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Medienrundschau:
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News vom
25. - 31. Dezember 2005
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Zitat
des Monats:
"Trotz
ihrer Zugehörigkeit zum unteren Einkommensquintil (Anm.d.V.:
Einkommensfünftel) bleibt eine relativ große Gruppe (ca. 30 %)
von eigentlicher Armut verschont. Zu diesen
»Unterversorgungsfreien« gehören überdurchschnittlich oft
Menschen mit einem hohen Bildungsniveau und einer guten
beruflichen Position. Hinsichtlich der Familienform finden sich
hier v.a. Ehepaare ohne Kinder.
(...).
Kritisch ist, dass mehr als die Hälfte
(ca. 55 %) der Niedrigeinkommenshaushalte zwei oder mehr
Problemlagen vereinen. (...). Anhäufungen von Deprivationen
finden sich v.a. bei Alleinlebenden, in den neuen Bundesländern
und bei Alleinerziehenden."
(Tanja
Mühling in der Zeitschrift für Familienforschung, Heft 2, 2005)
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- Der lesenswerte Essay:
KLEIN, Judith (2005): Die Kinderlosen und der demografische Frieden.
Philosophie und Literatur weisen den Weg,
in: Neue
Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Nr.12, Dezember
- Kommentar:
Ein ethisches Grundprinzip, das auf dieser
Website von Anfang an vertreten wurde, lautet, dass nur eine
singlefreundliche Gesellschaft auch eine familienfreundliche
Gesellschaft sein kann.
Es
musste jedoch erst auf Seite 1 der FAZ stehen, dass
Kinderlose zu den Aussätzigen der deutschen Gesellschaft zu werden
drohen (Albert
SCHÄFFER in der FAZ, 21.05.2005),
bis es auch anderen dämmerte, dass es so nicht weiter gehen kann.
Judith
KLEIN verteidigt nun die Kinderlosen gegen ihre Verächter. Der
FAZ-Artikel
von Hans-Werner SINN, in dem er für die Einführung einer Kinderrente
plädiert (08.02.2005), gilt der
68erin (zur Begriffsverwendung mehr
hier) als Beleg für die Singlefeindlichkeit der Debatte um den
demografischen Wandel.
KLEIN
folgt der Sichtweise von single-dasein.de, wenn sie schreibt,
dass "nur die Menschen eine Chance (haben), sich selbst anzuerkennen
(...), die zumindest eine der Spielarten der Anerkennung durch
Andere erfahren haben.
Emotionale und soziale Missachtung, die das Gegenteil von
Anerkennung ist, kann die psychische Integration eines Menschen
zerstören. Die Kinderlosen trifft die Verachtung um so heftiger wenn
ihnen die emotionale Zuwendung eines Partners oder (z.B. aufgrund
von Arbeitslosigkeit die Wertschätzung von Arbeitskollegen fehlt.
Auch die im Recht verkörperte universalistische Achtung, die jedem
Menschen zukommt, scheint ihnen gegenüber nicht mehr
selbstverständlich zu sein."
Anhand
literatur- und ideengeschichtlicher Beispiele zeigt KLEIN die
"lange Tradition der Anerkennung des Beitrags der Kinderlosen" auf.
KLEIN
weist darauf hin, dass "Kinderlosigkeit, Mutter- und Vaterschaft
keine eindeutigen Tatbestände sind". Auf die Problematik des
Begriffs "Kinderloser" wurde hier des Öfteren hingewiesen.
KLEIN
kritisiert das nationalkonservative Paradigma, also jene politische
Richtung "welche die soziale Sicherung wieder in
»blutsverwandtschaftliche« Bahnen lenken möchte.
Dazu
gehört vor allem die von Hans-Werner SINN vertretene Rente nach
Kinderzahl, aber auch alle anderen familienpolitischen Lösungen
innerhalb der Sozialversicherungssysteme, die nur Teile der
Bevölkerung heranziehen, statt Familienpolitik als
gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu betrachten.
