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MISIK, Robert (2003): Rebellion ist gerechtfertigt.
Kapitalismuskritik? Diese
Freiheit nehm ich mir! Denn die Abscheu gegen den Kapitalismus ist
dessen nobelstes Produkt. Zweifellos lebt es sich schön in der
Marktwirtschaft. Am schönsten allerdings da, wo ihre Prinzipien außer
Kraft gesetzt sind,
in: TAZ v. 01.10.
- Inhalt:
Robert MISIK sieht im Rebellischen eine
Produktivkraft des Kapitalismus:
"Es werden nicht mehr Sozialismus
oder Kommunismus gefordert, sondern
»gutes
Leben«.
Und weil dieses Begehren von der Realität selbst produziert ist, wird
die Art und Weise, wie es sich äußert, häufig von den Verhältnissen,
unter denen es zutage tritt, eingefärbt sein. Noch die Kritik am
Konsumismus wird zur Ware. »Das
Protestlied gegen den Weltsound von MTV endet als Nummer eins der
Charts«,
formuliert Norbert Bolz
diesen Zusammenhang. Und: »Wenn
die Kritik erfolgreich, also öffentlichkeitswirksam ist, verwandelt
sich der Kritiker selbst in einen Markenartikel.«
Das Rebellische ist selbst eine Produktivkraft des Kapitalismus."
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MISIK, Robert (2004): Rebellen, die wissen, was sie tun.
Merkwürdiges 2004: Erst stand
die Band Wir sind Helden an der Spitze der Charts, am Ende wurde der
Film "Die fetten Jahre sind vorbei" zum Kinohit. Doch nicht nur diese
Ereignisse markieren die Rückkehr der Gesellschaftskritik ins Herz der
Popkultur,
in: TAZ v. 31.12.
- Inhalt:
MISIK beschäftigt sich mit der Mode einer
entpolitisierten Gesellschaftskritik:
"Von
der Idee, Protestpop könnte der Soundtrack zum Umbruch sein, sind
wir längst geheilt".
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MISIK, Robert (2005): Herdentrieb ins Netz: Technik als Allegorie
sozialer Beziehungen.
Das Netzwerk ist der
Leitbegriff der Jetztzeit - das bestimmt auch das Bild, das wir uns
von der Gesellschaft machen,
in: TAZ v. 04.01.
- Kommentar:
Im Angesicht der Rückkehr des Zwangsstaates in die
Innenpolitik, beschäftigt sich MISIK mit dem nunmehr nur noch elitär
anmutenden Konzept des Netzwerkes, das die freiwillige Kooperation
Gleichrangiger beschreibt.
Die Netzwerkgesellschaft (Manuel
CASTELLS) ist offensichtlich ein Relikt aus den Zeiten des
Individualisierungsoptimismus.
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MISIK, Robert (2005):
Eine harte Lehre für metropolitane Kulturlinke:
Gleichheit, nicht Differenz ist das Problemfeld der Stunde.
Die Schuld an den "neuen
Unterschichten" ist nicht nur bei Wirtschaftsliberalen zu suchen -
auch linke Theorie fand zuletzt an Gleichheit wenig Interesse,
in: TAZ v. 03.05.
- Kommentar:
Während die neuen Popper das stilvolle
Verarmen üben, proben Lifestylelinke wie Robert MISIK den
Paradigmenwechsel von der Differenz zur Gleichheit und entsorgt
damit
Ulrich BECKs Individualisierungsverheißungen
gleich mit:
"Postmarxisten,
Diskursjockeys, unorthodoxe Gesellschaftskritiker beschäftigen sich
seit 20 Jahren vornehmlich mit Phänomenen wie Differenz, Culture Jam,
mit distinkten Identitäten, dem Zusammenprall und auch der
fröhlichen Vermischung von Unterschiedlichkeiten. Differenz ist
spannend, Gleichheit fad. So wie die anderen will ohnedies keiner
sein: Mainstream ist das Letzte. Jeder wünscht sich als eine
unverwechselbare Type zu sehen, eine Sehnsucht, die mit dem
Markenbewusstsein moderner Ich-AGs harmonisiert. Diese
existenzialistische Wende (Diedrich
Diederichsen) war die linke Spielart der Individualisierung:
Gender-, Schwule- und sonstige Diskurse waren und sind erstaunlich
widersprüchlich codiert - die Forderung, als gleichwertig
respektiert zu werden, korrespondierte mit dem eingeforderten Recht
aufs Anderssein, auf Differenz.
