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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   

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News vom Januar 2001

 
   
  • STEINKOHL, Sibylle (2001): "Es läuft eine Entwöhnung".
    Warum Kinder in München nicht mehr zum Alltag gehören,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 29.01.
    • Inhalt:
      Interview mit der Kinderbeauftragten von München, die sich als Mutter eines Kindes eine gute Wohnlage leisten kann:
                  "In dem Viertel gibt es viele Kinder und gute Einrichtungen für sie (...) Kinder sind hier kein Konfliktthema."
                  Andere haben es schlechter und deshalb steht der Konflikt Familien contra Singles im Mittelpunkt des Gesprächs.
 
   
  • LÖFFLER, Rita (2001): Sorgerecht für Väter ohne Trauschein.
    Ohne Zustimmung der Mutter des Kindes geht nichts,
    in: Ostsee-Zeitung v. 29.01.
 
   
  • BERTRAM, Jörg (2001): Wohnen im Loft ist Lebensart.
    Der Charme des Außergewöhnlichen ist in Berlin Trend geworden - schöner wohnen in ehemaligen Fabrikanlagen,
    in: Welt am Sonntag v. 28.01.
 
   
  • PETROPULOS, Kostas (2001): Keine Halbheiten, bitte!
    Familiengeld und mehr Ganztagsbetreuung reichen nicht aus: Unsere Gesellschaft muss ein neues Verhältnis zur Familie finden,
    in: Rheinischer Merkur Nr.4 v. 26.01.
 
   
  • LAGARDE, Dominique/DAOUDI, Mounia/GACEMI, Baya (2001): Femmes du Maghreb.
    Les nouveaux chois des femmes,
    in: L'Express v. 25.01.
    • Inhalt:
      Im Maghreb, den ehemaligen französischen Kolonien Algerien, Marokko und Tunesien hat in den letzten 30 Jahren ein dramatischer Geburtenrückgang stattgefunden: von 7,5 Kinder auf etwas mehr als 2 Kinder pro Frau.
      • Kommentar:
        Alice SCHWARZER müsste neidisch sein auf diesen "Gebärstreik" und den deutschen Familienpolitikern sollten die Argumente ausgehen. Modernisierungsschub durch die 68er?
 
   
  • SIMON, Ulrike (2001): Printlandschaft.
    Neue Blätter braucht das Land
    in:
    Tagesspiegel v. 24.01.
    • Inhalt:
      SIMON zitiert u.a. GRUNER + JAHR-Sprecher Kurt OTTO:
                  "Eine Lücke im deutschen Zeitschriftenmarkt glaubt er in dem Themenumfeld zu entdecken, das der Zukunftsforscher Peter Wippermann die »Ich AG« bezeichnet. Dazu gehören Zeitschriften, die auf die Bedürfnisse, Probleme und Wünsche jener zunehmenden Gruppe von Menschen eingehen, die allein in einem kleinen Haushalt leben.
 
   
  • SANTIAGO, Marlise (2001): Wenn Frauen jüngere Männer lieben.
    Was ist dran am jungen Mann? Immer mehr Frauen wollen es wissen,
    in: Brückenbauer Nr.4 v. 23.01.
 
   
  • HARTMANN, Elke (2001): Leben wie Sandra?
    Sicherheit und Separation: Wohlhabende Berliner verschanzen sich in modernen Festungen. Zutritt verboten,
    in: Focus Nr.4 v. 22.01.
    • Kommentar:
      Der Focus hat das Thema "Luxuswohnungen mit Doorman" entdeckt (siehe Spiegel Nr.49 v. 04.12.2000). Auf einem Foto kann man eine 26jährige Karrierefrau mit "Roboterkatze" (das passende Symbol für ultramoderne Singles) bestaunen. So soll also der typische Bewohner einer modernen Festung aussehen?
 
   
  • FOCUS (2001): ...zum Glück mit Ehevertrag,
    in:
    Focus Nr.4 v. 22.01.
    • Kommentar:
      Coverstory über DAS Thema, das seit B & B trendy ist. Damit die Scheidung nicht zum Fiasko wird, gleich bei der Hochzeit daran denken und einen Ehevertrag aufsetzen. Romantik pur ist out, das können sich nur Habenichtse oder Heiratsschwindler leisten...
 
   
  • WEITHOLZ, Arezu (2001): Das Ziel ist im Weg.
    Ständig unterwegs zwischen New York und London: Die "Nylons" zelebrieren eine neue Form von Heimat und Gegenwart,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 22.01.
    • Kommentar:
      WEITHOLZ schreibt über Fernlieben (im doppelten Sinn). Das Leitbild ist hier Madonna und der SF-Roman "Snow Crash" von Neil Stephenson.
                  Multilokalität wird als Ressourcenverbrauch und Heimatlosigkeit kritisiert. Das nachbarschaftliche Leben kommt dadurch zum Erliegen, aber die Einheimischen scheinen das eher als Vorteil zu empfinden. In etwa so wie Vermieter, die froh sind über Mieter, die keinen Lärm machen und pünktlich ihre Miete zahlen.
                  Der Jet-Set-Bericht übersieht jedoch, dass Fernlieben bereits heute ein alltägliches Phänomen mit zunehmender Tendenz ist. Karin FREYMEYER & Manfred OTZELBERGER haben darüber das Buch "In der Ferne so nah - Lust und Last der Wochenendbeziehungen" verfasst.
                  Die Autoren neigen jedoch ebenfalls dazu, dieses Phänomen in der Luxusklasse anzusiedeln. Aufgrund der Massenarbeitslosigkeit ist dieses Phänomen jedoch schon in der Mittelklasse weiter verbreitet als es in den Medien zum Ausdruck kommt. Die Zunahme der Einpersonenhaushalte ist ein sichtbarer Indikator, der immer wieder fehlinterpretiert wird (siehe nächster Artikel).
 
   
  • HACKER, Doja (2001): Der einzige Zeuge.
    Doja Hacker über den Vereinzelungsterror,
    in: Tagesspiegel v. 22.01.
    • Kommentar:
      HACKER geht vor die Tür - dort wo die Hälfte in Einpersonenhaushalten wohnt - und sucht die Singles, die von Houellebecq, Sloterdijk und anderen Vereinzelungsterroristen beschrieben werden, aber sie findet nur Paare.
                  Wenn sie sich diese Kulturpessimisten genauer anschaut, muss sie feststellen "dass die Menschen, die uns den Vereinzelungsterror einreden wollen, selbst alle in funktionierenden Partnerschaften leben, diese mitnichten gegen einen Cybersexhandschuh austauschen möchten und auch zur Fortpflanzung, wenn sie denn sein soll, die überlieferte Methode bevorzugen, das wundert mich."
                  Vielleicht sollte Hacker aber einmal abseits der Bohème-Stadtviertel suchen und auch Mehrpersonenhaushalte nicht ausklammern. Bei den Modernisierungsverlierern unter den Singles ist das Elend zu finden und nicht bei den Yuppies!
 
