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Faith
POPCORN ist das One-Word-Wonder der Trendforschung. Sie
hat in den 1980er Jahren den Begriff "Cocooning" erfunden und
lebt seitdem gut davon. Wäre sie in der Steinzeit geboren
worden, dann wäre uns der Begriff wahrscheinlich unter alten
Höhlenzeichnungen begegnet. POPCORN beherrscht die Kunst, aus
der simplen Tatsache, dass Menschen in Häusern leben, eine
Cocooning-Industrie gemacht zu haben. Seit den 1980ern ist
Cocooning der Trend und nach dem 11. September? Klar doch!
Noch mehr Trend vom gleichen. "Faith Popcorn Cocooning Home
Office" heisst die neueste Kreation aus dem Cocooning-Imperium.
Würde man einen Alt-68er
fragen, dann hat der Trend bereits Ende der 1960er Jahre
begonnen, denn Cocooning ist schlichtweg die These vom Rückzug
ins Private, gewendet in die Lifestyle-Sprache. (Der
"Trendforscher"
Holger RUST hat seiner "Kollegin"
POPCORN ein ganzes Kapitel in seiner Kritik an der
Trendforschung gewidmet)
Es gibt jedoch einen
Bedeutungswandel des Begriffs "Cocooning" und das ist das
eigentlich Interessante. Im
Jahr 1997 erschien das Spiegel Special-Heft
Wohnen 2000: Heim ins Heim, das sich ausführlich mit
dem Phänomen "Cocooning" beschäftigt. Im Artikel Wohnen
statt Leben wird der Freizeitforscher
OPASCHOWSKI
zum trendigen "Cocooning-Forscher". Es ist eine übellaunige
"Reportage", die heute unter die Formel vom
Ende der
Spassgesellschaft fallen würde.Im
Mittelpunkt steht die 56jährige alleinlebende Single-Frau
Gerlinde, arbeitslose Ex-Mitarbeiterin einer Werbeagentur
(also eine Story, die dem
Yuppie-Skript
folgt), die im Hamburger Stadtteil St.Georg wohnt.
Rezessionsbedingt ist sie zum erzwungenen Cocooning verdammt:
"Doch neben das
Luxus-Cocoonging im Penthouse der Gesellschaft tritt,
rezessionsbedingt, mehr und mehr erzwungenes Cocooning in
den unteren Etagen: Wo die Abgaben steigen und die Kaufkraft
schrumpft während Bus und Bier, Konzert und Kino teurer
werden, sehen sich die Ärmeren gleichsam zu Wohn-Haft
verurteilt, im Extremfall gar lebenslänglich."
Der Autor subsumiert "gated
communities" genauso unter das Phänomen wie das
Stubenhockertum der "Cocooning-Generation". Solches Cocooning
führt nach Ansicht des Autors bei "unreifen Hedonisten" sogar
zu kriminellen Handlungen.
Im Beitrag Einsame Adler.
Cyber-Cocooning: Der Computer bringt jedem die City ins Haus
von Gundolf S. FREYERMUTH wird bereits der Trend beschrieben,
für den jetzt POPCORN mit ihrem "Faith Popcorn Cocooning Home
Office" die Infrastruktur verkaufen möchte. Die sogenannte
"City of Bites" (William J. MITCHELL) ist kein neuer Trend,
sondern Ziel der New-Economy-Aktivitäten. Demografen
behaupten, dass der Geburtenrückgang zu einem verstärkten
Kampf um Wohnraum in wenigen florierenden Städten führen
würde. Demografen beziehen in ihre Überlegungen dabei jedoch
nicht die Folgen der Netzwerkgesellschaft mit ein, d.h. ihre
Szenarios gehen an der zukünftigen Entwicklung vorbei.
In dem Artikel Loft und
Liebe wird das Gegenmodell zum Cocooning entworfen: die
Mischung von Leben und Arbeiten im Rahmen der Familie. Bei
POPCORN fällt aber auch dieses Loft-Living unter die Rubrik "Cocooning".
Während also der Spiegel das Cocooning als übles
Phänomen der Single-Gesellschaft einer Familienidylle
gegenüberstellt, wird es nun von POPCORN als Errungenschaft
der Familiengesellschaft gepriesen. Das
ist alles nicht neu, sondern nur der Spot der Aufmerksamkeit
belichtet jetzt nicht mehr den bösen Single, sondern die
heilige Familie. |
HAGER, Angelika/HOFER, Sebastian/STANZL,
Eva (2007): Späte Mütter: Midlife-Mamas.
Die Zahl der Erstgebärenden 40+ hat sich verdoppelt. Immer mehr
ältere Frauen entscheiden sich für das erste Kind. Wie hoch ist das
medizinische Risiko?
in: Profil Nr.21 v. 21.05.
