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Medienrundschau:

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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 22. - 24. März

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

Die Dramatisierung des Geburtenrückgangs durch die Vorwärts-zurück-zur-Sonderrolle-der-Frau-Fraktion

"Es war um 1900, als in Deutschland der erste Geburtenrückgang einsetzte. Nachdem dann in den 1950er und frühen 1960er Jahren kurzfristig ein Babyboom verzeichnet wurde, begann im Jahr 1965 das, was die Bevölkerungswissenschaftler als zweiten Geburtenrückgang bezeichnen: Die Geburtenzahlen ging zurück, sanken weiter und sind seit einigen Jahren annähernd konstant geblieben - freilich auf niedrigem Niveau. Im Jahr 2005, so meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung, hat diese langfristige Entwicklung nun aber einen symbolträchtigen neuen Tiefpunkt erreicht, nämlich weniger als 676 000 Geburten, und das bedeutet: »Im Vergleich zum Jahr 1964, als in der Bundesrepublik und in der DDR mit insgesamt 1,357 Millionen Kindern ein Geburtenrekord erreicht wurde, hat sich die Zahl der Babys sogar halbiert«.
             Solche Zahlen klingen beeindruckend, doch bei näherer Betrachtung sind sie mit einem Schönheitsfehler behaftet. Zu dem Zeitpunkt, als die Meldung den Weg durch die Medien nahm, lagen noch keine gesicherten Daten vor, erst vorläufige Schätzungen. Und es gab andere Schätzungen, etwa zeitgleich vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung vorgelegt, wonach die Geburtenzahlen etwas höher ausfielen. Tatsächlich, so hat sich inzwischen gezeigt, lag die letztere Schätzung richtig, es wurden 686 Kinder geboren.
             (...). Deutschland weltweit am untersten Ende, wie das Berlin-Institut behauptete? Das ist ein Mythos, entstanden durch die bereits genannte Publikation des Berlin-Instituts, die von einem sehr groben Meßwert ausging, nämlich Geburten je 1.000 Einwohner. Nimmt man dagegen den in der Demographie üblichen, nämlich zuverlässigeren Meßwert - die durchschnittliche Kinderzahl je Frau -, verschiebt sich das Bild. Dann kann, so das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, »keine Rede davon sein, daß ... Deutschland Spitzenreiter im negativen Sinn bei den Geburtenzahlen sei«. Dann gibt es eine Reihe von Ländern - insbesondere in Südeuropa und Osteuropa -, wo die Geburtenzahlen noch niedriger liegen.
             (...).
So gesehen ist die aktuelle Dramatisierung des Geburtenrückgangs wesentlich ein Medienereignis, offensichtlich entstanden aus der Konkurrenz um Aufmerksamkeit, Schlagzeilen, Verkaufszahlen; nicht zuletzt auch eine gezielte Werbekampagne, um eine neue Publikation prominent zu plazieren und zum Bestseller zu machen. Und wer sich in der Geschichte ein wenig auskennt, der weiß: Ähnliche Debatten hat es auch schon früher gegeben. Schirrmacher, SPIEGEL und Co haben das Thema Geburtenrückgang zwar wiederaufgegriffen und medienwirksam gestaltet - aber es hat lange davor schon manche Konjunkturen erlebt. Die aktuelle Erregungskurve hat ihre historischen Vorläufer, pointiert zusammengefaßt: »Wir sterben immer wieder aus«.

( aus: Elisabeth Beck-Gernsheim "Die Kinderfrage heute", 2006, S.9-12)

 
       
   
  • SYLVESTER, Regine (2007): Die Stille vor dem Kuss.
    Warum es so schwer ist, den Richtigen zu finden,
    in: Magazin der Berliner Zeitung v. 24.03.
    • Anmerkungen:
      Regine SYLVESTER arbeitet wie bereits Susie REINHARDT in der aktuellen Psychologie Heute-Titelgeschichte am Single-Mythos, indem sie  falsche Zahlen über die Anzahl von Alleinlebenden (Partnerlosen) verbreitet:

