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Medienrundschau:
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News vom
21. - 28. Februar 2006
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Zitat
des Monats:
"Während weibliche
Kinderlosigkeit vor allem ein Phänomen höherer Bildungsschichten
ist, zeigt sich die
männliche Kinderlosigkeit vor allem bei den unteren
Bildungsschichten. Je prekärer die Arbeitssituation, desto
verbreiteter ist bei Männern die Kinderlosigkeit. (...).
Dies deutet auf die Wirksamkeit des normativen Modells des
männlichen Familienernährers hin. Wer diesen Status nicht
ausfüllen kann, wird seltener Vater.
Angelika Tölke vom Deutschen Jugendinstitut in München
ergänzte vor dem Hintergrund des DJI-Familien-Surveys 2000 diese
empirischen Befunde. Es sind nicht nur Männer mit niedrigem
Schulabschluss, die eher ohne Kinder sind, sondern ebenso die
männlichen Selbständigen und Teilzeitbeschäftigten, die dies
betrifft. Offenbar erweist sich die fehlende sichere berufliche
Etablierung für Männer als ein entscheidender Faktor, der
Vaterschaft biografisch verzögert oder aber auch völlig
verhindert."
(Lotte Rose im
"Tagungsbericht: »Kinderlosigkeit - nur eine Frage der
Demografie?«" in der Zeitschrift Feministische Studien Nr.2,
November 2005, S.331)
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NASSEHI, Armin (2006): Bürger aller Länder, vereinigt euch!
Feine Unterschiede (6):
Bürgerlichkeit war im 19. Jahrhundert eine Art Benutzeroberfläche -
Moral und Anstand ordneten die neue dynamische Gesellschaft. Ist die
Suche nach Neuer Bürgerlichkeit nun die Suche nach einer aktuellen
Benutzeroberfläche?
in: TAZ v. 28.02.
- Inhalt:
Für den Soziologen
Armin NASSEHI ist Bürgerlichkeit
kein Schimpfwort mehr. Er sieht vielmehr Anzeichen dafür, dass die
Figur des Bürgers zurückkehrt.
Den neuen
Werteeliten von Paul NOLTE bis Udo Di FABIO steht er jedoch eher
skeptisch gegenüber:
"Bürgerlichkeit
gehört nicht mehr zu den Schimpfwörtern der Moderne. Das 19.
Jahrhundert kehrt vielmehr zurück. Bürgerlich ist daran nicht die
neue Lust an den ästhetischen Chiffren der Altbauwohnung und des
Streichquartetts, an privater Gemeinwohlorientierung jenseits
staatlicher Intervention oder an der neuen Ernsthaftigkeit im
Feuilleton. Bürgerlich ist vielmehr die Funktion, die der
bürgerliche Diskurs (wieder) einnimmt.
(...).
Dass der Bürger als Figur
wiederkehrt - mit allen distinktiven Affekten, mit der
Selbstdistanzierung von seiner eigenen Proletarisierung und mit dem
geradezu hilflosen Festhalten an den alten Fassaden bürgerlicher
Distinktionssymbole -, könnte ein Symptom dafür sein, dass das
bequeme Arrangement einer postheroischen Versorgungsgesellschaft
vorbei ist. Debatten nehmen offensichtlich wieder die Form des
Kulturkampfes an - mit Betonung auf Kultur. Kultur als Medium, alles
miteinander kommensurabel zu machen und damit voneinander zu
trennen, lebt von der Distinktion, von einer bigotten Form der
Anerkennung, die eben kein gemeinsames Medium mehr kennt, sondern
nur den Vergleich ohne Vergleichsmaßstab.
(...).
"Wo die Beschreibung der Neuen
Bürgerlichkeit aber selbst Teil des Distinktionskampfes wird, wird
sie entweder naiv wie bei Udo di Fabio oder irgendwie unappetitlich wie bei
Paul Nolte".
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SEIBEL, Andrea (2006): "Wir haben Gegen-Gesellschaften".
Die Zahl der Deutschen
schrumpft, die der zugewanderten Moslems wächst. Die Demographie werde
zur Waffe, sagt der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg,
in: Welt v. 28.02.
- Kommentar:
Herwig BIRG denkt über sich hinaus:
"Die
WELT: Sie sind ja ein Kulturpessimist in Reinstform!
