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Franz
Innerhofer: Singles als soziale Aufsteiger oder vom
Leibeigenen zum Arbeiter und Studenten
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Nachrufe
zum Tod von Franz Innerhofer
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- PICHLER,
Christian (2002): Der "österreichische
Elendsrealist".
Todesfall:
Autor Franz Innerhofer schied freiwillig aus dem
Leben,
in: Oberösterreichische
Nachrichten v. 23.01.
- POHL, Ronald (2002):
Franz Innerhofer 1944 - 2002.
"Leibeigener",
Sprachbezwinger - der Autor beging Selbstmord,
in: Der
Standard v. 23.01.
- GAUSS, Karl-Markus
(2002): Aus der Welt gefallen.
Zum Tod des
österreichischen Schriftstellers Franz
Innerhofer,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 24.01.
- HALTER,
Martin (2002): Herr und Knecht.
Franz Innerhofer war ein
Arbeiter, der unter die Schriftsteller fiel und
in der "Redewelt" jämmerlich zu Grunde
ging. Jetzt hat der 57-jährige österreichische
Autor Selbstmord begangen,
in:
Tages-Anzeiger
v. 24.01.
- HILPOLD, Stephan
(2002): Schattseite.
Zum Tod Franz Innerhofers,
in: Frankfurter
Rundschau v. 24.01.
- JAE (2002): Der stumme
Bub.
Der österreichische
Schriftsteller Franz Innerhofer ist tot,
in: Berliner
Zeitung v. 24.01.
- Zum Tod des
Schriftstellers Franz Innerhofer,
in: Neue
Zürcher Zeitung v. 24.01.
- MB (2002): Ein
Leibeigener in der Redewelt.
Zum Tod von Franz
Innerhofer,
in: Basler
Zeitung v. 24.01.
- MOHR, Peter (2002):
Gescheitert wie seine Romanfiguren.
Verstorben. Der
Schriftsteller Franz Innerhofer,
in: Aargauer
Zeitung v. 24.01.
- PK (2002): Grauenvolle
Tage.
Zum Tod von Franz
Innerhofer,
in: Stuttgarter
Zeitung v. 24.01.
- SPRECKELSEN, Tilman
(2002): Haß auf die Heimat.
Schriftsteller der
Landflucht: Zum Tod von Franz Innerhofer,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v.
24.01.
- PATERNO, Wolfgang
(2002): Langer Abschied,
Als Kind ist er der Hölle
mit knapper Not entkommen, als Debütant wurde er
in den Himmel gelobt, als Schriftsteller
totgeschwiegen: Franz Innerhofer, 19442002,
in: Profil
Nr.5 v. 28.01.
- GREINER, Ulrich
(2002): Dünner Stoff.
Franz Innerhofer und das
Autobiografische,
in: Die
ZEIT Nr.6 v. 31.01.
- BIRGFELD,
Johannes (2002): Ein Davonmüssen von sich
selbst.
Ein
Nachruf auf den österreichischen Schriftsteller
Franz Innerhofer,
in: Literaturkritik
Nr.2, Februar
- MENASSE, Eva (2002):
Große Wörter.
Eine Gedenkveranstaltung
für den Schriftsteller Franz Innerhofer,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v.
18.02.
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Aus den Nachrufen
"In seinem beinahe
sprichwörtlich gewordenen Roman Schöne
Tage (1974) kam etwas in Österreich bis
dato Unerhörtes zur Sprache: Ein uneheliches
Landarbeiterkind arbeitete sich nicht nur
unter unsäglichen Mühen an den
Verhältnissen in der Salzburger Einschicht
ab. Es gewann mit seiner eben nicht
'naturwüchsig' ihm zukommenden, sondern
gegen übermächtige Kräfte erworbenen
Sprachkompetenz die (leidliche)
Verfügungsgewalt über seine (traurige)
Existenz zurück.
Innerhofers Werk ragt somit aus einer Zeit
herauf, als man 'Herrschaftsverhältnisse' in
Österreich, gewiss unter dem begünstigenden
Einfluss der Ära Kreisky, auch als solche
endlich zu benennen begann.
(...)
Es folgten bis 1977 die Romane Schattseite
und Die großen Wörter, und
Innerhofers 'Holl' erlebte seinen Bildungs-
und Entwicklungsroman, genoss die Privilegien
einer sich aufschließenden Gesellschaft und
verschwand: im Sand der Verhältnisse.
(...)
In der postmodernen Wissensgesellschaft
schien er verloren - und von jenem Boden
abgeschnitten, von dessen glücklicher
Bearbeitung seine Bücher zeugen."
(Ronald Pohl im Standard vom
23.01.2002)
"»Schöne Tage«
, 1981 von Fritz Lehner verfilmt, ist
Teil einer Triologie ( »Schattenseite«,
»Die großen Wörter« ) ,
die dieser Literatur durch Hans Weigel
die Ettikettierung »Anti-Heimatroman«
eintrug. Über diese Bezeichnung war
Innerhofer nie wirklich glücklich,
treffender schien da ein Wort, das die Kritik
zu »Schöne Tage« prägte;
sie feierte Innerhofer als
»österreichischen Elendsrealist«."
