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Medienrundschau:

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News vom 24. - 31. Mai 2005

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

"Sie wollte in die Bucht. Die Bucht war das Zentrum der Insel. Die Klippen formten einen winzigen Einschnitt der Küste. Steiles heißes Gestein sparte das Halbrund aus. Der Vulkansand des Strands erwärmte sich ab zehn, elf Uhr, wenn die Sonne über die Felskanten schien.

Gegen Mittag glühte der Körper mit dem Sand. Eine Herzkammer war die Bucht. Die Brecher zerstoben über Lavabrocken. Die Wasserschleier stiegen auf. In Regenbogenfarben wehten sie über auslaufende Wellen, über die Gischt und das Gesicht."
(aus: Hans Pleschinski "Leichtes Licht", 2005, S.37f.)

 
 
 
  • FUHR, Eckhard (2005): Eine grausige Moritat,
    in: Emma, Mai/Juni
 
  • KOSLER, Hans Christian (2005): Zyniker bauen keine Kathedralen.
    "Der Eisvogel" - Uwe Tellkamps brisanter Roman über Rechtsradikale,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 31.05.
 
 
  • NOLTE, Paul (2005): Merkels neue Mitte.
    Die Abkehr von der beaufsichtigten Gesellschaft braucht selbstbewusste Mittelschichten,
    in: Tagesspiegel v. 29.05.
    • Kommentar:
      Paul NOLTE ist rhetorisch eine Art Rudi DUTSCHKE der Berliner Republik, dem jegliches Charisma fehlt.

            
        Sein revolutionäres Subjekt ist jedoch nicht mehr die Arbeiterschicht, sondern die Mittelschicht. Statt Studentenführer also Angestelltenführer. Und das Projekt ist auch keine Revolte mehr, sondern nur noch eine Reform. Aber bereits die Neue Linke hat bekanntlich vergeblich gerufen.
            
        Wenn man Ijoma MANGOLD und Frank SCHIRRMACHER glaubt, dann sind der Neuen Mitte das eigene Portemonnaie sowieso näher als die Herausforderungen sich als Vorbild für - und Erzieher von - Unterschichten einspannen zu lassen.
 
  • WAGNER, David (2005): Insel der Inseln.
    Kreuzberg gibt es gar nicht, das ist alles nur erfunden: Wie eine Tagung den "Mythos" des Stadtviertels entzaubert,
    in: Tagesspiegel v. 29.05.
    • Inhalt:
      Der Schriftsteller David WAGNER war auf einem Kongress einer grünennahen Stiftung. Er berichtet aus diesem Anlass über sein Kreuzberg-Bild. Das erwähnte Personal des Stimmungsbildes reicht von Rio REISER über Bernward VESPER bis zu Thomas GROSS.
 
  • WILLMS, Johannes (2005): Paris für Verliebte.
    Ein Kleines Vademekum für gewisse Stunden - und die Zeit dazwischen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 28.05.
    • Kommentar:
      "Die Erinnerung an das gemeinsame Liebesleben symbolisiert (...) den eigentlichen Eigenwert einer Liebesbeziehung. Damit wirkt sie wie ein Airbag für Beziehungscrashs. (...). Die Erinnerung der eigenen Liebesgeschichte macht die Beziehung fit für Krisenfälle. Das ist umso wichtiger, als die Liebe, im Gegensatz zu allen anderen Gesellschafsbereichen, keine eigenen Organisationen ausbildet, die der Liebe zusätzliche Sicherheit geben würden.
      (...).
      Der Liebesmythos der gemeinsamen Geschichte scheint so tiefenwirksam zu sein, dass die Geschichte nach einer Fortsetzung verlangt, auch wenn sie eigentlich schon zu Ende ist", schreibt Christian SCHULDT in dem Buch "Der Code des Herzens"

            
        WILLMS folgt diesem Gedanken in seinem Artikel Paris für Verliebte, wenn außeralltägliche ReiseERLEBNISSE als Bindemittel preist.
 
