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Wolfgang Lutz: Mythos Ein-Kind-Familie

 
       
   
  • Zur Person

    • Leiter des Bevölkerungsprojekts am Internationalen Institut für Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg (Österreich)
 
       
     
       
   

Wolfgang Lutz in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

LUTZ, Wolfgang (1997): Kinder sehen die Familie anders.
Volkszählung 91 aus Kinderperspektive,
in:
Beziehungsweise Nr.20 v. 07.01.

Der österreichische Familiendemograph Wolfgang LUTZ hat der üblichen Haushaltsstatistik eine Kinderstatistik gegenübergestellt, die realistischere Aussagen über die Häufigkeit von Geschwistern in Familien zulässt. Für Österreich heißt es:

"Die haushaltszentrierte Betrachtung führt u. a. dazu, daß das Phänomen der Geschwisterlosigkeit überschätzt wird. Aus dem Blickwinkel des Haushaltes stellt die Einkindfamilie rund die Hälfte aller Familien dar. Aus Kindersicht hingegen handelt es sich um eine Minderheit von weniger als einem Viertel, denn nach wie vor lebt die große Mehrheit aller Kinder mit Geschwistern zusammen. Die haushaltszentrierte Betrachtungsweise gibt Auskunft darüber, wie viele Haushalte mit wie vielen Kindern welchen Alters leben. Sie sagt aber z.B. nichts darüber aus, wie viele Kinder mit wie vielen Geschwistern zusammenleben."

LUTZ, Wolfgang & Sergei SCHERBOV (1998): Prohabilistische Bevölkerungsprognosen für Deutschland,
in:
Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Heft 2, S.83-109

LUTZ & SCHERBOV haben für das Ausgangsjahr 1995 Prognosen erstellt. Es zeigt sich, dass die Bevölkerungsentwicklung - je nach Annahme - eine enorme Schwankungsbreite annehmen kann:

Die "Wohnbevölkerung Deutschlands (wird) im Jahr 2020 mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % zwischen 73 und 87 Millionen Menschen betragen".

Zur Entwicklung des Anteils der unter 20-Jährigen schreiben die Autoren:

"Der Anteil der Personen von unter 20 Jahren an der Gesamtbevölkerung ist in den letzten Jahren schon deutlich gesunken. Derzeit beträgt er noch knapp 21 %. Die Ergebnisse (...) zeigen, daß auch dieser Anteil (...) im Jahr 2015 (mit) mehr als 98 % aller simulierten Fälle unterhalb eines Anteils von 20 % zu liegen (kommt)".

Dabei liegt die Untergrenze sogar bei ca. 15 % für 2015! 

LUTZ, Wolfgang (2001): Was beeinflusst die Bevölkerungszahl?
Über den Zusammenhang von Geburt, Tod und Einwanderung,
in:
Beziehungsweise Nr.25 v. 20.12.

LUTZ, Wolfgang & Nadja MILEWSKI (2004): Als ideal angesehene Kinderzahl sinkt unter zwei.
Wandel der Normen in Österreich und Deutschland,
in:
Demografische Forschung aus Erster Hand Nr.2, S.1-2

TESTA, Maria Rita & Wolfgang LUTZ (2007): Europäer zunehmend uneins beim Kinderwunsch.
Divergierende Geburtenentwicklung nach Daten des Eurobarometers nicht ausgeschlossen,
in:
Demografische Forschung aus Erster Hand,
Nr.3

TESTA & LUTZ befassen sich u. a. mit dem Problem, dass es zwischen den Erhebungen zum Eurobarometer 2001 und 2006 ausgerechnet wieder einmal für Deutschland keine eindeutig zu interpretierenden Daten zum Kinderwunsch vorliegen:

"Inwieweit der zwischen 2001 und 2006 beobachtete deutliche Anstieg des deutschen Kinderwunsches (...) als Lichtblick zu sehen ist, bleibt abzuwarten. Vor allem Änderungen im Erhebungsmodus könnten dafür verantwortlich sein, dass die Daten für Deutschland nur begrenzt vergleichbar sind. Sollte sich der höhere Kinderwunsch in zukünftigen Studien jedoch bestätigen, bliebe die Frage nach den Ursachen dieser geänderten Einstellung: Es könnte ein Folge der breiten und teilweise emotional aufgeladenen öffentlichen Debatte sein, die jüngst in Deutschland über das Verhältnis der Deutschen zu Kindern und die Gründe hoher Kinderlosigkeit geführt wurde."

