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Medienrundschau:
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News vom
29. - 30. April 2006
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Zitat
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"Er sei es gewohnt,
Distanzen zu ertragen, erklärt Chris, er sehe ja sogar seine
Freundin Anika nur dreimal im Jahr, noch nicht einmal an
Feiertagen. Dass sie sich an Weihnachten verabreden würden, sei
klar, denn da müssten sie beide nie arbeiten, aber Ostern zum
Beispiel, er könne sich nicht daran erinnern wie er die letzten
Osterfeste verbracht hätte. »Irgendwie ging Ostern meistens an
mir vorbei, ich habe noch nicht einmal Eier gekauft. Manchmal
überweist meine Oma ein Osterei auf mein Konto. Ostern ist ein
typisches Pärchenfest. Die Pärchen fahren für ein paar Tage
raus, ein bisschen ins Grüne. Aber wenn man alleine ist oder die
Freundin irgendwo in der Pampa, auf dem Land, aber leider in
einem anderen, dann feiert man Ostern eben nicht. Oder man führt
zu den Eltern. Aber ich will, ehrlich gesagt, nicht mit meinen
Eltern zu dritt am Frühstückstisch sitzen, Vivaldi hören und
bunte Schalen in den Eierbechern stapeln. Diese Festtage werden
doch echt überschätzt.«"
(aus:
Nikola Richter "Die Lebenspraktikanten", 2006, S.51f.)
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- SUCHSLAND, Rüdiger (2006): Papas an die
leeren Wiegen?
Der linksliberale
US-Wissenschaftler Phillip Longman sagt einen Sieg des Patriarchats
voraus,
in: Tagesspiegel v. 30.04.
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- PFEIL, Eric (2006): Apfelmann im
Blätterwald.
Jochen Distelmeyer, Sänger der Band Blumfeld, singt jetzt über
Igel, und alle sind sauer,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.04.
- Kommentar:
Es hätte genauso heißen können "alle sind zufrieden,
aber das hätte dann niemand gelesen.
Blumfelds
Album "Verbotene Früchte" polarisiert und PFEIL findet das Album
natürlich gut:
"Das
alles ist, wenn man sich nur ein wenig öffnet, aufregender als der
mit studentenparlamentshafter Piefigkeit zurückgeforderte
Debatten-Rock der neunziger Jahre".
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EMUNDTS, Corinna (2006): Verspielte Emanzipation?
Der Streit um das neue Elterngeld,
in: DeutschlandRadio v. 29.04.
- Inhalt:
"Meist
sind es die Älteren, weit über die Familienphase Hinausgeschossenen,
also nicht mehr Betroffenen, - die empört aufschreien. Die durch
zwei zusätzlich bezahlte, freiwillige und nicht erzwungene
Vätermonate gleich den gesamten Liberalismus dieses Landes bedroht
sehen", kritisiert
EMUNDTS, Jahrgang 1970.
- MENG, Richard (2006):
Verhandlungsmasse Elterngeld.
Die SPD wird einem
Kompromiss nicht vor Montag zustimmen, um beim Koalitionspoker etwas
in der Hand zu haben,
in: Frankfurter Rundschau v. 29.04.
- MIES, Petra (2006): Väter zwischen
Wunsch und Wirklichkeit.
Mehr als 80 Prozent der
Männer wollen mehr in der Familie helfen - doch allein der Versuch
stößt in der Arbeitswelt oft auf Widerstand,
in: Frankfurter Rundschau v. 29.04.
- SPERBER, Katharina (2006): Wer über
Kindermangel klagt, weicht der Verteilungsfrage aus.
Deutschland vergreist und
schrumpft, so geht die Klage. Doch die demografische Hysterie
verschleiert die wirklich wichtige Frage: Wie und an wen wird der
erwirtschaftete Wohlstand verteilt?
in: Frankfurter Rundschau v. 29.04.
-
LÖWISCH, Georg (2006): "Der SPD steht das nicht gut zu Gesicht".
Der SPD-Sozialexperte Karl
Lauterbach meint, das Elterngeld sei in Zeiten von Kinderarmut nicht
zu vertreten,
in: TAZ v. 29.04.
- Inhalt:
"Der
Staat vermittelt den Eindruck, dass ihm die Kinder der
einkommensstarken Akademikerinnen wichtiger sind. Das ist ein
falsches Signal. Es ist auch nicht die Aufgabe des Staates die
Kinderquote von Akademikerinnen zu erhöhen. Zudem ist auch die
Grundlage falsch: Es ist nicht so, dass 40 Prozent der
Akademikerinnen langfristig kinderlos sind. Neuere Studien sehen
die Quote ungefähr bei der von Nichtakademikerinnen",
kritisiert Karl LAUTERBACH
-
OESTREICH, Heide (2006): Arm zahlt für Reich,
in: TAZ v. 29.04.
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- SIMON, Ulrike (2006): Was für eine
Frau.
