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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 23. - 28. März 2005

 
 
     
     
     
 
   
Zitat des Monats:
"Typisch für Wochenendpendler ist das »Sonntagsgefühl«. Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass die erste Hälfte des klassisch »letzten gemeinsamen Tages« vor der routinemäßigen Trennung besonders harmonisch gestaltet werden soll. Zugleich aber ist die zweite Hälfte des Tages bereits eingetrübt von der bevorstehenden Trennung - und kann somit auch nicht mehr unbeschwert erlebt werden. Dabei handelt es sich um eine vorweggenommene (prospektive) Trauer. (...). Die mögliche Unbeschwertheit der gemeinsamen Zeit ist dann vorbei, obwohl vielleicht die Abreise erst gegen Abend geplant ist. (...). Mit dieser Anforderung muss das Fern-Beziehungspaar umzugehen lernen bzw. einen eigenen Weg finden".
(aus: Peter Wendl "Gelingende Fern-Beziehung. Entfernt - zusammen - wachsen", 2005, S.40f.)
 
 
 
  • ENGELHARDT, Dirk (2005): Berühren statt Verführen.
    Nach New Yorker Vorbild gibt es jetzt auch hierzulande Partys, auf denen fremde Menschen miteinander kuscheln. Stundenlang,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 27.03.
 
  • NZZ-Zeitfragen: Die Generation der 20-30jährigen

    • HOF (2005): Visionslos pragmatisch,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 26.03.
    • EGLI, Nanina (2005): Verhalten optimistisches Warten auf die Katastrophe.
      Die "i-Generation" hat früh gelernt, mit dem Schlimmsten zu rechnen,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 26.03.
    • IMFELD, Anna (2005): Von einer Generation der befristeten Träume.
      Bericht eines Bewerbungsgesprächs in Zeiten verschärfter Konkurrenz,
      in: Neue Zürcher Zeitung v.  26.03.
    • KROGERUS, Mikael (2005): Die Befindlichkeiten der "Generation Anführungszeichen".
      Brief eines bald 30-Jährigen an einen fiktiven Sohn,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 26.03.
 
  • DORN, Thea (2005): Nie wieder Nutella.
    Leicht polemische Betrachtungen anläßlich zweier neuer Bücher von Claudius Seidl und Desirée Nick über das Leben jenseits der 40,
    in: Welt v. 26.03.
    • Inhalt:
      Thea DORN erzählt noch einmal die Story von der "Generation Golf" nach. Claudius SEIDL zählt sie zur "erweiterten Generation Golf" und seinem Buch "schöne junge welt" kann sie deshalb wenig abgewinnen:

            
        "Es ist aufschlußreich, daß Seidl immer wieder auf die fünfziger und frühen sechziger Jahre, die Blütezeit des Spießbürgertums, zurückgreift, wenn er die »Angemessenheit« des heutigen Verhaltens beurteilen will. Seine eigene These, daß die früheren »Biographie-Baupläne« so völlig obsolet geworden seien, widerlegt er damit selbst. Denn der erzspießbürgerliche Biographie-Bauplan »Bis Ende 20 darfst du hirnlos Party machen, dann suchst du dir einen anständigen Beruf, dann gründest du Familie samt Eigenheim« wird vom Autor - und, ich fürchte, von meiner gesamten Generation - nie in Frage gestellt."
            
        SEIDLs Buch stellt sie das Buch "Gibt es ein Leben nach vierzig?" von Désirée NICK, Jahrgang 1960, Entertainerin, Kabarettistin, allein erziehende Mutter, gegenüber. Dieser "Überlebensratgeber für die Single-Frau in der zweiten Lebenshälfte" zeigt für DORN, dass es für die Frau über 40 mittlerweile ein "Leben" gibt:
            
        "Fürchtet Seidl, auf dem »Meer der Möglichkeiten«, wie er es frei nach Kierkegaard nennt, irgendwann unterzugehen, sagt die Nick: Großartig, daß ich endlich auch auf dieses Meer hinaus darf. Und: Mit 40 weiß ich so viel mehr vom Leben, daß ich auf diesem Meer ein besserer Kapitän bin als je zuvor. Diese Dimension fehlt bei Seidl auf gespenstische Weise."
            