   
  • SIEMS, Dorothea (2001): Kinder, Küche und Karriere.
    Die Familienpolitik steht bereits jetzt als Wahlkampfthema 2002 fest,
    in: Welt v. 22.01.
    • Inhalt:
      Argumentationshilfe für wohlhabende Frauen, die Beruf und Familie vereinbaren wollen.
 
   
  • GEBHARDT, Miriam (2001): "Ich heirate einen Millionär". Einserschülerin sucht Märchenprinz.
    Aufs Geld, sagt Katja, sei es ihr überhaupt nicht angekommen. Trotzdem war sie Kandidatin bei der RTL-Show. Aber warum bloß? Was hat sie dazu gebracht, sich vor aller Öffentlichkeit der Lächerlichkeit preiszugeben?
    in: Tagesspiegel v. 21.01.
    • Kommentar:
      Der Artikel ( im Stile eines Illustriertenjournalismus à la Frau im Spiegel) handelt vom Unglück, eine Klassenkameradin zu haben, die Journalistin geworden ist.
                  GEBHARDT hat ihre Mitschülerin bei ihren "15 Sekunden Berühmtheit", (diese werden von Andy WARHOL auch unbegabten Laienschauspielern zubilligt) erkannt als sie trampelnd und bemüht lächelnd über die Fernsehbühne getrieben wurde.
                  Die schüchterne Katja (Pseudonym) , die strickend zur Eins in Deutsch kam (die Turnnote wird nicht genannt), trotz linker und feministischer Indoktrination auf einem Kind beharrt und deshalb zu jedem Mittel greift, wird von GEBHARDT als typisch für die "Null-Bock-Generation" (nutzloses geisteswissenschaftliches Studium statt BWL) hingestellt.
                  Katja fühlt sich wie Vanina aus ROTHMANNs Roman "Flieh, mein Freund!" und hat einige gescheiterte Beziehungen - sogar eine Ehe - hinter sich und ist immer noch nicht geheilt von den Männern: "Die Männer (Und Journalistinnen auch, möchte man hinzufügen!) müssen es irgendwie riechen, was Katja erpressbar macht. Sie wünscht sich Familie".
                  Ein Artikel für alle, die mit ihrer Ehe/Familie unzufrieden sind und lesen wollen, dass Singles - selbst Einserschülerinnen - auch nur unzufrieden sind.
                  Ansonsten ein Beispiel für die Boulevardpresse-Berichterstattung über Kinderlose und die Gefahr, die Nicole DÖRING vor kurzem beschrieben hat:
                  "Die größte Gefahr liegt (...) in einem unkontrollierten Rückfluss der Informationen in das nahe soziale Umfeld"
                  Da kann man nur einen Ratschlag geben: Wenn nicht der Traumprinz, sondern GEBHARDT vor der Tür steht, sofort die Tür wieder zuschlagen, sonst kommt so etwas dabei raus...
 
   
  • BECK-GERNSHEIM, Elisabeth (2001): Auf immer und ewig. Die Liebe in den Zeiten der Individualisierung.
    Die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern sind kompliziert: Je mehr die moderne Welt durchrationalisiert wird, je mehr die Menschen eine individuelle Lebensführung anstreben, desto grösser wird die Bedeutung von Liebe und Zweisamkeit. Die Flexibilisierung der Arbeitswelt steht zudem im Widerspruch zu dem, was langfristige Beziehungen - zumal wenn sie sich zu einer Familie auswachsen - brauchen: Kontinuität und Solidarität, einen festen Rahmen von Zeit und Ort.
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 20.01.

 
   
  • PFEIFFER, Franziska (2001): Ein Baby muss her.
    Erst kommt das pralle Leben, Ausbildung, Karriere - und dann die Panik. Frauen über 30 entdecken ihre eigentliche Berufung: das Mutterglück,
    in: Frankfurter Rundschau v. 20.01.
    • Kommentar:
      PFEIFER ist etwas ungehalten über die Frauen, die erst im Beruf Karriere machen und dann auch noch das Sahnehäubchen "Kind" obendrauf wollen.
                  In der Frage der Planbarkeit von Kindern argumentiert sie auf der Linie von STÖBEL-RICHTER und Günter BURKART. "Schicksal-Babys" nennt sie solche Kinder, die aus "Entscheidungsnot" entstehen. Den Traum von der leichten Geburt zerstört sie durch "unvorstellbare Qualen" bei der Geburt und "Wochenbett-Depression".
 
   
  • HÖLSCHER, Astrid (2001): Emotionale Sprengsätze.
    Europas Familien im Zentrum der Bitburger Gespräche,
    in: Frankfurter Rundschau v. 19.01.
    • Kommentar:
      Der ehemalige Bundespräsident Roman HERZOG plädiert für die Abschaffung des Ehegattensplittings, d.h. die kinderlosen Ehepaare sollen mit Eltern nicht mehr gleichgestellt werden.
                  Er begründet dies mit der Bezahlbarkeit von Familienpolitik: "nur mit den Singles kann man das nicht finanzieren". HERZOG spricht damit etwas aus, was Sozialpolitiker gerne hinter der verschleiernden Formulierung vom "Familiensektor" verstecken.
                  Aber auch HERZOG sagt nur die halbe Wahrheit, wenn er kinderlose Ehepaare heranziehen will, denn die Kinderlosen von heute sind mehrheitlich die Eltern von morgen. In der Sozialpolitik geht es im Kern um Verteilungskonflikte zwischen Familien, wie unlängst Verena Kern in der TAZ darlegte.
 
     
   
  • EICHSTÄDT, Sven (2001): Familienpolitik.
    "Niemand bekommt ein Kind, weil er 1000 Mark will"
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.01.
    • Kommentar:
      EICHSTÄDT argumentiert mit den Ergebnissen einer Studie der Leipziger Soziologin Yve STÖBEL-RICHTER gegen die Forderungen nach Erhöhungen des Kindergeldes.

                  Die Studie beschäftigt sich mit Unterschieden des Kinderwunsches in den alten und neuen Bundesländern. EICHSTÄDT schreibt: "Häufig ist der Kinderwunsch nicht geplant". Er meint jedoch, dass Kinder oft nicht geplant sind. Dies hat bereits Günter BURKART 1994 in seinem Buch "Die Entscheidung zur Elternschaft" in seiner Kritik an ökonomischen und soziologischen Entscheidungstheorien ausgeführt.
                  BURKART unterscheidet manifeste Entscheidungen vom latenten Kinderwunsch, der zu ungeplanten, aber nicht unerwünschten Schwangerschaften führen kann. Der Kinderwunsch ist für BURKART in erster Linie eine emotionale und keine rationale Angelegenheit. Auch STÖBEL-RICHTER sieht emotionale Gründe vorherrschen.
                  Daneben spielt auch die soziale Erwünschtheit eine Rolle: "Ein Kind ist für mich notwendig, um als Erwachsener anerkannt zu werden". Dies widerspricht den Argumentationen, die behaupten, dass Kinderlosigkeit heutzutage kein Makel mehr ist.
                  Hinzu kommt, dass Kinder den Charakter von Statussymbolen erhalten. Zu einem erfolgreichen Leben gehören Kinder. Darauf hat DRIBBUSCH in der TAZ v. 09.01.2001 hingewiesen.
 
