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Diedrich Diederichsen: Musikzimmer

 
       
   
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Diedrich Diederichsen in seiner eigenen Schreibe

 
   

DIEDERICHSEN, Diedrich (2004): Endstufe Sehnsucht.
Du hast Akne und schreibst an Kofi Annan: die Erfindung des Pop aus dem Geist der Übertreibung,
in: Tagesspiegel v. 29.09.

Für Diedrich DIEDERICHSEN beschreibt Eddie COCHRAN im Summertime Blues die Urszene der Popmusik:

"Dem jungen Mann wird das Auto des Vaters verweigert. Statt diesen zusammenzuschlagen oder sich in sein Schicksal zu fügen, wie es junge Männer vor der Popmusik je nach Temperament und lokalen Sitten gemacht hätten, wendet sich dieser an den amerikanischen Kongress und, als der Abgeordnete ihn zu jung findet, an die Vereinten Nationen. Ein albernes, alltägliches Anliegen führt zu heiligem Zorn, das Kleine will zum ganz Großen."

Über Lou REED und EMINEM führt DIEDERICHSENs Pophistoire zum finalen Satz:

"Popmusik hat nichts mit Können und Handwerk zu tun, auch nicht mit Authentizität. Sondern mit dem großen Moment, wenn etwas Nebensächliches, Privates oder Mikropolitisches groß und sichtbar wird. Wenn dem Unrepräsentierbaren durch unerwartete Repräsentation zu seinem Recht verholfen wird."

 
       
   

Musikzimmer (2005).
Avantgarde und Alltag
Köln: Kiepenheuer & Witsch

 
   
     
 

Klappentext

"Eines der zentralen Stichwörter hier ist Leben. Geht es doch immer wieder darum, das Verhältnis von Pop-Musik und Leben auszuloten. Vom Leben als Musikhörer, Konzertbesucher, Plattensammler über neue Lebensentwürfe zur Idee von einem besseren Leben, wie es die Pop-Musik immer wieder verspricht. Aber auch Lebensgeschichten werden erzählt, vom Großkosmiker Sun Ra und Funk-Korvettenkapitän George Clinton, von Larry Levan, dem DJ-Heroen aus der legendären New Yorker »Paradise Garage«, dem es gelang aus vielen einzelnen Schallplatten das dynamische flüssige Gewand einer Nacht zu weben. »Radikalisiert das Leben!« hieß unerträglicher Weise der Werbespruch für den Musiksender »Viva zwei«. Zum Leben gehört aber auch der Tod und so ist »Viva zwei« längst untergegangen.
Das Musikzimmer ist hier mehr als der bürgerliche Salon, wo man sich einst zur Hausmusik versammelte. Natürlich ist es zum Musikhören da, es ist aber auch Disco, Flugzeug, Plattenladen, Konzertbühne und »Listening Space«.
"

Stimmen zum Buch

"Eindrucksvoll ist die Einleitung zu den 64 Texten: ein dichter Essay, der noch einmal diskutiert, was Pop alles ist, was Pop mit Kunst zu tun hat oder was es bedeutet, darüber zu schreiben. Und nicht minder eindrucksvoll bleibt die Fähigkeit des Autors, die ästhetische Grammatik von Musik herauszuarbeiten und in originelle Worte zu fassen."
(Michael Saager in der Zeitschrift Literaturen, Dezember 2005)

 
     
 
       
   

Vorabdruck

DIEDERICHSEN, Diedrich (2005): Kauf mich! Ich bin nicht käuflich.
Warum sich mit Pop keine Revolution mehr machen lässt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 06.09.

DIEDERICHSEN grenzt sich gegen eine klassenbewusste Soziologie ab, die sich um den französischen Soziologen Pierre BOURDIEU scharrt, der die feinen Unterschiede der Distinktionen als Aspekt des Statuskampfs beschrieben hat:

"Distinktionen (...) setzen noch existenziell erlebte Unterschiede in den nivellierten Alltag der Warenwelt - Positionen und Lebensentwürfe und was davon noch übrig ist, die weder religiös-reaktionär begründet sind noch einfach in der warenförmigen Diversität von Produktpaletten aufgehen."

Für DIEDERICHSEN ist die Pop-Musik die zweitbeste und - vor allem - bequemere Lösung gewesen, nachdem die Revolution ausgefallen war. Avantgarde war dagegen nur die Lösung Nummer drei. Nun ist sie einen Platz vorgerückt:

"Heute liegt für mich die Attraktivität der Avantgarde gerade darin, die Möglichkeit und den Rahmen zu bieten, überhaupt mit Nachdruck betriebene Unterbrechungen von Alltagsbewusstsein und Aufmerksamkeitsmanagement zuzulassen. Diese Kraft der Unterbrechung, der Zäsur, der Negation scheint mir heute oft wichtiger als die nun eher folgenlos gewordene Umarmung des Lebens durch eine Pop-Musik, die gegen den Versprechenscharakter der Ware nicht mehr dessen mögliche Realisierung setzt, sondern selbst nur noch verspricht, dass nichts passieren wird."