(...).
Nun hat es den Anschein, als würden diese Diskurse der
Ungleichmacherei an ihr Ende gelangen. Es stellt sich nämlich
heraus: Weder werden die Menschen glücklicher, je größer das
Spektrum an Optionen in unserer Differenzgesellschaft ist, noch
werden die Gesellschaften leistungsfähiger, je tiefer der Graben
zwischen Oben und Unten. Ein markanter Einschnitt waren in dieser
Hinsicht die Pisa-Studien. Bei diesen erwies sich ja, dass egalitäre
Systeme mehr Aufwärtsmobilität, klügere Schüler und insgesamt mehr
Prosperität schaffen, während mehr soziale Ungleichheiten zu
massenhafter Verschwendung von Humankapital führen. Kurzum:
Ungleichheit macht dumm, Gleichheit macht klug. Hinzu kommt, dass
die neuen, gewissermaßen »weichen« Klassenschranken, die vielen
unüberwindlichen Lifestyle-Gräben zwischen Unten und Oben, längst
die alten Analysen von der »nivellierenden Mittelstandsgesellschaft«
abgelöst haben."
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MISIK, Robert (2005): Das sind doch keine Pappkameraden.
Was kommt nach Rot-Grün? (1):
Die Konservativen sind bei weitem nicht so aufgeklärt, wie sie sich
gerne darstellen. Deshalb ist es nicht egal, wer regiert.
Unsere Gesellschaften brauchen mehr Gleichheit. Daher brauchen sie
Rot-Grün. Allerdings muss die Linke wieder streiten: für das gute
Leben aller,
in: TAZ v. 09.05.
- Kommentar:
Robert MISIK
dient Rot-Grün ein Projekt an, das die Grünen bereits
Mitte der 80er und die Roten in den 90er Jahren
aufgegeben haben:
"Unsere
Gesellschaften brauchen mehr Gleichheit - und die Linke braucht eine
Sprache, mit der sich für mehr Gleichheit streiten lässt.
Wir haben uns Begriffe
erkämpft, um für das Recht auf Differenz einzutreten, und die
Sprache verloren, um für ein gutes Leben aller zu streiten. Und
für Sinn jenseits der Marktzone. Aus Angst vor der Pathosfalle sind
wir supercool geworden - auch eine Sackgasse. Ich will damit nicht
viel mehr sagen als zweierlei: Es gäbe schon eine Art
Arbeitsprogrammatik, für die es sich lohnen würde, Rote und Grüne
wieder in Bewegung zu bringen; und es ist nicht so, dass unsereins
mit den Dilemmata, in denen Rote und Grüne stecken, nichts zu tun
hat.
Und weil's mühsam ist, da rauszukommen, soll die Merkel ran? Ein
wirklich kleines Heldentum."
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MISIK, Robert (2005): Kämpfen! Kämpfen! Kämpfen!
Rot-Grün, wir danken dir (9): Plötzlich regt sich das
Bockigkeits-Gen. Warum man gerade jetzt ein hundertfünfzigprozentiger
Rot-Grüner sein muss,
in: TAZ v. 10.06.
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MISIK, Robert (2005): Nach links, ohne Gleichschritt.
So hat die Linke wieder eine Zukunft,
in: TAZ v. 15.06.
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MISIK, Robert (2005): Die Axt des Kulturkapitalismus.
Der Architekturtheoretiker
Georg Frank glaubt, dass sich ein mentaler Kapitalismus durchsetzt,
während die Autoren Joseph Heath und Andrew Potter die alte,
sozialdemokratische Linke durch die neue, gegenkulturelle Linke
diskreditiert sehen. Beidem ließe sich entgegenwirken, wenn man es nur
wollte,
in: Literaturbeilage der TAZ v. 19.10.