   
  • FORD, Carolin (2001): Single und glücklich,
    in:
    Petra, Februar (erschienen am 18.01.)
 
   
  • MEIER, Markus B. (2001): Relativ reich, total glücklich.
    Im besten Alter, in festen Händen und in führender Stellung - aber ja keine Kinder. Das ist die provokative Antwort der Wirtschaftsforschung auf die Frage nach den Faktoren menschlichen Glücks,
    in: Facts Nr.3 v. 18.01.
    • Kommentar:
      MEIER erstellt eine Hierarchie der Glücklichen:
                  "Verheiratete sind glücklicher als Singles, Frauen glücklicher als Männer, gut Ausgebildete glücklicher als weniger Gebildete, Selbstständige sind glücklicher als Angestellte, Berufstätige glücklicher als Arbeitslose - und: Von der Geburt bis zum 30. Altersjahr nimmt das Glück ab, danach steigt es wieder".
                  An dieser Hierarchie fällt auf, dass man sie auf die Faktoren Erfolg und Sicherheit reduzieren kann.
                  Das Unglück bricht herein, wenn Kinder kommen: "Paare ohne Kinder sind leichter zufrieden als solche mit Kindern im Haushalt". Daraus zu schließen, dass Kinderlose glücklicher sind, ist jedoch ein Trugschluss, denn MEIER bezieht sich hier nur auf eine Familienphase und nicht auf das "Kinderhaben" wie er nahe legt. Eltern werden ja keine Kinderlose, nur weil die Kinder aus der elterlichen Wohnung ausziehen, auch wenn dies die amtliche Statistik so ausweist und die Familienpolitiker dies so sehen. 
                  Generell sind solche allgemeinen Aussagen wenig sinnvoll. In einer Lebenslaufperspektive müssten eher die Übergangsphasen in den Blick genommen werden. Dies ist das zentrale Manko der Studien, die MEIER vorstellt.
 
   
  • ADAM, Konrad (2001): Weiblicher Paternalismus.
    Die SPD kommt von der Vorstellung nicht los, die Frauen zu ihrem Glück zwingen zu sollen,
    in: Welt v. 18.01.
    • Inhalt:
      Konrad ADAM befürwortet die Hausfrauenfamilie und kritisiert eine Politik der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
 
   
  • SCHLIESSELBERGER, Helmut (2001): Weibl., ledig, jung, sucht...
    Partnerinstitute fahren gut mit dem Geschäft mit der Hoffnung der Singles auf Zweisamkeit. Partnersuchende nicht immer,
    in: Salzburger Nachrichten v. 17.01.
 
   
  • WESTFÄLISCHE NACHRICHTEN (2001): Die Kinder gehen - die Singles kommen.
    Aktuelle Studie: Umland-Gemeinden umwerben junge Familien,
    in: Westfälische Nachrichten v. 17.01.
    • Kommentar:
      Münster möchte gut verdienende Familien in der Stadt halten (im Amtsdeutsch heißt dies "junge, sozial integrierte und leistungsstarke Haushalte"), denn die gut verdienenden Singles bleiben sowieso. Schlechtverdienende Familien und Singles sind überall unbeliebt.
 
   
  • DIEDERICHSEN, Diedrich (2001): Luhmann mit langem U.
    Besser als die rollende Möllewelle sind die empirischen 68er, die noch wissen, dass Politik mit Inhalten zu tun hat, allemal: die elastischen Netze der Systemtheorie halten sie cool,
    in: Frankfurter Rundschau v. 17.01.
    • Inhalt:
      Diedrich DIEDERICHSEN, ein Angehöriger der Single-Generation, beschreibt die Entstehung des Hedonismus-Vorwurfs aus dem Kampf der Lebensstile im linksalternativen Milieu nach 1968. Er sieht eine Entwicklungslinie, die "über Sid Vicious, der als erstes prominentes 68er Kind seine eigene Kaputtheit auf die Exzesse seiner Mutter zurückführte, zu Michel Houellebecq".
 
   
  • GROßKOPFF, Rudolf (2001): Hier irrt Kassandra,
    in:
    Stuttgarter Zeitung v. 17.01.
    • Inhalt:
      GROßKOPFF bejaht Individualisierung und Globalisierung als grundsätzlich positive Entwicklungen. Er lehnt Etiketten wie "Egoismus" oder "Bindungslosigkeit" ab und verweist auf den Gestaltwandel der Familie, der von Politik und Interessengruppen anzuerkennen ist:
                  "Der Staat, die Verbände, die Kirchen haben die Pflicht, diesen Zustand in seiner Realität wirklich anzuerkennen (nicht nur theoretisch) und all jenes moralisch und wirtschaftlich zu unterstützen, was die Dauer im Wechsel fördert".
 
     
   
  • SALZBURGER NACHRICHTEN (2001): Das Geschäft mit Gerichten für Singles boomt,
    in:
    Salzburger Nachrichten v. 16.01.
  • EGGER, Barbara (2001): Solo und doch im Duett.
    Single sucht Single. Nicht, weil er oder sie auf der Suche nach der großen Liebe ist, sondern schlicht deswegen, weil es sich zweisam einsam besser lebt,
    in: Salzburger Nachrichten v. 16.01.
 
   
  • SANTIAGO, Marlise (2001): Ein Baby mit vierzig.
    Immer mehr Frauen erwarten ihr erstes Baby nach 30. Welches sind die Chancen und Risiken einer späten Mutterschaft?
    in: Brückenbauer Nr.3 v. 16.01.
 
   
  • BRINCK, Christine (2001): Jenny Elvers statt Sophie Scholl.
    Rosenkriege, turtelnde Minister, kuschelnde Sportler - unserer Jugend fehlen die Vorbilder,
    in: Welt v. 16.01.
 
