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News vom
09. - 13. März 2006
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Zitat
des Monats:
"Frauen,
die einsam sind, haben in der Wahrnehmung der Außenwelt »keinen
abbekommen«. Außer sie sehen aus wie Cameron Diaz, lachen
wie Penélope Cruz und haben einen Körper wie Helena Christensen.
Einsame Frauen haben ein massives Imageproblem. Während Männer
sich als »einsame Wölfe« in ihrer Selbstversunkenheit suhlen und
stilisieren dürfen (...), müssen Frauen noch sehr häufig
defensiv auftreten. Die selbstbewußte Singlefrau ohne tristen
feministischen Überbau und verhärmte Jungfern-Ideologie wurde Anfang des 21.
Jahrhunderts erst durch TV-Serien wie
»Sex and the City« salonfähig. Die einsame Frau wurde sexy
und aufregend, für Männer jeden Alters Herausforderung wie
Verlockung. Und dennoch scheint sich dies noch nicht
herumgesprochen zu haben.
In Deutschland
haben einsame Frauen noch das größte Emanzipationspotential.
Insofern kann man dieses Buch auch als feministisches lesen.
Über Jahrhunderte waren einsame Frauen als Hexen oder alte
Jungfern Außenseiter. Im Laufe der Emanzipation des 20.
Jahrhunderts hat sich das langsam geändert, aber erst jetzt
werden Frauen, die zu ihrer Einsamkeit stehen,
selbstverständlich.
(...).
Der einsame Mann
mißversteht sich als Held und verkennt, daß er in einer auf
Familie und Gemeinschaft ausgerichteten Gesellschaft ein
Mängelwesen ist. Gleichzeitig fungiert er in bürgerlichen
Gesellschaften als Leitbild eines konsequenten Individualismus:
Sein Freiheitsdrang schreckt auch vor den
Härten absolut verstandener Bindungslosigkeit nicht zurück.
Aber souverän und nicht pathologisch ist das Einsam-sein-Können
nur, wenn ihm gleichwertig das Mit-anderen-sein-Können
gegenübersteht."
(aus:
Ulf Poschardt "Einsamkeit", 2006, S.48f. & 74f.)
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FEDDERSEN, Jan (2006): Sacht den Arm bestrichen, zärtlich fast.
Der Brunch als Übung in
Entschleunigung - eine Erkundung im Soziotop der Stunde, der
nagelneuen Mitte nämlich,
in: taz v. 13.03.
- Inhalt:
"Man
hat es mit Deutschem, bugsiert gern schamlos fette Kinderwagen über
die Trottoirs, und wer sich über das rücksichtslose Geschiebe
beschwert, erntet diesen typischen
Ursula-von-der-Leyen-moderne-Mutter- Blick: als habe man sich gerade
an unserer aller Zukunft vergangen. Und man geht sonntags
frühstücken, was hier nicht Frühstück genannt wird, sondern Brunch,
um auch temporal die entspannte Mitte zwischen der Frühe des Tages
und der Offenheit in den Nachmittag hinein zu plakatieren",
berichtet FEDDERSEN vom Prenzlauer Berg.
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- JÄHNER, Harald (2006): Zusammenhalten.
Frank Schirrmacher schlägt in
"Minimum" Alarm: Wo Familien schrumpfen, zerfällt die Gesellschaft,
in: Berliner Zeitung v. 13.03.
- Inhalt:
"»Minimum«
ist das Buch eines geradezu wilden Vollblut-Journalisten, eines
tollkühnen Dramatisierers und Vereinfachers. Schon jetzt, mit dem
zweiten Buch, ist er der Reich-Ranicki der Demografie",
meint JÄHNER.
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GALL, Insa (2006): Die neue Lust am Kind.
Die Geburtenrate in Hamburg
steigt wieder. Vor allem in Szenevierteln sind junge Familien auf
dem Vormarsch,
in: Welt am Sonntag Hamburg v. 12.03.
