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Medienrundschau:

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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 25. - 31. Januar 2006

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

"Jener bereits erwähnte Wirtschaftsforschungsinstitutsleiter schrieb: »Wenn alle Menschen gleich viele Kinder hätten, brauchte man die Rentenversicherung eigentlich nicht, denn jeder könnte seine Rente von den eigenen Kindern beziehen.« Die eigenen Kinder, die eigenen Alten, das Eigene...
          
Moderne Gesellschaftspolitik stellte der persönlichen Solidarität einen vergesellschafteten Solidarverband an die Seite, um die »eigenen« privaten Risiken von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Kinderlosigkeit usw. zu mindern - ein Vorgehen, das umso gerechtfertigter war und ist, als die Nöte der individuellen Lebensgeschichte von der herrschenden Ökonomie und Ökologie mitverursacht sind.
          
Eine Politik, welche die soziale Solidarität in die familiären Bahnen zurückdrängen möchte, widerspricht der gesellschaftlichen Entwicklung, in deren Verlauf sich Solidarität von biologischen Fesseln befreit hat. Eine Rückkehr zu vormodernen Verhältnissen würde die Gestaltungs- und Freiheitsräume der Menschen verengen und ihre Unterworfenheit unter die Natur wieder festigen. Moderne Länder wie Deutschland würden durch vormoderne Experimente das verschleudern, was die Länder des Südens aufgrund der Abnahme familiärer Solidarität erst aufzubauen versuchen."
(Judith Klein in der Zeitschrift Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Nr.12, Dezember 2005)

 
 
 
 
  • AUST, Michael (2006): Immer wieder Abschied.
    Nie gab es mehr Fernbeziehungen als heute, und nie waren die Zeiten dafür günstiger. Zwar ziehen die meisten Paare unfreiwillig auseinander - aber die Liebe auf Distanz hat auch ihre guten Seiten. Jedenfalls für einen begrenzten Zeitraum,
    in: TAZ v. 31.01.
    • Kommentar:
      AUST befasst sich anlässlich der Neuauflage des Buches "Gelingende Fernbeziehung" von Peter WENDL mit diesem Phänomen, das seit der Studie von Norbert F. SCHNEIDER u.a. über Berufsmobilität und Lebensform aktueller denn je ist.

                
      Im Gegensatz zu SCHNEIDER wird von WENDL die Fernbeziehung nicht nur als Lebensform der aufstiegsorientierten Elite, sondern auch als erzwungene Beziehungsform der Normalos wahrgenommen.
                
      Single-dasein.de hatte bereits vor fast 3 Jahren die Verengung der Debatte auf die aufstiegsorientierte Elite kritisiert. Auf die spezielle Situation in den neuen Bundesländern wurde im August 2002 eingegangen.     
 
 
 
  • ENGELMANN, Jan (2006): Wenn alle Türen zufallen.
    Feine Unterschiede (3): Minigolf als Menetekel? Solche Probleme hätte man gerne. Wer sich über die neue Spießigkeit erregt, sorgt sich eigentlich um die Politikfähigkeit der Mittdreißiger. Und diese Sorge ist begründet - längst schlagen die aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes zu Buche,
    in: TAZ v. 31.01.
    • Kommentar:
      In der Debatte um die "neue Bürgerlichkeit" scheint für Jan ENGELMANN die Selbstreferentialität der journalistischen Klasse auf.

                
      Er pflichtet nichtsdestotrotz Kollege Claudius SEIDL bei und sieht in Berlin die "Hochburg des neurotischen Lebensstilvergleichs".
                
      Obgleich ENGELMANN Lebensstilaussagen abwertet, stützt er sich ausgerechnet auf solche, wenn er auf die empirischen Lebensstil-Untersuchungen des Mannheimer Sigma-Instituts zurückgreift - statt z.B. auf Sozialstrukturanalysen.
                
      Ausgerechnet das schmale Segment der geburtenschwachen Jahrgänge der 30- bis 35jährigen gilt ihm als Maßstab für seine Analyse, nach der die zunehmende Prekarisierung des Erwerbsleben die Suche nach einer neuen Verbindlichkeit fördert.
                