   
  • SCHROER, Markus (2001): Urbanität im Netz.
    Der Cyberspace als "gute Gesellschaft",
    in: Telepolis v. 15.01.
    • Inhalt:
      Der Soziologe Markus SCHROER skizziert die urbanen und antiurbanen Positionen und zeigt auf, dass sich diese Positionen auch in der Debatte um das Internet wieder finden. Er hält diese Fortführung des "Stadt- und Urbanitätsdiskurses mit Netzmitteln" für unfruchtbar und plädiert für die Erforschung der Auswirkungen des Netzes auf reale Städte.
      • Kommentar:
        Der antiurbane Diskurs ist immer auch eine Kritik am Single-Dasein gewesen. Stadtluft macht frei, aber krank: Anonymität, Einsamkeit und Isolation sind die Stichworte.
 
   
  • KERSCHBAUMER, Judith & Mechthild VEIL (2001): Wo bleibt die eigenständige Alterssicherung der Frauen?
    Die Rentenreform und die zahlreichen Nachbesserungen. Ein Blick auf den gegenwärtigen Stand,
    in: Frankfurter Rundschau v. 15.01.
    • Inhalt:
      Die Autoren kritisieren den Entwurf der Rentenreform aus der Perspektive von Frauen, die sich dem Ideal der Vereinbarkeit von Familie und Beruf verpflichtet sehen.
                  Das Ziel ist die Entkopplung der Rentenansprüche von der Ehe. Dies bedeutet eine Gleichbehandlung von nicht-verheirateten und verheirateten Müttern und der Abbau der Hinterbliebenenrente zugunsten kindbezogener Leistungen.
 
   
  • DÖRING, Nicola (2001): Öffentliches Geheimnis.
    Online-Tagebücher - ein paradoxer Trend im Internet,
    in: c't Nr.2 v. 15.01.
    • Kommentar:
      Die Psychologin Nichola DÖRING hat einen lesenswerten Beitrag über das Phänomen "Online-Tagebuch" geschrieben.
                  Im Gegensatz zu weit verbreiteten kulturpessimistischen Klagen über den Untergang des Abendlands angesichts neuer Medien, versucht DÖRING herauszuarbeiten, warum Online-Tagebücher eine konsequente Weiterentwicklung traditioneller Tagebücher sind und welche Unterschiede zwischen beiden Textsorten bestehen.
                  DÖRING stellt nicht die beliebte Abwehrformel "Narzissmus" in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen, sondern das "Bedürfnis nach realistischer Selbsteinschätzung".
 
     
   
  • KERN, Verena (2001): Endstation Familie.
    Die Familie ist nicht in der Krise, sie ist in der Sackgasse. Dorthin gebracht haben sie nicht ihre Feinde, sondern ihre Freunde - mit tätiger Unterstützung der Familienpolitik,
    in: TAZ v. 13.01.
    • Kommentar:
      KERN vertritt in dem Dossier meine These vom Kampf der Lebensstile, der im Kern zwischen verschiedenen Familienformen ausgefochten wird und nicht zwischen Singles und Familien (siehe mein Essay v. 18.11.2000). 

                  Den Trend zum Single-Dasein bezeichnet KERN als "optische Täuschung; Einpersonenhaushalte werden in der Mehrzahl von verwitweten Rentnern und Rentnerinnen geführt". Die Konsequenzen dieser Aussage werden jedoch nicht weit genug ausgeführt.  
                  KERN argumentiert in erster Linie aus der Perspektive von Patchworkfamilien, während die weit verbreitete multilokale Mehrgenerationenfamilie nicht zur Sprache kommt (siehe hierzu meine Kritik an Karin JÄCKEL).
                  Abgesehen von dieser Einseitigkeit sind KERNs Ausführungen ein wichtiger Impuls für die festgefahrene Debatte. Es wäre zu wünschen, dass dieser Beitrag endlich eine lange überfällige Diskussion in den Feuilletons der deutschen Zeitungen einleitet.
 
   
  • KLEIS, Constanze (2001): Freestyle statt Frühstück.
    Endlich Sonntag. Ausschlafen. Und genießen. Man mische Breakfast und Lunch - heraus kommt Brunch. Die Geschichte einer Mahlzeit der Überraschungen, die auch der Seele Nahrung gibt,
    in: Frankfurter Rundschau v. 13.01.
    • Inhalt:
      KLEIS sieht im Brunchen eine kulinarische Revolution dem das "goldene Kalb des Familienlebens, der Sonntagsbraten" zum Opfer gefallen ist. Brunchen ist eine gesellige Angelegenheit im Kreise der Wahlfamilie, die Frühaufsteher und Langschläfer zusammenbringt.
 
   
  • BOHRER, Karl Heinz (2001): Eine Phänomenologie des Einzelnen. Die gesellschaftskritischen Möglichkeiten des dichterischen Blicks.
    Wovon darf sich der kritische Kopf mehr versprechen: von normativer Gesellschaftstheorie oder von der seismographischen Wahrnehmung und Schilderung menschlicher Zustände, individueller wie kollektiver? - Einige Argumente, die für das kritische Potenzial des dichterischen Blicks sprechen,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 13.01.
    • Inhalt:
      BOHRER fordert eine "Phänomenologie des einsamen, unglücklichen, hoffnungsvollen Menschen". Als Beispiel nennt er den "deutschen Houellebecq" Botho Strauß. Gegen die Demokratie, die "gewollte und institutionell abgesichterte Mittelmässigkeit" fördert, will BOHRER Elitebildung und ein Pathos des "Strahlenden und Herausragenden" setzen.
      • Kommentar:
        Dies ist quasi die altmodisch formulierte Variante von "Tristesse Royale".
 
   
  • SCHWISCHEI, Gerhard (2001):Typen von Singles
    in:
    Salzburger Nachrichten v. 12.01.
    • Kommentar:
      Eine Sammlung von Stereotypen, die sich hoffentlich nur der verzerrten journalistischen Darstellung und nicht der zugrunde liegenden Studie verdankt...
  • STEHRER, Sabine (2001): Thor trifft Toronto.
    Singles lassen sich gern verkuppeln. Nicknames tragen sie beim anonymen Anbandeln im Fünf-Minuten-Takt, das in Wien Furore macht,
    in: Salzburger Nachrichten v. 12.01.
 
   
  • RUTZ, Michael (2001): Gegen Verhütung und Abtreibung.
    Auf dem Wege zu einer kinderfreundlichen Gesellschaft die Enzyklika "Humanae Vitae" wiederentdecken, empfiehlt der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner,
    in: Rheinischer Merkur Nr.2 v. 12.01.
    • Kommentar:
      Die katholische Kirche ist eine traditionelle Institution für kinderlose Singles. In ihrem Buch "Single Blessedness" (1976) hat Margaret Adams die religiösen Wurzeln des "gesegneten Single-Daseins" beschrieben:
                  "In earlier times the religious vocation (which is one of the oldest institutions catering to unmarried members of society) was a very useful mechanism for absorbing a substantial segment of female society into a life pattern other than marriage and motherhood."
                  Verweltlichte Formen finden sich heute in der Popkultur wieder. In den 80er Jahren finden sich bei der Popsängerin Madonna Anklänge an Nonnen und Jungfräulichkeit ("Like a virgin") und heutzutage ist Britney Spears eine Vertreterin dieser Entwicklungslinie des Single-Daseins.
                  Ein weiteres Beispiel wäre das Bremer Beginenhof-Projekt (siehe SZ v. 30.12.2000), das an religiöse Formen des Single-Daseins anknüpft.
                  Die gegenwärtige kirchliche Debatte verschweigt solche Entwicklungslinien, wenn undifferenziert über die "familienfeindliche Gesellschaft" geredet wird und das Single-Dasein als Ausdruck der "Spaßgesellschaft" auf Hedonismus reduziert wird...
 
