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Presserundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   

News vom Oktober 2000
News vom September 2000
News vom August 2000
News vom Juli 2000
News vom Juni 2000
News vom Mai 2000
News bis Mai 2000

 
       
       
   

News vom November 2000

 
   
  • RÖWEKAMP, Christian (2000): Wenn der Supermarkt zum Kühlschrank wird.
    Mit welchen Problemen Singles beim Einkauf konfrontiert werden - Viele Produkte gibt es nicht in kleineren Mengen,
    in: Heilbronner Stimme v. 28.11.
 
   
  • MASCHLER, Nicole (2000): Hurra, es ist ein Gayby!
    "We are family" - der einstige Schlachtruf der Aidshilfe beschreibt eine neue Realität. In Berlin haben Lesben und Schwule ihre Lebensplanung längst selbst in die Hand genommen - gegen alle Vorurteile,
    in: TAZ Berlin v. 28.11.
    • Inhalt:
      Bericht über die Berliner Agentur "Queer and kids", die Lesben und Schwule mit Kinderwunsch vermittelt
 
   
  • JOE (2000): Sind Sie Yettie oder Settie?
    Die Informationstechnologie (IT) zeugte einen neuen Menschentypus. Checken Sie selbst, ob Sie zu der neuen Gattung Mensch gehören, indem Sie die folgenden Fragen beantworten!
    in: Spiegel Online Nr.48 v. 27.11.
 
   
  • BEYER, Susanne (2000): Geliebte Jungs.
    Ältere Männer mit jungen Gefährtinnen entsprechen dem hergebrachten Beziehungsmuster. Kehren nun Frauen, die sich offen zu jüngeren Partnern bekennen, einfach die Geschlechterrollen um? Tatsächlich erwarten ältere Frauen vom jüngeren Mann eine reifere Partnerschaft,
    in: Spiegel Nr.48 v. 27.11.
 
   
  • BARTH, Ariane (2000): Hiphop der Hormone.
    Wohin entwickelt sich das Liebesleben im 21. Jahrhundert? Sexualität und Fortpflanzung rücken immer weiter auseinander. Die sexuelle Revolution hat nicht die große Befreiung, aber etliche Freiheiten gebracht: Der Mensch der Zukunft wählt zwischen vielen Rollen- und Sexspielvarianten,
    in: Spiegel Nr.48 v. 27.11.
    • Inhalt:
      Für BARTH ist die serielle Monogamie das gegenwärtige Modell der Geschlechterbeziehung. Swinging Singles gehören ins Reich der Märchen:
                  Das Single-Dasein "soll trostlos sein, es sei denn, dem Single gelingt nach frustierender Suche eine feste Beziehung, ohne die beiden Haushalte gleich zusammenzuschmeißen."
 
   
  • MEYHÖFER, Annette (2000): Kosmischer Orgasmus.
    in: Spiegel Nr.48 v. 27.11.
    • Inhalt:
      Cyber-Sex und No-Sex-Bewegungen (Sex nur in der Ehe oder Zölibat) sind für MEYHÖFER die trostlosen Beziehungsformen der Zukunft.
      • Kommentar:
        Das Thema "Zölibat" wie es von MEYHÖFER hier aufgegriffen wird, ist spätestens seit "The New Celibacy" von BROWN (1980) immer wieder einmal für einen Trend gut.
                    BARTH und MEYHÖFER sind aber nur das Vorspiel für das Interview mit Michel HOUELLEBECQ, der dann über den Warencharakter der Liebe und die "Ausweitung der Kampfzone" reden darf.
 
   
  • JIRSA, Wieland & Kayhan ÖZGENC (2000): Ehe-Aus im Gotteshaus.
    Die evangelische Bischöfin Margot Käßmann will Paare künftig in der Kirche scheiden,
    in: Focus Nr.48 v. 27.11.
 
