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Alan Posener: Blick auf die Rebellion im Wirtschaftswunderland

 
       
     
       
     
       
   

Alan Posener in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

POSENER, Alan (2001): Die Moral der Achtundsechziger.
Sie suchten Antworten jenseits der Engstirnigkeit und scheiterten an ihrer eigenen Enge,
in: Welt v. 08.01.

Alan POSENER wartet auf ein konservatives 68 oder anders formuliert: wer ist der deutsche Michel HOUELLEBECQ, der dem Single den Garaus macht? Seine einfache und bequeme Ursachenanalyse:

  • "den Achtundsechzigern (wird) unterstellt, sie seien die Avantgarde jenes hemmungslosen Egoismus gewesen, den die Wertkonservativen zu Recht beklagen. Das Gegenteil ist der Fall. Dieser Individualismus ist ein Produkt der Konsumgesellschaft. Der Single mit eigenem Appartement, Auto, Handy, dessen Abenteuer- und Konsumlust durch keine familiären oder gar moralischen Rücksichten beschränkt wird - das ist das Ideal der Marketingstrategen. 1968 war eine Revolte auch dagegen. Gegen die Vereinzelung an der Universität setzte man die Arbeitsgruppe, gegen die Kleinfamilie die Kommune, gegen die Konkurrenz das Kollektiv, gegen Karriere den Satz »Dem Volke dienen«, gegen Haben das Sein. »Konsumterror« war ein Schlagwort jener Jahre (...) 1968 hat sich erledigt, nicht aber die Sehnsucht gerade der Jugend nach einer Moral. Noch äußert sie sich rein negativ, als Tristesse Royale der Generation Golf. Doch wer diese Sehnsucht glaubhaft verkörpern könnte, dem gehörte die Zukunft."

Es ist gerade diese Art von Argumentation, die den Blick auf das Thema Single verstellt. Es verkennt das Problem Single oder soll man sagen, es wird ein Affekt benutzt, um das Thema für eigene Zwecke zu instrumentalisieren? Wenn man heute von Familie spricht, dann meint man den Familienhaushalt und damit den Familiensektor. Dies ist kein wertfreier Begriff, sondern impliziert ganz rigide Vorstellungen über das gute Leben.

POSENER, Alan (2001): Reaktionäre Internationale.
Globalisierung und Konservatismus sind keine Gegensätze,
in: Welt v. 19.06.

POSENER, Alan (2001): Spaß muss sein.
Gäb's eine Zensur, so wünschte man sich ein Verbot des Begriffs "Spaßgesellschaft" - mitsamt dem misslaunigen Lippenschürzen, das seine Aussprache begleitet - Kommentar
in: Welt v. 07.09.

POSENER, Alan (2002): Der politische Schweinezyklus.
In der Regel müssen Regierungen gegen den Zeitgeist Politik machen,
in: Welt v. 05.07.

POSENER, Alan (2002): Revolutionär der Lust.
Auch wenn Elvis Presley vor 25 Jahren starb, weist er immer noch den weg,
in: Welt v. 16.08.

"Was hier zu Lande von Konservativen gern als Ergebnis von '68' beklagt wird, ist in Wirklichkeit eine Folge von '54'. In diesem revolutionären Jahr (...) nahm Elvis Presley im Sun-Studio in Memphis seine erste Single auf: 'That's All Right (Mama)'. Der Rest ist Geschichte. Unsere Geschichte",

deutet POSENER die 50er Jahre als anarchisches Lustjahrzehnt der Kleinbürger, gegenüber denen die 68er wie lustfeindliche Spießbürger wirken:

"1968? Die Sexpol-Bewegung und die Kommunen mit ihrem pädagogischen Eros, ihrem skandinavischen Ernst und ihrer kollektivistisch verordneten freien Liebe war moralisch wie ein Mädchenpensionat im Vergleich zu der anarchischen Revolution der Lust, die mit den Mitteln der Marktwirtschaft und im Zeichen des Sternenbanners über die Welt kam.
          
 Bis heute können die deutschen 68er denn auch mit Elvis wenig anfangen."

Mariam Lau - Die neuen Sexfronten für die Normalfamilie der Neuen Mitte

POSENER, Alan (2002): Frühstück über alles.
Produktive Potenziale Teil 6: Morgenstund braucht viel mehr im Mund,
in: Welt v. 28.09.

POSENER, Alan (2002): Das Bürgertum lebt hier nicht mehr.
Die gestaltende Mitte der modernen Gesellschaft ist mit einem historischen Klassenbegriff nicht zu erfassen,
in: Welt v. 28.11.