  • REICHERT, Martin (2005): So einsam im Sattel.
    Männern traut man richtigen Liebeskummer gar nicht zu, dabei leiden sie im Fall einer Trennung oft stärker als Frauen. Gerade weil sie meist heimlich, still und leise trauern,
    in: TAZ v. 28.05.
    • Kommentar:
      Martin REICHERT hat sich des verlassenen Mannes angenommen.

            
        Bisher kam dieser Typus vorrangig als Scheidungs- bzw. Trennungsopfer, d.h. in politischer Perspektive, in den Blick.
            
        REICHERT nähert sich dem verlassenen Mann dagegen mit dem psychologischen Blick. Er hat u.a. Doris WOLF, Wolfgang JOHN und Sivlia FAUCK zum Thema befragt, damit der Mann nach gescheiterten Beziehungen nicht nur einsam in Kneipen herumhängen oder schriftstellerisch tätig werden muss.
 
 
  • PLOGSTEDT, Sibylle (2005): DDR-gestählte Strategin.
    Am Montag wird die Union Angela Merkel formell zu ihrer Kanzlerkandidatin erklären. Wer ist diese Frau? Eine listig Zaudernde? Ein ganzer Kerl? Ein Machtmensch ohne Überzeugungen? Eine rabiate Konservative? Die taz hat sieben Autorinnen nach ihrer Meinung zu Angela Merkel gefragt,
    in: TAZ v. 28.05.
    • Inhalt:
      Die taz hat sieben Frauen zu Angelika MERKEL befragt (u.a. Susanne FENGLER, Annett GRÖSCHNER, Sonja MIKISCH, Barbara SICHTERMANN).

            
        Sibylle PLOGSTEDT, Angehörige der 68er-Generation und Gründerin der Frauenzeitschrift Courage, fragt in ihrem Beitrag ob Angelika MERKEL eine deutsche Margaret THATCHER ist:
            
        "Die britischen Feministinnen wunderten sich, warum Thatcher unter Männern stets als besonders weiblich galt. Thatcher war damals die Super-Nanny der Briten. Englische Männer waren als Kinder einst von den Nannis mit Rohrstöcken traktiert worden. Kein Wunder, dass sie Thatcher als weiblich empfanden.
            
        Merkel ist, anders als Thatcher, keine befehlsgewohnte Oberschichtfrau, sondern - ganz DDR-Frau - gewohnt, Nelken angesteckt zu bekommen, ohne die Arbeiterblume je für das Ganze zu nehmen. Davor schützte sie ihr kirchlicher Hintergrund. Sie hat gelernt mitzureden, ohne ihre eigenen Interesse zu früh zu zeigen. Überall dabei, ist sie fast wie die typische »Frau an seiner Seite«."
 
  • DETTLING, Warnfried (2005): Kinder, Kosten, Karriere.
    Die beste Familienpolitik machen Länder, die das Wort Familienpolitik gar nicht kennen: Der Journalist Ulrich Deupmann erklärt in "Die Macht der Kinder" lesenswert, warum,
    in: TAZ v. 28.05.
    • Kommentar:
      Warnfried DETTLING rechtfertigt in seiner Rezension des Buches "Die Macht der Kinder" von Ulrich DEUPMANN das Dramatisieren des Bevölkerungsrückgangs.

            
        Auf den knappen Nenner gebracht: Die Interessen der erfolgreichen Mitte heiligen die Diskriminierung von Kinderlosen.
            
        Mit dem Elterngeld, das DETTLING begrüßt, erhalten die Modernisierungsgewinner eine zusätzliche "Leistungsprämie", während potenzielle Eltern, die noch nicht einmal ihren Berufseinstieg richtig schaffen, weiterhin außen vor bleiben.   
 