                   "Die Zahl der Alleinlebenden steigt. Sie hat sich in den letzten dreißig Jahren in Deutschland mehr als verdoppelt (...). In einigen deutschen Großstädten bilden Alleinlebende inzwischen die Hälfte der Bevölkerung", behauptet SYLVESTER.
                   Single-generation.de hat die Entwicklung der Alleinlebenden im Thema des Monats Februar differenzierter behandelt und kommt dabei zu einem anderen Ergebnis:
                   "Im Jahr 1972 lebten 13,4 % der erwachsenen Frauen im Einpersonenhaushalt, aber nur 5,9 % der Männer. Während sich der Anteil der Männer bis zum Jahr 2003 auf 15,4 % fast verdreifachte, erhöhte sich der Anteil der Frauen gerade einmal auf 19,2 %."
                   Während in den Medien vor allem die allein lebende Frau das Thema ist, ist einzig der Anteil der Männer an den Alleinlebenden stark gestiegen.
                   Es kann auch keine Rede davon sein, dass in den Großstädten (z.B. Berlin, München oder Hamburg) bereits die Hälfte der Bevölkerung allein lebt, sondern es sind nur ca. ein Drittel. Dieser Strukturwandel hat sich jedoch in Westdeutschland bereits vor 1990 vollzogen.
                   "Auf einen männlichen Single zwischen 60 und 69 Jahren kommen in Deutschland drei weibliche. Frauen werden älter, und Männer gehen nach einer gescheiterten Beziehung viel schneller eine neue ein, meistens mit einer jüngeren Frau, besonders dann, wenn der Mann einen ansprechenden sozialen Status hat", behauptet SYLVESTER.
                   SYLVESTER tischt uns hier einen Mythos aus der Nachkriegszeit mit seiner hohen Zahl von Kriegerwitwen auf. Heutzutage wird dagegen das Alleinleben im Alter männlicher, wie single-generation.de aufgezeigt hat:
                   "Im Vergleich zu den 70er Jahren ist das Alleinleben insgesamt männlicher geworden. Dies liegt einerseits an den Rückgängen bei den über 55jährigen Frauen, aber auch an den Zuwächsen der Männer in allen Altersgruppen, wobei die Zuwächse bei den Männern unter 55Jahren am größten sind."
                   Das Übergewicht der älteren Frauen ist bei den Alleinlebenden in den letzten Jahren deutlich zurück gegangen und es wird weiter zurückgehen, weil sich das Muster der Partnerwahl hin zur Beziehung Gleichaltriger geändert hat und die Lebenserwartungen von Mann und Frau sich ebenfalls angleichen.
                   Das Doris-Prinzip (älterer Mann findet junge Frau) ist doch eher ein Medienereignis, das in der Realität nur selten anzutreffen ist.
                   Wer im Internet auf der Suche nach dem Partner fürs Leben ist, der sollte sich nicht wundern, wenn er nur eine Journalistin findet, die gerade über das Thema recherchiert:
                   "Heerscharen von Journalisten und Autoren haben über das Thema Partnersuche im Internet geschrieben und sich vorher zum Selbstversuch eingeloggt. Ich auch", schreibt SYLVESTER.
  • GUTSCH, Jochen-Martin (2007): Der Druck der Frauen,
    in: Magazin der Berliner Zeitung v. 24.03.
 
     
   
  • LANG, Susanne (2007): Ich-Kampfschriften pro familia.
    Iris Radisch, Eva Herman, Udo Di Fabio, Frank Schirrmacher - alle schreiben dicke Bücher über die Familie, als sei sie ein von der Moderne wegrationalisiertes Paradies. Das Panorama einer privilegierten Generation im Stadium der Torschlusspanik,
    in: TAZ v. 24.03.
    • Inhalt:
      Susanne LANG rechnet mit dem neuen Genre der "Ich-Kampfschriften pro familia" ab, zu denen sie die Bücher von Udo DiFABIO (Jahrgang 1954, "Die Kultur der Freiheit"), Norbert BOLZ (Jahrgang 1953, "Die Helden der Familie"), Frank SCHIRRMACHER (Jahrgang 1959, "Methusalem-Komplott" und "Minimum"), Eva HERMAN (Jahrgang 1958, "Das Eva-Prinzip"), Iris RADISCH (Jahrgang 1959, "Die Schule der Frauen") und Ursula von der LEYEN (Jahrgang 1958, "Wir müssen unser Land für die Frauen verändern") zählt.

