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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 22. - 28. Februar 2005

 
 
     
     
     
 
   
Zitat des Monats:
"Mit (...) spitzen Fingern sollte die Angabe »ein Drittel aller Frauen bleibt kinderlos« angefasst werden, die seit der jüngsten Allensbach-Umfrage (taz, 12. 1. 2005) wieder kursiert. Hier sind die Wiesbadener Schätzer auch schon vorsichtiger geworden. Im jüngsten Bevölkerungsbericht heißt es etwa: »Die um 1965 geborenen Frauen werden zu ca. 20 Prozent kinderlos bleiben.« Das ist ein Fünftel."
(Ulrike Winkelmann in der taz vom  21.01.2005)
 
 
 
SPIEGEL -Titelgeschichte: Evas Männer (Adams Frauen).
Die Biologie der Partnersuche
  • BETHGE, Philip (2005): Der liebende Affe.
    Forscher entschlüsseln die Biologie der Liebe: Partnerwahl, Seitensprung und Eifersucht erklären sie aus dem Diktat der Hormone. Für die Ehe sind Männer wie Frauen nicht geschaffen. Kehrt der Mensch zu den stammesgeschichtlichen Wurzeln zurück? Heißt das Zukunftsmodell Treue auf Zeit?
    in: Spiegel Nr.9 v. 28.02.
    • Kommentar:
      Die biologistische Weltsicht reduziert den Menschen auf seine Fortpflanzung, weswegen in dieser Sicht auf die Partnerwahl nicht die Partnerschaft, der Elternschaft untertan ist.

            
        Die kulturelle Entkopplung von Partnerschaft und Elternschaft hat in diesem vormodernen Denksystem also keinen Platz.
            
        Der SPIEGEL predigt in guter neoliberaler Manier das egoistische Gen:
            
        "Das einzige Ziel des ganzen Wahnsinns: die eigenen Gene in die nächste Generation zu befördern".
            
        Der zweite Glaubenssatz heißt: "Es liegt in der Natur des Menschen, nur so lange mit einem Partner zusammen zu bleiben, bis ein gemeinsames Kind aus dem Gröbsten raus ist".
            
        Eine andere evolutionsbiologische Sicht auf die Partnerwahl, die - politisch unkorrekt - auch Kinderlosigkeit berücksichtigt, bietet dagegen Andreas HEJJ.
            
        Beim SPIEGEL herrscht Gleichberechtigung (Das Cover gibt es deshalb gleich in zwei Ausführungen): Die Anthropologin Helen FISHER darf die weibliche Sicht vertreten und der Evolutionsbiologe David BUSS vertritt die männliche Sicht.
            
        Die Ehe wird als Produkt der Demokratie  beschrieben, die im Grunde wider die Natur ist:
            
        "»Monogamie ist eine Folge der Gleichberechtigung unter Männern«, bilanzieren Barash und Lipton. Ein bislang »wenig anerkanntes« Beispiel des »Triumphs der Demokratisierung« sei die Einehe, bei der »noch der Erfolgloseste Chancen auf eine Partnerin« habe."
            
        Der männliche Pöbel wurde in dieser patriarchalen Sicht also durch eine Ehefrau besänftigt.
            
        Michel HOUELLEBECQ beklagt in seinen Romanen, dass der Neoliberalismus dieses System zerstört hat.
            
        BETHGE behauptet nun, dass dieser männliche Waffenstillstand inzwischen obsolet ist:
            
        "Frauen taugen nicht mehr zum willfährigen Handelsgut maskuliner Allmacht. Eigene Jobs machen sie unabhängig vom Gegängel der Männer. Der alte Geschlechtervertrag ist damit aufgekündigt, die Christenformel »bis dass der Tod euch scheidet« obsolet."
            
        Wenn es nach Gerhard MATZIG geht, dann sind die Neocons gerade dabei diesen alten Geschlechtervertrag zu restaurieren.
            
        Das letzte Wort hat bei BETHGE nicht die Biologie, sondern die Sexualwissenschaft. Gunter SCHMIDT darf die Ergebnisse seiner Studie präsentieren.
            
        Nicht erwähnt wird im SPIEGEL jedoch, dass die Ergebnisse nicht für die katholische Bevölkerung (gilt als rückständig) und nicht für ländliche Gebiete repräsentativ sind, sondern nur für nicht-katholische urbane Zentren.
            
        SCHMIDT hält das Liebespaar auf Zeit (Günter BURKART) für das neue Modell.
            