        Thea DORN endet mit mit einem Aufruf an ihre Geschlechtsgenossinnen:
            
        "Kurz vor Schluß seines Essays formuliert Seidl den Verdacht, »daß der Preis dafür, daß die Zeit bei uns kaum Spuren hinterläßt, damit bezahlt wird, daß wir kaum Spuren in der Zeit hinterlassen«, und variiert damit die alte antiliberale Ideologie, daß der (Spieß-)Bürger von Zeit zu Zeit durch große Katastrophen, besser noch: Kriege, wachgerüttelt werden muß.
            
        Ich dagegen sage: Wir leben in einer Zeit, in der meine Generation endlich den Weg aus dem Kinderzimmer herausfinden muß, ohne darauf zu warten, daß sie einer durchs Stahlgewitter schickt. Alfred North Whitehead, britischer Philosoph und Mathematiker im vergangenen Jahrhundert, definierte Jugend als »das Leben, das noch von keiner Tragödie betroffen wurde«. Wir hatten nine/eleven, sind konfrontiert mit einen wachsenden, aggressiv-tödlichen Haß auf die westlichen Lebensformen, haben über fünf Millionen Arbeitslose im eigenen Land und eine offensichtlich überforderte Regierung - ist das nicht Tragödie genug (...)? Hören wir endlich auf, das Meer der Möglichkeiten als Planschbecken mißzuverstehen, laßt uns seine Herausforderung, lebenslang rudern, steuern und den Horizont suchen zu müssen, endlich annehmen. Und wenn die Jungs weiter auf das große Feuer warten wollen, das sie aus ihren Party-Nußschalen herausglüht, dann müssen eben die Frauen ran, die keine Angst haben und wissen, was sie diesem Meer verdanken. Es ist nicht nur die Auswahl zwischen Prada oder Gucci.
 
  • SZ-THEMA: Vorbild Skandinavien.
    Weshalb das Leben mit Kindern in Schweden leichter ist als in Deutschland

    • BERTH, Felix (2005): "Sie sitzen in einer Zeitfalle".
      Hans Bertram erkundet, warum junge deutsche Familien so stark unter Druck stehen,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 26.03.
    • FISCHER, Gerhard (2005): Familienbetrieb, staatlich gefördert.
      Wie ein Paar aus Stockholm von alltäglichen Erleichterungen profitiert
      in: Süddeutsche Zeitung v. 26.03.
    • BERTH, Felix (2005): Verspätete Eltern.
      Je länger junge Erwachsene zuhause leben, umso schwieriger wird die Familiengründung,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 26.03.
      • Kommentar:
        Neuerdings geraten die männlichen Nesthocker in den Blickpunkt. Bisher galt dies eher als spezifisch italienisches Problem:

              
          "Von den 25-jährigen deutschen Männern wohnen ungefähr vierzig Prozent noch im Elternhaus - mit steigender Tendenz, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat."
              
          BERTH sieht darin Probleme für die Eigenständigkeit und für die Familiengründung.
              
          Mit Hilfe von ökonomischen Anreizen soll die Politik nach Meinung von BERTH gegensteuern.
              
          Vorbild sind hier Finnland (Eigenständigkeit) und besonders Frankreich (Steigerung der Geburtenrate).
 
  • DAX, Max (2005): "Ich wollte nerven".
    Zum 25. Geburtstag der Einstürzenden Neubauten ein Gespräch mit Alexander Hacke über das Westberlin der Achtziger und die Kreuzberger Endzeit-Ästhetik,
    in: TAZ v. 26.03.
 
  • KÄMMERLINGS, Richard (2005): Sei du selbst, ganz wie Vati.
    Rainer Merkel legt die achtziger Jahre auf die Couch,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.03.
  • Inhalt:
    Richard KÄMMERLINGS sieht in Rainer MERKELs Erzählung "Das Gefühl am Morgen" eine neue Zugangsweise zu den Achtziger Jahren:

          
      "Die beiden größten Bucherfolge über jene Jahre - Florian Illies' »Generation Golf« und Sven Regeners »Herr Lehmann«-Romane - waren in ihrer ironisch-anekdotischen Kirchturmperspektive nur eine intelligentere Art der Arbeit am Mythos.
          
