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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 21. - 28. Februar 2006

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

"Während weibliche Kinderlosigkeit vor allem ein Phänomen höherer Bildungsschichten ist, zeigt sich die männliche Kinderlosigkeit vor allem bei den unteren Bildungsschichten. Je prekärer die Arbeitssituation, desto verbreiteter ist bei Männern die Kinderlosigkeit. (...). Dies deutet auf die Wirksamkeit des normativen Modells des männlichen Familienernährers hin. Wer diesen Status nicht ausfüllen kann, wird seltener Vater.
          
Angelika Tölke vom Deutschen Jugendinstitut in München ergänzte vor dem Hintergrund des DJI-Familien-Surveys 2000 diese empirischen Befunde. Es sind nicht nur Männer mit niedrigem Schulabschluss, die eher ohne Kinder sind, sondern ebenso die männlichen Selbständigen und Teilzeitbeschäftigten, die dies betrifft. Offenbar erweist sich die fehlende sichere berufliche Etablierung für Männer als ein entscheidender Faktor, der Vaterschaft biografisch verzögert oder aber auch völlig verhindert."
(Lotte Rose im "Tagungsbericht: »Kinderlosigkeit - nur eine Frage der Demografie?«" in der Zeitschrift Feministische Studien Nr.2, November 2005, S.331)

 
 
       
   
  • NASSEHI, Armin (2006): Bürger aller Länder, vereinigt euch!
    Feine Unterschiede (6): Bürgerlichkeit war im 19. Jahrhundert eine Art Benutzeroberfläche - Moral und Anstand ordneten die neue dynamische Gesellschaft. Ist die Suche nach Neuer Bürgerlichkeit nun die Suche nach einer aktuellen Benutzeroberfläche?
    in: TAZ v. 28.02.
    • Inhalt:
      Für den Soziologen Armin NASSEHI ist Bürgerlichkeit kein Schimpfwort mehr. Er sieht vielmehr Anzeichen dafür, dass die Figur des Bürgers zurückkehrt.

                
      Den neuen Werteeliten von Paul NOLTE bis Udo Di FABIO steht er jedoch eher skeptisch gegenüber:
                
      "Bürgerlichkeit gehört nicht mehr zu den Schimpfwörtern der Moderne. Das 19. Jahrhundert kehrt vielmehr zurück. Bürgerlich ist daran nicht die neue Lust an den ästhetischen Chiffren der Altbauwohnung und des Streichquartetts, an privater Gemeinwohlorientierung jenseits staatlicher Intervention oder an der neuen Ernsthaftigkeit im Feuilleton. Bürgerlich ist vielmehr die Funktion, die der bürgerliche Diskurs (wieder) einnimmt.
                
      (...).
      Dass der Bürger als Figur wiederkehrt - mit allen distinktiven Affekten, mit der Selbstdistanzierung von seiner eigenen Proletarisierung und mit dem geradezu hilflosen Festhalten an den alten Fassaden bürgerlicher Distinktionssymbole -, könnte ein Symptom dafür sein, dass das bequeme Arrangement einer postheroischen Versorgungsgesellschaft vorbei ist. Debatten nehmen offensichtlich wieder die Form des Kulturkampfes an - mit Betonung auf Kultur. Kultur als Medium, alles miteinander kommensurabel zu machen und damit voneinander zu trennen, lebt von der Distinktion, von einer bigotten Form der Anerkennung, die eben kein gemeinsames Medium mehr kennt, sondern nur den Vergleich ohne Vergleichsmaßstab.

                
      (...).
      "
      Wo die Beschreibung der Neuen Bürgerlichkeit aber selbst Teil des Distinktionskampfes wird, wird sie entweder naiv wie bei Udo di Fabio oder irgendwie unappetitlich wie bei Paul Nolte
      ".
 
   
  • SEIBEL, Andrea (2006): "Wir haben Gegen-Gesellschaften".
    Die Zahl der Deutschen schrumpft, die der zugewanderten Moslems wächst. Die Demographie werde zur Waffe, sagt der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg,
    in: Welt v. 28.02.
    • Kommentar:
      Herwig BIRG denkt über sich hinaus:

                
      "Die WELT: Sie sind ja ein Kulturpessimist in Reinstform!
                