Birg: Ja, was meine
Lebenszeit betrifft. Aber diese kurzfristige Perspektive verbirgt
das Wesentliche. Auf lange Frist, also in der
generationenübergreifenden Perspektive, habe ich keine Zweifel, daß
die deutsche Kultur, in deren Sprache Kants »Kritik der reinen
Vernunft« geschrieben wurde, überdauert."
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ROSSUM, Walter van (2006): Verlassene Seelen.
Ulf Poschardt: "Einsamkeit. Die Entdeckung eines Lebensgefühls",
in: DeutschlandRadio v. 27.02.
- Kommentar:
ROSSUM kritisiert, dass Ulf POSCHARDT
"konsequent
Alleinsein und Einsamkeit verwechselt".
Das ist vom heutigen
sozialpsychologischen Standpunkt aus betrachtet durchaus richtig,
denn dort ist Einsamkeit negativ besetzt. POSCHARDT knüpft dagegen
an älteren Vorstellungen an und hebt damit das Positive der
Einsamkeit hervor. POSCHARDT bricht damit bewusst mit den heutigen
Vorstellungen.
In dieser Sicht ist er
näher am Soziologen Peter GROSS, der 1991 für eine Soziologie des
Nicht-Sozialen plädiert hat, die von single-generation.de
beispielhaft am "Glück des Alleinreisens" erläutert wurde.
Die eigentliche
Kritik von ROSSUM richtet sich jedoch im Grunde gegen die
politischen Implikationen, die POSCHARDT beschwört:
"Poschardt
(...) nimmt (...) ohne Zögern den Sozialstaat ins Visier: »In
Deutschland ist Einsamkeit auch deshalb ein großes Problem, weil -
anders als in den USA und in England - Eigenverantwortung und
Selbstbestimmung eher Furcht als Freude erzeugen. (...) Der
Sozialstaat ist eine kollektive Wärmestube.« Doch dank Hartz IV
werden wir hier gewiss bald eine Pandemie glücklicher Einsamer
erleben und endlich richtige Amerikaner werden.
Spätestens an dieser Stelle
begreift man, dass ein Rebell der Einsamkeit wie Ulf Poschardt
nichts anderes sucht, als endlich die »gefühlten« Realitäten des
Rudels bejahen zu dürfen. Sag ja, zum traurigen Tier in Dir! Sag ja,
zum neoliberalen Subjekt, dem einsamen Überlebenskämpfer im Dickicht
entfesselter Konkurrenz! Sag ja zur Werbung, denn die weiß, was Du
wirklich willst! So sieht das aus, wenn die Postmoderne
existentialistisch wird."
Dietmar DATH spricht bei POSCHARDT
lieber von Neuliberalismus bzw. "Lumpenliberalismus".
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- GÜNTNER, Joachim (2006): Albträume vom
Minderheitendasein im eigenen Land.
Deutsche Sorgen, türkischer
Nationalismus und Botho Strauss als Soziologe der Weltgesellschaft
in: Neue Zürcher Zeitung v. 27.02.
- Inhalt:
GÜNTNER sieht im
Spiegel-Essay
von Botho Strauß eine Provokation für die Soziologie:
"Vorbereitung
verweist auf Zukunft. Allein schon terminologisch erhebt Strauss die
islamische Gesellschaft zum wegweisenden Modell. Das ist nicht nur
eine publizistische, das ist eine soziologische Provokation. Für
Systemtheoretiker im Gefolge Niklas Luhmanns hiesse das: Sie müssten
ihre Vorstellung von «Weltgesellschaft» gravierend modifizieren,
wenn nicht verwerfen. Als weltgesellschaftliche Trends auf der Basis
globaler Kommunikation und funktionaler Differenzierung gelten:
Auflösung familiärer Produktion, Abhängigkeit des Lebens von
Technik, Übertragung von Erziehung und Ausbildung auf Schulen und
Universitäten, Verflechtung internationaler Organisationen,
Industrialisierung und Verstädterung, um nur einiges zu nennen. Der
Soziologe Rudolf Stichweh, ein entschiedener Vertreter des Konzepts
«Weltgesellschaft», nennt überdies als kulturelle Komponenten die
Idee der Menschenrechte und die Anerkennung kultureller
Verschiedenheit. Umso wichtiger werde es in der Weltgesellschaft,
«dass Kulturen nicht aggressiv-missionierend auftreten», andernfalls
sei ihnen eine Führungsrolle versagt.
