[ News-Hauptseite ] [ Glossar ] [ Suche ] [ Homepage ]

   

Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
News 20.-24. Juli 2005
News 16.-19. Juli 2005
News 11.-15. Juli 2005
News 06.-10. Juli 2005
News 01.-05. Juli 2005
News 28.-30. Juni 2005
News 20.-27. Juni 2005
News 01.-19. Juni 2005
News 01.-10. Juni 2005
News 24.-31. Mai 2005
News 18.-23. Mai 2005
News 10.-17. Mai 2005
News 06.-09. Mai 2005
News 01.-05. Mai 2005
News 27.-30. April 2005
News 19.-26. April 2005
News 12.-18. April 2005
News 07.-11. April 2005
News 01.-06. April 2005
News 29.-31. März 2005
News 23.-28. März 2005
News 12.-22. März 2005
News 08.-11. März 2005
News 04.-07. März 2005
News 01.-03. März 2005
News 22.-28. Februar 2005
News 18.-21. Februar 2005
News 10.-17. Februar 2005
News 05.-09. Februar 2005
News 01.-04. Februar 2005
News 26.-31. Januar 2005
News 21.-25. Januar 2005
News 16.-20. Januar 2005
News 11.-15. Januar 2005
News 01.-10. Januar 2005

News 26.-31.Dezember 2004
News 21.-25.Dezember 2004
News 16.-20.Dezember 2004
News 11.-15.Dezember 2004
News 01.-10.Dezember 2004
News 16.-30.November 2004
News 01.-15.November 2004
News 21.-31. Oktober 2004
News 16.-20. Oktober 2004
News 11.-15. Oktober 2004
News 05.-10. Oktober 2004
News 01.-04. Oktober 2004
News 24.-30. September 2004

News 16.-23. September 2004
News 11.-15. September 2004
News 05.-10. September 2004
News 01.-04. September 2004
News 25.-31. August 2004
News 16.-24. August 2004
News 06.-15. August 2004
News 01.-05. August 2004
News 22.-31. Juli 2004
News 16.-21. Juli 2004
News 11.-15. Juli 2004
News 06.-10. Juli 2004
News 01.-05. Juli 2004

News 2004
News 2003
News 2002
News 2001
News 2000

 
 
   
Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 25 - 31. Juli 2005

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

"Sie wollte in die Bucht. Die Bucht war das Zentrum der Insel. Die Klippen formten einen winzigen Einschnitt der Küste. Steiles heißes Gestein sparte das Halbrund aus. Der Vulkansand des Strands erwärmte sich ab zehn, elf Uhr, wenn die Sonne über die Felskanten schien.

Gegen Mittag glühte der Körper mit dem Sand. Eine Herzkammer war die Bucht. Die Brecher zerstoben über Lavabrocken. Die Wasserschleier stiegen auf. In Regenbogenfarben wehten sie über auslaufende Wellen, über die Gischt und das Gesicht."
(aus: Hans Pleschinski "Leichtes Licht", 2005, S.37f.)

 
 
 
 
  • WINKENBACH, Julia (2005): Ich liebe es!
    Schon vor 70 Jahren wurden Single-Ratgeber geschrieben. Wir haben das Buch "Live alone and like it" von 1936 mit einem aktuellen verglichen - und waren überrascht,
    in: Welt am Sonntag v. 31.07.
    • Kommentar:
      WINKENBACH vergleicht zwei Ratgeber für alleinlebende Frauen, bei denen es ausnahmsweise nicht um die Partnersuche geht, sondern darum, das Alleinleben erträglicher zu gestalten.

                
      Was erstaunt ist die Tatsache, dass es sich um Ratgeber für partnerlose Frauen handelt, obwohl deren Anteil an den Alleinlebenden in Deutschland im mittleren Lebensalter eher unbedeutend ist.
                
      Wer im mittleren Lebensalter als Frau allein wohnt, der tut das in der Regel entweder als Single mit Kind (und fällt damit nicht unter die 12 Millionen Single-Haushalte) oder der Partner wohnt anderswo (Liebe auf Distanz, Fernliebe usw). Wo bleiben also die Ratgeber für diese "Teilzeit-Singles"?
                