Die „Tagesschau“-Sprecherin
Eva Herman sagt, was sie über berufstätige Frauen denkt – nichts Gutes,
in: Tagesspiegel v. 29.04.
- Inhalt:
"Als
von der Emanzipation der Frau noch niemand sprach, hatten Frauen
übrigens – außer im Haushalt – nichts zu sagen. Schon gar nicht hätte
man sie Beiträge zu gesellschaftspolitischen Fragen schreiben lassen,
ob sie nun klug sind oder nicht. Auch das ist eine Errungenschaft der
Gleichberechtigung",
meint SIMON.
- KRAMM, Jutta (2006): Der Mutter-Mythos.
Deutschlands Patriarchen
kämpfen ihre letzte Schlacht. Sie wollen, dass die Frauen das Land
retten - und mit den Kindern zu Hause bleiben,
in: Berliner Zeitung v. 29.04.
-
FRANCK, Julia (2006): Lust am Leben.
Die Demokratie fördert den
Anspruch, alles zur selben Zeit haben zu wollen,
in: Kölner Stadt-Anzeiger v. 29.04.
- Inhalt:
Die Schriftstellerin
Julia FRANCK verteidigt den
Feminismus gegen seine Verächter:
"Die
Werte, die Demokratie und Emanzipation geschaffen haben, sind für mich
zweifellos große, ohne sie hätte ich keinerlei Bildung erfahren und
könnte mir wohl kaum aussuchen, mit welchem Mann oder welcher Frau ich
heute mein Bett und meine Gedanken teile.
(...).
Mit meinem Beruf ernähre ich meine Kinder. Würde ich es nicht tun,
könnte es kein Vater, sondern läge ich dem Staat auf der Tasche.
(...).
Selbst
Tochter einer ehemals berufstätigen, alleinstehenden Mutter und
schließlich über Jahrzehnte von der Sozialhilfe lebenden Frau, möchte
ich darauf hinweisen, dass ich die Zeit, in der meine Mutter
gearbeitet hat als eine weit fröhlichere und stärkere in Erinnerung
habe, als die Zeit danach. Um die Wahrheit zu sagen, ich empfand es
als Zumutung eines Tages von früh bis spät einer Mutter ausgesetzt zu
sein, deren beruflicher Weg abgebrochen war, die mir unglücklich
erschien und die mir keine neuen Schuhe und auch keine Schulbücher
kaufen konnte."
-
KULLMANN, Katja (2006): Rodeo der Rollenbilder.
Der Angriff auf die
Emanzipation als Teil einer reaktionären Bewegung,
in: Kölner Stadt-Anzeiger v. 29.04.
- Kommentar:
Wer sich wie
Katja KULLMANN über die immer
lauter werdenden Rufe, dass Frauen gefälligst wieder an den Herd
zurück sollen, aufregt, dann aber die nationalkonservativen
Dramatisierungen des Geburtenrückgangs übernimmt, der muss sich
vorhalten lassen, dass er längst Teil der reaktionären Bewegung
geworden ist.
KULLMANN schreibt:
"Die
Geburtenrate in Deutschland sinkt seit zwei Jahrzehnten, auf
statistisch nunmehr 1,35 Kinder je Frau. Mindestens 2,2 Kinder
müssten es sein, um die Sozialsysteme zu erhalten. Väter beteiligen
sich nur zu 1,8 Prozent an der Elternzeit. Deutschland hinkt im
europaweiten Vergleich beschämend hinterher, was die staatliche
Kleinkinderbetreuung angeht. 40 Prozent der Akademikerinnen
entscheiden sich auch aus diesem Grund von vorneherein gegen Kinder."
Weder
sinkt die Geburtenrate seit zwei Jahrzehnten, noch bleiben 40 % der
Akademikerinnen kinderlos. Und der Erhalt der Sozialsysteme hängt in
erster Linie nicht von der Geburtenrate ab, sondern vom Verhältnis
der Beitragszahler zu den Rentenbeziehern. Dieses Verhältnis ist
durch hohe Arbeitslosigkeit und rasante Zunahme
sozialversicherungsfreier Jobs wesentlich stärker gefährdet als
durch den demografischen Wandel.
Aber
im Grunde interessiert das Katja KULLMANN eigentlich alles gar
nicht, denn seit Emanzipation zur Klassenfrage geworden ist, kämpfen
besser verdienende Mütter und kinderlose Karrierefrauen
Seite an Seite mit den
Mittelschichtmännern gemeinsam gegen die Unterschicht:
"Mauschelt
und munkelt es nicht schon längst, in den Talk-Runden und an den
Supermarktkassen, dass die »falschen« Frauen die »falschen« Kinder
kriegen? Dass der Unterbau der Gesellschaft sich zwar vermehrt, die
Elite aber degeneriert? Ist das nicht der eigentliche Schmerz, der
unsere »Schöpfungs«-Gemeinschaft dieser Tage erschüttert, der uns
den »Seelenfrieden« raubt?"