- Kommentar:
Das Hamburger Abendblatt hat bereits
vor einer Woche
darüber berichtet. GALL hat nun den "Gelegenheitsdemographen"
Matthias HORX dazu befragt, der im Hamburger Schanzenviertel -
also dort wo sein "kreatives Milieu" der Bobos beheimatet ist -
"eine Geburtenrate auf mehr als zwei Kinder pro Frau steil"
ansteigen sieht.
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- GERMIS, Carsten &
Inge KLOEPFER (2006):
"Die Enkel lassen sich nicht ausbeuten".
Kurt Biedenkopf über die Ignoranz der Baby Boomer, überholte
Besitzstände und warum Wachstum die Menschen nicht zufrieden macht,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.03.
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- BRAUER, Angelika (2006): Haben und
Sein.
Gerhard Schulz entdeckt die
sieben Todsünden als Kontrastmittel zum Wohlstandsleben,
in: Tagesspiegel v. 12.03.
- Inhalt:
"Wäre er doch ein Zyniker. Aber Schulze meint es mit
uns gut und ernst. Wir jedoch hoffen auf kluge Köpfe, denen der Mut
zum Negativen nicht fehlt; denn die werden gebraucht – solange es
nicht um das Vertrauen auf den gesunden Menschenverstand, sondern um
die Diagnose der kranken Gesellschaft geht", kritisiert BRAUER das
Buch
"Die Sünde" von Gerhard SCHULZE.
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WAGNER, Gert G. (2006): Verwirrt am Donnerpass.
Frank Schirrmacher stellt in
seinem neuen Sachbuch-Schocker "Minimum" eine wichtige Hypothese auf.
Um sie zu belegen, trickst er jedoch gehörig und kümmert sich viel zu
wenig um neuere Forschungen,
in: TAZ v. 11.03.
- Inhalt:
Gert G. WAGNER, Experte in Sachen empirischer
Sozialforschung, bespricht das Buch
"Minimum" von Frank SCHIRRMACHER.
Darin gehe es in 15 Kapitel immer wieder um dasselbe: "Blut ist
dicker als Wasser".
WAGNER bemängelt den laxen Umgang SCHIRRMACHERs mit
sozialwissenschaftlichen Daten:
"Manchmal
trickst Schirrmacher regelrecht, um sein Argument zu stärken. Er hat
offensichtlich die neuere Diskussion um die völlig überhöhte Zahl
von kinderlosen Akademikerinnen in seiner FAZ sorgfältig
gelesen und schreibt: »Achtunddreißig Prozent der westdeutschen
Akademikerinnen in der Altersgruppe zwischen fünfunddreißig und
neununddreißig Jahren leben ohne Kinder.« Richtig, aber das heißt
nicht, dass sie keine Kinder haben! Bei einigen sind sie schon aus
dem Haus - und etliche bekommen ihr erstes Kind erst noch.
In Wahrheit liegt der Anteil kinderloser Akademikerinnen heutzutage
zwischen 25 und 30 Prozent. Immer noch eine Menge, die durch bessere
Kinderbetreuung und Ganztagsschulen reduziert werden könnte, aber
eben weit weit weniger als 40 Prozent."
Im
Gegensatz zu SCHIRRMACHER sieht WAGNER - in Übereinstimmung mit dem
Soziologen Hans BERTRAM, den auch SCHIRRMACHER häufig zitiert - das
Problem des Geburtenrückgangs nicht in erster Linie bei den
Kinderlosen, sondern es beruht vor allem auf dem Rückgang der
kinderreichen Familien.
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ZYLKA, Regine (2006): "Eltern sind
Zeitkünstler und pragmatisch".
Familienministerin Ursula
von der Leyen über Demografie und die kinderfeindliche Arbeitswelt,
in: Berliner Zeitung v. 11.03.
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SPRECKELSEN, Tilman (2006): Ich bin du.
Ihr Vater-Bild beschäftigt Autoren heute mehr denn je,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.03.