      Wenn WINKENBACH keinen Unterschied zwischen 1936 und 2005 erkennen kann, dann liegt das einerseits an ihrer - und nicht nur ihrer - beschränkten Perspektive und andererseits an einer Single-Industrie, die an den Bedürfnissen der Alleinlebenden vorbeiproduziert...   
 
  • BÄRTELS, Gabriele (2005): Hoffnung, dass der Zauber kommt.
    Die Einsamkeit in den Großstädten hat ungeheure Ausmaße angenommen. Im Internet suchen Millionen nach einem Partner,
    in: Magazin der Berliner Zeitung v. 31.07.
    • Kommentar:
      Wie beginnt man eine todsichere Langweiler-Story? Mit Sätzen wie "Die Einsamkeit in den Großstädten hat ungeheure Ausmaße angenommen"!

                
      Das ist typischer 68er-Kitsch, der spätestens seit "Sound of Silence" auch zum popkulturellen Fundus des Angestellten-Pop gehört.
                
      Einsamkeit war bereits der beherrschende Topos der neuerdings wieder vermehrt gepriesenen goldenen 50er Jahre. Dies wird nur gerne vergessen.
                
      Wer mit Verweis auf den Boom der Online-Partnersuche die Zunahme der Einsamkeit ableitet, der fällt erstens auf die Selbstbeschreibungen kommerzieller Anbieter herein und zweitens auf die Ökonomie der Aufmerksamkeit, die das Phänomen der Neuigkeit mit dem Phänomen der Zunahme verwechselt.
                
      Natürlich ist Einsamkeit für jeden Betroffenen ein Problem, aber eben keines das heute größer ist als früher.
                
      BÄRTELS kann zumindest auf die Freundinnen-Kultur zurückgreifen, denn die wirklich Einsamen kommen in den Mitte-Zeitungen sowieso nicht vor:
                
      "Mit einer meiner Freundinnen spreche ich nur über Internetmänner-Erlebnisse und unsere Befindlichkeits-Temperaturkurven. Heute fühlen wir uns weniger einsam als gestern, aber morgen werden wir uns wieder so fühlen wie vorgestern, und damit das nicht passiert, verabreden wir einen Ausflug, um mal was unter Frauen zu machen, aber heimlich denken wir: Wenn sie ein anderes Geschlecht hätte, wär's mir lieber. Wir brauchen einander für unsere Geschichten, die Großstadt will sie nicht wissen, und wir müssen einander doch versichern, dass wir den Finger noch am Puls haben, dass unser Herz noch schlägt."
 
  • HUBER, Joseph (2005): Unsere kleine West-DDR.
    Keine der Parteien hat den Mut zu einem grundlegenden Politikwechsel - auch Union und FDP nicht: Sie alle wollen den versorgten Bürger,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 31.07.
    • Inhalt:
      Joseph HUBER, einst Sprachrohr der Alternativbewegung, jetzt Professor für Wirtschaftssoziologie, wettert in der Tradition von Arnulf BARING über die DDR light:

                
      "Arnulf Baring äußerte vor einigen Jahren die Befürchtung, die Bundesrepublik könne als DDR light enden. Das läßt sich zuspitzen. Der Sozialetatismus und Arbeitskorporatismus ist DDR light. Die Menschen darin sind überwiegend abhängige Sozialstaatsklienten."
                
      Als Beispiel dient HUBER u.a. die Familienklientelpolitik:
                
      "Die Grünen versuchen, darin ähnlich der Union, sich an der Klientelfront der Familienpolitik Wählerstimmen zu erkaufen. Sie wollen »Kinder fördern« und dafür ebenfalls Steuern erhöhen. Niemand beachtet, daß die ökonomische Theorie der Kinderlosigkeit von den Fakten widerlegt ist: Deutschland gehört zu den Ländern, die für Familienförderung schon längst am meisten ausgeben (...). Auch werden in Deutschland Kinderlose und Singles vom Fiskus mit Abstand am härtesten bestraft. Dennoch weist Deutschland - mit Italien - die wenigsten Geburten auf (...). Die Vereinigten Staaten geben für Familienförderung nur ein Viertel soviel aus wie Deutschland und erfreuen sich gleichwohl einer stabilen Geburtenprosperität (...) - und einer höheren Frauenerwerbsquote, auch in Führungspositionen".
 