(Christian Pichler in den
Oberösterreichischen Nachrichten vom
23.01.2002)
"Als Lichtgestalt des
kritischen Heimatromans hatte er dereinst die
literarische Bühne betreten - und sich von
den Verheissungen dieser ihm so fremden Welt
blenden lassen. Die Mechanismen des
Literaturbetriebs durchschaute er nie."
(M.B. in der Basler Zeitung
vom 24.01.2002)
"Zugrundegangen ist Franz
Innerhofer, der jetzt nach Jahren bitterer
Armut und Vereinsamung Selbstmord verübte,
nicht allein an den Wunden, die ihm in seiner
Kindheit auf dem rohen Land geschlagen
wurden, sondern auch an jener kalten
Gleichgültigkeit, auf die er in der urbanen
Welt der »Großen Wörter« gestoßen
war."
(Karl-Markus Gauss in der SZ
vom 24.01.2002)
"Die am eigenen Leib
erfahrene, verlogene Bergbauernwelt war der
Motor für Innerhofers Munch-haften
»Schrei«, den er seiner Romanfigur Holl in
den Mund legte."
(Stephan Hilpold in der FR
vom 24.01.2002)
"Sein alter ego nannte er
Franz Holl; dieser wurde als Knecht-Bub in
der Alpenhölle nur Holl genannt, als
Lehrling gegängelt und als
»Milieuwechsler« war er überangepasst und
überempfindlich zugleich. Das Problem der
Autobiographien Innerhofers war: Je mehr die
Figur Franz Holls seinen Lesern ähnlich
wurde, umso langweiliger empfanden sie ihn.
Je mehr seine Bücher das exotische Milieu
der alpinen Knechtschaft hinter sich ließen,
umso mehr verblasste sein Ruf. Die Leser
wollten etwas vom stummen Elend im Bergidyll
wissen, nichts vom beredten
Intellektuellen."
(jae. in der Berliner
Zeitung vom 24.01.2002)
"Franz Innerhofers Romane
und Erzählungen waren Bildungsromane über
den zweiten Bildungsweg, sein Leben verlief
vom Salzburger Knecht zum Schriftsteller, von
wahrhaft misslichen Karriereprognosen zu
hohen Erwartungen. An beiden ist Franz
Innerhofer, der der österreichischen
Nachkriegsliteratur einige ihrer wichtigsten
Bücher hinterlässt, wohl letztlich
gescheitert."
(Paul Jandl in der Neuen
Zürcher Zeitung vom 24.01.2002)
"Innerhofer (...) hat die
Leibeigenschaft beschrieben, die er auf dem
Bauernhof seines Vaters erdulden musste. Die
Umgangsformen dort - wohlgemerkt in der Zeit
zwischen 1950 und 1961 - erinnern entweder an
finsterstes Mittelalter oder an die Taliban
von heute. Da, im landschaftlich schönsten
Tauerngebiet, ist der Mensch zum Tier
verkommen."
(P.K. in der Stuttgarter
Zeitung vom 24.01.2002)
"Als «österreichischer
Elendsrealist» wurde Franz Innerhofer nach
dem Erscheinen seines Romanerstlings
«Schöne Tage» (1974) gerühmt.
(...)
Als dieses weitgehend autobiografische
Erzählwerk 1981 von Fritz Lehner verfilmt
wurde, hatte der Literaturstern Innerhofer
schon längst den Zenit überschritten. Nach
seinem zweiten Roman «Schattseite» schlug
die anfängliche Begeisterung des
Literaturbetriebs über den zornigen jungen
Mann, der so schonungslos mit seiner
bäuerlichen Herkunft abrechnete, in das
genaue Gegenteil um. Der literarische
Zeitgeist hatte gegen ihn gearbeitet, die Uhr
für die sozial engagierte realistische
Literatur war abgelaufen."
(Peter Mohr in der Aargauer
Zeitung vom 24.01.2002)
"Franz Innerhofer (...) war
weder Herr seines Lebens noch seines
Schreibens, und doch war er ein
Schriftsteller von besonderem Rang."
(Ulrich Greiner in der Zeit
vom 31.01.2002)
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Franz
Innerhofer in der Debatte
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- BUCH,
Hans Christoph (2002): Jung sein ist nicht alles.
Polemische
Anmerkungen zum neuen Kampf der Generationen in
der deutschen Literatur,
in: Welt v. 11.05.
- Inhalt:
BUCH beklagt den
Jugendwahn im Literaturbetrieb, der seine
Generation besonders hart trifft, da
"es
durchweg Autoren der 68er Generation
sind, die, das Kainsmal des
Modernisierungsverlierers auf der Stirn,
zu Dauerarbeitslosen werden.
