"Dieser Roman der jungen
österreicherischen Erzählerin beruht nicht nur auf einer »wahren
Begebenheit«. Es ist die Geschichte von zwei Mädchen aus
einem Milieu, in dem der Entscheidungsfreiheit dauernd
unsichtbare Grenzen gesetzt sind. Die Autorin ist, um ihren
Stoff zu finden, wie neuerdings so viele aus der Stadt
hinaus aufs Land gegangen. Doch im Gegensatz zu anderen
Schriftstellern hat sie nicht den archaischen Einklang der
Menschen mit der Natur entdeckt, auch nicht das harte,
einfache Leben der Mägde und Knechte (Innerhofer, Kroetz,
Sperr). In einem besonders idyllischen Tal der Steiermark
steht eine Fabrik, in der Miederwaren hergestellt werden. Es
ist symbolisch, daß in diesem Unfrieden einer entlegenen
Region die Produktion eines Zivilisationsguts vonstatten
geht, das auf die äußere weibliche Natur im Interesse der
Mode Zwang ausübt. Die Fabrik floriert, weil sie die Löhne
besonders niedrig halten kann. Welche
Entfaltungsmöglichkeiten hat eine Arbeiterin, die
Büstenhalter im Akkord näht? Sie kann einen Mann heiraten,
der ihr den gesellschaftlichen Aufstieg garantiert. Doch wie
andere Möglichkeiten, so sind auch sozial attraktive Männer
rar, und die attraktivsten sind schon vergeben. So setzt
zwischen den zwei »Liebhaberinnen« ein Konkurrenzkampf auf
Leben und Besserleben ein."
Pressestimmen zum Buch
"Oft hieß
es, Elfriede Jelinek sei eine feministische
Schriftstellerin. Nichts ist falscher. Keineswegs werden
ausschließlich die Männer in ihrem Werk in den Sog einer
Ästhetik der Hässlichkeit gezogen, sondern auch die Frauen;
Liebhaberinnen, Mütter und Töchter gleichermaßen. Man denke
an die experimentellen Romane Wir sind lockvögel, baby!
(1970) oder Die Liebhaberinnen (1975), damals noch in
Kleinschreibung (...): Überall sind die Frauen so dumm (oder
böse), dass ihnen nicht zu helfen ist. Sie sind
Mitläuferinnen, die auch vorm Mord nicht zurückschrecken."
(Ina Hartwig in der Frankfurter Rundschau
vom 08.10.2004)
"Die
Rolle der Frau war gleich von Anbeginn an ihr Thema,
untrennbar verbunden mit den anderen hässlichen Effekten des
Kapitalismus, also Rassismus, Männlichkeitswahn,
Medienterror, Nationalismus, all das findet sich bereits in
ihrem ersten avantgardistischen Roman »wir sind lockvögel
baby«. Die lange Zeit dem Austromarxismus zugeneigte Autorin
verstand es dank der Inszenierungen ihrer Figur recht
schnell, ein größeres Publikum zu erreichen. Ihre bereits
populäreren Bücher »Die Liebhaberinnen« und »Michael. Ein
Jugendbuch für die Infantilgesellschaft« aus den 70ern
gelten einigen ihrer Fans noch immer als ihre besten
Bücher."
(Jörg Sundermeier in der TAZ vom
08.10.2004)