  • DIEZ, Georg (2005): Unsere Kanzlerin.
    In Wahlen manifestieren sich Veränderungen, die längst stattgefunden haben. Bericht aus Angela Merkels Hauptstadt,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 31.07.
    • Kommentar:
      Georg DIEZ strickt bereits am Mythos der neuen Kanzlerin als Repräsentantin der Berliner Republik, die nach den Vorstellungen von Heinz BUDE den endgültigen Bruch mit der Bonner Wohlfühlrepublik vollziehen soll:

                
      "Angela Merkel wird die erste Kanzlerin dieses neuen, wiedervereinigten Landes sein. (...). Sie hat in ihrer Partei, in ihrem Umfeld sehr genau diejenigen entfernt, die noch Widerstände der alten BRD in sich trugen, und hat sie durch lauter mittelblonde Mittvierziger ersetzt, die zum Demonstrieren und Kiffen zu jung waren und zu alt für die Loveparade, eine aus der Zeit gerutschte, lebenslaufarme Generation, die vor allem funktionieren will."
 
  • MANGOLD, Ijoma (20059: Alles verdampft.
    Union, Frau Merkel, und die Unmöglichkeit, konservativ zu sein,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 30.07.
    • Inhalt:
      Anlässlich des Tagesspiegel-Artikels von Moritz RINKE, beschäftigt sich Ijoma MANGOLD damit, was heutzutage noch konservativ sein könnte.

                
      Für MANGOLD kann Konservatismus heute nicht mehr Orientierung in Fragen der privaten Lebensführung sein, da selbst die Familie nicht mehr das letzte Bollwerk gegen den Kapitalismus ist:
                
      "Konservativismus, das war einmal das Versprechen von verlässlicher Orientierung gerade in Fragen der Lebensführung – und zwar unter der impliziten Prämisse, dass es dabei ein Richtig und ein Falsch gibt. Es war Sinnstiftung gegen das anything goes und ein Verbindlichkeitsangebot im Kleinen, um mit diesem Rückhalt die nicht bestrittene Wandlungsdynamik im Großen zu bestehen.
                
      Vielleicht vor allem dieser Spagat gehört der Vergangenheit an: Dass man als moderne Wirtschaftsnation an der Dynamik des technologischen und ökonomischen Fortschritts aus voller Kraft partizipieren und zugleich auf der Ebene der privaten Lebensführung, der Häuslichkeit und der familiären Reproduktion bestimmte Werte, Normen und Gepflogenheiten stabil halten könne. Denn dieses eben macht den expansiven Charakter des Kapitalismus aus: Dass er nicht nur ein wirtschaftliches Prinzip ist, sondern alle Bereiche des sozialen wie des kulturellen Lebens sich anverwandelt und umgestaltet. Seine Dynamik ist nicht auf den Arbeitsplatz einzuhegen."
                
      Nicht mehr der Kommunismus/Sozialismus mit seinen Visionen vom neuen Menschen ist gemäß MANGOLD das konservative Feindbild, sondern der expansive Kapitalismus.
                
      Konservatismus gerät unter den Bedingungen der Globalisierung in die Defensive:
                
      "Konservativismus (...) bezieht seinen Schwung deshalb gerade nicht aus seiner Verbindlichkeit, sondern umgekehrt aus dem Bewusstsein der Bedrohtheit – und hat stets etwas Angestrengtes und Verschwitztes. Es ist ein Konservativismus der Defensive, der Abwehr und der Verunsicherung, keiner der Stärke und des Selbstbewusstseins."
                