Anlässlich eines Berichts in der Süddeutschen Zeitung hat single-generation.de bereits ausführlich über diese Problematik berichtet.

SOBOTKA, Tomᚠ& Wolfgang Lutz (2010): Wie Politik durch falsche Interpretationen der konventionellen Perioden-TFR in die Irre geführt wird,
Sollten wir aufhören, diesen Indikator zu publizieren?
in: Comparative Population Studies, Heft 3

TomᚠSOBOTKA & Wolfgang LUTZ befassen sich mit den Unzulänglichkeiten des Indikators der durchschnittlichen Kinderzahl (TFR), die bislang die politische Debatte um den demografischen Wandel dominierte. Anhand von 4 Beispielen zeigen sie die Problematik auf:

1) die vermutete Kluft zwischen gewünschter und realisierter Kinderzahl
2) der aktuelle Anstieg der TFR in Europa
3) die Kinderzahl von Migrantinnen im Vergleich zu den Einheimischen
4) der Zusammenhang zwischen Familienpolitik und TFR-Änderungen

Letzter Punkt ist besonders interessant, denn in der Debatte um das Elterngeld dominierte lange Zeit Schweden als Musterland (inzwischen hat Frankreich diese Rolle für andere Reformvorhaben übernommen). Der schwedische "Babyboom" infolge des Elterngeldes galt bisweilen als Rechtfertigungsgrund für die Einführung des Elterngeldes auch in Deutschland. SOBOTKA & LUTZ weisen darauf hin, dass der dortige Anstieg der TFR weniger eine Änderung im Geburtenausmaß (Quantum), sondern vor allem eine Änderung im Timing (Vorziehen von Geburten) und Geburtenabstand (zweite und dritte Kinder folgen in einem kürzeren Abstand auf das erste Kind) bewirkt hat.

SOBOTKA & LUTZ sehen für Deutschland deshalb die Gefahr, dass die TFR einen Babyboom (Änderung des Quantums) vorgaukeln könnte, obwohl es sich nur um das Vorziehen von Geburten handelt (Tempoeffekt).

 
       
   

Wolfgang Lutz im Gespräch

 
   
     
 

Statements

"Das Absurde ist (...), dass in Amerika oder in England, wo die Regierung fast nichts tut - in den USA gibt es keine Geburtenbeihilfe, Familienbeihilfe, es gibt nicht einmal ein Karenzgeld: Für eine Geburt nimmt man Krankheitstage, die Frau muss nach ein, zwei Wochen schon wieder zurück in die Arbeit - die Fruchtbarkeitsrate höher ist als bei uns, und zwar nicht nur bei den Hispanics oder in den Ghettos. Auch Akademikerinnen haben im Durchschnitt mehr als zwei Kinder."
(
Junge Kirche Nr.1/2000)

"Es hat keinen Sinn, von einem Krieg der Generationen zu reden. Ältere fühlen sich solidarisch mit den Jüngeren, insbesondere wenn es die eigenen Verwandten sind."
(
Junge Kirche Nr.1/2000)

 
     
 
       
   

MITSCHA-EIBL, Robert (2000): Wenn die Jungen zur Minderheit werden,
in:
Junge Kirche, Nr.1

SEISER, Michaele (2002): Das Ende der Bevölkerungsexplosion.
Die Menschheit wird in absehbarer Zeit schrumpfen - und altern. Ein Interview mit dem Demografen Wolfgang Lutz,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 29.12.

Der österreichische Bevölkerungswissenschaftler Wolfgang LUTZ räumt mit einigen bevölkerungspolitischen Mythen auf:

"Die Welt (ist) nicht mehr so klar zweigeteilt (...) - reiche Industriestaaten mit hoher Lebenserwartung und niedriger Geburtenrate auf der einen Seite und schnell wachsende, arme Entwicklungsländer auf der anderen Seite. Es haben sich in den letzten Jahrzehnten gewaltige Verschiebungen ergeben",

sagt LUTZ. Der Demograf sieht eine Trendwende bezüglich der Bevölkerungspolitik in Europa:

"Direkt pronatalistische Politik ist in Europa noch ein Tabuthema. Ich glaube jedoch, daß sich dies in den nächsten Jahren ändern wird."