POSENER, Alan (2004): Schwule Eltern.
Besser Homo-Familien als gar keine,
in: Welt am Sonntag v. 04.07.

POSENER, Alan (2004): Michael Rutschky. Wie wir Amerikaner wurden - eine deutsche Entwicklungsgeschichte,
in: DeutschlandRadio v. 04.07.

POSENER, Alan (2005): Ach, Rudi...
Dutschke und die politische Sentimentalität,
in: DeutschlandRadio v. 13.01.

"Zugegeben, ich bin parteiisch. Rudi Dutschke gehörte zu meinen Jugendidolen, neben John Lennon und Mick Jagger. Wegen Dutschke bin ich als Teenager auf Demonstrationen gegangen, habe mich von Wasserwerfern bespritzen, von Tränengas halb ersticken, von Polizisten verprügeln lassen. Wenn jetzt die Kochstraße in Berlin umbenannt werden soll in »Rudi-Dutschke-Straße«, habe ich also eine ziemlich entschiedene Meinung dazu", beginnt Alan POSENER seine Stilisierung zum Opfer der 68er.

POSENER, Alan (2005): Zicken für den Sieg.
Doris Schröder-Köpf über die Rivalin ihres Mannes: "Angela Merkel verkörpert mit ihrer Biographie nicht die Erfahrung der meisten Frauen",
in: Welt am Sonntag v. 04.09.

POSENER, Alan (2006): Schrumpfen wir uns gesund.
Alan Posener findet die Warnungen vor der demographischen Katastrophe angesichts der realen Probleme der Überbevölkerung weltfremd, abgeschmackt und lähmend,
in: Welt am Sonntag v. 19.03.

POSENER sieht zwischen dem Bevölkerungsrückgang und der Wohlstandsentwicklung einer Gesellschaft keinen allzu engen Zusammenhang:

"Prognosen der Ökonomen sind mit Vorsicht zu genießen. Jahrelang haben sie den demographischen Faktor unterschätzt. Jetzt überschätzen sie ihn. Im Jahre 2005 etwa begann Japans alternde Bevölkerung zu schrumpfen. Im selben Jahr tauchte das Land gegen alle Prognosen der Experten aus einer langjährigen Depression wieder auf."

POSENER, Alan (2008): 1968 erklärt sich nur als Collage.
Wolfgang Kraushaar sieht die Revolte als Amalgam aus revolutionären und reaktionären Elementen,
in: Welt v. 26.04.

POSENER, Alan (2009): Neunzehnhundertachtundsechzig,
in:
achgut.com v. 24.03.

Alan POSENER zum Perlentaucher-Essay von Götz ALY.

POSENER, Alan (2009): Deutschland im Herbst: Kein Thema, nirgends.
Die Langeweile der Verlagsprospekte verweist auf ein alterndes Land. Wenn aufgebrochen wird, dann in den Tod,
in: Welt am Sonntag v. 12.07.

POSENER, Alan (2009): Der anmaßende Papst,
in: Frankfurter Rundschau v. 06.10.

POSENER, Alan (2010): Ich bin ein Opfer der Reformpädagogik...
.... und das ist gut so. Denn eine traditionelle Schule in den 60er-Jahren glich meist einer Untertanenfabrik, die nicht Denken lehrte, sondern Gehorsam,
in: Welt v. 30.03.

POSENER, Alan (2010): John Lennon ist an allem Schuld.
Vor 70 Jahren wurde er geboren, vor 30 Jahren erschossen. Längst ist er zur Ikone erstarrt - und immer noch missverstanden. Der Mann, der "Give Peace a Chance" komponierte, verachtete die Massen. Und erschuf den Typus des Pop-Intellektuellen, unter dem wir bis heute leiden,
in: Welt am Sonntag v. 26.09.

NEUE GESELLSCHAFT/FRANKFURTER HEFTE-Thema:
Eine neue Klassengesellschaft?

Neu:
POSENER, Alan  (2012): Driften Politik und Gesellschaft auseinander?
Die Klage über eine wachsende Politikverdrossenheit ist nicht neu, vor dem Hintergrund weltweiter Protestbewegungen hat sie aber eine neue Brisanz gewonnen. Vor allem in Deutschland sei das grundlegende Problem allerdings nicht eine Entfremdung von Politik und Gesellschaft, sondern vielmehr die Entfernung des Bildungsbürgertums von den übrigen Menschen, meint unser Autor,
in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Heft 3, März

Alan POSENER nimmt seine eigene K-Gruppen-Vergangenheit zum Ausgang eines Vergleichs mit den Kindern der K-Gruppen-Generation. Angeblich wollte man damals dem "Volke dienen". Eher hatte man jedoch einen Führungsanspruch. Da sich dieser nicht so erfüllte ("geistige Situation der Zeit"), wie es sich die selbsternannten Führer vorstellten, wandte man sich ab. Bücher wie Peter SCHNEIDERs Lenz oder Jochen SCHIMMANGs Der schöne Vogel Phönix erzählen von dieser Zeit der Tendenzwende.

