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Medienrundschau:
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News vom
29. - 31. März 2005
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Zitat
des Monats:
"Typisch
für Wochenendpendler ist das »Sonntagsgefühl«. Dieses zeichnet
sich dadurch aus, dass die erste Hälfte des klassisch »letzten
gemeinsamen Tages« vor der routinemäßigen Trennung besonders
harmonisch gestaltet werden soll. Zugleich aber ist die zweite
Hälfte des Tages bereits eingetrübt von der bevorstehenden
Trennung - und kann somit auch nicht mehr unbeschwert erlebt
werden. Dabei handelt es sich um eine vorweggenommene
(prospektive) Trauer. (...). Die mögliche Unbeschwertheit der
gemeinsamen Zeit ist dann vorbei, obwohl vielleicht die Abreise
erst gegen Abend geplant ist. (...). Mit dieser Anforderung muss
das Fern-Beziehungspaar umzugehen lernen bzw. einen eigenen Weg
finden".
(aus:
Peter Wendl "Gelingende Fern-Beziehung. Entfernt - zusammen -
wachsen", 2005, S.40f.) |
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- GRAW, Isabelle (2005): Ein Abend im
Münzclub.
Ein After-Hours-Gespräch mit Dirk von Lowtzow,
in: Texte zur Kunst, H.57, März
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- LINTZEL, Aram (2005): Lebenslänglich
Whirlpool.
Über das "Glossar der Gegenwart",
in: Texte zur Kunst, H.57, März
- Inhalt:
Angesichts der Ökonomisierung des Sozialen
beschreibt
Aram LINTZEL zwei Modelle des sanften Widerstandes im
bohemistischen Milieu:
"das strategisch-affirmative
Modell des heroischen Scheiterns, wie es in Ingo Niermanns Band
»Minusvisionen« ausbuchstabiert wurde. (...). Im »Glossar der
Gegenwart« findet sich ein angenehm nüchterner Name für diese
(Berliner) Ideologie des narzisstischen Scheiterns: Sighard Neckel
nennt es in seinem Eintrag zu »Erfolg« einfach das »Reich des
Durchwurstelns«.
Die andere kritische Haltung wäre
das unstrategisch verweigernde Modell der abstrakten Negation, wie
es in letzter Zeit im Hype um das »I prefer not to...« aus Herman
Melvilles »Bartleby« exzessiv durchgespielt wurde. (...). Früher
hätte man das das »Null-Bock-Prinzip« genannt.
LINTZEL geht es jedoch um
etwas Drittes:
"Ziwschen romatisch-heroischem
Scheitern und romantisch-heroischem Absentismus wäre eine dritte
Form kritischer Lebensführung noch zu erfinden. sie müsste sich für
unterschiedliche gesellschaftliche Zonen je eigene Formen der
Gegen-Gouvernementalität ausdenken."
LINTZEL bemängelt, dass das
»Glossar der Gegenwart« zwar eine wichtige Gegenwartsdiagnose
leistet, aber für eine kritische Haltung kaum Ratschläge an die Hand
gibt.
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- GROSCHUPF, Johannes (2005):
Kontaktimprovisationen.
Bericht von einem, der auszog, das Fürchten zu verlernen,
in: Kursbuch, März
- Inhalt:
GROSCHUPF beschreibt einen Versuch, die
Hemmungen, auf fremde Leute zuzugehen, abzubauen:
"Bisher habe ich mich damit begnügt zu
behaupten, ich sei eben schüchtern.
»Schüchtern?« fragt eine Freundin ungläubig nach, »das ist doch
eher ein Wort für ein vierzehnjähriges Mädchen als für einen
vierzigjährigen Mann!« Der noch dazu fast zwei Meter lang ist,
könnte ich anfügen, aber ich nicke bloß. Es ist so. Kontakt mit
fremden Leuten macht mich nervös. Also versuche ich ihn soweit wie
möglich zu vermeiden."
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- BLÜM, Norbert (2005): Wenn der
Billigste gewinnt.
In der Sozialpolitik zählt Barmherzigkeit mittlerweile mehr als
Gerechtigkeit. Deutschland sit auf dem Weg zum bloßen Fürsorgestaat,
in: Die ZEIT Nr.14 v. 31.03.
- Kommentar:
Norbert BLÜMs Beitrag ist im Internet nicht zu lesen. BLÜM geht
es nicht um Generationengerechtigkeit, sondern um soziale
Gerechtigkeit. Er plädiert für die Beibehaltung der
Beitragsfinanzierung und gegen einen Steuerfinanzierung. Altbekannte
Standpunkte vom Opelaner, der für seine Kumpels in die Bresche
springt...
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- WINKLER, Thomas (2005): Grüße aus
Herr-Lehmann-Land.
Als es für die Sonne immer entweder zu früh oder zu
spät war: Das West-Berlin der achtziger Jahre wird gerade wieder
entdeckt,
in: Frankfurter Rundschau v. 31.03.