   
  • KLÜVER, Reymer (2000): Requiem für Nummer 16098.
    Immer mehr Leichen kommen unter die Erde, ohne dass Angehörige Notiz davon nehmen - Geistliche wollen darüber nicht einfach Gras wachsen lassen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 25.11.
    • Kommentar:
      Menschen in Pflege- oder Altenheimen erscheinen in keiner Statistik zur Single-Gesellschaft. Viel wird über "Bindungslose" geschrieben, aber man sucht sie in Einpersonenhaushalten, statt in den Anstaltshaushalten oder unter den Obdachlosen. Diese Ausgesonderten gelten nicht einmal mehr als "Singles"...
      • Im GLOSSAR werden die Begriffe "Alleinlebende (Einpersonenhaushalt)" und "Anstaltshaushalt" erklärt
 
   
  • SCHROETER, Johannes (2000): Eine Frage der Zeit.
    Die Lasten der Kindererziehung sind privatisiert, der Nutzen seit langem sozialisiert: die Ursachen des drastischen Geburtenrückgangs,
    in: Rheinischer Merkur Nr.47 v. 24.11.
    • Inhalt:
      Während andere Autoren die Ursachen des Geburtenrückgangs bei den 68ern suchen, geht SCHROETER noch einmal 100 Jahre zurück.

                  Seine zentrale These ist, dass der Geburtenrückgang eine "unbewältigte Folge des Übergangs von der Agrar- zur Industriegesellschaft" ist. Die bäuerliche Familie ist für SCHROETER das Gegenbild zur Kleinfamilie der Industriegesellschaft. Der "Pillenknick" ist eine
      "Lappalie und völlig harmlos im Vergleich zu dem, was die Frauen der Geburtsjahrgänge zwischen 1865 und 1900 verursachten. Zum einen erstaunt, dass sie ihre Kinderzahl gegenüber der vorherigen Generation um zirka 60 Prozent absenken konnten - ohne sichere Verhütungsmittel."

                  Das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie kam mit der Industriegesellschaft in die Welt. Im Kern ist es ein Problem der "Wohlstandsdifferenz zwischen Elternschaft und Kinderlosigkeit", das auf zwei Wege gelöst werden kann: Senkung des Aufwandes durch öffentliche Einrichtungen oder Erhöhung des Nutzens von Kindern durch Erziehungsgehalt, höheres Kindergeld usw.
      • Kommentar:
        Der Ansatz von SCHROETER ist lobenswert, zeigt er doch, dass es sich bei dem Problemkomplex "Geburtenrückgang" um ein Phänomen handelt, das sich im historischen Kontext relativiert, gleichzeitig mangelt es SCHROETER an einer kritischen Reflexion bezüglich der statistischen Daten und deren Interpretierbarkeit. Der Soziologe Hans BERTRAM hat in seinem Beitrag "Arbeit, Familie und Bindungen" (2000) den Vergleich zwischen den 1920er Jahren und heute angestellt und kommt zu dem Fazit: "Der Geburtenrückgang in Deutschland seit 1968 ist im wesentlichen auf das Verschwinden der Drei- und Mehr-Kinder-Familien zurückzuführen. Die zunehmende Kinderlosigkeit von Frauen spielt demgegenüber nur eine untergeordnete Rolle". Wichtiger als dies ist jedoch die Tatsache, dass BERTRAM den Familienbegriff der amtlichen Statistik in Frage stellt. Es ist davon auszugehen, "daß die handelnden Subjekte sich nicht mehr den staatlichen Ordnungsvorstellungen, wie sie in dieser Statistik zum Ausdruck kommen, unterwerfen". Wenn dies der Fall ist, dann müssten alle amtlichen Daten einer umfassenden Neuinterpretation unterzogen werden...
 
   
  • THIEL, Christian (2000): Am Anfang habe ich nur noch funktioniert.
    Als Kerstin W. sich von ihrem Mann trennten will, bringt er sich um. Sie bleibt zurück mit zwei kleinen Kindern und einer Menge Fragen,
    in: Freitag Nr.48 v. 24.11.
    • Kommentar:
      Die Selbstmordrate von Männern ist höher als von Frauen. Dies gehört auch in die Rubrik "höhere Lebenserwartung von Frauen". Wo bleiben die Berichte über Männer, die einen Selbstmordversuch hinter sich haben? Eine soziale Gruppe, die anscheinend keine Lobby hat...
 