KLEIN
kritisiert die Tendenz solcher Politik, die das "»Naturschicksal«
des Menschen wieder aufwerten möchte". Die Biologisierung des
Sozialen ist ein Kennzeichen der nationalkonservativen Vertreter von
Herwig BIRG bis Hans-Werner SINN.
KLEIN
begründet dagegen eine moderne Gesellschaftspolitik, die neben der
persönlichen Solidarität auf den "vergesellschaftlichten
Sozialverband" setzt. Sie begründet es damit, dass "die Nöte der
individuellen Lebensgeschichte von der herrschenden Ökonomie und
Ökologie mitverursacht sind." KLEIN sieht deshalb den sozialen
Fortschritt durch die "vormodernen Experimente" der
Nationalkonservativen in Gefahr.
Der
68er-Generation (1938 - 1948 Geborenen) -
also sozusagen ihren
Generationsgenossen - widmet KLEIN einen eigenen
Abschnitt. Dort zeigt
sich jedoch, dass KLEIN einiges ausblendet, auf das hier hingewiesen
werden soll.
Die
"ausgefallene Generation" (Herwig BIRG) wird mit der
besonderen historischen Situation begründet, in der sich die 68er
befanden:
"Die
sogenannte 68er Generation, zu der die Jahrgänge 1938-1948 gerechnet
werden, hat sich und der Gesellschaft den »bevölkerungspolitisch
korrekten Beitrag« versagt, wie heute oft beklagt wird. Mehr noch:
dies »Versagen« hatte unabsehbare langfristige Folgen, wie der
neueste Buchtitel zum Thema Demografie - Die ausgefallene Generation
- und der (ent)sprechende Ankündigungstext des Verlages zeigen: »Die
Eltern, die heute Kinder zur Welt bringen müssten, sind niemals
geboren worden.« Die demografische Zurückhaltung der 68er Generation
hat nicht nur mit verbesserten oder neuen Methoden der
Empfängnisverhütung zu tun, sondern auch mit dem Schock, den diese
Generation erlebte, als sie von den Verbrechen erfuhr, die deutsche
Menschen begangen hatten. Und nicht nur das. Sie kann auch als
Antwort auf eine andere Zurückhaltung verstanden werden: Die 68er
hatten als erste (...) gegen die politische und historische, vor
allem aber gegen die familiäre Unempfindlichkeit gegenüber der
Vergangenheit protestiert. (...). Verzweiflung und Trauer waren, so
ist zu vermuten, der Familiengründung nicht günstig. Die »zwanzig
Jahre der Bewusstseinsverspätung« schlugen in zwanzig Jahre
demografischen »Verlusts« um."
Der
Debatte um die "ausgefallene Generation" wird dies jedoch zweifach
nicht gerecht.
Zum
einen anerkennt KLEIN implizit die gesellschaftliche Relevanz eines
bevölkerungspolitisch korrekten Beitrags an, als ob diese
unumstritten wäre. Es wird nur gerechtfertigt, dass die 68er
aufgrund der besonderen historischen Umstände diesen Beitrag gar
nicht leisten konnten.
Auf
single-dasein.de wird dagegen die mit der
Bestandserhaltungszahl 2,1 verbundene Ideologie in Frage gestellt, die
einerseits mit der politischen Konstruktion der Geburtenkrise und andererseits mit
dem Zusammenhang zwischen Geburtenrückgang und gesellschaftlichem
Wohlstand verbunden ist.
Zum
anderen überbewertet KLEIN die Kritik an den 68ern. Hier
besteht eine große Kluft zwischen der oberflächlichen Aufgeregtheit
der Debatten und den nüchternen Fakten der demografischen
Entwicklung sowie der durchgesetzten politischen Reformen.