      Als Alternative zum unpolitischen Gerede über die neue Bürgerlichkeit bietet ENGELMANN deswegen die gewerkschaftliche Organisierung an. 
 
  • BISKY, Jens (2006): Zeit für einen Abschied.
    Die "neue Bürgerlichkeit" ist nur ein Lifestyle unter vielen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 31.01.
    • Inhalt:
      Jens BISKY konfrontiert das Gerede über die neue Bürgerlichkeit von der taz bis zur Jungen Freiheit mit dem liberalen Großbürgertum der Dienstbotengesellschaft.

                
      Dagegen erscheint das neue kleinbürgerliche Spießertum von Paul NOLTE bis Udo Di FABIO, das auf Family Values setzt, angesichts der neuen Wirtschaftsordnung als nostalgische Omnipotenzphantasie:
                
      "Das neubürgerliche Familienbild wird gegen Singles und Schwule, gegen Zeugungsunwillige und Bindungsunfähige entworfen. Dabei war und ist die Entmachtung der Familie ein Werk des Staates.
                
      Es ist das letztlich Frivole des Geredes (...), dass hier strukturelle Probleme und Krisen zu Mentalitäts- und Benimmfragen verniedlicht werden."
 
 
 
  • GARBERS, Sandra & Felix MÜLLER (2006): "Evolutionsbiologie ist Comedy".
    TV-Entertainer Jürgen von der Lippe über die Vorzüge des Singledaseins, den männlichen Jagdtrieb und die Frage, wie ein guter Witz entsteht,
    in: Welt v. 31.01.
    • Inhalt.
      Jürgen von der LIPPE u.a. über die Vorzüge des Living apart together als Lebensform:

                
      "DIE WELT: Sie sind nach einer Ehe mit Margarethe Schreinemakers wieder mit ihrer ersten Frau zusammen, leben aber getrennt.
      von der Lippe: Ja, aber wir haben immer zwei Wohnsitze gehabt. Sie lebt sehr schön, im Wald, zwei Seen. Es ist aber ein kleines Häuschen. Ich aber bin ein Stadtkind. Deshalb wäre es Unsinn, wenn wir an dieser schönen Situation etwas ändern würden. Wir besuchen uns gegenseitig.
      DIE WELT: Würden Sie noch einmal mit einer Frau zusammenziehen?
      von der Lippe: Glaube ich nicht. Ich bin der festen Überzeugung: Wenn man das nicht frühzeitig lernt, dann kann man das nicht. Bei mir kommt hinzu, daß ich in meinem kreativen Beruf ja eigentlich nie Feierabend habe. Wenn zwei im Büro arbeiten und man danach nach Hause kommt, kann das wunderbar funktionieren. Wenn das aber nicht der Fall ist und die Partner vielleicht auch noch einen unterschiedlichen Rhythmus haben - Margarethe war Frühaufsteherin -, das geht dann gar nicht.
      DIE WELT: Also haben Sie die Vorteile des Ehemannes und die Vorteile des Singles.
      Von der Lippe: Das ist ganz ideal für mich, und ich kann es nur empfehlen."
 
  • FEDDERSEN, Jan (2006): Künstliche Allianzen.
    Minderheiten sind mehr denn je Objekte des ideellen Lobbyismus. Dabei hat sich die Gesellschaft längst weiterentwickelt: Sie ist liberal und pluralistisch. Warum Minorität keine Kategorie mehr sein sollte,
    in: TAZ v. 30.01.
    • Kommentar:
      Jan FEDDERSEN ist mit der neuen Mitte im Mainstream angekommen. Nun soll Schluss sein mit den Minderheiten, denen die neue Mitte ihren Aufstieg verdankte. Damit gehört FEDDERSEN zur Speerspitze eines neuen Republikanismus. Pluralismus ist in diesem Sinne das, was der neue Republikanismus dafür hält. Basta!

                
      Während FEDDERSEN sich politisch korrekt auf dem Felde der Ethnien und sexuellen Orientierungen bewegt, wird der innenpolitische Konflikt zwischen Kinderlosen und Eltern in der taz verharmlost.
                
