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Medienrundschau:
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News vom
24. - 30. September
2004
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Zitat
des Monats:
"Typ I
Beziehungsfern (...) zeigt Befragte, die lange Phasen
ihres Erwachsenenlebens (bis zum Alter von 45) als Single gelebt
haben, für die das Single-Dasein also eine Art Lebensstil
darstellt und mehr ist, als eine bloße Übergangsphase. Der
Anteil dieser dauerhaft Beziehungsfernen ist nun über die
Generationen nicht angestiegen, er liegt einigermaßen konstant
bei einem Zehntel. Die (...) Zunahme von Singles (...) ist (...)
also tatsächlich nicht als Durchsetzung eines eigenen,
beziehungsfernen Lebensstils zu werten, sondern als Ergebnis der
großen Beziehungsfluktuation."
(Arne
Dekker & Silja Matthiesen in der Zeitschrift für
Familienforschung, H.1/2004, S.50) |
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GEO
WISSEN-Titelgeschichte:
Partnerschaft und FAMILIE.
Was im Leben wirklich zählt |
- Der informative
Artikel:
SPARMANN, Anke (2004): Singles.
Das Paradox des schönen Scheins,
in: GEO Wissen, Nr.34, September
- Kommentar:
SPARMANN hat den Lifestyle-Soziologen Stefan
HRADIL über das Image der Singles befragt.
Hatte HRADIL die Singles zu lange Zeit als "Speerspitze der
Individualisierung" propagiert, so sieht er sie heute von der
Gewinner- auf die Verliererseite wechseln.
HRADIL meint sogar, dass das
Bild der Singles in Zukunft stärker von ökonomischen Sachverhalten
geprägt sein könnte.
Eine solche Sichtweise wurde zuerst nur auf single-dasein.de
vertreten.
Der gesellschaftliche Riss
verläuft nicht zwischen Familien und Singles - wie es die
sozialpopulistische Debatte verlangt, sondern innerhalb der
Singles verläuft eine Kluft, die vor allem geschlechtsspezifisch
geprägt ist:
"Während die Single-Frau für den
Partnermarkt fast überqualifiziert zu sein scheint, trifft diese
auf ihr männliches Pendant eher selten zu. Single-Männer sind
häufig gering verdienend oder arbeitslos und haben allein deshalb
schlechte Karten auf dem Partnermarkt."
Es geht hier also um die
Kategorie der partnerlos Alleinlebenden.
Der Soziologe
Norbert F. SCHNEIDER charakterisiert unsere Gesellschaft im
Anschluss an Dorothea KRÜGER als
paarorientierte Gesellschaft. Partnerlosigkeit gerät dadurch
unter Erklärungs- und Rechtfertigungsdruck.
Die Psychologin
Beate KÜPPER wird zum Thema
Bindungsstil der Singles zitiert. Im Einklang mit dem
FOCUS-Titel
werden Singles als bindungsängstlich ("Klammerer") oder als
bindungsvermeidend ("Vermeider") charakterisiert.
Fragwürdig ist es jedoch,
wenn diese Bindungsstile in Zusammenhang mit der Freiwilligkeit
des Single-Daseins gebracht werden:
"Zu dem bindungsängstlichen Typus
zählen unfreiwillige Singles - Geschiedene und Verwitwete etwa -
und solche, die von sich aus den Partner verlassen haben und gerne
eine neuen hätten. (...).
Der bindungsvermeidende Typus ist besonders häufig unter den
freiwilligen Singles anzutreffen."
Der Soziologe
Ronald BACHMANN hat dagegen die
Ambivalenz des Single-Daseins hervorgehoben, d.h. ob das
Single-Dasein freiwillig oder unfreiwillig ist, das ist selten so
eindeutig wie es die dichotomen Kategorien suggerieren.
Erst recht ist es fragwürdig,
wenn der Familienstand mit motivationalen Konzepten in
Zusammenhang gebracht werden.
Im Zusammenhang mit
Bindungsproblemen darf natürlich der französische Soziologe
Jean-Claude KAUFMANN nicht
fehlen. Dessen "Paradox des schönen Scheins" lieferte gar die
Schlagzeile.