      Birg: Ja, was meine Lebenszeit betrifft. Aber diese kurzfristige Perspektive verbirgt das Wesentliche. Auf lange Frist, also in der generationenübergreifenden Perspektive, habe ich keine Zweifel, daß die deutsche Kultur, in deren Sprache Kants »Kritik der reinen Vernunft« geschrieben wurde, überdauert."
 
   
  • ROSSUM, Walter van (2006): Verlassene Seelen.
    Ulf Poschardt: "Einsamkeit. Die Entdeckung eines Lebensgefühls",
    in: DeutschlandRadio v. 27.02.
    • Kommentar:
      ROSSUM kritisiert, dass Ulf POSCHARDT "konsequent Alleinsein und Einsamkeit verwechselt".

                
      Das ist vom heutigen sozialpsychologischen Standpunkt aus betrachtet durchaus richtig, denn dort ist Einsamkeit negativ besetzt. POSCHARDT knüpft dagegen an älteren Vorstellungen an und hebt damit das Positive der Einsamkeit hervor. POSCHARDT bricht damit bewusst mit den heutigen Vorstellungen.
                
      In dieser Sicht ist er näher am Soziologen Peter GROSS, der 1991 für eine Soziologie des Nicht-Sozialen plädiert hat, die von single-generation.de beispielhaft am "Glück des Alleinreisens" erläutert wurde.
                
      Die eigentliche Kritik von ROSSUM richtet sich jedoch im Grunde gegen die politischen Implikationen, die POSCHARDT beschwört:
                
      "Poschardt (...) nimmt (...) ohne Zögern den Sozialstaat ins Visier: »In Deutschland ist Einsamkeit auch deshalb ein großes Problem, weil - anders als in den USA und in England - Eigenverantwortung und Selbstbestimmung eher Furcht als Freude erzeugen. (...) Der Sozialstaat ist eine kollektive Wärmestube.« Doch dank Hartz IV werden wir hier gewiss bald eine Pandemie glücklicher Einsamer erleben und endlich richtige Amerikaner werden.
                
      Spätestens an dieser Stelle begreift man, dass ein Rebell der Einsamkeit wie Ulf Poschardt nichts anderes sucht, als endlich die »gefühlten« Realitäten des Rudels bejahen zu dürfen. Sag ja, zum traurigen Tier in Dir! Sag ja, zum neoliberalen Subjekt, dem einsamen Überlebenskämpfer im Dickicht entfesselter Konkurrenz! Sag ja zur Werbung, denn die weiß, was Du wirklich willst! So sieht das aus, wenn die Postmoderne existentialistisch wird."
                
      Dietmar DATH spricht bei POSCHARDT lieber von Neuliberalismus bzw. "Lumpenliberalismus".     
 
   
  • GÜNTNER, Joachim (2006): Albträume vom Minderheitendasein im eigenen Land.
    Deutsche Sorgen, türkischer Nationalismus und Botho Strauss als Soziologe der Weltgesellschaft
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 27.02.
    • Inhalt:
      GÜNTNER sieht im Spiegel-Essay von Botho Strauß eine Provokation für die Soziologie:

                
      "Vorbereitung verweist auf Zukunft. Allein schon terminologisch erhebt Strauss die islamische Gesellschaft zum wegweisenden Modell. Das ist nicht nur eine publizistische, das ist eine soziologische Provokation. Für Systemtheoretiker im Gefolge Niklas Luhmanns hiesse das: Sie müssten ihre Vorstellung von «Weltgesellschaft» gravierend modifizieren, wenn nicht verwerfen. Als weltgesellschaftliche Trends auf der Basis globaler Kommunikation und funktionaler Differenzierung gelten: Auflösung familiärer Produktion, Abhängigkeit des Lebens von Technik, Übertragung von Erziehung und Ausbildung auf Schulen und Universitäten, Verflechtung internationaler Organisationen, Industrialisierung und Verstädterung, um nur einiges zu nennen. Der Soziologe Rudolf Stichweh, ein entschiedener Vertreter des Konzepts «Weltgesellschaft», nennt überdies als kulturelle Komponenten die Idee der Menschenrechte und die Anerkennung kultureller Verschiedenheit. Umso wichtiger werde es in der Weltgesellschaft, «dass Kulturen nicht aggressiv-missionierend auftreten», andernfalls sei ihnen eine Führungsrolle versagt.
                
      Islamischer Fundamentalismus käme in einem solchen Konzept allenfalls als Nachtseite der Weltgesellschaft unter, nicht als Modell."
 