  • TUMA, Thomas (2005): "Ich nehme, was kommt".
    ARD-Entertainer Harald Schmidt, 47, über die Steilvorlagen, die ihm das politische Berlin neuerdings wieder liefert, die Geister, die er mit der Vokabel "Unterschichtenfernsehen" rief, und seine Suche nach einem neuen Selbstverständnis,
    in: Spiegel Nr.22 v. 28.05.
    • Kommentar:
      Harald SCHMIDT, Verteidiger des männlichen Nesthocker als letztem Rebell im ansonsten zu Tode feminisierten Deutschland und inzwischen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen angekommen - also endlich politisch korrekt - , reitet eine neue Welle von Altherrenwitzen:

            
        "Woher kommen denn die sieben Millionen, die Rosamunde Pilcher schauen? Das sind im Zweifel überwiegend frustrierte, kinderlose, irgendwie noch linke Mittdreißigerinnen. Die behaupten dann gern, sie schauten das mit ironischer Distanz. In Wirklichkeit hocken sie auf der Couch, fressen Chips und heulen."
            
        Harald SCHMIDT möchte offenbar der geistig-moralische Wende in Deutschland ein Gesicht verleihen, seines eben... 
 
  • HORX, Matthias (2005): Sehnsucht nach dem Feudalismus.
    Der Soziologe Richard Sennett warnt vor den Sith Lords des Kapitals und interessiert sich nicht für pragmatische Lösungen,
    in: Welt v. 28.05.
    • Kommentar:
      Matthias HORX, der schon frühzeitig den Weg vom Frankfurter Sponti zum Bobo gegangen ist und damit heutzutage den Inbegriff des Hip-Konsumerismus verkörpert, reagiert allergisch auf Kritiker des neuen flexiblen Menschentums.

            
        Richard SENNETT, ein kulturkonservativer 68er, sieht sich dagegen als Anwalt der kleinen Leute, d.h. der Modernisierungsverlierer, die mit der "Kultur des neuen Kapitalismus" ihrem Niedergang entgegensehen. HORX verweist auf die Opfer des alten Kapitalismus der Industriegesellschaft, um SENNETT das Recht abzusprechen, über die Opfer des neuen Kapitalismus zu schreiben.
            
        Am Ende mag man weder Matthias HORX noch Richard SENNETT folgen, denn während ersterer nur die Modernisierungsgewinner des neuen Kapitalismus vertritt, kommt SENNETT im Gewand des alten Patriarchen daher, der keine neuen Perspektiven für die Modernisierungsopfer eröffnet. Mit ein bisschen Respekt ist es da einfach nicht getan...  
 
  • OSWALD, Georg M. (2005): Es kommt kein neuer König.
    Der Schriftsteller Georg M. Oswald denkt über eine Repolitisierung der Literatur und deren Chancen nach,
    in: Welt v. 28.05.
    • Kommentar:
      "
      Im Lexikon wird Politik als Handeln mit dem Zweck definiert, »die politische Willensbildung der Bürger im Sinne bestimmter Interessen zu beeinflussen«", schreibt Georg M. OSWALD.
            
        Nimmt man den Politikbegriff von Ulrich von ALEMANN, der die Dimensionen des Politikbegriffs im Anschluss an die angelsächsische Tradition in Polity (Form), Policy (Inhalt) und Politics (Prozess) unterteilt, dann greift OSWALD hier nur jenen letzten Teilaspekt heraus, der überhaupt irgendwie mit Literatur in Verbindung zu bringen ist, denn Literatur und Politik ist sein Thema, das durch Uwe TELLKAMPs Roman "Der Eisvogel" für neokonservative Feuilletonisten an Aktualität gewonnen hat.
            
        OSWALD dagegen geht es weniger um das Verhältnis von Politik und Literatur, sondern um Literaturpolitik, d.h. um die Durchsetzung junger deutscher Gegenwartsliteratur am Buchmarkt, der nach dem 11. September 2001 eine Renaissance der Flakhelfer-Literatur (Günter Grass, Siegfried Lenz, Martin Walser, Hans Magnus Enzensberger usw.) verzeichnete.
            
