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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 22. - 31. Juli 2004

 
 
     
     
     
 
   
Zitat des Monats:
"Als gewollt Kinderloser sollte man sich beizeiten ein dickes Fell zulegen. (...).
Der »Egoismus«-Vorwurf ist (...) der wohl populärste und dennoch nur das erste Glied in einer langen Kette von Vorurteilen und Vor-Verurteilungen, denen sich die Kinderlosen ständig ausgesetzt sehen. Wohl denen, die da wenigstens alleine sind, greift doch bei ihnen das double-income-no-kids-Argument nicht sogleich, wenn die Gegnerschaft auch nicht müde wird zu betonen, dass Steuern zahlen allein den Generationenvertrag ja wohl nicht retten könne. Jetzt sind wir also auch noch Schuld an der Unsicherheit der Renten. All denen, die daran glauben, sei hier mitgeteilt, dass auch unsere Altvorderen vom Beginn bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts es nicht zum, für einen funktionierenden Generationenvertrag entscheidenden, Reproduktionsniveau schafften. Heißt, schon vor 70 Jahren wurden nicht genügend Kinder geboren, um das Bevölkerungsniveau konstant zu halten.
Ein anderes Vorurteil, das sich so hartnäckig hält wie vermeintliche Eisenanteile in Spinat, ist die Einsamkeit der Kinderlosen im Alter. Ein echtes Ammenmärchen. Schließlich ist alles andere als bewiesen, dass Kinderreiche per se im Alter besser dran wären, was die Quantität und Qualität ihrer Sozialkontakte oder die Bereitschaft ihrer Kinder zur Versorgung und Pflege anginge. Längst ist nicht mehr selbstverständlich, dass die eigenen Kinder im Alter für Betreuungsaufgaben zur Verfügung stehen, und in den wenigsten Familien leben mehr als zwei Generationen dauerhaft unter einem Dach.
"
(Mattias WINKLER in der Wochenzeitung Freitag Nr.29/30 vom 09.07.2004)
 
 
 
  • BÖNT, Ralf (2004): Der Feminismus bracht eine PR-Agentur,
    in: ndl - neue deutsche literatur, Juli
 
  • KRON, Norbert (2004): Zähne zeigen.
    Eine literarische Generation, von Los Angeles aus gesehen,
    in: ndl - neue deutsche literatur, Juli
 
  • STEIN, Hannes (2004): Eine ganz schlechte Angewohnheit.
    Denken ist schädlich und unsozial und zertrümmert Karrierechancen,
    in: Welt v. 31.07.
    • Kommentar:
      Der Sachbuchredakteur der Welt hat das Buch "Endlich Nichtdenker!" geschrieben und die Welt druckt deshalb Passagen aus der Einleitung ab.

               In der modernen Welt der Außenlenkung sind eigene Gedanken (Eigensinn, Schrulligkeit, erhöhte Selbstaufmerksamkeit) kontraproduktiv, vermittelt uns STEIN, und den Singles schreibt er ins Stammbuch, dass Denken einsam und unsozial macht:
               "Wer grübelt (...) schließt sich von der Mehrheit aus; er wird bald feststellen, dass er mit vielen Leuten kein Gesprächsthema mehr findet. Kneipenbesuche geraten zur Tortur - man stellt fest, dass man mit all diesen Leuten, die da unbeschwert trinken und grölen, nichts mehr gemein hat (nicht einmal dann, wenn sie einst die besten Freunde waren). Dies aber kann der Mitwelt auf Dauer nicht verborgen bleiben. Sie schaut den Denker mit scheelen Augen an. Fortan gilt er als Spielverderber, der mit seinen intellektuellen Sprüchen jede Party kaputt macht. Vor allem gilt er als elitär, und das völlig zu recht (...). Er zitiert aus Büchern, die außer ihm kein Mensch kennt; er brütet merkwürdige Ansichten aus, die er in unpassenden Momenten äußert; er ist taub für den letzten Schrei, mit dem der Zeitgeist ihn zur Ordnung ruft. Muss er sich da wundern, dass die anderen ihn schneiden?
      Wer denkt, verurteilt sich damit selbst zur schlimmsten Form der Einsamkeit (...). Ganz gewiss sind jene, die keine Freunde haben, denen sie sich öffnen können - wenn man es hart ausdrücken will - Kannibalen ihrer eigenen Herzen. Mitten in der Menge bleibt der Denker ein intellektueller Einzeller, eine Monade. Es gibt für ihn nur eine Möglichkeit, wie er wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann: Er muss mit seiner unsozialen Gewohnheit brechen.
      "
               Noch schlimmer - wir ahnen es schon - ist nur noch die Karrierefrau dran:
               "Es wird schwieriger, Sexualpartner zu finden. Das gilt vor allem für den weiblichen Teil der Bevölkerung, denn Männer haben begründete Angst vor Frauen, die ihnen überlegen sein könnten. Besonders schwer haben es schöne Frauen; sie sind von der eisernen Aura der Unerreichbarkeit umschlossen wie von einem Keuschheitsgürtel. Schöne, kluge Frauen haben somit die besten Chancen, als verbitterte Jungfern zu enden. Aber auch denkende Männer leiden unter einem sexuellen Handicap. Sie stellen sich schrecklich stoffelig an, träumen davon, ihre Angebetete ins Bett zu reden, und wenn sie endlich handgreiflich werden, dann im falschen Moment. Ihnen fehlt das Spielerische, Gewissenlose, Südländische."
 