                   Zur Generationslagerung dieser Autoren stellt LANG fest:
                   "Auffälligerweise sind sie alle Angehörige der Generation der 40- bis 60-Jährigen. Auffälligerweise haben sie als Erste alle Vorteile, materiell wie emanzipatorisch, der jungen BRD genossen. Auffälligerweise empfinden sie nun trotzdem die Welt um sich herum als bedroht."
                   Gemäß LANG gehen die Autoren von der unhinterfragten Annahme aus, dass "Familie (...) etwas zu Rettendes sei". Das Gemeinsame des Mythos Familie sieht sie in der romantischen Vorstellung, dass die Familie ein "Gegenmodell zur Allgewalt der Ökonomie und der Beschleunigung" sei.
                   Dieser romantischen Vorstellung von Familie setzt LANG die Vorstellung entgegen, wonach Familie, Ökonomie und Staat keine gesonderten gesellschaftlichen Sphären seien.
                   Mit Niklas LUHMANN (Jahrgang 1927, "Liebe als Passion"), Eva ILLOUZ (Jahrgang 1961, "Konsum der Romantik"), Pierre BOURDIEU (Jahrgang 1930, "Familiensinn") und Karl Otto HONDRICH (Jahrgang 1937, "Weniger sind mehr") tritt LANG den Ich-Kampfschriften pro familia entgegen.
                   Vor allem im Buch "Weniger sind mehr" von Karl Otto HONDRICH sieht LANG eine Alternative zu den Ich-Kampfschriften:
                   "Im Innenteil wartet (...) die Feststellung, die dem ideologischen Konsens »Wir brauchen mehr Kinder« endlich entgegenhält: »Wenn die Gesellschaft keine Kinder hervorbringt, dann hat das einen gesellschaftlichen Sinn. Die Gesellschaft braucht die Kinder nicht, die nicht geboren werden. Sie fragt sie nicht nach.»
                   Ja darf man da seinen Augen trauen? Man darf, schließlich steht der Name des Verfassers, des Soziologen Karl Otto Hondrich, für klare Analysen, wie und warum sich unsere, also die moderne westliche und weniger die »deutsche« Gesellschaft oder gar die »unseres Landes« verändert hat und stetig dabei ist, sich zu verändern. Für Panikmache, die heutzutage gerne Meinungsmache heißt, ist sich Hondrich zu schade. Was sollte sie auch? Schließlich würden Gesellschaften dennoch nicht kinderlos, »schlimmstenfalls werden sie weniger Kinder haben, als wir gewöhnt sind. Es sind die Gewohnheiten, die uns die Verhältnisse als normal und richtig erscheinen lassen - und es sind Veränderungen, die uns Angst vor künftiger Anormalität einflößen.«
                   Exakt jene Angst ist es, die in der deutschen Gesellschaft vor allem die Mittelschicht erfasst hat, die aber (...) der realen Grundlage entbehrt. (...).
                   Unter der Leitfrage, wie sich Systeme, also in diesem Fall die Familie, stabilisieren, wie sie ihre Problemlösungsfähigkeit steigern, trotz weniger Menschen und trotz Sinkens der Geburtenrate, kommt er ganz in der Tradition von Luhmann zu einer plausiblen Schlussfolgerung: Der innerhalb von 200 Jahren erreichte Modernisierungsgrad der Gesellschaft, der immer mehr Funktionen der Familie in andere Teilsysteme ausgelagert hat (Sex, Wirtschaften, Alterspflege etc.), der Individualität erst ermöglicht hat, führt zu einer Qualitätssteigerung innerhalb des Systems Familie - unter dem einzig verbleibenden Leitwert, der Familie von anderen Systemen unterscheidet: »Liebe und sonst nichts«.
                   Dementsprechend kleiner und exklusiver wird die Familie - bis hin zum Paar ohne Kind. Angesichts all der gestiegenen Anforderungen ans Individuum lässt sich in der Logik Hondrichs für Menschen, die Familie und Karriere und Kinder vereinbaren, schlicht nur feststellen: Sie sind nicht die besseren Menschen, sondern die besseren Familienmenschen. (...).
                   Anders als die triviale Spielart der Küchen-und-Heim-Romantik à la Herman oder eine literarisch untermalte Zufluchtsort-Romantik à la Radisch lässt Hondrich dabei die Welt, wie sie ist, zu. Familie mit dem Leitwert Liebe, in der verlässliche Bindungen gesucht und gefunden werden, darf auch erweitert gedacht werden: homosexuelle Ehe oder Wahlverwandtschaften mit familiärer Qualität, der Wunsch nach Familie trotz ihrer neuartigen Brüchigkeit (die armen Scheidungskinder!)."
 