     
     
   
  • FREELY, Maureen (2000): Divorce and be damned.
    The pro-marriage movement is gaining strength on both sides of the Atlantic. Now its leaders say they can prove that divorce damages kids for ever. But as Maureen Freely reveals, real life often tells a different story,
    in: Observer v. 19.11.
    • Inhalt:
      FREELY berichtet für den britischen Observer über die amerikanische Anti-Scheidungs-Kampagne (siehe auch Focus v. 30.09. und Time v. 25.09.)
 
   
  • MÄRZ, Ursula (2000): Frauen stören nur.
    Affären sind erlaubt, Heirat nicht: Schimanski und die anderen Kommissare am "Tatort" müssen ledig sein - und das seit 30 Jahren. Eine Ehe behindert die Ermittlungen,
    in: Berliner Illustrierte Zeitung, Beilage der Berliner Morgenpost v. 19.11.
 
   
  • HÜTTENMOSER, Marco (2000): Die soziale und emotionale Rolle der Grosseltern. Dynamik der 3-Generationen-Beziehungen in familienfeindlichen Zeiten.
    Grosseltern gewinnen wieder an Bedeutung. In den Vereinigten Staaten berichtet die Homepage der "Foundation For Grandparenting" regelmässig über neue Forschungsergebnisse zur Rolle der Grosseltern in der Gesellschaft. In Europa fehlt es an fundierten Untersuchungen. Der Autor fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und leitet daraus sozialpolitische Forderungen ab. Dabei wird nicht nur die biologische, sondern auch die soziale Grosselternschaft ins Auge gefasst,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.11.
 
   
  • FRANKFURTER RUNDSCHAU (2000): Urteil: Mitfahrzentrale für Bahnfahrer erlaubt,
    in:
    Frankfurter Rundschau v. 18.11.
    • Kommentar:
      "Das Angebot der Bahn richte sich an Gruppen, die eine soziale Bindung hätten, wie Familien- oder Firmenangehörige, sagte Bahn-Anwalt Christian Schreyer. Durch die Mitfahrzentrale entstünden künstliche Gruppen."
                  An Paare denkt die Bahn nicht unbedingt, obwohl gerade Paare, die eine Wochenendbeziehung (siehe 16.11.) bzw. Fernbeziehung aufrechterhalten, zu den Vielfahrern gehören (könnten).
                  Die Kriterien, die von der Bahn an Paare (gemeinsamer Haushalt, Heirat) gestellt werden, schließen viele Paare (besonders im sensiblen Paarbildungsprozess) von Vergünstigungen aus.
 
   
  • NÄGER, Doris (2000): Weiblich, jung erfolgreich.
    Christine Bortenlänger sitzt als erste Frau auf dem Chefsessel einer deutschen Börse - für sie ist das völlig normal,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 18.11
    • Kommentar:
      Bei dieser Schlagzeile ergänzt man automatisch ledig und kinderlos, denn so stellt man sich heutzutage die weibliche Führungskraft in der Single-Gesellschaft vor - typisch Yuppie! Oder moderner: Yettie.

                  Aber die Porträtierte ist eine alleinstehende Mutter - ein Lebensstil, der im Brennpunkt der Lebensstildebatte steht.
 
   
  • AHRENS, Peter (2000): Quo vadis, Single?
    Endlich wieder Revolutionäres aus dem Hause Opaschowski am Alsterufer: Wer allein lebt, geht öfter in die Kneipe,
    in: TAZ Hamburg v. 18.11
    • Kommentar:
      Seit 1981 nichts Neues vom Pädagogen Opaschowski, aber das immer wieder...
 
     
   
  • DEUL, Dieter (2000): Scheiden tut gut.
    Für die Ära nach der Ehe: Das englische Magazin "Vive",
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 17.11.
 
     
   
  • HSM (2000): Singles heizen Konsum an.
    Neue Studie von Hamburger Freizeitforscher,
    in:
    Hamburger Abendblatt v. 16.11.
    • Kommentar:
      Nichts Neues vom Freizeitpädagogen OPASCHOWSKI. Alles wie 1981 ("Allein in der Freizeit") nur eben mehr vom gleichen (Singles contra Familien - ansonsten ein großes schwarzes Loch, das die restlichen Lebensformen verschluckt hat) und mit neuerer Technik (Email und Handy statt Telefon)...
 