      Ob Deutschland als pluralistische Gesellschaft gelten kann, das dürfte sich in Zukunft in erster Linie daran festmachen lassen, wie mit den Kinderlosen in dieser Gesellschaft umgegangen wird.
                
      Wie wenig pluralistisch Deutschland in dieser Hinsicht tatsächlich ist, das zeigt der baden-württembergische Wahlkampf...  
 
  • PLATEN, Heide (2006): Wahlkampf im Schatten des Rücktritts.
    Zwei Monate vor der Landtagswahl muss Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger um seinen Modernisierungskurs bangen. Nach der überraschenden Demission des Sozialministers triumphiert der ländlich-konservative Parteiflügel,
    in: TAZ v. 30.01.
 
 
 
  • DEIßNER, David (2006): Viele Leben hat die Hausfrau.
    Nichts sorgt in der Koalition für soviel Ärger wie die Familienpolitik. Die Union fürchtet, die traditionelle Alleinverdiener-Ehe könne vergessen werden. Was denken Hausfrauen darüber? Eine Spurensuche,
    in: Welt am Sonntag v. 29.01.
 
  • ZIELKE, Anne (2006): Kita.
    Das Wortporträt,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 29.01.
    • Kommentar:
      Wortreicher Aufwand für Nichts! Anne ZIELKE hasst Kitas.
 
  • WIEGEL, Michaela (2006): Kinderreichtum dank gut verdienender Frauen.
    Angesichts der hohen Geburtenrate gilt in Frankreich die Förderung der Kinderbetreuung als großer Erfolg - auch für den Arbeitsmarkt,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.01.
    • Kommentar:
      Die neue Bundesregierung vermarktet die Bevölkerungspolitik neuerdings als Arbeitsmarktpolitik. Dies steht auch bei WIEGEL im Vordergrund, wenn sie mit Blick auf Frankreich schreibt:

                
      "Insgesamt 450 000 Beschäftigte betreuen in Frankreich als »nourrice« oder als »assistante maternelle« Kinder, die Tendenz ist steigend."
                
      Nicht die staatliche Kindergartenbetreuung soll jedoch ausgebaut werden, sondern haushaltsbezogene Dienstleistungen wie z.B. Tagesmütter sollen gefördert werden.
                
      An dieser Kontroverse entzündet sich zurzeit der Streit zwischen der Tagesmütter-CDU und Kita-SPD - immerhin stehen 3 Landtagswahlkämpfe an... 
 
 
  • BRINCK, Christine (2006): Gute Scheidung, schlechte Scheidung.
    Auch ohne Schlammschlacht dr sich trennenden Eltern sind meist die Kinder die Leidtragenden,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 28.01.
    • Kommentar:
      BRINCK identifiziert sich voll und ganz mit dem Buch "Between Two World: The Inner Lives of Children of Divorce" von Elizabeth MARQUARDT, weswegen man nur zustimmen kann oder anderswo nach Gegenpositionen suchen muss.

                
      Gefragt werden muss jedoch, warum eigentlich in Studien immer NUR Scheidungs- und keine Trennungskinder untersucht werden?
                
      Es gibt keinen logisch zwingenden Grund, warum Kinder Trennungen anders als Scheidungen empfinden sollten. Wenn aber immer weniger Kinder in Ehen aufwachsen, sollte dies zu denken geben.
                
      Wenn es also weder logische Gründe gibt, noch die Heiratsentwicklung solche Untersuchungen nahe legen, dann sind Untersuchungen zu Scheidungen zuallererst ideologische Unternehmungen.
                
      Tatsache ist jedenfalls, daß es auch vor der Liberalisierung der Scheidungsgesetze Trennungen von Eltern gab. Schlammschlachten sind in dieser Sicht keine neue "Errungenschaften" unserer Gesellschaft.   
 