      Prototypisch für einen solchen defensiven Konservatismus ist für MANGOLD der Theologe Peter HAHNE:
                
      "Die kongeniale Galionsfigur dieser düsteren Tendenzwende ist der Fernsehmoderator Peter Hahne mit seinem Nummer-eins-Bestseller »Schluss mit lustig!« Da ist der Konservativismus plötzlich mit dem Spießbürgerlichen identisch geworden."
                
      Daneben existiert der Konservatismus als Formbewusstsein, wie er in der neuen Lust am Ritual oder bei den neuen Dandys zum Ausdruck kommt.
                
      Die RATZINGER-Variante beschreibt MANGOLD dagegen als "Weg in die Katakomben".
                
      Sein Fazit:
                
      "Das Konservative wird deshalb eher überleben als ästhetische Attitüde und kulturelles Bewusstsein der Wenigen, als ein exzentrisches Dandytum vielleicht auch, aber nicht als politische Sammlungsbewegung. Namentlich für die Deutschland AG gilt: Was ihr fehlt, ist wieder Mut und Lust an der produktiven Zerstörung, damit sie den Wandel nicht nur als Verlust von Lebensglück, sondern auch als dessen Steigerung wahrnimmt." 
 
  • WILLMS, Johannes (2005): Das Auge des Malstroms.
    Gerissene Geschäftemacher, durchdrehende Kleinbürger, degenerierende Aristokraten: Balzacs Paris in seiner "Menschlichen Komödie",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 30.07.
 
  • REICHERT, Martin (2005): Wenn der Stripper kommt...
    … beginnt das Eheleben: Akademikerinnen haben das Ritual des Junggesellinnenabschieds für sich entdeckt.
    Mit Schnaps und Stripper beenden sie das Moratorium Jugend. Das Ganze nennt sich dann - Hennenabend,
    in: TAZ v. 29.07.
 
 
Stern-Titelgeschichte:
Geld oder Liebe?
Gefühle, Status, Sicherheit - was bei der Partnerwahl wirklich zählt
  • SELLMAIR, Nikola (2005): Das kalkulierte Glück.
    Wer heiratet wen? Keine großen Gefühle ohne Gegenrechnung. Nicht Zufall und Romantik entscheiden, wen wir fürs Leben wählen, sondern Herkunft, Bildung, Geldbeutel und Karrierechancen. Wie Deutschlands Paare heutzutage zueinander finden - ein Report über die Ökonomie der Liebe,
    in: Stern Nr.31  v. 28.07.
    • Kommentar:
      Um es gleich vorweg zu sagen: In dem Artikel geht es nicht um Partnerschaft, sondern nur um eheliche Partnerschaft.

                
      In Zeiten, da Heiraten keine Pflichtveranstaltung ist und auch Heiratsbarrieren nicht alles erklärt, wird hier so getan, als ob es nur unfreiwillig Unverheiratete gibt.
                
      Ist man sich dieser Beschränktheit des Ansatzes bewusst, dann kann man den Artikel mit Gewinn lesen.
                
      Zu Wort kommen die Wissenschaftler Manfred HASSEBRAUCK, Karl Otto HONDRICH ("Die Liebe in Zeiten der Weltgesellschaft"), Laura KIPNIS, Hans-Peter BLOSSFELD, Eva ILLOUZ und Andrew OSWALD.     
 
  • FRIEBE, Holm & Kathrin PASSIG (2005): Unterschichtwechsel.
    Das nächste grosse Ding,
    in: Berliner Zeitung  v. 28.07.
    • Inhalt:
      Wer bestimmt den Lifestyle? Die Subkultureliten, wie Diedrich DIEDERICHSEN in der SZ gemäß FRIEBE & PASSIG behauptet, oder die Unterschichten, wie Georg DIEZ in der FAS nahelegt?