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KIRBACH, Roland (2004): Die letzten Kinder.
23.000 Menschen leben in Weißwasser in Sachsen. Jedes Jahr
verlassen 1.000 Bewohner den Ort. Auch der 19-jährige Paul überlegt,
ob es an der Zeit ist zu gehen
in: Die ZEIT Nr.41 v. 30.09.
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JESSEN, Jens (2004): Verklemmt und zugeknöpft.
Die Kehrseite des Glamour-Revivals: Der strenge Sekretärinnen-Stil
der achtziger Jahre ist wieder da. Eine Polemik,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 30.09.
- Inhalt:
Jens JESSEN kleidet den Hartz IV-Menschen neu
ein:
"Die gut gebügelte, die feldgraue
Seidenbluse ist, wenn man es so bedenkt, mehr als angemessen, eine
Hartz-Bluse, ein Stück privater Existenzvorsorge, eine Rüstung im
Kampf um die Ehe, die den Sozialstaat ersetzen muss."
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LOSERT, Karin (2004): Der neue Merz ist da.
Friedrich Merz hat wieder mal ein Buch geschrieben, aber nur weil
der Verlag darum gebettelt hat. Der Titel: "Nur wer sich ändert, wird
bestehen". Das gilt für alle, nur nicht für ihn. Er bleibt Politiker,
in: Die TAZ v. 30.09.
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- TAGESSPIEGEL (2004): "Wir verschleudern
riesige Ressourcen".
Familienministerin Schmidt und DGB-Chef Sommer im Interview: Warum
Kinder der Wirtschaft gut tun,
in: Tagesspiegel v. 29.09.
- Kommentar:
Während Michael SOMMER einerseits skandiert
"Gleichstellungsbewusstsein fördern und nicht das
Paschabewusstsein", mogelt er sich beim Elterngeld um eine
entschlossene Antwort herum.
Dagegen behauptet SCHMIDT, dass das Elterngeld
in Dänemark und Schweden die Geburtenraten steigert:
"Herr Sommer, die Ministerin will
nach 2006 das Erziehungsgeld in ein Elterngeld umwandeln. Dann
würden besser verdienende Eltern in der Erziehungszeit mehr Geld
bekommen als solche, die ein geringeres Einkommen haben. Ist das
gerecht?
Sommer: Sie können doch die
Einkommensunterschiede nicht übers Elterngeld ausgleichen. Es geht
darum, ein paar Anreize zu schaffen, damit das Ja zum Kind leichter
wird. Es geht um eine Kombination von besserer Infrastruktur für
Familien und dem Angebot von Lohnersatzleistungen. Wenn es in Zeiten
knapper Kassen um die Entscheidung geht, ob wir weiterhin vor allem
in direkte Transfers investieren oder das Betreuungsangebot ausbauen
wollen, sind wir dafür, die Infrastruktur zu stärken statt das
Kindergeld im Wahljahr um ein paar Euro aufzustocken. Das würde gar
nichts bringen.
Schmidt: (...). Es geht um die
Wertschätzung der Erziehung. Ich sehe nicht, dass hier eine
Ungerechtigkeit sein soll. Die Dänen und die Schweden, die ja nicht
für einen unsozialen Staat bekannt sind, praktizieren das Elterngeld
mit gutem Erfolg und haben deutlich höhere Geburtenraten als wir."
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- DIEDERICHSEN, Diedrich (2004): Endstufe
Sehnsucht.
Du hast Akne und schreibst an Kofi Annan: die Erfindung des Pop aus
dem Geist der Übertreibung,
in: Tagesspiegel v. 29.09.
- Inhalt:
Für
Diedrich DIEDERICHSEN beschreibt
Eddie COCHRAN im "Summertime Blues" die Urszene der Popmusik:
"Dem jungen Mann wird das Auto des Vaters verweigert.