     
   
  • HACKER, Doja (2000): Mach dich rar.
    Doja Hacker über die Ängste der Männer und die Ratschläge der Mütter,
    in: Tagesspiegel v. 13.11.
    • Inhalt:
      HACKER befasst sich mit "The Rules" von Ellen FEIN & Sherrie SCHNEIDER, speziell mit Regel Nr. 5 "Rufen Sie ihn nicht an und auch nicht immer gleich zurück".
      • Kommentar:
        Was man aus "The Rules" und sonstigen Ratgeberbüchern lernt oder nicht lernt, das ist auch das Thema von Melissa BANKs Roman "Wie Frauen fischen und jagen", der gerade als Taschenbuch erschienen ist.
 
   
  • MOHR, Reinhard (2000): Abwasch für die Gruppe.
    Dummlabern, kuscheln, Körbe flechten und gemeinsam sauber machen - immer mehr erweist sich "Big Brother" als spätes Medienkind der 68er,
    in: Spiegel Nr.46 v. 13.11.
 
   
  • FIEDLER, Tanja (2000): Die Sehnsucht blieb.
    Fast die Hälfte der deutschen Paare kommt nicht voneinander los und wagt nach der Trennung einen zweiten Anlauf. Dabei finden manche ihr neues Glück mit dem alten Partner erst nach 18 Jahren,
    in: Berliner Illustrierte Zeitung. Beilage der Berliner Morgenpost v. 12.11.
    • Kommentar:
      Die amtliche Haushaltsstatistik kann nur die lebenslange Ideal-Ehe adäquat erfassen. Auch der Familienstand kennt nur Verheiratete oder Nicht-Verheiratete. Lebensformen jenseits der Normalfamilie und des Normallebenslaufs existieren für die amtliche Statistik nicht. Die Erforschung von Partnerschafts- bzw. Eheverläufen ist ein reichhaltiges Feld der Mythenbildung. Sozialwissenschaftliche Studien zum Thema haben Seltenheitswert oder verwenden Methoden, die dem Gegenstand nicht gerecht werden.
 
     
   
  • BASTIAN, Till (2000): Die Wiederentdeckung der Geschwisterlichkeit.
    "Allein machen sie dich ein!" Diese Erkenntnis ging schon immer dem Zusammenschluss von Gleichaltrigen voraus: In Wohngemeinschaften, Cliquen, Bruderschaften und anderen Gruppierungen ließ sich der Widerstand gegen eine feindliche Welt besser organisieren. Die geschwisterliche Beziehung zwischen Menschen ist eine Ressource, die in der heutigen Leistungs- und Singlegesellschaft wichtiger ist denn je,
    in: Psychologie Heute, Dezember
 
   
  • CH (2000): Single Schock
    in: Rheinpfalz v. 08.11.
    • Kommentar:
      Single-Gesellschaft à la Rheinpfalz!

                  "Da fährt ein Auto in der Stadt rum. Mittelklasse, gewöhnlich. Eine Aufschrift ziert das Heck: 'Just married! (1975)' steht da, darunter ein roter Kussmund. 25 Jahre sind diese Leute also verheiratet. Und tun es auch noch kund, in aller Öffentlichkeit!".
                  Dieses Auto, das allen Singles ein Mahnmal sein soll, fährt wohl durch alle Lokalteile der Rheinpfalz. Am 25. September ("Zum Single-Erweichen") wurde es in Neustadt gesichtet und heute im Speyrer Lokalteil. Ob es auch durch die Lokalteile anderer Zeitungen fährt? Irgendwann muss man ja auch Urlaub machen. Hessen. Bayern. Es gibt noch viele Lokalteile! Ich werde berichten, wenn es wieder irgendwo gesichtet wird...
 
   
  • LEONHARDT, Rudolf Walter (2000): Meine Sprache: das unerwünschte Fräulein,
    in: Tagesspiegel v. 08.11.
    • Kommentar:
      LEONHARDT wünscht sich in vorfeministische Zeiten zurück, in denen man Bedienungen in Szenelokalen (nannte man da auch noch nicht so!) mit "Fräulein" herbeizitieren durfte. Was ist an "Fräulein" so unanständig, überlegt er, ist doch quasi eine Art Ehrenbezeichnung. Über das Mittelalter kommt er jedoch nicht hinaus.
                  Fräulein und Frau, das war in der Heiratsgesellschaft der vor68er-Ära der altehrwürdigen "BRD" der Unterschied zwischen Kindheit und Erwachsensein, zwischen trostlosem Single-Dasein und vollwertigem Mitglied der Heiratsgesellschaft.
                  Bei der NASA würde man sagen: "Houston, wir haben ein Problem!" Vielleicht sollte die TAZ einen Ideenwettbewerb zum Thema starten...
 