  • SIEMENS, Anne (2004): Heiner Keupp über Reformen.
    in: Süddeutsche Zeitung v. 31.07.
    • Kommentar:
      SIEMENS hat den Münchner Sozialpsychologen Heiner KEUPP interviewt.

               Die Fragen sind jedoch so abstrakt und werden auch nicht konkreter beantwortet, sodass sich eine Inhaltsangabe erübrigt.
               Themen sind die Unfähigkeit von Politikern/Bürgern zur Änderung, zivilgesellschaftliches Engagement und die Agenda 2010 zu der KEUPP lapidar meint:
               "die Agenda 2010 hat in manchen Bereichen nichts mehr mit sozialer Gerechtigkeit zu tun. Die Neuentstehung einer linken Partei verweist auf dieses Defizit und hat wahrscheinlich damit schon ihre Funktion erfüllt."
 
  • CASATI, Rebecca (2004): Adieu, ihr lieben Hasis.
    Naivchen landen auf dem Wühltisch: Das neue modische Frauenbild ist poetisch-vertrackt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 31.07.
    • Kommentar:
      CASATI wirft einen Blick auf den Modeherbst, der die intellektuelle Mode bringen soll:

               "statt Doris Day erscheint erscheint die Britin Julie Christie, ein Star der vertrackten Sorte. The tinking man's sexsymbol".
               Das Motto lautet: Über Geld spricht man nicht, sondern man hat es, weswegen gelangweilte Millionärstöchterchen das neue Rolemodel abgeben.
               Und warum das Ganze?
               "Die Designer haben nachgeschlagen in ihren »Vor hundert Jahren«-Lexika, dort das Stichwort »Bloomsbury« gefunden und weiter gelesen. »Intellektuellenclique um die Stream-of-Conciousness-Autorin Virginia Woolf (...), wirkten im Londoner Stadtteil. Offiziell gegründet im Herbst 1904«"
 
  • REICHERT, Martin (2004): Sein Kreuz mit den Frauen.
    Papst Johannes Paul II. geißelt den "weltweiten Feminismus" und rechnet mit der Gender-Theorie ab. Sein Ziel: die römisch-katholische Kirche für den Wettkampf mit dem Islam zu positionieren,
    in: TAZ v. 31.07.
    • Inhalt:
      REICHERT erklärt den TAZ-Lesern die Hintergründe des Schreibens des Vatikans, in dem die Individualisierung und damit die "Vermännlichung" der Frau kritisiert wird:

               "Ratzinger liegt schon lange im Clinch mit dem postmodernen Geschlechterwirrwarr, jetzt scheinen ihm die Werke der amerikanischen Gender-Forscherin Judith Butler in die Finger geraten zu sein oder gar Beatriz Preciados »Kontrasexuelles Manifest«. Die Spanierin Preciado erhebt in ihrem Pamphlet die Queer Theory zur Doktrin eines Staates, in dem die Geschlechter abgeschafft werden und Sexualität von sämtlichen Fortpflanzungsaktivitäten getrennt wird. Es ist nicht der »Feminismus« im klassischen Sinne, den Ratzinger im Auge hat, sondern die aus ihm heraus entstandene Gender- und Queer-Theory, die von einer sozialen oder psychologischen Konstruktion der Geschlechter ausgeht und dementsprechend den »biologischen Unterschied« zwischen Mann und Frau nicht anerkennt, sondern dekonstruiert und »abschafft«. In Form der Gender-Studies hat sich diese Philosopie nicht nur an den Universitäten etabliert. Die rot-grüne Bundesregierung hatte »Gender Mainstreaming» 1999 sogar zum durchgängigen Leitprinzip des Regierungshandelns gemacht."
 
 
 
  • SCHELLENBERGER, Rouven & Jörg MICHEL (2004): 50 Quadratmeter für den Single,
    in: Berliner Zeitung v. 30.07.
 
  • KAHLER, Andreas (2004): Ein Netz für die Stadt.
    Im Gespräch.
    Der Konsumtheoretiker Gerhard Scherhorn über bürgerschaftliches Engagement und Kommunen, die Probleme haben, wenn BürgerInnen selbstbestimmt handeln wollen,
    in: Freitag Nr.32 v. 30.07.
 
 
 
 
  • SIEMONS, Mark (2004): Eingegliedert.
    Unmittelbar zum Staat: Der Mensch nach Hartz IV,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.07.
    • Kommentar:
      Einen Tag nach der JW-Debatte beschäftigt sich auch Mark SIEMONS mit den Konsequenzen der Hartz-Reform für die privaten Lebensformen:

               "Ökonomisch eigenverantwortlich betrachtet, zahlt es sich da für Langzeitarbeitslose und solche, die es werden können, nicht mehr aus, anders als im Augenblick und allein zu leben. (...).
      Alles Geld, das in einer »Bedarfsgemeinschaft« von Eltern, Kindern, Gatten oder Lebensgefährten verdient wird, geht von dem eigenen Anspruch ab. So kommen Ehen, Partnerschaften, Groß- und Kleinfamilien, Patchworkverhältnisse aller Art auf den Prüfstand: Ist es wirklich notwendig, weiterhin zusammenzuleben? (...).
      Das Familienmodell zahlt sich nur (...) aus, wenn noch kleine Kinder im Spiel sind. (...).
      Hartz IV fördert die zeitliche und räumliche Zersplitterung der Gesellschaft. Seine Zielvorstellung ist die Monade (...).
      Der Menschentypus, den Hartz IV favorisiert, ist der Einzelkämpfer, der alle Brücken hinter sich abgebrochen hat und weiter fortlaufend abbricht. Er wohnt allein in einer günstigen Zweizimmerwohnung, trifft sich, um emotionale Löcher zu vermeiden, regelmäßig mit Freunden
      ".
               Mark SIEMONS befürchtet also, dass sich das Modell, das Sarah SCHMIDT für weibliche Singles skizziert hat, verallgemeinert.
               Diesen Vereinfachungen liegt die Ulrich BECKsche Vorstellung von der "vollmobilen Single-Gesellschaft" zugrunde.
               Deren Popularität verdankte sich bereits in den 90er Jahren einem ganz anders gearteten Kampf der Lebensstile.
 
  • JUNGLE WORLD-Debatte

    • DÜCKERS, Tanja & Anton LANDGRAF (2004): Halbe Miete, doppelter Spaß.
      In der Krise wirken Liebe und Zweisamkeit Wunder. Pärchen arbeiten weniger, haben mehr Sex und leben länger,
      in: Jungle World Nr.32 v. 28.07.
      • Kommentar:
        Tanja DÜCKERS & LANDGRAF nähern sich dem Single-Leben anhand von Vorurteilen und der Statistik:

                 "Er ist cool. Er ist ungebunden. Er hat Ahnung. So jedenfalls stellt der Single sich dar, wenn es darum geht, sein Alleinsein zu begründen. So läuft das gute Leben, alle anderen werden spießig: Pärchen müssen draußen bleiben, sangen die Lassie Singers vor Jahren.
        Tatsächlich sind vor allem Männer vom Alleinsein überzeugt. Das sagt zumindest die Statistik. Demnach leben derzeit mehr als doppelt so viele Männer als Frauen im besten Alter zwischen 25 und 50 Jahren alleine. Woran das liegen mag?
        "
                 Die Autoren sitzen offenbar dem neoliberalen Credo vom flexiblen Single auf, das bereits in den 80er Jahren von der Soziologin Elisabeth BECK-GERNSHEIM als Mythos entlarvt worden ist, denn die Berufswelt ist nicht auf den familienfreien Mann, sondern auf den familienfreien Ehemann zugeschnitten, d.h. auf den Mann, dem die Ehefrau den Rücken freihält.
    • SCHMIDT, Sarah (2004): Sparen durch Affären.
      Singles haben keine Beziehungsprobleme, mehr Sex und bekämpfen die Krise politisch mit ihren Freunden,
      in: Jungle World Nr.32 v. 28.07.
      • Kommentar:
        Sarah SCHMIDT betrachtet das Single-Dasein optimistisch aus weiblicher Perspektive.

                 Ob nun Affären oder Distanzbeziehungen bevorzugt werden, Frauen leben im mittleren Lebensalter zwar seltener allein (sondern eher als Alleinerziehende), kommen - als Karrierefrauen - mit dem Alleinleben jedoch besser zurecht als die Männer.
                 SCHMIDT sieht anlässlich der Hartz-Reformen die Vorteile des Single-Daseins:
                 "Wer wird denn da so richtig gemein zur Kasse gebeten? Na? Genau, die Paare, die eheähnlichen Verhältnisse! Und als Paar ist man doch fast gezwungen, gemeinsam zu wohnen, denn zwei Wohnungen, das rechnet sich doch wirklich nicht. Ha! Auf den 16 Seiten des Fragebogens zur Hartz IV-Reform ist nicht eine einzige Frage, die mich zwingen will, meine Affären als eventuelle Versorger anzugeben. Nö, da wird nach Lebensgemeinschaften gefragt, die sollen sich nach dem Willen der Regierung gegenseitig das Geld aus den Taschen ziehen. Da kann ich nur sagen: Voilà! Es lebe das Singledasein!"
 
  • WOLTER, Peter (2004): "Angemessene" Wohnkosten: Macht "Hartz IV" obdachlos?
    jW sprach mit Franz-Georg Rips, Direktor des Deutschen Mieterbundes e.V.,
    in: junge Welt v. 26.07.
    • Inhalt:
      Franz-Georg RIPS u.a. über bezahlbaren Wohnraum für gering verdienende Alleinstehende:

               "F: Trifft die Beobachtung zu, daß gerade Kleinwohnungen für Alleinstehende mit wenig Einkommen sehr knapp sind?
      Der hilfsbedürftige Teil der Gesellschaft – also diejenigen, die kein eigenes Einkommen haben – wird größer. Quer durch Deutschland gilt: Bezahlbarer Wohnraum für einkommensschwache Haushalte bleibt knapp.
      "
 
 
  • NOLTE, Paul (2004): Wider den totalen Pluralismus.
    Warum in einer Gesellschaft der Ungleichheit nicht jeder nach seiner Fasson selig werden kann,
    in: Tagesspiegel v. 25.07.
    • Kommentar:
      Die Tatsache, dass Deutschland keine Leistungsgesellschaft ist, sondern die Herkunft entscheidend für den individuellen Aufstieg und Einkommensreichtum ist, wird von Paul NOLTE umgedeutet zu einer Diktatur der Chancengesellschaft, die den "Unterschichten" (offensichtlich alle, die sich nicht einer neokonservativen Wertepolitik fügen wollen) zu einer Leitkultur verpflichten möchte:

               "Diese Leitkultur sollte bürgerlich im besten Sinne sein: indem sie die Achtung des anderen aus der Selbstachtung, aus dem Selbstvertrauen gewinnt – und Selbstvertrauen resultiert aus der Fähigkeit zu einer selbstverantwortlichen Lebensführung, zu einem aktiven Lebensentwurf."
               Richard HERZINGER hat erst vor kurzem darauf hingewiesen, dass bei solch einer Lebensstilpolitik grundsätzlich jedes Verhalten als asozial ins Visier genommen werden kann, das sich nicht der herrschenden Mehrheitsgesellschaft unterordnet.
 