 
   

Rezensionen

BÜSSER, Martin (2005): Musikzimmer,
in: Intro Nr.132, Oktober

Martin BÜSSER zeichnet die Argumentation von DIEDERICHSEN nach, die dieser in der Einleitung zum Buch dargelegt hat.

DATH, Dietmar (2005): Die Kritik der Kopfhörer ist ein sehr schwieriger Job.
Diedrich Diederichsen denk den Wechselstrom zwischen Kunst und Leben,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.10.

Dietmar DATHs Besprechung des Buches Musikzimmer ist zweigeteilt. Am Anfang steht eine Hommage an das Vorbild Diedrich DIEDERICHSEN:

"Wer sich in einer Welt bewegt, in der man die Popkultur nicht ignorieren kann, "muß Diederichsen gelesen haben und wird ihn weiter lesen müssen, denn was ihn wichtig, wertvoll und manchmal heikel macht, darin läßt er einfach nicht nach, wie sein neues Buch »Musikzimmer« beweist."

DATH pflichtet DIEDERICHSEN bei, wenn dieser schreibt:

"Wenn man Nonkonformismus entwickelt, sollte man wenigstens wissen, was der aktuelle Konformismus geschlagen hat".

Im zweiten Teil der Rezension versucht sich DATH von DIEDERICHSEN zu emanzipieren. Im Gegensatz zu DIEDERICHSEN will DATH nicht die soziale Praxis als oberste Richtschnur gelten lassen:

"Die Idee, daß ein sozialer Raum an sich wahrer, weil wirklicher ist als selbst die wahrste Idee, muß nicht stimmen. Es wäre nämlich auch möglich, daß schon der empirische Zusammenhang solcher Räume und Sozialtatsachen eben nicht von einer Praxis gestiftet wird, die das Leben verbessert, sondern vom falschen Bewußtsein derjenigen, die glauben, sie hätten Teil an diesem Zusammenhang. (...). Daß das Kollektiv, dessen Praxis er vorfindet, mit der er sich solidarisiert, kein praktisches, sondern ein ideologisches ist, sieht der Kritiker nicht, wenn er gerade dabei ist, diesem Kollektiv ein richtiges Bewußtsein zu basteln und anzudrehen.
Zu Zeiten, da so einer das noch sehen konnte, hieß er nicht Kritiker, sondern Aufklärer. Die sind lange vorbei. Aber was man jetzt tun muß, damit das, was seither schlechter wurde, nicht noch schlechter werde, erfährt man nicht von Kunst.
"

MEUELER, Christof (2005): Fast kein Rock.
Diedrich Diederichsen ist nicht Hans Magnus Enzensberger, deshalb ist seine Kolumnensammlung "Musikzimmer" erstaunlich gelungen,
in: Literaturbeilage der jungen Welt v. 19.10.

KLOOK, Carsten (2005): Der Diskurs,
in: textem.de v. 14.11.

SAAGER, Michael (2005): Musikzimmer,
in: Literaturen, Nr.12, Dezember

Neu:
WALTER, Klaus (2006): Rock-Trottel, Pop-Päpste.
Zwei neue Veröffentlichungen widmen sich dem deutschen Pop-Journalismus,
in: Rolling Stone, März

 
   

Das Buch in der Debatte

POSCHARDT, Ulf (2005): Pop mit Seehofer.
Die Kulturkritiker Gustav Seibt und Diedrich Diederichsen beweisen, wie schwierig es für Bürgerliche und Linke sein kann, in der Gegenwart anzukommen,
in: Spiegel Nr.44 v. 31.10.

Ulf POSCHARDT, ein Günstling von Matthias MATUSSEK, hält das Anständigbleiben in den Stürmen der Globalisierung für bürgerlich-muffige Fünfziger-Jahre-Nachkriegs-Bigotterie. Jetzt brechen neue Zeiten an, schleudert POSCHARDT dem Poplinken DIEDERICHSEN entgegen, den er als Seehofer des Pop diskreditiert. POSCHARDT beruft sich dagegen schon einmal vorsorglich - ganz dem risikoscheuen Vorsorgegedanken verhaftet - auf ein Recht auf Irrtum. Nach dem Motto: Wenns gut geht war ich verantwortlich dafür, wenns schief geht, dann waren es andere, z.B. die Stürme der Globalisierung...

 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 25. November 2005
Update:04. Juni 2015