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Robert Misik: Genial dagegen

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1966 geboren
    • 2003 Buch "Marx für Eilige"
    • 2005 Buch "Genial dagegen"
    • 2007 Buch "Das Kult-Buch"
    • 2008 Buch "Gott behüte!"
    • 2009 Buch "Politik der Paranoia"
      2009 Buch "Alles Ware" (Taschenbuchausgabe des Kult-Buchs)
    • Lebt in Wien
 
       
   
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    Robert Misik in seiner eigenen Schreibe

     
           
       
    • MISIK, Robert (2003): Rebellion ist gerechtfertigt.
      Kapitalismuskritik? Diese Freiheit nehm ich mir! Denn die Abscheu gegen den Kapitalismus ist dessen nobelstes Produkt. Zweifellos lebt es sich schön in der Marktwirtschaft. Am schönsten allerdings da, wo ihre Prinzipien außer Kraft gesetzt sind,
      in: TAZ v. 01.10.

    Robert MISIK sieht im Rebellischen eine Produktivkraft des Kapitalismus:

    "Es werden nicht mehr Sozialismus oder Kommunismus gefordert, sondern »gutes Leben«. Und weil dieses Begehren von der Realität selbst produziert ist, wird die Art und Weise, wie es sich äußert, häufig von den Verhältnissen, unter denen es zutage tritt, eingefärbt sein. Noch die Kritik am Konsumismus wird zur Ware. »Das Protestlied gegen den Weltsound von MTV endet als Nummer eins der Charts«, formuliert Norbert Bolz diesen Zusammenhang. Und: »Wenn die Kritik erfolgreich, also öffentlichkeitswirksam ist, verwandelt sich der Kritiker selbst in einen Markenartikel.«
    Das Rebellische ist selbst eine Produktivkraft des Kapitalismus."

    MISIK, Robert (2004): Das McKinsey-Syndrom.
    Von Pfarrern, die ihre Predigt "eine Dienstleistung" nennen und sich als Anbieter "auf dem Markt für Sinn-Angebote" sehen: Die Unternehmensberater haben scheinbar gesiegt. Doch die Abwehr gegen eine nur ökonomische Vernunft wächst, das Feindbild der globalisierten Eliten ist groß im Kommen,
    in: TAZ v. 23.03.

    Die Angst geht um! Die globalen Eliten gehören neuerdings zu den bedrohten Arten, die den Beschützerinstinkt der Kosmopolitiker wecken. Jungle World, die Wochenzeitung der neuen globalen Klasse (wenn auch in "gobalisierungskritischer" Perspektive), hat HOCHHUTHs Theaterstück McKinsey kommt bereits vor einiger Zeit attackiert. Nun widmet sich Robert MISIK den McKinsey-Menschen. Von HOCHHUTH über Dirk KURBJUWEIT bis zu Kathrin RÖGGLA ist alles vertreten, was sich in letzter Zeit damit beschäftigt hat. MISIK stört die Personalisierung eines Strukturproblems. Wir sind alle nur Opfer! Aber keine Opfer wie jene letzten Menschen in Die Dämonischen. Das  war ein erfolgreicher SF-Film der paranoiden 1950er Jahre, den es mittlerweile in vielen Varianten gibt.

    MISIK, Robert (2004): Rebellen, die wissen, was sie tun.
    Merkwürdiges 2004: Erst stand die Band Wir sind Helden an der Spitze der Charts, am Ende wurde der Film "Die fetten Jahre sind vorbei" zum Kinohit. Doch nicht nur diese Ereignisse markieren die Rückkehr der Gesellschaftskritik ins Herz der Popkultur,
    in: TAZ v. 31.12.

    MISIK beschäftigt sich mit der Mode einer entpolitisierten Gesellschaftskritik:

    "Von der Idee, Protestpop könnte der Soundtrack zum Umbruch sein, sind wir längst geheilt".

    Hans Weingartner - Die fetten Jahre sind vorbei

    MISIK, Robert (2005): Herdentrieb ins Netz: Technik als Allegorie sozialer Beziehungen.
    Das Netzwerk ist der Leitbegriff der Jetztzeit - das bestimmt auch das Bild, das wir uns von der Gesellschaft machen,
    in: TAZ v. 04.01.