- Inhalt:
Tilman SPRECKELSEN
hat die neuere Vaterliteratur von
Hanns-Josef ORTHEIL
über
Frank GOOSEN,
Thommie BAYER,
Thomas LANG bis zu Jens PETERSEN und Thomas PALZER gesichtet. Sein
Fazit:
"Die
Söhne suchen, und was sie finden, wenn es noch nicht zu spät ist,
sind oft schwache, hinfällige, frühvergreiste Väter, mit denen jeder Streit ins Leere laufen muß oder die
sich der ganzen Sache lieber gleich entziehen: Es ist die völlige
Umkehrung dessen, was noch im neunzehnten Jahrhundert den literarischen
Vater-Sohn-Diskurs prägte, als - wie beispielsweise oft in den Novellen
Theodor Storms - besorgte Väter erfolglos versuchten, ihre Söhne davor zu
bewahren, sich aufzugeben."
Am
Ziel der Vatersuche steht für SPRECKELSEN meist ein neuer Blick:
"auf
die eigene Person: auf das Ererbte wie das Individuelle, das
Übernommene wie das Erworbene, und nicht selten ist diese
Perspektive der erste Vorbote einer neuen Gelassenheit im Umgang mit
dem Vater. Man macht seinen Frieden."
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WALTER, Klaus (2006): Ey, du Scheißopfer!
Die Kunst der Beleidigung hat
im Pop eine lange Geschichte: Sie verschafft Künstlern Distinktion und
macht die Klassenverhältnisse sichtbar. Ganz anders die Laudatio, ihr
versöhnlicher Gegenpart,
in: TAZ v. 10.03.
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ZEIT-THEMA: Die
Lust am Bürgerlichen |
- DIEZ, Georg (2006): Sehnsucht nach
dem Bürger.
Werte, Glaube und Manieren: Begegnung mit sechs Menschen, die
sich selbst gern als neue Bürgerliche sehen,
in: Die ZEIT Nr.11 v. 09.03.
- Inhalt:
Georg DIEZ
porträtiert 6 Bürger: die Verlegerin Gina KEHAYOFF
("Kosmopolitin"), den Sänger Max RAABE ("Der Manierliche"), den
CDU-Generalsekretär in Thüringen Mike MOHRING ("Berufsbürger"),
den Leiter dr Friedrich-Naumann-Stiftung Christian DÄUBLER
("Traditionsbürger"), den Besitzer der Königlichen
Porzellanmanufaktur KPM Jörg WOLTMANN ("Buddenbroker") und den
Schriftsteller Jakob HEIN ("Der Innerliche"). Die Bürger-Zitate
liefert Wolf-Jobst SIEDLER.
- JESSEN, Jens (2006): Vergesst nicht
Adornos Krawatte. Was ist das heute noch, ein Bürger? Und was
könnte neue Bürgerlichkeit bedeuten? Ein Versuch, Ordnung in eine
wirre Debatte zu bringen,
in: Die ZEIT Nr.11 v. 09.03.
- Inhalt:
Jens JESSEN
unterschiedet zwischen dem Bürgertum, dem Bürger und dem
Bürgerlichen. Zu den
"neuen" Bürgerlichen der
68er-Generation meint er:
"wer die
Protagonisten von 68 oder die politische Trägerschicht der Grünen
heute einmal durchmustert, wird überall auf jenes
Herkunftsbürgertum stoßen, dem zwar Besitz, nicht aber Bildung,
Verantwortungssinn und intellektuelle Reflexe ihrer
Ursprungsklasse abhanden gekommen sind."
- ASSHEUER, Thomas (2006): "Wie sollen
wir leben?"
Warum nur die neue Bürgerlichkeit unsere Gesellschaft retten kann
- auch wenn sie neue Ungleichheit erzeugt. Ein Interview mit dem
Historiker Manfred Hettling,
in: Die ZEIT Nr.11 v. 09.03.
- Kommentar:
HETTLING lädt den Bürgerbegriff moralisierend auf
und sieht im Bürger den Gemeinwohl-Postmaterialisten, während er
den Kleinbürger als materialistischen Interessen-Egoist verachtet.
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Zu den News vom 07. -
08. März 2006
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