     
   
  • BÖCK, Ingrid (2000): Wer mit wem schläft...
    ...und warum, lautet die von Soziologen und Evolutionsforschern heiß diskutierte Frage. Jüngste wissenschaftliche Erkenntnisse sollen das Rätsel Partnerwahl lösen,
    in: Focus Nr.45 v. 06.11.
    • Kommentar:
      Der SPIEGEL hat vor zwei Wochen die "Neue Zweisamkeit" ausgerufen. Der FOCUS folgt nun konsequenterweise mit einer Cover-Story über die Partnerwahl, damit es mit der Zweisamkeit auch klappt. Das nennt man Arbeitsteilung.
                  Auf dem Cover lockt der FOCUS damit, dass der Leser sein Glück bei der Partnerwahl steuern kann, wenn er die Story liest (Werbung muss halt sein).
                  Da werden dann alte Hüte als neuester Hit verkauft. Seit den 70er Jahren wird immer wieder betont, dass Single-Dasein und Scheidungen die Konsequenz eines "neuen" Bindungsideals sind. Das steht selbst bei BECK/BECK-GERNSHEIM "Das normale Chaos der Liebe", die BÖCK als Gegenbeispiel herangezogen hat. Da heißt es:
                  "Die Ehe hat durch ihren Formenwandel (...) zum luftigen Gebilde der Gefühls-, leidenschaftlichen und Selbstfindungsehe wohl an Stabilität, nicht aber an Attraktivität verloren" (S.227).
                  Wenn es um die Partnersuche geht, erhalten die Evolutionsbiologen das Wort. Das Weibchen folgt dann ihren Instinkten und es hat "keinen Zweck gegen derlei Klischees anzukämpfen". Der Mensch ist Sklave seiner Gene! Im Normalfall verbreiten sich die "Gene für schlauere Konversation und einfallsreichere Gedanken", weil sie bei der Partnerwahl über Tausende von Generationen bevorzugt worden seien. Aber aufgepasst: die Pille vernebelt den Instinkt! (andere Verhütungsmittel benutzen oder die demographische Entwicklung fördern. Tip an die Pillenhersteller: eine eigene Studie in Auftrag geben, die das Gegenteil beweist.) Noch wichtiger für die Frauen: den Zyklus genau beobachten. Damit kann man steuern, ob man einen männlichen oder einen verweichlichten Mann erwischt.
                  Für Männer hat die Autorin jedoch keine solch hilfreichen Ratschläge parat (liegt daran, dass die Forscher alle Männer sind!). Man erfährt weiter, dass Frauen zu Promiskuität und zum Seitensprung neigen. Die Anzahl der Frauen, die das zugibt, ist jedoch von Umfrage zu Umfrage verschieden. (Dies lässt sich einfach erklären: Im einen Fall hatten die Befragten im FOCUS kurz vorher gelesen, dass "Seitensprünge" angesagt sind und im anderen Fall war laut FOCUS gerade "sexuelle Abstinenz" angesagt. Manche haben aber vielleicht gerade mal PLAYGIRL gelesen, obwohl sie eigentlich immer nur EMMA lesen (man muss ja wissen, was man zu kritisieren hat)).
      • Mario Héne - Lieber allein, als gemeinsam einsam
        Der Liedermacher hat 1977 das neue Bindungsideal auf den Punkt gebracht. Vielleicht hat die LP auch der Soziologe Ulrich BECK in seinem Plattenschrank. Kaufen kann man sie leider nicht mehr (höchstens noch in einem Antiquariat), würde aber verhindern, dass man alte Hüte als neueste Hits verkaufen kann.
 