   
  • MINKMAR, Nils (2006): Lesen macht dumm.
    Paul Nolte riskiert keinen Gedanken, schreibt aber trotzdem ein Buch: "Riskante Moderne",
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.02.
    • Inhalt:
      Nils MINKMAR Rezension des Buches "Riskante Moderne" von Paul NOLTE ist ein 100 %iger Verriss:

                
      Paul Noltes neues Buch heißt (ein Mix aus Habermas und Beck) »Riskante Moderne«; das vorige hieß (ein Mix aus Illies und Miegel) »Generation Reform«. Nolte benutzt gerne den Begriff des Risikos und meint damit (...) immer das Risiko des anderen. Ein intellektuelles Risiko vermeidet er unter allen Umständen."
                
      Beispielhaft für die intellektuelle Risikoscheu von NOLTE sind dessen Ausführungen zur "Single-Gesellschaft":
                
      "Manchmal schreibt Nolte einfach irgend etwas hin. An anderer Stelle geht es um die Familienvorstellungen der Parteien. Da hießt es dann, Sozialdemokraten und Grünen seien »eher als Fürsprecher der bindungslosen Singlegesellschaft bekannt gewesen« - und würden nun aber Familie »wieder« wertschätzen. Er braucht dieses erste Moment nur, um irgendwie ein historisches Verlaufsmuster konstruieren zu können. Bloß: Es ist falsch. Zu keinem einzigen Zeitpunkt sind SPD und Grüne als Fürsprecher einer bindungslosen Singlegesellschaft aufgetreten. Keine deutsche Partei ist das, denn es widerspricht dem Gedanken einer jeden Partei. (...). Es stimmt weder soziologisch noch milieutheoretisch: Viele Sozialdemokraten kommen aus kinderreichen Familien, und Grüne wachsen bekanntlich in Wohngemeinschaften."
 
   
  • Der singlefeindliche Artikel:
    KLOEPFER, Inge (2006): Auf immer kinderlos, die deutsche Extratour.
    Irgend etwas ist schief gelaufen: Die Nachbarn in Europa haben wieder Kinder. Die Deutschen nicht,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.02.
    • Kommentar:
      Wenn es eine deutsche Extratour gibt, dann ist es das bevölkerungsstatistische Desaster.

                
      Inzwischen müssen die deutschen Bevölkerungsstatistiker immer öfter einen Offenbarungseid leisten.
                
      Wenn nun Inge KLOEPFER behauptet, dass die lebenslange Kinderlosigkeit zugenommen hat, dann bleibt sie jegliche Belege schuldig.
                
      Alarmierende Ergebnisse meldet KLOEPFER, aber ohne auch nur einen einzigen seriösen Beweis dafür zu liefern.
                
      Sie verweist stattdessen auf Untersuchungen, über die bereits das britische Magazin Economist am 9. Februar berichtete. Dies wird jedoch nicht einmal erwähnt.
                
      Die genannten Daten sind völlig überaltert, wenn man bedenkt, was in den letzten Jahren alles passiert ist.
      Die Daten von Hans-Peter KOHLER (Die Studie ist als PDF-Datei über den Economist-Artikel abrufbar) beziehen sich auf die Jahrtausendwende bzw. auf das Jahr 2002. Es handelt sich zudem nicht um Daten, die seriöse Aussagen über die Geburtenentwicklung der jüngeren Kohorten zulassen.

                
      Was also soll dieser Artikel, der keine neuen empirischen Belege liefert? Offenbar soll Stimmung gegen Kinderlose gemacht werden. Man ist sich deshalb auch nicht zu schade, veraltetes Material so zu präsentieren, als ob es sich dabei um aktuelles handele.
 
   
  • FICHTE, Hubert (2006): Die Geburt des deutschen Literaturbetriebs.
    Zwanzig Jahre nach seinem Tod erscheint jetzt der letzte Band seines Hauptwerks, der "Geschichte der Empfindlichkeit",
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.02.
  • RÜHMKORF, Peter/MEINECKE, Thomas/BUCH, Hans Christoph (2006): Er hat mich einen Mörder genannt.
    Zwei Freunde erinnern sich an Streit und Versöhnung, und ein Schüler feiert den Mann, der ihn zum Schriftsteller machte, 
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.02.
 
   
  • NOLTE, Paul (2006): Deutschland, in Angst erstarrt.
    Aus der Bundesrepublik ist eine "Risikovermeidungsgesellschaft" geworden, schreibt Paul Nolte. Der Unwille zur Veränderung ist eine der wesentlichen Ursachen für die Probleme des Landes,
    in: Welt am Sonntag v. 26.02.
 