 
SZ-Magazin-Titelgeschichte: Die Mutter der Nation.
Kinder und Karriere. Warum bloß ist niemand stolz auf diese Frau?
  • POELCHAU, Nina (2006): Die Rabenmutter.
    Ursula von der Leyen hat sieben Kinder. Und dann auch noch Karriere gemacht. Ausgerechnet als Familienministerin. Das darf doch nicht wahr sein! Hier sind ein paar Einblicke in unsere Neidgesellschaft,
    in: SZ-Magazin v. 27.01.
    • Kommentar:
      Das Magazin für die Besserverdienenden findet eine Politik für die Mütterelite gut.

                
      Um jede Kritik im Keim zu ersticken, pappt man von der LEYEN ein Stereotyp wie Rabenmutter auf die Stirn und bezichtigt die Kritiker als Neidhammel. Gegen solche Demagogie muss sachliche Kritik blass aussehen.
                
      Nur: wen will man damit überzeugen? Offenbar predigt man am liebsten zur gläubigen Gemeinde der Überzeugten.
                
      "Entweder Job oder Kind – 32, 7 Prozent der Akademikerinnen bleiben heute kinderlos", belehrt uns POELCHAU, das sind im Vergleich zu Martina MEISTER immerhin schon 7,3 Prozent weniger.
                
      Das liegt immer noch 1,7 Prozent über Felix BERTH, der am 08.11.2005 die SZ-Leser über die "demografischen Märchen" aufgeklärt hat.
                
      Der Elterngeld-Wahlkampf war vorüber und wen interessieren dann noch die Lügen von gestern, wenn der Zweck jedes Mittel heiligt?
 
  • ALEXANDER, Robin (2006): Kinder, Kinder.
    Jahrzehntelang haben CDU und SPD die Familien ignoriert. Jetzt streiten beide Volksparteien um die beste Förderpolitik. Elterngeld, kostenloser Kitaplatz, steuerlich absetzbare Tagesmütter - das Motto lautet: Wer bietet mehr? Das wirklich Wichtige vergessen sie: Leben mit Kindern ist keine Sensation,
    in: TAZ v. 27.01.
    • Kommentar:
      Ist die Medienbranche das Epizentrum der deutschen Akademikerinnenkinderlosigkeit? Die hysterische Berichterstattung deutet darauf hin, dass etwas dran ist.

                
      Im Dezember wurde von single-generation.de Susanne GASCHKEs Buch "Die Emanzipationsfalle" mit Katja KULLMANNs Buch "Generation Ally" verglichen. Es wurde u.a. gefragt, warum gerade die Medienbranche eine Single-Ästhetik und ihr Pendant, die Single-Rhetorik, hervorgebracht hat.
                
      ALEXANDER beklagt jedenfalls, dass Kinderlose das Bild von der Familie prägen:
                
      "Die Leitartikel, die Politik für Familien propagieren, werden von Männern geschrieben, die ihre Kinder nicht ins Bett bringen, weil sie zu dieser Zeit noch im Büro sind. Ein relativ junges Phänomen ist, dass es mittlerweile auch viele Frauen gibt, die Leitartikel schreiben oder die Chefinnen von Leitartiklern sind. Allerdings sind es fast nie Mütter, die es in Führungspositionen schaffen.
      Die erste Kanzlerin dieses Landes ist kinderlos. Die bislang einzige Ministerpräsidentin war es. Vier von sechs Frauen im Bundeskabinett sind kinderlos. Aber kein einziger Minister. Die Vorbildfrauen im Fernsehen - Christiansen, Illner, Maischberger - sind kinderlos. Und so sieht es überall aus: in den Vorständen von Unternehmen und Parteien, in den Führungsgremien von Organisationen und Redaktionen." 
 
 
  • RM-Thema: Stärkt Schwarz-Rot die Familie?

    • BRAUN, Ludwig Georg (2006): Wünsche der Wirtschaft.
      Königsweg: Gute Kinderbetreuung ist das A und O,
      in: Rheinischer Merkur Nr.4 v. 26.01.
    • PETROPULOS, Kostas (2006): Gefährliche Illusion.
      Sackgasse: Alles wird dem Markt untergeordnet,
      in: Rheinischer Merkur Nr.4 v. 26.01.
    • MISHRA, Robin (2006): Der Widerstand wäscht.
      Koalitionskrach: Hinter der Debatte steckt ein unterschiedliches Familienbild von Union und SPD,
      in: Rheinischer Merkur Nr.4 v. 26.01.
 