  • STEPHAN, Cora (2004): Rückzug ins Private?
    in: DeutschlandRadio Berlin v. 25.07.
    • Kommentar:
      Angesichts der öffentlichen Zumutungen fordert Cora STEPHAN die Deutschen auf, sich endlich ins Privatleben zurückzuziehen und den Politikern das Feld zu überlassen (Kinderkriegen statt Wahlalternativen gründen!).

               Cocooning wird in dieser elitengerechten Perspektive zur Lösung. Es gibt da nur ein Problem: Die Deutschen sind unfähig zum guten Leben.
               Wenig überraschend ist, dass sich diese Einschätzung von STEPHAN mit jener von Joachim BESSING deckt...
 
 
  • WOLBER, Cornelia (2004): Neue Aufbruchstimmung in Deutschland?
    Das renommierte amerikanische "Time"-Magazin sieht die Bundesrepublik auf dem Weg nach oben - Schön wär's,
    in: Welt v. 23.07.
    • Kommentar:
      Tagtäglich erzählen uns die Neoliberalen und Neokonservativen wie schlecht es um Deutschland steht, welch ein Ärgernis also, wenn ein US-amerikanisches Nachrichtenmagazin Deutschland als Vorbild beschreibt!

               WOLBER regt sich auf, dass die Einheitsfront bröckelt...
 
  • LOTTMANN, Joachim (2004): "Wie findest du eigentlich meine Platte?"
    Jens Friebe will Popstar werden. Halb hat er das mit seiner Debüt-CD bereits geschafft. Der Berliner Sänger ist irgendwie sonderbar. Ein Spaziergang,
    in: Tagesspiegel v. 23.07.
 
  • HOLST, Evelyn (2004): Mann, geht's uns gut!
    Immer mehr Frauen leben ohne feste Partner - und sind glücklich dabei. Recht so, sagt stern-Autorin Evelyn Holst und wettert über "Beziehungsbescheuerte", die ihre "schnarchenden Schlaffis" viel zu lange ertragen,  
    in: Stern Nr.31 v. 22.07.
    • Kommentar:
      Die Politik ist in der Sommerpause, jetzt darf der Single (zumindest der Weibliche) selbst beim STERN glücklich sein, aber nur bis die Politik erneut das Sagen hat und Singles wieder als Sozialschmarotzer gebrandmarkt werden.

               Der Artikel ist nichts weiter als eine kostenlose Marketingaktion für die Stern-Autorin Evelyn HOLST, die zusammen mit Peter SANDMEYER das Buch "Wenn Märchenprinzen lästig werden - Die neue Leichtigkeit männerloser Frauen" veröffentlicht hat.
               Der Stern hat sogar eine 0815-Umfrage bei FORSA in Auftrag gegeben, um das Bild vom glücklichen weiblichen Partnerlosen zu untermauern. 1003 Frauen im Alter von 20 - 60 Jahren wurden befragt. Die Antworten zeigen zwar Unterschiede zwischen jungen, mittelalten und älteren Singles auf. Im Artikel fallen diese Unterschiede jedoch unter den Tisch.
               Zudem wird bei HOLST immer noch nicht zwischen Alleinlebenden und Partnerlosen unterschieden, weswegen die präsentierte Statistik nicht das Papier wert ist, auf das es geschrieben ist:
               "Laut Statistik kommen 52 Prozent männliche auf 48 Prozent weibliche Singles; da aber 20 Prozent der Frauen im Alter von 20 bis 55 Jahren allein leben, müssen sich die passenden Männer verflüchtigt haben. Wohin? Sie können doch nicht alle schwul oder Priester geworden sein oder noch an Mamis Rockzipfel hängen. Muss aber wohl so sein, denn die gefühlte Wirklichkeit der Frauen sagt, aller Statistik zum Trotz: Es gibt ganz eindeutig nicht genug Männer.
      Die Chance für eine Singlefrau ab 40, einen passenden Partner zu finden, scheint kleiner zu sein als ein Sechser im Lotto. Ich kenne jede Menge toller Frauen, attraktiv, beruflich erfolgreich, witzig, die ohne Mann leben, aber keinen einzigen guten Mann, der ohne Frau lebt. Reines Verteilungsproblem, versichern Soziologen. Die Zahlen passen, nur die Kompatibilitäten nicht. Weil nämlich geschiedene Frauen oft schlau sind (sonst wären sie ja nicht geschieden) und deswegen einen schlauen Mann suchen, schlaue Männer ab spätestens 40 aber jüngere Frauen suchen - und finden. Auf gut Deutsch: Genug Männer sind zwar da, aber nicht genug gute."