- Kommentar:
Robert MISIK, dem es neuerdings um die
- zumindest rhetorische - Versöhnung von kultureller und
sozialer Linken geht, bespricht die Bücher "Mentaler
Kapitalismus" von Georg FRANCK und
"Konsumrebellen" von Andrew POTTER &
Joseph HEATH wohlwollend:
"Die
beiden Bücher - »Mentaler Kapitalismus« und »Konsumrebellen«
- sind extrem lesenswert. Und so diskutabel manche ihrer
Thesen auch sein mögen, sie kreisen um ein Thema, das im
Kommen ist: die Dominanz des Kulturellen im Feld des
Ökonomischen. Dies ist natürlich nicht eine Folge einer
Landnahme des Kulturellen, sondern des Umstandes, dass die
Marktwirtschaft über die Ufer dessen tritt, was gemeinhin
als Feld des Ökonomischen gilt."
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MISIK, Robert (2005): Kampf der modernen Gesellschaft.
Eine Gruppe deutscher
Sozialwissenschaftler lässt in ihrer Studie die zu Wort kommen, die
sich gern krumm arbeiten würden, aber keine Stelle haben. Unsere
flotten Ruck-Rhetoriker sollten dieses Buch lesen,
in: TAZ v. 26.11.
- Kommentar:
Feuer und Eis bringt
Robert MISIK zusammen, wenn er den Kulturlinken Diedrich
DIEDERICHSEN im Zusammenhang mit einer Forschergruppe zitiert, die
sich in der Tradition von Pierre BOURDIEU als soziale Linke
versteht.
Der
Poplinke DIEDERICHSEN hat sich
erst vor kurzem gegen diese Art der Weltsicht abgegrenzt. Das
ist nicht
genial dagegen, sondern nur genial daneben, weil hier
die beiden linken Strömungen lediglich rhetorisch versöhnt
werden.
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Franz Schultheis & Kristina Schulz (Hg.) - Gesellschaft mit
begrenzter Haftung
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MISIK, Robert (2005): Die Freiheit, die sie meinen.
Mehr Wert: Udo di Fabio ist für sein Buch "Die Kultur der Freiheit"
zum "Reformer des Jahres 2005" ausgerufen worden. Warum gibt es
eigentlich eine solche Sehnsucht nach intelligenten Konservativen? Und
warum ist der moderne Konservativismus so ein intellektuelles
Desaster?
in: TAZ v. 08.12.
- Kommentar:
Robert MISIK muss zugeben, dass "genial
dagegen" längst keine Domäne der Linken mehr ist, sondern die neuen
Reaktionäre - hier in der Person von
Udo Di FABIO - haben den
Rebellengestus der Gegenkultur erfolgreich übernommen:
"Zentral
bei dieser Operation ist die Umdeutung des Begriffes der Freiheit:
statt Freiheit von knechtenden Traditionen und Institutionen zur
Freiheit, Traditionen und Werte zu akzeptieren - was als ein
rebellischer Akt dargestellt wird, wider Zeitgeist und
gesellschaftliche Imperative. Damit erweisen sich solche
Gedankenreihen anschlussfähig an eine gewisse Ermüdung im
linksliberalen Milieu. Wenn jeder Bruch mit Konventionen nur mehr
der Geburtsakt einer neuen Mode ist, jede rebellische Geste nur mehr
ein Zitat von Altbekanntem, dann ist nicht nur ein Überdruss an der
Rebellion gegen Hergebrachtes folgerichtig - dann ist die
Lobpreisung von Sitte und Manieren die schärfste Rebellion, der
ultimative Thrill."
Leider
kommt MISIK über eine selbstgefällige Analyse linker
Selbstreferentialität nicht hinaus.
Georg FRANCKs Ökonomie der Aufmerksamkeit dient als
Selbstrechtfertigung.