Islamischer Fundamentalismus käme
in einem solchen Konzept allenfalls als Nachtseite der
Weltgesellschaft unter, nicht als Modell."
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- MINKMAR, Nils (2006):
Lesen macht dumm.
Paul Nolte riskiert keinen Gedanken, schreibt aber trotzdem ein
Buch: "Riskante Moderne",
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.02.
- Inhalt:
Nils MINKMAR Rezension des Buches
"Riskante Moderne" von Paul NOLTE
ist ein 100 %iger Verriss:
Paul Noltes neues Buch
heißt (ein Mix aus Habermas und Beck) »Riskante Moderne«; das vorige
hieß (ein Mix aus Illies und Miegel) »Generation Reform«. Nolte
benutzt gerne den Begriff des Risikos und meint damit (...) immer
das Risiko des anderen. Ein intellektuelles Risiko vermeidet er unter
allen Umständen."
Beispielhaft
für die intellektuelle Risikoscheu von NOLTE sind dessen
Ausführungen zur "Single-Gesellschaft":
"Manchmal schreibt
Nolte einfach irgend etwas hin. An anderer Stelle geht es um die
Familienvorstellungen der Parteien. Da hießt es dann,
Sozialdemokraten und Grünen seien »eher als Fürsprecher der
bindungslosen Singlegesellschaft bekannt gewesen« - und würden nun
aber Familie »wieder« wertschätzen. Er braucht dieses erste Moment
nur, um irgendwie ein historisches Verlaufsmuster konstruieren zu
können. Bloß: Es ist falsch. Zu keinem einzigen Zeitpunkt sind SPD
und Grüne als Fürsprecher einer bindungslosen Singlegesellschaft
aufgetreten. Keine deutsche Partei ist das, denn es widerspricht dem
Gedanken einer jeden Partei. (...). Es stimmt weder soziologisch
noch milieutheoretisch: Viele Sozialdemokraten kommen aus
kinderreichen Familien, und Grüne wachsen bekanntlich in
Wohngemeinschaften."
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- Der singlefeindliche
Artikel:
KLOEPFER, Inge (2006): Auf immer kinderlos, die deutsche Extratour.
Irgend etwas ist schief gelaufen: Die Nachbarn in Europa haben
wieder Kinder. Die Deutschen nicht,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.02.
- Kommentar:
Wenn es eine deutsche Extratour gibt, dann ist
es das bevölkerungsstatistische Desaster.
Inzwischen müssen die deutschen
Bevölkerungsstatistiker immer öfter einen Offenbarungseid leisten.
Wenn nun
Inge KLOEPFER behauptet, dass die lebenslange Kinderlosigkeit zugenommen
hat, dann bleibt sie jegliche Belege schuldig.
Alarmierende Ergebnisse
meldet KLOEPFER, aber ohne auch nur einen einzigen seriösen Beweis
dafür zu liefern.
Sie verweist stattdessen auf
Untersuchungen, über die
bereits das
britische Magazin Economist am 9. Februar berichtete.
Dies wird jedoch nicht einmal erwähnt.
Die genannten Daten sind
völlig überaltert, wenn man bedenkt, was in den letzten Jahren alles
passiert ist.
Die Daten von Hans-Peter KOHLER (Die Studie ist als PDF-Datei über
den Economist-Artikel abrufbar) beziehen sich auf die
Jahrtausendwende bzw. auf das Jahr 2002. Es handelt sich zudem nicht
um Daten, die seriöse Aussagen über die Geburtenentwicklung der
jüngeren Kohorten zulassen.
Was also soll dieser
Artikel, der keine neuen empirischen Belege liefert? Offenbar soll
Stimmung gegen Kinderlose gemacht werden. Man ist sich deshalb auch
nicht zu schade, veraltetes Material so zu präsentieren, als ob es
sich dabei um aktuelles handele.
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- FICHTE, Hubert (2006): Die Geburt des
deutschen Literaturbetriebs.
Zwanzig Jahre nach seinem Tod erscheint jetzt der letzte Band
seines Hauptwerks, der "Geschichte der Empfindlichkeit",
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.02.
- RÜHMKORF, Peter/MEINECKE, Thomas/BUCH,
Hans Christoph (2006): Er hat mich einen Mörder genannt.
Zwei Freunde erinnern sich an Streit und Versöhnung, und ein
Schüler feiert den Mann, der ihn zum Schriftsteller machte,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.02.