    Im Angesicht der Rückkehr des  Zwangsstaates in die Innenpolitik, beschäftigt sich MISIK mit dem nunmehr nur noch elitär anmutenden Konzept des Netzwerkes, das die freiwillige Kooperation Gleichrangiger beschreibt. Die Netzwerkgesellschaft (Manuel CASTELLS) ist offensichtlich ein Relikt aus den Zeiten des Individualisierungsoptimismus.

    MISIK, Robert (2005): Eine harte Lehre für metropolitane Kulturlinke: Gleichheit, nicht Differenz ist das Problemfeld der Stunde.
    Die Schuld an den "neuen Unterschichten" ist nicht nur bei Wirtschaftsliberalen zu suchen - auch linke Theorie fand zuletzt an Gleichheit wenig Interesse,
    in: TAZ v. 03.05.

    Während die neuen Popper das stilvolle Verarmen üben, proben Lifestylelinke wie Robert MISIK den Paradigmenwechsel von der Differenz zur Gleichheit und entsorgt damit Ulrich BECKs Individualisierungsverheißungen gleich mit:

    "Postmarxisten, Diskursjockeys, unorthodoxe Gesellschaftskritiker beschäftigen sich seit 20 Jahren vornehmlich mit Phänomenen wie Differenz, Culture Jam, mit distinkten Identitäten, dem Zusammenprall und auch der fröhlichen Vermischung von Unterschiedlichkeiten. Differenz ist spannend, Gleichheit fad. So wie die anderen will ohnedies keiner sein: Mainstream ist das Letzte. Jeder wünscht sich als eine unverwechselbare Type zu sehen, eine Sehnsucht, die mit dem Markenbewusstsein moderner Ich-AGs harmonisiert. Diese existenzialistische Wende (Diedrich Diederichsen) war die linke Spielart der Individualisierung: Gender-, Schwule- und sonstige Diskurse waren und sind erstaunlich widersprüchlich codiert - die Forderung, als gleichwertig respektiert zu werden, korrespondierte mit dem eingeforderten Recht aufs Anderssein, auf Differenz.
          
      (...).
    Nun hat es den Anschein, als würden diese Diskurse der Ungleichmacherei an ihr Ende gelangen. Es stellt sich nämlich heraus: Weder werden die Menschen glücklicher, je größer das Spektrum an Optionen in unserer Differenzgesellschaft ist, noch werden die Gesellschaften leistungsfähiger, je tiefer der Graben zwischen Oben und Unten. Ein markanter Einschnitt waren in dieser Hinsicht die Pisa-Studien. Bei diesen erwies sich ja, dass egalitäre Systeme mehr Aufwärtsmobilität, klügere Schüler und insgesamt mehr Prosperität schaffen, während mehr soziale Ungleichheiten zu massenhafter Verschwendung von Humankapital führen. Kurzum: Ungleichheit macht dumm, Gleichheit macht klug. Hinzu kommt, dass die neuen, gewissermaßen »weichen« Klassenschranken, die vielen unüberwindlichen Lifestyle-Gräben zwischen Unten und Oben, längst die alten Analysen von der »nivellierenden Mittelstandsgesellschaft« abgelöst haben.
    "

    MISIK, Robert (2005): Das sind doch keine Pappkameraden.
    Was kommt nach Rot-Grün? (1): Die Konservativen sind bei weitem nicht so aufgeklärt, wie sie sich gerne darstellen. Deshalb ist es nicht egal, wer regiert.
    Unsere Gesellschaften brauchen mehr Gleichheit. Daher brauchen sie Rot-Grün. Allerdings muss die Linke wieder streiten: für das gute Leben aller,

    in: TAZ v. 09.05.

    Robert MISIK dient Rot-Grün ein Projekt an, das die Grünen bereits Mitte der 80er und die Roten in den 90er Jahren aufgegeben haben:

    "Unsere Gesellschaften brauchen mehr Gleichheit - und die Linke braucht eine Sprache, mit der sich für mehr Gleichheit streiten lässt. Wir haben uns Begriffe erkämpft, um für das Recht auf Differenz einzutreten, und die Sprache verloren, um für ein gutes Leben aller zu streiten. Und für Sinn jenseits der Marktzone. Aus Angst vor der Pathosfalle sind wir supercool geworden - auch eine Sackgasse. Ich will damit nicht viel mehr sagen als zweierlei: Es gäbe schon eine Art Arbeitsprogrammatik, für die es sich lohnen würde, Rote und Grüne wieder in Bewegung zu bringen; und es ist nicht so, dass unsereins mit den Dilemmata, in denen Rote und Grüne stecken, nichts zu tun hat.
    Und weil's mühsam ist, da rauszukommen, soll die Merkel ran? Ein wirklich kleines Heldentum.
    "