'Ihre Generation ist auf dem Markt nicht
mehr vermittelbar', sagte mir eine
Literaturagentin, die zu den
erfolgreichsten Vertreterinnen dieses
Berufsstands gehört, mit entwaffnender
Brutalität. Dass der Literaturbetrieb
über Leichen geht - buchstäblich und
nicht nur im übertragenen Sinn, zeigt
der Selbstmord des österreichischen
Erzählers Franz Innerhofer, der am 22.
Januar dieses Jahres in seiner Grazer
Wohnung aufgefunden wurde. Wie lange er
dort gelegen hatte, weiß niemand, da
sich der genaue Zeitpunkt seines Todes
nicht mehr rekonstruieren ließ."
-
FEDERMAIR, Leopold (2004): Mit Innerhofer
im Weingartl,
in: ndl - neue deutsche literatur, Januar/Februar 2004
- Inhalt:
Leopold FEDERMAIR über seine Sicht
von Franz INNERHOFER, den er ein einziges Mal, Ende der 70er Jahre,
persönlich getroffen hat:
"Im Jänner 2002 hat sich
Franz Innerhofer umgebracht. Aufgehängt, wie ein Bauer. Keine
Überdosis irgendwelcher Drogen, wie das bei Dandys und Popstars üblich
ist.
(...).
Ich glaube (...), Innerhofer ist das Opfer seiner Utopiebedürftigkeit
geworden, gestorben an seiner unerfüllbaren Italiensehnsucht."
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Rezensionen
- Neu:
JDL (2004): Keine schönen Tage,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 17.07.
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GAUSS, Karl-Markus
(2003): Die Verweigerung des Frondienstes.
Franz Innerhofers Roman-Trilogie "Schöne
Tage", "Schattseite" und "Die großen Wörter",
in: Süddeutsche
Zeitung v. 28.02.
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Die
großen Wörter (1977)
Salzburg:
Residenz Verlag
auch erschienen als Suhrkamp-Taschenbuch
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Klappentext
"Belastet mit den
Erfahrungen einer vergewaltigten Kindheit (Schöne
Tage) und mühsamer Anstrengungen, als
Lehrling und Fabrikarbeiter Selbständigkeit
zu behaupten (Schattseite),
unternimmt Holl nunmehr den Versuch, als
Abendschüler und schließlich Student sich
Eintritt in die »Welt des Redens« zu
verschaffen. Diese Welt war ihm, im Gegensatz
zur niederdrückenden Welt der Arbeit, immer
als ein Bereich erschienen, der Überblick
und objektive Erkenntnis gleichsam
garantiert. Die Enttäuschung ist
zwangsläufig: Lehrer, die ihre eigenen
psychischen Verkrümmungen rücksichtslos an
die Schüler weitergeben, und Professoren,
deren unbefragte Selbstherrlichkeit ihr
Desinteresse an den Studenten nur um so
deutlicher macht - sie alle, und Vorgesetzte
und Politiker dazu, verschanzen sich hinter
»großen Wörtern«, die nichts mehr
bedeuten. Holl muß sich die Antworten auf
seine Fragen anderswo suchen, bei
Arbeitskollegen, bei Freunden, bei sich
selbst."
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Schattseite
(1975)
Salzburg:
Residenz Verlag
auch erschienen als Suhrkamp-Taschenbuch
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Klappentext
"Schöne Tage
verbringt Holl auf dem Hof seines
Vaters, nachdem die Mutter und der
Stiefvater den Sechsjährigen dorthin
abgeschoben haben. Auf dem Hof gelten
noch patriarchalische Gesetze, hie
der Bauer und Herr, dort die Knechte,
Mägde und Taglöhner. Von Kindheit
an durch die schwere Arbeit
abgestumpft, sind diese Menschen zur
Sprach- und Bewußtlosigkeit
verurteilt, und nur in brutalen
Ausbrüchen und primitiver
Sexualität vermögen sie ihre
Gefühle noch zu äußern. Nach und
nach beginnt Holl, die Zusammenhänge
zu erkennen. Damit setzt für ihn ein
Prozeß der Befreiung ein, seine
Aufsässigkeit entspringt nicht mehr
dumpfer Aggression, sondern wird
gezielte Provokation. Nach elf Jahren
der Erniedrigung und Angst findet er
die Kraft, seine »Leibeigenschaft«
abzuschütteln, den Hof des Vaters zu
verlassen und mit einer Schmiedelehre
ein neues Leben zu beginnen."
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-
Das Buch in der Debatte
-
KUZMICS, Helmut & Gerald MOZETIC (2003): Vom Nutzen der
Literatur für die Soziologie,
in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, H.2
- Inhalt:
Die Autoren über den Roman "Schöne
Tage" von Franz INNERHOFER:
"ein
literarisches Werk wie das Innerhofers kann uns vielleicht
auch sensibel machen für eine »generationelle Lagerung«,
nämlich das noch in den 1950er Jahren massenhafte Verlassen
bäuerlicher Lebensverhältnisse, die den Sozialcharakter
einer »Aufsteiger«-Generation wohl entscheidend mitgeprägt
haben."
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