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Diedrich
Diederichsen:
Musikzimmer
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Diedrich Diederichsen bei single-generation.de
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Klappentext
"Eines
der zentralen Stichwörter hier ist Leben. Geht es doch
immer wieder darum, das Verhältnis von Pop-Musik und
Leben auszuloten. Vom Leben als Musikhörer,
Konzertbesucher, Plattensammler über neue
Lebensentwürfe zur Idee von einem besseren Leben, wie
es die Pop-Musik immer wieder verspricht. Aber auch
Lebensgeschichten werden erzählt, vom Großkosmiker Sun
Ra und Funk-Korvettenkapitän George Clinton, von Larry
Levan, dem DJ-Heroen aus der legendären New Yorker »Paradise
Garage«, dem es gelang aus vielen einzelnen
Schallplatten das dynamische flüssige Gewand einer
Nacht zu weben. »Radikalisiert das Leben!« hieß
unerträglicher Weise der Werbespruch für den
Musiksender »Viva zwei«. Zum Leben gehört aber auch
der Tod und so ist »Viva zwei« längst untergegangen.
Das Musikzimmer ist hier mehr als der bürgerliche
Salon, wo man sich einst zur Hausmusik versammelte.
Natürlich ist es zum Musikhören da, es ist aber auch
Disco, Flugzeug, Plattenladen, Konzertbühne und »Listening
Space«."
Stimmen zum Buch
"Als mir (...) jemand sagte,
Diederichsen hätte da diese Kolumne im
Tagesspiegel, dachte ich, alles klar - das heißt
doch Hellmuth Karasek, Axel Hacke und Ende Gelände.
(...).
Ich hatte bislang keine einzige gelesen und war
erschüttert, wie klug sie sind."
(Christof Meueler in der jungen
Welt vom
19.10.2005)
"Eindrucksvoll ist die Einleitung
zu den 64 Texten: ein dichter Essay, der noch einmal
diskutiert, was Pop alles ist, was Pop mit Kunst zu
tun hat oder was es bedeutet, darüber zu schreiben.
Und nicht minder eindrucksvoll bleibt die Fähigkeit
des Autors, die ästhetische Grammatik von Musik
herauszuarbeiten und in originelle Worte zu fassen."
(Michael Saager in der Zeitschrift
Literaturen, Dezember 2005)
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Vorabdruck
- DIEDERICHSEN, Diedrich (2005):
Kauf mich! Ich bin nicht käuflich.
Warum sich mit Pop keine Revolution mehr machen lässt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 06.09.
- Inhalt:
DIEDERICHSEN grenzt sich gegen eine
klassenbewusste Soziologie ab, die sich um den französischen
Soziologen Pierre BOURDIEU scharrt, der die
feinen Unterschiede der
Distinktionen als Aspekt des Statuskampfs beschrieben hat:
"Distinktionen (...) setzen noch existenziell
erlebte Unterschiede in den nivellierten Alltag der
Warenwelt - Positionen und Lebensentwürfe und was davon noch
übrig ist, die weder religiös-reaktionär begründet sind noch
einfach in der warenförmigen Diversität von Produktpaletten
aufgehen."
Für DIEDERICHSEN ist die Pop-Musik die
zweitbeste und - vor allem - bequemere Lösung gewesen,
nachdem die Revolution ausgefallen war. Avantgarde war
dagegen nur die Lösung Nummer drei. Nun ist sie einen Platz
vorgerückt:
"Heute liegt für mich die
Attraktivität der Avantgarde gerade darin, die Möglichkeit
und den Rahmen zu bieten, überhaupt mit Nachdruck betriebene
Unterbrechungen von Alltagsbewusstsein und
Aufmerksamkeitsmanagement zuzulassen. Diese Kraft der
Unterbrechung, der Zäsur, der Negation scheint mir heute oft
wichtiger als die nun eher folgenlos gewordene Umarmung des
Lebens durch eine Pop-Musik, die gegen den
Versprechenscharakter der Ware nicht mehr dessen mögliche
Realisierung setzt, sondern selbst nur noch verspricht, dass
nichts passieren wird."