    MISIK, Robert (2005): Kämpfen! Kämpfen! Kämpfen!
    Rot-Grün, wir danken dir (9): Plötzlich regt sich das Bockigkeits-Gen. Warum man gerade jetzt ein hundertfünfzigprozentiger Rot-Grüner sein muss,
    in: TAZ v. 10.06.

    MISIK, Robert (2005): Nach links, ohne Gleichschritt.
    So hat die Linke wieder eine Zukunft,
    in: TAZ v. 15.06.

    MISIK, Robert (2005): Das andere Engagement.
    Von wegen Utopieverlust: Der Neo-Existenzialismus hat eine große Zukunft - als Haltung, als Lebensform,
    in: TAZ v. 05.07.

    Robert MISIK überdehnt den klassischen Existenzialismus so lange, bis er sowohl dem Neoliberalismus als auch dem inhaltsindifferenten Rebellengestus heutiger Lifestyle-Linker passt:

    "Als Lebensform entsprechen ihm alle Spielarten des Rebellentums. (...). Von James Dean bis zur RAF lässt sich vieles in diesem Horizont deuten.
             (...).
    Die neoliberale Spielart des Existenzialismus ließe sich so formulieren: Jeder soll seine Potenziale nutzen, ein allseits entwickeltes Subjekt werden, einzigartig sein, sich täglich neu erfinden. Kurzum: eine Ich-AG sein.
             (...).
    Klingt kitschig, trifft aber den Geist des durchschnittlich reflexiven Metropolenjugendlichen von heute."

    Und wer nun auch noch wissen will, was SARTRE mit HOUELLEBECQ zu tun hat, der lese Leopold FEDERMAIR.

    MISIK, Robert (2005): Die Axt des Kulturkapitalismus.
    Der Architekturtheoretiker Georg Frank glaubt, dass sich ein mentaler Kapitalismus durchsetzt, während die Autoren Joseph Heath und Andrew Potter die alte, sozialdemokratische Linke durch die neue, gegenkulturelle Linke diskreditiert sehen. Beidem ließe sich entgegenwirken, wenn man es nur wollte,
    in: Literaturbeilage der TAZ v. 19.10.

    Robert MISIK, dem es neuerdings um die - zumindest rhetorische - Versöhnung von kultureller und sozialer Linken geht, bespricht die Bücher Mentaler Kapitalismus von Georg FRANCK und Konsumrebellen  von Andrew POTTER & Joseph HEATH  wohlwollend:

    "Die beiden Bücher - »Mentaler Kapitalismus« und »Konsumrebellen« - sind extrem lesenswert. Und so diskutabel manche ihrer Thesen auch sein mögen, sie kreisen um ein Thema, das im Kommen ist: die Dominanz des Kulturellen im Feld des Ökonomischen. Dies ist natürlich nicht eine Folge einer Landnahme des Kulturellen, sondern des Umstandes, dass die Marktwirtschaft über die Ufer dessen tritt, was gemeinhin als Feld des Ökonomischen gilt."

    MISIK, Robert (2005): Kampf der modernen Gesellschaft.
    Eine Gruppe deutscher Sozialwissenschaftler lässt in ihrer Studie die zu Wort kommen, die sich gern krumm arbeiten würden, aber keine Stelle haben. Unsere flotten Ruck-Rhetoriker sollten dieses Buch lesen,
    in: TAZ v. 26.11.

    Feuer und Eis bringt Robert MISIK zusammen, wenn er den Kulturlinken Diedrich DIEDERICHSEN im Zusammenhang mit einer Forschergruppe zitiert, die sich in der Tradition von Pierre BOURDIEU als soziale Linke versteht. Der Poplinke DIEDERICHSEN hat sich erst vor kurzem gegen diese Art der Weltsicht abgegrenzt. Das ist nicht genial dagegen, sondern nur genial daneben, weil hier die beiden linken Strömungen lediglich rhetorisch versöhnt werden.