- Kommentar:
Für WINKLER markiert der Film
"Herr Lehmann" den Anfang einer
West-Berlin-Nostalgie, die sich um den 80er-Jahre-Mythos von der
Frontstadt rankt:
"Mittlerweile
sitzen diejenigen, die damals fröhlich ihre Adoleszenz
verschwendeten, als Kuratoren oder Kulturredakteure an den medialen
Schaltstellen und lassen die alten Zeiten im Zuge des
allgemeinen Eighties-Revivals wieder aufleben. Was sie nun wieder
entdecken, ist ihre eigene wildeste Zeit - jene Jahre, an die es
sich zu erinnern lohnt.
Die persönliche Biografie der jetzt 40-Jährigen
spiegelt sich in den Bildern, in den Klängen: So wie die
Einstürzenden Neubauten, Die tödliche Doris und
ihr Umfeld sich nicht nur aufs Musikmachen reduzieren lassen wollten
und die absichtlich falsch geschriebenen Genialen Dilletanten
erfanden, (...) so war man doch auch ein bisschen selbst. Projekte
wie Berlin Super 80 oder unlängst eine
Fotostrecke in
Florian Illies' Kunstzeitschrift Monopol dokumentieren mithin
nicht nur jene frühen Achtziger, sondern mindestens genauso die
damalige Prägung der heutigen Multiplikatoren. Der Mythos lebt.
Noch aufschlussreicher mögen die Romane von Sven
Regener sein. In seinem letzten,
Neue Vahr Süd, beschreibt der Sänger der Band Element of Crime,
deren Beitrag zu den West-Berliner Achtzigern ebenfalls nicht zu
unterschätzen ist, unterhaltsam und exakt die Atmosphäre in der
bundesdeutschen Provinz in jenen Jahren, jene klaustrophobische, von
Begriffen wie »Nachrüstung« und »Endlagerung« geprägte
Weltuntergangsstimmung, deren Flucht- wie Kristallisationspunkt die
Mauerstadt war."
Was aber, wenn man damals nicht
zum harten Kern der Szene gehörte? Dann war nicht viel von "Spaß und
Aufbruch" zu spüren, sondern es blieb nur "ein konzentriertes
Stillsitzen auf dem Rande des Vulkans".
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HOLM, Kerstin (2005): Sibirien wird noch leerer.
Aus russischen Zeitschriften: Furcht vor Bevölkerungsabnahme,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 31.03.
- Inhalt:
Kerstin HOLM schreibt in ihrer Zeitschriftenrundschau
über den "schrumpfenden Organismus des russischen Volkes"...
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- DPA (2005): Frauen treffen
entscheidende Partnerwahl.
Studie über "Fastdating" in Deutschland,
in: Tagesspiegel v. 30.03.
- Kommentar:
Aus einer Untersuchung an
20 Frauen und
26 Männern beim Fastdating in München haben Forscher die
evolutionsbiologische These abgeleitet, dass Frauen bei der
Partnerwahl primär einen Vater suchen, während es Männern in erster
Linie um einen Sexpartner geht.
Eine solche Ableitung kann jedoch nicht die
Partnerwahl von Menschen ohne Kinderwunsch erklären:
"Ein 34-jähriger Arzt aus Köln sagte seinen Eltern
schon mit zahn, dass er keine Kinder wolle. Er glaubt nicht an eine
Bestimmung zur
Fortpflanzung. Er sagt: »Bei den meisten Menschen läuft ein
biologisches Programm ab, es bringt sie dazu, sich fortpflanzen zu
wollen. Ich habe dieses Programm nicht. Oder es ist nicht
aktiviert.« Er war nie mit einer Frau zusammen, die auf jeden Fall
ein Kind wollte. Er glaubt, dass er bei Frauen merkt, wenn sie
Kinder wollen, und sich deshalb gar nicht erst zu ihnen hingezogen
fühlt", berichtet Meike DINKLAGE im
BRIGITTE-Dossier vom
15.03.2005
Die Familienpolitikforscherin Irene GERLACH
schätzt das Ausmaß der gewollten Kinderlosigkeit in ihrem Buch
"Familienpolitik"
auf 10 % in Deutschland.
Die Grenze zwischen gewollter und ungewollter
Kinderlosigkeit kann dabei durchaus unterschiedlich gezogen werden,
wie ein Vergleich mit Christine CARLs Studie zeigt.
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KETTELHAKE, Silke (2005): Ghettos in Göttingen.
"Ganz unten", das kann ein
Slum in Niedersachsen sein. Am Rande der Gesellschaft wohnen ihre
Verlierer, die Sozialfälle, die Süchtigen - und keine Hoffnung mehr,
in: TAZ v. 30.03.
