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Peter Glaser: Punk im Alltag

 
       
     
       
     
       
   

Peter Glaser in seiner eigenen Schreibe

 
   

GLASER, Peter (1996): Die Nerds kommen.
Künstler aus dem Silikon Valley und Computerautor Peter Glaser entdecken eine sonderbare Elite,
in: Stern Nr.22

Nerds - die kommunikationsunfähigen, unfreiwilligen Singles der Informationsgesellschaft

GLASER, Peter (2001): Ein Planet, eine Jugend, ein Sender.
Von der Dauerwerbesendung zur Kulturform: MTV wird 20 Jahre,
in: Berliner Zeitung v. 01.08.

GLASER, Peter (2003): Tanz im Vakuum.
Der deutsche Punk und die Neue Deutsche Welle im Schnelldurchlauf,
in: Rolling Stone, Oktober

GLASER, Peter (2004): Vorwärts in die Kuhzunft.
Wo spielt die Musik?
Pop kommt in Deutschland aus der Provinz: Wie Düsseldorf einen kurzen Sommer der Anarchie erlebte,
in: Tagesspiegel v. 23.09.

"Ich bin Österreicher, aus Graz. Während wir kleinen Berglandhippies in den frühen Siebzigerjahren noch auf alten Autobussitzen in einer Kellerdisko das Küssen lernten, war anderswo schon längst alles gelaufen und in dunkelbraune Breitcordwohnlandschaften und den Fettglanz von Lipgloss hineinverloschen. 1978 folgte ich der Einladung eines Freundes, er hatte eine günstige Unterkunft in einem Heizungskeller anzubieten, und rettete mich nach Düsseldorf",

so beginnt Peter GLASER seine kurze Geschichte des Punk in Düsseldorf, die Jürgen TEIPEL in »Verschwende deine Jugend« ausführlich beschrieben hat.

GLASER, Peter (2005): Herr, es ist Zeit.
Was ist mit diesem Land? Was soll mit Deutschland werden? Fünf Leuchtstreifen,
in: Berliner Zeitung v. 10.12.

Der Österreicher Peter GLASER versucht sich als Reinhard MOHR. Das paradoxe Deutschlandgefühl, das er aus dem Mitte-Feuilleton kondensiert hat, speist sich einerseits aus einer Jammerrhetorik, die sich gegen die verflüchtigte Postmoderne und die individualisierte 68er-Verhandlungslogik gleichermaßen richtet, andererseits wird die bürokratische Erstarrung beklagt:

"Die Müdigkeit in Deutschland hat zu tun mit einem Nachlassen aller Formen, aller Regeln, fast aller, und mit einer äußerst anstrengenden Zunahme an Zeichen.
          
(...).
Sowie sich etwas ins Ungeordnete hin auftut, ist der Deutsche existenziell beunruhigt."

Das ist generationreformhaftdeutsch. Warum sind unsere 40Jährigen eigentlich so furchtbar vergangenheitsfixiert? Die Zukunft muss immer noch ohne sie stattfinden. Wenn Ulrich BECK beklagt, dass die Soziologen sich der Realität entfernt haben, dann gilt das für diese verstaubte Mitte-Rhetorik erst recht.

Lässt man diese muffigpenetrante Mittigkeit einmal beiseite und überwindet seinen Ekel, dann finden sich einige Perlen im Text versteckt...      

GLASER, Peter (2006): Die Jedermann-Baustelle.
Schön ist diese große Stadt. Ein bisschen Berlin-Gefühl,
in: Berliner Zeitung v. 22.02.

"Es gibt Umbruch, Aufbau, brutale Eleganz. Diese ganze Berlin-Dynamik ist überhaupt erst genießbar geworden, nachdem die Hysterie der Boomjahre verklungen war - die Zeit, als Sinn durch Geschwindigkeit ersetzt worden war",

teilt Peter GLASER mit, um zum Schluss ein Loblied auf das Kleinräumige der Metropole zu singen:

"Viele Provinzler, die sich nach Berlin absetzen, um Träume zu leben, finden sich überrascht wieder - in einer Dörflichkeit. Die Stadt ist zu groß, um eine einzige Stadt zu sein. Berlin ist eine Fülle von Berlins. In emotionalen Zellteilungen vervielfältigt es sich in Gegenden, Bezirke, Reviere, Clans."