    Franz Schultheis & Kristina Schulz (Hg.) - Gesellschaft mit begrenzter Haftung

    MISIK, Robert (2005): Die Freiheit, die sie meinen.
    Mehr Wert: Udo di Fabio ist für sein Buch "Die Kultur der Freiheit" zum "Reformer des Jahres 2005" ausgerufen worden. Warum gibt es eigentlich eine solche Sehnsucht nach intelligenten Konservativen? Und warum ist der moderne Konservativismus so ein intellektuelles Desaster?
    in: TAZ v. 08.12.

    Robert MISIK muss zugeben, dass "genial dagegen" längst keine Domäne der Linken mehr ist, sondern die neuen Reaktionäre - hier in der Person von Udo Di FABIO - haben den Rebellengestus der Gegenkultur erfolgreich übernommen:

    "Zentral bei dieser Operation ist die Umdeutung des Begriffes der Freiheit: statt Freiheit von knechtenden Traditionen und Institutionen zur Freiheit, Traditionen und Werte zu akzeptieren - was als ein rebellischer Akt dargestellt wird, wider Zeitgeist und gesellschaftliche Imperative. Damit erweisen sich solche Gedankenreihen anschlussfähig an eine gewisse Ermüdung im linksliberalen Milieu. Wenn jeder Bruch mit Konventionen nur mehr der Geburtsakt einer neuen Mode ist, jede rebellische Geste nur mehr ein Zitat von Altbekanntem, dann ist nicht nur ein Überdruss an der Rebellion gegen Hergebrachtes folgerichtig - dann ist die Lobpreisung von Sitte und Manieren die schärfste Rebellion, der ultimative Thrill."

    Leider kommt MISIK über eine selbstgefällige Analyse linker Selbstreferentialität nicht hinaus. Georg FRANCKs Ökonomie der Aufmerksamkeit dient als Selbstrechtfertigung. Tatsächlich steckt die Poplinke in einer selbstverschuldeten Krise, die keineswegs nur damit zu tun hat, dass sie sich mit dem Hedonismus verbündet hat:

    "Das Bündnis, das die 68er-Revolte und die Alternativbewegungen mit dem Hedonismus eingegangenen sind, ist nur eine der Ursachen für das widersprüchliche Verhältnis der Linken zu Werten".

    Wenn MISIK den neuen Reaktionären die Verachtung der Massen unterstellt, dann muss gefragt werden, wie es die Poplinke damit hält. Offenbar ist sie nicht besser als ihre Gegenspieler. Es reicht nicht mehr, einfach nur zu behaupten, dass man die besseren Partys feiert...

    MISIK, Robert (2006): Trickkiste der bauernschlauen Boulevard-Helden.
    Spießigkeit ist die ultimative Coolness? Unsinn, sagt Christian Rickens in seinem Konter-Pamphlet zur neuen Bürgerlichkeit. Die Schirrmachers & Co verwechseln nur absichtlich Ursache mit Effekt,
    in: TAZ v. 30.12.

    "Dass der bindungslose Individualismus an der demografischen Krise schuld sei - Unsinn, schließlich war der schärfste Einbruch in den Geburtenraten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu verzeichnen und nicht nach dem berühmten Pillenknick. Das heißt nicht, dass es mit klugen Maßnahmen nicht für die Familien erleichtert werden soll, mehr Kinder zu bekommen - zumal es an geschwundener Kinderliebe gewiss nicht liegt. Im Jahr 2002 verbrachten Kinder unter sechs Jahren im Schnitt pro Tag sechs Stunden und fünfzig Minuten bei gemeinsamen Aktivitäten mit Mutti und/oder Vati. Zehn Jahre zuvor waren es nur sechs Stunden und zwei Minuten.
    Gerade weil es die neuen Spießer von Peter Hahne, Matthias Mattusek, Ulf Poschardt, Udo di Fabio bis Frank Schirrmacher so gedreht haben, dass heute oft die Spießigkeit als die neue Coolness erscheint, ist Rickens Konter-Pamphlet erfrischend
    ",

    meint Robert MISIK, der sich zwar als Anwalt einer neuen sozialen Linken versteht, hier aber  eindeutig von RICKENS' Scheinangriff auf die Neu-Bürgerlichen geblendet wird.