POSENER fordert die "Organisierung des sozialen Lebens", die er nicht Parteien wie der NPD überlassen will und fragt deshalb:

"Wo sind die von Parteien initiierten neuen Wohnprojekte gegen das Elend der Vereinsamung in Zweizimmerwohnungen und Verelendung im Altersheim? Wo sind die neuen Schulen gegen das Elend liebloser Schulbauten, die von ergrauten und zynischen Lehrern bevölkert sind? Wo sind die Genossenschaftsbanken, die auch hierzulande Mikrokredite vergeben? Wo sind die Bildungsvereine, die dafür sorgen, dass die Bürger wissen, worum es bei Europa geht?"

 
       
   

Benedikts Kreuzzug (2009).
Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft

Ullstein Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Als der Papst einen Holocaust-Leugner zurück in den Schoß der Kirche holte, war das Entsetzen groß. Doch dieser Schritt war nicht gedankenlos, wie viele meinen. Alan Posener weist eindrucksvoll nach, dass Benedikt XVI. schon seit langem einen Feldzug gegen die Errungenschaften der Moderne führt - und zwar mit aller Konsequenz.

Die Konfrontation mit der 68er-Bewegung und der »Theologie der Befreiung« machte Joseph Ratzinger zum Hauptvertreter eines kompromisslosen Konservatismus. Seither formuliert er mit großer Radikalität und Beharrlichkeit die Grundsätze eines intellektuellen Rollbacks der Moderne. Als Papst Benedikt XVI. bekämpft er den weltlichen Staat und die Werte der Aufklärung: Pluralismus der Gesellschaft und des Glaubens, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung der Frau, Emanzipation der Wissenschaft von der Religion. Mit seiner Rede in Auschwitz revidierte der Papst die Position der katholischen Kirche zum Holocaust; der Ton gegenüber den Juden hat sich ebenfalls verschärft. In ihrem Widerstand gegen die Moderne, so das provozierende Fazit dieses Buches, ist die katholische Kirche dem islamistischen Fundamentalismus bereits auf paradoxe Weise nahe gerückt."

 
     
 
       
   

Rezensionen

DROBINSKI, Matthias (2009): Die kleine Familie Gottes.
"Kreuzzug": Alan Posener hadert mit Papst Benedikt XVI.,
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.10.

 
       
   

John Lennon (1987)
Reinbek:
Rowohlt Verlag

 
   
     
 

John Lennon:
Working Class Hero

"Keep you doped with religion and sex and T.V.
And you think you're so clever and classless and free
But you're still fucking peasants as far as I can see"
(aus: John Lennon "Working Class Hero", 1970)

 
     
 
       
   

John Lennon in der Debatte

SIEGFRIED, Detlef (2010): John Lennons Tod und die Generationswerdung der "68er",
in:
Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.27 v. 05.07.

"Die Ermordung John Lennons war nicht nur in den USA und Großbritannien, sondern auch in der Bundesrepublik ein kritisches Ereignis, das aktuelle Befindlichkeiten in einem Großteil der Gesellschaft schlagartig zum Ausdruck kommen ließ sowie die Selbstthematisierung der »68er-Generation« und ihre soziale Verbreiterung vorantrieb. Gleichzeitig legitimierte sich in der Erzählung vom endgültigen Ende der Sixties über die Figur Lennons die neoliberale These von der Subjektwerdung des vormals kollektiv gezähmten Individuums.
            (...).
Der am Tode Lennons zelebrierte Abschied von den Sixties war eine wichtige Voraussetzung für den einsetzenden Erinnerungsboom und die gesellschaftliche Verankerung jenes Begriffs der »68er-Generation«, den
der Publizist Klaus Hartung Ende 1978 im »Kursbuch« geprägt und schon damals an einem Popstar festgemacht hatte – allerdings an Bob Dylan, der seinerzeit bei weitem nicht jene soziale Reichweite erreichte wie bald darauf Lennon post mortem.", meint Detlef SIEGFRIED.

 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 21. Oktober 2002
Update: 29. August 2015