Statt diesen zusammenzuschlagen oder sich in sein Schicksal zu
fügen, wie es junge Männer vor der Popmusik je nach Temperament und
lokalen Sitten gemacht hätten, wendet sich dieser an den
amerikanischen Kongress und, als der Abgeordnete ihn zu jung findet,
an die Vereinten Nationen. Ein albernes, alltägliches Anliegen führt
zu heiligem Zorn, das Kleine will zum ganz Großen."
Über Lou REED und EMINEM führt DIEDERICHSENs
Pophistoire zum finalen Satz:
"Popmusik hat nichts mit Können und Handwerk zu tun,
auch nicht mit Authentizität. Sondern mit dem großen Moment, wenn
etwas Nebensächliches, Privates oder Mikropolitisches groß und
sichtbar wird. Wenn dem Unrepräsentierbaren durch unerwartete
Repräsentation zu seinem Recht verholfen wird."
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FÖRSTER, Jochen (2004): Im Cockpit des Leidens.
Dieser trostlose Auszug aus dem Paradies, dieses gnadenlose Groß-
und Mittelmäßigwerden: Mit seinem neuen, stark autobiografisch
eingefärbten Coming-of-Age-Roman "Die Festung der Einsamkeit" ist dem
amerikanischen Autor Jonathan Lethem ein großer, verehrungswürdiger
Wurf gelungen,
in: TAZ v. 29.09.
- Kommentar:
FÖRSTER hat den "scheuen Neo-Franzen" Jonathan
LETHEM in einem Kölner Hotelzimmer aufgesucht und erzählt uns nun
die Story von der Science-Fiction-Sozialisation des Autors.
Beim Roman
"Die Festung der Einsamkeit"
bleibt FÖRSTER seiner Journalisten-Zunft treu, die sich bislang vor
allem mit den Erzählung vom Aufwachsen identifizieren konnte.
Der einzige Weiße im ansonsten von
Schwarzen dominierten Brooklyn, das entspricht unserer Elite, die
sich als Opfer der Proletengesellschaft versteht. Aber das Happy-End
naht: "Weiß wird Mittelstand, Schwarz wird Abschaum, so simpel".
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- AMI (2004): Etikettenschwindel,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.09.
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- WALTER, Klaus (2004):
Authentizität gegen Karaoke.
Ohne Punk kein Internet, keine New
Economy und auch keine Zivilgesellschaft: zum Zwischenstand einer
Legendenbildung,
in: Frankfurter Rundschau v. 28.09.
- Inhalt:
Klaus WALTER referiert die Punklegenden von
Punkheroen wie David THOMAS oder Malcolm McLAREN, nicht ohne seine
eigene Position einfließen zu lassen.
Wenn McLAREN z.B. die Authentizität
des Punk hervorhebt, dann verweist WALTER darauf, dass Punks "den
pathetischen Rock-Mythos der authentischen Selbstentäußerung einer
verdienten Lächerlichkeit preisgaben".
Zum Thema Wählerbindung im
Zeitalter der Wechsel- und Nichtwähler
hat WALTER auch etwas hinzuzufügen:
"Finanziert wurde der Kongress von der
Bundeskulturstiftung. Der verdanken weite Teile des linken
Kulturproletariats ihr bisschen Existenzgeld, und sie ist für
weite Teile des linken Kulturproletariats der einzige Grund auch
beim nächsten Mal wieder Rot/Grün zu wählen."
-
ZYLKA, Jenni (2004): Was vom Punk
übrig blieb.
Punk als popkultureller Diskurs: Ein Kongress in Kassel lacht
über diesen doofen Ausdruck und macht es trotzdem,
in: Frankfurter Rundschau v. 25.09.
- ROSENFELDER, Andreas (2004): Das Herz war
Anarchismus.
Ich wollte bloß neue Pläne für meinen Bruder und mich: Der erste
Punk-Kongreß in Kassel,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.09.
- Kommentar:
ROSENFELDER verteidigt Punk als
Mittelschichtphänomen gegen die "Reinheitsgebote der
Dosenbierpunks".
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- Der informative
Artikel
WALTER, Franz (2004): Zurück zum alten Bürgertum: CDU/CSU und FDP,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte B 40 v. 27.09.