    Zwischen Christian RICKENS' Buch Die neuen Spießer und Ulf POSCHARDTs Einsamkeitsfibel gibt es z.B. mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Beide verstehen sich als Anwälte der kaufkraftstarken, kinderlosen Karrierefrau. Sie sind in diesem Sinne Verbündete im F-Klassenkampf von Thea DORN. Die Spaltung der Gesellschaft verläuft in beiden Konzepten nicht zwischen Eltern und Kinderlosen, sondern zwischen Eliten und Nicht-Eliten. Geringverdienende Singles - ob männlich oder weiblich - spielen in diesem elitären Milieu der neuen Mitte keine Rolle. RICKENS plädiert dafür, eindeutige Gruppen von Reformgewinnern zu schaffen. Dies aber heißt vor allem, dass es viele Reformverlierer geben wird, die RICKENS mit einer "Grundsicherung auf dem Niveau des Existenzminimums" abspeisen möchte. Pate steht hierfür das Modell des neoliberalen Ökonomen Thomas STRAUBHAAR. Der demografische Wandel kann RICKENS deshalb auch vollkommen egal sein, denn die Rente soll zugunsten der Grundsicherung ganz entfallen:

    "Jenseits der Grundsicherung könnte eine weit weniger regulierte Wirtschaft erblühen als heute - ohne Debatten über Mindestlöhne oder steigende Rentenversicherungsbeiträge",

    verspricht sich RICKENS. Freiheit für die Eliten, endlose Debatten um die gerechte Höhe des Existenzminimums für die Massen, könnte man diese schwarz-grüne Vision auf den Punkt bringen.

    Bezeichnenderweise lässt sich die Doppelmoral von RICKENS an Paul KIRCHHOF festmachen. KIRCHHOF ist ein ausgewiesener Singlefeind, der nationalkonservative Positionen vertritt und Kinderlose durch ein Elternwahlrecht zu Menschen zweiter Klasse deklassieren möchte. In diesem Sinne wäre er als Neubürgerlicher zu klassifizieren. RICKENS jedoch will in KIRCHHOF nur einen lupenreinen Neoliberalen sehen, d.h. er blendet seine Positionen zu Kinderlosen konsequenterweise aus, um sich allein auf dessen Steuerkonzept ("Flat tax") zu konzentrieren, das die  Erfolgreichen bevorzugt, also genau das macht, was RICKENS möchte: die Kluft zwischen Arm und Reich schnellstmöglich zu vergrößern. Dass die soziale Ungleichheit in Deutschland zunehmen muss, rechtfertigt RICKENS in einem eigenen Kapitel.

    In dem lesenswerten Buch Deutschland - eine gespaltene Gesellschaft ist nachzulesen, dass die entscheidende Konfliktlinie nicht zwischen Eltern und Kinderlosen, Jungen und Alten, sondern zwischen Reichen/Eliten und Armen/Massen verläuft. Das Buch von Christian RICKENS macht deutlich, dass die zunehmende soziale Ungleichheit keineswegs nur der Globalisierung anzulasten ist, sondern durch die Mentalitäten der neuen Mitte zusätzlich forciert wird.

    MISIK, Robert (2007): Hey, ihr da unten!
    Heute erscheint sie also: die deutsche "Vanity Fair". Hat sich Chefredakteur Ulf Poschardt endlich ein Zentralorgan seines neokonservativen Bobospießertums gebastelt?
    in: TAZ v. 07.02.

    Robert MISIK, der selber mit den Bobos liebäugelt, liefert gerade deshalb eine schillernde Charakterisierung dieser neuen Bobokratie:

    "Im neueren deutschen Spießertum haben sich in den vergangenen Jahren zwei paradigmatische Phänotypen herausgebildet: der pausbäckig-altväterliche »Mehr-Anstand-mehr-Kinder-mehr-Sittlichkeit«-Typus vom Udo-di-Fabio-Eva-Herman-Schlag und das hippe, zeitgeistige Bobospießertum, das seine Trägerschichten in verweichlichten Mittelstands-Bubis gefunden hat, die früher Pop gehört und Müll getrennt haben und nun, weil sie sich im bundesrepublikanischen Sozialstaat langweilen, mehr Härte ins Leben bringen wollen. Wohlgemerkt: mehr Härte ins Leben der Anderen.
                 (...).
    Die bemerkenswerteste Figur dieser neokonservativen Parallelgesellschaft ist Ulf Poschardt, Ex-Tempo-Redakteur, Ex-SZ-Magazin-Macher und nunmehr Leithammel der Vanity Fair, die ab heute der neue Stern am deutschen Lifestyle-Magazin-Himmel sein will.
                