   
  • WALTER, Franz (2007): Ergraut und erfolgreich.
    Die Zukunft der Linkspartei liegt darin, dass sie nicht so jugendlich ungestüm ist wie frühere linke Bewegungen. Ihre sozialkonservative Haltung beschert ihr neue Chancen,
    in: TAZ v. 24.03.
    • Inhalt:
      Der Politikwissenschaftler Franz WALTER träumt von einer Revolution in der Parteiengeschichte:

                   "Die Renaissance der Linken in Form einer Fusion von Populismus und Konservatismus - und dies ausgerechnet als Folge der Vergreisung der Kernländer des klassischen, mittlerweile überkommenen Industriekapitalismus".
 
   
  • KNIPPHALS, Dirk (2007): Kleine Leipziger Epiphanien.
    Buchmesserei (3 und Schluss): Unter tropfenden Dächern wurden am Donnerstag die Leipziger Buchpreise vergeben,
    in: TAZ v. 24.03.
    • Inhalt:
      Dirk KNIPPHALS u.a. über den "empathischen Gnostiker" Hubert WINKELS:

                   "Berliner Zimmer. Jochen Hörisch, vor 25 Jahren Doktorvater des Ausgezeichneten Hubert Winkels und jetzt Laudator, holte dort gerade weit aus, zog große ironische Bögen durch die Literaturkritik, gab Reich-Ranicki und Heidenreich ohne Namensnennung einen mit und schwelgte von dem Leseeifer, den Hubert Winkels schon als Student an den Tag gelegt hatte …
                   (...).
       Zurück im Berliner Zimmer, nennt Hörisch Winkels gerade einen »emphatischen Gnostiker«, was insofern hübsch ist, als Winkels in der Literaturdebatte, die den Betrieb neulich kurz in Atem hielt, die Emphatiker und die Gnostiker klar auseinanderhalten wollte.

                   Dann die Preisverleihung. Dann hielt Winkels - mit gnostischen Formulierung und emphatisch gepunkteter Krawatte - die Dankesrede. Er würdigte die Entheroisierung der Kritik und die Öffnung des literarischen Feldes. Zudem strotzte seine Rede vor gelassenem Selbstbewusstsein; schön ausdifferenziert sei die Literaturkritik derzeit, und einem Grass habe sie schon lange vor der SS-Beichte die Luft rausgelassen. Nur eins mochte Winkels nicht unangeprangert lassen: den Hang zur »appellativen Subjektivität« à la, so Winkels, »Ich bin im Text, dort wirst du, lieber Leser, dich auch wiederfinden.« So etwas imitiert für Hubert Winkels nur marktgerecht Erregungszustände."
 
   
  • Debatte um das Unterhaltsrecht

    • BIRNBAUM, Robet (2007): Vorfahrt für Kinder.
      Kompromiss beim Unterhaltsrecht,
      in: Tagesspiegel v. 24.03.
    • DRIBBUSCH, Barbara & Ulrike HERRMANN (2007): Neue Rangfolge der Schwachen.
      Reaktionen auf das neue Unterhaltsrecht sind zwiespältig. "Väteraufbruch" lobt Verbesserung für Männer. Anwältin beklagt, dass "serielle Monogamie des Mannes begünstigt" werde. Verband der Alleinerziehenden rügt: Mindestunterhalt sinkt,
      in: TAZ v. 24.03.

    • PRANTL, Heribert (2007): Das Kind lebt nicht vom Rang allein.
      Warum das neue Unterhaltsrecht lügt,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 24.03.
 
   
  • SIEMS, Dorothea (2007): Angriff auf die Ehe.
    Mit zahlreichen neuen Gesetzen will die große Koalition die Familienpolitik umbauen. Die Konservativen in der Union fürchten um den besonderen Schutz der Ehe,
    in: Welt v. 24.03.
 
   
  • MEISTER, Martina (2007): Revolution auf französisch.
    Vive la France? Unser hassgeliebtes Nachbarland steckt in der Krise und zweifelt neuerdings sogar an sich selbst. Das war nicht immer so,
    in: Tagesspiegel v. 24.03.
    • Exklusiv-Story von single-dasein.de:
      Frankreich gilt deutschen berufstätigen Karrierefrauen mit Kinderwunsch - wie z.B. Martina MEISTER - als Paradies auf Erden.