- Inhalt:
Franz WALTER sieht die Existenz
einer "Generation Golf" (Florian ILLIES), die Markus KLEIN erstmals
wissenschaftlich nachgewiesen hat, durch die Ausgänge der letzten
Landtagswahlen bestätigt:
"Die Union und die FDP reüssierten
signifikant bei den 25- bis 34-Jährigen und finden den geringsten
Zuspruch bei der Alterskohorte danach, der klassischen
Partizipationsgeneration. Hier, in der letzten geburtenstarken
Kohorte der Bundesrepublik, hat das altbürgerliche Lager ganze
Segmente der nachwachsenden akademischen Schicht an die
neubürgerliche Formation der Grünen abgeben müssen. Besonders Frauen
dieser Generation mit hohen Bildungszertifikaten haben sich vom
altbürgerlichen Lager abgewandt."
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NEWSWEEK
INTERNATIONAL-Titelgeschichte:
Baby Bust.
For More and More Countries. The Problem
isn't Having Too Many People. But Having Too Few |
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- BÖCKELMANN, Frank & Hersch FISCHLER
(2004): Bertelsmann oder Die diskrete Form der Herrschaft.
Meister der Pseudodemokratie: Aus dem neuen Buch von Frank
Böckelmann und Hersch Fischler über Machtausübung hinter der Fassade
des Medienimperiums,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.09.
- Inhalt:
BÖCKELMANN & FISCHLER schreiben über den
Einfluss der Bertelsmann-Stiftung auf die Agenda-2010-Politik der
rot-grünen Regierung:
"Vom September 1999 bis April 2003 förderte die
Stiftung das Projekt »Reform der Arbeitslosen- und Sozialhilfe«.
Hier entstanden die Grundlagen für Hartz IV, das groß angekündigte
Vorhaben der Bundesregierung, Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum so
genannten Arbeitslosengeld II zusammenzulegen."
- THIEL, Thomas & Ulrich RAULFF
(2004): Auch wenn uns das obszön erscheint, diese Leute glauben, was
sie sagen.
Über die ethische Selbstüberhöhung eines Medienkonzerns und die
Privatisierung der Politik - Ein Gespräch mit Frank Böckelmann,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.09.
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- OY, Gottfried (2004): Konturen der
Welt.
Das "Glossar der Gegenwart" analysiert aktuelle Schlüsselbegriffe,
in: Frankfurter Rundschau v. 27.09.
- Kommentar:
"Der Zugang der Herausgeber, allesamt bekannt aus der
Gouvernementalitäts-Debatte, ist durch die These bestimmt, dass
zeitgenössische Machtpraktiken nicht direkt und allgemein, sondern
mittelbar, situativ und kontextbezogen wirken, Gesellschaft also
statt von »oben«, erst einmal von »unten«, aus dem Blickwinkel
alltäglicher Situationen betrachtet werden sollte. Dass diesem
Vorgehen eine Gesellschaftstheorie zugrunde liegt, verhehlen sie
nicht: die Analyse des Wechsels von der Disziplinar- zur
Kontrollgesellschaft, wie sie Michel Foucault und Gilles Deleuze
initiiert haben.
In konstruktivistischer Manier wird bei nahezu allen Begriffen des
Glossars der - im analytischen Sinn - produktive Charakter der Macht
betont", doziert Gottfried OY.
Wer das schon nicht kapiert
hat, der wird das Glossar der Gegenwart kaum mit Gewinn lesen können.
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- EUBEL, Cordula (2004): Arbeitslose
zahlen für Pflege weniger.
Nur erwerbstätige Kinderlose sollen mehr in Versicherung einzahlen,
in: Tagesspiegel v. 27.09.
- Kommentar:
Die umstrittene Strafsteuer für Kinderlose
soll,
trotz massiver Expertenkritik,
bereits am Freitag im Bundestag verabschiedet werden.
Da Singles im Gegensatz zu
Familien keinerlei Lobby besitzen, ist kein politischer Widerstand
zu erwarten.
Wer als "Kinderloser" im Sinne
des neuen Gesetzes gelten wird, darüber darf weiterhin gerätselt
werden.