GLASER, Peter (2007): Arbyte. Drei Portraits aus den digitalen Arealen.
In: Johannes Ullmaier (Hg.) Schicht! Arbeitsreportagen für die Endzeit
, Frankfurt a/M: Suhrkamp, S. 212-237

GLASER, Peter (2008): Bill geht.
Was tut ein Mann wie Bill Gates, wenn vier Milliarden Menschen dümmer sind als er selbst? Er lässt es sie spüren. Trotzdem ist er steinreich geworden, und seine Firma Microsoft hat einen Marktanteil, der an Wahlergebnisse in Diktaturen erinnert. Heute ist sein letzter Arbeitstag – zum Abschied eine Polemik,
in: Tagesspiegel v. 27.06.

GLASER, Peter (2008): Der Schlitz.
Wie Google unser Leben verändert,
in: TAZ v. 06.09.

GLASER, Peter (2008): Marco Dettweiler, "seriöser Journalist",
in: blogg.stuttgarter-zeitung.de v. 12.08.

GLASER, Peter (2008): Von Print zu Find.
Über den schwierigen Übergang herkömmlicher Kulturformen in das digitale Zeitalter,
in:
Berliner Zeitung v. 24.11.

"Es sieht so aus, als würde uns die Digitalisierung richtig Platz im Wohnzimmer verschaffen; vielleicht auch im Kopf. Erst schrumpfte die Musik von Schallplatten- auf CD-Format, jetzt ist sie ganz weg, Bits geworden auf Festplatten und in winzigen MP3-Schächtelchen. Nun sollen Bücher, Zeitungen und Zeitschriften ebenso verschwinden. Werden wir bald in ausgeräumten Zimmern stehen, auf uns selbst zurückgeworfen, und nur ein Bildschirm leuchtet noch lakonisch?"

fragt der Schriftsteller Peter GLASER, um dann wieder über Google zu schreiben:

"Ungoogelbar zu sein bedeutet im Internetzeitalter, nicht zu existieren"

GLASER, Peter (2009): Eine Maschine wie ein Versprechen.
Revolution: Der Mac wird 25 - wie eine Maschine unsere Vorstellung von Veränderung verändert hat,
in:
Freitag Nr.4 v. 23.01.

"Der Apple Macintosh kam 1984 nicht einfach auf den Markt. Er erschien. Sein Bildschirm leuchtete weiß. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man Computer daran erkannt, dass sie grüne Zeichen auf schwarze Bildschirme ausgaben", berichtet der Schriftsteller Peter GLASER.

GLASER, Peter (2009): Die Textremisten.
Unterm Strich: Hypermodern,
in: Berliner Zeitung v. 16.06.

Drei Strategien gegen die Übermenge des Geschriebenen im Netz, stellt der Schriftsteller Peter GLASER vor: Redaktion, Aggregation und Ignoranz.

GLASER, Peter (2009): Der große Tauschangriff.
Kopierschutz, Kulturflatrate, Kommunismus: Was wird aus dem Urheberrecht im Digital-Zeitalter?
in: Berliner Zeitung v. 25.09.

GLASER, Peter (2010): Der Laufpassservice.
Hypermodern,
in: Berliner Zeitung v. 18.03.

GLASER, Peter (2010): Hypertext, Alter!
Vor 20 Jahren revolutionierte die erste Website die Art und Weise zu kommunizieren,
in: Berliner Zeitung v. 12.11.

GLASER, Peter (2010): Revolution für Faule.
Eine kurze Geschichte des Kulturpessimismus,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.12.

Der Cyber-Punk und Schriftsteller Peter GLASER legt keine kurze Geschichte des Kulturpessimismus vor, sondern eine kurze Geschichte der Kritik technischen Fortschritts, spezieller: Medienpessimismus. Es geht dabei auch um die Konstruktion typischer Sozialfiguren wie des Computerfreaks bzw. des Nerds und das gestörte Verhältnis zwischen nitzeanischer Elite und der Masse als Mob, oder moderner: Wutbürger.
            GLASER breitet typische Dystopien aus wie sie von elitären Hysterikern à la SCHIRRMACHER verbreitet werden. Blättert man eine Seite weiter, dann kann man den von GLASER kritisierten typischen SZ-Kulturpessimismus bei Benjamin BARBER studieren. Da droht wie üblich der Untergang des Abendlandes und der Zerfall der Demokratie:

"Doch etwas ist mit der amerikanischen Demokratie geschehen: Wir haben Meinung und Vorurteil an die Stelle von Wissenschaft und Vernunft gesetzt - oder noch schlimmer, wir erkennen den Unterschied zwischen beidem gar nicht mehr."

