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Felix Kummer & Kraftklub: Mit K

 
       
   
  • Kurzbiographie

 
       
     
       
   

Felix Kummer in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

fehlt noch

 
       
   

Felix Kummer & Kraftklub: Porträts und Gespräche

 
       
   

HAYLER, Flo (2012): And I Take Pride in the Words: Ich bin kein Berliner!
Sie sind die Band, auf die sich Dorfdisco-Tänzer und Großstadt-Hipster einigen können: fünf in College-Jacken, Polohemden und Hosenträger gekleidete Jungs Anfang 20, große Fresse, identifikationsstiftende Texte, heimatverbunden und dreist genug, ihren breit angelegten Raubzug quer durch die Hits und Bühnenshows ihrer "nicht vorhandenen Vorbilder" spitzbübisch wegzulächeln,
in: Visions Nr. 136, Februar

Flo HAYLER erläutert u. a., warum Kraftklub bei den Hipstern ankommt: "Außerdem können sie sich der Zuneigung (...) der Zugezogenen, die in den Großstädten nach Selbstverwirklichung streben, um Aufmerksamkeit buhlen, »was mit Medien« machen und sich höchstens ertappt vorkommen, wenn ihnen jemand Sojamilch in den Latte rührt. Der Hipster an sich weiß nicht, dass er hip ist. Hip, das sind immer die anderen. Diejenigen, die nur so tun als ob. Diejenigen, die sich ihre Unangepasstheit freitags von der Stange kaufen und sie montags wieder umtauschen. Kraftklub sind nicht hip."

VOLKMANN, Linus (2012): Wie Karl-Marx-Stadt dein komisches Leben rettet.
Vor den Türen zu ihren Auftritten lecken sich die Ausgeh-Kids den Schnapsbart wund. Denn mit Kraftklub zieht die derzeit aufregendste Gang durch die Städte. Im Intro wurden die fünf Chemnitzer bis dato allerdings als Party-Stullen für Atzen mit Abitur bezeichnet. Was verdammt noch mal ist denn nun Sache?
in: Intro Nr. 199, Februar

Linus VOLKMANN erblickt im Song Zu jung kein "Rentnerproblem" wie Michael PILZ, sondern - im Gegenteil - eine Variante des "Bellheim-Syndroms":

"Die Alten machen die Plätze in der Popkultur nicht mehr frei, sondern daraus ein Lebenswerk. Alles schon mal da gewesen und vor allem: alles schon voll."

Und der Erfolg der "Anti-Hipster-Hymne" Ich will nicht nach Berlin beruht für VOLKMANN nicht auf einem Missverständnis (Der Hipster weiß nicht, dass er ein Hipster) ist, sondern auf den strukturellen Zwängen des kulturellen Kapitalismus:

"jeder hier in diesem Saal kennt den kalten Hauch von Berlin im Nacken - und er fühlt sich nicht nur gut an: Wenn was gehen soll, dann musst du nach Berlin, wenn nichts mehr geht, dann erst recht. Dieses Gespenst eines popkulturellen Zentralismus hat sich das letzte Jahrzehnt noch mehr als zuvor schon in den Vordergrund gespukt. Jeder Club der Kraftklub-Tour schreit aus Trotz und Verzweiflung: »Ich will nicht nach Berlin!« Selbst in Berlin ist das ein Hit."

LUKIC, Toni (2012): "Man wird sich wohl noch beklagen dürfen".
Mit ihrem Song "Ich will nicht nach Berlin" schrieb die Band "Kraftklub" die aktuelle Hymne für Hipster-Hasser - und stieg mit ihrem Debütalbum nun gleich auf Platz eins in die deutschen Charts ein. Ein Gespräch über den Fahrstuhl nach oben, Peinlichkeiten und die Relevanz von Zeitgeist,
in: sueddeutsche.de v. 08.02.

Felix KUMMER (alias BRUMMER) über den Erfolg des Songs Ich will nicht nach Berlin, der als Hymne der Hipster-Hasser charakterisiert wird:

"Das ist ja das große Phänomen von Hipstern. Die denken ja nie, dass sie die Leute sind, über die wir uns lustig machen. Deswegen werden wir auch von denen gefeiert. Die sagen dann immer: »Endlich spricht es mal jemand aus.« Und ich denke mir: »Alter, ich rede von dir.« Aber natürlich gibt es auch echte Berliner, die das genauso sehen und die es jetzt gerade nervt, dass sie sich keine Wohnung mehr leisten können, weil die Zugezogenen die Mieten so stark in die Höhe treiben.“

 
       
       
   

Mit K (2012)
Universal

 
   
