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Klaus Walter: Plattenspieler

 
       
     
       
     
       
   

Klaus Walter in seiner eigenen Schreibe

 
   
  • WALTER, Klaus (1998): Wir sind wieder wer.
    Rot-Grün an der Macht (2): Wir, die Linken, sind am Ruder, tönt es überall. Aber dieses "wir" ist nur eine magische Propagandaformel,
    in: TAZ v. 07.11.
    • Inhalt:
      Klaus WALTER weist das machtpolitische Wir auf der alltagspolitischen Ebene zurück:

                "Wir: Fischer ist der erste Vizekanzler, mit dem ich unmittelbaren Körperkontakt hatte und mittelbar Körpersäfte ausgetauscht habe. Tritte beim Fußball, Sex mit den selben Frauen. Heute zeigt Bild »Joschkas Neue«", wie immer Ende zwanzig, und in Frankfurt partizipieren symbolisch einige von Joschkas »Alten« an der Boulevardrelevanz. Wieder verklärt sich die Erinnerung an radikalere (Körper-)Politiken zu einer milden Selbstzufriedenheit über das Erreichte.
                Verkörpern nicht die zehn (Ex-)Gattinnen der drei Bonner Anführer auf höchster Repräsentanzebene den längst durchgesetzten State of the art in sexual politics? Nicht mehr Tod der Familie durch subversive Promiskuität, sondern sukzessive Modernisierung und Flexibilisierung der Familie durch serielle Monogamie?"
                Klaus WALTER sieht in der rot-grünen Regierung nur ein Zwischenspiel auf dem Weg zur schwarz-grünen Republik.  
  • WALTER, Klaus (2000): He did it schon so früh.
    Berliner Barock: die "Popsingles" des Thomas Groß,
    in: Frankfurter Rundschau v. 12.10.
  • WALTER, Klaus (2003): Chelsea Boys und Village People.
    Avantgarde-Subs und die Regelkreise der Gentrifizierung in New York,
    in: Subtropen. Beilage der Jungle World Nr.30 v. 16.07.
  • WALTER, Klaus (2003): Zwei tote Dandys aus Paris und die Restlinke.
    Schriften zu Zeitschriften: Die neue Ausgabe der Zeitschrift "Testcard" widmet sich dem Thema "Linke Mythen". Achtung, Attacler: Mit Aplomb wird etwa der Mythos von der Globalisierung als Wahrheitsregime entlarvt. Auch wenn Stilfragen leider als Luxus gelten, am Ende lohnt die Mühe,
    in: TAZ v. 01.09.
    • Inhalt:
      Klaus WALTER über die TESTCARD-Linke:
                "Hier ergreift eine glamour- wie subventionsfreie, unhedonistische Low-Budget-Linke zwischen Peripherie und Provinz das Wort, die sich die herablassende Ignoranz der Hauptstadt-Petit-Bourgeoisie schon dafür zuzieht, dass sie mehr Zeit in der Volksküche zugebracht hat als in der Volksbühne. In Testcard schreibt diese, sagen wir: junge Linke an der Fortsetzung einer Adoleszenz zwischen Hardcore und Autonomie, Gendertrouble und Antifa. Vom rot-grünen Kulturestablishment werden diese Debatten und Strömungen wenig beachtet; offenbar tut sich hier neben den (pop-)kulturellen Gräben ein generationsförmiges Rezeptionsloch auf - schließlich politisierte sich diese Jugend just zu einer Zeit nach links, als viele Alte sich von ihrer linken Vergangenheit in Richtung Zivilgesellschaft verabschiedet haben".
  • WALTER, Klaus (2005): Old Mac Donald's Song.
    Autos und Alkohol: Strategien des Product Placement im Pop,
    in: Frankfurter Rundschau v. 04.05.
    • Kommentar:
      Klaus WALTER berichtet über den Zusammenhang zwischen Pop und Differenzkapitalismus, dem nach Meinung von WALTER nicht mit traditionell linken Reflexen begegnet werden kann:

            
        "Beim jetzt erreichten Tempo der Verwertungszentrifuge nach »Entschleunigung« oder »Kontrolle« zu rufen, wäre ein ebenso hilfloser Ausdruck »linker Melancholie« (Walter Benjamin) wie das Gefasel von der »Rückbesinnung auf die soziale Marktwirtschaft« aus dem Munde deutscher Sozialdemokraten. Solche Leute kritisieren den Kapitalismus und kommen im Kino erst zum Hauptfilm. Damit sie bloß verpassen zu sehen, wie neue Körperbilder und Warenästhetiken generiert und in Umlauf gebracht werden. Trotzdem erreichen die im Zuge der in diesem Wirtschaftssystem nun mal irreversiblen Durchdringung sämtlicher Lebensbereiche durch die Ökonomie eines Tages sogar das Sauerland."
            
        Die Theorie zur Allianz von Lifestylelinken und Differenzkapitalismus  lieferte Robert MISIK in der TAZ.
            
        Kapitalismus als neue Religion aus dem Geiste der Punkbewegung liefern HEATH und POTTER im Buch "Nation of Rebels" ("Konsumrebellen").
  • WALTER, Klaus (2005): Der Krebs als moralische Anstalt.
    She should be so lucky: Kylie Minogues kranke Brust, der Boulevard und das antifeministische Rollback,
    in: Frankfurter Rundschau v. 04.06.
    • Inhalt:
      WALTER skizziert den Aufstieg von Kylie MINOGUE vom Mainstream-Idol zum Liebling der Kulturlinken.

            
        MINOGUEs Zielgruppe bei den Musikzeitschriften Spex und Intro charakterisiert WALTER folgendermaßen:
            
        "Das akzeptable Pinup, angehimmelt auch von nicht mehr pickligen, sondern längst bierbäuchigen Indiejungs, die nie Männer werden wollen, weil sie keine Frauen haben wollen, sondern Mädchen."
            
        Inhaltlich steht dafür der Hit "Can't get you out of my head".
            
        Im Mittelpunkt steht jedoch die Frage, welche Konsequenzen es hat, wenn Krankheit als Strafe begriffen wird.
            
        Diese Perspektive war in den 70er Jahren noch äußerst populär. Der Bestseller Mars von Fritz ZORN stand für die Gewissheit, dass es Krebspersönlichkeiten gibt und dass es letztlich kein richtiges Leben im Falschen geben kann.
            
        Klaus WALTER  befürchtet nun, dass der konstruierte Zusammenhang zwischen "feministischer" Lebensweise und Krankheit einem Backlash Vorschub leistet:
            
        "Steckt hinter den Krokodilstränen über Kylies Krebs möglicherweise - um in der fatalen Metapher zu bleiben - ein ganz anderes Geschwür? Die verbreitete Sehnsucht nach dem krebsartigen Rückwärtsgang in Geschlechterfragen? Nach mehr Kylies und Anastacias und weniger Courtneys und Madonnas? Wenn der Boulevard die moralische Anstalt der Massen ist, dann ist das hier ein Lehrstück. Möge Frau Minogue aus der Katharsis weniger beschädigt hervorgehen als es das Frauenbild - nicht nur im Pop - jetzt schon ist."
  • WALTER, Klaus (2007): Wo auch der Joschka ein und aus ging.
    Vor dreißig Jahren gegründet, berühmt geworden als autonome befreite Zone, heute ein von allen gehätscheltes und gelobtes Veranstaltungszentrum: die Frankfurter Batschkapp. Eine ehemalige Heimstätte alternativen und linken Lebens in Hessen - und Eliteschmiede für das neobürgerliche Deutschland. Lob von allen? Niemals!
    in:
    TAZ v. 14.04.
    • Inhalt:
      "Wie unterm Mikroskop liegen hier die politischen Konflikte und Kulturkämpfe zwischen Alten Linken, Neuen Linken, Poplinken und Exlinken zur Begutachtung bereit",
      schreibt der Poplinke Klaus WALTER aus der Generation Pflasterstrand zum 30jährigen Bestehen der Batschkapp.