Die
entscheidende Frage der Zukunft lautet: auf welcher Seite sucht der
Feminismus sein Heil?
Die
FAZ hat im Jahr 2005 einen
Artikel von Stanley KURTZ veröffentlicht, in dem die
Koalitionsmöglichkeiten der Feministinnen ( = kinderlose
Karrierefrauen) in Zeiten des Bevölkerungsrückgangs analysiert
werden. KURTZ - und mit ihm die Verfechter des neuen Patriarchats -
geht davon aus, dass der Feminismus beseitigt werden muss.
Was
passiert also, wenn der Feminismus ums Überleben kämpfen muss? KURTZ
geht davon aus, dass der Feminismus zur reaktionären Bewegung
verkümmern wird.
Das
Beispiel Katja KULLMANN lässt befürchten, dass KURTZ Recht behält.
Irgendwann zwischen "Generation Ally" und "Fortschreitende
Herzschmerzen" hat die Geschichte der kinderlosen Karrierefrau eine
ungute Wendung genommen...
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- GRAUPNER, Heidrun (2006): Von anderen
Ländern lernen.
Der Familienbericht der Bundesregierung empfiehlt eine
kinderfreundliche Politik wie in Nordeuropa, Frankreich oder
Großbritannien,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.04.
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- LEINKAUF, Maxi (2006): Frédéric
Beigbeder über Bürgerlichkeit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.04.
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- FUCHS, Oliver (2006): Tausendmal
erlebt, doch es weigerte sich.
Erwachsenwerden jenseits der Dreißíg: Moritz von Uslars erster
Roman schaut verzweifelt liebend auf die Wirklichkeit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.04.
- Kommentar:
Wenn ein Popjournalist einem Pop-Autor das
Pop-Etikett nicht umhängen möchte, sondern verzweifelt um Kopf und
Kragen rezensiert, dann ist das eine der Merkwürdigkeiten des neuen
deutschen Adult-Pop.
Was
Blumfelds Album
"Verbotene Früchte" für die Musik
ist, das ist Moritz von USLARs
"Waldstein" für die Popliteratur:
Die Wende zum Adult-Pop.
Das
liest sich bei FUCHS dann so:
"Am Ende kehrt Gieseking nach Waldstein zurück. Es
sit der 5. Juni 205. Er staunt, wie grün alles ist. Wie die Vögel
zwitschern und die Hasen hopsen. Jetzt fließen die Sätze ruhig
dahin. Am nächsten Morgen hängt Gieseking gemeinsam mit Ellen Wäsche
auf. Ist das eine Vision, wie sie Sterbende haben? Oder ist er schon
tot? Nein, vermutlich ist Gieseking bloß erwachsen geworden, spät,
aber hey! Da hat einer seine Sprache verloren und eine Art von Glück
gefunden. Er ist frei."
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- SEIBT, Gustav (2006): Opfer '06.
Die Bildungskatastrophe, die Wertedebatte und die heillose Macht
des Vulgären in den Massenmedien,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.04.
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OSANG, Alexander (2006): "Die gehen Elche jagen".
Der amerikanische Autor
Phillip Longman über die Rückkehr des Patriarchats, den wachsenden
Einfluss der religiösen Fundamentalisten und das Aussterben der 68er
Generation,
in: Spiegel Nr.18 v. 29.04.
- Inhalt:
LONGMAN ist der Meinung, dass das späte
Gebären ein sterbender Trend ist:
"Die
Töchter der Sechziger- und Siebziger-Jahre-Feministinnen zum
Beispiel wollen nicht die gleichen Fehler machen wie ihre Mütter.
1979 gaben nur 45 Prozent aller jungen Frauen Amerikas an, dass
Mutterschaft ihr höchstes Lebensziel ist. Heute sind es 68 Prozent.
SPIEGEL: Und
irgendwann bekommen sie mit vierzig Kinder, weil sie es sich dann
leisten können.
Longman: Nein. Das
ist ein sterbender Trend, glaube ich. Kinder sind teuer. Wenn man
viele Kinder bekommt, dann nur, weil man es als seinen Auftrag
begreift. Die alten, weltlichen Eltern, die Sie meinen, suchen sich
ihre Kinder wie Haustiere. Sie sind keine Stammhalter, sondern
Spielgefährten, eine Zerstreuung. Alte Eltern sagen sich: entweder
ein Pudel oder ein Kind. Manche warten auch so lange, bis es zu spät
ist. Ich bin einer von ihnen. Meine Frau und ich haben mit 40 ein
Kind adoptiert. Kurz danach ist meine Frau an Brustkrebs gestorben.
Ich habe noch mal geheiratet. Ich bin 50, mein Sohn ist 10. Ich habe
dieses Leben selbst gelebt."
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Zu den News vom 26. -
28. April 2006
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