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Rezensionen
- BÜSSER, Martin (2005):
Musikzimmer,
in: Intro Nr.132, Oktober
-
DATH, Dietmar (2005): Die Kritik der Kopfhörer ist ein sehr
schwieriger Job.
Diedrich Diederichsen denk den Wechselstrom zwischen
Kunst und Leben,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.10.
- Inhalt:
Dietmar DATHs Besprechung des
Buches "Musikzimmer" ist zweigeteilt.
Am Anfang steht eine Hommage an das
Vorbild Diedrich DIEDERICHSEN: Wer sich in einer Welt bewegt, in der
man die Popkultur nicht ignorieren kann, "muß
Diederichsen gelesen haben und wird ihn weiter lesen müssen, denn
was ihn wichtig, wertvoll und manchmal heikel macht, darin läßt er
einfach nicht nach, wie sein neues Buch »Musikzimmer« beweist."
DATH pflichtet DIEDERICHSEN bei, wenn dieser
schreibt: "Wenn man Nonkonformismus entwickelt, sollte man
wenigstens wissen, was der aktuelle Konformismus geschlagen hat".
Im zweiten Teil der Rezension
versucht sich DATH von DIEDERICHSEN zu emanzipieren.
Im Gegensatz zu DIEDERICHSEN
will DATH nicht die soziale Praxis als oberste Richtschnur gelten
lassen:
"Die
Idee, daß ein sozialer Raum an sich wahrer, weil wirklicher ist als
selbst die wahrste Idee, muß nicht stimmen. Es wäre nämlich auch
möglich, daß schon der empirische Zusammenhang solcher Räume und
Sozialtatsachen eben nicht von einer Praxis gestiftet wird, die das
Leben verbessert, sondern vom falschen Bewußtsein derjenigen, die
glauben, sie hätten Teil an diesem Zusammenhang. (...). Daß das
Kollektiv, dessen Praxis er vorfindet, mit der er sich
solidarisiert, kein praktisches, sondern ein ideologisches ist,
sieht der Kritiker nicht, wenn er gerade dabei ist, diesem Kollektiv
ein richtiges Bewußtsein zu basteln und anzudrehen.
Zu Zeiten, da so einer das noch sehen konnte, hieß er nicht
Kritiker, sondern Aufklärer. Die sind lange vorbei. Aber was man
jetzt tun muß, damit das, was seither schlechter wurde, nicht noch
schlechter werde, erfährt man nicht von Kunst."
- MEUELER, Christof (2005): Fast
kein Rock.
Diedrich Diederichsen ist nicht Hans Magnus Enzensberger,
deshalb ist seine Kolumnensammlung "Musikzimmer" erstaunlich
gelungen,
in: Literaturbeilage der jungen Welt v. 19.10.
-
KLOOK, Carsten (2005): Der Diskurs,
in: textem.de v. 14.11.
- SAAGER, Michael (2005):
Musikzimmer,
in: Literaturen, Nr.12, Dezember
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Das Buch in der Debatte
- Neu:
POSCHARDT, Ulf
(2005): Pop mit Seehofer.
Die Kulturkritiker Gustav Seibt und Diedrich Diederichsen
beweisen, wie schwierig es für Bürgerliche und Linke sein kann, in
der Gegenwart anzukommen,
in: Spiegel Nr.44 v. 31.10.
- Kommentar:
Ulf POSCHARDT, ein Günstling von
Matthias MATUSSEK,
hält das Anständigbleiben in den Stürmen der Globalisierung für
bürgerlich-muffige Fünfziger-Jahre-Nachkriegs-Bigotterie.
Jetzt
brechen neue Zeiten an, schleudert POSCHARDT dem Poplinken
DIEDERICHSEN entgegen, den er als Seehofer des Pop diskreditiert.
POSCHARDT
beruft sich dagegen schon einmal vorsorglich - ganz dem
risikoscheuen Vorsorgegedanken verhaftet - auf ein Recht auf
Irrtum.
Nach
dem Motto: Wenns gut geht war ich verantwortlich dafür, wenns
schief geht, dann waren es andere, z.B. die Stürme der
Globalisierung...
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