Da wird versprochen, dass es in der Politik um Wahrheit gehe und nicht um Interessen. Anhand der Debatte über den demografischen Wandel lässt sich jedoch zeigen, dass es in der Politik einzig und allein um Interessen geht, die jedes Mittel rechtfertigen. Da werden angeblich unumstrittene Fakten präsentiert, die - sobald ein Gesetz durchgepeitscht ist - und ihre Schuldigkeit getan haben, plötzlich gar nicht mehr so unumstritten sind.
            Auf dieser Website und auf single-generation.de lässt sich nachlesen, wie z.B. in der Debatte um das Elterngeld unumstößlich geltende Fakten in der Wochenzeitung ZEIT von einem Tag auf den anderen als wissenschaftlich ungesichert galten. Beispielhaft lässt sich das an der Rolle des Wissenschaftsjournalisten Björn SCHWENTKER demonstrieren. Während in der Print-ZEIT Susanne GASCHKE mit überhöhten Zahlen das Elterngeld rechtfertigte, schrieb SCHWENTKER in der Online-ZEIT das genaue Gegenteil. Erst nach dem Beschluss des Elterngeldes durfte SCHWENTKER diese Sicht auch in der Print-ZEIT darlegen. Politik, Medien und Wissenschaft gewinnen dadurch wahrlich nicht an Glaubwürdigkeit.

Neu:
GLASER, Peter (2011): Stabilere Helden.
Japanische Roboter musizieren und treiben Sport. Warum schickt man sie nicht nach Fukushima?
in: Berliner Zeitung v. 26.03.

 
       
   

Peter Glaser: Porträts und Gespräche

 
   

SPIEGEL (1983): Gefletschte Zähne.
Das Taschenbuch "Der große Hirnriß" wurde per Multi-Media-Spektakel lanciert, Teile gleich vertont. Es schildert einen Generationenkonflikt der besonderen Art,
in: Spiegel Nr.29 v. 18.07.

Das Buch Der große Hirnriß von Peter GLASER und Niklas STILLER wird als Manifest der Post-Punk-Ära vorgestellt. Damit soll eine neue Zielgruppe erreicht werden, die als "»schräg«, »cool«, »Neonkinder«, »Nach-Hippies« und »Nach-Hausbesetzer-Generation«" umrissen wird.

SCHÖDEL, Helmut (1986): Die wilden Raben.
Josef Hartmann, Peter Sempel, Peter Glaser, drei aus der Dritten Generation der Gegenkultur: Eine Reise ins Grenzland der Künste,
in: Die ZEIT Nr.14 v. 18.03.

SCHÖDEL u.a. über Peter GLASER:

"Es geht um Suspense, Action, Knalleffekte. In einem kulturellen Klima, das mit literarischen oder theatralischen Entwürfen von Vorgestern die Welt von Heute retten will, in dem jeder drittklassige Lyriker schon wieder Auftrag und Berufung spürt, flirtet Glaser mit dem Kommerz. Peter Glaser hat zum Schreiben großes Talent. Er stellt es vorerst in den Dienst der neuesten Mode, auch eine Art von Protest."

Jürgen Teipel - Verschwende Deine Jugend

SCHÜMANN, Helmut (2003): Zurück aus dem Cyberspace.
Punker, Computer-Freak, Schriftsteller: Peter Glaser war der Vordenker des virtuellen Zeitalters. Heute findet er, das alles sei "langweilig" und "eintönig" geworden,
in: Tagesspiegel v. 27.09.

SCHÄFER, Frank (2003): Das Echo des Rawums.
Peter Glaser gehörte zu den Grenzgängern zwischen Musik, Literatur und Journalismus in den Tagen des Punk. Jetzt erlebt er sein Comeback als Autor,
in: Jungle World Nr.51 v. 10.12.