Richtig
ist, dass die 68er zwar Teil des "demografischen Problems" sind, wie
im Beitrag
Wer den Generationenvertrag gebrochen hat aufgezeigt wird. Der
Beitrag zeigt allerdings auch, dass in der öffentlichen Debatte um
die ausgefallene Generation nicht die 68er, sondern die in
den 50er und vor allem in den 60er Jahren Geborenen im Mittelpunkt
stehen.
In
dem Buch Schrumpfende Gesellschaften von Franz-Xaver
Kaufmann, einem in den Mitte-Milieus angesehenen Debattenteilnehmer,
wird die ausgefallene Generation als Geburtenlücke sogar quantitativ beziffert. Man
sollte diese Zahlen zwar mit Vorsicht behandeln, aber sie zeigen
auf, um was in der gegenwärtigen Debatte überhaupt gestritten wird.
KAUFMANN
beziffert die Geburtenlücke zwischen 1972 und 2000 auf insgesamt 9,6
Millionen Geborene.
1938
Geborene waren im Jahr 1972 bereits 34 Jahre alt.
Spätgebärene (35
Jahre und älter) waren damals jedoch eine zu vernachlässigende
Minderheit. Selbst die 1948 Geborenen waren 1972 bereits 24 Jahre
alt und trugen deshalb - bei einem deutlich niedrigen
durchschnittlichen Gebäralter gegenüber heute - nur noch zu einem
sehr geringen Teil zur Geburtenlücke bei.
Der
Beitrag der 1938 - 1948 Geborenen (68er im Sinne von Judith KLEIN)
zur Geburtenlücke wird dadurch relativiert. Es muss
jedoch immer wieder betont werden, dass Begriffe wie "Geburtenlücke"
oder "ausgefallene
Generation" bereits an sich fragwürdig sind, denn sie gewinnen nur vor
einem ganz bestimmten ideologischen Hintergrund überhaupt ihre
Bedeutung.
Dem gesellschaftlichen Wandel, der
einen viel stärkeren Einfluss auf die so genannte "Geburtenlücke"
hatte, wird man mit Verweisen auf die Nazi-Vergangenheit schon gar
nicht gerecht. Es bleibt
unberücksichtigt, dass die Bildungsexpansion die Sozialstruktur, den
Arbeitsmarkt und die Berufsstruktur völlig verändert hat.
KLEIN
schreibt:
Kinderlosigkeit entspringt (...) nur in seltenen Fällen einer
hedonistischen, Verantwortung scheuenden Weltanschauung. Neben
Krankheit, Unfruchtbarkeit (und Vorbehalten gegenüber der
Reproduktionsmedizin) oder Fehlen eines Partners sind häufig
ethische Erwägungen und ein skrupulöses Verantwortungsgefühl im
Spiel."
Das
ist eben nur die halbe Wahrheit, denn die strukturellen
Veränderungen werden völlig ausgeblendet.
In der Debatte zur Kinderlosigkeit steht ja nicht die allgemeine
Kinderlosigkeit im Mittelpunkt, sondern die
AkademikerInnen-Kinderlosigkeit. Es
geht also um jenes Milieu, das seine Expansion der Bildungsexpansion
der 70er Jahre verdankt. Was dies bedeutet, das wird jetzt erst in
Ansätzen deutlich. Hier besteht jedenfalls ein eklatantes
Deutungsdefizit.
Zum
Abschluss vergleicht KLEIN die deutsche und die französische
Situation. Sie bringt die höhere französische Geburtenrate mit der
in Frankreich verbreiteten Toleranz gegenüber den Kinderlosen in
Verbindung. Ihr Fazit lautet deshalb:
"Die
Diskriminierung der Kinderlosen ist (...), entgegen landläufigen
Vorstellungen, dem demografischen Wachstum keineswegs förderlich,
sie erhöht lediglich den moralischen Druck und entzweit Menschen,
die aufeinander angewiesen sind. Familien mit Kindern brauchen die
Kinderlosen als Ersatzmütter und -väter und als Menschen, die
Horizonte öffnen."