- Inhalt:
U.a. erzählt
Thomas MEINECKE von seiner
Beziehung zu
Hubert FICHTE, zur Hamburger
Diskothek Grünspan und von
Bernd CAILLOUX:
"Das Publikum im
Grünspan war gemischt, am einen Ende des Spektrums gab es
hedonistische, einem literarisierten Anarchismus zuneigende
Gymnasiasten wie mich, (...) am anderen Ende, zunehmend, je näher
der Morgen kam, Huren und Zuhälter. Gemeinsamer Nenner aller
Beteiligten: Glam. Mein erstes eigenes Buch Hubert Fichtes sollte
dann 1975 die rororo-Ausgabe von Detlevs Imitationen - Grünspan
sein. Ich konnte es gar nicht glauben, daß einer da, zwanzig Jahre
äler al ich, den Namen meiner liebsten Diskothek auf den Titel
seines Romans gesetzt hatte, und schloß diesen Autor endgültig in
mein Herz.
Mehr als zehn Jahre später lernte ich in Bernd Cailloux einen
Schriftsteller kennen, der für die revolutionäre Light Show des
Grünspan verantwortlich gewesen war."
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NOLTE, Paul (2006): Deutschland, in Angst erstarrt.
Aus der Bundesrepublik ist
eine "Risikovermeidungsgesellschaft" geworden, schreibt Paul Nolte.
Der Unwille zur Veränderung ist eine der wesentlichen Ursachen für die
Probleme des Landes,
in: Welt am Sonntag v. 26.02.
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HAMMELEHLE, Sebastian (2006): "Meine Leute sind die Deutschen".
Gibt es auch in Deutschland
einen Kulturkampf zwischen Christen und Muslimen? Der Schriftsteller
Feridun Zaimoglu sagt nein und warnt vor öffentlicher Hysterie. Ein
Gespräch über seinen neuen Roman "Leyla", den Karikaturenstreit, die
Thesen von Botho Strauß und eine Grundschullehrerin namens Hüve,
in: Welt am Sonntag v. 26.02.
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- JÄHNER, Harald (2006): Das globale
Poesiealbum.
Die Internetseite myspace.com
macht 50 Millionen Menschen miteinander bekannt,
in: Berliner Zeitung v. 25.02.
- Inhalt:
Harald JÄHNER hat mit der Website myspace die
Zukunft gesichtet:
"ein
Triumph des Narzissmus. Die Größe des Raumes fällt mit einer fein
getunten geistigen Enge zusammen: In Deutschland wird myspace
auffällig häufig von Gothics, Punks und Antinazi-Skins frequentiert,
von Leuten also, deren Freundeskreis kulturell akribisch
ausgesteuert sein muss, damit sie das Gefühl haben, im Milieu
geistig zu gedeihen.
Zur geistigen Sortierung
dienen Listen: Meine Lieblingsfilme, Lieblingsmusik,
Lieblingsbücher, Lieblingshelden bilden aufgelistet einen geistigen
Lebensraum, der zum Kommunizieren und Abgrenzen einlädt. Dazu
präsentiert man sich in myspace mit einem sogenannten
Persönlichkeitsprofil (...).
Mit den Profilen kann man
auf sich aufmerksam machen wie die Nachtigall mit ihrem Gesang und
der Pudel mit seinem Gestank. Und wie im klassischen Poesiealbum
sind Freunde die Währung von myspace."
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Focus-Titelgeschichte:
Liebe & Zoff.
Stress, Streit, keine Zeit? So überlebt Ihre
Beziehung den Alltag |
- GERBERT, Frank (2006): Liebe.
Paare suchen Hilfe gegen Alltagsärger und Streit,
in: Focus Nr.9 v. 25.02.
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- HANIKA, Iris (2006): Einfach immer
weiter.
Aussichten wären schön: Das Leben im Praktikum
in: Süddeutsche Zeitung v. 25.02.
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HAARHOFF, Heike (2006): Die Quelle ist versiegt.
100 Tage Schwarz-Rot: Was die Grüne Klientel denkt.
Gartenzäune sind laut
Satzung in der Ökosiedlung Waldquelle bei Bielefeld verboten. Fast 20
Jahre leben hier nun Menschen, denen Ökologie und die Grünen ein
Anliegen waren. Heute wirken sie müde - "die Luft ist raus", heißt es.
Und selbst Angela Merkel kommt gar nicht so schlecht an,
in: TAZ v. 25.02.