        Die Jungautoren rätseln seitdem darüber, wie sie die Auflagenzahlen dieser Giganten erreichen könnten.
            
        OSWALD vergleicht den Literaturbetrieb der 70er Jahre mit einer Kirche, die es so für die Jüngeren nicht mehr gibt:
            
        "Als wir in den siebziger Jahren zu lesen anfingen, war die deutschsprachige Literatur noch organisiert wie eine Kirche, es gab einen Papst, Kardinäle (sogar beiderlei Geschlechts), es gab unautorisierte Zusammenschlüsse kritischer Glaubensbrüder und es gab vor allem gläubige Laien, deren große Zahl keinen Zweifel an der Macht dieser Kirche aufkommen ließ. Fraglos produzierte sie Lächerlichkeiten ganz eigener Art, aber sie war nicht ohne Bedeutung und Einfluß. So entstand bei manchem die Vorstellung, mit einem Roman in die Kultur eingreifen zu können, damit substantielle Wirkung zu erzielen. Es gab Beispiele dafür, daß das gelingen konnte. Die Erfahrungen hingegen, die wir später als Schriftsteller machten, glichen eher jenen Jonathan Franzens, die er in seinem mittlerweile schon geflügelten Wort beschrieben hat: »Ich hatte provozieren wollen, und was dabei herauskam, waren sechzig Rezensionen, die in einem Vakuum verpufften.«"  
 
 
  • WIDMANN, Arno (2005): Die Berliner Republik.
    Versuch eines alten Bundesrepublikaners, sich über das Land klar zu werden, in dem er jetzt lebt,
    in: Welt v. 28.05.
    • Kommentar:
      Arno WIDMANN, einer der führenden Köpfe der Alt-68er-Generation, schreibt über die Konvertiten der 68er-Generation so als ob er nicht dazugehört hätte:

            
        "Als sie 1968 rebellierten, versuchten Habermas und Dahrendorf, Hamm-Brücher und Rudolf Augstein, ihnen klarzumachen, dass die Bundesrepublik vielleicht nicht die beste aller möglichen Welten, aber doch die beste deutsche Republik war, die es jemals gegeben hatte.
      Es dauerte bis in die achtziger Jahre, bis diese Einsicht unter den 68ern zu einem Umdenken über die Bundesrepublik und die eigene Rolle in ihr führte.
      "
            
        Am Ende legt der vom Alt-68er zum Neu-68er Bekehrte sein Bekenntnis zur sozialen Ungleichheit ab:
            
        "Mit der Berliner Republik ist unser Land in der Normalität angekommen: die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Das ist der Test für unsere Demokratie, der Ernstfall."
 
  • VOGEL, Sabine (2005): Monsieur Schmitt und die Kunst der Verführung.
    Der französische Bestsellerautor gibt Lebens- und Liebesratschläge,
    in: Welt v. 28.05.
    • Kommentar:
      Während das Thema der 68er die Unmöglichkeit der Liebe war, haben sich die Post-68er der Möglichkeit der Liebe verschrieben.

            
        Eric-Emmanuel SCHMITT sagt dazu:
            
        "Es hat mich immer erstaunt, dass auf der Bühne nur Geschichten erzählt werden, die vom Beginn der Liebe oder ihrem Ende handeln. Nie von ihrer Dauer. Zeit ist ja bekanntlich kein guter Freund von Liebesgeschichten. In der Dauer entstehen jede Menge Gewohnheiten, Schweigen, schlechte Angewohnheiten. Im neuen Stück geht um eine Nacht der Krise, aber der Sinn der Krise liegt darin, die Liebe zu retten, nicht sie zu beenden"
            
        Single-dasein.de geht das nicht weit genug, denn der Paradigmenwechsel ist nur halbherzig, wenn nicht gleichzeitig der statistische Blick geändert wird.
            