Tatsächlich
steckt die Poplinke in einer selbstverschuldeten Krise, die
keineswegs nur damit zu tun hat, dass sie sich mit dem Hedonismus
verbündet hat:
"Das
Bündnis, das die 68er-Revolte und die Alternativbewegungen mit dem
Hedonismus eingegangenen sind, ist nur eine der Ursachen für das
widersprüchliche Verhältnis der Linken zu Werten".
Wenn
MISIK den neuen Reaktionären die Verachtung der Massen unterstellt,
dann muss gefragt werden, wie es die Poplinke damit hält. Offenbar
ist sie nicht besser als ihre Gegenspieler. Es reicht nicht mehr,
einfach nur zu behaupten, dass man die besseren Partys feiert...
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MISIK, Robert (2006): Trickkiste der bauernschlauen Boulevard-Helden.
Spießigkeit ist die ultimative Coolness? Unsinn, sagt Christian
Rickens in seinem Konter-Pamphlet zur neuen Bürgerlichkeit. Die
Schirrmachers & Co verwechseln nur absichtlich Ursache mit Effekt,
in: TAZ v. 30.12.
- Anmerkung:
"Dass
der bindungslose Individualismus an der demografischen Krise schuld
sei - Unsinn, schließlich war der schärfste Einbruch in den
Geburtenraten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu
verzeichnen und nicht nach dem berühmten Pillenknick. Das heißt
nicht, dass es mit klugen Maßnahmen nicht für die Familien
erleichtert werden soll, mehr Kinder zu bekommen - zumal es an
geschwundener Kinderliebe gewiss nicht liegt. Im Jahr 2002
verbrachten Kinder unter sechs Jahren im Schnitt pro Tag sechs
Stunden und fünfzig Minuten bei gemeinsamen Aktivitäten mit Mutti
und/oder Vati. Zehn Jahre zuvor waren es nur sechs Stunden und zwei
Minuten.
Gerade weil es die neuen Spießer von Peter Hahne, Matthias Mattusek,
Ulf Poschardt, Udo di Fabio bis Frank Schirrmacher so gedreht haben,
dass heute oft die Spießigkeit als die neue Coolness erscheint, ist
Rickens Konter-Pamphlet erfrischend",
meint Robert MISIK, der sich zwar als Anwalt
einer neuen sozialen Linken versteht, hier aber eindeutig von
RICKENS' Scheinangriff auf die Neu-Bürgerlichen geblendet wird.
Zwischen Christian RICKENS' Buch
"Die neuen Spießer" und Ulf
POSCHARDTs
Einsamkeitsfibel gibt es z.B. mehr
Gemeinsamkeiten als Unterschiede.
Beide
verstehen sich als Anwälte der kaufkraftstarken, kinderlosen
Karrierefrau. Sie sind in diesem Sinne Verbündete im
F-Klassenkampf von Thea DORN.
Die Spaltung der
Gesellschaft verläuft in beiden Konzepten nicht zwischen Eltern und
Kinderlosen, sondern zwischen Eliten und Nicht-Eliten.
Geringverdienende Singles - ob männlich oder weiblich - spielen in
diesem elitären Milieu der neuen Mitte keine Rolle.
RICKENS
plädiert dafür, eindeutige Gruppen von Reformgewinnern zu schaffen.
Dies aber heißt vor
allem, dass es viele Reformverlierer geben wird, die RICKENS mit
einer "Grundsicherung auf dem Niveau des Existenzminimums" abspeisen
möchte. Pate steht hierfür das Modell des neoliberalen Ökonomen
Thomas
STRAUBHAAR.
Der demografische
Wandel kann RICKENS deshalb auch vollkommen egal sein, denn die
Rente soll zugunsten der Grundsicherung ganz entfallen:
"Jenseits der
Grundsicherung könnte eine weit weniger regulierte Wirtschaft
erblühen als heute - ohne Debatten über Mindestlöhne oder steigende
Rentenversicherungsbeiträge", verspricht sich RICKENS.
Freiheit für die
Eliten, endlose Debatten um die gerechte Höhe des Existenzminimums
für die Massen, könnte man diese schwarz-grüne Vision auf den Punkt
bringen.