               Ganz anderer Meinung ist da Regina SCHNEIDER und Bärbel RAULFF. Sie halten ihre Geschlechtsgenossinnen schlicht zu anspruchsvoll und haben deshalb einen Ratgeber über die Partnersuche in der Lebensmitte verfasst.
               Die Perspektive vom Geschlechterkampf führt jedoch offenbar nicht weiter. Weder sind die allein lebenden Frauen alle Superfrauen, noch sind die Männer alle Frust-Singles wie es die Klischees vom Alleinlebenden gerne sehen. Die Gruppe der Alleinlebenden ist stattdessen heterogen.
  • SANDMEYER, Peter (2004): "Die meisten Singles begreifen ihr Leben als Chance".
    Warum eigentlich sind Frauen nach einer Trennung häufig anspruchsvoller, gesünder und kompromissloser, Männer dagegen selten - aber bequemer und suchtanfälliger? Antworten von zwei Experten für Partnerfragen - aus soziologischer und psychologischer Sicht,
    in: Stern Nr.31 v. 22.07.
 
  • POLITYCKI, Matthias (2004): Jungs..., es gibt Arbeit!
    Abschied von der Dauerjugend: Die Schriftsteller der mittleren Generation brauchen ein politisches Standbein,
    in: Tagesspiegel v. 22.07.
    • Kommentar:
      Der - in letzter Zeit dahindümpelnde - Tagesspiegel möchte offenbar die diesjährige feuilletonistische Sommerloch-Debatte lostreten.