        Paare sind in dieser Sicht Erlebnisteams. Serielle Monogamie gewährleistet dabei ein Optimum an Zufriedenheit in Partnerbeziehungen.
  • SPIEGEL (2005): "Der stärkste Trieb der Welt".
    Die US-Anthropologin Helen Fisher über die Hormone der Liebe, die Ehe mit Verfallsdatum und den Zusammenhang zwischen dem Gefühl der Verliebtheit und dem aufrechten Gang,
    in: Spiegel Nr.9 v. 28.02.
 
  • MATZIG, Gerhard (2005): Rollenspiele der All-Age-Gesellschaft.
    Frauen und Männer: Neueste Ermittlungen im Krisengebiet. Ehe, Kinder, Bausparvertrag: Die jungen "Neocons" sind die Antwort auf 50-jährige, die nicht erwachsen werden wollen,
    in: Süddeutsche Zeitung  v. 28.02.
    • Kommentar:
      "Die erschreckenden Studien wissen von immer mehr 25-jährigen Akademikerinnen, die ihren Platz am heimischen Herd und bei Aufzucht und Hege der lieben Kleinen sehen; die glauben, ihre ökonomische Unabhängigkeit auch deshalb ohne weiteres aufgeben zu können, weil ihre Generation in joblosen Zeiten wie diesen gar keine Freiheit mehr erwerben könne. Passend dazu wird von immer mehr 27-jährigen Männern erzählt, die sich in härtere Karrieren fügen, weil ihnen die Frauen zuhause »den Rücken frei halten«", behauptet Gerhard MATZIG.

            
        Vielleicht lässt sich hier noch der bescheidene Anfang eines neuen Topos von der Rückkehr des "Heimchen am Herd" zurück verfolgen.
            
        Die bürgerliche Neocon-Familie ist zuerst mit einem eher unverbindlich gehaltenen Manifest aus dem Jahr 1999 ins Feuilleton gelangt (single-dasein.de merkte dazu an: Heiraten wird zu einem Akt der Rebellion und zum Statussymbol der Neuen Mitte).
            
        Erst vom SPIEGEL nur proklamiert, dann von Joachim BESSING in Form eines Hilferufs eingefordert, und vor kurzem von Tissy BRUNS u.a. mit Verweis auf single-generation.de als Faktum beschrieben, wird die Neocon-Familie nun von MATZIG unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Studien quasi als selbst erfüllende Prophezeiung festgeschrieben.
            
        Wir werden wohl nicht lange auf die nächste Runde in diesem Kampf der Lebensstile warten müssen.
            
        Als Gründe für das Aufkommen der jungen Neocons nennt MATZIG zum einen die ökonomische Situation und zum anderen das Generationenspiel, in dem der Jugend nichts anderes als Distinktionsmöglichkeit übrig bleibt als das Spießertum des Neocons:
            
        "Wenn die Alten jung sind, mögen sich die Jungen zu Recht sagen, dann müssen wir eben alt sein. Gegen die behauptete Jugendlichkeit und künstliche Unkonventionalität helfen als einzig verbliebene Distinktionsmöglichkeit nur die behauptete Konventionalität und die künstliche Alterung."
            
        Claudius SEIDLs Buch "schöne junge welt", das gerade erschienen ist, gilt MATZIG als Beweis für das Vorhandensein von orientierungslosen 30- bis 50-Jährigen in einer entgrenzten All-Age-Gesellschaft.   
 
  • KREYE, Andrian (2005): Die leicht Verzweifelten.
    In den USA kehrt die Ironie zurück - als neue Ernsthaftigkeit,
    in: Süddeutsche Zeitung  v. 28.02.
    • Inhalt:
      Andrian KREYE erzählt die Story vom Kampf der Weltsichten: Ironie contra Postironie.

            
        Der Niedergang der Ironie begann demnach mit dem Eindringen in den gesellschaftlichen Mainstream, wodurch er für die Subkultur seine Subversivität verloren hat.
            
        Der Aufstieg der Postironiker beginnt für KREYE mit der "Generation X" und führt über Jedediah PURDY bis zur "Tristesse Royale" der Neocons.
            
        "Lange stand dem nur noch die humorlose Authentizität des Hip-Hop und die verbitterte Rechtschaffenheit der politischen Linken entgegen", seufzt KREYE.
            
        Das hat nun ein Ende: die Ironie hat neue Formen gefunden, verkündet KREYE
            
        "Jenseits des politischen Dampfhammerhumors von Michael Moore und Al Franken haben sich Prankstergruppen wie die Yes Men, die Billionaires for Bush und Reverend Billies Church of Stop Shopping aufgemacht, die Politik zu ironisieren. Das schwappt bis in die Seiten der New York Times, in der die Kolumnistin Mareen Dowd vorführt, wie man engagierte Ironie betreibt."
 
