Zitate:
Stichprobe der Befragung
"Im Rahmen einer Mehrthemenumfrage wurden
auf der Basis eines random-sample 3969 Österreicherinnen und
Österreicher ab dem 14. Lebensjahr befragt. Der
Befragungszeitraum war 10. 6. bis 27. 7. 1994." (S.263)
Unterscheidung zwischen Singularisierung und
Individualisierung
"Während
Singularisierung die Legitimierung (sozial akzeptierte Form)
des Alleinlebens bzw. bestimmter mit Alleinsein verbundener
Verhaltensweisen bezeichnet, ist unter Individualisierung
»die Herausbildung von Besonderheiten in eigenen
Entwicklungen und in Formen des Wachstums« zu verstehen.
Die anhaltende Zunahme der Singlehaushalte ist ein Indiz für
Singularisierung. (...).
Individualisierung in dem hier gemeinten Sinn heißt,
daß der Mensch als Gestalter seiner Identität, Planer seines
Lebenslaufs, strategisch-rationaler Nutzer (...) und soweit
möglich auch als Produzent gesellschaftlicher Verhältnisse
auftritt." (S.259)
Definition: Singles
"Singles
(Alleinlebende)
(...). In unserer Studie bezieht sich der Begriff Single auf
die Altersgruppe der 30- bis 54jährigen.
(...). Der Begriff Single zielt aber nicht nur auf eine
bestimmte äußere Lebensform, sondern auch auf eine bestimmte
Lebensweise, d.h. bestimmte Werthaltungen und
Beziehungsmuster, die hier konzeptuell als
Individualisierung gefaßt werden. Aus der Verknüpfung von
Singularisierung (sozial akzeptierte Form des Alleinlebens)
und Individualisierung ergeben sich verschiedene Typen von
Lebensformen bzw. Lebensweisen." (S.262f.)
Anteil der »swinging« Yuppies
"Einpersonenhaushalte sind in sich sehr heterogen. (...). In
bezug auf Einkommen und Erwerbsarbeit bewegen sie sich
sowohl im oberen als auch im unteren Verteilungsbereich.
(...). Die von der Werbung hervorgehobenen konsumstarken
Singles sind (...) durchaus dem mittleren Lebensalter
zuzuordnen. Trotzdem machen die in großzügigen
Lebensverhältnissen lebenden und über ein
überdurchschnittliches Einkommen verfügenden Singles nur 3 %
der Gesamtbevölkerung ab vierzehn Jahre aus. Diese kleine
Gruppe der »Paradesingles« ist für den Mythos vom freien und
unabhängigen Menschen verantwortlich, der unbelastet von
irgendwelchen Verpflichtungen und Verantwortung allein für
sich lebt und Genuß und Erleben in den Vordergrund seiner
Lebenskultur stellt." (S.264
Ältere Alleinlebende als größte Gruppe
"Die
weitaus größte Gruppe der alleinlebenden Personen bilden
(...) die alten Menschen. Mehr als 50 % der
Alleinlebenden sind Rentner"(S.268)
Dauer des Alleinwirtschaftens
"Durchschnittlich lebten alle hier befragten Alleinlebenden
9,5 Jahre allein. Unter den 30- bis 54jährigen lebte jeder
Dritte mehr als zehn Jahre allein."(S.268)
geschlechtsspezifische Unterschiede der Zufriedenheit mit
dem Alleinleben
"Weibliche Alleinlebende sind - unabhängig vom Familienstand
und Alter - mit dem Alleinleben zufriedener."
altersabhängige Zufriedenheit
"Am
größten ist die Gruppe der »Unzufriedenen« im mittleren
Lebensalter (34 %)."
Singles und Sozialstaat
"Sozialer
Tatbestand ist, daß Alleinlebende - vor allem im mittleren
Lebensalter - sich vehement gegen eine Politik wehren, die
aus ihrer Kinderlosigkeit die Forderung nach einer
Höherbesteuerung ableitet. 75 % der Singles lehnen eine
Höherbesteuerung, aufgrund ihrer Kinderlosigkeit ab. Von
jenen 50 % der insgesamt Befragten, die für eine
Höherbesteuerung der Singles eintreten, wird diese zu 80 %
mit dem hedonistischen Lebensstil der Singles bzw. deren
fehlenden Beitrag zum Generationenvertrag begründet. Da
Singles keine Kinder haben, so die Meinung, belasten sie das
Umlageverfahren." (S.269)
Typen von Singles
" -
Der Karriere-Typ: In der vorliegenden Stichprobe
männlich. (...).
- Der Selbstverwirklichungs-Typ: Dieser Single ist
eher weiblich als männlich. Sie sieht ihr Alleinleben als
Chance, sich persönlich weiterzuentwickeln
(...).
- Der Schrullige: Dieser Typ ist eher männlich als
weiblich. Er ist schon lange oder sein ganzes
Erwachsenenleben Single und hat als solcher ausgeprägte
Eigenheiten entwickelt. (...). Beruflich ist er eher
etabliert als karrierebewußt oder flexibel.
- Der Unangepaßte: Diesem Typus - eher männlich als
weiblich - sind alle Kategorien der Partnerschaft und
Möglichkeiten der beruflichen Laufbahn zu eng. (...).
- Der Unglückliche: Singles diesen Typs finden sich
sowohl unter Männern als auch unter Frauen. Diese Singles
wollen eigentlich nicht alleine leben, am liebsten hätten
sie eine ganz konventionelle Partnerschaft. sie stellen sehr
hohe Ansprüche und sind nur bis zu einem gewissen Grad zu
Kompromissen bereit. Für sie ist das Singledasein nur eine
vorübergehende Phase in ihrem Leben, die sie kaum genießen."
(S.270f.)
Kommentar: Defizit des Beitrags
Mit
keinem Wort wird auf Partnerschaften von Singles (Living
apart together) eingegangen. Die Definition des
Alleinlebenden schließt solche Partnerschaften nicht aus.