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Angelika Hager: Polly Adler

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1963 in Baden bei Wien geboren
    • 2006 Buch "Pollywood"
    • 2007 Buch "Amour ... Pfuuh!"
    • 2008 Buch "Überleben 2009"
 
       
     
       
   

Angelika Hager in ihrer eigenen Schreibe

 
   

HAGER, Angelika & Edith MEINHART (2001): "Mann und Frau sind verschieden".
Trendforscherin Faith Popcorn über Lifestyle, Luxus und Statussymbole nach dem 11. September,
in: Profil Nr.45 v. 05.11.

Faith POPCORN ist das One-Word-Wonder der Trendforschung. Sie hat in den 1980er Jahren den Begriff "Cocooning" erfunden und lebt seitdem gut davon. Wäre sie in der Steinzeit geboren worden, dann wäre uns der Begriff wahrscheinlich unter alten Höhlenzeichnungen begegnet. POPCORN beherrscht die Kunst, aus der simplen Tatsache, dass Menschen in Häusern leben, eine Cocooning-Industrie gemacht zu haben. Seit den 1980ern ist Cocooning der Trend und nach dem 11. September? Klar doch! Noch mehr Trend vom gleichen. "Faith Popcorn Cocooning Home Office" heisst die neueste Kreation aus dem Cocooning-Imperium.

Würde man einen Alt-68er fragen, dann hat der Trend bereits Ende der 1960er Jahre begonnen, denn Cocooning ist schlichtweg die These vom Rückzug ins Private, gewendet in die Lifestyle-Sprache. (Der "Trendforscher" Holger RUST hat seiner "Kollegin" POPCORN ein ganzes Kapitel in seiner Kritik an der Trendforschung gewidmet)

Es gibt jedoch einen Bedeutungswandel des Begriffs "Cocooning" und das ist das eigentlich Interessante. Im Jahr 1997 erschien das Spiegel Special-Heft Wohnen 2000: Heim ins Heim, das sich ausführlich mit dem Phänomen "Cocooning" beschäftigt. Im Artikel Wohnen statt Leben wird der Freizeitforscher OPASCHOWSKI  zum trendigen "Cocooning-Forscher". Es ist eine übellaunige "Reportage", die heute unter die Formel vom Ende der Spassgesellschaft fallen würde.Im Mittelpunkt steht die 56jährige alleinlebende Single-Frau Gerlinde, arbeitslose Ex-Mitarbeiterin einer Werbeagentur (also eine Story, die dem Yuppie-Skript folgt), die im Hamburger Stadtteil St.Georg wohnt. Rezessionsbedingt ist sie zum erzwungenen Cocooning verdammt:

"Doch neben das Luxus-Cocoonging im Penthouse der Gesellschaft tritt, rezessionsbedingt, mehr und mehr erzwungenes Cocooning in den unteren Etagen: Wo die Abgaben steigen und die Kaufkraft schrumpft während Bus und Bier, Konzert und Kino teurer werden, sehen sich die Ärmeren gleichsam zu Wohn-Haft verurteilt, im Extremfall gar lebenslänglich."

Der Autor subsumiert "gated communities" genauso unter das Phänomen wie das Stubenhockertum der "Cocooning-Generation". Solches Cocooning führt nach Ansicht des Autors bei "unreifen Hedonisten" sogar zu kriminellen Handlungen.

Im Beitrag Einsame Adler. Cyber-Cocooning: Der Computer bringt jedem die City ins Haus von Gundolf S. FREYERMUTH wird bereits der Trend beschrieben, für den jetzt POPCORN mit ihrem "Faith Popcorn Cocooning Home Office" die Infrastruktur verkaufen möchte. Die sogenannte "City of Bites" (William J. MITCHELL) ist kein neuer Trend, sondern Ziel der New-Economy-Aktivitäten. Demografen behaupten, dass der Geburtenrückgang zu einem verstärkten Kampf um Wohnraum in wenigen florierenden Städten führen würde. Demografen beziehen in ihre Überlegungen dabei jedoch nicht die Folgen der Netzwerkgesellschaft mit ein, d.h. ihre Szenarios gehen an der zukünftigen Entwicklung vorbei.

In dem Artikel Loft und Liebe wird das Gegenmodell zum Cocooning entworfen: die Mischung von Leben und Arbeiten im Rahmen der Familie. Bei POPCORN fällt aber auch dieses Loft-Living unter die Rubrik "Cocooning". Während also der Spiegel das Cocooning als übles Phänomen der Single-Gesellschaft einer Familienidylle gegenüberstellt, wird es nun von POPCORN als Errungenschaft der Familiengesellschaft gepriesen. Das ist alles nicht neu, sondern nur der Spot der Aufmerksamkeit belichtet jetzt nicht mehr den bösen Single, sondern die heilige Familie.

HAGER, Angelika/HOFER, Sebastian/STANZL, Eva (2007): Späte Mütter: Midlife-Mamas.
Die Zahl der Erstgebärenden 40+ hat sich verdoppelt. Immer mehr ältere Frauen entscheiden sich für das erste Kind. Wie hoch ist das medizinische Risiko?
in: Profil Nr.21 v. 21.05.