Bezeichnenderweise lässt sich die Doppelmoral von RICKENS an
Paul KIRCHHOF festmachen.
KIRCHHOF ist ein
ausgewiesener Singlefeind, der nationalkonservative Positionen
vertritt und Kinderlose durch ein Elternwahlrecht zu Menschen
zweiter Klasse deklassieren möchte. In diesem Sinne wäre er als
Neubürgerlicher zu klassifizieren.
RICKENS jedoch will
in KIRCHHOF nur einen lupenreinen Neoliberalen sehen, d.h. er
blendet seine Positionen zu Kinderlosen konsequenterweise aus, um
sich allein auf dessen Steuerkonzept ("Flat tax") zu konzentrieren,
das die Erfolgreichen bevorzugt, also genau das macht, was RICKENS
möchte: die Kluft zwischen Arm und Reich schnellstmöglich zu
vergrößern. Dass die soziale Ungleichheit in Deutschland zunehmen
muss, rechtfertigt RICKENS in einem eigenen Kapitel.
In dem
lesenswerten Buch
"Deutschland - eine gespaltene Gesellschaft"
ist nachzulesen, dass die entscheidende Konfliktlinie nicht zwischen
Eltern und Kinderlosen, Jungen und Alten, sondern zwischen
Reichen/Eliten und Armen/Massen verläuft.
Das Buch von
Christian RICKENS macht deutlich, dass die zunehmende soziale
Ungleichheit keineswegs nur der Globalisierung anzulasten ist,
sondern durch die
Mentalitäten der neuen Mitte zusätzlich forciert wird.
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MISIK, Robert (2007): Hey, ihr da unten!
Heute erscheint sie also: die deutsche "Vanity Fair". Hat sich
Chefredakteur Ulf Poschardt endlich ein Zentralorgan seines
neokonservativen Bobospießertums gebastelt?
in: TAZ v. 07.02.
- Inhalt:
Robert MISIK,
der selber mit den Bobos liebäugelt,
liefert gerade deshalb eine schillernde Charakterisierung dieser
neuen Bobokratie:
"Im neueren deutschen
Spießertum haben sich in den vergangenen Jahren zwei paradigmatische
Phänotypen herausgebildet: der pausbäckig-altväterliche »Mehr-Anstand-mehr-Kinder-mehr-Sittlichkeit«-Typus
vom Udo-di-Fabio-Eva-Herman-Schlag
und das hippe, zeitgeistige Bobospießertum, das seine
Trägerschichten in verweichlichten Mittelstands-Bubis gefunden hat,
die früher
Pop gehört und
Müll getrennt haben und nun, weil sie sich im
bundesrepublikanischen Sozialstaat langweilen, mehr Härte ins Leben
bringen wollen. Wohlgemerkt: mehr Härte ins Leben
der Anderen.
(...).
Die bemerkenswerteste
Figur dieser neokonservativen Parallelgesellschaft ist
Ulf Poschardt,
Ex-Tempo-Redakteur, Ex-SZ-Magazin-Macher und nunmehr Leithammel der
Vanity Fair, die ab heute der neue Stern am deutschen
Lifestyle-Magazin-Himmel sein will.
(...).
Was den Poschardt-Typus aber vom Traditionsspießertum unterscheidet,
ist, dass er den
neoliberalen Neiddiskurs mit dem Geist der Revolte, dem
Poprebellentum und dem Erbe von Punk und Nonkonformismus
kurzschließt. Die Kinder der Revolte, führte er in
raumgreifenden Essays
von Zeit über taz bis zur Revival-Tempo aus, seien doch die
natürlichen Parteigänger des
Neoliberalismus, mit seinem Staatshass und seinem
Verwirkliche-dich-selbst!-Pathos.
(...).
Das Pathos vom »Abenteuer der Existenz« und der Kitzel von den
»Härten der Realität«, den Poschardt zu einem
Sartre-Hayek-Jünger-Brei verrührt, die haben mehr als nur
oberflächliche Verwandtschaft mit der
Verachtung für die
Fadesse des Normalolebens, wie sie in jungrevolutionären Zirkeln
seit je dazugehört.