   
  • KORN, Wolfgang (2001): Hilfe, unsere Liebe wird vermessen!
    Macht Liebe blind? Ist Sex ihr einziger Zweck? Gibt es eine Theorie der Liebe? Die Forscher wollen es jetzt wissen
    in: Weltwoche Nr.2 v. 11.01.
    • Inhalt:
      Ein Überblick über naturwissenschaftliche Ansätze, die das "Phänomen Liebe" mit technischen Mitteln erforschen. Diese Ansätze sind gerade wieder einmal en vogue und versprechen auf alle Fälle Forschungsgelder, aber der Autor bezweifelt den Erkenntnisgewinn.
 
   
  • SCHWISCHEI, Gerhard (2001): Der Freiheit verpflichtet.
    Unabhängig, flexibel, genussorientiert: Die Zahl der Singles wächst. Zweifelhaft bleibt, ob sie tatsächlich auch glücklichere Menschen sind,
    in: Salzburger Nachrichten v. 11.01.
    • Kommentar:
      SCHWISCHEI setzt das Leben im Einpersonenhaushalt mit Partnerlosigkeit gleich, ein weit verbreiteter Irrtum.

                  In dem Artikel wird eine Studie von ROSENMAYER und KOLLAND erwähnt, ohne dass Näheres zu deren Single-Verständnis gesagt wird. Auch sonst ist der Artikel sehr inhaltsleer. Was soll man von Sätzen halten wie: "In Zeitgeistmagazinen finden sich immer häufiger Geschichten über die Leiden der neuen Singles". Der Satz stimmt seit Ende der 80er Jahre eigentlich immer. Und das Fazit überrascht auch nicht mehr: "Das Image der Singles ist ramponiert". Im SPIEGEL konnte man das ausführlicher schon letztes Jahr lesen und auch schon früher immer wieder einmal.
  • STEHRER, Sabine (2001): Die Leiden der Singles,
    in:
    Salzburger Nachrichten v. 11.01.
    • Kommentar:
      STEHRER hat eine alte Pressemeldung der Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächstherapie in Köln für eine Story über die Leiden der Singles verwendet. Generalisierende Aussagen im Stile "Das Single-Dasein ist gekennzeichnet..." sind schon von vornherein irreführend, denn die Psychotherapeuten können nur Aussagen über Singles machen, die in ihre Praxis gekommen sind. Der Rest muss deshalb nicht unter den gleichen Problemen leiden...
 
   
  • NIEJAHR, Elisabeth (2001): Geld allein macht nicht kinderreich,
    in:
    Die ZEIT Nr.3 v. 11.01.
    • Inhalt:
      Elisabeth NIEJAHR bezweifelt die Wirksamkeit bevölkerungspolitischer Maßnahmen. Familienförderung kann nach ihrer Ansicht nur den Zeitpunkt der Familiengründung verändern, aber nicht die Anzahl der gewünschten Kinder beeinflussen. Als Beispiel für die Wirkungslosigkeit nennt sie Schweden.
 
     
     
   
  • BOSSHART, Maja (2001): Netzwerkerinnen.
    Weil in der Informatikbranche Tausende Stellen offen sind, entdecken Firmen die Frauen. Plötzlich sind Karriere und Kinder vereinbar,
    in: Facts Nr. 2 v. 11.01.
    • Inhalt:
      BOSSHARDT rückt das Stereotyp vom sozial vereinsamten Hacker (Nerd) zurecht, das nicht mehr identisch ist mit den IT-Berufen, in denen Technik mit Kommunikation und Betriebswirtschaft einhergehen.

                  Damit möchte sie Frauen ermuntern, die IT-Berufe zu ergreifen, denn Frauen hätten besonders gute Chancen: "Heute gehört es zum guten Ton, wenn Firmen Frauen unterstützen". Auch das Stereotyp der kinderlosen Karrierefrau trifft nicht zu: "In der IBM sind weltweit etwa 60 Prozent der Frauen in Schlüsselpositionen erwerbstätige Mütter".
 
   
  • MOHR, Seraina (2001): Ein Luxus-Problem.
    Jeder dritte Mieter sucht eine neue Bleibe. Die teuren Wohnungen sind am heissesten umkämpft,
    in: Facts Nr. 2 v. 11.01.
    • Inhalt:
      MOHR beschreibt den Kampf zwischen kinderreichen, wohlhabenden Familien, Doppel-Karrierepaaren (im Artikel fälschlicherweise als doppelverdienende Paare bezeichnet) und einkommensstarker Singles (auch Yuppies oder Yetties genannt) um prestigeträchtige Wohnlagen und Luxuswohnungen.
                  Das urbane Wohnen im Loft ist gefragt bei dieser kleinen Gruppe, die wirtschaftliche Zentren wie Zürich, Zug und Genf bevorzugt.
 
   
  • GRAW, Isabelle (2001): Der Körper der Königin.
    Im Yogakurs mit Madonna: Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere macht sich die Selbstinszenierungskünstlerin Madonna rar. Als Ikone des Feminismus hat sie ausgedient. Großbritannien hofft in ihr die neue Königin der Herzen gefunden zu haben,
    in: TAZ v. 10.01.
    • Inhalt:
      Gemäß Isabelle GRAW sollte Madonna den freigewordenen Platz von Lady Di einnehmen.
                  Madonna verkörpert die beruflich erfolgreiche Mutter, eine Powerfrau, die ihre Familie als Managerin fest im Griff hat (aber ihre privilegierte Situation gerne ausblendet). Mit Sätzen wie "Es sei doch bekannt, dass man die besten Dinge im Leben nicht planen könne, die würden einem nämlich widerfahren und einen selbst am meisten überraschen" grenzt sie sich andererseits gegen das Bild der "strategischen Powerfrau" ab.
 
   
  • SANTIAGO, Marlise (2001): Wunschkinder.
    In der Schweiz werden jährlich rund 550 Kinder adoptiert. Im Mittelpunkt soll in Zukunft vermehrt deren Wohlergehen sein,
    in: Brückenbauer v. 09.01.
 