                
      FRIEBE & PASSIG  sehen nicht im kulturellen Transfer entlang der Statusunterschiede, sondern entlang des Altersunterschieds, genauer von jung zu alt, das Grundprinzip kultureller Evolution:
                
      "In der Nachfolge von Leslie Fiedlers bahnbrechendem Aufsatz »Cross the Border, Close the Gap« (1969), der die Aufhebung der Trennung von Populär- und Hochkultur anmahnte, erschien kürzlich Steven Johnsons Sachbuch »Everything Bad Is Good For You«, in dem dargelegt wird, wie Computerspiele und U-Kultur nicht zur Verdummung der Jugend, sondern durch ihre immer komplexere Narration zum stetigen Anstieg des durchschnittlichen IQs seit den 50ern geführt haben."
 
  • RINKE, Moritz (2005): Die Wende-Legende.
    Wo um Himmels willen ist denn die CDU? Betrachtungen zur Lage der Nation,
    in: Tagesspiegel  v. 28.07.
    • Inhalt:
      Moritz RINKE beklagt die Erosion des Konservativen bei Schwarz-Gelb:

                
      "Eine kinderlose, geschiedene, wieder verheiratete Frau aus dem Osten wird mit einem unverheirateten Homosexuellen das Land regieren, das ist doch in Ordnung, das hat zwar mit schöner alter christdemokratischer Familienpolitik nicht so viel am Hut, kommt aber noch moderner als Rot-Grün mit ihren nur circa siebenmal geschiedenen Parteispitzen.
                
      (...).
      Es ist einiges durcheinander in Deutschland. Und zwar seitdem die CDU genauso konzeptlos das Regieren ansteuert und die Zeit unserer Projektion und der von uns gefüllten Hohlräume abgelaufen ist. Und seit die CDU versucht, selber eine Kontur vorzutäuschen und wir dabei merken, dass die Erosion des Konservativen das Einzige ist, was sich erkennen lässt.

                
      Ist schwarzgelb also plötzlich noch rotgrüner irgendwie? (...). Ich meine, wenn ich mich mit Schily im klassischen »kantherischen« Sinne sogar sicherer fühle als mit diesem Koch? Und mit einer siebenmal geschiedenen Regierungsspitze mit Adoptivkindern, Günter Grass und Ex-Apo-Randalisten immer noch konservativer vertreten fühle als durch diese total kinderlose Frau/Homo-Koalition ohne Leitkultur und Arnulf Baring? Ist es, wenn man so weiterfragt, nicht allmählich eigentlich egal, welche Parteien regieren?"
 
  • NIGGEMEYER, Stefan (2005): Der eine ist zu dick, die andere zu schön.
    Und alle sind sie arme Singles: Vox startet die "Mission Herzklopfen", findet aber keinen Puls,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.07.
 
 
  • JESSEN, Jens (2005): Im Land der Vorsorger.
    Hypochondrie ist auch eine Frage der kulturellen Befindlichkeit. Jede Nation leidet auf ihre Weise, die deutsche besonders intensiv,
    in: Die ZEIT Nr.31 v. 28.07.
    • Kommentar:
      Heute ist wieder einmal GähnZEIT angesagt! Neben Narzissmus und Cocooning ist Hypochondrie ein beliebtes Schimpfwort von selbstgefälligen Eliten.

                
      Wer das liest, gehört entweder selber zu den selbstgefälligen Eliten oder er gehört zu diesen Masochisten, denen DIEDERICHSEN gerade einen Artikel gewidmet hat. Alle anderen dürfen das getrost ignorieren...
 

JUNGLE WORLD-Titelgeschichte: Die 68er treten ab. Ein deutscher Jahrgang.
Mit dem Ende des rot-grünen Projekts verschwinden auch die 68er von der Bühne. Jetzt wird nachgetreten. Neben der überfälligen Kritik etwa am Antisemitismus der damaligen Linken nutzen Konservative die Situation, um das Comeback alter Werte zu fordern. Kommen jetzt die Gedenkstätten für Kinderladenopfer? Was waren das eigentlich für Leute, diese 68er? Auf jeden Fall war man ungeheuer politisch und authentisch. Eine gemeinsame Geschichte dieser so genannten Generation gibt es nicht