        Das Dogma der 68er hat sich in der Single-Lüge manifestiert.
            
        Wer nicht auch auf dieser Ebene ansetzt, der wird mit einer Revision der Liebesgeschichtsschreibung zwangsläufig scheitern...  
 
  • SPEIT, Andreas (2005): Nichts dazugelernt.
    Bevölkerungspolitik von rechts.
    Ein Humangenetiker beklagt die Kinderlosigkeit der Deutschen und den Intelligenzverfall. Er sitzt für die sächsische NPD-Fraktion in einer Enquete-Kommission,
    in: Freitag Nr.21 v. 27.05.
 
  • KNIPPHALS, Dirk (2005): Hirsche dürfen wieder röhren.
    Jetzt geht es wieder um, das Wort von der "geistig-moralischen Wende", das CDU-Kanzler Helmut Kohl zugeschrieben wird. Wie würde eine neue schwarz-gelbe Koalition die Gesellschaft wenden? Eine heftige Bewegung im gesellschaftlich-kulturellen Bereich vermutet kaum jemand,
    in: TAZ v. 27.05.
    • Kommentar:
      KNIPPHALS verniedlicht den Familienfundamentalismus, der sich in Deutschland abzeichnet.

            
        Hinter der Oberfläche des Kulturkampfes stecken ökonomische Interessen. Der Versuch Kinderlose und Eltern gegeneinander auszuspielen ist im Interesse von Staat und Wirtschaft, denen ein katholischer Sozialstaat Entlastung verspricht.
            
        In der FAZ vom 21.01.2005 drohen für Albert SCHÄFFER Kinderlose zu Aussätzigen der Gesellschaft zu werden. Frank SCHIRRMACHER führt im Feuilleton der FAZ bereits seit Monaten einen Krieg gegen die Singles.     
 
  • DETTLING, Warnfried (2005): Gezeitenwechsel.
    Die CDU wird in Deutschland nun das anpacken müssen, was Regierungen anderswo schon längst erreicht haben: eine soziale Politik jenseits der Sozialpolitik zu entwerfen,
    in: TAZ v. 27.05.
 
  • RUDZIO, Kolja & Wolfgang UCHATIUS (2005): Der wankende Staat.
    Deutschland hat die Wahl: Entweder wird der Sozialstaat abgebaut oder stärker über Steuern finanziert. Doch weder Rot-Grün noch Schwarz-Gelb wollen sich entscheiden,
    in: Die Zeit Nr.22 v. 25.05.
    • Kommentar:
      Die Zeit liest sich heute wie eine einzige Strafarbeit! Ist bei Heinz BUDE oder Frank SCHIRRMACHER wenigstens noch Lust auf das nächste Gefecht zu spüren gewesen, so dämmert die Zeit dahin. Eine Ausgabe für Masochisten.

            
        Selbst dieser 0815-Sozialstaats-Artikel ist eher konfus.
            
        Die Autoren unterscheiden drei Finanzierungsmodelle des Sozialstaats: privat finanziert, steuer- und sozialabgabenfinanziert. Das war dann auch schon der gedankliche Höhenflug gewesen.
            
        Durch die Verquickung dieser Prinzipien mit historisch gewachsenen Strukturen in Ländern wie Großbritannien, Schweden oder Deutschland, ist eben nicht per se die Frage beantwortet, welche Finanzierungsform die Beste ist und erst recht nicht, welche Gruppen hierdurch Vor- und Nachteile zu erwarten haben.
            
        Der entscheidende Zusammenhang zwischen den Kosten für Beitragszahler und Nutzen für die Empfänger von Leistungen, würde eine Sozialstrukturanalyse erfordern, diese wird aber ersetzt durch Statements von Anhängern verschiedener ökonomischer Schulen.
            
        Wir befinden uns bereits mitten im Wahlkampf: Die Bedürftigen sind immer wir selbst und die Nutznießer des Systems sind immer die anderen...           
 
