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- FEDERMAIR,
Leopold (2002): Human Trash.
Von Goethe zu Houellebecq,
in: Sinn und Form, H.3, Mai-Juni, S.293-309
- Inhalt:
FEDERMAIR beschäftigt sich in diesem Essay mit der
Frage, warum die Trashliteratur von
HOUELLEBECQ und
Maurice G. DANTEC so erfolgreich ist. Die Gemeinsamkeit ihres
Anliegens beschreibt er als ein Basteln an höheren, möglicherweise
misslingenden Menschentypen:
"Wesen, die nach Unsterblichkeit und Kontrolle des eigenen wie des
fremden Lebens streben. Die unter der Sterblichkeit und dem Chaos
litten. Die am Horizont plötzlich neue, beunruhigende, beängstigende
oder faszinierende Möglichkeiten auftauchen sahen."
In dem Essay wird das Menschenbild betrachtet, das in HOUELLEBECQs
Roman
"Elementarteilchen" aufscheint und mit anderen Visionen (u.a.
Aldous HUXLEYs
"Schöne neue Welt" und SLOTERDIJKs "Regeln für den
Menschenpark") von der Überwindung des Menschen verglichen.
- FEDERMAIR,
Leopold (2004): Mit Innerhofer im Weingartl,
in: ndl - neue deutsche literatur, Januar/Februar 2004
- Inhalt:
FEDERMAIR über seine Sicht von Franz INNERHOFER,
den er ein einziges Mal, Ende der 70er Jahre, persönlich getroffen
hat:
"Im Jänner 2002 hat sich
Franz Innerhofer umgebracht.
Aufgehängt, wie ein Bauer. Keine Überdosis irgendwelcher Drogen, wie
das bei Dandys und Popstars üblich ist.
(...).
Ich glaube (...), Innerhofer ist das Opfer seiner Utopiebedürftigkeit
geworden, gestorben an seiner unerfüllbaren Italiensehnsucht."
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FEDERMAIR, Leopold (2005): Philosophie und
Nicht-Philosophie.
Der selbst ernannte
Bürgerschreck Jean-Paul Sartre würde am 21. Juni 100 Jahre alt. Ein
Essay,
in: Der Standard v. 11.06.
- Inhalt:
Leopold FEDERMAIR vergleicht SARTREs Roman
"Der Ekel" mit CAMUS' Roman "Der Fremde" und HOUELLEBECQs Roman
"Die Ausweitung der Kampfzone":
"Man
könnte in der neueren französischen Literatur eine Linie ziehen von
Sartres Ekel über Camus' Der Fremde zu Houellebecqs
Ausweitung der Kampfzone. Diese relativ schmalen, aus dem grauen
Himmel gestürzten Frühwerke zeichnen mit knappen und präzisen
Strichen eine trostlose Welt, in der die wenigen Hoffnungsschimmer
nur dazu dienen, die Wahrnehmung der Welt noch schneidender, noch
verletzender zu machen. Die Beziehungen zwischen den Menschen sind
von äußerster Kälte - offenbar haben nicht erst »die
Achtundsechziger« und der Neoliberalismus, wie Houellebecq
suggeriert, jene Härte verursacht, die dem sensiblen Individuum aus
der Gesellschaft entgegenschlägt. Allerdings gibt es da auch einen
Unterschied, und zwar einen Unterschied der Haltung, der womöglich
für die Entzweiung zwischen Sartre und Camus zu Beginn der
Fünfzigerjahre ausschlaggebend war.
In Der Ekel wird deutlich die subjektive Wahrnehmung des
Helden akzentuiert: Roquentin ist es, der seinen »Gegenspieler«, den
humanistischen, menschenfreundlichen Autodidakten, als Vollidioten
denunziert. Nicht die Welt, sondern sein Blick ist hart, kalt und
grausam. Mag Roquentin mit Sartre auch nicht identisch sein, so sind
die Wahrnehmungsgewohnheiten des Autors und seines Helden doch aufs
Engste verwandt, während Camus sich in verschiedenen Anläufen immer
wieder bemüht, Visionen eines glücklichen Lebens zu formulieren, und
zu Meursault, seinem »Fremden«, deutlich auf Distanz geht, etwa
indem er ihn als jenen Christus bezeichnet, den wir heute (immer
noch!) verdienen: der Täter als Opfer und Sündenbock, aber gewiss
nicht »im Recht« mit seinem absurden Mord."