   
  • HAMMELEHLE, Sebastian (2006): "Meine Leute sind die Deutschen".
    Gibt es auch in Deutschland einen Kulturkampf zwischen Christen und Muslimen? Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu sagt nein und warnt vor öffentlicher Hysterie. Ein Gespräch über seinen neuen Roman "Leyla", den Karikaturenstreit, die Thesen von Botho Strauß und eine Grundschullehrerin namens Hüve,
    in: Welt am Sonntag v. 26.02.
 
     
   
  • JÄHNER, Harald (2006): Das globale Poesiealbum.
    Die Internetseite myspace.com macht 50 Millionen Menschen miteinander bekannt,
    in: Berliner Zeitung v. 25.02.
    • Inhalt:
      Harald JÄHNER hat mit der Website myspace die Zukunft gesichtet:

                
      "ein Triumph des Narzissmus. Die Größe des Raumes fällt mit einer fein getunten geistigen Enge zusammen: In Deutschland wird myspace auffällig häufig von Gothics, Punks und Antinazi-Skins frequentiert, von Leuten also, deren Freundeskreis kulturell akribisch ausgesteuert sein muss, damit sie das Gefühl haben, im Milieu geistig zu gedeihen.
                
      Zur geistigen Sortierung dienen Listen: Meine Lieblingsfilme, Lieblingsmusik, Lieblingsbücher, Lieblingshelden bilden aufgelistet einen geistigen Lebensraum, der zum Kommunizieren und Abgrenzen einlädt. Dazu präsentiert man sich in myspace mit einem sogenannten Persönlichkeitsprofil (...).
                
      Mit den Profilen kann man auf sich aufmerksam machen wie die Nachtigall mit ihrem Gesang und der Pudel mit seinem Gestank. Und wie im klassischen Poesiealbum sind Freunde die Währung von myspace."
 
   
Focus-Titelgeschichte:
Liebe & Zoff.
Stress, Streit, keine Zeit? So überlebt Ihre Beziehung den Alltag
  • GERBERT, Frank (2006): Liebe.
    Paare suchen Hilfe gegen Alltagsärger und Streit,
    in: Focus Nr.9 v. 25.02.
 
     
     
   
  • HAARHOFF, Heike (2006): Die Quelle ist versiegt.
    100 Tage Schwarz-Rot: Was die Grüne Klientel denkt.
    Gartenzäune sind laut Satzung in der Ökosiedlung Waldquelle bei Bielefeld verboten. Fast 20 Jahre leben hier nun Menschen, denen Ökologie und die Grünen ein Anliegen waren. Heute wirken sie müde - "die Luft ist raus", heißt es. Und selbst Angela Merkel kommt gar nicht so schlecht an,
    in: TAZ v. 25.02.
    • Inhalt:
      "Wir. 286 Menschen aus der Ökosiedlung Waldquelle, verteilt auf 100 Eigenheime, Reihenhäuser und genossenschaftliche Mietwohnungen, schadstofffrei und niedrigenergetisch, gelegen am Stadtrand von Bielefeld mit Blick auf den Teutoburger Wald. 286 Menschen, organisiert in Kleinfamilien, die Kinder von ziemlich klein bis demnächst volljährig, die Erwachsenen zwischen 40 und 60. Viele Sozialarbeiter, viele Heilpraktiker, viele Ärzte, viele Lehrer. Die Yildirims, die Özkans und die Oktays fehlen an den Klingelschildern.

                
      Wenn man fragt, woran es liegt, dass es keine Ausländer in der Siedlung gibt, dann wird man belehrt, dass niemand ausgegrenzt werde und es Einwohner mit Migrationshintergrund gebe: zwei Österreicher. Ansonsten aber ist man deutsch im Waldquellenweg und wählt bevorzugt Grün, immer schon und immer noch, 19,1 Prozent waren es bei der vergangenen Bundestagswahl", beschreibt HAARHOFF die Einwohner der Ökosiedlung Bielefeld-Quelle, deren politischen Gesinnungswandel sie in einer Reportage nachspürt.
 
   
  • UNFRIED, Peter (2006): Rock gegen gar nichts.
    Für die, die es nicht wissen: Erdmöbel sind eine große Band. "für die nicht wissen wie" ist ein großes Album. Eine Begegnung mit Sänger und Lyriker Markus Berges. Und ein Gespräch über die neue Bürgerlichkeit des Rock 'n' Roll,
    in: TAZ v. 25.02.
 