      In Rainer Merkels neuer Erzählung, die irgendwann in den endlosen späten Achtzigern in West-Berlin spielt, kommt kein Popsong vor, kein Werbeslogan und keine Fernsehserie. Datieren kann man die Geschichte einzig an den Katastrophen. »Wußtest du das? Tschernobyl heißt übersetzt Schwarzes Gras«. Als Lukas dies zu seiner Freundin Laura sagt, hat sich der private Super-Gau bereits ereignet: Laura erwartet ein Kind (...). Das Paar, das sich gerade erst im Studentenwohnheim kennengelernt hat, ist mit dem Entscheidungszwang überfordert. Die verdrängte Unbestimmtheit ihrer Beziehung tritt zutage".
          
      KÄMMERLINGS macht darauf aufmerksam, dass in MERKELs Büchern eine liberale Herrschaftstechnik entlarvt wird, die sich als "tabubrechende Offenheit drapiert". Daraus ergibt sich dann eine subtile Komik, die ihn an Wilhelm GENAZINO erinnert.
 
  • MÜLLER, Albrecht (2005): Der große Irrtum.
    Standort Deutschland. Die Reformer sind wie Drogenabhängige - statt nachzudenken legen sie nach,
    in: Freitag Nr.12 v. 25.03.
    • Inhalt:
      Albrecht MÜLLER geht u.a. auf einen Artikel von Frank SCHIRRMACHER in der FAZ ein:

            
        "Wenn Sie die Reden unserer Führungsspitzen - wieder parteiübergreifend - Revue passieren lassen, dann werden Sie immer die gleichen Begründungen für Strukturreformen finden: Wir stünden vor völlig neuen Herausforderungen, vor der gänzlich neuen Globalisierung und vor dem neuen und bedrückenden Problem der demographischen Entwicklung, des Wenigerwerdens und des Älterwerdens.
            
        Wenn ich ein junger Mensch im Ausland oder ein ausländischer Investor wäre und würde den dramatischen Geschichten des Mitherausgebers der FAZ Frank Schirrmacher glauben, ich ginge nicht nach Deutschland. (...).
            
        Schrecklich ist allein das Niveau unserer Eliten. Auch die demographische Entwicklung wird maßlos übertrieben. Schirrmacher zum Beispiel behauptet wahrheitswidrig, die Weichen für Deutschlands Bevölkerungsrückgang von 82 Millionen auf 67 Millionen in 2050 seien »unumkehrbar« gestellt. Er unterschlägt, dass die Prognosen sehr unsicher sind und dass die mittlere Variante der Modellrechung der Demographen für 2050 bei 75 und nicht bei 67 Millionen liegt, wie er schreibt. 1950 übrigens waren es mit 68,7 Millionen weit weniger. Andere entlastende Faktoren wie die Entwicklung der Arbeitsproduktivität werden einfach weggelassen.
            
        Selbst wenn unsere Standortbedingungen wirklich so schlecht wären, (...) hätten unsere Politiker die Pflicht, gut über unser Land zu reden. Denn ein Land mit einem schlechten Image verkauft sich schlecht. Und auch wir verkaufen uns dann unter Wert"
 
 
  • RÜHLE, Alex (2005): Willkommen im Fight Club!
    Frauen und Männer: Neueste Ermittlungen im Krisengebiet.
    Ja so sind sie, die jungen Männer: Eine bedrohte Spezies, ohne Leitbild und ohne Väter – gewaltbereit und prädestiniert zum Verlieren,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 24.03.
    • Kommentar:
      RÜHLE begibt sich - nach dem Amoklauf in den USA - und nach der Feststellung, dass es ein Problem "Jungen- bzw. Männergewalt" gibt, auf einen Streifzug durch die Männertheorien.