 
 
  • BAHR, Daniel (2005): Unfruchtbare Elite:
    Daniel Bahr vom FDP-Bundesvorstand machte mit der Bemerkung Furore, die Falschen kriegten die Kinder. Was meint er damit?
    in: Welt am Sonntag  v. 27.02.
    • Kommentar:
      Der FDP-Politiker BAHR instrumentalisiert das Down-Breeding-Argument, um Klientel-Politik für Besserverdienende durchzusetzen:

            
        "Über Bildungs- und Betreuungsgutscheine können wir ermöglichen, daß Eltern sich die passende Betreuungsform aussuchen - sei es im Kindergarten in kommunaler, freier oder privater Trägerschaft, bei der Tagesmutter oder im Betriebskindergarten. Aufwendungen für die Beschäftigung einer Kinderfrau, Haushaltshilfe et cetera im Privathaushalt müssen im Kalenderjahr bis zur Höhe von 12 000 Euro vom Gesamtbetrag der zu versteuernden Einkünfte abgezogen werden können."
            
        Als Rechtfertigung verweist BAHR auf die Haushaltsstatistik:
            
        "Von den 35- bis 39jährigen Frauen mit Hochschulabschluß leben in Westdeutschland 44,3 Prozent ohne Kinder. Von den gleichaltrigen Frauen mit Hauptschulabschluß bleiben lediglich 23 Prozent kinderlos."
            
        Die Haushaltsstatistik sagt jedoch nur bedingt etwas über die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen aus, und schon gar nichts sagt diese Statistik etwas darüber aus, ob diese Kinderlosen überhaupt die behaupteten Karrieren gemacht haben, die BAHR voraussetzt, wenn er großzügig steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten einfordert!
            
        Wo bleiben also hieb- und stichfeste Studien über das Kinderlosenproblem unserer Akademikerinnen?
 
 
 
  • HEINS, Gabriele (2005): "Kommt der Herr noch?".
    Immer noch sorgen wir für Verwirrung. Wir gehören einer unbekannten Art an, die im Stundenplan der Berufsschule fürs Gastgewerbe nicht vorkommt und die man deswegen gerne mal an den hintersten Tisch neben den Toiletten verbannt: allein essende Frauen im Restaurant,
    in: TAZ  v. 26.02.
    • Inhalt:
      HEINS, Redakteurin der Zeitschrift Feinschmecker, berichtet aus dem Leben einer Alleinesserin:

            
        "Wir Frauen sind eine Randgruppe und sollen es auch bleiben - so viel steht fest. Warum sonst werden wir vom Restaurantpersonal vorzugsweise an den kleinsten Tisch gesetzt, gern auch in die Nähe der Treppe oder der Toilettentür (ein Klassiker bei Londoner Kellnern!). Oder hinten links, genau in die Ecke des Restaurants, die außerhalb der Umlaufbahn der Kellner liegt. Auf keinen Fall aber ans Fenster oder auf der Terrasse in der ersten Reihe. Könnten ja noch Paare kommen, die sich einen schönen Abend machen wollen. Und die will man doch nicht verprellen.
      Beliebt ist auch der Tisch im Zentrum des Restaurants, denn so mitten in der Manege bieten wir Gesprächsstoff für all die Ehepaare, die schon alles voneinander wissen. Ein Menü mit zwei Amuse-gueules, Zwischengängen und Vordessert kann schließlich dauern. Und so verrenken sich andere Gäste die Hälse, drehen die Köpfe und tuscheln.
      "
 
  • RAUCH, Renate (2005): Die Termine müssen rollen,
    in: Berliner Zeitung  v. 26.02.
    • Inhalt:
      "Frau Maria Engel,40 Jahre alt, ledig, keine Kinder, arbeitslos, hat den Notruf missbraucht", beginnt RAUCH ihren Bericht über
      die Sucht nach Aufmerksamkeit für ein verkorkstes Leben.
 
  • WINKLER, Willi (2005): Die Deutsche Sorgenorgel.
    Über die neue Lust auf reine Verhältnisse. Und über den ZDF-Mann Peter Hahne, der diese Lust mit Erweckungs-Merchandising bedient,
    in: Süddeutsche Zeitung  v. 26.02.
    • Kommentar:
      Inhaltlich erfährt man wenig über das Buch "Schluss mit Lustig" von Peter HAHNE.

            
        Man erfährt aber, dass faz.net bei Sofortbestellung des Buches mit 100 Prämienpunkten winkt, obgleich das Buch in den Feuilletons der Frankfurter Allgemeine durchweg verrissen wurde!
            