    (...).
    Was den Poschardt-Typus aber vom Traditionsspießertum unterscheidet, ist, dass er den
    neoliberalen Neiddiskurs mit dem Geist der Revolte, dem Poprebellentum und dem Erbe von Punk und Nonkonformismus kurzschließt. Die Kinder der Revolte, führte er in raumgreifenden Essays von Zeit über taz bis zur Revival-Tempo aus, seien doch die natürlichen Parteigänger des Neoliberalismus, mit seinem Staatshass und seinem Verwirkliche-dich-selbst!-Pathos.

                
    (...).
    Das Pathos vom »Abenteuer der Existenz« und der Kitzel von den »Härten der Realität«, den Poschardt zu einem Sartre-Hayek-Jünger-Brei verrührt, die haben mehr als nur oberflächliche Verwandtschaft mit der
    Verachtung für die Fadesse des Normalolebens, wie sie in jungrevolutionären Zirkeln seit je dazugehört. »Abenteuer der Existenz«: Das wurde nicht nur in Jüngers »Stahlgewittern« gefeiert, sondern auch von Spontis und vom »schwarzen Block«.

                
    Sagen wir es so simpel und offen wie möglich: Es gibt ein breites Spektrum von Milieus, links bis grün bis alternativ bis Indie, ein Meer von Leuten, die nichts mehr hassen, als Mainstream zu sein, die gerne gut leben, aber den hoch dotierten Brotjob verabscheuen, die Lifestylekonsum pflegen, dabei aber möglichst ökologisch korrekt vorgehen, die sich über wachsende soziale Ungleichheit grämen und ein selbstbestimmtes Leben ohne Chef vorziehen, die brodelnde innerstädtische Quartiere mit einem schönen Mix aus ehemals besetzten Häusern, abgefuckten Kneipen, guten Esslokalen und ein, zwei Falafelbuden zu schätzen wissen. Sie alle sind objektiv ein bisschen Komplizen des Neoliberalismus."

    MISIK, Robert (2008): Wie Konservative denken.
    Theorie und Technik: Dem konservativen Denken liege, so Lakoff, ein spezifisches Familienmodell zugrunde: das Ethos des "strengen Vaters"
    in: TAZ v. 01.07.

    MISIK, Robert (2008): Projektorientiert in jeder Lebenslage.
    Theorie und Technik: Man glaubt es nicht: Es gibt Millionen Frauen, aber der bringt sich wegen einer Einzelnen um,
    in: TAZ v. 02.09.

    "Die Frauen wollen »neue Väter«, die Windel wechseln und den Abwasch machen, aber wenn die Kinder wirklich da sind, soll noch der punkrockigste Loser gefälligst damit beginnen, ordentlich Kohle ranzuschaffen. Die Männer macht das nicht froh, die Frauen sind verzagt, glaubt man der internationalen Studie »Women und Employment«",

    berichtet Robert MISIK, der sich den Unsicherheiten auf dem Felde der Ökonomie der Liebe widmet. Anlass bietet ihm ein Essay von Meghan Falvey in der Zeitschrift n+1 über die Frau als das neue soziale Problem. Darin geht es über ein paar Bücher der letzten Jahre von Maureen DOWD, Caitlin FLANAGAN, Linda R. HIRSHMAN und Laura KIPNIS.

    MISIK, Robert (2008): Linksliberalismus 2.0.
    Die Linke ist zurück – aber sie ist ängstlich und verzagt - Der deutsche Publizist Christian Rickens will sie zum Zukunftsoptimismus verführen,
    in: Der Standard v. 04.10.

    Rezension des Buches Links! von Christian RICKENS.

    MISIK, Robert (2008): Moral und Amoral.
    Widersprüche in der zeitgenössischen Wertedebatte,
    in: DeutschlandRadio v. 07.12.

    MISIK, Robert (2008): Krieg in der Stadt,
    in:
    Falter v. 17.12.

    Rezension des Buches Aufstand der Unterschicht von Inge KLOEPFER.
     