            
        Zum einen gibt es da die "Theorien vom erbärmlichen Mann". Darunter subsumiert RÜHLE so Unterschiedliches wie Anleitungen zur Änderung von Männern nach der Hundedressurmethode, aber auch den Ansatz des kritischen Männerforschers Robert W. CONNELL.
            
        Der "neue Mann" ist für RÜHLE kein Thema. Stattdessen wundert er sich über die Ähnlichkeit von Patriarchatskritik und der Kritik an der vaterlosen Gesellschaft:
            
        "Merkwürdigerweise gleichen die dramatisierenden Schilderungen der sozialen und psychischen Folgen einer vaterlosen Gesellschaft oft jenen gegenteiligen Mystifikationen, die früher das kulturelle Konstrukt des übermächtigen Vaters geprägt hatten."
            
        Am ehesten leuchtet RÜHLE die "Theorie vom schwächlichen Vater" ein:
            
        "Ein Patient des Mailänder Psychoanalytikers Luigi Zoja bringt das Problem in Zojas Buch »Das Verschwinden der Väter« auf den Punkt, wenn er sagt: »Die Väter früher, das waren Bauern und Tyrannen. Aber es waren immerhin Väter. Die heutigen Väter sind Arbeiter. Aber sie sind nur noch Kretins, die vor dem Fernseher sitzen.«
      Im Fernsehen aber wird ihnen nur erzählt, dass sie längst abgewickelt wurden.
      "     
 
  • DIEDERICHSEN, Diedrich (2005): Normalität von Millionen.
    Ohne Geständniszwang geht gar nichts: Alfred Kinsey wollte die menschliche Sexualität mit den Mitteln des Positivismus erfassen. Bill Condons Biopic "Kinsey" lässt jede Skepsis darüber vermissen,
    in: TAZ v. 24.03.
    • Inhalt:
      "
      In unseren Kreisen und Zeiten ist es lange her, dass jemand über Sexualität in den Kategorien von normal und pervers gesprochen hat. (...) Es gibt, wie wir alle wissen, keine sexuellen Perversionen. Es gibt gewalttätigen Sex, es gibt sexuellen Missbrauch. Das einzige Kriterium, das gegen eine sexuelle Praktik sprechen kann, ist dabei aber immer, dass sie eine andere Person einschränkt, verletzt oder quält. Es ist kein Kriterium, das im Sexuellen liegt.
            
        Das ist bei Alfred Kinsey ganz anders. Hier ist Normalität das einzige Kriterium, um das es geht. (...). Die große Zahl garantiert die Normalisierung. Die Befreiung lag nicht darin, dass mir erlaubt wurde, schön zu finden, was ich tue, weil es mir gefällt, sondern weil es Millionen (...) gibt, die es genauso treiben. Darum dürfen wir das auch, es ist natürlich, es ist normal",
      erläutert Diedrich DIEDERICHSEN den Unterschied zwischen dem eigenen Milieu und dem Kleinbürgertum. Zum Schluss geht er noch auf den Backlash in Deutschland ein:

            
        "»Kinsey« wurde gelegentlich für seine Aktualität gelobt. Schließlich wollen heute wieder US-Jugendliche unbedingt jungfräulich in die Ehe gehen. Schließlich interessiert heutige US-Bürger das unbedingte Unterbinden von homosexuellen Hochzeiten angeblich mehr als der Irakkrieg. In Deutschland wird eine Autorin ernsthaft politisch diskutiert, die 68 als eine Epoche des kollektiven Kindesmissbrauchs darstellt. Ganz offensichtlich gibt es ein neues Niveau sexualpolitischer Auseinandersetzungen; sein Name ist »50er-Jahre«. Aber war nicht schon immer der größte Fehler, sich vom Gegner das Niveau vorgeben zu lassen? Zumal erst dann die Selbstverständlichkeiten endgültig verloren gehen, die einem das Gefühl geben, in der Gegenwart zu leben."
            
        Ausführlicher hat sich Diedrich DIEDERICHSEN zu den "Niedergangsstufen von 1968" in seinem Essay "Die Leitplanken des Zeitgeistes" im Theater heute-Jahrbuch 2004 geäußert.
 