- Inhalt:
"Wir. 286 Menschen aus der Ökosiedlung Waldquelle,
verteilt auf 100 Eigenheime, Reihenhäuser und genossenschaftliche
Mietwohnungen, schadstofffrei und niedrigenergetisch, gelegen am
Stadtrand von Bielefeld mit Blick auf den Teutoburger Wald. 286
Menschen, organisiert in Kleinfamilien, die Kinder von ziemlich
klein bis demnächst volljährig, die Erwachsenen zwischen 40 und 60.
Viele Sozialarbeiter, viele Heilpraktiker, viele Ärzte, viele
Lehrer. Die Yildirims, die Özkans und die Oktays fehlen an den
Klingelschildern.
Wenn man fragt, woran es liegt, dass es keine Ausländer in der
Siedlung gibt, dann wird man belehrt, dass niemand ausgegrenzt werde
und es Einwohner mit Migrationshintergrund gebe: zwei Österreicher.
Ansonsten aber ist man deutsch im Waldquellenweg und wählt bevorzugt
Grün, immer schon und immer noch, 19,1 Prozent waren es bei der
vergangenen Bundestagswahl", beschreibt HAARHOFF die Einwohner der
Ökosiedlung Bielefeld-Quelle, deren politischen Gesinnungswandel sie
in einer Reportage nachspürt.
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UNFRIED, Peter (2006): Rock gegen gar nichts.
Für die, die es nicht wissen:
Erdmöbel sind eine große Band. "für die nicht wissen wie" ist ein
großes Album. Eine Begegnung mit Sänger und Lyriker Markus Berges. Und
ein Gespräch über die neue Bürgerlichkeit des Rock 'n' Roll,
in: TAZ v. 25.02.
- Kommentar:
Angesichts der
überfälligen Anpassung der Rhetorik an den
längst gepflegten Verhaltensstil von Ex-Linken, der in
den Feuilletons fälschlicherweise als Verbürgerlichung beschrieben
wird, fragt UNFRIED den Songschreiber Markus BERGES von der Band
"Erdmöbel":
"Der
wirtschaftliche gefragte und politisch propagierte Lebensstil ist
Individualismus zum Zwecke der Stärkung der eigenen Ökonomie. Was,
wenn die halbwegs gut verdienende Mittelschicht, zu müde oder zu
intelligent, sich die Namen von monatlich neuen
20-jährigen Rebellen aus England zu merken, seine Songs dazu
nutzte, um sich in der Besitzstandswahrung zu bestätigen? Oder sich zu
entspannen, um morgen wieder voller Elan diese individuellen
ökonomischen Ziele verfolgen zu können. Wenn das die Funktion von
Erwachsenenmusik im 21. Jahrhundert wäre?"
Die Antwort ist
typisch für jene
smarten Neubürgerlichen, bei denen
immer noch eine Kluft zwischen öffentlicher Rhetorik und
persönlichem Lebensstil besteht. Wer wie BERGES "eine
Frau, zwei Kinder" hat, um
sich dann von Erwachsenenpop zu distanzieren, der gehört zu den
Indifferenten der schönen jungen welt.
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KLOPOTEK, Felix (2006): Einfach weitermachen.
Im Schatten des Erfolgs
britischer Rockmusik hat der amerikanische Indierock seine Hipness
verloren. Kein Wunder. Hier wird das Gefühl verhandelt, mit der ganz
großen Karriere werde es nichts mehr. Das öffnet aber Raum für ganz
eigene Entwürfe,
in: TAZ v. 24.02.
- Kommentar:
KLOPOTEK, der für das
"Glossar der Gegenwart" die
Selbsttechnologie Projekt beigesteuert hat, kritisiert die
Klassenfrage in der britischen Indie-Szene, für die zwei
"authentische" Musiker-Typen-Klischees stehen:
"englische
Rockmusik, die seit zwei Jahren so schrecklich hip ist, wird nicht
zuletzt unter dem Aspekt der Klassenzugehörigkeit rezipiert.
Entweder haben wir den Typ »proletarische Aufsteiger» samt den
entsprechenden Kritikerklischees(...). Oder den Typ »gehobene
Mittelklasse« - auch dazu fallen einem sofort die passenden
Zuschreibungen ein: »Kunststudenten« - "ironische Gebrochenheit (zur
eigenen halb privilegierten Herkunft, aber auch zu den Proleten)" -
»arrogante Intelligenz« - »kokette Musik mit salonbolschewistischer
Attitüde«."
