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Medienrundschau:
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News vom
26. - 28. April 2006
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Zitat
des Monats:
"Er sei es gewohnt,
Distanzen zu ertragen, erklärt Chris, er sehe ja sogar seine
Freundin Anika nur dreimal im Jahr, noch nicht einmal an
Feiertagen. Dass sie sich an Weihnachten verabreden würden, sei
klar, denn da müssten sie beide nie arbeiten, aber Ostern zum
Beispiel, er könne sich nicht daran erinnern wie er die letzten
Osterfeste verbracht hätte. »Irgendwie ging Ostern meistens an
mir vorbei, ich habe noch nicht einmal Eier gekauft. Manchmal
überweist meine Oma ein Osterei auf mein Konto. Ostern ist ein
typisches Pärchenfest. Die Pärchen fahren für ein paar Tage
raus, ein bisschen ins Grüne. Aber wenn man alleine ist oder die
Freundin irgendwo in der Pampa, auf dem Land, aber leider in
einem anderen, dann feiert man Ostern eben nicht. Oder man führt
zu den Eltern. Aber ich will, ehrlich gesagt, nicht mit meinen
Eltern zu dritt am Frühstückstisch sitzen, Vivaldi hören und
bunte Schalen in den Eierbechern stapeln. Diese Festtage werden
doch echt überschätzt.«"
(aus:
Nikola Richter "Die Lebenspraktikanten", 2006, S.51f.)
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DPA (2006): Geburten erreichen Rekordtief.
Negativtrend seit 1972 hält an. Migration wird immer wichtiger,
in: Frankfurter Rundschau v. 28.04.
- Kommentar:
Anlässlich des Erscheinens von SCHIRRMACHERs Buch kam
die Welt auf die glorreiche Idee, man könne doch mal wieder
ein Geburtenrekordtief verkünden.
676.000
Geburten kündigten uns MÜLLER & PETER für 2005 an. Jetzt kommt
die Frankfurter Rundschau und bringt -
wie von single-dasein.de erwartet - rechtzeitig zur
Debatte um das Elterngeld eine Dpa-Meldung in Umlauf, in der
uns jetzt nicht mehr als 690.000 Geburten versprochen werden.
Das
sind immerhin bis zu 14.000 Geburten mehr als am 14. März. Nur wird
verschwiegen, dass diese Prognose des Statistischen Bundesamtes
bereits am 20. Januar 2006 publiziert wurde.
Man
holt also alte Meldungen aus der Mottenkiste heraus, um sie uns als
aktuelle Sensation zu verkaufen. Wie lange lassen wir uns solche
Praktiken eigentlich noch bieten?
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BUHR, Elke (2006): Er ist der Apfelmann.
Jochen Distelmeyer und seine
Band Blumfeld präsentieren auf ihrem neuen Album und rechtzeitig zur
Tournee "Verbotene Früchte",
in: Frankfurter Rundschau v. 28.04.
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ROSS, Andreas (2006): Die Krise der Wohlstandskinder,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.04.
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KILB, Andreas (2006): Zeigt her eure Kinder.
Worüber der neue Familienbericht nichts zu sagen weiß,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.04.
- Inhalt:
KILB empört sich darüber, dass Erfolglose sich
- dank Sozialstaat - genauso wie Reiche - dank ihres Vermögens
- vehement vermehren, während die Mittelschicht schrumpft:
"Das
untere Veirtel oder Fünftel der Gesellschaft, in dem Kinder via
Kindergeld, Sozialhilfe, Mitzuschuß und Kleiderzulage zur
Existenzsicherung gehören, reproduziert sich (...) durchaus, und
auch die oberen drei oder vier Prozent mit ihren Dritt- und
Viertkindern sind nicht vom Aussterben bedroht. Es gibt
Dauerarbeitslosigkeit in dritter und vierter Generation, und es gibt
Villen am Wann- und Chiemsee, die vor Nachwuchs bersten.