  • WALTER, Franz (2005): Die Guten bleiben müde.
    Auch wenn Sinnstiftung wieder gefragt ist - die Kirchen werden nicht zu neuen Heilsbewegungen,
    in: Welt v. 24.03.
    • Inhalt:
      Der Göttinger Politikwissenschaftler Franz WALTER sieht das Ende der Individualisierung näher rücken, was derzeit als "Wandel des Wertewandels" diskutiert wird.

            
        Die Kirche werden dabei jedoch keine Hauptrolle spielen, denn sie sind mittlerweile zum "ADAC für Passageriten und Altenpflege" verkommen:
            
        "So mag es zwar tatsächlich am Ende der individualisierten Gesellschaft absehbar zu einer Renaissance von Sinn- und Bindungswerten kommen. Doch ist nur schwer vorstellbar, daß die beiden christlichen Amtskirchen dann Herz und Motor des neuen spirituellen und gemeinschaftsbezogenen Verlangens werden. Dazu ist das institutionalisierte Christentum in Deutschland schon zu weit selbst säkularisiert. Es fehlen den Kirchen hierzulande die mitreißenden Prediger, kühnen Propheten und expressiven Verkündigungen."
 
  • YÜCEL, Deniz (2005): Antifa heißt Hartz IV.
    Das Volk war korrumpiert, die Shoah ein rationaler Massenraubmord, der Nationalsozialismus ein räuberischer Sozialismus, sagt Götz Aly in seinem Buch »Hitlers Volksstaat«. deniz yücel stellt es vor,
    in: Jungle World Nr.12 v. 23.03.
    • Kommentar:
      In der WELT vom  10.03.2005 hat Götz ALY ein Motiv für sein neues Buch "Hitlers Volksstaat" beschrieben:

            
        "Ich (...) war einige Jahre für die Meinungsseite der »Berliner Zeitung« zuständig. Eines der großen Themen war damals die Entschädigung für ehemalige Zwangsarbeiter. Weil ich es besser wußte, störte mich von Anfang an das einseitige Abschieben der Schuld auf die deutsche Industrie, auf Banken, Lebensversicherungen usw. Meine Leserschaft, die zum Teil dem alten SED-Milieu entstammte, bevorzugte jedenfalls damals die Reduktion der historischen Schuld auf »das Kapital« im Vollgefühl historischer Rechthaberei. Ich schrieb deshalb einen Leitartikel, in dem ich auseinandersetzte, daß auch die deutschen Rentenkassen von der Zwangsarbeit profitiert hatten, und warf die Frage auf, wie es wäre, wenn die deutschen Rentner fünf Jahre lang drei Prozent ihrer Rente in den Entschädigungsfond zahlten. Am nächsten Tag erlebten die Sekretärinnen und die Leserbriefredaktion den Aufstand der neudeutschen Volksgemeinschaft. Da habe ich mir gesagt: Na wartet!"
            
        Bei der globalen Klasse darf ALY deshalb auf gewisse Sympathie hoffen.
            
        "Hitlers Volksstaat" wird und muss im Zusammenhang mit den gegenwärtigen Sozialstaatsreformen gelesen werden, denn Geschichte ist nicht einfach nur Geschichte, sondern immer Geschichtspolitik, d.h. Geschichtsbetrachtung im Hinblick auf gegenwärtige Politikziele. YÜCEL geht darauf ein:
            
        "Eine mögliche Konsequenz aus dieser Analyse, die im Buch allenfalls angedeutet bleibt, hat Aly Anfang September, auf dem Höhepunkt der Proteste gegen Hartz IV, in der Süddeutschen ausgesprochen: »Die Regierung Schröder/Fischer steht vor der historischen Aufgabe des langen Abschieds von der Volksgemeinschaft.« Seitdem hütet er sich jedoch davor, diese Aussage zu wiederholen. »Ich will nicht die Idee der sozialen Gerechtigkeit diskreditieren«, sagte er der taz und ergänzte in Berlin: »Den Sozialstaat hätte man auch auf dem französischen oder schwedischen Weg verwirklichen können.«
            
        Dieser Hinweis auf die in allen kapitalistischen Zentren nach 1929 sukzessive etablierte keynesianisch-korporatistische Regulation, die nur hierzulande zeitweise mit einem völkischen Wahn einherging (...) wird gegen manchen Rezensenten Alys verfolgt werden müssen. Gegen Peter Richter etwa, der in der FAZ notierte: »Die Härten, die man nicht zumuten könne, und die Grenzen der Belastbarkeit, die allmählich erreicht seien – all diese Argumentationsbausteine jeder politischen Fernsehdiskussion verlieren deutlich an Unschuld nach der Lektüre von ›Hitlers Volksstaat‹«."
 