Frank SCHÄFER hat Peter GLASER besucht und rollt dazu nochmals die Punk-Story auf:

"Wenn Rainald Goetz der Medienstar und Multiplikator war, dann war Peter Glaser der Begründer und Theoretiker der New Wave in der deutschen Literatur Anfang der achtziger Jahre. Goetz schnitt sich beim Ingeborg-Bachmann-Preis die Stirn auf, Glaser lieferte mit »Der große Hirnriss« (Co-Autor Niklas Stiller) 1983 den ersten deutschen Punk-Roman – wenn es so etwas gibt. Im Jahr darauf erschien seine (gerade wieder aufgelegte) Anthologie »Rawums«, die sich nichts weniger vornimmt, als dieses neue literarische Terrain zu vermessen, und zugleich auch, in Glasers fulminantem Vorwort, eine Poetik entwirft. »Zur Lage der Detonation« ist ein brillantes Pamphlet, das abrechnet mit der deutschen Literatur (»Das beste Buch des Jahres ’81 ist eine Schallplatte: ›Monarchie und Alltag‹  von Fehlfarben«) und eine neue Popliteratur installieren will."

WINKELS, Hubert (2005): Damals in Düsseldorf.
Ein großer Hirnriß und seine Folgen: Wie aus Punk, Poststrukturalismus und Poesie ganz dringend die neue Literatur entstehen mußte. Ein Beitrag zur Archäologie der Achtziger,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung  v. 06.03.

SÖHLER, Maik (2007): "Vati erzählt wieder vom Krieg".
Kreuz und quer durch die Weiten des Internet, der Literatur und des (Cyber)Punk. Ein Gespräch mit Peter Glaser, Schriftsteller und Ehrenmitglied des Chaos Computer Club,
in: Jungle World Nr.22 v. 30.05.

Peter GLASER u.a. über Punk und Popliteratur: "Ein 1984 von Ihnen erschienener Text heißt »Rawums!« Sagen wir mal, der Titel bezeichnet das Geräusch der achtziger Jahre.
            
»Rawums.« Mit Punkt bitte. Kein Rufzeichen, das ist wichtig. Lakonie war in der Punk- und New-Wave-Zeit ein Ideal, auch wenn Punk immer mit extremem Lärm in Verbindung gebracht wird. Im Ratinger Hof, dem musikalischen Hauptquartier in Düsseldorf, wo ich damals lebte, kam mal am frühen Nachmittag der Punkmusiker Tommi Stumpff rein und bestellte sich 20 Kölsch. Die Kellnerin brachte ihm die 20 Kölsch, kommentarlos, die passten gerade so auf den Tisch, Tommi arbeitete sie weg, so war das damals.
             Und was hat diese Anekdote mit Ihrer Literatur oder Ihrem Leben zu tun?
             Sie zeichnet – jetzt mal in einem kühnen Übergang – ein Bild dieser Zeit, das auch die Literatur geprägt hat: weg vom hippiehaften Innerlichkeitspathos der siebziger Jahre, hin zur Unmittelbarkeit, zu einer Selbstsicherheit, zu etwas Schrägem, Witzigen, aber auch zur Affirmation, zur Kontur, zu Grenzen, zum Geschäft und zur Neon-Kälte, zur Künstlichkeit.
             Damals funktionierte Provokation noch.
             Wir lebten inmitten von Kommerz und Künstlichkeit, warum sollte man das bekämpfen? Provokation steckte da auch drin, klar. Gerade beim Geschäftemachen. Bis dahin galt Erfolg als prinzipiell korruptionsverdächtig. Es war aber nicht so, dass wir uns jedem Unternehmen angedient hätten. Das hieß erst mal, sich selbst zu vermarkten, in der Musik zum Beispiel Independent-Labels zu gründen. Selbst mit einfachen Entertainment-Gesten konnte man damals provozieren.
             Wie sah Ihre Art zu provozieren aus?
            
Punk selbst war schon die größte Provokation. Es gibt zum Beispiel einen Satz in »Rawums.« zur Literatur damals: »Das beste Buch des Jahres ’81 war eine Platte: ›Monarchie und Alltag‹ von Fehlfarben.«
             Und mit etwas anderem konnte ich auch provozieren. Ich habe mich mit meinem Computer auf die Bühne gesetzt. Ein Schrift­steller mit einem Computer! Das war anfangs so spektakulär, dass jedes Mal das Fernsehen zu meinen Lesungen gekommen ist. Wenn ich das heute einem jungen Menschen erzähle, lächelt er müde, kehrt zurück an seinen Laptop und denkt: Vati erzählt wieder vom Krieg.
             Heute ordnet man Sie der Popliteratur zu. Haben Sie sich selbst je als Popliterat begriffen?
            