     
   
  • KLOPOTEK, Felix (2006): Einfach weitermachen.
    Im Schatten des Erfolgs britischer Rockmusik hat der amerikanische Indierock seine Hipness verloren. Kein Wunder. Hier wird das Gefühl verhandelt, mit der ganz großen Karriere werde es nichts mehr. Das öffnet aber Raum für ganz eigene Entwürfe,
    in: TAZ v. 24.02.
    • Kommentar:
      KLOPOTEK, der für das "Glossar der Gegenwart" die Selbsttechnologie Projekt beigesteuert hat, kritisiert die Klassenfrage in der britischen Indie-Szene, für die zwei "authentische" Musiker-Typen-Klischees stehen:

                
      "englische Rockmusik, die seit zwei Jahren so schrecklich hip ist, wird nicht zuletzt unter dem Aspekt der Klassenzugehörigkeit rezipiert. Entweder haben wir den Typ »proletarische Aufsteiger» samt den entsprechenden Kritikerklischees(...). Oder den Typ »gehobene Mittelklasse« - auch dazu fallen einem sofort die passenden Zuschreibungen ein: »Kunststudenten« - "ironische Gebrochenheit (zur eigenen halb privilegierten Herkunft, aber auch zu den Proleten)" -  »arrogante Intelligenz« - »kokette Musik mit salonbolschewistischer Attitüde«."
                
      In den USA war das anders, erklärt uns KLOPOTEK. Dort stand Anfang der 90er Jahre nicht die Verarbeitung der sozialen Herkunft, sondern der Behauptungswille im Vordergrund:
                
      "Anfang der Neunziger waren die Interessen anders verteilt. Der typische Indierock-Nerd war Amerika-orientiert, für ihn klangen britische Bands aus Prinzip nach den Beatles oder den Stones, also uninteressant. Was an Typen wie Gelb oder Watt oder den Chicagoer Postrockern oder den Emocore-Bands aus Washington oder New York begeisterte, war nicht die Verarbeitung ihrer sozialen Herkunft, sondern ihr Behauptungswille: Wie schaffen es eigentlich diese Typen aus dem piefigen Seattle, so einen geilen Sound zu spielen? Das passte alles ganz gut zu hiesigen studentischen Lebensentwürfen: Man hat viel Zeit, man wird schon einen Job finden, man wird sich dafür nicht totschuften".
                
      In Zeiten, in denen sich Angehörige der jungen kreativen Elite als urbane Penner oder als "Lebenspraktikanten" beschreiben, gibt es jedoch kein einfaches Zurück mehr.
                
      Für KLOPOTEK ist deshalb die neue Bescheidenheit angesagt, für die nun der US-amerikanische Indie-Rock steht:
                
      "Dass es mit den großen Karrieren nichts (mehr) wird, dürfte die Grundstimmung der amerikanischen Indie-Szenen sein und die Ursache für eine ungeahnte Experimentierlust und eine fast atemberaubende Beiläufigkeit ausmachen".
 
     
     
     
   
  • MEYER, Stefan (2006): Der iPod und seine Peripherie.
    Diedrich Diederichsen lebt mittlerweile in Berlin, lehrt in Stuttgart Visuelle Kommunikation und sucht demnächst in Armerika nach neuen Trends. Anlässlich seiner Textsammlung "Musikzimmer" stand der Vielgefragte dem tip Rede und Antwort,
    in: tip Nr.5 v. 23.02.
    • Inhalt:
      Diedrich DIEDERICHSEN u.a. über Trends:
                
      "tip: Gibt es geheime Mechanismen, nach denen Trends gemacht werden oder anders: warum finden den alle eigentlich gleichzeitig The Strokes, Maximo Park, Arcade Fire, Blumfeld oder Tomte cool? Wie entstehen eigentlich solche Trends und warum darf man manches nicht gut finden?
                
      Diederichsen: Da ich keine Bestechungsgelder mehr erhalte, weiß ich das auch nicht."
 
     
   
  • ARNING, Matthias (2006): Ohne Risiko.
    Paul Nolte, Vordenker der Neokonservativen, enttäuscht mit seinen Reflexionen über die "riskante Moderne",
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.02.
 