        Willi WINKLER sieht ob des Erfolgs neokonservativer Bücher längst wieder den Geist der 50er Jahre durch die Republik wehen:
            
        "Diese wunderschönen fünfziger Jahre, machen wir uns nichts vor, sie sind wieder da. Evangelimann Hahne ist da nur einer von vielen Retro-Stars. Das erste Trostbüchlein für die von 68ern und Dosepfand Gequälten sind die »Manieren« von Asfa-Wossen Asserate geworden. Der Autor ist ein Prinz und auch noch schwarz, aber was seinen Erfolg noch exotischer macht, ist der Kulturtransfer, der ihm mit seinem Benimmbuch gelungen ist. Es basiert auf den Regeln, die Erica Pappritz in den Jahren der Adenauerei für den Auswärtigen Dienst zusammengestellt hat. Drei Exemplare dieses Buches gelangten seinerzeit an den äthiopischen Hof, an dem der Prinz einst aufwuchs. Prinzlich garniert wurden die Werte der Goldenen Fünfziger nun also nach Deutschland re-importiert. Wenn einem soviel Gutes wird beschert, fragt man sich schon, warum wir nicht wieder unsern Kaiser Wilhelm haben dürfen."
 
  • LÜTZOW, Gunnar (2005): Charme des Müßiggans.
    Zur Konjunktur der Faulheit,
    in: Frankfurter Rundschau  v. 26.02.
    • Inhalt:
      Gunnar LÜTZOW kann in Corinne MAIERs Bestseller "Die Entdeckung der Faulheit" nur Zynismus entdecken.

            
        Die Zeiten sind härter und Gruppen wie die "Glücklichen Arbeitslosen" sind genauso wenig weiterführend.
            
        Wie sieht also der neue Widerstand aus?
            
        "Die jüngste Formation prekärer Protestierer nennt sich nämlich »Die Überflüssigen«. Sie demonstrieren, besetzen Arbeitsämter und schauen auch schon mal uneingeladen in den Treffpunkten der neuen besseren Berliner Gesellschaft nach, wer denn eigentlich diejenigen sind, die in Talkshows und Kommissionen über die Forderungs- und Förderungswürdigkeit vermeintlich »Fauler« schwadronieren. Das ist ein gefährlicher und ziemlich dreckiger Job, aber irgendwer muss ihn ja machen."
            
        (Peter GLOTZ würde das als Werk der neuen Frühsozialisten einordnen.)
 
  • BIRG, Herwig (2005): 100 Jahre Geburtenrückgang.
    Grundkurs Demographie - Fünfte Lektion,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung  v. 26.02.
    • Kommentar:
      Für BIRG gibt es zwei Feindbilder, die einer Erhöhung der Geburtenrate in Deutschland im Weg stehen: zum einen die lebenslang kinderlose Frau (Es gibt nur eine amtliche Gebär- aber keine Zeugungsstatistik) und zum anderen die erwerbstätige Mutter.

            
        BIRGs Ideal ist deshalb die "deutsche Mutter" der Nazi-Generation:
            
        "Die hohen Kinderzahlen der um 1932 geborenen Eltern bildeten den »Nachkriegs-Babyboom« mit dem Geburtenmaximum von 1964 bei 1,36 Millionen Kindern. Da die Verhaltensweisen und Wertvorstellungen der um 1932 Geborenen teilweise in der Epoche vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs geprägt wurden, muß der Nachkriegs-Babyboom auch als ein Phänomen der Vorkriegsepoche interpretiert werden."
 
 
  • LENZEN-SCHULTE, Martina (2005): Wunschkind.de.
    Frauen unter Druck: Fluch und Segen der Reproduktionsmedizin,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung  v. 25.02.
    • Kommentar:
      LENZEN-SCHULTE gehört zu jenen, die mit zu hohen Zahlen bei der Kinderlosigkeit von Akademikerinnen argumentieren. Aus dieser Sicht gelangt sie dann zur gewünschten Fragestellung:

            
        "Drei Viertel derer, die ein Studium beginnen, wünschen sich ein Leben mit Kindern, nur sechs Prozent wollen keine Kinder, heißt es in einer Umfrage des Hochschul-Informationssystems aus dem Jahr 2002. Die Familienwissenschaftliche Forschungsstelle im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg weist indes nach, daß von den dreißig- bis neununddreißigjährigen Hochschulabsolventinnen 43 Prozent keine Kinder haben.
      Wer wissen will, auf welcher Strecke die Kinderwünsche dieser gutausgebildeten Klientel geblieben sind, findet ihre Spuren in Internetforen wie denen der "www.wunschkinder.net" wieder. Dort trauen sich verzweifelte Frauen, ihre Sehnsucht nach einem Kind zu offenbaren.
      (...). Fünfzehn bis zwanzig Prozent aller Paare in Deutschland sind nach Schätzungen von Medizinern ungewollt kinderlos. Längst nicht immer geht die Unfruchtbarkeit auf eine Erkrankung zurück, für manche der Betroffenen ist es schlicht biologisch zu spät. Mit zunehmendem Alter der Frau wird es immer schwieriger, ein Kind zu bekommen. Die Schnittmenge zwischen denen, die sich ihren Kinderwunsch im Laufe von Ausbildung und Berufsleben nicht erfüllt haben, und den ungewollt Kinderlosen sind exakt jene Frauen, die Christine Carl in ihrem Buch »Leben ohne Kinder - Wenn Frauen keine Mütter sein wollen« die »Aufschieberinnen« nennt. Sie haben den richtigen Zeitpunkt verpaßt. Die Frage, warum so viele Frauen sich gegen Kinder entscheiden, muß für einen Teil von ihnen lauten: Warum entscheiden sich viele Frauen erst dann für Kinder, wenn es meist schon zu spät ist?
      "
            
        LENZEN-SCHULTE sieht in der Unwissenheit über das Wesen des Kinderkriegens den Hauptgrund der zu hohen Kinderlosigkeit und plädiert deshalb für einen Paradigmenwechsel im  Aufklärungsunterricht:
            
        "Unwissenheit ist ein Grund. Wenn Mütter heute in einem Alter Kinder bekommen, in dem sie früher oft schon Großmutter waren, entsteht der Eindruck, jenseits der Fünfunddreißig könne man sich ebensogut noch für ein Kind entscheiden wie diesseits der Fünfundzwanzig. Weit gefehlt. Mehr als die Hälfte der reproduktiven Jahre sind dann bereits verschenkt, die verbleibende Zeit ist die am wenigsten fruchtbare. (...). Alle Aufklärungsbemühungen zielten bislang darauf ab, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Man muß aufpassen, daß man keine Kinder zur Unzeit bekommt, die kommen später von selbst, lautet infolgedessen eine ebenso weitverbreitete wie medizinisch naive Vorstellung. Dem will man jetzt Rechnung tragen und die Dinge so schnell wie möglich zurechtrücken. Im Projekt »Mädchen-Frauen-Meine Tage« zum Beispiel, das innerhalb der Initiative »Natürliche Fertilität« an der Universitätsfrauenklinik in Heidelberg angesiedelt ist, werden zehntausend Mädchen in Workshops über ihre Fruchtbarkeit informiert."
            
        In den USA hat der Kulturkampf gegen das Spätgebären bereits seit längerem eingesetzt.
            
        Mit Herwig BIRGs bevölkerungspolitischen Lektionen soll auch hierzulande der Boden für das vermehrte Frühgebären bereitet werden.
            
        Eine Nebenfolge dieser pronatalen Politik ist die rapide Zunahme von Teenager-Schwangerschaften.
            
        Im Forum des wunschkinder.net wird der FAZ-Artikel diskutiert.   
 
 
  • SCHULER, Thomas (2005): Rasender Stillstand.
    Nach Frank Schirrmacher hat nun auch FAS-Feuilletonchef Claudius Seidl über das Altern geschrieben,
    in: Berliner Zeitung  v. 24.02.
    • Kommentar:
      "
      Wer denken könnte, Seidl laufe mit dem neuen Buch den FAZ-Kollegen hinterher, dem fällt er gleich mit dem Hinweis ins Wort, er habe dazu schon lange vor Schirrmacher einen Artikel veröffentlicht. Nicht nur das. Immerhin hat er schon vor zehn Jahren als Co-Autor ein Buch mit dem Titel »Gnadenlos glücklich« verfasst, in dem er das »süße Leben um die 30« beschreibt. Eine Website über »Single-Autoren« verstand ihn so, als behaupte er, der 30. Geburtstag sei der »Abschied von der Jugend«. Dabei schrieb er schon damals, das Erwachsenwerden bekomme man nicht mehr geschenkt »und es kommt auch nicht schicksalhaft über jeden, der die Dreißig überschreitet und für seinen Lebensunterhalt selber sorgt«", schreibt SCHULER.
            
        SCHULER beschuldigt uns, dass wir SEIDL falsch verstanden hätten. Wir können unsererseits keinerlei Missverständnis erkennen, denn offenbar geht es hier um zwei verschiedene Sachverhalte, die SCHULER durcheinander bringt.
            
        Zum einen geht es um die Frage, ob man ab dem 30. Lebensjahr automatisch als erwachsen gilt, was single-generation.de auf dieser Website NIRGENDS vertreten hat. Viel Spaß beim Recherchieren!
            