                   WALTER erzählt u.a. wie die Frankfurter Spontis dazu beigetragen haben, dass die Punk-Szene zur Skinhead-Szene mutierte.
                   Einzig die Jahre von Post-Punk & New Wave kommen bei  WALTER gut weg:
                   "Spätestens 1984 entspannt sich die Lage. Die letzten Hippies haben sich die Haare geschnitten und eingesehen, dass Ulla Meinecke, Lake und Lage (Klaus) irgendwie alt aussehen gegen Gun Club, Violent Femmes, Aztec Camera und die Smiths. (...).
                   Mit der Blüte von Post Punk & New Wave erlebt der Laden seine besten Jahre, mit dem Verblühen dieser Strömungen beginnt der Niedergang."
  • Neu:
    WALTER, Klaus (2009): 50 Jahre nach dem Aufprall.
    Vor einem halben Jahrhundert starb der Rock 'n' Roller Buddy Holly bei einem Flugzeugabsturz. Sein Folk-Kollege Don McLean setzte ihm und seiner Epoche mit "American Pie" ein lyrisches Denkmal,
    in:
    TAZ v. 03.02.
    • Inhalt:
      Klaus WALTER beschreibt Buddy Holly als "Paten aller weißen Nerds" und fragt:

                   "Hat »American Pie« eine kulturelle und politische Neuorientierung in den USA angestoßen? Ein amerikanisches Vorläufermodell von Helmut Kohls geistig-moralischer Wende? Beginnt mit »American Pie« eine popgestützte kollektive Nostalgie?"
 
       
   

Klaus Walter: Porträts und Gespräche

 
   
  • MOHR, Christina (2004): Das nächste Spiel ist immer das Schwerste: Klaus Walter - Zwanzig Jahre "Der Ball ist rund".
    Im Namen des Pop Teil 1,
    in: satt.org v. 31.03.
  • NIEDENTHAL, Clemens (2004): "Das, was wir auflegen, ist EU-Musik".
    Zu Zeiten des Format-Radios geht das Medium für Musik von Format verloren. Es gibt zwei Ausnahmen: Klaus Walters "Der Ball ist rund" (mittwochs um 23.05 Uhr auf HR 2) und der "Zündfunk" mit Thomas Meinecke (täglich um 19.00 Uhr auf BR 2). Ein Round-Turntable-Gespräch über Radio und Pop,
    in: TAZ v. 23.04.
  • RÜDENAUER, Ulrich (2005): Weltaneignungsmodell Pop.
    Frank Witzel und Klaus Walter haben zusammen mit Thomas Meinecke das Buch "Plattenspieler" herausgegeben - ein Gespräch über Musik und den Jahrgang 1955,
    in: Frankfurter Rundschau v. 01.04.
    • Inhalt:
      Klaus WALTER sieht im Jahrgang 1955 die Berufsjugendlichen des Pop und erläutert den Unterschied zwischen Frankfurt und Hamburg:

            
        "Sie sind in den 60ern mit Pop sozialisiert worden, scheinen aber nie Teil einer Szene gewesen zu sein. Hatte das zur Folge, dass Sie rasch einen intellektuellen Zugang zur Musik gesucht haben?
            
        Walter: Das ist ein Spezifikum des Jahrgangs 55. Da muss ich leider den doofen Sting zitieren, einen seiner wenigen richtigen Sätze: »Born in the '50s«, ein früher Police-Song. Da wird genau das beschrieben: Zu alt für Punk, um identifikatorisch in einer Bewegung aufzugehen und sich entsprechend anzuziehen. Und zu jung, um richtig Hippie zu sein. Dann aber hatten wir doch die Fähigkeit oder die Naivität, in einem relativ hohen Alter von 23, 24 noch mal neu zu starten, uns zu motivieren und zu entdecken, dass da mit Punk etwas Wichtiges passiert. Wir haben so eine Art Kulturtechnik erlernt, auch weitere Neustarts zumindest nicht abzuwehren, sondern wohlwollend zu beobachten. Es stimmt vollkommen: Wir waren wahrscheinlich alle drei nie Teil einer Bewegung, oder wenn, dann nur temporär. In Frankfurt war zu der Zeit, als ich jung war, Politik das vorrangige Identifikationsangebot. Ganz anders in Hamburg, wo Thomas groß geworden ist. Da spielten ganz andere Dinge eine Rolle. Es gibt ja wahnsinnige Unterschiede der Prägung durch die Besatzer. Ob man im AFN- oder BFBS-Einzugsgebiet aufgewachsen ist, hat immense Bedeutung. Hamburg hatte den relativ schnellen Seeweg nach England. Punk zum Beispiel fand in Frankfurt nie statt."
  • WITZEL, Frank (2005): Ein Aufschrei von einer Sekunde.
    Er ist der wichtigste Plattenaufleger im ganzen Land: Klaus Walter und "Der Ball ist rund",
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.04.
 