 
  • DIEDERICHSEN, Diedrich (2005): Sei mal authentisch!
    Bestaunt, verachtet, schnell vergessen: Die Gladiatoren der Medienarena rekrutieren sich aus der neuen Unterschicht,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 23.03.
    • Inhalt:
      "Wenn man sich Bilder sucht von Leuten, die den neuen negativen Konsens – die Unterschicht – repräsentieren, wendet man sich am besten an Darsteller und Figuren von Realityshows, Mittagstalk und Gerichtsfernsehen.
      In diesen Genres ist erst die Unterschicht kenntlich geworden, von der sich abzugrenzen im selben Maße modern geworden ist, wie jede Hoffnung auf ihre Politisierbarkeit aufgegeben wurde.
      Oder auf die Lösbarkeit der politischen Probleme, die man mit ihr verbindet. In der Konjunktur dieses Begriffs drückt sich der Wunsch aus, in stimmigen Bildern formulieren und bannen zu können, was sich als politisches Problem in diesem Leben und diesem System nicht mehr lösen lassen wird: Arbeitslosigkeit, Massenverarmung und Desintegration", behauptet Diedrich DIEDERICHSEN.

            
        Eine ähnliche Position, aber mit anderer Akzentsetzung, vertrat bereits Jan FEDDERSEN in der TAZ.
 
  • MÜLLER-JUNG, Joachim (2005): Die Last der Prallen Leiber.
    Wie die grassierende Fettleibigkeit die Demographie zerrüttet,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung  v. 23.03.
    • Kommentar:
      In der letzten Bevölkerungsvorausschätzung wurde angenommen, dass die Lebenserwartung in Zukunft noch stärker ansteigt, als dies in den letzten Vorausschätzungen angenommen wurde.

            
        Der Epidemiologe OLHANSKY von der Illionois Universität in Chicago belegt dagegen, dass die Lebenserwartung wieder sinken könnte. Für die USA bedeutet dies z.B.:
            
        "Schon heute, so haben seine Analysen ergeben, würden die lebensverkürzenden Folgen der Fettsuchtepidemie - Zuckerkrankheit, Arterienverkalkung, Herzinfarkt und Tumore etwa - die Lebenserwartung statistisch um vier bis neun Monate verkürzen".  
 
  • FALLER, Heike (2005): Miss Germany.
    Was ist weiblich? Sie war 16 Jahre lang Chefredakteurin der "Brigitte", der wichtigsten Frauenzeitschrift des Landes. Anne Volk weiß, wie es den deutschen Frauen geht,
    in: Die ZEIT Nr.13 v. 23.03.
 
  • BERLINER ZEITUNG-Tagesthema: Karrierehemmnis Kind

    • ROST, Susanne (2005): Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen: Noch immer stehen in Deutschland nur wenige Frauen in Führungspositionen. Sie kümmern sich eher um die Familie als um den beruflichen Aufstieg,
      in: Berliner Zeitung v. 23.03.
      • Kommentar:
        "
        Beste Karrierechancen haben Frauen immer noch als kinderlose Singles: Wer es beruflich am weitesten brachte, war zumeist nicht verheiratet und hatte keine Kinder. Besonders im Alter zwischen 30 und 45 Jahren gelingt es diesem Frauen-Typ, ähnlich erfolgreich zu sein wie gleichaltrige Männer - oder sogar erfolgreicher", behauptet ROST.
              
          Im mittleren Lebensalter sind die allein lebenden Frauen eine Minderheit.
              