Bereits vor über 3 Jahren schrieb single-generation.de über die Spätgebärenden als Trendsetter einer Gesellschaft der Langlebigen und stellte die Utopie der Ruhestandsfamilie vor, die nun auch im österreichischen Nachrichtenmagazin Profil angekommen ist:

"Mutterschaft als Beschäftigungstherapie für die Pension erscheint derzeit noch als eine durchgeknallte oder beklemmende Orwell-Utopie, aber angesichts der Forschungsprognosen für das 21. Jahrhundert liegt sie durchaus im Bereich des Möglichen. Die Soziologie hat für das gesellschaftliche Novum bereits einen Begriff geprägt: die »Ruhestandsfamilie«.
             (...).
Die Vorbehalte, dass Kinder mit älteren Müttern verwöhnt, verweichlicht und Hänseleien seitens der Kindergartenfreunde ausgesetzt würden, werden von Familien- und Seelenexperten unisono vom Tisch gewischt. »Ich halte das Kriterium des Alters für problematisch«, so der Kinderpsychotherapeut Helmut Figdor. »Eine Mutter mit 45 kann genauso gut und schlecht wie eine 25-Jährige sein.«
            
Eine gestiegene Lebenserwartung von 82 Jahren für die Frau entkräftet auch das Argument vom allzu frühen Waisenkind. Der renommierte Bildungspsychologe Wassilios Fthenakis befürwortet sogar die späte Mutterschaft, »weil in dieser Phase Kinder meist viel besser sich in die berufliche Biografie einordnen lassen und Mütter ihr Kind bewusster erleben«. Die Weichen für die gesellschaftliche Akzeptanz der späten Mutterschaft wären also gestellt."

Im Buch Die Single-Lüge wird aufgezeigt, wie Nationalkonservative und ihre Sympathisanten den Trend zur späten Mutterschaft zum Anstieg der lebenslangen Kinderlosigkeit umdeuten. Frühe Mutterschaft wird als Königsweg zum Geburtenanstieg gepriesen, ungeachtet der Tatsache, dass sowohl das Bildungssystem, der Arbeitsmarkt als auch die Norm der verantwortungsvollen Mutterschaft den Trend zu älteren Müttern fördern. Der Soziologe Karl Otto HONDRICH bezeichnet deshalb in seinem Buch Weniger sind mehr die späte Mutterschaft zu Recht als moderne Mutterschaft. Im Buch Ein Leben ohne Kinder wird Kinderlosigkeit zwar im Zusammenhang mit dem Aufschub von Geburten diskutiert. Im Gegensatz zum nationalkonservativen Argumentationsmuster wird dafür jedoch nicht der Egoismus der Kinderlosen verantwortlich gemacht, sondern gesellschaftliche Strukturen (z.B. fehlende Kinderbetreuungsangebote) oder Werte (Rabenmutter-Klischee).

Inwieweit von einem bereits erfolgten bzw. zukünftigen Anstieg der Kinderlosigkeit ausgegangen werden kann, ist durchaus umstritten. Die lebenslange Kinderlosigkeit könnte bei den jüngeren Frauenjahrgängen niedriger ausfallen als dies von Nationalkonservativen um Herwig BIRG prognostiziert wurde.

Späte Mütter - Eine kommentierte Bibliografie

HAGER, Angelika (2007): Kaminfeuerfeminismus.
Emotionen waren Luxus, die Ehe diente als Versorgung: Aus diesem Dilemma schuf Jane Austen, deren Leben nun im Kino nacherzählt wird, Romane, die noch immer Millionenseller sind. Warum fasziniert das Weltbild einer präviktorianischen Jungfrau bis heute die Popkultur?
in: Profil Nr.46 v. 19.11.

HAGER, Angelika & Sebastian HOFER (2008): Rätsel "Liebe".
Wie die Wissenschaft versucht, den Romantik-Code zu entschlüsseln,
in: Profil Nr.15 v. 14.04.

Neu:
HAGER, Angelika (2008): Willkommen in Cinderellahausen!
Rückzug ins Biedermeier für Carrie & Co.,
in: Profil Nr.23 v. 02.06.

Sex and the City - Der Film

 
       
   

Polly Adler - Überleben 2009 (2008).
Frische Kolumnen und erste Hilfe für 2009
Amalthea Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Dieses Buch ist nicht nur ein öder Kalender, sondern Ihr Erste-Hilfe-Paket für 2009. Sie werden es brauchen, wenn der Saturn wieder einmal miese Laune hat und Ihre Venus im Koma liegt. In diesen Momenten werden Ihnen diese Seiten Trost und Ratlosigkeit spenden – mit extra-ehrlichen Kolumnen, erfrischenden Zitaten und Überlebenstipps – vor allem für diese Achterbahn namens Liebe. Denn 2009 ist nicht nur Haltung, sondern auch Unterhaltung gefragt. Und Humor ist noch immer die beste aller Waffen, wenn einem das Leben den Mittelfinger zeigt, Mazeltov, Auguri und das ganze Zeug! "

 
     
 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 21. Juli 2008
Stand: 27. Dezember 2011