        Oder ob man mit 30 (1995) oder 40 (2005) erwachsen sein soll. Und allein um diesen normativen Aspekt (dies hat single-generation ausführlich anhand der Kontroverse zwischen dem Lebenszyklus- und dem Lebensspirale-Modell dargestellt) geht es in beiden Büchern in unterschiedlicher Weise, denn 1995 sah SEIDL seine Generation wesentlich skeptischer als heutzutage. Aus einer Not wird jetzt sozusagen eine Tugend.
            
        1995 hat SEIDL auf Seite 99 geschrieben:
            
        "Wenn (...) die »Thirtysomethings« der 90er Jahre es mittlerweile für nötig halten, sich selbst als Generation zu beschreiben, eine Altersgruppe, die eigentlich erwachsen handeln und nicht im Namen der Jugend die Zukunft für sich fordern sollte - dann ist nicht nur die Altersstruktur dieser Gesellschaft völlig durcheinander geraten."
            
        2005 soll uns dagegen die "Revolution der Lebensläufe" retten.
 
  • LEBERT, Stephan (2005): Widerworte - Nervende Eltern.
    Vorige Woche kritisierte Bernd Ulrich die kinderlosen Akademiker - hier antwortet einer von ihnen,
    in: Die ZEIT Nr.9 v. 24.02.
    • Inhalt:
      Stephan LEBERT sieht mit der Mitte der 80er Jahre einsetzenden Debatte um die neue Mütterlichkeit den Beginn einer Wende zum Schlechteren.

            
        Damals bekam die "Generation der nach innen gekehrten Egozentriker" Kinder.
            
        LEBERT sieht damit einen zunehmenden Verlust der selbstverständlichen Elternschaft einhergehen.
            
        Mit dem Auftritt der so genannten Neuen Väter hat das Spektakel des Klagekonzerts der Eltern einen neuen Höhepunkt erreicht:
            
        "viel (wird) geredet von den neuen Vätern, wie einfühlsam sie seien, wie anders als ihre Väter. Es gibt eine Zahl, mit der sich diese Eigenthese überprüfen lässt, und zwar die Zahl der berufstätigen Männer, die einen Vaterschaftsurlaub antreten. Die Zahl liegt unter drei Prozent und bleibt seit Jahren konstant. (Aber etwa 80 Prozent dieser drei Prozent schreiben ein Buch über diese Zeit.)"
            
        LEBERT sieht im Klagekonzert der Eltern einen Grund dafür, dass Kinderlose auf keinen Fall Eltern werden möchten:
            
        "Kinder haben keine Lobby, heißt es. Eigentlich wären die Eltern die geeigneten Leute dafür. Doch sie versagen völlig. Dabei wäre jeder Lobbyist froh, könnte er, um die Sprache der Wirtschaft zu benutzen, für so ein wunderbares Produkt werben. Was könnten Eltern für lustige, anrührende, begeisternde Geschichten erzählen. Sie müssten dafür aber für einen Moment sich selbst vergessen. Kollege Bernd Ulrich hat vergangene Woche in der ZEIT geschrieben, die Kinderlosen würden vor allem wegen diffuser Lebensangst keine Kinder bekommen. Da ist sicher was dran. Aber noch größer ist eine andere Furcht: die vor den Eltern. Sie möchten nicht werden wie sie."
 
  • BURGER, Reiner (2005): Der trügerische Babyboom.
    In Sachsen wurden 2004 so viele Kinder geboren wie lange nicht - und doch schrumpft der Freistaat,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung  v. 24.02.
 
 
  • DÜWEKE, Peter (2005): Schöner Schein.
    Auch Frauen lassen sich bei der Partnersuche vor allem vom Aussehen leiten,
    in: Tagesspiegel  v. 23.02.
 
  • COULMAS, Florian (2005): Nasses Herbstlaub.
    Die Langeweile der japanischen Männer,
    in: Neue Zürcher Zeitung  v. 23.02.
    • Inhalt:
      Waren bislang "parasitäre Singles", also Frauen, das Gesellschaftsthema Nr.1, wenn es um Japan ging, so hat nun Florian COULMAS den freigesetzten Mann als Problemfall der alternden Gesellschaft entdeckt:

            
        "Als «Sperrmüll» wurden die Männer bezeichnet, die nach Jahrzehnten der Arbeit plötzlich tagsüber zu Hause waren - sie stehen im Weg und sind schwer loszuwerden. «Nasses Herbstlaub» ist ein anderer wenig schmeichelhafter Ausdruck - klebt an den Schuhen und ist zu nichts zu gebrauchen. Frauen, die mit derart nichtsnutzigen Männern geschlagen sind, gestehen offen ein, ihre verwitweten Freundinnen zu beneiden. Das «Mann-zu- Hause-Stress-Syndrom» wurde zum Gesprächsthema. Die Zahl der Scheidungen im Rentenalter nimmt in Japan schneller zu als in jeder anderen Altersgruppe.
      Mittlerweile schenkt man dem Problem nicht mehr nur in Talkshows Aufmerksamkeit; auch die Wissenschaft hat sich seiner angenommen. Der Soziologe Hidehiko Sekizawa bezeichnet die ausgebrannten Männer der heutigen Rentnergeneration als das grösste Problem der alternden Gesellschaft, sie noch einmal einen Sinn im Leben finden, neue Erfahrungs- und Tätigkeitsfelder erschliessen zu lassen, als eine vordringliche Aufgabe, zu deren Lösung die Betroffenen selbst nicht in der Lage sind.
      "
 
  • KRÖGER, Martin (2003): Die Linke stellt ein.
    Viele alternative und soziale Projekte wollen Ein-Euro-Jobs anbieten. Diskussionen über die staatlich subventionierte Nischenökonomie werden schärfer,
    in: Jungle World Nr.8  v. 23.02.
    • Kommentar:
      KRÖGER beschreibt wie sich linke Projekte an der Schaffung des Niedriglohnsektors beteiligen, denn nur Ein-Euro-Jobs annehmen ist dumm, Ein-Euro-Jobs anbieten dagegen ist clever...
 
  • KNIPPHALS, Dirk (2005): Nach den Projektionen.
    Es gibt Fortschritte auf dem langen, gewundenen Weg der Emanzipation von 68: Wer Wolfgang Kraushaars neue Studie über Rudi Dutschke gelesen hat, für den sehen die bisherigen Abgrenzungsdebatten von der Studentenrevolte ganz schön alt aus,
    in: TAZ  v. 23.02.
    • Inhalt:
      KNIPPHALS spricht von drei 68er-Selbstverständnisdebatten, um dann einen Wendepunkt der Debatte zu benennen:

            
        "Das Terrain ist noch ziemlich unübersichtlich, aber es kann gut sein, dass man einmal die Debatte um Sophie Dannenbergs 68er-Roman »Das bleiche Herz der Revolution« als Punkt, an dem die Sache kippte, begreifen lernt."
            
        Was soll hier gekippt sein? "Wer souverän über 68 reden will, muss sich erst einmal identitätspolitisch von 68 lösen.
            
        Genau um diesen Punkt geht es im Moment", behauptet KNIPPHALS.

 
 
 
 
  • SCHIRRMACHER, Frank & Dieter BARTEZKO (2005): Wir altern im wachsenden Schatten von Riesen.
    Was bedeutet die Vergreisung Deutschlands für die Städte? Man wird in Gespensterquartieren hausen und die vitalen Metropolen der Dritten Welt beneiden. Ein Gespräch mit Albert Speer,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung  v. 23.02.
 
 
  • BIRG, Herwig (2005): Deutschlands Weltrekorde.
    Grundkurs Demographie: Erste Lektion,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung  v. 22.02.
    • Kommentar:
      Wir überlassen BIRG das Prahlen über die Prognosefähigkeit der Demografen und wenden uns stattdessen BIRGs volkspädagogischem Vorbild, dem sächsischen Minister für Volksbildung, Wilhelm HARTNACKE, zu, der im Jahr 1936 das Buch "Die Ungeborenen" veröffentlichte.

            
        BIRG möchte gerne ein Volkspädagoge sein, wie der Grundkurs beweist, und sein Steckenpferd sind die Ungeborenen.
            
        HARTNACKE sprach gerne davon, dass die Deutschen Weltmeister in der Selbstausrottung seien:
            
        "Wir hatten zwischen 1900 und 1929 in Deutschland vergleichsweise den stärksten Rückgang der ehelichen Fruchtbarkeit unter allen Völkern, nämlich einen Rückgang um 57 v. H." heißt es hierzu auf S.40 des Buches.
            
        Heutzutage wird ja gerne behauptet, dass die Nazizeit und der zweite Weltkrieg Schuld an unserer gegenwärtigen demographischen Misere seien. Offenbar stimmt bereits diese Annahme nicht! Der Geburtenrückgang ist kein Nachkriegsphänomen, sondern bereits in der Weimarer Republik ein zentraler Topos.
            