  • DIEDERICHSEN, Diedrich (2005): Wir waren so politisch.
    Das Politischsein der 68er war gleichzeitig zentraler Imperativ sowie ein elitärer und inquisitorischer Authentizismus,
    in: Jungle World Nr.30  v. 27.07.
    • Kommentar:
      Diedrich DIEDERICHSEN arbeitet sich stellvertretend für alle 78er an den 68ern ab:

                
      "Was sich seit knapp fünfzig Jahren von einem Entwurf revolutionärer Subjektivität zur Standardethik der gymnasialen Mittelstufe entwickelt hat, bleibt ein so rätselhaftes wie allgegenwärtiges Signum dieser Generation und eine Hinterlassenschaft, an der ihre Nachkommen zu beißen haben. Wichtigste tiefenmoralische Innovation der 68er war, dass man politisch sein muss – politisch leben."
                
      Am Anfang steht der Verlust:
                
      "Während der Jahre und Jahrzehnte ging der Sinn der Ganzheitlichkeit und Totalität dieses politischen Existenzialismus verloren."
                
      Mit dem Politikzwang einher geht die Diktatur der politisch korrekten Politik:
                
      "Demzufolge war denn auch der größte Generationenkonflikt immer der, dass die jeweils Jüngeren, sobald sie als neue Generation kenntlich gemacht waren, nicht politisch genug waren."
                
      Cocooning oder Narzissmus waren seit jeher die Kampfbegriffe dieser Politikmacker seit 68ff.
                
      Wenn DIEDERICHSEN nun diesen Vorwurf gegen die 68er der Grünen wendet, dann führt er diese Tradition mit umgekehrten Vorzeichen fort.
                
      DIEDERICHSEN versucht sich aber auch an einer 68er-Geschichtsschreibung, wonach 1968 mit einer Horizonterweiterung verbunden war: Die Hochkultur verzweigte sich in Subkulturen.
                
      Der Hip-Konsumerismus (im Sinne von John LELAND und Thomas FRANK) ermöglichte nach DIEDERICHSEN ein richtiges Leben im Falschen: die Verbindung von Politik und Leben. Dummerweise stand dies unter milieuspezifischem Rechtfertigungszwang
                
      Mit der Übernahme der Regierungsverantwortung von Rot-Grün kam dann der Sündenfall.
                
      Das Hipstertum verkam zum Boulevard und Politik geriet zum ästhetischen Geschäft, bei dem der emanzipatorische Charakter der Politik auf der Strecke blieb.
                
      Zum Vorschein kommt der "alt-repressive und obrigkeitsstaatliche Begriff der Staatsbürgerpflicht mit dem der Politik-als-kulturell-existenzielles-Abenteuer der 68er verschmolzen."
                
      Am Schluss fordert DIEDERICHSEN die Abkehr von der primitiven Identitätspolitik der Kulturlinken:
                
      "Auf dem Wege zum rein existenziell-ästhetischen Ekel sind der Linken die politischen Talente verloren gegangen. Dieses Talent besteht nämlich gerade in der Annahme der Gespaltenheit und notwendigen kognitiven Dissonanz politischer Arbeit. Nur wer eine radikale Kritik denken kann, ist zu einer akzeptablen pragmatischen Position befähigt.
                
      Nur wer eine akzeptable pragmatische Position unterstützen kann, kann wirklich radikale Kritik entfalten. Um beides tun zu können, muss man unauthentisch sein können. Die berechtigte Frage der alten Gegenkultur, was Politik mit Leben zu tun hat, verdient bessere und kompliziertere Antworten als das Ideal der authentischen Identität oder der ästhetischen Angemessenheit."
  • SUNDERMEIER, Jörg (2005): Die Opfer des Grips-Theaters.
    Die Abrechnung mit den 68ern gerät allzu leicht zur Verteidigung konservativer Werte. Die Autorin Sophie Dannenberg gibt dafür ein krasses Beispiel,
    in: Jungle World Nr.30  v. 27.07.
 
 
  • FR-Plus: Die Neokonservativen kommen!