           
           
       

    Politik der Paranoia (2009).
    Gegen die neuen Konservativen
    Berlin: Aufbau Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Die neuen Konservativen verlangen seit langem »weniger Staat«, zumindest in der Wirtschaft; wenn es um die Bespitzelung der Bürger geht, sehen sie das nicht so eng. Sie haben die Finanzströme dereguliert und warnen auch nach dem Totalcrash vor »zu viel Intervention«. Die Sozialsysteme betrachten sie als unmoralisch, weil die Faulen dadurch belohnt werden. Ihr Herz gehört den Tüchtigen. Sie haben das Privatfernsehen eingeführt, jetzt monieren sie den Kulturverfall. Sie halten die Familie hoch, doch durch türkische Großfamilien droht angeblich der Untergang des Abendlandes. Misiks Plädoyer für linke Werte zeigt, dass eine moderne Politik der sozialen Gerechtigkeit den konservativen Konzepten überlegen ist."

     
         
     
           
       

    Vorabdruck

    MISIK, Robert (2009): Unmoral der Werteapostel.
    Ende des neuen Konservatismus? George Bush geht und die Finanzkrise hat den konservativen Kodex der neoliberalen Ära ins Wanken gebracht. Aber wie ticken die hartherzigen Moralisten eigentlich?
    in:
    TAZ v. 19.01.

     
           
       

    Rezensionen

    PINK, Oliver (2009): Neues vom Konservatismus.
    Heutzutage schwer zu definieren, wer oder was konservativ ist,
    in: Die Presse v. 29.01.

    SCHEUBA, Florian (2009): Stahlhelm und Lodenhut.
    Die Phantome des Hutmachers,
    in: Falter Nr.7 v. 11.02.

    Neu:
    NEWMARK, Catherine (2009): Plädoyer für die soziale Gerechtigkeit,
    in:
    DeutschlandRadio v. 26.02.

     
           
           
       

    Genial dagegen (2005).
    Kritisches Denken von Marx bis Michael Moore
    Berlin: Aufbau Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Den »Che« am Revers, Marx im Regal und »Wir sind Helden« auf dem Plattenteller: Robert Misik, einer der streitbarsten linken Publizisten der jüngeren Generation, beschreibt, wieso Gesellschaftskritik wieder hip ist. Mit Witz, Ironie und Überzeugungskraft verdeutlicht er, warum es in der Ära des Entertainment so schwierig ist, auf kluge Weise links zu sein, und warum Linkssein doch die einzige Weise ist, klug zu sein.
    Wer heute etwas Rebellisches tut, produziert oft die nächste Schlagzeile, wenn nicht gleich einen Trend. Attac ist so populär wie Greenpeace, die »No-Globals« ziehen von Event zu Event. Michael Moore findet ein Millionenpublikum. Naomi Klein wird mit ihrer Markenkritik »No Logo« zu einer global erfolgreichen Marke. Spröde Theoretiker wie Toni Negri oder Slavoj Zizek erleben einen Hype. Das Theater entdeckt die Entfremdung wieder und die Pop-Musik den Protestsound.
    Der Kapitalismus schafft Unbehagen und produziert die Kapitalismuskritik gleich mit. Auch die Dissidenz wird zur Ware und produziert Bilder, die von Befreiung erzählen und wie Werbung aussehen. Robert Misik zeigt: Die neue linke Welle ist ein Symptom - Symptom einer Sehnsucht nach starken politischen Alternativen. Er setzt sich mit Gesten des Aufbegehrens, mit Umbruchssehnsüchten und linken Mythen auseinander, die uns überall begegnen, und porträtiert schillernde Figuren der Szene."

     
         
     
           
       

    Vorabdruck

    MISIK, Robert (2005): Her mit dem schönen Leben.
    Aus der linken Mythenwelt. Lebensgier und Authentizitätssehnsucht - warum der Begriff "Entfremdung" wieder groß in Mode ist,
    in: TAZ v. 02.04.

     
           
       

    Rezensionen

    BISKY, Jens (2005): Na, Kapitalismus, wie war ich.
    Immer hip, niemals satisfaktionsfähig: "Wunschlos unglücklich" und "Genial dagegen". Zwei Konsumführer für den Pflasterstrand,
    in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 10.05.