Nach Hilde MATTHEIS, der
pflegepolitischen Sprecherin der SPD, sollen arbeitslose Kinderlose
keinen Beitrag leisten, genauso wenig wie Kinderlose, die vor 1940
geboren wurden.
Eine Entlastung für die
Pflegeversicherung dürfte daraus kaum entstehen, eher geht es hier
um einen symbolischen Einstieg in die große Entsolidarisierung, den
eine wehrlose Minderheit zu schultern hat.
Der neokonservative
Intellektuelle Paul NOLTE verhöhnt die Singles in seinem Wörterbuch
der Reform-Sprachstörungen im
aktuellen
Kursbuch folgendermaßen:
"Singles: Zunehmend
stigmatisierte Population dauerhaft kinderloser Erwachsener, die
Eltern haben, aber keine sein wollen. Früher als Leitbild freier
Lebensführung gepriesen, geht ihnen jetzt der Spaß an der
Spaßgesellschaft verloren. Höhere Beiträge zur Pflegeversicherung
werden nicht das letzte Wort sein."
Thema des Monats Oktober
wird anlässlich der zunehmenden Diskriminierung von Singles ein
KLEINES WÖRTERBUCH DES SOZIALPOPULISMUS sein, in dem u.a. die
Hintergründe der zunehmenden Singlefeindlichkeit verdeutlicht und
die sozialpopulistischen Strategien und deren Ansatzpunkte
aufgedeckt werden.
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- DOBELMANN, Jürgen (2004): Die
Schwaben-Offensive. Wo spielt die Musik?
Sie konnten alles, sogar Hochdeutsch:
Morgen eröffnen Stuttgarts HipHopper die Berliner Popkomm,
in: Tagesspiegel v. 27.09.
- Inhalt:
"Wie konnte Stuttgart, eine Stadt mit 600000
Einwohnern, zur HipHop-Metropole aufsteigen? Hatte der kommerzielle
Durchbruch der Fantastischen Vier eine Hand voll weiterer Bands in
die Top Ten gespült?" so fängt die Story von Jürgen DOBELMANN,
Jahrgang 1968, an, der u.a. Musikredakteur beim Stuttgarter
Stadtmagazin Prinz und Management-Crewmitglied der
Fantastischen Vier war.
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KNÜR, Deborah (2004): Umsätze mit Singles steigen und steigen.
Viele Unternehmen in Hamburg spezialisieren sich auf die
Bedürfnisse von allein Stehenden,
in: Welt am Sonntag Hamburg v. 26.09.
- Kommentar:
Die Schlagzeile ist wie so oft eine Mogelpackung.
Weder geht es um Singles (überzeugte Partnerlose) noch um allein
Stehende (Nicht-Verheiratete), sondern im Mittelpunkt des Artikels
steht das Marktsegment der Partnersuchenden.
Unvermeidlich ist also der
Freizeitpädagoge Horst OPASCHOWSKI, der seine sattsam bekannten
Floskeln absondert...
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- CASPARY, Esther (2004): Väter oder
Erzeuger?
Vor dem Familiengericht,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.09.
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MESSMER, Susanne (2004): "Das Buch war ein Wagnis".
Seit der Wende ist nichts
Wesentliches passiert: Ein Gespräch mit Thomas Brussig über seinen
neuen Roman "Wie es leuchtet", die Kunst des Kalauerns und das
Verhältnis von Moral und Unterhaltung,
in: TAZ v. 25.09.
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ENZENSBERGER, Ulrich (2004): Kommune 1. Warum brennst du, Konsument?
Sie wollten den Alltag
revolutionieren, "Außerparlamentarische Opposition" sein, bürgerliche
Beziehungen aufheben. Jede Menge Mythen strickten sich rund um die
Kommune I in Berlin: Gruppensex und Probleme mit Abwasch und Orgasmen.
Man nannte sie Bürgersöhnchen und Terroristen. Einer der Kommunarden
hat jetzt ein Buch über diese Zeit geschrieben. Ein Vorabdruck,
in: TAZ v. 25.09.