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SZ-Thema: Der große Single-Markt
- REST, Tanja (2005): Liebe auf den ersten
Klick.
Schon fünf Millionen Deutsche fahnden im Internet nach ihrem
Traummann,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.12.
- UNTERSTÖGER, Hermann (2005): "Einsamer
Hase braucht Schmusekatze".
Frauen und Männer investieren viel Mühe und Phantasie beim
Formulieren ihrer Kontaktanzeigen, doch oft ist das Ergebnis
peinlich,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.12.
- ESSLINGER, Detlef (2005): Jude sucht
Jüdin.
Heiratsmakler José Weber hilft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.12.
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- BERTH, Felix (2005): Wer
zweifelt, zeugt nicht.
Warum Geburtenraten sinken und Elternratgeber boomen - Anmerkungen
zur deutschen Kinderlosigkeit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.12.
- Kommentar:
BERTH fühlt sich angesichts der
Dramatisierungen der Kinderlosigkeit - auch in der SZ -
veranlasst, darauf hinzuweisen, dass in erster Linie die steigende
Lebenserwartungen dafür verantwortlich ist, dass die Haushalte der
Kinderlosen zunehmen:
"In
der scheinbar so dramatischen Zahl der kinderlosen Haushalte
spiegelt sich (...) die Alterung der Gesellschaft: Wenn die
Deutschen - glücklicherweise - immer länger leben, ist es kein
Wunder, dass die Zahl der Haushalte mit älteren Menschen steigt und
der Anteil der kleinen Kinder sinkt."
Danach
beschreibt BERTH die typischen Kinderlosen anhand zweier
Fallbeispiele.
Die
weibliche Variante ist die Kinderlosigkeit der Karrierefrau. Der
Aufschub des Kinderwunsches wegen fehlendem Partner oder der
Unmöglichkeit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist die
Ursache, dass der Zeitpunkt, zu dem Kinder biologisch noch möglich
wären, verpasst wird. Die männliche Variante ist dagegen der
kinderlose Geringverdiener, der sich der Ernährerrolle nicht
gewachsen fühlt.
Beide
Varianten versucht BERTH auf die Kultur der Selbstreflexion und
damit des Zweifels zurückzuführen. Als Experten wurden
Christian
SCHMITT und Günter BURKART befragt.
Die
Lösung des Kinderproblems sieht BERTH in einer Familienpolitik, die
als Sicherheitspolitik konzipiert ist.
Leider
vergisst BERTH, dass die Familiengründung bereits mit der
Paarbildung beginnt. Wenn die Sicherheit der Familie durch die
Unsicherheit des Paarlebens erkauft wird, dann wird der oder die
Alleinerziehende zur Norm erhoben.
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- SIEMENS, Anne (2005): Nick Hornby über Ego,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.12.
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FEDDERSEN, Jan & Susanne LANG (2005): "Ich bin kein Tugendwächter".
Er ist der konservative Star des Jahres - Udo Di Fabio,
Verfassungsrichter und Autor von "Die Kultur der Freiheit". Was hat er
nur am deutschen Zeitgeist zu meckern?
in: TAZ v. 31.12.
- Kommentar:
FEDDERSEN & LANG machen
Udo Di FABIO in der
taz salonfähig.
Er
wird dazu mit dem Flair des Rebellischen versehen. Das ging
bekanntlich bereits beim Mopedrocker Friedrich MERZ daneben. Wer
will heutzutage überhaupt noch Rebell sein, wenn konformistische
Karrieristen wie MERZ und Di FABIO als jugendliche Rebellen
posieren? Spätestens seit das Rebellentum mit Joschka FISCHER 1998
im Mainstream angekommen ist, ist der Hipster zum wahren Spießer
avanciert.