»Abenteuer der
Existenz«: Das wurde nicht nur in Jüngers »Stahlgewittern« gefeiert,
sondern auch von Spontis und vom »schwarzen Block«.
Sagen wir es so simpel und offen wie möglich: Es gibt ein breites
Spektrum von Milieus, links bis grün bis alternativ bis Indie, ein
Meer von Leuten, die nichts mehr hassen, als Mainstream zu sein,
die gerne gut
leben, aber den hoch dotierten Brotjob verabscheuen,
die
Lifestylekonsum pflegen, dabei aber möglichst ökologisch korrekt
vorgehen, die sich über wachsende soziale Ungleichheit grämen
und ein selbstbestimmtes Leben ohne Chef vorziehen, die brodelnde
innerstädtische Quartiere mit einem schönen Mix aus ehemals
besetzten Häusern, abgefuckten Kneipen, guten Esslokalen und ein,
zwei Falafelbuden zu schätzen wissen. Sie alle sind objektiv ein
bisschen Komplizen des Neoliberalismus."
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MISIK, Robert (2008): Wie Konservative denken.
Theorie und Technik: Dem konservativen Denken liege, so Lakoff, ein
spezifisches Familienmodell zugrunde: das Ethos des "strengen Vaters"
in: TAZ v. 01.07.
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MISIK, Robert (2008): Projektorientiert in jeder Lebenslage.
Theorie und Technik: Man glaubt es nicht: Es gibt Millionen Frauen,
aber der bringt sich wegen einer Einzelnen um,
in: TAZ v. 02.09.
- Inhalt:
"Die
Frauen wollen »neue Väter«, die Windel wechseln und den Abwasch
machen,
aber wenn die Kinder wirklich da sind, soll noch der punkrockigste
Loser gefälligst damit beginnen, ordentlich Kohle ranzuschaffen.
Die Männer macht das nicht froh, die Frauen sind verzagt,
glaubt man der internationalen Studie »Women und Employment«",
berichtet Robert MISIK, der sich den
Unsicherheiten auf dem Felde der Ökonomie der Liebe widmet. Anlass
bietet ihm ein
Essay von Meghan Falvey in der Zeitschrift n+1
über die Frau als das neue soziale Problem. Darin geht es über ein
paar Bücher der letzten Jahre von
Maureen DOWD,
Caitlin FLANAGAN, Linda R. HIRSHMAN
und Laura KIPNIS.
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MISIK, Robert (2008): Linksliberalismus 2.0.
Die Linke ist zurück – aber sie ist ängstlich und verzagt - Der
deutsche Publizist Christian Rickens will sie zum Zukunftsoptimismus
verführen,
in: Der Standard v. 04.10.
- Inhalt:
Rezension des Buches
"Links!"
von Christian Rickens.
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MISIK, Robert (2008): Moral und Amoral.
Widersprüche in der zeitgenössischen Wertedebatte,
in: DeutschlandRadio v. 07.12.
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MISIK, Robert (2008): Krieg in der Stadt,
in: Falter v. 17.12.
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Rezensionen
- BISKY, Jens (2005):
Na, Kapitalismus, wie war ich.
Immer hip, niemals satisfaktionsfähig: "Wunschlos
unglücklich" und "Genial dagegen". Zwei Konsumführer für den
Pflasterstrand,
in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 10.05.
- Kommentar:
Die Zukunft der Buchkritik gehört
dem Image-Designer.
Ist
Thomas
STEINFELD ein traditioneller Image-Designer, der die
Identität zwischen Autor und Werk herstellt, so spielt
Jens BISKY -
entsprechend den Maximen des aktuellen
Differenzkapitalismus - einen Image-Designer neuen
Typus. Er stellt dem Leser Identitäten bereit, die er sich
per Entscheid für oder gegen ein Buch erwirbt.
Kenner oder nur Könner,
das ist hier die Wahl zwischen dem Wohlfühlbuch
"Genial dagegen" und dem
Gebrauchswertbuch
"Wunschlos unglücklich".