Was
schrumpft, sind die mittleren zwei Drittel der sozialen Pyramide:
die Mittelschicht."
-
FRAS, Damir & Daniela VATES (2006): Der teure Partnerbonus.
Mit der Einigung auf zwei
Vätermonate scheint der Streit um das Elterngeld beendet. Doch
Finanzexperten rügen die Mehrkosten, und Sozialpolitiker wollen
ALG-II-Empfänger besser stellen,
in: Berliner Zeitung v. 28.04.
- MARON, Thomas (2006): Fronten
verhärtet.
Elterngeld bleibt strittig,
in: Frankfurter Rundschau v. 28.04.
-
WINKELMANN, Ulrike (2006): Für und gegen mehr Staat.
CDU: Zu den neoliberalen kommen die Neokonservativen,
in: TAZ v. 28.04.
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EUBEL, Cordula & Hans MONATH (2006): Der Wert der Familie.
Die große Koalition will
ein Elterngeld einführen – der Staat soll eine Art Lohnersatz für
Mütter und Väter zahlen. Was können Mütter und Väter künftig vom
Staat erwarten?
in: Tagesspiegel v. 28.04.
-
MARTENSTEIN, Harald (2006): Warum Kinder frei machen,
in: Tagesspiegel v. 28.04.
- Inhalt:
"Der
Staat darf Kindergeld bezahlen, auch an Wohlhabende, denn es ist
wünschenswert, dass Kinder geboren werden. Von Ledigen darf der
Staat deutlich höhere Steuern verlangen als von Verheirateten. Wer
nicht heiratet oder sich scheiden lässt, wird bestraft. Es ist
eben wünschenswert, dass geheiratet wird.Der Staat darf das.
(...).
Nach
Ansicht des CSU-Generalsekretärs Markus Söder darf der Staat aber
auf gar keinen Fall finanzielle Vorteile an die Bedingung knüpfen,
dass Männer aus dem Beruf aussteigen und sich um ihre Kinder
kümmern. Dies, und offenbar nur dies, wäre ein Verstoß gegen
elementare Freiheits- und Menschenrechte.
Konservative
neigen traditionell dazu, Ver- und Gebote auszusprechen. Bei jedem
Problem rufen sie: »Verschärft die Gesetze!« Sie sind wirklich nie
besonders heftige Freiheitsapostel gewesen. Nun hegen sie aber in
ihrer Brust eine Urangst vor dem Kleinkind, die stärker zu sein
scheint als alle politischen Prinzipien. Sperrt Söder einen Tag
lang mit Drillingen zusammen, und er tritt in die FDP ein, nach
zwei Tagen ist er Anarchist",
meint Harald MARTENSTEIN.
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Eva Hermans antifeministischer
Cicero-Artikel in der Debatte
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SCHMITT, Cosima (2006): Vom Glück des Stilles.
Im "Cicero" beschwört Eva
Herman ihre Geschlechtsgenossinnen, die Emanzipation links liegen zu
lassen und sich wieder auf das Glück zu besinnen, das aus ihrem
gebärfreudigen Becken kommt,
in: TAZ v. 28.04.
-
ZUCKER, Renée (2006): Da staunt die Feministin!
Ist Eva Hermans "Cicero"-Artikel
ein Coup des Patriarchats? Haben die Neocons sie losgeschickt, den
Feminismus zu schleifen? SPIEGEL-ONLINE-Autorin und Mutter Renée
Zucker ahnt Böses. Und weiß: Frauen gehören an den Unruhe-Herd,
in: Spiegel Online v. 28.04.
- Inhalt:
"Nun
ist sie nicht die Erste, die sich diese Frage stellt, ihre Gedanken
sind weder originell noch anregend.