Nö. Das ist kein literarischer Gattungsbegriff, sondern ein Kampfbegriff der Gegenseite. Ich bin Schriftsteller, kein Popliterat."

 
       
   

Das Werk in der Debatte

 
     
       
   

Geschichte von Nichts (2003)
Köln: Kiepenheuer & Witsch

 
   
     
 

Klappentext

"Scheitern ohne aufzugeben – neueste Erzählungen des Ingeborg-Bachmann-Preisträgers 2002

Peter Glaser meldet sich eindrucksvoll zurück: Mehr als eine Dekade nach seinen richtungsweisenden Bänden »Rawums.« und »Schönheit in Waffen« zeigt er sich auf der Höhe seiner Erzählkunst.
Der Titel ist Programm: Es geht um nichts – und doch um alles, nämlich um den Menschen in der modernen Alltäglichkeit. Geschichten mitten aus dem Leben also, die um die eine große Frage kreisen: Wie kann man bestehen in einer Welt, die sich jeder Sinngebung verweigert? Peter Glaser liefert keine Antworten, aber Beispiele dafür, wie Menschen sich behaupten, obwohl sie keine Helden sind. Mit extrem geschärfter Wahrnehmung und einer Lakonie, die den Zumutungen der Wirklichkeit ein feines Lächeln entgegensetzt, folgt er ihren Versuchen, Anschluss zu finden, glücklich zu werden, durchzuhalten.
So führt die Titelgeschichte den Leser in rasanter Fahrt vom Fuße der Pyramiden von Gizeh durch Griechenland und Italien nach Hamburg, immer auf den Fersen eines jungen Deutschen, der seine davongefahrene alte Tante sucht und dabei vom Verrat seiner Geliebten erfährt. In der Erzählung »Raumpflege« entfaltet sich eine Verschwörungstheorie, nach der ein Analphabet, eine Putzfrau und ein Steuerberater den Lauf der Welt verändert haben. Durch die Mikrobeobachtung und die Raffinesse der erzählerischen Feinmechanik entstehen Texte, die die Weltwahrnehmung erweitern, weil sie rätselhafte Berührungen mit der Wirklichkeit herbeiführen. Und immer wieder kann es einem passieren, dass man einen Satz liest, der die ganze Welt aufgehen lässt.
"

 
     
 
       
   

Rezensionen

LÖHNDORF, Marion (2003): Die Innenwelt der Aussenwelt.
Peter Glasers Erzählungen "Geschichte von Nichts",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.10.

BARTELS, Gerrit (2003): Der Wirklichkeitserleuchter.
"Sprache ist die schönste, umfassendste und beeindruckendste Technologie, die der Mensch erfunden hat": Mit seinem Erzählband "Die Geschichte von Nichts" bestätigt der Schriftsteller Peter Glaser, dass er im vergangenen Jahr das Ingeborg-Bachmann-Wettlesen in Klagenfurt zu Recht gewonnen hat,
in: TAZ v. 22.11.

BARTELS beschreibt GLASERs Stil:

"Bloß nicht ins Erzählen kommen: Anti-Franzen, wenn man so will, Anti-Politycki, auch Anti-Pop, mehr frühe Sonic Youth als Gumball"

KUNISCH, Hans-Peter (2003): Das Vibrieren der Papierschneidemaschine.
Schmelzwasser aus den fernen Gebirgen der Wirklichkeit: Peter Glasers Erzählband "Geschichte vom Nichts",
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.12.