          Im Jahr 2003 lebte z.B. nicht einmal jede 10. Frau im Alter von 35 - 45 Jahren allein, aber mindestens jeder 5. Mann. Damit ist noch nicht einmal etwas über die Einkommenssituation gesagt.
              
          Single-dasein.de hat bereits in zwei Teilen der Serie über Alleinlebende in Deutschland gezeigt, dass die Single-Rhetorik in den Medien den Blick auf die tatsächlichen Lebensverhältnisse von Alleinlebenden verstellt.
              
          Welchen Verbreitungsgrad allein lebende Karrierefrauen jenseits von "Sex and the City"-Klischees tatsächlich haben, das wird Thema eines Teils dieser Serie sein.
              
          Im Thema des Monats April wird dagegen DIE SINGLE-LÜGE im Mittelpunkt stehen.
              
          Es wird gezeigt, warum und wie durch den Kampf der Lebensstile zwischen Progressiven und Traditionalisten, die Singlezahlen mit rhetorischen bzw. darstellerischen Mitteln in völlig unrealistische Höhen getrieben werden.
              
          Die Machtverhältnisse in dieser Republik werden durch die Singlerhetorik geradezu auf den Kopf gestellt.
              
          Single-dasein.de entzaubert in jedem Thema des Monats diese Singlerhetorik.
              
          Am Ende wird das statistische Desaster sichtbar geworden sein, in der es sich diese Republik gemütlich eingerichtet hat.
    • EUBEL, Cordula (2005): Frauen sind im Job erfolgreicher - bis zum ersten Kind,
      in: Tagesspiegel v. 23.03.
    • SCHMITT, Cosima (20059: Frau holt auf.
      Der neue Sozialstatistik zeigt: In einigen Branchen hat Sie inzwischen häufiger das Sagen als Er. Doch das Kind-oder-Karriere-Dilemma ist nach wie vor ungelöst,
      in: TAZ v. 23.03.
 
  • WULF, Jan-Hendrik (2005): Der Sozialabbau ist die Vollendung der Entnazifizierung.
    Schriften zu Zeitschriften: Warum nur unsere blöde deutsche Angst, wo wir doch schön und stark sind? "Kursbuch" und "Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte" zur Lage der Nation,
    in: TAZ v. 23.03.
    • Kommentar:
      "
      »Den Sozialstaat zu erneuern, bedeutet auch Abschied zu nehmen von den Resten eines volksgemeinschaftlichen Verständnisses des Sozialen.« Warum sagt Fuhr es nicht deutlicher? Sozialabbau ist Vollendung der Entnazifizierung und der neue Patriotismus ein kostengünstiges Ersatz-Ruhekissen für die Angst", schreibt WULF.
            
        Hinzuweisen wäre noch darauf, dass mit Klaus HARTUNG und Götz ALY, zwei Alt-68er die Idee der Bürger- statt Sozialnation auf je unterschiedliche Weise vorangetrieben haben. 
 
  • PILZ, Michael (2005): "No Future? Ich war ein Futurist!"
    Billy Idol, Poseur des Punkrock, über Marken in der Popmusik, Söhne und Oliver Cromwell,
    in: Welt v. 23.03.
    • Inhalt:
      Billy IDOL u.a. über den Begriff "Generation X":

            
        "DIE WELT: Zurück zur Literatur. Ihre zweite und berühmteste Band hieß Generation X. Der kanadische Autor Douglas Coupland hat den Begriff in den neunziger Jahren für die hoffnungslose Jugend verwandt. Hat er sie beklaut?
            
        Idol: Nö, ich habe es von einem älteren Buch geklaut, das "Generation X" hieß. Meine Mutter hat das auf dem Wühltisch gefunden und mir mitgebracht. Es handelte von den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren. Von den verschiedenen Jugendkulturen in England. Von arm und reich. Teddy Boys, Rude Boys, Aristocratics, solche Typen. Das war höhere Soziologie! Wir wollten als Band ja auch irgendwie von den Sorgen der Jugend berichten."
            
        Das Buch von dem Billy IDOL hier spricht, erschien 1964 und stammt von den Pädagogen Charles HAMBLETT & Jane DEVERSON. 
   

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