Sie
sind vielmehr ein Aufguss der Ideen Philip Longmans,
jenes Fellows des Neocon-Think-Tanks »New America Foundation«, der
seinem Buch über den Bevölkerungsrückgang in westlichen Gesellschaften
»The Empty Cradle« einen auch hierzulande in einschlägigen Kreisen
andächtig zitierten Aufsatz folgen ließ, in dem er die Rückkehr des
Patriarchats voraussagte",
meint Renée ZUCKER.
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MOHR, Reinhard (2006): Mutteralarm in Deutschland.
Eine Hölle namens Familie,
in: Spiegel Online v. 28.04.
- Inhalt:
"Es
gibt kein Zurück in eine vermeintlich heile Welt, sondern nur die
Suche nach neuen Formen und Kombinationen. Phantasie ist gefragt statt
simpler Nostalgie, Kreativität statt reaktionärem Kitsch",
meint Reinhard MOHR.
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DAX, Max (2006): "Mir geht es nicht um Natur".
"Ich singe, was ich sehe":
Jochen Distelmeyer ist der Sänger der Hamburger Band Blumfeld, die mit
"Verbotene Früchte" heute ihr neues Album veröffentlichen. Ein
Gespräch über Einflussangst und Folkmusik, Tierschutz und politische
Militanz
,
in: TAZ v. 28.04.
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GROSS, Thomas (2006): Von der Boheme zur Unterschicht.
Job, Geld, Leben – nichts ist
mehr sicher. Eine neue Klasse der Ausgebeuteten begehrt auf: Das
Prekariat,
in: Die ZEIT Nr.18 v. 27.04.
- Kommentar:
Thomas GROSS liefert einen kurzen historischen
Abriss der Debatte um die Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse,
die er Anfang der 80er beginnen lässt. Den Durchbruch der Debatte
verlegt GROSS auf die Jahrtausendwende:
"Virulent
wurde der Prekarisierungsdiskurs erst, als Anne und Marine Rambach
in ihrer 2001 erschienenen Streitschrift Les intellos précaires
(»Die prekären Intellektuellen«) das Bild einer Intelligenz
entwarfen, die mit dem Widerspruch leben muss, bei relativ hohem
Sozialstatus immer schlechteren Arbeitsbedingungen ausgesetzt zu
sein – und damit in Frankreich einen Bestseller landeten. Neu an der
Debatte sind also nicht ihre Sachverhalte, neu ist die Tatsache,
dass diese die urbanen Mittelschichten ergriffen haben."
In
dem lesenswerten Sammelband
"Generationen"
behauptet der Kulturwissenschaftler
Kaspar MAASE,
dass wir im Zeitalter der postheroischen Generationen angelangt
seien.
Es
stellt sich also die Frage, ob die "Klasse" des Prekariats den
Generationendiskurs in Zukunft ganz erledigt oder ob sich die
Prekarisierten zu einer heroischen Generation zusammenfinden.
Bislang
deutet nicht viel darauf hin, dass entweder das eine oder das andere
zutreffend sein könnte.
Die Hackordnung der Prekarisierten
deutet eher darauf hin, dass sich eine neue Arbeitsordnung
entwickelt. Die urbanen Penner könnten zur neuen Mittelschicht
mutieren - analog zu den Bobos, den Kriegsgewinnler der
Alternativbewegung.
Wenn
Thomas GROSS die Debatte um die Prekarisierung mit der Neuen
Bürgerlichkeit verknüpft, dann ist da die
neue Unterschichtenliteratur auch
nicht weit.
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HILDEBRANDT, Tina & Elisabeth NIEJAHR (2006): Männer an den Herd.
Mit »Vätermonaten« heizt die
CDU-Familienministerin Ursula von der Leyen in ihrer Partei einen
Kulturkampf an – und scheint ihn zu gewinnen,
in: Die ZEIT Nr.18 v. 27.04.
- Kommentar:
Die Debatte um das Elterngeld leidet an einem
blinden Fleck.