        HARTNACKE erklärt uns Mitte der 1930er Jahre, warum in den 1960er Jahren ein dramatischer Bevölkerungsrückgang einsetzen muss:
            
        "Die Sterbelinie muß die Geburtenlinie etwa um 1960 erreichen. (...). Wir werden in den in Frage kommenden Jahren (...) mit Sicherheit einen Sterbeüberschuß von etwa 1 Million in jedem Jahre zu erwarten haben,  und zwar für eine Reihe von Jahren. (...). Daß wir in den 50er/60er Jahren mit hohen Geburtenraten nicht rechnen können, zeigt ein Blick auf die schwachen Elternjahrgänge von 1915 bis heute.
      Der jahrelange Geburtenunterschuß muß zu einem erschütternden Schwund am Gesamtbestande des deutschen Volkes führen". (S.38f.)

            
        Wie wir inzwischen wissen, kam alles anders! Von wegen, dass wir in den 60er Jahren nicht mit hohen Geburtenraten rechnen mussten.
            
        Jeder deutsche Bevölkerungswissenschaftler kommt angesichts der damaligen Geburtenzahlen ins Schwärmen.
            
        Gemäß der Prognosen, die HARTNACKE dem Leser präsentiert, hätte dies aufgrund der vielen Ungeborenen nicht sein dürfen.
            
        Was lernen wir daraus? Offenbar spielen entweder die Ungeborenen nicht die entscheidende Rolle oder bereits damals war die Bevölkerungsstatistik so rückständig, dass das Ausmaß der Kinderlosigkeit überschätzt wurde.
            
        Um Missverständnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen:
            
        HARTNACKE war kein Demograph wie Herwig BIRG, sondern er benutzte demografische Fakten um eigene Thesen zu untermauern. In dieser Hinsicht ist er eher in eine Reihe mit den MIEGELs und TICHYs dieser Republik einzureihen.
            
        Auch inhaltlich wird hier zwischen BIRG und HARTNACKE keinerlei Zusammenhang konstruiert. Das Anliegen, die Geburtenzahlen zu steigern, ist beiden gemein, aber die Mittel hierzu sind verschieden.
            
        Es geht hier allein um das volkspädagogische Moment und das Erklärungsprinzip der Ungeborenen, das bereits in früheren bevölkerungspolitischen Debatten eine wichtige Rolle gespielt hat.
            
        Und nicht zuletzt geht es um die Frage, wie glaubwürdig langfristige Prognosen angesichts der Komplexität der Welt sind.
            
        Gebietsveränderungen, Kriege, Ab- und Zuwanderungen und Veränderungen der Sterblichkeit sind nur einige Faktoren, die unterhalb des Weltbevölkerungsniveau (dessen sichere Prognose BIRG so sehr betont) eine wichtige Rolle spielen.   
 
  • KNEIST, Sigrid (2005): Partner müssen zahlen.
    Hartz IV: Arbeitsagentur rechnet Einkommen bei nichtehelichen Lebensgemeinschaften weiter an,
    in: Tagesspiegel  v. 22.02.
    • Inhalt:
      Entgegen der Rechtsprechung des Sozialgerichts in Düsseldorf (siehe TAZ von gestern), sollen Partnereinkommen heterosexueller Paare weiterhin angerechnet werden.
  • EUBEL, Cordula (2005): Ist Hartz IV verfassungswidrig?
    Partner werden ist nicht schwer,
    in: Tagesspiegel  v. 22.02.
  • RATH, Christian (2005): Auch Homos haben wilde Ehen.
    Nur das Bundesverfassungsgericht kann im Streit um ein Gerichtsurteil aus Düsseldorf klären, ob Hartz IV verfassungswidrig Homobeziehungen bevorzugt,
    in: TAZ v. 22.02.
 
  • PENZEL, Matthias (2005): Dr. Gonzo, bitte übernehmen Sie!
    Journalismus als Rock’n’Roll – und ein starker Abgang: zum Tod des Beat-Autors Hunter S. Thompson,
    in: Tagesspiegel  v. 22.02.
 
  • LOTTMANN, Joachim (2005): Hartz IV in der Promi-Box.
    Hurra, wir leben noch! - Marius Müller-Westernhagens neues Album "Nahaufnahme",
    in: Süddeutsche Zeitung  v. 22.02.
    • Kommentar:
      Hier schreibt LOTTMANN und nicht das Alter Ego Onkel Jolo aus "Die Jugend von heute", denn der hätte die Single "Eins" von MÜLLER-WESTERNHAGEN gelobt:

            
        "Ja, ich bin eins/Ich bin völlig eins mit mir//Lass uns runterfahrn ans Meer/Und uns dort am Strand vermehrn".
 
   

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Zu den News vom  18. - 21. Februar 2005

 
 
   
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