       
   

Plattenspieler (2005)
(zusammen mit Thomas Meinecke und Frank Witzel)
Hamburg: Edition Nautilis

 
   
 
 

Klappentext

"Das ultimative Fanbuch in der Tradition von Teipels legendärem Verschwende Deine Jugend. Frank Witzel, Klaus Walter und Thomas Meinecke reden: über GEMACHTE MÄNNER mit Fönfrisuren oder echte Rocker mit Haaren; über ihren gemeinsamen GEBURTSJAHRGANG 1955 und ihre Jugend in Hamburg und Frankfurt; über POP UND JOB – Musik, Codes, Fußball und Politik –, über den Trendscout Bernd KÜHL, der es auch bei Wolfgang Petry eigentlich doch geschafft hat, und über LUXUS und Not. Nicht nur für Pop-Forscher und Generationenversteher.

Frank Witzel, Romanautor und Kenner der Avantgarde-Musik, Klaus Walter, Radio-DJ und Journalist, und Thomas Meinecke, vieldiskutierter Pop-Autor, ebenfalls Radio-DJ und Musiker der Band FSK, treffen sich 2004 in Frankfurt am Main. Alle drei sind 1955 geboren. Alle drei führen ein generationsuntypisches Leben. Und sie unterhalten sich über Musik, Pop und kulturelle Praxis, über Kritik, Fantum und hegelianisches Denken; über Glamour und Schrecken von Stammheim.
Auszüge ihrer mitgeschnittenen Gespräche hat Frank Witzel in Plattenspieler zusammengestellt. Ein schriftliches Audiodokument mit Groove, für den Leser als Tonabnehmer.
Die Diskussion dreht sich etwa um die Frage, warum Jimi Hendrix, gleichzeitig androgyn und Macho, weißen Rock machte; warum der Afro nicht ironisch sein kann; worin die unästhetische Anziehungskraft der Politgruppen in den Siebzigern bestand oder ob Françoise Hardy zur vorpubertären Identifikation getaugt hätte. Bei der Frage, ob die Barbarisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu erkennen und zu verstehen ein Luxus oder eine Notwendigkeit ist, ist sie in der Auslaufrille angelangt und überlässt das Weiterdenken dem Leser. Noch schwindlig sollte dieser das Buch sofort noch einmal lesen – gepitcht auf ’55, sozusagen."

Pressestimmen

"Durch die Lektüre von Musikzeitschriften klinkten sich Meinecke und Walter schließlich in den »Catalogue of Cool« ein. Dieser flexible Kanon zieht in die Masse der Musik einige Wahrnehmungsstreben, aber auch Grenzziehungen und Tabus ein. Witzel hält nichts von diesem Konzept"
(Nadine Langer im Tagesspiegel vom 13.03.2005)

"Vereint sind alle drei in der Verachtung des Nerdtums von Nick Hornby und der Abgrenzung gegenüber 78er-Generation-Herbeischwätzer Matthias Politycki. (...). Ob es aber mehr ist als ein Buch für »Pop-Forscher und Generationenversteher«, darf bezweifelt werden."
(Klaus Leweke im Musikexpress, Juli 2005)

 
 
 
       
     
     
   

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© 2002 - 2009
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 18. Dezember 2002
Stand: 07. Februar 2009