     
 

Songtitel

1 Eure Mädchen
2 Ritalin / Medikinet
3 Ich will nicht nach Berlin
4 Liebe
5 Melancholie
6 Karl-Marx-Stadt
7 Songs für Liam
8 Kein Liebeslied
9 Lieblingsband (Oh Yeah)
10 Mein Leben
11 Scheissindiedisko
12 Zu jung
13 Wieder Winter

 
     
 
       
   

Die Band und das Album in der Debatte

PILZ, Michael (2012): Die Luschen und Trottel aus dem Osten.
Alle Jungen fliehen aus Chemnitz. Die Band Kraftklub bleibt. Und will von dort aus die deutsche Popmusik retten,
in: Welt v. 18.01.

Michael PILZ hebt bei Kraftklub den Aspekt des demografiegetriebenen Generationenkonflikts hervor, der gemäß Diedrich DIEDERICHSEN in der Popmusik bislang belanglos war:

"Chemnitz, sagt Felix Brummer, sei die älteste Stadt Deutschlands. Demografisch. 25 Prozent der Einwohner sind über 65, schon 2020 wird die Stadt ein Drittel der Bevölkerung im Rentenalter zu verkraften haben. Nie zuvor ist das Methusalem-Komplott so schön besungen worden wie von Kraftklub in »Zu jung«, dem Lied der abgehängten Jugend: »Ich bin 20/ Einer ganzen Generation geht es ähnlich/ Pornos, Gruppensex - alles schon mal da gewesen/ Wir haben Philip Roth zehn Jahre danach gelesen/ Unsere Eltern kiffen mehr als wir/ Wie soll man rebellieren?/ Egal, wo wir hinkommen, unsere Eltern waren schon eher hier/«. Im Video pöbeln sich fünf Greise in Collegejacken durch die Stadt. Sie schüchtern die Jugend ein und pochen auf das Recht der sicheren Rente. Man kann sagen: Kraftklub pflegen ihre Handicaps, verspätete Geburt und Herkunft, und machen daraus das Beste."

Aber der Song Zu jung behandelt gar keinen demografisch bedingten Generationenkonflikt im Sinne eines Rentnerproblems ("Recht auf sichere Rente") wie PILZ weismachen will (wenn überhaupt: eher ein "Bellheim-Syndrom"), sondern im Kern geht es um ein Hipster-Problem mangelnder Distinktionsmöglichkeiten (das 1999 bereits die Dandys der Generation Golf in ihrer Tristesse Royale beklagt haben), hier nicht auf dem Feld der Gleichaltrigen, sondern eben im Generationenvergleich ("Generationenspiel"). Eine Steigerung zu den  rebellischen Eltern scheint nicht möglich. Man könnte zwar gegen den "Rock 'n' Roll"-Lebensstil der Eltern mit dem "Spießer"-Lebensstil punkten, wie Gerhard MATZIG bereits vor über einem halben Jahrzehnt  gezeigt hat. Wie könnte das aber auf dem Felde der Popkultur funktionieren? Eine Vision von single-generation.de aus dem Jahre 2006, die heute im Prenzlauer Berg bereits Realität geworden ist: Der Wandel der Popkultur und die Verdrängung der Hipster durch die Family-Gentrifier. 

MÜLLER, Kai (2012): Atzenmusik, na klar!
Sie wollen hoch hinaus, aber nicht nach Berlin: Kraftklub aus Chemnitz bringen Punkrock und Hip-Hop zusammen und sind die Band der Stunde,
in: Welt v. 19.01.

STREICH, Juliane (2012): Ich bin Verlierer, Baby.
Pop: Super-Ossis als neue Hipster: die Indierocker von der Band Kraftklub. Auf ihrem Debütalbum " … mit K" geben sie den Slacker, mokieren sich über den Osten, wollen aber auch nicht nach Berlin - und haben auch noch Erfolg damit,
in: TAZ v. 28.01.

HENSEL, Jana (2012): Ich bin ein Verlierer, Baby!
Die Band Kraftklub holt den ostdeutschen Diskurs aus dem Museum heraus und bringen ihn dorthin zurück, wo er hingehört: auf die Straße,
in: Freitag Nr.6 v. 09.02.

 
       
   

Chemnitz in der Debatte

KLOEPFER, Inge (2006): Chemnitz.
Abstieg ohne Ende,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.02.