   
  • DRIBBUSCH, Barbara (2001): Eine doppelte Hierarchie.
    Streit um Babyprämien: Kinder sind nicht nur ein Armutsrisiko,
    in: TAZ v. 09.01.
    • Inhalt:
      DRIBBUSCH weist auf das familienzentrierte Wertesystem unserer Gesellschaft hin:
                  "Heute (...) hat sich eine doppelt gewirkte Hierarchie herausgebildet - eine heimliche Rangordnung von Status und Glück. Ganz oben in dieser Hierarchie steht der beruflich erfolgreiche Mann, der sich nicht nur eine, sondern möglicherweise irgendwann sogar noch eine zweite Frau und Familie leisten kann. Ganz unten in dieser Doppelhierarchie aus Geld und Bindung hingegen stehen allein stehende, kinderlose und beruflich erfolglose Frauen. Eher oben rangieren Familien, in denen die Frau und Mutter auch noch einen Beruf ausübt. Weiter unten stehen kinderreiche, sozial schwache Familien und Alleinerziehende auf Sozialhilfe."
                  Die verteilungspolitisch motivierte Debatte leugnet dieses Wertsystem und verstärkt damit die Diskriminierung der Benachteiligten. DRIBBUSCH fordert deshalb:
                  "Weder die vielköpfige Familie mit geringem oder gar keinem eigenen Arbeitseinkommen darf stigmatisiert werden noch kinderlose Frauen, die sich nicht für ein Kind entscheiden konnten, wollten oder die nicht den richtigen Mann dazu gefunden haben".
 
   
  • ZACH, Brita (2001): Erkner: Für jedes neue Baby erhalten Mieter zwei Wohnungskaltmieten,
    in:
    Berliner Morgenpost v. 08.01.
    • Inhalt:
      Die städtische Wohnungsgesellschaft von Erkner betreibt kommunale Bevölkerungspolitik. Man rechnet mit 20 - 30 Geburten bei 3000 Mietern.
      • Kommentar:
        Wir wollen hoffen, dass die Wohnungsgesellschaft nicht zahlungsunfähig wird...
 
   
  • KRENTZ, Karin (2001): Investoren verschlafen die aktuellen Wohnungsbautrends.
    Trotz schrumpfender Bevölkerung und wachsender Leerstände fehlen Wohnungen: solche mit viel Raum für Singles,
    in: Welt v. 08.01.
    • Kommentar:
      Ein Institut mit dem Aufgabenbereich "Zukunftskonditionierung" (klingt nach einer Produktionsstätte für selbsterfüllende Prophezeiungen) prognostiziert bis zum Jahr 2020:
                  "höhere Lebenserwartung, Zunahme der Haushalte bei gleichzeitiger Verringerung der Haushaltsquote (der Zahl der im Haushalt lebenden Personen) sowie ein Anwachsen des Wohnflächenverbrauchs".
                  Warum in der Schlagzeile nur von Singles die Rede ist, obwohl der Flächenverbrauch bei Paaren und Familien ebenfalls steigt, das liegt wohl daran, dass familiärer Flächenzuwachs politisch korrekt und Flächenzuwachs bei Singles moralisch bedenklich ist.
                  Spätestens hier muss aber ein Hinweis auf die krassen Unterschiede bei den Einkommen der verschiedenen Single-Gruppen stehen, denn nur sehr wenige und sehr gut verdienende Yuppies können sich Lofts leisten, Karrierefrauen (nicht zu verwechseln mit erwerbstätigen Singlefrauen in schlecht bezahlten Berufen) leisten sich eine Reihenhaushälfte, ältere Witwen verbleiben in der zu großen Familienwohnung, während der Rest entweder nicht das Geld hat oder sich als unfreiwilliger (meist männlicher) Single mit einem engen Single-Appartement begnügt.
                  Die Angabe von durchschnittlichen Flächenverbräuchen täuscht eine nicht vorhandene Homogenität bei den Singles vor, ist aber ein beliebtes Stilmittel, um die Polarisierung Singles contra Familien zu betonen.
 
   
  • BÖHMER, Willi (2001): Single sucht Solohaus, pflegeleicht.
    Ulms Bürgermeister Wetzig: Gebot der Stunde heißt flächensparend und urban. Die Wohnwünsche haben sich gewandelt, sagt Bürgermeister Wetzig. Gesucht ist verstärkt das pflegeleichte Einfamilienhaus für Singles und Pärchen ohne Kinder,
    in: Schwäbische Donauzeitung v. 08.01.
    • Kommentar:
      Die Ulmer möchten sich die Rosinen aus dem Singlekuchen picken:
                  "Die Familie mit zwei Kindern, die viel Wohnraum und einen großen Garten sucht, wird immer seltener. (...) An ihre Stelle treten zunehmend der Single oder das kinderlose Paar, das 60 statt 38 Stunden in der Woche arbeitet und mit der Rasenmäher-Generation der Väter nichts mehr am Hut hat. Ein klein wenig Grün wollen sie rund um ihr freistehendes Heim, aber tunlichst so, dass sie dafür nicht zu viel Zeit aufwenden müssen. Darauf muss die Stadt reagieren, wenn es darum geht, neue Baugebiete auszuweisen".
                  Single meint hier Yuppie oder Karrierefrau (siehe meinen Kommentar zu KRENZ in der Welt v. 08.01.).
 
   
  • Süssmuth (2001): Mehr Geld, mehr Kinder, mehr Zukunft.
    Wer Frauen verweigert, Beruf und Kinder zu vereinbaren, riskiert gesellschaftliche Stabilität,
    in: Tagesspiegel v. 08.01.
    • Inhalt:
      SÜSSMUTH stellt eine rhetorische Frage, auf die sie nur eine Antwort gibt:
                  "Welche Gesellschaft wollen wir? Eine Gesellschaft, in der 30 bis 40 Prozent eines Altersjahrgangs kinderlos bleiben oder eine Gesellschaft, in der Kinder selbstverständlich dazugehören? Wenn wir Letzteres wollen, führt kein Weg an einer starken ideellen und finanziellen Familienförderung vorbei."
    • Kommentar:
      Familienpolitiker aller Parteien tun alles mögliche, um ihren Wählern beim Kindergeld nicht sagen zu müssen: Liebe Wähler, wir möchten eine Umverteilung zwischen verschiedenen Familienphasen.
                  Kinderlose, die Kinder erst zu einem späteren Zeitpunkt wollen, sollen vorher erst einmal dafür zahlen, dass sie ihr Geld später wieder zurückerstattet bekommen.
                  Eltern, die nicht mehr mit ihren Kindern zusammenwohnen, sollen jene Eltern finanzieren, die mit ihren Kindern zusammenwohnen. Dieses sogenannte Nullsummenspiel möchten die Politiker unter keinen Umständen ihren Wählern kundtun. 
                  Stattdessen wird den Eltern weisgemacht, dass es so viele finanzstarke, lebenslange Kinderlose gibt, dass diese die Eltern finanzieren könnten. Dazu haben schlaue Wissenschaftler den Schlüsselbegriff "Familiensektor" erfunden. Siehe dazu meinen Kommentar (mit weiterführendem Link) zu POSENER in der Welt v. 08.01.
                  SÜSSMUTH käme in die Klemme,
           
      wenn sie beweisen müsste, dass es möglich wäre 30-40 % eines Altersjahrgangs vom Kinderkriegen abzuhalten. Das würde die Schaffung von vielen neuen Arbeitsplätzen erfordern und die Streichung aller familienpolitischen Maßnahmen. Wie möchte sie das durchsetzen? Aber SÜSSMUTH weiß natürlich genau, dass sie dafür niemals in die Pflicht genommen wird...
 