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- MARTENSTEIN, Harald (2004):
Souplesse Royale.
"Der Freund": Christian
Kracht bringt eine neue, seltsame Kulturzeitschrift heraus,
in: Tagesspiegel v. 24.09.
- Inhalt:
Harald MARTENSTEIN bekundet seine Abneigung
gegenüber dem popkulturellen Quartett und seiner Tristesse Royale
anlässlich der Vorstellung der Zeitschrift
"Der Freund":
"Bei Kracht und seinen Popfreunden
mischen sich die historischen Bezüge und die Codes, es sind
Fin-de-Siècle-Dekadenz, Dandytum, Sehnsucht nach Konventionen und
Spaß an der Provokation dabei. Es ist nur ansatzweise politisch,
lediglich eine ästhetische Haltung, der Versuch einiger nicht mehr
ganz junger, wohlhabender und ratloser Männer, mit hochgezogenen
Augenbrauen und abgespreiztem kleinen Finger von ganz oben herab auf
die Welt zu blicken, im Grunde eine in die Lebensmitte verlagerte
pubertäre Allmachtsfantasie. Je älter sie werden, desto weniger sexy
sieht es aus, denn solche Posen lässt man nur der Jugend durchgehen.
Sie spielen angestrengt etwas nach, die durchkoksten 20er Jahre, die
Salons der Kaiserzeit, den kolonialen Lebensstil, genauso wie in den
70er Jahren die K-Gruppen den Klassenkampf nachgespielt haben.
(...). Es ist eine Farce, damals wie heute, weil gesellschaftlich
nichts mehr dahinter steht, weder eine revolutionäre Arbeiterklasse
noch ein intaktes Bürgertum, nicht einmal eine Idee, lediglich das
Ego einiger Selbstdarsteller."
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- ZWIRNER, Heiko (2004): Feiern in
Oberbayern.
Pop kommt aus der Provinz: In
Weilheim fand 1996 das Woodstock des deutschen Indie-Rock statt,
in: Tagesspiegel v. 24.09.
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NOLTE, Tobias (2004): Der Osten, eine Krabbelbox.
Hoffen auf eine neue Generation.
Etliche Gestaltungschancen
für Ostdeutschland nach der Wende sind im Konsumrausch untergegangen.
Dass daran nicht nur den Westen schuld ist, wollen die Ostdeutschen
nicht wahr haben,
in: Freitag Nr.40 v. 24.09.
- Inhalt:
Zonenkind NOLTE, Jahrgang 1978,
Studium der Medizin in Göttingen, beschreibt zuerst was passiert,
wenn ein Zonenkind auf die Generation Golf trifft.
Am Ende verwirft NOLTE die
Perspektive von Wolfgang ENGLER und schließt sich stattdessen der
Sicht des Wendegewinners
Jens BISKY an:
"Wer eine Mentalitätsgeschichte des
Ostens schreiben wollte, sollte nicht vergessen , wie zeitresistent
und psychologisch tief prägend für die Generation der
DDR-Sozialisierten die Konditionierung des Typus »Anpassung an die
Verhältnisse« war. Den Vorsprung, den der Soziologe Wolfgang Engler
in seinem Buch
Die Ostdeutschen als Avantgarde dem Osten als Dividende des
Transformationsprozesses voraussagt, kann man kaum entdecken. Engler
schildert eine Beweglichkeit im Umgang mit der eigenen Biografie und
Lebensplanung, vor allem in Bezug auf Anforderungen und Zwänge des
Arbeitsmarktes, Passivität und Anpassung. Was sich aber tatsächlich
beobachten lässt, ist stilles Dulden des eigenen Schicksals. Dazu
der Journalist Jens Bisky im Merkur: Die Duldungsstarre ist
»das eiserne Gehäuse eines Kollektivgeschicks, jene Kräfte bannend,
die eine Besserung der ostdeutschen Lage herbeiführen könnten. (...)
vorhandene Interessengegensätze werden zugunsten ostdeutschen
Gruppengefühls beiseite geschoben.«"
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 16. - 23. September 2004
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