"Gera, Cottbus, Halle, Leipzig, Magdeburg und eben Chemnitz als größte dieser Städte bilden ein eigenes Cluster nach den Kriterien der Forscher: das der schrumpfenden und alternden ostdeutschen Großstädte. Demographisch und wirtschaftlich geht es bergab. Alle entsprechenden Merkmale sind schlechter als im Schnitt der insgesamt 82 deutschen Großstädte mit mehr als 100000 Einwohnern. Chemnitz wird im Jahr 2020 womöglich nur noch gut 200000 Einwohner haben. Fast ein Fünftel wird der Stadt den Rücken gekehrt haben, vor allem auch 18- bis 24jährige, die andernorts Perspektiven suchen. In 15 Jahren werden 40 Prozent der Menschen, die dort leben, 60 Jahre und älter sein. (...).
Chemnitz hat kaum Chancen, den Prozeß des Niedergangs aufzuhalten. Es muß sich darauf einstellen und stabile Siedlungskerne schaffen, die Infrastruktur an den sinkenden Bedarf anpassen, sich regional vernetzen und vor allem viel für Familienfreundlichkeit tun, um nicht eine noch größere Abwanderungen zu riskieren", schreibt Inge KLOEPFER über die düsteren Aussichten für Chemnitz, die die Bertelsmann Stiftung prognostiziert hat.

BIALLAS, Jörg (2012): Vom Leben unterm Nischel.
Parlament-Thema Demografischer Wandel: Chemnitz - Besuch in einer Stadt, die sich dem demografischen Wandel gestellt hat und optimistisch in die Zukunft blickt,
in: Das Parlament v. 06.08.

HAUSER, Jan (2015): Chemnitz lockt die Gründer.
Nach der Wende zogen die Menschen aus der Stadt weg. Aber jetzt wächst sie wieder. Fachkräfte finden Arbeit und Jungunternehmer genügend Raum,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.10.

"Chemnitz braucht den Zuzug. Nach der Wende hat die Stadt 60.000 Einwohner verloren. Die Prognosen sahen eine schrumpfende Stadt voraus, doch jetzt wächst Chemnitz wieder. Seit 2009 ziehen mehr Menschen in die Stadt, als diese verlassen. (...). Chemnitz, früher Karl-Marx-Stadt, hat die Wende aus eigener Kraft geschafft. Die Arbeitslosenquote liegt leicht unter 9 Prozent",

berichtet Jan HAUSER fast ein Jahrzehnt, nachdem Inge KLOEPFER in der FAS unkritisch über die Prognosen der neoliberalen Bertelsmann Stiftung berichtete. Diese hatte für Chemnitz und andere ostdeutsche Großstädte den Demographietyp der "schrumpfenden und alternden ostdeutschen Großstädte" entworfen. Auch das neoliberale Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung sah 2006 Chemnitz von 2004 bis 2020 mit einem Bevölkerungsrückgang von fast 20 Prozent schrumpfen. Deren Daten stammten vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung.

Neu:
PEZZEI, Kristina (2016): Eine Stadt wacht auf.
Dem Chemnitzer Immobilienmarkt passiert das, womit niemand mehr gerechnet hat: Er gewinnt an Dynamik. Investoren schielen vor allem auf denkmalgeschützte und damit steuerlich attraktive Sanierungsfälle,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.12.

Chemnitz ist ins Visier der Investoren geraten, weil in den Nachbarstädten Leipzig und Dresden renditeträchtige Bauobjekte zur Neige gehen:

"Es gibt zahlreiche Gründerzeithäuser, Fabrikgebäude und Direktorenvillen aus der Blütezeit von Maschinenbau und Textilwirtschaft. Sie stehen größtenteils unter Denkmalschutz - und das macht sie für Anleger wegen der Abschreibungsmöglichkeiten interessant."

Zur Attraktivität trägt gemäß PEZZEI auch die sozio-demografische Entwicklung bei:

"Vor wenigen Jahren (...) kehrte sich der Trend um: Die Arbeitslosenzahlen sanken zwischen 2010 und 2015 um mehr als 27 Prozent, die Quote lag zuletzt bei um die 8 Prozent. Die Bevölkerung wächst leicht, die Kaufkraft legt zu."

Der Beitrag von PEZZEI kann als Mosaikstein in der symbolischen Gentrifizierung von Chemnitz betrachtet werden. Dabei geht es nicht unbedingt - wie Barbara LANG das für Berlin-Kreuzberg beschrieben hat -  um die Aufwertung eines einzelnen Stadtteils, sondern um die Herstellung eines Stadtimages als Voraussetzung der Attraktivitätssteigerung einzelner Stadtquartiere.

 
       
   

kraftklub im WWW

www.kraftklub.to
 
       
   

weiterführende Links

 
       
     
       
   
 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 11. Februar 2012
Update: 13. April 2017