                   Nationalkonservative Apologeten einer Bevölkerungspolitik wie Franz-Xaver KAUFMANN oder Herwig BIRG behaupten gar einen engen Zusammenhang zwischen der Geburtenentwicklung und der Wohlstandsentwicklung eines Landes.
                   Die französischen Krise, die MEISTER nun beschreibt, dürfte es in der Lesart von Franz-Xaver KAUFMANN und Herwig BIRG nicht geben:
                   "3,7 Millionen Franzosen leben in Armut, jeder sechste Arbeitnehmer muss mit dem Mindestlohn von 1250 Euro auskommen. In Sachen Arbeitslosigkeit steht Frankreich mit einer Quote von 8,6 Prozent gemeinsam mit Spanien und Griechenland im europäischen Vergleich am schlechtesten da. Besonders hoch ist die Jugendarbeitslosigkeit. 23 Prozent der Jugendlichen unter 25 Jahren sind ohne Job, in Vorstädten wie Clichy-sous-Bois, wo im Herbst 2005 die Aufstände losbrachen, steigt diese Zahl sogar auf bis zu 50 Prozent.
                   Leicht ließe sich die Reihe der ökonomischen Desaster fortsetzen (...).
                   Es geht wirtschaftlich schlecht, aber noch schlimmer ist, dass Frankreich an sich selbst zweifelt. In den Buchläden steht meterweise Literatur zum »declin«, zum nationalen Untergang. »Der Absturz«, »Die Angstgesellschaft«, »Das französische Malheur« heißen die Titel dieser Pamphlete und Plädoyers für einen Neuanfang, allesamt Bestseller, geschrieben zum großen Teil von den Apologeten des Neoliberalismus, den so genannten »Deklinologen«. Längst hat man für den Volkssport der Selbstgeißelung ein neues Wort geschöpft.
                   (...).
      Ein Staat in der Krise, eine Gesellschaft im Umbruch, ein Land voll sagenhafter Widersprüche: Frankreich befindet sich in der Depression, verzeichnet aber gleichzeitig die höchste Geburtenrate Europas. Es hat den weltweit höchsten Konsum an Antidepressiva – und gilt immer noch als Inbegriff des savoir vivre. Es ist mit Deutschland das Zugpferd der Europäischen Union gewesen, hat aber im Referendum gegen die neue Verfassung gestimmt. Wie geht zusammen, so fragt man sich
      ".
                   So fragen sich nur die Anhänger der Ideologie "Wir brauchen mehr Kinder" (Susanne LANG).
                   In diesem Monat ist mit dem Buch "Weniger sind mehr" des prominenten Soziologen Karl Otto HONDRICH jedoch ein Buch auf den Markt gekommen, das wie bereits das Buch "Die Single-Lüge" in der Bestandserhaltungszahl 2,1 keineswegs den Maßstab für eine nachhaltige Gesellschaftspolitik sieht.
                   Für HONDRICH ist die französische Krise auch die Konsequenz einer Bevölkerungspolitik, die am gesellschaftlichen Bedarf an Nachwuchs vorbeigeplant hat.
                   Zudem - darauf hat single-dasein.de bereits des Öfteren hingewiesen - werden die Geburtenraten der Französinnen überschätzt, während diejenigen der Deutschen unterschätzt werden.     
 
   
  • SZ-Serie: Projekt Familie (4)

    • REST, Tanja (2007): Der ganz normale Wahnsinn.
      Vom Frühstückstisch in die Krippe zur Schule zur Arbeit in den Hort und zurück, dazwischen ein unvorhergesehener Termin, ein krankes Kind – und alles ist ganz anders als geplant: ein Tag im Leben einer Münchner Familie,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 23.03.
 
   
  • MÜLLER, Martin (2007): Nur die Mutter zählt.
    Ursula von der Leyen setzt bei den fehlenden Krippenplätzen nun auf Tagesmütter. Sie sollen die Finanzierung der Kinderbetreuung sichern. Sieht so der neue "konservative Feminismus" aus?
    in: TAZ v. 23.03.
 
   
  • WINKELMANN, Ulrike (2007): Nach dem Patriarchat.
    Antje Schrupp entwirft die Vision einer Gesellschaft, in der selbstverantwortliche Menschen in allen Alters-, Wohn- und Familienformen einander nahe sind,
    in: TAZ v. 22.03.
    • Inhalt:
      Ulrike WINKELMANN stellt das Anti-SCHIRRMACHER-Buch "Methusalems Mütter" von Antje SCHRUPP vor:

                   "Emanzipation definiert sie als bloße Übernahme der männlich-bürgerlichen Werte Unabhängigkeit oder Konkurrenz durch die Frau und daher als Teil des demografischen Problems. Feminismus dagegen hält Schrupp für die Lösung: eine Aufwertung des weiblichen zivilisatorischen Beitrags, also das Anerkennen, dass es ohne Kümmern und Sorgen nicht geht.
                   Der interessanteste Aspekt Schrupps ist, wie sich die weibliche Emanzipationsgeschichte auf das Alter übertragen lässt. (...). Denn nicht nur ist die Rolle der alten Frau noch einmal ein besonderes Kapitel im Patriarchat. Auch weist die Art der Diskriminierung von Frauen und Alten signifikante Gemeinsamkeiten auf: Etwa sind weder Frauen noch Alte Minderheiten. Frauen wie Alten wird vor allem Schwäche und deshalb Zweitrangigkeit zugeschrieben. Die Stereotypenbildung funktioniert dabei über den Körper, von dem auf den Geist geschlossen wird.
                   Doch geht Schrupp dem nicht nach."
 
   
  • WAGNER, Gert G. (2007): Zähneputzen auf einem Bein.
    Ein Band der Max-Planck-Gesellschaft erkundet die "Zukunft des Alterns" in vielen Facetten. Klar ist: Die alten Menschen können ein gutes Leben haben, weil ihnen moderne Technik immer mehr hilft. Doch sie müssen eben auch selbst immer mehr beitragen, um möglichst lange gesund zu bleiben,
    in: TAZ v. 22.03.
 
   
  • SCHIMMANG, Jochen (2007): Helden in peinlichen Situationen.
    "Minibar": Kolja Mensing schreibt dreißig Variationen eines aktuellen Adoleszenzromans und findet damit eine angemessene Form fürs Niemandsland im Alter zwischen dreißig und vierzig. So wie früher unter dem Pflaster der Strand lag, liegt hinter der Strenge und Lakonie nun die Traurigkeit,
    in: TAZ v. 22.03.
    • Inhalt:
      "
      Seit etlichen Jahren kennen wir den Begriff der verlängerten Adoleszenz und wir kennen auch die Gründe dafür: Veränderung familiärer Strukturen, Veränderungen bei den Ausbildungswegen und auf dem Arbeitsmarkt. Das ist die Hintergrundfolie, vor der Mensing seine Geschichten erzählt, die am Ende eben diesen Roman der verlängerten - tendenziell unendlichen - Adoleszenz ergeben", erläutert Jochen SCHIMMANG zum Buch "Minibar" von Kolja MENSING.
 
     
   
  • WACKWITZ, Stephan (2007): Unsolide Romantiker.
    "Hamburger Hochbahn": Mit seinem Debüt hat Ulf Erdmann Ziegler den bundesrepublikanischen Zeitroman der Achtzigerjahre geschrieben,
    in: TAZ v. 22.03.
    • Inhalt:
      "
      Die Erzählhaltung des Buches ist beeinflusst vom Programm der von Michael Rutschky redigierten Zeitschrift Der Alltag, die ein paar heute schon fast legendäre Jahrgänge lang den »Abenteuerurlaub auf Nachbars Balkon« zum Arbeitsprogramm erhoben hatte (und zugleich so etwas wie eine informelle Ausbildungsinstitution für viele heute erfolgreiche Schriftsteller, Essayisten und Journalisten geworden ist)", schreibt Stephan WACKWITZ über den Roman "Hamburger Hochbahn" von Ulf Erdmann ZIEGLER.
 
   
  • CAMMANN, Alexander (2007): Die Zukunft wollen.
    Trauma eines Geistersehers: Harald Martenstein legt einen ebenso liebevollen wie verstörenden Romanerstling über die Fünfzigerjahre vor,
    in: TAZ v. 22.03.
  • Inhalt:
    "Wer sein weltanschauliches Korsett produktiv verstören lassen will, hat mit Martenstein einen guten Trainer: ein kleines, weises Buch über die Ambivalenzen, die in der Vergangenheit stecken", meint Alexander CAMMANN aus neubürgerlicher Sicht zum Roman "Heimweg" von Harald MARTENSTEIN.
 
   
  • SOMM, Markus (2007): Familienpolitische Sandkastenspiele.
    Die SP will ein paar Milliarden Franken an Eltern verteilen, die ihre Kinder in Krippen schicken. Man verspricht sich mehr Geburten, mehr Wachstum, mehr Steuereinnahmen, mehr Frauen im Erwerbsleben. Die Hoffnungen sind nicht einzulösen,
    in: Weltwoche Nr.12 v. 22.03.
 
   

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Zu den News vom   17. -  21. März 2007

 
       
   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
   
 
   

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