- Neu:
FEDERMAIR, Leopold (2006): Den Schmerz zurückgeben.
Michel Houellebecq, die Sprache des Ressentiments und der Stil
eines stillosen Autors,
in:
Volltext Nr.2, April/Mai
- Inhalt:
Leopold FEDERMAIR bespricht das Buch
"Lebendig bleiben", das der
DuMont Verlag 15 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung heraus
bringt:
"»Die
Welt ist ein entfaltetes Leiden.« Mit diesem Satz beginnt
Houellebecqs Lebendig bleiben, ein poetisches Manifest
aus der frühen Schaffenszeit des Autors, erstmals 1991
veröffentlicht. (...).
Das Houellebecq'sche Leiden hat unüberwindlichen Charakter, es
gehört zu condition humaine - ein Grund, weshalb man
Houellebecq mit Recht in die Nähe der existentialistischen
Autoren gerückt hat. (...) Houellebecqs Ausdrucksform
suggeriert, dass das metaphysische Unbehagen des Menschen aufs
engste mit seinen physischen, also biologischen
Voraussetzungen verbunden ist. Das wichtigste Scharnier
zwischen beiden Bereichen ist die Sexualität und die mit ihr
verbundene Zwischenmenschlichkeit, im Glücksfall: die Liebe."
FEDERMAIR
sieht auch Verbindungen zu den deutschen Frühromantikern:
"Setzt
man voraus, dass es ihm um Heilung zu tun ist und nicht um
Zerstörung und Selbstzerstörung, dann besteht Houellebecqs
Methode aus einer Serie von Schocks, die den ganzen Körper -
den individuellen und den Gesellschaftskörper - erschüttern
sollen. Die Gesamtheit dieser Erschütterungen ergäbe eine
Revolution, eine Religion oder Mythologie für (post)moderne
Zeiten, wie sie schon die deutschen Frühromantiker suchten."
Des
Weiteren sieht FEDERMAIR den Poeten HOUELLEBECQ als Rächer:
"Michel
Houellebecq gibt den Schmerz, den er als Kind und Jugendlicher
erfahren hat, an die Gesellschaft - an ihre mächtigen
Vertreter, nicht an die Schwachen - zurück. Das kann man als
Rache bezeichnen."
Zum
Schluss geht FEDERMAIR noch auf das Erfolgsprinzip der
Simplicity und den
Messianismus ein:
"Könnte
Houellebecq nicht als Messias einspringen? Ein
whiskytrinkender, kettenrauchender, Snoopy-Sätze absondernder
Erlöser? Ein bisschen kokettiert er mit dieser Rolle, die ihm
die Ironie seiner Intelligenz verwehrt."
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Klappentext
"Zentrum des Buchs sind drei
Porträts: Trakl, Kafka, Montaigne. Porträt, das ist
der Versuch der Zusammensicht von Leben und Werk. Am
Ende steht eine Streitschrift, die den Autor von den
Klassikern weg zu den Gegenwartsautoren, zu den
Begriffen des Albernen und des Erhabenen führt,
wobei auch Symptome des Literaturbetriebs aufgezeigt
und untersucht werden."
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Stimmen zum Essayband
"Die drei Autoren, an denen Leopold Federmair,
selbst Autor, Übersetzer und Kulturpublizist, das Freudsche
Diktum »alle Kunst ist Mangelkunst«
überprüft, sind lebenslänglich auf »ihren
Mangel fixiert« (19) geblieben.
Gemeinsam scheint ihnen auch die spezifische Topographie
ihrer selbsterschaffenen Umräume: Höhle/Blase (Trakl),
Junggesellenbau (Kafka) und Turm (Montaigne). Federmair
nähert sich den einzelnen Autoren behutsam und mit sehr viel
- auch poetischem - Feingefühl."
(Evelyne Polt-Heinzl, literaturhaus.at vom
18.01.2002)
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