MEYER, Heiko (2003): "Europa wird verlieren".
Der Wiener Bevölkerungswissenschaftler Wolfgang Lutz über seine jüngste Studie zur beschleunigten Vergreisung Europas,
in: Profil Nr.16 v. 14.04.

Wolfgang LUTZ umschreibt das Ziel der Bevölkerungspolitik: "Bisher war die Frage, wie weit der Staat auf die Geburtenentwicklung einwirken soll, hierzulande wegen der Bevölkerungspolitik der Nazis tabu. Das Ziel muss daher lauten: verstärkte Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine Flexibilisierung der typischen, an Männern orientierten Karrieremuster. Wenn Frauen dadurch wieder früher Kinder bekommen können, ohne ihre berufliche Zukunft zu gefährden, trägt das nachhaltig zu einem Anstieg der Geburtenrate bei, ohne dass man gleich in die Nähe der Mutterkreuz-Befürworter gerückt wird".

LÖFFLER, Stefan (2007): "Schrumpfen erwünscht".
Politik und Pensionskassen haben die Bevölkerungs- und Altersentwicklung völlig falsch eingeschätzt, nicht nur hierzulande. Ein Gespräch mit dem international angesehenen und tätigen Demografen Wolfgang Lutz,
in: Heureka. Beilage des Stadtmagazins Falter,
Nr.3

Der österreichische Demograf Wolfgang LUTZ hält im Gegensatz zu deutschen Bevölkerungswissenschaftlern das Ziel der Bestandserhaltung für nicht erstrebenswert:

"Ich finde, dass die Geburtenrate nicht das Bestandserhaltungsniveau von zwei haben muss, sondern besser bei 1,7 oder 1,8 liegt wie in Großbritannien oder den skandinavischen Staaten. Dann kann man mehr in die Bildung der zukünftigen Generation investieren. Auch ökologisch ist ein langsames Schrumpfen erwünscht. Ein explosionsartiges Wachsen, wie es in vielen afrikanischen Staaten noch der Fall ist, oder ein implosionsartiges Schrumpfen, wie es sich in Osteuropa abzeichnet, bringt sicher Nachteile mit sich"

Während in Deutschland immer noch fast ausschließlich mit der vorsintflutlichen TFR-Zahl - volkstümlich: Geburtenrate - gerechnet wird, wird in Österreich eine bereinigte Geburtenrate (PAP) berechnet (Näheres hier).

Beide Länder haben eine vergleichbare Geburtenentwicklung. In Österreich differiert die TFR (1,4) und die PAP (1,64), bei der die Verzerrungen durch das steigende Erstgebäralter herausgerechnet werden, um fast 0,25. In Deutschland ergeben sich durch die gravierenden Schwankungen der TFR in Ostdeutschland und den kontinuierlichen Anstieg des durchschnittlichen Gebäralters ebenfalls Verzerrungen.

Aufklärung über diese Sachverhalte wurde jedoch in Deutschland von Politik, Medien und Wissenschaft bislang weitgehend verhindert. Einzig auf single-dasein.de und single-generation.de wurde frühzeitig über diese Problematik informiert, was seit letztem Jahr auch im Buch Die Single-Lüge nachzulesen ist.

 
       
   

Wolfgang Lutz in den Medien

 
       
   

KORN, Heide (2002): Demographie im Aufwind.
Ein Akademie-Institut vernetzt sich international,
in: Der Standard v. 22.01.

Neu:
TASCH (2011): Wann wir wirklich sieben Milliarden werden.
Wiener Demografen stellen den 31. Oktober als Stichdatum infrage - es könnte sogar sein, dass diese Grenze erst im Jahr 2020 erreicht wird,
in: Der Standard v. 15.10.

 
       
   

weiterführende Links

 
       
     
       
   
 
   

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Update: 16. Januar 2017