Die
Behauptung, dass einst eine Generation zur Entscheidung zwischen
Kind und Karriere gezwungen gewesen sei und dies nun der jungen
Generation nicht mehr zuzumuten sei, vernachlässigt den
entscheidenden Wandel: die Zunahme der Akademikerinnen durch die
Bildungsexpansion der 70er Jahre.
Der
Anteil der Akademikerinnen ist von 2-3 % (1971) auf ca. 30 % (2003)
angestiegen. Dagegen ist der Anteil der kinderlosen
Akademikerinnen im gleichen Zeitraum gesunken.
Das
Vereinbarkeitsproblem jener Akademikerinnen, die im eigenen
Elternhaus keinerlei Vorbilder hatten, ist völlig verschieden von
der heutigen Situation, da eine akademische Müttergeneration
heranwächst, die aus einem akademischen Elternhaus kommt.
Die
wichtigste Scheidelinie verläuft deshalb zwischen der Geburtselite
und den Aufsteigerinnen. Es stellt sich deshalb die Frage, welche
Konsequenzen das Elterngeld für die einen oder die anderen hat.
Es
gibt also möglicherweise gar nicht jene viel beschworene Kontinuität
des Vereinbarungsproblems, sondern es muss davon ausgegangen werden,
dass das
Vereinbarkeitsproblem für Aufsteigerinnen
größer ist als für die Geburtselite.
Wenn
aber nicht zwischen den unterschiedlichen Lebenslagen innerhalb der
Akademikerinnengruppe differenziert wird, dann könnten sich bald
ganz andere Probleme ergeben.
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BALZER, Jens (2006): Obst, Tiere, Transportwesen.
Auf ihrem neuen Album stellen sich Blumfeld den zentralen Fragen
der Existenz,
in: Berliner Zeitung v. 27.04.
- Kommentar:
Die Berliner Zeitung hält sich nicht
lange mit Pro und Contra auf, hält nichts von postmoderner
Erwachsenendefinition, sondern kommt gleich zum Kern.
Jens
BALZER weiß was junge Männer wollen, wenn sie reifen:
"»Lass
uns nicht über Sex reden«
hieß das prägnanteste Stück ihrer frühen Jahre, unter dem Mantel
politischer Melancholie ging es damals in Wahrheit vor allem um
eins: um den Wunsch gedankengetriebener junger Menschen, mit dem
Gerede aufzuhören und endlich zu kopulieren. Die Melancholie, die
aus ihren Stücken erklang, war immer die Melancholie nach dem
ersehnten Koitus.
Lange,
zu lange haben sich Blumfeld damit begnügt, diese Melancholie zur
existenzialistischen Position zu überhöhen. Das kam bei
unausgelasteten jungen Männern eine Weile gut an; doch eigentlich
haben ihre Songs und die damit verbunden Posen schon seit
»L'état
et moi«
(1994) meistens genervt. Auf
»Verbotene
Früchte«
ist das vollkommen anders: Endlich haben Blumfeld herausgefunden,
womit man sich nach dem Ende des Sex trösten kann. Mit der Hoffnung
auf das, was dabei entsteht und den Augenblick übersteigt: dass
Samen und Ei sich zum Kinde verbinden."
Poplinkskulturintellektualität
reimt sich ab sofort müllerwesternhagenhaft auf Elternschaft.
Jene, die sich diesem demografischen Trend der Zeit verweigern,
halten Blumfeld dagegen für onkelhaft.
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WIDMANN, Arno (2006): Doppelte Lottchen,
in: Berliner Zeitung v. 27.04.
- Kommentar:
Der 68er Single-Rhetoriker
Arno WIDMANN nimmt eine Kritik der katholischen
Familienfundamentalisten zum Anlass, um sich über die Berechnung der
Familienförderung zu erregen. Familienfundamentalistische
Lobbygruppen haben ein berechtigtes Interesse, die Familienförderung
klein zu rechnen.
Dass
Haushaltsposten in Debatten Doppelfunktionen haben können, ist ja
keineswegs sensationell.