KUNISCH holt erst einmal weit aus, um den neuesten Erzählband in Glasers Werk einzuordnen:

"Glasers literarischer Werdegang führte vom steirischen Herbst in Düsseldorfer Kunstkeller, zur New Wave. Was das literarisch heißt, deutete Glaser etwa in einer Erzählung aus dem Band »Schönheit in Waffen. Stories« (1985) an. Gegen Geld sollen Lily und Hardy von ihrer Liebe erzählen. Cool sollte sie sein, als das noch nicht üblich war. Der Autor bezahlt nur für eine »moderne Geschichte« ohne »romantische Schlagseite«. Man war nicht verliebt, sondern einander verfallen. Atmosphärisch sollten die Beziehungen zwischen film noir, der nouvelle vague und dem letzten Tango schweben. »Manchmal ist es aber ziemlich jämmerlich«, sagt Hardy, »das interessiert niemanden«, meint der Autor. »Man macht jetzt eine neue Richtung, sagte ich. Heute muss man scharf und flink und witzig sein.« Manches aus dieser Zeit war eher cowboyhaft amüsant als interessant, Aber Glasers Sprache blieb stets schnittig und steil. Und die Skepsis Gefühlen gegenüber förderte schon damals das Verhältnis zur Dingwelt."

JÄHNER, Harald (2004): Wie wenn es nur ein Als-ob gäbe.
Peter Glasers Meisterstücke aus der Handwerksammer der rasanten Vergleiche,
in: Berliner Zeitung v. 11.12.

KLOOK, Carsten (2004): Meine Gegensprechanlage und ich.
Im Strom der Zeit: Peter Glaser erzählt von Technik, Kultur und hauchdünner Liebe,
in: Financial Times Deutschland v. 02.01.

KOCK, Peter (2004): NIchts - und doch: fast Alles"
Über Peter Glasers "Geschichte von Nichts",
in: Literaturkritik.de Nr.1, Januar v. 06.01.

 
       
   

Glasers heile Welt (1988).
Peter Glaser über Neues im Westen
Köln: Kiepenheuer & Witsch (vergriffen)

 
   
     
 

Klappentext

"Der junge österreichische Schriftsteller Peter Glaser ist ein Flaneur im elektronischen Zeitalter. Manchmal in Lichtgeschwindigkeit, manchmal in Zeitlupe bewegt er sich durch die bunten Metropolen der späten 80er Jahre, in den sich Kino und Leben so heftig durchkreuzen, daß sich der Kopf dreht. Mit Mikroskop und Fernglas stöbert hier jemand in der großen Welt der kleinen Dinge, das Buch: eine Reise in den Alltag in 32 Kapiteln.
Wenn man die ersten kleinen Edelsteine dieses Buches über die Gummibärchen oder die Legosteine, den Reißverschluß, das Telefon oder den Quelle-Katalog gelesen hat, beginnt man, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Man entdeckt die Poesie der Schokoriegel und des Computerterminals, des Uhu-Klebstoffs, des Werbefernsehens oder des Plastikfeuerzeugs. Eine Art literarische Archäologie der Gegenwart läuft hier ab, unsystematisch, sprunghaft, aber genau. Die neuesten Stimmungen im Westen werden gelassen und sarkastisch seziert, die kleinen Macken und großen Ängste der Zeitgenossen ins Visier genommen und mit Genuß getroffen."

 
     
 
       
   

Rawums (Hg.) (1984)
Texte zum Thema
Köln: Kiepenheuer & Witsch
(wieder veröffentlicht 2003)

 
   
     
 

Klappentext

"»Rawums.«, zum ersten Mal 1984 erschienen, vereint Texte, die ein völlig neues Tempo vorlegten und sich der Wirklichkeit annahmen, randscharf und in heilloser Schönheit. Sie hatten nachhaltigen Einfluss auf das, was in den 90er Jahren geschrieben, gelesen und gelebt wurde. Texte von Peter Glaser, Rainald Goetz, Diedrich Diederichsen, Clara Drechsler, Jutta Koether, Martin Kippenberger, Bodo Morshäuser, Hubert Winkels u.v.a.m."

 
     
 
       
   

Die Beiträge der Anthologie

GLASER, Peter - Zur Lage der Detonation - Ein Explosé

EITNER, Kerstin - Die Marktstube

EITNER, Kerstin - Jahre später

MORSHÄUSER, Bodo - Malte und Malte

WINKELS, Hubert - Patriot tötet Bundesadler - Immendorff und die große Politik

WINKELS, Hubert - Angriff in der Mittagssonne

WINKELS, Hubert - Tanken

MELBA-FENDEL, Heike - Schnitzeljagd für Liebhaber

LOBECK, Rolf - blablatext

DOKOUPIL, Georg - Texte und Bilder

DISTL, Gottfried - Europa den Afrikanern

DRECHSLER, Clara - Die Feuersbrunst vom Erzbergerplatz 13

LOTTMANN, Joachim - Drei Frauen

STINGL, Kiev Jaguar - Ich bin von der Kripo

GOETZ, Rainald - Subito

KRÖHER, Michael O. R. - Das Debakel von Mainz

KIPPENBERGER, Martin - Kippenberger

PADELUUN - Glocken den Heimat

GLASER, Peter & Thomas SCHWEBEL - Handlung mörderisch

HEYDER, Wolfgang - 66 E's

DIEDERICHSEN, Diedrich - "Die Frau im Kapitalismus"

