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News vom
14. März 2006
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Zitat
des Monats:
"Frauen,
die einsam sind, haben in der Wahrnehmung der Außenwelt »keinen
abbekommen«. Außer sie sehen aus wie Cameron Diaz, lachen
wie Penélope Cruz und haben einen Körper wie Helena Christensen.
Einsame Frauen haben ein massives Imageproblem. Während Männer
sich als »einsame Wölfe« in ihrer Selbstversunkenheit suhlen und
stilisieren dürfen (...), müssen Frauen noch sehr häufig
defensiv auftreten. Die selbstbewußte Singlefrau ohne tristen
feministischen Überbau und verhärmte Jungfern-Ideologie wurde Anfang des 21.
Jahrhunderts erst durch TV-Serien wie
»Sex and the City« salonfähig. Die einsame Frau wurde sexy
und aufregend, für Männer jeden Alters Herausforderung wie
Verlockung. Und dennoch scheint sich dies noch nicht
herumgesprochen zu haben.
In Deutschland
haben einsame Frauen noch das größte Emanzipationspotential.
Insofern kann man dieses Buch auch als feministisches lesen.
Über Jahrhunderte waren einsame Frauen als Hexen oder alte
Jungfern Außenseiter. Im Laufe der Emanzipation des 20.
Jahrhunderts hat sich das langsam geändert, aber erst jetzt
werden Frauen, die zu ihrer Einsamkeit stehen,
selbstverständlich.
(...).
Der einsame Mann
mißversteht sich als Held und verkennt, daß er in einer auf
Familie und Gemeinschaft ausgerichteten Gesellschaft ein
Mängelwesen ist. Gleichzeitig fungiert er in bürgerlichen
Gesellschaften als Leitbild eines konsequenten Individualismus:
Sein Freiheitsdrang schreckt auch vor den
Härten absolut verstandener Bindungslosigkeit nicht zurück.
Aber souverän und nicht pathologisch ist das Einsam-sein-Können
nur, wenn ihm gleichwertig das Mit-anderen-sein-Können
gegenübersteht."
(aus:
Ulf Poschardt "Einsamkeit", 2006, S.48f. & 74f.)
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DATH, Dietmar (2006): Der autistische Messias,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.03.
- Kommentar:
"Leben Sie gern allein? Mißlingt Ihnen fast immer die
Herstellung von Blickkontakt, wenn Sie mit jemandem reden? Haben sie
fixe Gewohnheiten und Vorlieben, die Sie bis zur Verbohrtheit
verteidigen, wenn etwas Überraschendes Sie bedroht? Wirken Sie oft
unterkühlt und desinteressiert? Haben Sie Schwierigkeiten damit,
sich in andere Menschen hineinzuversetzen? Beschäftigen Sie sich am
liebsten mit Ihren Obsessionen, und sind diese knifflig, abseitig
oder bizarr?
Wenn Sie auf alle diese
Fragen mit „ja” antworten können, dann sind Sie vielleicht das,
wovon philosophisch inspirierte Menschenzüchter von Friedrich
Nietzsche bis Peter Sloterdijk geträumt haben: die Verkörperung der
nächsten Stufe der Humanevolution."
So beginnt
Dietmar DATH seinen Artikel über
den Literaturwissenschaftler Gary WESTFAHL, der Autismus als
positives Lebensgefühl aufwerten möchte.
Vom entgegen gesetzten
Ende der Verhaltensskala her, also vom versierten Teamplayer, hat
sich zuletzt Ulf POSCHARDT dem Begriff
"Einsamkeit" genähert, um ihm seinen schlechten Ruf zu nehmen.
Im schmalen
Berührungspunkt beider Ansätze ginge es dann darum, das
Alleinseinkönnen und Kreativsein zusammen zu denken. Diesen
vernachlässigten Aspekt menschlichen Verhaltens hat auch der
Soziologe Peter GROSS mit seiner Soziologie des Nicht-Sozialen im Sinn
gehabt.