In den USA war
das anders, erklärt uns KLOPOTEK. Dort stand Anfang der 90er Jahre
nicht die Verarbeitung der sozialen Herkunft, sondern der
Behauptungswille im Vordergrund:
"Anfang
der Neunziger waren die Interessen anders verteilt. Der typische
Indierock-Nerd war Amerika-orientiert, für ihn klangen britische
Bands aus Prinzip nach den Beatles oder den Stones, also
uninteressant. Was an Typen wie Gelb oder Watt oder den Chicagoer
Postrockern oder den Emocore-Bands aus Washington oder New York
begeisterte, war nicht die Verarbeitung ihrer sozialen Herkunft,
sondern ihr Behauptungswille: Wie schaffen es eigentlich diese Typen
aus dem piefigen Seattle, so einen geilen Sound zu spielen? Das
passte alles ganz gut zu hiesigen studentischen Lebensentwürfen: Man
hat viel Zeit, man wird schon einen Job finden, man wird sich dafür
nicht totschuften".
In Zeiten, in denen
sich
Angehörige der jungen kreativen Elite als
urbane Penner oder als
"Lebenspraktikanten" beschreiben,
gibt es jedoch kein einfaches Zurück mehr.
Für KLOPOTEK ist
deshalb die neue Bescheidenheit angesagt, für die nun der
US-amerikanische Indie-Rock steht:
"Dass
es mit den großen Karrieren nichts (mehr) wird, dürfte die
Grundstimmung der amerikanischen Indie-Szenen sein und die Ursache
für eine ungeahnte Experimentierlust und eine fast atemberaubende
Beiläufigkeit ausmachen".
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KREKELER, Elmar (2006): Verwirrte Männer.
Weichgespült: Oskar Roehler
verfilmt und verformt Michel Houellebecqs Bestseller
"Elementarteilchen",
in: Welt v. 23.02.
-
MÜLLER, Katrin Bettina (2006): Große Verschwendung.
Ein bisschen Komödie, ein
bisschen Kitsch und viele Hiebe auf die emanzipatorischen Projekte
der Vergangenheit: Oskar Roehler hat aus Michel Houellebecqs Roman
"Elementarteilchen" ein pathetisch verlängertes Pubertätsdrama
gemacht,
in: TAZ v. 23.02.
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GAUTIER, Michael (2006): Leiden an Deutschland.
Eine Gruppe von ForscherInnen
will in Anlehnung an Pierre Bourdieu ein Bild der alltäglichen Ängste,
Nöte und Hoffnungen in Deutschland zeichnen. Das Ergebnis ist
zwiespältig,
in: WochenZeitung v. 23.02.
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- MEYER, Stefan (2006): Der iPod und
seine Peripherie.
Diedrich Diederichsen lebt mittlerweile in Berlin, lehrt in
Stuttgart Visuelle Kommunikation und sucht demnächst in Armerika nach
neuen Trends. Anlässlich seiner Textsammlung "Musikzimmer" stand der
Vielgefragte dem tip Rede und Antwort,
in: tip Nr.5 v. 23.02.
- Inhalt:
Diedrich DIEDERICHSEN
u.a. über Trends:
"tip: Gibt es geheime
Mechanismen, nach denen Trends gemacht werden oder anders: warum
finden den alle eigentlich gleichzeitig The Strokes, Maximo Park,
Arcade Fire, Blumfeld oder Tomte cool? Wie entstehen eigentlich
solche Trends und warum darf man manches nicht gut finden?
Diederichsen: Da ich keine
Bestechungsgelder mehr erhalte, weiß ich das auch nicht."
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- ARNING, Matthias (2006): Ohne Risiko.
Paul Nolte, Vordenker der
Neokonservativen, enttäuscht mit seinen Reflexionen über die "riskante
Moderne",
in: Frankfurter Rundschau v. 22.02.
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- GLASER, Peter (2006): Die
Jedermann-Baustelle.
Schön ist diese große Stadt.
Ein bisschen Berlin-Gefühl,
in: Berliner Zeitung v. 22.02.