   
  • LENZ, Susanne (2001): Kein Baum fürs Leben
    in:
    Berliner Zeitung v. 08.01.
    • Kommentar:
      Heute ist der Tag der Widersprüche. LENZ wundert sich über das Missverhältnis zwischen der Zahl der Single-Haushalte und der Zahl an Weihnachtsbäumen in Berlin. Lesen Sie dazu den Kommentar zum nächsten Artikel.
 
   
  • WELT (2001): Baby-Boom in der Single-Stadt
    in:
    Welt v. 08.01.
    • Kommentar:
      Der Verfasser wundert sich über den Widerspruch zwischen gestiegenen Single-Haushalten und steigender Geburtenrate. Die hilflose Erklärung: die geburtenstarken Jahrgänge sind schuld.
                  Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit. 44,7% Single-Haushalte klingt nur hoch, wenn man Haushaltszahlen mit Einwohnerzahlen verwechselt. Würden sich Journalisten angewöhnen die Zahlen für die Einwohner anzugeben, dann könnte man zwar keine Dramatisierung des Geburtenrückgangs betreiben (siehe dazu den nächsten Artikel), dafür müsste man sich dann nicht mehr über die Tatsache wundern, dass selbst München eine Familienstadt ist.
                  Noch ein Wort zu Prognosen. In den 50er Jahren gab es keine einzige mir bekannte Prognose, die einen Geburtenrückgang im heutigen Ausmaß vorhersagte, weil Prognosen meist simple Fortschreibungen des Es-geht-immer-so-weiter sind. Und die Treffsicherheit heutiger Prognosen muss sich erst noch beweisen...
 
   
  • POSENER, Alan (2001): Die Moral der Achtundsechziger.
    Sie suchten Antworten jenseits der Engstirnigkeit und scheiterten an ihrer eigenen Enge,
    in: Welt v. 08.01.
    • Kommentar:
      POSENER wartet auf ein konservatives 68 oder anders formuliert: wer ist der deutsche HOUELLEBECQ, der dem Single den Garaus macht? Seine einfache und bequeme Ursachenanalyse:
                  "den Achtundsechzigern (wird) unterstellt, sie seien die Avantgarde jenes hemmungslosen Egoismus gewesen, den die Wertkonservativen zu Recht beklagen. Das Gegenteil ist der Fall. Dieser Individualismus ist ein Produkt der Konsumgesellschaft. Der Single mit eigenem Appartement, Auto, Handy, dessen Abenteuer- und Konsumlust durch keine familiären oder gar moralischen Rücksichten beschränkt wird - das ist das Ideal der Marketingstrategen. 1968 war eine Revolte auch dagegen. Gegen die Vereinzelung an der Universität setzte man die Arbeitsgruppe, gegen die Kleinfamilie die Kommune, gegen die Konkurrenz das Kollektiv, gegen Karriere den Satz "Dem Volke dienen", gegen Haben das Sein. "Konsumterror" war ein Schlagwort jener Jahre (...) 1968 hat sich erledigt, nicht aber die Sehnsucht gerade der Jugend nach einer Moral. Noch äußert sie sich rein negativ, als Tristesse Royale der Generation Golf. Doch wer diese Sehnsucht glaubhaft verkörpern könnte, dem gehörte die Zukunft."
                  Es ist gerade diese Art von Argumentation, die den Blick auf das Thema Single verstellt. Es verkennt das Problem Single oder soll man sagen, es wird ein Affekt benutzt, um das Thema für eigene Zwecke zu instrumentalisieren?
                  Wenn man heute von Familie spricht, dann meint man den Familienhaushalt und damit den Familiensektor. Dies ist kein wertfreier Begriff, sondern impliziert ganz rigide Vorstellungen über das gute Leben.
 
   
  • MULRINE, Anna (2001): Singles are back to looking for love in all the warm places,
    in:
    U.S.News & World Report v. 08.01.
    • Inhalt:
      MULRINE berichtet den US-Amerikanern vom Club Med-Angebot für Singles (Zielgruppen: Alleinerziehende, Swinging Singles und Yuppies, die man neuerdings auch Yetties oder BoBos nennt). Der Club-Urlaub ist nach Meinung der Autorin wieder angesagt:
                  "the singles travel scene is alive and well here, even gaining new acceptance among initially cynical gen X-ers who admit to, say, making fun of their high school cheerleaders." (gen X-ers sind die ehemaligen Aussteiger der Generation X, die Douglas Coupland 1991 in dem gleichnamigen Bestseller beschrieben hat)
 
   
  • WILHELM, Petra (2001): Kleinfamilie ade?
    Neue Wohn- und Lebensformen,
    in: Das Buffet. Sendung des SWR1 am 07.01. 10.05 bis 12 Uhr
 
   
  • DRIBBUSCH, Barbara (2001): Wenn der Kanzler schummelt.
    Schröder verwendete falsche Arbeitslosenzahlen. Rede sollte schließlich "keine wissenschaftliche Arbeit" sein,
    • Kommentar:
      DRIBBUSCH regt sich zu Recht über den schlampigen Umgang von Politikern mit statistischen Zahlen auf:
                  "Wenn korrekte Arbeitslosenzahlen schon als "wissenschaftliche Arbeit" gelten, stimmt das nachdenklich. Wenn Bundestagsdebatten als Beweis dafür gelten, dass man Lügen weiterverbreiten darf, stimmt das noch nachdenklicher. Im Bundestag wird alles wahr (...). So setzt man neue Maßstäbe (...): Reden sind nur Reden, wers glaubt, ist selbst dran schuld.".
                  Leider sind da Journalisten auch nicht besser. Kritische Überprüfung ist meist Fehlanzeige und sie erfolgt nur, wenn sie zum journalistischen Interesse passt..
                  Der Geburtenrückgang ist ein solches Politikum, bei dem die Zahlen, die tagtäglich verbreitet werden, so zur Selbstverständlichkeit geworden sind, dass sich jegliche kritische Reflexion von vornherein verbietet. Wenn es um Familienpolitik geht, braucht man Zahlen nicht so genau nehmen, denn es dient ja einer guten Sache (siehe URSULA MÄRZ in der FR v. 04.01.).
 