- Inhalt:
Single-Appartements einmal ganz anders:
"Im
Hagenweg 20, das war die einzige Chance, hatte sie eine neue Wohnung
für Wilma B. Hierhin, in Wohnungen mit von Kakerlakenautobahnen
durchzogenen Wänden, kann man niemanden ruhigen Gewissens bringen:
Alkohol pur, über 165 Einzimmerapartments, deren Eigentümer sich
einen Dreck um die Instandhaltung kümmern. Zur eigenen
Altersvorsorge gedacht, entpuppten sich die schicken
Studentenappartements als verwohnte Aufbewahrungsschachteln für
soziale Problemfälle - renovieren lohnt sich hier nicht mehr.
"
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SCHLAK, Stephan (2005): Der Nicht-Anschlussfähige.
Erkundungen für die
Präzisierung der Gefühle rund um einen Aufstand (5): Ach,
Gewaltvorwurf! Wogegen man Rudi Dutschke wirklich verteidigen muss,
das ist die repressive Ironie der Nach-68er. Er bleibt ein Stachel im
Bewusstsein derjenigen, die ihren Frieden mit der Bundesrepublik
gemacht haben,
in: TAZ v. 30.03.
- Inhalt:
Stephan SCHLAK attackiert die
konvertierten 68er und die "repressive Ironie" der taz:
"Dutschke
erinnert daran, dass die Linke auch einmal eine unromantische Seite
hatte.
Dagegen haben die 68er sich mit der Zeit immer
mehr auf die ironische, romantische Linie geschlagen. Theoretisch
konkret gesprochen: Sie haben erst den Frieden mit dem System und
dann mit der Theorie des Systems gemacht. In Hundertschaften sind
sie in den Achtzigern zu Niklas Luhmanns Systemtheorie übergelaufen,
wo ihr Zauberwort der »Anschlussfähigkeit« ja auch die eigentlich
wahre theoretische Heimstätte hat.
Dabei hat Luhmann mit den 68ern nie viel anfangen
können. 20 Jahre nach der Revolte reduzierte der Meister in dieser
Zeitung die Revolte. »Zufällige Vorfälle, der Schuss auf Benno
Ohnesorg zum Beispiel, schossen die Studenten aus der Gesellschaft
hinaus - und von da ab konnte man über den Rasen laufen.« Aber weil
so viel Kontingenz natürlich biografisch wenig hergibt, hat der
bekehrte 68er sich eine ganz eigene Systemtheorie zusammengebastelt.
Vor allem mit Luhmanns Supercodes »Gut/Böse« und
»Inklusion/Exklusion« ließ sich unter Wegfall aller anderen
Theorieunterscheidungen vorzüglich die altlinken Abgrenzungsrituale
- Wer gehört dazu? - und Diskriminierungen weitertreiben.
Dass 68 nicht in der Theorie eines Bielefelder
Verwaltungsjuristen aufgeht, dass die rebellischen Jahre sich nicht
einfach zivilisatorisch mit der satten Bundesrepublik verrechnen
lassen - das ist das einzige Versprechen der Revolte, das sich noch
nicht restlos verbraucht hat. Und so vertrauen wir einfach darauf,
dass Rudi auch von der repressiven Ironie der taz nicht liberal
integriert werden kann. Was an Dutschke heute fasziniert, ist nicht
das bundesrepublikanisch Anschlussfähige, sondern das Unzeitgemäße,
das angestrengt Ideologische - der rebellische Charme des
Authentischen."
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KESSEN, Peter (2005): White Trash im NS.
Götz Aly, die Flicks, die
Elite und die Auftragsforschung,
in: Jungle World Nr.13 v. 30.03.
- Inhalt:
KESSEN kritisiert das Geschichtsverständnis
von
Götz ALY:
"Götz
Aly hat mit einer Pseudokritik der »Volksgemeinschaft« einen neuen
Diskurs des Nationalen geschaffen. Sein Vulgärmaterialismus lässt
den tödlichen Antisemitismus der Deutschen verschwinden, streicht
die Elite der Bourgeoisie aus der Volksgemeinschaft, um mit dem
beliebten Topos von der »Banalität des Bösen« eine sanft verständige
und aktuelle Kritik der Unterschichtsmentalität in die Geschichte zu
projizieren: »Die Menschen in Deutschland waren während des Zweiten
Weltkrieges weithin passiv. Sie jagten dem kleinen Vorteil
hinterher, frei nach dem Motto: Geld ist geil.«
Übrig bleiben nur noch die abstraktesten Motive
der Tatlosigkeit, Beschränktheit, Unmoral und Geldgier, quasi als
Motive eines White Trash vieler Länder, der bei Gelegenheit ebenso
gen Stalingrad gezogen wäre. In diesem Sinne hat Götz Alys
»Volksstaat« den Holocaust internationalisiert und entgermanisiert."
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- SCHRÖDER,
Christoph (2005): Hellwach, völlig berauscht.
Träume und Sexualität in kunstvoller Diffusität: Rainer
Merkels Roman "Das Gefühl am Morgen",
in: Frankfurter Rundschau v. 30.03.
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BISKY, Jens (2005):
Staatsvergessenheit.
Das Wachstum ist nicht der Schlüssel zum Gemeinwohl,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.03.
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Zu den News
vom
23. - 28. März 2005
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