- Inhalt:
"Es
gibt Umbruch, Aufbau, brutale Eleganz. Diese ganze Berlin-Dynamik
ist überhaupt erst genießbar geworden, nachdem
die Hysterie der Boomjahre verklungen war - die Zeit, als Sinn
durch Geschwindigkeit ersetzt worden war",
teilt Peter GLASER mit, um zum Schluss ein Loblied auf das
Kleinräumige der Metropole zu singen:
"Viele
Provinzler, die sich nach Berlin absetzen, um Träume zu leben,
finden sich überrascht wieder - in einer Dörflichkeit. Die Stadt ist
zu groß, um eine einzige Stadt zu sein. Berlin ist eine Fülle von
Berlins. In emotionalen Zellteilungen vervielfältigt es sich in
Gegenden, Bezirke, Reviere, Clans."
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- LEBER, Sebastian (2006): Verwende deine
Jugend.
Die Fehlfarben sind eine
Pop-Institution. Das Jubiläums-Album „26 ½“ zeigt, wohin das führt,
in: Tagesspiegel v. 22.02.
- Inhalt:
LEBER porträtiert Peter HEIN, der mit der Band
Fehlfarben das wichtigste deutsche Punkalbum
"Monarchie und Alltag" aufnahm. Nun
erscheint das Jubiläumsalbum "26 1/2":
"18
Lieder sind auf dem neuen Album. Eingespielt von den Fehlfarben,
jeweils mit einer fremden Stimme. Herbert Grönemeyer macht mit,
Schauspieler Peter Lohmeyer, Sven Regener von Element of Crime und
Tocotronics Dirk von Lowtzow auch. Ja, sogar Helge Schneider.
"
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- RÜDENAUER, Ulrich (2006): Die neue
Sozialdiät.
Ulf Poschardt tröstet sich
mit 200 PS und schreibt den Ratgeber zur Einsamkeit,
in: Tagesspiegel v. 21.02.
- Inhalt:
Ulrich RÜDENAUER klärt erst einmal den Status
von Ulf POSCHARDT, der ein Buch über die
"Einsamkeit" verfasst hat:
"Vor
ein paar Jahren noch hat er seine Bücher bei Rogner & Bernhard oder
Merve veröffentlicht, Verlagen mit street credibility. Poschardt war
damals hip, „Cultural Studies“ und so. Heute ist er bei Kabel, dem
Lebenshilfe-Verlag von Piper gelandet und redet von
Eigenverantwortung und Werten. Ratgeber gibt es viele. Warum nicht
auch einen über die Einsamkeit?
Man kann, als ungeübter Einsamer, beim Einsamsein ja viel falsch
machen."
RÜDENAUER beschreibt
das Buch als "Mischung aus »Brigitte«-Dossier,
Lebenshilfe-Leitfaden für urbane Mittelschichtkinder und
Selbstbekenntnis", fügt aber
hinzu:
"Poschardt ist Popstar und
Fan, Querdenker – und Feminist. »In Deutschland haben einsame Frauen
noch das größte Emanzipationspotenzial. Insofern kann man dieses
Buch auch als feministisches lesen.« Zumal Männer mit
Einsamkeit schlechter umgehen als Frauen."
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- PENZEL, Matthias (2006):
Kontrapunkt, aber kein Hit.
Ein Büchlein über das Glück,
in: Frankfurter Rundschau v. 21.02.
- Inhalt:
Matthias PENZEL stellt das Buch
"Das zerbrechliche Glück"
von Eberhard STRAUB vor:
"Straub
erinnert an Standpunkte des Anarchisten Bakunin, an Aldous Huxley
und überrascht eher en passant mit der Beobachtung, dass außer den
Massenmedien auch der gern alles ordnende Staat in die Privatsphäre
eingreift und Eheschließungen wie Nuklearfamilien - anstelle
eigenständiger Lebensformen und Individuen - fördert.
Straub macht sich stark für
Liebe und Lust, wobei er Ehe und Treue eher nebenbei mitschleppt."
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- EUBEL, Cordula (2006): Es bleibt in der
Familie.
Bundesfamilienministerin
Ursula von der Leyen will die staatlichen Familienleistungen neu
ordnen. Was hätten die Familien davon?
in: Tagesspiegel v. 21.02.
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HACKE, Jens (2006): Das gelingende Leben.
Feine Unterschiede (5): Schon
klar, dass die Neue Bürgerlichkeit derzeit vor allem den Rückzug des
Staates kompensieren soll. Aber die bürgerlichen Werte sind dadurch
noch längst nicht diskreditiert,
in: TAZ v. 21.02.
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Zu den News vom 16. -
20. Februar 2006
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