  • TAGESSPIEGEL (2005): 1. Denken ist keine Solidaritätsveranstaltung 3.
    Drei Fragen, sechs antworten: Wie Intellektuelle in den Wahlkampf gehen,
    in: Tagesspiegel v. 25.05.
    • Kommentar:
      Der Tagesspiegel hat
      Friedrich C. DELIUS, Peter SCHNEIDER, Klaus STAECK, Walter JENS, Peter RÜHMKORF und Paul NOLTE versammelt.
            
        Die Post-68er sind einzig durch letzteren repräsentiert, repräsentativ ist das nicht, aber dafür mittig.  
 
 
  • WALTER, Franz (2005): Lahm, müde, leer.
    Weil Gerhard Schröder der SPD die Normen genommen hat, hat sie keine Kraft mehr, um für ihn zu werben,
    in: Welt v. 25.05.
    • Inhalt.
      Der Politikwissenschaftler Franz WALTER schreibt über Strategie und Möglichkeitsspielraum der SPD:

            
        "Die Parole von Müntefering und Co. wird lauten: Deutschland braucht eine starke Sozialdemokratie; das Land bedarf eines verläßlichen sozialen Gewissens; die Republik benötigt einen intakten Sozialstaat - Deutschland darf keine Gesellschaft der sozialen Kälte werden.
            
        Am Ende mag es dafür reichen, als Juniorpartner einer Großen Koalition den jähen und kompletten Absturz in die Opposition abzuwehren. Das zumindest dürfte das Kalkül Münteferings sein, der aus der harten Wehner-Schule kommt und sich von oppositioneller Regeneration nichts verspricht."
 
  • KAMMERER, Dietmar (2005): This is my beautiful house.
    Ratlose Poplinke auf der Suche nach einem Neuanfang: Am Sonntag endete in der Volksbühne Berlin die Veranstaltungsreihe "ErsatzStadt",
    in: TAZ v. 25.05.
    • Inhalt:
      Kritische Urbanisten haben über die Stadt nachgedacht, u.a. Diedrich DIEDERICHSEN:

            
        "Diedrich Diederichsen versuchte es mit einer Textexegese von Popsongs. An zwei Stücken der »Talking Heads« - übrigens ehemalige Architekturstudenten! - führte er vor, wie bereits Ende der Siebzigerjahre in der Popmusik eine klare Vorstellung davon artikuliert wurde, was Gouvernmentalität und die Regierung des »kulturellen Milieus« bedeutet: »Skeptische Popsongs« nannte er das Phänomen, das die alte Popgeste der Aneignung von Städten und Vierteln durch ihr konkretes Benennen, der »Tanz aller auf den Straßen«, nicht mehr gelingen wollte."
 
  • BUDE, Heinz (20059: Der Condottiere.
    Endlich passiert etwas: Mit seinem Neuwahlen-Coup erweist sich Gerhard Schröder als Schüler Machiavellis - und als politischer Virtuose,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 24.05.
    • Kommentar:
      Der Soziologe Heinz BUDE beschreibt, was bei ihm und seinesgleichen der Schröder-Coup ausgelöst hat:

            
        "Der machiavellistische Moment bezeichnet den Spielraum des Möglichen in einer von Phantasmen des Niedergangs und der Zwangsläufigkeit geprägten Zeit. Das Land hat plötzlich die Wahl und allein schon dadurch wird Energie entbunden und Bewegung ermöglicht."
            
        Nimmt man BUDEs Pessimismus aus seinem Buch "Generation Berlin", dann scheint sich hier ein Stimmungshoch anzudeuten, aber was resultiert daraus? Neubeginn? Nein! BUDE fordert mehr Neokonservatismus à la Generation Berlin für die Zukunft:
            
        "Abkehr von der Politik eines geistig-moralischen Projekts. Da ist nichts mehr zu verteidigen gegen einen drohenden konservativen Roll-back in Begriffen von Nation, Familie und Glaube.
            