Dass
aber der Umfang der Familienförderung davon abhängt, was dazu und
was nicht dazu gezählt wird, darüber wissen Singles spätestens
Bescheid, seit mit dem familienfundamentalistischen Institut von
Hans-Werner SINN und dem Kieler Institut für
Weltwirtschaftsforschung
zwei konkurrierende Berechnungsansätze existieren.
Man
darf sicher sein, dass ein anderes Institut wiederum andere
Rechnungen aufstellen würde.
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GRATON, Elise (2006): Heuschnupfen der Hipster.
Moritz von Uslar erfindet
einen Zeitgeist-Journalisten in Berlin-Mitte,
in: Berliner Zeitung v. 27.04.
- Inhalt:
"Gieseking
verkörpert die latent-depressive Stimmung einer Generation, der
nichts neues geboten wird. Trotz bissiger Kritik scheitern aber
seine Versuche, sich über seine Artgenossen zu erheben.
Die Trennung zwischen »Coolen« und »Uncoolen« existiert nicht mehr.
Wo fast jeder Techno-Musik und Drogen kennt, Originalität über
die Bekleidung beweist und Kritik übt sowieso, läge
Unkonventionalität in biederer Normalität. Aber das ist doch zu
langweilig. Gieseking spiegelt den Zeitgeist, in dem er selber
steckt, so scharf wieder, dass es schmerzt. Nur die Reflexionen
darüber nerven",
meint GRATON zum Roman
"Waldstein" von Moritz von USLAR.
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Eva Hermans antifeministischer
Cicero-Artikel in der Debatte
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OESTREICH, Heide (2006): Die ökonomisierte Familie,
in: TAZ v. 26.04.
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KAMANN, Matthias (2006): Wunsch und Wehleid,
in: Welt v. 26.04.
- EUBEL, Cordula (2006): Familiestudie.
Kinder nicht nur Privatsache,
in: Tagesspiegel v. 26.04.
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STEGEMANN, Thorsten (2006): Die Familie: das "Zukunftsmodell unserer
Gesellschaft".
Es gibt viel zu tun: In
Berlin wurde der siebte Familienbericht vorgestellt und etwa das
Problem der "spezifisch deutschen Lebensverlaufsplanung" aufs Korn
genommen,
in: Telepolis v. 26.04.
- Kommentar:
STEGEMANN möchte uns das deutsche Dilemma der
Lebensverlaufsplanung vor Augen führen und zitiert deshalb folgende
Sätze aus dem 7. Familienbericht:
"So
kann man in Frankreich z.B. vom Hilfslehrer zum Professor aufsteigen
- und zwar noch im Alter jenseits der aktiven Elternschaft.
Deutschland hingegen kennt eine »rush hour des Lebens«. Deutsche
Akademikerinnen nehmen sich nach Ausbildungsabschluss und
Berufseinstieg etwa 5 Jahre Zeit, um sich für oder gegen Kinder zu
entscheiden. Das macht bei einer Lebenserwartung von fast 100 Jahren
für Frauen des Jahrgangs 1970 einen Lebensanteil von 2% aus!"
Warum
heißt es nicht von der Hilfslehrerin zur Professorin, obwohl hier
doch die Frauen gemeint sind? Und warum muss die
Lebenserwartungs-Avantgarde zur Erläuterung herhalten?
Der
Bevölkerungsstatistiker Gerd BOSBACH hat darauf hingewiesen, dass
nur 1,3 % der neugeborenen Mädchen 100 Jahre alt werden.
Warum
werden Sachverhalte eigentlich nicht an Normalos sondern an Exoten
erläutert?
Die
deutsche Akademikerin ist zudem eine Vielheit, d.h. die Geburtenrate
und das Erstgebäralter von Akademikerinnen in Deutschland
unterscheidet sich sowohl nach Region (Ost - West) als auch nach
Studienfachwahl.
Müssen
also Exoten herhalten, um ein Phänomen zu erläutern, das nur für
ganz spezielle Fälle gilt?