  • GASCHKE, Susanne (2006): Die Moderne.
    Familienministerin Ursula von der Leyen streitet für Haushaltshilfen und Elterngeld – und provoziert mit ihrer Biografie Rechte wie Linke,
    in: Die ZEIT Nr.5 v. 26.01.
 
  • SOBOCZYNSKI, Adam (2006): Papa ist Beamter.
    Die meisten Journalisten stammen aus den Familien der Mittelschicht. Folge ist eine einseitige Sicht auf die Welt,
    in: Die ZEIT Nr.5 v. 26.01.
    • Kommentar:
      In einem Medien-Spezial schreiben Journalisten über ihre Sicht der Arbeit. SOBOCZYNSKI sieht in der sozialen Herkunft ein Problem:

                
      "Die Studie Journalismus in Deutschland ergab wenig Überraschendes: 1993 waren etwa 55 Prozent der Eltern von Journalisten Angestellte und Beamte, 10 Prozent aller Journalisten kamen aus dem Arbeitermilieu, der Rest verteilte sich auf Selbstständige und Oberschicht. Weischenberg aktualisiert derzeit diese Studie, die voraussichtlich im März neu veröffentlicht wird. Sie ergibt, dass nunmehr 67 Prozent aller Journalistenväter und 61 Prozent der Mütter aus der Mittelschicht (Angestellte und Beamte) kommen und nur noch gut 8 Prozent der Väter und 3 Prozent der Mütter den Unterschichten angehören."
                
      Man beachte: Früher (1993!) gab es noch eine Arbeiterschicht und jetzt ist da - feuilletonkompatibel - nur noch die Unterschicht! 
 
  • DLF (2006): "Ein stiller, aber wirkungsvoller Gebärstreik".
    Studie belegt zunehmende Kinderlosigkeit von Akademikerinnen,
    in: DeutschlandRadio v. 26.01.
    • Kommentar:
      Uta MAIER-GRÄWE, Professorin für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaft an der Universität Gießen, führt eine Studie zum Thema Studieren mit Kind durch.

                
      Auch hier werden gezielt überhöhte Zahlen verbreitet. Außerdem wird eine Zunahme der Akademikerinnenkinderlosigkeit behauptet, die sich nicht belegen lässt.
                
      Im Gegenteil hat die Studie "Starke Familie" der Kommission "Familie und Demographischer Wandel" unter Leitung von Kurt BIEDENKOPF ergeben, dass die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen im Vergleich zu den 70er Jahren abgenommen hat.
 
  • MARIN, Bernd (2006): Stirbt Europa aus?
    Worin liegt das Problem anhaltend niedriger Fertilität für Europa?
    in: Der Standard v. 25.01.
    • Kommentar:
      In der Wiener Zeitung Der Standard schreibt Bernd MARIN in seiner Kolumne über bevölkerungspolitische Themen.

                
      Heute befasst er sich mit den europäischen Geburtenraten und dem Problem der Kinderlosigkeit:
                
      "Tatsächlich gibt es keinerlei historische Erfahrung mit großen schrumpfenden Bevölkerungen in der Neuzeit. Der seit dem Ersten Weltkrieg anhaltende Geburtenschwund wurde nur durch den Babyboom nach dem Zweiten Weltkrieg mit Höhepunkt 1957 (USA) und 1964 (Europa) unterbrochen. Er hat, mit Ausnahme Deutschlands und im Gegensatz zu weit verbreiteten Mutmaßungen überhaupt nichts mit angeblich zunehmender Kinderlosigkeit, sondern nur mit sinkender Kinderzahl der Frauen mit Kindern sowie mit dem Verfall von Mehrkindfamilien zu tun. So ist die Anteil kinderloser Französinnen mit 10 % kaum halb so hoch wie vor zwei Generationen, die Zahl kinderloser Österreicherinnen heute kaum halb so hoch wie zu Zeiten ihrer Groß- und Urgroßeltern im 20. und 19. Jahrhundert, als noch jede dritte Frau kinderlos blieb."
                