Wenn
jetzt das Buch "Konsumrebellen" von HEATH & POTTER den Individualismus des Hipsters als wahren
Konformismus entlarven will, dann tut es dies ausgerechnet in jenem
historischen Moment, in dem der Autoritarismus des neuen Bürgertums
- mit seinem Zwang zum Konformen - als alternativlos erscheint.
HEATH & POTTER schwimmen damit wie Di FABIO mit dem Zeitgeist. Es
sind nur die zwei Seiten der selben Medaille.
In
dem Moment, wo Di FABIO Farbe hätte bekennen müssen, haben FEDDERSEN
& LANG das Gespräch in seichtes Fahrwasser gelenkt. Denn was ist ein
halbherziges Bekenntnis zur Homoehe light - sozusagen auf Widerruf -
wert, wenn Kinder nicht in ausreichender Zahl zur Welt kommen? Und
wer definiert, was ausreichend ist?
Di
FABIO zeigt sich hier als Virtuose der medialen Spaßgesellschaft:
die taz wird als Nullmedium vorgeführt...
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CAMMANN, Alexander (2005): "Wir brauchen bewusste Bürger".
Öffentliche Bierflaschen und intellektueller Wirklichkeitssinn: ein
Gespräch mit Ralf Lord Dahrendorf und Paul Nolte über die
Bürgergesellschaft und ihre engagierten Intellektuellen, über
Antibürgerlichkeit und die Bindungskräfte der Gesellschaft,
in: TAZ v. 31.12.
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Die Studie
"Familienreport 2005" der Konrad-Adenauer-Stiftung in den Medien
-
DPA/EPD (2005): Deutschland ist Single-Europameister.
In deutschen Haushalten leben laut einer Studie mittlerweile mehr
Ehepaare ohne Kinder als mit Kindern zusammen,
in: Hamburger Abendblatt v. 30.12.
- EPD (2005): Single-Haushalte Spitze.
In Deutschland am wenigsten Haushalte mit Kindern,
in: TAZ v. 30.12.
- Kommentar:
Die taz druckt unkritisch eine
Agenturmeldung, wonach im europäischen Vergleich Deutschland den
höchsten Anteil allein Lebender aufweisen soll.
Dagegen
steht auf Seite 18 der Studie, dass in Schweden der Anteil der
Einpersonenhaushalte 46,5 % beträgt, d.h. dort leben ca. 10 % mehr
Alleinlebende als in Deutschland.
Dabei gilt
Schweden nicht wenigen als familienpolitisches Musterland,
insbesondere gilt dies für die Verfechter des Elterngelds.
Offenbar
ist der Anteil der Einpersonenhaushalte kein brauchbarer Indikator
zur Beurteilung des Ausmaßes der Kinderlosigkeit eines Landes.
- GASEROW, Vera (2005): Ein Drittel ohne
Nachwuchs.
"Familienreport" zu deutscher Kinderlosigkeit und ihren Ursachen,
in: Frankfurter Rundschau v. 30.12.
- Kommentar:
GASEROW übernimmt unkritisch falsche
Agenturmeldungen (siehe taz) und hinterfragt nicht die
Behauptungen zur lebenslangen Kinderlosigkeit (siehe
Tagesspiegel).
- DEH (2005): Immer mehr ältere Frauen leben
allein,
in: Tagesspiegel v. 30.12.
- Kommentar:
DEH bemängelt zwar, dass die These von der
lebenslangen Kinderlosigkeit nicht ausreichend belegt wird, aber
es werden nicht jene Berechnungen von
Jürgen DORBRITZ oder
Gert HULLEN angeführt, die
unzweifelhaft belegen, dass die Kinderlosigkeit des
Frauenjahrgangs 1965 deutlich geringer ist als 30 %:
"Die
Autorinnen erkennen in ihrer Auswertung statistischer Daten (...)