        Das kulturelle und moralischen Kapital einer Kulturrevolution der sechziger und siebziger Jahre, das bei den großen gesellschaftlichen Fragen von Ehe und Familie, von Bildung und Erziehung und von Krieg und Frieden in der Vergangenheit der jetzigen Koalition erfolgreich eingesetzt worden ist, hat sich verbraucht."
 
  • SCHIRRMACHER, Frank (2005): Der Lauf des Wählers zu sich selbst,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.05.
    • Kommentar:
      Die Print-Überschrift der FAZ ist aussagekräftiger als die Internet-Headline, denn sie zeigt die Arroganz des FAZ-Herausgebers, der den Akteuren der Neuen Mitte eben immer die entscheidende Nasenlänge voraus ist:

            
        "unsere Lage ist dadurch gekennzeichnet, daß jetzt jeder einzelne Kassensturz machen wird, und zwar an erster Stelle gerade jene kapitalismusfeindlichen bürgerlichen Schichten, die über Jahrzehnte bei guter materieller Grundversorgung ideologisch oder ästhetisch, am Ende wohl nur noch ästhetisch wählten. Der lange Lauf der Wähler zu sich selbst endet jetzt bei ihren eigenen materiellen Interessen."
            
        SCHIRRMACHER beruft sich hier auf H. M. E. aber eigentlich stammt diese Einschätzung von Harald MARTENSTEIN:
            
        "Unsere Gegend ist keine CDU-Gegend. CDU wird höchstens heimlich gewählt. Wenn es aber nach den ökonomischen Interessen ginge, müssten in unserer Gegend CDU und FDP die absolute Mehrheit haben. Warum wählt man, was man wählt? Es ist eine irrationale Mischung. Tradition, Herkunft, Familiengeschichte, eigene Geschichte, Image, Selbstbild, Selbstfindung… alles mögliche. Aber nicht vernünftig. Sachargumente werden wohl überschätzt" (Tagesspiegel v. 06.09.2002, "Politik nach dem Kindchenschema").
            
        Frank "Panik" SCHIRRMACHER geht aber noch weiter. Er phantasiert  Carl-SCHMITT-mäßig einen demografischen Ausnahmezustand und stilisiert sich zur "Lost Generation":
            
        "Für die Mehrheit der Menschen, die heute zwischen dreißig und fünfzig Jahre alt sind, ist es nach allem Ermessen die letzte Wahl, in der sie von Reformen profitieren können. Was jetzt nicht geschieht, kommt für sie lebensgeschichtlich zu spät."
            
        Dirk KNIPPHALS handelt SCHIRRMACHER ob solcher Demagogie in der heutigen TAZ bereits als neuen Bundeskulturstaatsminister und erhofft sich davon spannende Debatten.
            
        SCHIRRMACHER hat mit seinem Buch "Das Methusalem-Komplott" bewiesen, dass ihm die Mehrheit in der Methusalem-Gesellschaft völlig egal ist. Was zählt ist einzig der Machtanspruch der einzig wahren Elite.
            
        Wir empfehlen SCHIRRMACHER einen Abenteuerurlaub à la Tina UEBEL, der schadet der Nicht-Elite weniger...
 
  • RAPP, Tobias (2005): Nihilisten auf Abenteuerurlaub.
    Tina Uebel: Horror Vacui,
    in: DeutschlandRadio. Sendung v. 24.05.
    • Inhalt:
      RAPP zum Buch "Horror Vacui" von Tina UEBEL:

            
        "Arthur Schopenhauer würde das Buch gefallen, nicht nur weil es mit dem gleichen Wort aufhört wie sein Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung: »Nichts«. Die Protagonisten von »Horror Vacui« sind samt und sonders Agenten ihres leer drehenden Willens."
   

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Zu den News vom  18. - 23. Mai 2005

 
 
   
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