      Inwiefern Deutschland hinsichtlich der Kinderlosigkeit tatsächlich eine Ausnahme ist, das ist - für die jüngere Generation - noch keinesfalls belegbar. Die deutsche Statistik lässt im Gegensatz zur französischen Statistik keine genauen Angaben hinsichtlich der Kinderzahlen pro Frau zu. Dies müsste MARIN eigentlich wissen.  
 
  • FR-Plus-Thema "Neue Väter braucht das Land"

    • DECKENBACH, Karin (2006): Kampf den Rabenvätern.
      Die deutsche Familienpolitik hängt altbackenen Vorstellungen hinterher und subventioniert das Modell des Alleinernährers,
      in: Frankfurter Rundschau v. 25.01.
    • HAMPEL, Martin (2006): Karriere knicken.
      Beruf und Familie sind schwer in Einklang zu bringen - dennoch bleibt Elternzeit für viele deutsche Väter ein Fremdwort,
      in: Frankfurter Rundschau v. 25.01.
    • MEISTER, Martina (2006): Das Modell Frankreich.
      Berufstätige Mütter sind jenseits des Rheins ebenso eine Selbstverständlichkeit wie eine kontinuierlich steigende Geburtenrate,
      in: Frankfurter Rundschau v. 25.01.
    • ARNING, Matthias (2006): Im Namen der Kinder.
      Kaufmann über Schrumpfung,
      in: Frankfurter Rundschau v. 25.01.
      • Kommentar:
        Die Sachlichkeit leidet unter der gefühlsmäßigen Übereinstimmung zwischen Rezensenten und Autor. Der Leser kann sich dieser Begeisterung anschließen, warum er dies tun soll, dass wird jedoch nicht so richtig klar.

                  
        So wird nicht zwischen Bevölkerungsentwicklung und Geburtenentwicklung unterschieden. Moderne Gesellschaften zeichnen sich hier gerade durch eine Entkopplung aus. Stattdessen wird der Geburtenrückgang mit einem Bevölkerungsrückgang gleich gesetzt.
                  
        ARNING übernimmt das nationalkonservative Konzept von Franz-Xaver KAUFMANNs Buch "Schrumpfende Gesellschaft", ohne dass dieses Konzept  mit seinen weitreichenden Konsequenzen für das bevölkerungspolitische Denken sichtbar wird.
                  
        Ein wichtiger, aber umstrittener Punkt ist die Behauptung, dass Geburtenentwicklung und Wohlstand eng miteinander gekoppelt sind. Und nicht nur das: es wird ein positiver Zusammenhang konstruiert. Die Geschichte zeigt jedoch das Gegenteil: Phasen schnellen Bevölkerungswachstums waren in der Vergangenheit mit größerer Armut der Bevölkerung verbunden (vgl. Josef EHMER).
                  
        Fragwürdig ist auch, dass ARNING soziale Ungleichheit innerhalb der Generationen zugunsten einer Generationengerechtigkeit zwischen Generationen verharmlost.
                  
        ARNING schätzt bei KAUFMANN besonders dass er die bevölkerungspolitische Ethik in vordergründig wertneutrale, wissenschaftliche Begrifflichkeiten übersetzt, um sodann zu postulieren, dass Eltern gegenüber Kinderlosen generell benachteiligt sind.
                  
        Es erstaunt deshalb nicht, dass ARNING dafür plädiert, Kinderlose finanziell schlechter zu stellen.
                  
        Verschwiegen wird jedoch, dass die Art und Weise wie der von KAUFMANN bevorzugte katholische Sozialstaat dies tut, sowohl den Staat als auch das Kapital aus der gesellschaftlichen Verantwortung entlässt. Diese Lücke sollen die Kinderlosen füllen.
                  