     
   
  • BÖCK, Ingrid (2000): "Es ist eine Art Wettrüsten.
    Der Sozialpsychologe Ronald Henss erklärt, warum Schönheit bei der Partnerwahl zählt und was wir in Gesichtern auf den ersten Blick erkennen können.
    in: Focus Nr.45 v. 06.11.
    • Kommentar:
      Es ist so, als ob HOUELLEBECQ die Fragen gestellt hätte und sein Alter-Ego, der namenlose Informatiker hätte geantwortet, mit dem Unterschied dass "Ausweitung der Kampfzone" wesentlich mehr Unterhaltungswert hat...
 
   
  • HARTMANN, Elke (2000): Krieger und Prinzessin.
    Die Partnerwahl wird von unserem individuellen Drehbuch diktiert, behauptet der amerikanische Psychologe Robert J. Sternberg,
    in: Focus Nr.45 v. 06.11.
    • Kommentar:
      Auf einen kurzen Nenner gebracht: Liebesgeschichten gelingen nur, wenn beide Partner vorher die gleiche Literatur gelesen haben, entweder den gleichen Beziehungsratgeber (Bestsellerlisten studieren! Das vergrössert den Heiratsmarkt und beschert den Autoren Money...) oder das gleiche Nachrichtenmagazin. SPIEGEL-Leser/in und FOCUS-Leser/in, das geht bestimmt schief, aber FOCUS-Leser/in und VIVIAN-Leser/in, das ergänzt sich ideal.
                  Besonders wichtig für die Generation-Golf:
      der dies sagt wird im amerikanischen "Who's who" gelistet, es steht jedoch nicht da, von wem die Klamotten sind, die er getragen hat, als man ihn ablichtete. So fortschrittlich ist der FOCUS nun doch noch nicht...
 
   
  • WEBER, Christian (2000): In der Ferne - noch nah?
    Wenn der Job die Beziehung hemmt: Ein Autorenpaar analysiert Probleme und Chancen der Wochenendliebe,
    in: Focus Nr.45 v. 06.11.
    • Kommentar:
      Vor genau 10 Jahren erschien das Buch "Liebe auf Distanz" von Dorothea SCHMITZ-KÖSTER. Es stand jedoch ganz im Schatten des Bestsellers "Das ganz normale Chaos der Liebe" von BECK/BECK-GERNSHEIM aus dem gleichen Jahr, wonach die Single-Gesellschaft aus bindungslosen Elementarteilchen besteht (so wurde das Buch jedenfalls wahrgenommen).
                  Durch die Umstellung der amtlichen Statistik und die Tatsache, dass die geburtenstarken Jahrgänge in Ausbildung und Beruf drängten, hatte sich die Anzahl der Einpersonenhaushalte drastisch erhöht.
                  Neue Formen der Paarbildung und -beziehung passten gerade nicht in die Medienlandschaft, die von der sozialpolitischen Debatte beherrscht wurde. Jetzt scheint gerade eine kurze Atempause zu herrschen. Vielleicht gelangen da ein paar andere Aspekte ins Medienlicht.
                  Typisch für journalistische Einseitigkeiten sind solche Aussagen wie:
                  "Bislang, so die düstere Aussicht von Sozialwissenschaftlern, schlitterten wir unaufhaltsam der Individualisierung entgegen - einer Gesellschaft voll bindungsunwilliger Einzelgänger und Beziehungskrüppel" (Ingrid BÖCK im gleichen Heft, S.260).
                  "Neue" Paarformen, die statistisch unter den Einpersonenhaushalten ("Singles") eingeordnet werden, sind u.a. die "nicht-eheliche Lebensgemeinschaft", "Living apart together" oder die "Commuter-Ehe".
 
   
  • RITTER, Christa (2000): "Das ist eine utopische Situation".
    "Big Brother" ist eine konsequente Fortsetzung von '68, meint Rainer Langhans, Begründer der Kommune 1 - Gespräch,
    in: Welt v. 06.11.
    • Inhalt:
      Der Kommunarde Rainer Langhans entdeckt junge Singles als Zielgruppe für eine Neuauflage der Eigentlichkeit, die in der Öffentlichkeit und nicht im Privaten stattfinden soll.
      • Kommentar:
        COSMOPOLITAN hat den Typ der "virtuellen WG" als zukunftsweisende Wohnform im Novemberheft vergessen. Die vernetzte Single-Gesellschaft - das wäre doch ein schöner SPIEGEL-Titel (fürs Frühjahr vormerken, denn dann ist wieder der Single angesagt).
                    LANGHANS ähnelt HOUELLEBECQ. Beide hoffen den Neuen Menschen technisch herstellen zu können. HOUELLEBECQ klont einfach einen neuen Menschen und LANGHANS vernetzt den alten. Die Zukunft gehört den Ingenieuren und nicht der Frau. Außerdem liegen sie beide mit der "Neuen Eigentlichkeit" im Trend.
 