KOETHER, Jutta - Die Geschichte der Louise L.

WAFFENDER, Manfred - Marathon ist gleich um die Ecke

BERGMANN, Simone - Computer-Software

JARGSTORF, Sven - Banned from the Schnaps

GLASER, Peter - Angreifen

 
   

Rezensionen

NEDO, Kito (2003): Retrophänomene,
in: Fluter v. 31.08.

Kito NEDO über einen guten Anfang und ein sinnvolles Ende des Punk-Revivals:

"mit dem Erscheinen von »Rawums« könnte die Retro-Phase, die der Journalist Jürgen Teipel mit der Veröffentlichung seines Doku-Romans »Verschwende deine Jugend« im Herbst 2001 auslöste, zu einem vorläufigen Ende finden. Es soll ja noch was zum Wiederentdecken für das nächste Revival übrig bleiben. Außerdem: Wer nach all dem (Ausstellungen, Kinofilm, Re-Releases, Compilations, Fehlfarben- und DAF-Comeback, etc.) immer noch nicht genug hat, läuft Gefahr, zum Revival-Punk zu verkommen. Was das ist, definierte der Poptheoretiker Martin Büsser 1997: »Wo der einzelne Punk in den Achtzigern noch Teil selbstbestimmter Strukturen gewesen ist, gibt es den Revival-Punk nur noch als Konsumenten einer vermittelten Punk-Idee.« Oder andersherum, von Rainald Goetz: »Und der Fan, der Depp, soll keine blöden Banner raushängen, sondern selber ein tolles Leben anfangen.«"

RÜDENAUER, Ulrich (2004): Wie unter dem Vergrößerungsglas.
Porträt des Verkorkstheits-Poeten als mitteljunger Mann: Der Bachmann-Preisträger Peter Glaser erzählt eine "Geschichte von Nichts",
in: Frankfurter Rundschau v. 20.01.

"Was Anfang der achtziger Jahre, als die Hipster der Republik ihre Jugend an die Nacht, die Musik und den Rausch verschwendeten, mit der Literatur los war, beschrieb Peter Glaser damals so: »Wenn ich im Ratinger Hof, der Düsseldorfer Wellen-Brutstätte, schreie: ‚Literatur', rennen mehr Leute weg, als wenn ich schreie ‚Polizei'.« Glaser, Rainald Goetz & Co. wollten diesen verkorksten Zustand wieder umkehren - mit einer Literatur, die es zumindest ein wenig mit der Punkattitude der Musik aufnehmen konnte, die auf der Höhe des Diskurses und der Technologie war. Bei dem aus Graz stammenden Peter Glaser fingen die Maschinen zu rattern und zu reden an: Zumeist trat der elektronische Poet bei seinen Lesungen nicht selbst auf, sondern schickte Disketten und Kassetten. Die damaligen Zuhörer waren Zeugen ganz früher audiovisueller Computerexperimente, Kopplungen von Autor und Maschine.
Glasers neoavantgardistisches Manifest »Zur Lage der Detonation« gab die Richtung vor: Die Literatur sollte knallen, »selbstsicher« sein, »adrenalintreibend«, »störend und ungehalten«, »schnittig« und »schräg«. Rawums lautete 1984 folglich der Titel eines Sammelbandes, in dem die jungen Wilden von Joachim Lottmann über den Maler Kippenberger bis zu Diedrich Diederichsen vereinigt gegen die »Langeweile« und »Lahmarschigkeit« der zeitgenössischen Schreiberei mobil machten und der nun, knapp zwanzig Jahre später, wiederveröffentlicht wurde
", führt Ulrich RÜDENAUER in die Geschichte der Punk-Literatur ein.

 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 25. November 2002
Stand: 30. Juni 2015