        Dass dies eine Milchmädchenrechnung ist, ist nur denen sonnenklar, die wissen, dass lebenslang Kinderlose eine Minderheit sind, die zurzeit einen Anteil von ca. 20 % der Bevölkerung stellen. Alle höheren Zahlen rechnen Kinderlose vor der Familiengründung und Eltern, deren Kinder nicht mehr im Haushalt leben, zu den Kinderlosen.
                  
        Die Eltern werden im katholischen Sozialstaat also  letztendlich den Löwenanteil der Zeche selber zahlen!
                  
        Es könnte sogar noch schlimmer kommen: Besserverdienende Kinderlose sind längst nicht mehr an einen nationalen Sozialstaat gebunden, d.h. es wird nur jene gering verdienenden Kinderlosen treffen, die keine Alternativen haben.
                  
        Der katholische Sozialstaat könnte deswegen zum weiteren Anstieg der Kinderlosigkeit führen.
                  
        Die neuen Bundesländer mit ihrem Männerproletariat sind sichtbarer Ausdruck dessen, dass Kinderlosigkeit längst kein Wohlstandsproblem mehr ist.   
    • SCHRUPP, Antje (2006): Die Verantwortung der Frauen.
      Eins, zwei, drei oder viele: Susanne Gaschke denkt nach über Kinderkriegen, Erfolg und Emanzipation,
      in: Frankfurter Rundschau v. 25.01.
      • Kommentar:
        SCHRUPP begrüßt einerseits den Differenzfeminismus (Kritiker würden sagen: Postfeminismus) in Susanne GASCHKEs Buch "Die Emanzipationsfalle", andererseits geht er ihr zu weit, wenn er zum 50er Jahre-Patriarchalismus verkommt, statt an der pluralistischen Gesellschaft festzuhalten:

                  
        "Statt in der Vielfalt weiblicher Lebensmodelle, die heute möglich sind, eine Chance zu sehen, will sie Frauen wieder auf einen einheitlichen Lebensstil einschwören - insbesondere auf die Mutterschaft."
                  
        SCHRUPP wendet sich - im Gegensatz zu ARNING - gegen das nationalkonservative Paradigma, das im katholischen Sozialstaat seinen familienfundamentalistischen Ausdruck findet:
                  
        "Irrtum (...), dass die ideale Fertilitätsrate von zwei Kindern pro Frau am besten dann erreicht wird, wenn jede einzelne Frau diese zwei Kinder auch persönlich bekommt. So ist es jedoch nicht. In Ländern mit hoher Fertilitätsrate, den USA etwa, ist der Anteil von kinderlosen Frauen genauso hoch wie in Deutschland - nur dass diejenigen Frauen, die dort Mütter sind, nicht eins oder zwei, sondern drei, vier oder fünf Kinder haben."
                  
        SCHRUPP wendet sich dagegen, Mütter und Kinderlose gegeneinander auszuspielen.
                  
        Zuletzt weist SCHRUPP noch auf die Dramatisierung des Geburtenrückgangs bei GASCHKE hin. Dass die Geburtenrate nicht rückläufig, sondern relativ stabil war in den letzten Jahrzehnten, dass wissen Leser von single-dasein.de schon längst.
                  
        Die Kritik an GASCHKE ist dennoch entschieden zu verharmlosend, angesichts der Dramatisierungen, die GASCHKE betreibt  
 
  • STREIT, Alexander von (2006): "Konkurrenz wäre nicht schlecht".
    Lebensgefühl als Zeitschrift: Die Neon-Entwickler Michael Ebert und Timm Klotzek über ihre Leser, 
    in: Frankfurter Rundschau v. 25.01.
    • Inhalt:
      EBERT & KLOTZEK stellen die Zeitschrift Neon (Auflage ca. 160.000) als Publikation vor, die sich nicht an die Jugend wendet, sondern Jugendlichkeit als Lebensgefühl authentisch vermittelt. Zielgruppe sind Postadoleszente, die zwar "formal erwachsen" sind, aber sich oft noch nicht so fühlen. Dies sind gegenwärtig vor allem die 20-35Jährigen in Groß- oder Universitätsstädten.
 
 
   

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