   
  • OBSERVER (2000): The Singles Issue.
    Welcome to the Singles Century. By 2010, almost half the population will be unmarried and, according to recent survey, half the pople still getting married are thinking about getting divorced as they sidle down the aisle,
    in: Observer v. 05.11.
    • Kommentar:
      Beim britischen Observer hat man keinen SPIEGEL (siehe 23.10.) gelesen. Ein ganzes Jahrhundert der Singles soll auf die Briten zukommen.
 
   
  • DIEFENBACH, Ute (2000): ich lüge dich.
    Immer noch allein? Selbst schuld. Die Welt der Liebe ist einfach zu erklären, behaupten die Autoren von Beziehungsratgebern. Ihre Bücher verkaufen sich massenhaft.
    • Inhalt:
      DIEFENBACH setzt sich kritisch mit den Ratgebern von John GRAY, Allan & Barbara PEASE und Regina SCHNEIDER auseinander.
 
   
  • WOLFF, Harriet/FETT, Susanne/MUNDE, Verena (2000): So lässt es sich leben...
    Auf die klassische Kleinfamilie haben immer weniger Leute Lust und probieren neue Formen des Zusammenlebens aus. Frei nach dem Motto: zweisam, dreisam, gemeinsam. Wir zeigen, was alles möglich ist.
    in: Cosmopolitan v. November
    • Inhalt:
      Die Journalistinnen haben 5 Wohngemeinschaften porträtiert und ihnen solche Etiketten wie "Männer-WG", "Frauen-WG", "Land-WG", "Teilzeitehe-WG" und "Mega-WG" verpasst.
      • Kommentar:
        Was die wieder bei COSMOPOLITAIN anrichten. WGs propagieren! Denkt mal an die armen Statistiker und Sozialwissenschaftler, die diese Wohnformen klassifizieren müssen. Kein Wunder, wenn die Zahl der Einpersonenhaushalte ins Unermessliche steigt. Die amtliche Statistik hat für solche Wohnformen überhaupt gar kein Verständnis. Der nächste SPIEGEL-Titel ist schon vorprogrammiert: "Die neue Single-Sucht"
      • Im GLOSSAR werden die Begriffe "Einpersonenhaushalt" und "Wohngemeinschaft" erklärt
 
   
  • JAEGGI, Eva & Heidi MÖLLER (2000): Psychologen in den Medien: Psychogebabbel im Trash-TV.
    Bin ich schokoladenabhängig? Ist Sex in Windeln normal? Was verrät die Handtasche über die Persönlichkeit ihrer Besitzerin? Ob Sexualität, Sucht, Lifestyle oder der neueste "Trend": die Medien setzen bei allen großen und weniger großen Problemen auf Expertise, Rat und Tat von Psychologen. Eva Jaeggi und Heidi Möller sehen viele Kollegen aber als Bauernfänger und Betrüger: Als Handlanger meist unseriöser Medienmacher diffamieren sie nur ihre Zunft,
    in: Psychologie Heute Nr.11 vom November
    • Inhalt:
      Die beiden Psychologinnen beschäftigen sich u.a. mit den Trend-Meldungen und meinen: "Viele 'Trends' sind überhaupt keine, sondern entstehen - zum Beispiel - in der Kantine einer Redaktion, wo sich gerade drei junge Journalistinnen geschworen haben, dass sie nie heiraten wollen, oder wenn ein Magazin einen spektakulären Aufmacher sucht". Statt Trends wie "Das neue Singleleben" oder "Die neue Zweisamkeit" zu proklamieren, sollte danach gefragt werden, warum es einen derart gesteigerten Bedarf an Trendmeldungen gibt.
 
       
       
   

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