   
  • WARNHOLD, Birgit (2001): Morden zum Ausgleich.
    Ingrid Noll ist Deutschlands erfolgreichste Krimi-Autorin. Ende Januar erscheint ihr Roman "Selige Witwen", den die Berliner Morgenpost von morgen an vorab druckt. Wir haben die Schrifststellerin in Weinheim besucht,
    in: Berliner Morgenpost v. 06.01.
    • Kommentar:
      NOLLs Figur Rosemarie Hirte, die frauenmordende alte Jungfer, ist die Projektionsgestalt für Familienfrauen, die sich vor ihren eigenen Sehnsüchten fürchten und deshalb das Klischee der alten Jungfer benötigen. Die Sehnsüchte werden als Ängste vor der Nebenbuhlerin verarbeitbar. Ein unbewusster Mechanismus, der die Polarisierung "Singles contra Familien" befördert.
 
   
  • KIPPENBERGER, Susanne (2001): Agatha Christie.
    Die frühe Lady Di. Mit zwei Milliarden verkauften Büchern ist sie die erfolgreichste Autorin aller Zeiten. Vor 25 Jahren starb sie. Acht Experten erinnern an eine umstrittene Frau,
    in: Tagesspiegel v. 06.01.
    • Inhalt:
      Agatha Christie hat mit Miss Marple eine Identifikationsfigur für ältere Alleinstehende geschaffen. Eva DEMSKI umschreibt dies so:

                  "Miss Marple mag ich als Möglichkeit, nach dem Ende der weiblichen Anziehungskraft sich sinnvoll und die Leute störend zu beschäftigen."
 
   
  • BRAUCK, Markus (2001): Scheidungsquote.
    Die lange gefeierte heile Ehewelt der Beckers wird so öffentlich zu Grabe getragen, wie sie auch inszeniert worden ist - nach Privatsphäre fragt jetzt niemand,
    in: Frankfurter Rundschau v. 06.01.
    • Kommentar:
      Markus BRAUCK fragt sich, was am Ende der Show steht und gibt die Antwort: Die Inszenierung der Wiederheirat, aber er übersieht, dass nicht die Ehe, sondern die Familie im Mittelpunkt des Medieninteresses steht. Die Postfeministen könnten in Boris Becker eine lang ersehnte Symbolfigur sehen..
                  Egal wie der Prozess ausgeht, Becker wird zur Galionsfigur einer der beiden Hauptströmungen des Postfeminismus: entweder er wird zum Zahlvater, dann wird sich Karin Jäckel und die "Zahlväter-Bewegung" seiner annehmen oder er wird zum "Neuen Vater". The Show must go on...
 
   
  • HEIN, Till (2001): Roboter, die unsere Grosseltern pflegen.
    Service-Roboter leisten immer mehr. Bald sollen sie in Altersheimen und Spitälern Patienten den Puls fühlen und ihnen auch Pillen verabreichen. Eine Vision, die die Meinungen spaltet,
    in: Weltwoche Nr.01 v. 04.01.
 
   
  • SCHMIDBAUER, Wolfgang (2001): Lebt euch auseinander!
    Wenn Paare erklären wollen, warum ihre Ehe gescheitert sind, sagen sie immer dasselbe: "Wir haben uns auseinander gelebt". Hätten sie es doch bloß getan! Ein Ratschlag für Prominente und alle anderen Beziehungsopfer,
    in: Die ZEIT Nr.02 v. 04.01.
 
   
  • MÄRZ, Ursula (2001): War's das?
    Disponibel und seltsam entwurzelt: Das erschöpfte Paradigma der Gleichberechtigung,
    in: Frankfurter Rundschau v. 04.01.
    • Kommentar:
      Für Ursula MÄRZ ist die Frauenbewegung an ihrem Erfolg gescheitert: "Wer ernsthaft glaubt und stur behauptet, eine Computerspezialistin hätte auf dem freien Markt geringere Karrierechancen als ein Computerspezialist (...) erkennt nicht die Zeichen der Zeit".

                  Das zentrale Versprechen des Feminismus ist für MÄRZ die gegenseitige Beförderung von Gleichberechtigung, Emanzipation und Weiblichkeit, in der Gegenwart streben die drei Begriffsgrößen jedoch immer weiter auseinander. Weiblichkeit ist für MÄRZ der feministische Kern und dieser drückt sich in Gebärfähigkeit und Mutterschaft aus..
                  Ihren Zorn erregt Alice SCHWARZER, obwohl sie deren Argumentation (siehe Spiegel Nr.41 v. 09.10.) aufnimmt und sogar zuspitzt: "Die Hälfte aller 35jährigen Frauen hat heute kein Kind". Ein Satz, der sich auf keine seriöse Statistik berufen kann, aber auf lieb gewonnene Ressentiments, die sich im Klischee der kinderlosen Karrierefrau widerspiegeln.
 
     
     
   
  • SANTIAGO, Marlise (2001): Väter bleiben Väter.
    Eine Scheidung hat für Mütter und Väter nicht die gleichen Auswirkungen
    in: Brückenbauer Nr.1 v. 03.01.
    • Inhalt:
      Buchtip: Lu Decurtins (2001): Was Trennung und Scheidung für Väter bedeutet. Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Scheidungsverarbeitung von Männern sowie ein praktischer Teil mit Unterstützungsangeboten für den Mann. Verlag Rüegger.
 
   
  • GILLIES, Peter (2001): Neue deutsche Heiterkeit.
    Die Deutschen haben sich für das private Glück und gegen den verlautbarten Trübsinn entschieden,
    in: Welt v. 02.01.
    • Kommentar:
      Im Allensbacher Meinungsforschungsinstitut ist Deutschland noch in Ordnung und diese Ordnung beeinflusst die Zukunft, denn über "fünf Jahrzehnte stellten die Sozialforscher fest, dass einer Jahreswende mit viel Hoffnungen stets auch ein Wirtschaftsjahr mit properem Wachstum folgte. Es scheint, als besäßen die Menschen eine Witterung für die Zukunft." In 365 Tagen wissen wir mehr...
 
   
  • WDR 5 (2001): Lust und Liebe.
    Langzeitpartner gesucht - Ende des Single-Kults?
    in: LebensArt, Radiosendung vom 02.01.
  •  
       
    • HANSELMANN, Ulla (2001): Angenehm in Alcatraz.
      Auch Berlin hat seine "Gated Communities" - ein Einblick,
      in: Frankfurter Rundschau v. 02.01.
      • Kommentar:
        HANSELMANN widmet sich dem Thema von Susanne BEYER im Spiegel Nr.49 v. 04.12.2000 (siehe dort).
     
         
         
           
           
       

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