einen Trend zur »lebenslangen Kinderlosigkeit«. So behaupten sie:
»Deutschland ist weltweit das einzige Land, dessen niedrige
Geburtenziffer durch die lebenslange Kinderlosigkeit eines
Drittels der gegenwärtigen Bevölkerung verursacht wird.«
Allerdings bleiben sie die Belege für diese These weitgehend
schuldig. Sie weisen lediglich darauf hin, dass 22 Prozent der
Frauen des Jahrgangs 1955 kinderlos geblieben seien. In Frankreich
habe der Anteil nur acht Prozent betragen. Doch schon bei ihrer
Schätzung, dass ein Drittel der 1965 geborenen Frauen sich für ein
Leben ohne Kinder entscheiden werde, stellt sich die Frage, woher
die Autorinnen das wissen wollen. Schließlich haben sie selbst in
ihrer Studie festgestellt, dass immer mehr Frauen ihr erstes Kind
deutlich später bekommen. Die Bilanz für den Jahrgang 1965 dürfte
noch nicht abgeschlossen sein."
- SCHULLER, Moritz (2005): Im Lebensstau,
in: Tagesspiegel v. 30.12.
- Inhalt:
SCHULLER sieht weniger ein finanzielles
Problem als ein Lebensverlaufsproblem wirken:
"Die
durchschnittliche reale Kaufkraft einer Kleinfamilie von heute
entspricht zum Beispiel ziemlich genau jener von Eltern der
geburtenstärken Jahrgängen 1955 bis 1965. Verändert hat sich
seitdem nicht die Menge des Geldes, sondern der Verlauf der
Biographien. Wer 1955 mit 20 ein Kind in die Welt setzte, konnte
davon ausgehen, sein Leben lang denselben Beruf zu haben. Wer
heute mit 30 noch Praktikant ist, setzt kein Kind in die Welt."
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- BERTH, Felix (2005): Zu zweit allein
gelassen.
Wer ohne Partner ein Kind großzieht, hat in Deutschland kaum eine
Lobby,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.12.
- Kommentar:
BERTH entdeckt die Alleinerziehenden als
Armutsgruppe. Dagegen sollen die Rentner zu den Reichen gehören. In
beiden Fällen wäre mehr Differenzierung wünschenswert. Tanja MÜHLING
weist in ihrer empirischen Untersuchung nach, dass neben den
Alleinerziehenden besonders
ältere Alleinlebende von Armut betroffen sind. Der Begriff
"Alleinerziehende" homogenisiert sehr unterschiedliche
Lebenssituationen. Wer mit einem neuen Partner in einer gemeinsamen
Wohnung lebt, gehört eigentlich in die Kategorie der nichtehelichen
Lebensgemeinschaft. Echte Alleinerziehenden ohne Partner dürften
deshalb von Armut noch viel stärker betroffen sein als dies die
Haushaltsstatistik ausweist.
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CRZ (2005): Im Zeichen der Harmonisierung.
Angleichung der Fruchtbarkeitsraten in der Schweiz,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 29.12.
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SIEMS, Dorothea (2005): Kindermangel, staatlich gefördert.
Chronisch beklagt die Politik den Geburtenrückgang. Dabei ist der
Sozialstaat selbst Verursacher der Kinderlosigkeit,
in: Welt v. 29.12.
- Kommentar:
SIEMS bezieht sich mit ihrer Behauptung, dass der
Sozialstaat zum Verursacher des Geburtenrückgangs geworden sei, auf
Berechnungen der Familienlobbyisten um Hans-Werner SINN. Dessen
Berechnungen sind jedoch umstritten, wie Gegenrechnungen von Astrid
ROSENSCHON aufzeigen.
Auch
die Studie von BIEDENKOPF u.a. beweist das Gegenteil: die
Kinderlosigkeit der Akademikerinnen hat im Zeitverlauf nicht zu-,
sondern abgenommen.
"Rund
ein Viertel der Frauen des Jahrgangs 1960 sind kinderlos, dreimal
mehr als beim Jahrgang 1935", schreibt SIEMS, um den Eindruck der
Linearität des Geburtenrückgangs zu erwecken.