Lässt sich der
Rezensionskonsument von BISKY verführen, dann hat er seine
Lektion gleich zweifach gelernt, denn die Form ist hier
der Inhalt.
Entscheidet man sich für
Alexander MESCHNIG und Mathias STUHR, dann hat man sich
gleichzeitig für
Norbert BOLZ und das Glaubensbekenntnis zum
Konsumismus entschieden. Man befindet sich dann in
Gesellschaft von Konsumpropheten wie
Thomas FRANK
und den
Ex-Punks HEATH & POTTER. Denn die Moral von der
Geschicht: Selbst der kritische Verbraucher bleibt immer
noch Konsument.
Entscheidet man sich dagegen
für "Genial Dagegen", dann verfängt man sich im
"Rebellionsformalismus" der Wohlfühllinken:
"Sie nimmt, was sie kriegt und
schielt dabei nach Prominenz und Aufmerksamkeit wie eine
Sechzehnjährige, die gerne Model wäre."
Möglich aber, dass man
sich bei diesen Optionen doch für den abgeklärten
Kapitalismus entscheidet:
"Das Ringen zwischen
Kapitallogik und bürgerlichen Interessen, dauert an und
solange es nicht endgültig entschieden ist, wird sich der
Kapitalismus mit seinen herrlichen Freiheitsgewinnen wie
seinen abscheulichen Ausbeutungsmechanismen bester
Gesundheit erfreuen. Eine Erlösung durch Katastrophe oder
Jenseits wird es so wenig geben wie die Totalisierung".
So kann nur jemand schreiben,
der die Katastrophe schon hinter sich wähnt.
Apropos Kenner oder
Könner? Lassen Sie sich verführen, dann hat sich die
Differenz der Typen aufgelöst...
- TERKESSIDIS, Mark (2005): Die
neuen Rechthaber.
Groß-Thesen haben ihre Tücken: Die aktuelle Kritik am
Kapitalismus und Globalisierung verrät einiges über das
Wir-Gefühl der Intellektuellen,
in: Literaturen Nr.6, Juni
- Inhalt:
Mark
TERKESSIDIS rezensiert gleich - auf den ersten Blick -
5 ganz unterschiedliche Bücher: Reinhard SPRENGERs
"Der dressierte Bürger", Hans-Peter BARTELs
"Victory-Kapitalismus",
Peter SLOTERDIJKs "Im Weltinnenraum des Kapitals",
Robert MISIKs "Genial dagegen" und
Johano STRASSERs "Kopf oder Zahl".
Die Gemeinsamkeiten sieht
TERKESSIDIS zum einen darin, dass alle dem deutschen
Idealismus verhaftet sind und deshalb in Mentalitäten das
Hauptproblem sehen, zum anderen sieht sich jeder Autor als
"paradigmatischer Bürger".
TERKESSIDIS fragt sich dagegen
wie ein Gemeinwohl definiert werden kann, angesichts der
Heterogenität der Bevölkerung, die gespalten ist "nach
Chancen, nach Klassen, nach Geschlecht, nach
geschlechtlicher Orientierung, nach Ethnizität".
Nichtsdestotrotz liebäugelt
TERKESSIDIS mit dem politischen Programm von Hans-Peter
BARTELS, der die Politik der sozialen Inklusion aus
Großbritannien in Deutschland salonfähig machen möchte.
Antidiskriminierung bedeutet für
TERKESSIDIS z.B. dass Theater nur noch dann gefördert werden
sollen, wenn ihr PUBLIKUM sozial repräsentativ ist (Die
Repräsentativität der TheaterARBEITER bleibt dagegen
unberücksichtigt!).
- MEIER, Jürgen (2005): Che auf
dem Shirt.
taz-Kolumnist Robert Misik beschreibt, warum
Gesellschaftskritik wieder chic ist. Liegt er damit "genial
daneben"?
in: Psychologie Heute, Nr.10, Oktober
- Inhalt:
"Robert Misik erkennt das Symptom der Angst,
das die Menschen aller Altersgruppen immer heftiger befällt,
aber er macht sich darüber lustig", kritisiert MEIER.
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