Dietmar DATH
interessiert sich dagegen nicht für diese positiven Aspekte des
Nicht-Sozialen, sondern widmet sich der mangelnden Empathiefähigkeit
als Kern des Autismus.
Dies führt ihn
in die Welt der Science-Fiction, in der sich die "lästige"
Empathiefähigkeit einfach wegoperieren lässt:
"Menschen,
die aus tausenderlei Gründen unter dem Zwiespalt leiden, einerseits
von ihrem Hirn dazu angeleitet zu werden, Intimität zu suchen, und
andererseits dieses Ziel nie zu erreichen - unglückliche Singles
also - entscheiden sich bei Egan dafür, jenes evolutionäre Geschenk,
das ihnen eine Last ist, operativ entfernen zu lassen, so wie sich
Menschen, die keine Kinder wünschen, heute sterilisierenden
Eingriffen unterziehen.
Ich schau dir nicht mehr in die Augen, Kleines
Die Pointe ist, daß diese Menschen sich danach nicht als ärmer,
sondern als klüger und überlegen empfinden".
Für DATH ist der
Empathieunfähige gleichzeitig auch der Angstlose. Wünschenswert wäre
es deshalb für ihn das Schicksalhafte der Evolution einfach
abzuschaffen, um sie zu steuern:
"Wenn Evolution Schicksal
ist, führt sie unter den gegebenen Vorzeichen zum arbeitsfähigen
Autisten. Wenn man sie aber steuern kann, führt sie vielleicht zur
Solidarität, das heißt zu einer Welt, in der die Angst nicht deshalb
verschwindet, weil ihre biologische Grundlage entfällt, sondern weil
wir ihre soziale abgeschafft haben."
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BAX, Daniel (2006): Eine Boheme alla turca.
Feine Unterschiede (8): In
Deutschland hat sich mittlerweile eine breite türkischstämmige
Mittelschicht etabliert. In ihren Vorstellungen von Bürgerlichkeit
lässt sie sich auch von ästhetischen Vorbildern aus der Türkei leiten,
in: TAZ v. 14.03.
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MÜLLER, Uwe & Joachim PETER (2006): Wenn das Volk schrumpft.
Der demographische Niedergang
Deutschlands bremst das künftige Wirtschaftswachstum. Die Politik kann
ihn nicht aufhalten,
in: Welt v. 14.03.
- Kommentar:
Die Welt nutzt die Gesellschaft des
SCHIRRMACHER-Spektakels, um eine Prognose des Geburtenrückgangs für
das Jahr 2005 zu lancieren, die sich bereits
am 20. Januar
andeutete. Nur ob es sich dabei um einen Rückgang der Geburtenrate
handelt wie das Frank
SCHIRRMACHER in seinem Buch "Minimum"
behauptet, das belegen die Daten noch nicht.
-
MÜLLER, Uwe & Joachim PETER (2006): "Das ist dramatisch".
Michael Hüther, Chef des
Instituts der deutschen Wirtschaft, über Kinder und Konjunktur,
in: Welt v. 14.03.
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ADAM, Konrad (2006): Drei Wege aus der Kinderlosigkeit,
in: Welt v. 14.03.
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SEIBT, Gustav (2006): Kann denn Leben Sünde sein?
Vielfalt oder Orgie, Swingerclub oder Paradies mit 77 Jungfrauen:
Gerhard Schulze verteidigt das massenhafte Glück der
Konsumgesellschaft, wo Fleisch und Geist sich versöhnen können,
in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 15.03.
- Kommentar:
Gustav SEIBT hat das Buch
"Die Sünde" von Gerhard SCHULZE
einzig unter dem Aspekt des Kulturkampfes zwischen Islam und
Christentum gelesen:
"Gegen beide
Gegner - den Fundamentalismus von außen, aber auch die religiösen
Rückkehrsehnsüchte bei uns selbst - hat Schulze sein Buch
geschrieben, eine warmherzigen, in vielen Passagen wunderbar
konkrete und daher auch illusionslose Verteidigung aufgeklärter,
diesseitiger Glückssuche."
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Zu den News vom 09. -
13. März 2006
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