Bevölkerungshistoriker
wie Josef EHMER haben dagegen darauf hingewiesen, dass es in der
deutschen Bevölkerungsgeschichte immer wieder Perioden mit höherer
Kinderlosigkeit gab. Das Ausmass der heutigen Kinderlosigkeit ist
keineswegs so einmalig, wie SIEMS weismachen möchte.
Der
Bevölkerungswissenschaftler
Gert HULLEN hat sogar nachgewiesen, dass das Ausmass der
Kinderlosigkeit der in den 60er Jahren geborenen Frauen geringer ist
als derjenigen, die in den 50er Jahren geboren wurden, da erstere
durch erhöhte späte Mutterschaften das "anfängliche Geburtendefizit"
ausgeglichen haben. Er kommt zudem zu einer wesentlich niedrigeren
lebenslangen Kinderlosigkeit als SIEMS.
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SZ-Thema: Ausgleich zwischen den
Generationen: Die Vordenker und ihre Schwierigkeiten
- HICKMANN, Christoph (2005): Unbequemes
Thema.
Eine Stiftung verlangt nachhaltige Politik, die Antworten der
Parteien überzeugen nicht,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.12.
- MATERN, Tobias (2005): Junge vertreten
Junge.
Gruppe von Abgeordneten strebt Verfassungsänderung an,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.12.
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HORX, Matthias (2005): Kleine Verteidigung der Zukunft.
Bevölkerungskrise, Familienzerfall, Beziehungsfrust -
Horrorvisionen machen vielen Deutschen angst. Dabei entwickeln wir uns
ganz natürlich eher zu unserem Vorteil,
in: Welt v. 27.12.
- Inhalt:
Matthias HORX weist u.a. darauf hin, dass in
der deutschen Bevölkerungsstatistik die Geburtenrate zu niedrig
ausgewiesen wird:
"Schon
aus statistischen Gründen wird die Geburtenrate wieder ansteigen:
Ihr Niedergang ist auch auf einen Verzerrungseffekt zurückzuführen.
Denn in einer spätindustriellen Gesellschaft verschiebt sich das
Erstgeburtsalter: Viele Frauen bekommen später doch noch ein Kind.
Das korrigiert unsere Geburtenrate von noch rund 1,4 auf etwa 1,6."
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- DETTLING, Daniel (2005): Wie aus Vätern
Mütter werden können.
Das neue Elterngeld ist ein wunderbares Instrument, um die
Erziehungsaufgaben gerechter zu verteilen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.12.
- Kommentar:
Daniel DETTLING widmet sich
wieder einmal dem
Elterngeld. Er hat nun die
Widerspenstigen zu Gruppen zusammengefasst:
"Leitbild
des Elterngeldes sind die berufstätigen, aber dennoch erziehenden
Eltern". Dieses Ziel provoziert den Widerstand gleich mehrerer
Gruppen: zum einen nicht berufstätige, quasi allein erziehende
Mütter, aber auch Erwerbstätige ohne Kinder und schließlich
berufstätige, allein verdienende Väter. (...). Die andere Kritik ist
im Kern kultureller Natur.
Merkwürdigerweiser
spielt die Massenarbeitslosigkeit keine Rolle bei den Überlegungen
von DETTLING. Er lobt stattdessen das Leistungsprinzip, dem das
Elterngeld folgt.
Soziologen
wie Sighard NECKEL und Michael HARTMANN weisen jedoch darauf hin,
dass es im Berufsleben nicht in erster Linie um Leistung geht.
Ersterer spricht deshalb von der Erfolgsgesellschaft und letzterer
betont die Bedeutung der sozialen Herkunft. Das Elterngeld belohnt
also in erster Linie Erfolg und die Zugehörigkeit zur Geburtselite.
Beides führt direkt in die neue Klassengesellschaft.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 21. -
24. Dezember 2005
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