    • ARNING, Matthias (20059: Lob des Wölfischen.
      Verantwortung des Einzelnen heißt die Medizin der Neokonservativen, um den "Patienten Deutschland" zu kurieren,
      in: Frankfurter Rundschau v. 27.07.
      • Kommentar:
        ARNING versucht sich daran, die Neocons von den nur fälschlich so bezeichneten zu trennen.

                  
        Die bösen Neocons sind demnach einerseits die CDU-Ordoliberalen um Kurt BIEDENKOPF & Meinhard MIEGEL (diese hat Peter J. GRAFE bereits Mitte der 80er Jahre im Buch "Schwarze Visionen" als die 68er der CDU bezeichnet) und andererseits der Spiegel-Journalist Gabor STEINGART.
                  
        Man sollte das jedoch besser präziser einen libertären Konservatismus nennen.
                  
        Auf der anderen Seite steht für ARNING der gute "Neocon" Paul NOLTE als Stimme des neuen Bürgertums. Diese Trennung schafft ARNING per Definition des Neocon:
                  
        "jemand, der so tut als schwebe er über der Gesellschaft und schaue sich dieses System von oben an, um sagen zu können: Da ist was krank, da läuft was schief."
                  
        NOLTE ordnet ARNING dagegen den politischen Pragmatikern zu. Der paternalistische Elitismus von NOLTE wird bei ARNING zur Fürsorge mit menschlichem Antlitz verklärt.
                  
        Dabei ist jedoch klar: NOLTE ist entschieden für die Diskriminierung von Lebensformen jenseits der Haushaltsfamilie. Dies ist Wertekonservatismus pur, der nur dadurch geschönt wird, dass der Stellenwert der Ehe nicht ganz so hoch angesiedelt ist wie beim Papst.
    • BRAUCK, Markus (2005): Die elitären Revolutionäre.
      Welt, WamS und Cicero: Drei Chefredakteure gegen die 68er,
      in: Frankfurter Rundschau v. 27.07.
      • Kommentar:
        Markus BRAUCK porträtiert Wolfram WEIMER (Jahrgang 1964), Christoph KEESE (Jahrgang 1964) und Mathias DÖPFNER in einem oberflächlichen Artikel.

                  
        Wenn wir wirklich keine einflussreicheren Anti-68er zu bieten hätten, dann könnten wir uns getrost Wichtigerem widmen...
    • FR (2005): Neokonservatives Denken,
      in: Frankfurter Rundschau v. 27.07.
    • PAASCH, Rolf (2005): Eine fragwürdige Mission.
      Die US-amerikanischen Neokonservativen gewannen in kurzer Zeit enormen Einfluss auf die Politik von George W. Bush,
      in: Frankfurter Rundschau v. 27.07.
      • Inhalt:
        PAASCH erklärt die Entstehung des US-amerikanischen Neokonservatismus aus dem Konvertitentum der 60er Jahre:

                  
        "Der Neokonservatismus entstand Mitte der 60er Jahre aus der Kritik desillusionierter liberaler Intellektueller an bürokratisch verwalteter Sozialpolitik. Ehemalige Marxisten wie Irvin Kristol oder Norman Podhoretz, Demokratische Politiker wie Daniel patrick Moynihan und Sozialwissenschaftler wie James Q. Wilson wandten sich gegen die Idee des »Social engineering« (...). Doch es war erst die Campus-Revolte der späten 60er Jahre, die diese Kritiker ins (neo-)konservative Lager trieb".  
 
 
 
 
  • BAHNERS, Patrick (2005): Seid fruchtbar und belehret euch.
    Der Verfassungsrichter Udo Di Fabio redet zur deutschen Nation,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.07.
   

[ zum Seitenanfang ]

Zu den News vom  20. - 24. Juli 2005

 
 
   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
 
  [ Glossar ] [ Suche ] [ Homepage ]
 
   
© 2000-2006
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Stand: 14. Mai 2006 Counter Zugriffe seit
dem 03.Juni 2002