   
  • GLASER, Peter (2006): Die Jedermann-Baustelle.
    Schön ist diese große Stadt. Ein bisschen Berlin-Gefühl,
    in: Berliner Zeitung v. 22.02.
    • Inhalt:
      "
      Es gibt Umbruch, Aufbau, brutale Eleganz. Diese ganze Berlin-Dynamik ist überhaupt erst genießbar geworden, nachdem die Hysterie der Boomjahre verklungen war - die Zeit, als Sinn durch Geschwindigkeit ersetzt worden war", teilt Peter GLASER mit, um zum Schluss ein Loblied auf das Kleinräumige der Metropole zu singen:
                
      "Viele Provinzler, die sich nach Berlin absetzen, um Träume zu leben, finden sich überrascht wieder - in einer Dörflichkeit. Die Stadt ist zu groß, um eine einzige Stadt zu sein. Berlin ist eine Fülle von Berlins. In emotionalen Zellteilungen vervielfältigt es sich in Gegenden, Bezirke, Reviere, Clans."
 
   
  • LEBER, Sebastian (2006): Verwende deine Jugend.
    Die Fehlfarben sind eine Pop-Institution. Das Jubiläums-Album „26 ½“ zeigt, wohin das führt,
    in: Tagesspiegel v. 22.02.
    • Inhalt:
      LEBER porträtiert Peter HEIN, der mit der Band Fehlfarben das wichtigste deutsche Punkalbum "Monarchie und Alltag" aufnahm. Nun erscheint das Jubiläumsalbum "26 1/2":

                
      "18 Lieder sind auf dem neuen Album. Eingespielt von den Fehlfarben, jeweils mit einer fremden Stimme. Herbert Grönemeyer macht mit, Schauspieler Peter Lohmeyer, Sven Regener von Element of Crime und Tocotronics Dirk von Lowtzow auch. Ja, sogar Helge Schneider. "     
 
     
     
   
  • RÜDENAUER, Ulrich (2006): Die neue Sozialdiät.
    Ulf Poschardt tröstet sich mit 200 PS und schreibt den Ratgeber zur Einsamkeit,
    in: Tagesspiegel v. 21.02.
    • Inhalt:
      Ulrich RÜDENAUER klärt erst einmal den Status von Ulf POSCHARDT, der ein Buch über die "Einsamkeit" verfasst hat:

                
      "Vor ein paar Jahren noch hat er seine Bücher bei Rogner & Bernhard oder Merve veröffentlicht, Verlagen mit street credibility. Poschardt war damals hip, „Cultural Studies“ und so. Heute ist er bei Kabel, dem Lebenshilfe-Verlag von Piper gelandet und redet von Eigenverantwortung und Werten. Ratgeber gibt es viele. Warum nicht auch einen über die Einsamkeit? Man kann, als ungeübter Einsamer, beim Einsamsein ja viel falsch machen."
                
      RÜDENAUER beschreibt das Buch als "Mischung aus »Brigitte«-Dossier, Lebenshilfe-Leitfaden für urbane Mittelschichtkinder und Selbstbekenntnis", fügt aber hinzu:
      "
      Poschardt ist Popstar und Fan, Querdenker – und Feminist. »In Deutschland haben einsame Frauen noch das größte Emanzipationspotenzial. Insofern kann man dieses Buch auch als feministisches lesen.« Zumal Männer mit Einsamkeit schlechter umgehen als Frauen."
 
   
  • PENZEL, Matthias (2006): Kontrapunkt, aber kein Hit.
    Ein Büchlein über das Glück,
    in: Frankfurter Rundschau v. 21.02.
    • Inhalt:
      Matthias PENZEL stellt das Buch "Das zerbrechliche Glück" von Eberhard STRAUB vor:

                
      "Straub erinnert an Standpunkte des Anarchisten Bakunin, an Aldous Huxley und überrascht eher en passant mit der Beobachtung, dass außer den Massenmedien auch der gern alles ordnende Staat in die Privatsphäre eingreift und Eheschließungen wie Nuklearfamilien - anstelle eigenständiger Lebensformen und Individuen - fördert.
                
      Straub macht sich stark für Liebe und Lust, wobei er Ehe und Treue eher nebenbei mitschleppt."
 
   
  • EUBEL, Cordula (2006): Es bleibt in der Familie.
    Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen will die staatlichen Familienleistungen neu ordnen. Was hätten die Familien davon?
    in: Tagesspiegel v. 21.02.
 
     
   

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