Man
kann natürlich die
Probleme von Spitzenmüttern
zur Chefsache erklären, man sollte dann aber so ehrlich sein und
dazu sagen, dass damit die GeburtenZAHLEN nicht entscheidend erhöht
werden können.
Deutschland
muss sich entscheiden, ob es eine Leuchtturm-Mütterpolitik will, von
der vor allem die Erfolgreichen profitieren oder ob Familienpolitik
nicht heißt, dass man den unterschiedlichen Lebenslagen von Kindern
und Eltern gerecht wird.
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BLUM, Thomas (2006): Leon muss Pipi.
Kinderwagenschiebezeit,
in: Jungle World Nr.17 v. 26.04.
- Kommentar:
Familienfundamentalisten und Sozialpopulisten können
endlich aufatmen!
Thomas
BLUM liefert ihnen den seit langem ersehnten Artikel eines
Kinderhassers. Jetzt darf fleißig zitiert werden...
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WAIBEL, Ambros (2006): Die Boheme strebt.
Die Boheme ist auch nicht
mehr das, was sie mal war. Ein Text aus der Niemandsbucht,
in: Jungle World Nr.17 v. 26.04.
- Kommentar:
Nachdem Diedrich DIEDERICHSEN bereits
in der Berliner Stadtzeitung zitty einen Abgesang auf die
Bohème geliefert hat, schwelgt nun
Ambros WAIBEL nochmals in seinen
Bohème-Erinnerungen, die mit
Songs der Lassie Singers verbunden
sind, bevor er resümiert:
"Wenn
alle Winkel, in die sie sich einnisten konnte, sozialpolitisch
ausgeleuchtet und versiegelt werden, muss die Boheme etwas tun, was
sie noch nie getan hat: Sie muss sich stellen. Sie muss eine
vernünftige Ausbildung machen, muss Kinder zeugen, muss
Berufsschullehrer werden.
Und
in all die Institutionen, in die sie damit zwangsläufig gerät, muss
sie den Geist des radikalen Unernstes, der Entspanntheit, der Muße
und des Genusses tragen, so, wie aus den Gammlern der sechziger
Jahre die engagierten und fleißigen Achtundsechziger wurden."
Da
darf man gespannt sein, wenn die Bohème den Marsch durch die
Institutionen antritt...
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STAHL, Enno (2006): Wenn ein jeder zum Krämer wird.
Die Zahl der prekär
Beschäftigten wächst. Aber das Prekariat hat nicht dieselben
Interessen wie die Industriearbeiterschaft und ist sehr heterogen,
in: Jungle World Nr.17 v. 26.04.
- Kommentar:
Enno STAHL referiert über die gegenseitigen
Abneigungen von Beschäftigten jenseits des
Normalarbeitsverhältnisses.
Die
Spitzenposition in der Hackordnung der Prekarisierten nehmen zurzeit
wohl die urbanen Penner ein.
Jüngere
dürfen sich dagegen mit den
"Lebenspraktikanten" oder der
"Generazione 1000 Euro" identifizieren.
Die
Elitensoziologie der Generation Berlin spaltet mittels
Inklussion-Exklussion-Trendvokabeln und Anwälte der
Exklussionsklientel sprechen gerne von
Working Poor.
Man
darf sicher sein, dass noch nicht aller Begriffe Abend ist...
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YÜCEL, Deniz (2006): In Holzschuhen.
Projekt Leben,
in: Jungle World Nr.17 v. 26.04.
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FANIZADEH, Andreas (2006): Alter Zombie Migration.
Die Debatte um die
demografische Entwicklung Deutschlands ist eng mit der um die
Zuwanderung verknüpft: Konservative Intellektuelle wie Botho Strauß
oder Frank Schirrmacher versuchen, einen ethnischen Kern der
Gesellschaft zu propagieren,
in: TAZ v. 26.04.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 23. -
25. April 2006
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