korrekt unterfüttern.
- SCHENZ, Viola (2004): Born to be wild -
dank Bypass und Biopillen.
Die Baby Boomer, die geburtenstarken Jahrgänge der
Nachkriegsgeneration, weigern sich beharrlich, von der Harley
abzusteigen und Jüngeren as Rebellieren zu überlassen.
in: Forecast 2005. Beilage der Süddeutschen Zeitung v. 29.12.
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- BARTFELD, Sina (2004): Körpersprache
siegt über Schönheit.
WELT-Serie (3) über die Liebe: Beim Flirt entscheiden die ersten
Minuten über Sympathie oder Desinteresse,
in: Welt v. 28.12.
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- BÄUERLEIN, Theresa & Friederike
KNÜPLING (2004): Ich heirate keine Familie.
Kein Kind mehr sein und auch keins haben: Wo sind wir eigentlich zu
Hause?
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.12.
- Inhalt:
BÄUERLEIN & KNÜPLING finden es ungerecht, dass
sie
im Zeitalter der Demografiepolitik erwachsen
werden müssen:
"Nun ist es nicht erst seit
gestern so, dass die Jungen erst mal gescheit erwachsen werden
wollen, bevor sie Kinder kriegen. Aber wir sind die ersten, die die
volle Breitseite der Folgen spüren werden, nicht nur privat, sondern
auch gesellschaftlich."
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- RIEK, Anna (2004): Immer wachsam.
Elisabeth Niejahr sucht nach Perspektiven fürs zunehmende Alter,
in: Frankfurter Rundschau v. 27.12.
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Zu den News
vom 21. - 25. Dezember 2004
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