               Matthias POLITYCKI - gestählt von der diesjährigen Klausur auf Schloss Elmau (offensichtlich das bessere Neuhardenberg der Schriftsteller) -, fordert nun den Ruck im Land des Intellektuellen-Vakuums und der Diktatur des Proletariats (sozusagen das Gequake von satten Fröschen, Teil 2). Eingangs schildert POLITYCKI seine missliche Lage:
               "Zähneknirschend hatte ich mich daran gewöhnt, daß es nicht nur in der Lyrik, nicht nur in der Literatur insgesamt und den Künsten, sondern auch im Fußball, in den Medien, der Wirtschaft, und last not least natürlich der Politik mit Volldampf Richtung Mittelmaß ging (...). Deutschland wird zur Zeit in allen Disziplinen gedemütigt, als Insasse Deutschlands lebt man halbgeduckt voran, mit der Gewissheit, dass es selbst nach der nächsten Wahl nicht besser werden wird. Gibt es eigentlich noch irgendetwas, das mich herausreißen kann aus dieser grundsätzlichen Untergangsstimmung, gibt es irgendetwas in unserem Land oder wenigstens unserem Literaturbetrieb, das zur Hoffnung zwingt?"
               Bei so viel Desaster gibt es jetzt endlich die Generation Reform.
               Wir haben fertig mit den Zaungästen der 78er-Generation und den "Schlappschwanzeuropäern".
               Die neue Werteelite ist geboren zur intellektuellen Führung:
               "Niemand anderer als die Bedenkenträger par excellence, die Schriftsteller, sind meiner Meinung nach nun gefordert, sich ins Allgemeine-Ganze zurückzubegeben, raus aus ihren Biotopen, rein ins Offene des gesellschaftlichen Gesprächs. (...). Ein Autor ist für mich nicht nur durch seine Bücher, sondern auch durch seinen Standpunkt definiert, das Recht auf ein radikal individualistisches Leben bedingt auch die Pflicht zur Anteilnahme am Allgemeinen.
      Nicht dass ich mir eine Handvoll neuer »Großintellektueller« wünsche, die bei näherem Hinsehen allenfalls noch als Scheinriesen Respekt erheischen! Was unsere niedergehende Gesellschaft bräuchte, wäre eine Vielzahl an Autoren mittlerer Jahre, die nicht an der Verlängerung ihrer Pubertät bis ins Rentenalter arbeiten, sondern mit dem bewussten Abschied von ihrer Dauerjugendlichkeit bereit sind, ihr reales Alter und damit die Pflichten eines Erwachsenen anzunehmen: soziale Verantwortung jenseits der eigenen Werkabfolge. Politisch engagierte Literatur, das wäre mir ein Gräuel; politisch engagierte Autoren hingegen, ein Netzwerk freier Radikaler, die unbestechlich und ungebeten überall dort ihre Meinung einbringen, wo man das Wort Integrität nicht mal mehr fehlerfrei buchstabieren kann, das täte not.
      "
               Die Generation Reform drängt es nun mächtig in die Schlüsselpositionen der Macht, notfalls durch eine Revolution der Eliten in der Endphase der Demokratie:
               "Wer in seinem Herzen Demokrat ist, der muss nun schleunigst undemokratisch denken, nicht von der Mitte, sondern vom Rand der Gesellschaft her, der muss Minderheiten wieder an die Macht bringen, zum Wohle dessen, was dann vielleicht mal wieder in eine echte Demokratie übergehen könnte. Mittlerweile nämlich sind wir auch im größer gewordnen Deutschland fällig, und als überzeugtem 78er gefällt mir die Niederschrift dieses Satzes überhaupt nicht, fällig für eine neue gesellschaftliche Revolution. Diesmal allerdings für eine elitäre, jenseits des alten Lagerdenkens und angezettelt nicht etwa bloß von einer Task Force im Beckenbauer-Format, sondern im Sinne von Platons Konzept einer Herrschaft der Besten. Andernfalls wird unsere, die Schuld der plusminus Vierzigjährigen, nicht mehr wiedergutzumachen sein."
               War das nun der ersehnte Weckruf an die neuen Bildungsbürger? Nur eines scheint festzustehen: Jedes Volk bekommt die Eliten, die es verdient...   
 
  • Joschkas Enkel.
    "Rot-Grün hat ein Identitätsproblem", sagen grüne Aufsteiger wie Tarek Al-Wazir und Omid Nouripour, die Grünen seien nicht links genug. "Ein Ende der totalen Beliebigkeit" sei nötig, aber auch Abschied von altlinken Hüten. Doch ist das Papier "Links Neu" mehr als ein Marketinggag?

 
 
  • Martin Walser - Der Augenblick der Liebe

    • GRÖSCHNER, Annett (2004): Altherrenerotik.
      Die Stunde, da sie aneinander klebten. Martin Walser erweckt in seinem neuen Roman "Der Augenblick der Liebe" nicht nur seine Familie Zürn zu neuem Leben,
      in: Freitag Nr.31 v. 23.07.
    • GREINER, Ulrich (2004): Die Vertreibung aus dem Paradies.
      In seinem Roman "Der Augenblick der Liebe" zeigt sich Martin Walser erneut als Meister,
      in: Die Zeit Nr.31 v. 22.07.
    • GROSS, Thomas (2004): Spiel mit dem anderen Ich.
      Martin Walser erlebt mit seinem altbekannten Antihelden nun den „Augenblick der Liebe“. Die literarische Figur bäumt sich gegen das Lebensende auf und sehnt sich nach einem letzten Neuanfang. Meint sich hier der Autor selbst?
      in: Rheinischer Merkur Nr.30 v. 22.07.
    • VOGEL, Sabine (2004): Worte zucken wie Wehen im Babymund.
      Morgen erscheint Martin Walsers neuer Roman "Der Augenblick der Liebe",
      in: Berliner Zeitung v. 22.07.
 