Bereits vor über 3 Jahren schrieb
single-generation.de über die Spätgebärenden als Trendsetter
einer
Gesellschaft
der Langlebigen und stellte die
Utopie der Ruhestandsfamilie vor,
die nun auch im österreichischen Nachrichtenmagazin Profil
angekommen ist:
"Mutterschaft als Beschäftigungstherapie für die Pension erscheint
derzeit noch als eine durchgeknallte oder beklemmende Orwell-Utopie,
aber angesichts der Forschungsprognosen für das 21. Jahrhundert
liegt sie durchaus im Bereich des Möglichen. Die Soziologie hat für
das gesellschaftliche Novum bereits einen Begriff geprägt: die
»Ruhestandsfamilie«.
(...).
Die Vorbehalte, dass Kinder mit älteren Müttern verwöhnt,
verweichlicht und Hänseleien seitens der Kindergartenfreunde
ausgesetzt würden, werden von Familien- und Seelenexperten unisono
vom Tisch gewischt. »Ich halte das Kriterium des Alters für
problematisch«, so der Kinderpsychotherapeut Helmut Figdor. »Eine
Mutter mit 45 kann genauso gut und schlecht wie eine 25-Jährige
sein.«
Eine gestiegene Lebenserwartung von 82 Jahren für die Frau
entkräftet auch das Argument vom allzu frühen Waisenkind. Der
renommierte Bildungspsychologe
Wassilios
Fthenakis befürwortet sogar die späte Mutterschaft, »weil in
dieser Phase Kinder meist viel besser sich in die berufliche
Biografie einordnen lassen und Mütter ihr Kind bewusster erleben«.
Die Weichen für die gesellschaftliche Akzeptanz der späten
Mutterschaft wären also gestellt."
Im Buch
Die Single-Lüge wird aufgezeigt,
wie Nationalkonservative und ihre Sympathisanten den Trend zur
späten Mutterschaft zum Anstieg der lebenslangen Kinderlosigkeit
umdeuten. Frühe Mutterschaft wird als Königsweg zum Geburtenanstieg
gepriesen, ungeachtet der Tatsache, dass sowohl das Bildungssystem,
der Arbeitsmarkt als auch die Norm der verantwortungsvollen
Mutterschaft den Trend zu älteren Müttern fördern. Der Soziologe Karl Otto
HONDRICH bezeichnet deshalb in seinem Buch
Weniger sind mehr die späte
Mutterschaft zu Recht als moderne Mutterschaft. Im Buch
Ein Leben ohne Kinder wird
Kinderlosigkeit zwar im Zusammenhang mit dem Aufschub von Geburten
diskutiert. Im Gegensatz zum nationalkonservativen
Argumentationsmuster wird dafür jedoch nicht der Egoismus der
Kinderlosen verantwortlich gemacht, sondern gesellschaftliche
Strukturen (z.B. fehlende Kinderbetreuungsangebote) oder Werte
(Rabenmutter-Klischee).
Inwieweit von einem bereits erfolgten bzw. zukünftigen Anstieg der
Kinderlosigkeit ausgegangen werden kann, ist durchaus
umstritten. Die lebenslange Kinderlosigkeit könnte bei den jüngeren
Frauenjahrgängen niedriger ausfallen als dies von
Nationalkonservativen um Herwig BIRG prognostiziert wurde.
Späte Mütter - Eine
kommentierte Bibliografie |
HAGER, Angelika (2007):
Kaminfeuerfeminismus.
Emotionen waren Luxus, die Ehe diente als Versorgung: Aus diesem
Dilemma schuf Jane Austen, deren Leben nun im Kino nacherzählt wird,
Romane, die noch immer Millionenseller sind. Warum fasziniert das
Weltbild einer präviktorianischen Jungfrau bis heute die Popkultur?
in: Profil Nr.46 v. 19.11.
HAGER, Angelika & Sebastian HOFER
(2008): Rätsel "Liebe".
Wie die Wissenschaft versucht, den Romantik-Code zu
entschlüsseln,
in: Profil Nr.15 v. 14.04.
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Klappentext
"Dieses Buch ist nicht nur ein öder
Kalender, sondern Ihr Erste-Hilfe-Paket für 2009.
Sie werden es brauchen, wenn der Saturn wieder
einmal miese Laune hat und Ihre Venus im Koma liegt.
In diesen Momenten werden Ihnen diese Seiten Trost
und Ratlosigkeit spenden – mit extra-ehrlichen
Kolumnen, erfrischenden Zitaten und Überlebenstipps
– vor allem für diese Achterbahn namens Liebe. Denn
2009 ist nicht nur Haltung, sondern auch
Unterhaltung gefragt. Und Humor ist noch immer die
beste aller Waffen, wenn einem das Leben den
Mittelfinger zeigt, Mazeltov, Auguri und das ganze
Zeug! "
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