    Die Zukunft der Buchkritik gehört dem Image-Designer. Ist Thomas STEINFELD ein traditioneller Image-Designer, der die Identität zwischen Autor und Werk herstellt, so spielt Jens BISKY - entsprechend den Maximen des aktuellen Differenzkapitalismus - einen Image-Designer neuen Typus. Er stellt dem Leser Identitäten bereit, die er sich per Entscheid für oder gegen ein Buch erwirbt. Kenner oder nur Könner, das ist hier die Wahl zwischen dem Wohlfühlbuch Genial dagegen und dem Gebrauchswertbuch Wunschlos unglücklich. Lässt sich der Rezensionskonsument von BISKY verführen, dann hat er seine Lektion gleich zweifach gelernt, denn die Form ist hier der Inhalt.

    Entscheidet man sich für Alexander MESCHNIG & Mathias STUHR, dann hat man sich gleichzeitig für Norbert BOLZ und das Glaubensbekenntnis zum Konsumismus entschieden. Man befindet sich dann in Gesellschaft von Konsumpropheten wie Thomas FRANK und den Ex-Punks HEATH & POTTER. Denn die Moral von der Geschicht: Selbst der kritische Verbraucher bleibt immer noch Konsument.

    Entscheidet man sich dagegen für Genial Dagegen, dann verfängt man sich im "Rebellionsformalismus" der Wohlfühllinken:

    "Sie nimmt, was sie kriegt und schielt dabei nach Prominenz und Aufmerksamkeit wie eine Sechzehnjährige, die gerne Model wäre."

    Möglich aber, dass man sich bei diesen Optionen doch für den abgeklärten Kapitalismus entscheidet:

    "Das Ringen zwischen Kapitallogik und bürgerlichen Interessen, dauert an und solange es nicht endgültig entschieden ist, wird sich der Kapitalismus mit seinen herrlichen Freiheitsgewinnen wie seinen abscheulichen Ausbeutungsmechanismen bester Gesundheit erfreuen. Eine Erlösung durch Katastrophe oder Jenseits wird es so wenig geben wie die Totalisierung".

    So kann nur jemand schreiben, der die Katastrophe schon hinter sich wähnt. Apropos Kenner oder Könner? Lassen Sie sich verführen, dann hat sich die Differenz der Typen aufgelöst...

    TERKESSIDIS, Mark (2005): Die neuen Rechthaber.
    Groß-Thesen haben ihre Tücken: Die aktuelle Kritik am Kapitalismus und Globalisierung verrät einiges über das Wir-Gefühl der Intellektuellen,
    in: Literaturen Nr.6, Juni

    Mark TERKESSIDIS rezensiert gleich - auf den ersten Blick -  5 ganz unterschiedliche  Bücher: Reinhard SPRENGERs Der dressierte Bürger, Hans-Peter BARTELs Victory-Kapitalismus, Peter SLOTERDIJKs Im Weltinnenraum des Kapitals, Robert MISIKs Genial dagegen und Johano STRASSERs Kopf oder Zahl. Die Gemeinsamkeiten sieht TERKESSIDIS zum einen darin, dass alle dem deutschen Idealismus verhaftet sind und deshalb in Mentalitäten das Hauptproblem sehen, zum anderen sieht sich jeder Autor als "paradigmatischer Bürger". TERKESSIDIS fragt sich dagegen wie ein Gemeinwohl definiert werden kann, angesichts der Heterogenität der Bevölkerung, die gespalten ist

    "nach Chancen, nach Klassen, nach Geschlecht, nach geschlechtlicher Orientierung, nach Ethnizität".

    Nichtsdestotrotz liebäugelt TERKESSIDIS mit dem politischen Programm von Hans-Peter BARTELS, der die Politik der sozialen Inklusion aus Großbritannien in Deutschland salonfähig machen möchte. Antidiskriminierung bedeutet für TERKESSIDIS z.B. dass Theater nur noch dann gefördert werden sollen, wenn ihr PUBLIKUM sozial repräsentativ ist (Die Repräsentativität der TheaterARBEITER bleibt dagegen unberücksichtigt!).

    MEIER, Jürgen (2005): Che auf dem Shirt.
    taz-Kolumnist Robert Misik beschreibt, warum Gesellschaftskritik wieder chic ist. Liegt er damit "genial daneben"?
    in: Psychologie Heute, Nr.10, Oktober

    "Robert Misik erkennt das Symptom der Angst, das die Menschen aller Altersgruppen immer heftiger befällt, aber er macht sich darüber lustig", kritisiert MEIER.
     
           
       

    Robert Misik im WWW

    www.misik.at
     
           
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 01. April 2005
    Update: 06. März 2017