  • BECK, Ulrich (2004): Die zweite Moderne.
    Warum Geisteswissenschaften? Sozialwissenschaften im globalen Kontext,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 22.07.
    • Kommentar:
      Ulrich BECK hält seinen kosmopolitischen Ansatz (d.h. die Welt wird aus der Sicht der globalen Klasse beschrieben) für jenes Paradigma, dem sich die ganze Sozialwissenschaft unterwerfen soll, weswegen er von der zweiten Moderne parliert.

               U. a. warnt BECK vor dem "Youth Bulge":
      Europa (ist) durchgängig von einem Schwund seiner Bevölkerungen und damit von einem Alterungsprozess gekennzeichnet, der nicht nur den wohlfahrtstaatlichen Sicherungssystemen (Renten, Gesundheitsversorgung) die Grundlage entzieht, sondern auch den »alten« Kontinent im Vergleich und in Konkurrenz mit den aufstrebenden, zahlenmäßig von Jungen dominierten Bevölkerungen und Ländern der Welt wirklich »alt« aussehen lässt."

               Die Polarisierung in junge und alte Länder ist eine Schimäre, wenn es stimmt, dass weltweit die Bevölkerungen nicht mehr weiter wachsen.
               Phillip LONGMAN ("The Empty Cradle", 2004) schreibt z.B. über den rapiden Alterungsprozess in den so genannten unterentwickelten Ländern:
               "Wissenschaftler am International Institute for Applied Systems Analysis sagen voraus, dass die Bevölkerungsentwicklung mit neun Milliarden Menschen um 2070 ihren Höhepunkt erreichen und dann zurückgehen wird. Lange vorher werden jedoch viele Staaten weniger Einwohner haben, und das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung wird dramatisch in die Höhe gehen. Den schnellsten Überalterungsprozess wird es im Nahen Osten und in anderen unterentwickelten Regionen der Welt geben. In diesem Jahrhundert dürfte sogar das südliche Afrika älter werden, als es Europa heute ist.
      (...).
      In dem Maße, wie die Entwicklungsländer Industrien aufbauen und dadurch städtischer geprägt werden, erleben sie dieselbe demografische Entwicklung, aber in einem schnelleren Tempo. Wenn Amerikaner beispielsweise jetzt an Mexiko denken, haben sie die Fernsehbilder verzweifelter, arbeitsloser Jugendlicher vor Augen, die durch den Rio Grande schwimmen oder durch den Grenzzaun schlüpfen. Weil aber die Geburtenraten in Mexiko drastisch zurückgegangen sind, altert das Land inzwischen fünf Mal schneller als die USA. Während das Durchschnittsalter der Amerikaner in den letzten 50 Jahren um nur fünf Jahre (von 30 auf 35 Jahre) stieg, wird sich in Mexiko in den nächsten 50 Jahren das Durchschnittsalter nach Angaben der Uno um 20 Jahre erhöhen, sodass die halbe Bevölkerung über 42 Jahre alt sein wird. Das amerikanische Durchschnittsalter wurde für 2050 mit 39,7 Jahren errechnet.
      Die Fernsehbilder von verzweifelten arbeitslosen Jugendlichen aus dem Nahen Osten vermitteln ähnlich missverständliche Eindrücke. Die Geburtenraten fallen im Nahen Osten schneller als anderswo sonst auf der Welt. Die Bevölkerung altert in einem beispiellosen Tempo. Algerien wird einen Anstieg des Durchschnittsalters von 21,7 auf 40 Jahre verkraften müssen, wenn man Uno-Angaben zugrunde legt. Der Iran hat nach der Revolution einen Geburtenrückgang um nahezu zwei Drittel erlebt und wird 2030 mehr ältere Menschen als Kinder haben.
      ." (Rheinischer Merkur vom 01.07.2004)
               Die Globalisierung mit ihrem Export der Industrie in die Entwicklungsländer sorgt dafür, dass auch in jenen Ländern, die heutzutage noch jung erscheinen, der gleiche Alterungsprozess einsetzt wie in Europa...
   

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Zu den News vom  16. - 21. Juli  2004

 
 
   
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