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Mark Terkessidis:  Im Dienst der Alphabetisierung der Popmoderne

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1966 geboren
    • 1992 - 1994 Redakteur der Zeitschrift "Spex"
    • 1996 Mitherausgeber des Buchs "Mainstream der Minderheiten"
    • 2000 Mitbegründer des »Institute for Studies in Visual Culture« (ISVC) in Köln
    • 2002 Buch "Entsichert"
 
       
     
       
   

Mark Terkessidis in seiner eigenen Schreibe

 
   

TERKESSIDIS, Mark (2000): Langer Abschied vom Anderssein.
"Spex" galt einmal für viele Leute als "die beste Band Deutschlands". Doch der Niedergang für das Zentralorgan der Popdissidenz begann schon in den frühen Neunzigern. Ein Rückblick aus beteiligter Sicht,
in: TAZ v. 17.02.

TERKESSIDIS, Mark (2000): Gezierte Kontaktaufnahme,
in: Freitag Nr.18 v. 28.04.

TERKESSIDIS, Mark (2000): Deutschland AG ohne Interessenkonflikte?
Und wenn es schief geht, dann war eben noch nicht genug Neoliberalismus,
in:
Tagesspiegel v. 22.05.

Die New Economy, ihre Folgen für die Sozialintegration und das neue Menschenbild vom flexiblen "Yettie"

TERKESSIDIS, Mark (2000): Das klaustrophobische Subjekt,
in:
Die ZEIT Nr.41 v. 05.10.

Rezension zu Christian KRACHTs Buch "Der gelbe Bleistift".

TERKESSIDIS, Mark (2001): Die besten Rocksongs aller Zeiten.
Thomas Steinfeld schreibt über seine Lieblingsplatten,
in: Literaturen Nr.2, Februar

Thomas Steinfeld - Theoretiker der Single-Generation

TERKESSIDIS, Mark (2001): Rheinischer Grieche.
Heimatkunde (9): Jenseits statischer Miniparadiese,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.02.

FR-Serie "Heimatkunde"

TERKESSIDIS, Mark (2001): Der Blick aus der Limousine.
Seit fünfzehn Jahren bespielt der Soziologe Ulrich Beck jedes verfügbare öffentliche Forum mit seinen höchst anschlussfähigen Trendformeln. Doch bei seinen metapolitischen Diagnosen ist Empirie Mangelware. Eine kritische Bilanz,
in: TAZ v. 17.02.

TERKESSIDIS, Mark (2001): Rebellion in der Geschmacksdiktatur.
Pop-Kultur ist anstrengend: Man muss die richtigen Sachen tragen und die richtige Musik hören. Pop ist ganz und gar Konsum geworden. Nun regt sich zaghaft Widerstand. Aber kann man in der Pop-Kultur gegen die Pop-Kultur arbeiten?
in: Tagesspiegel v. 23.06.

Die zentrale These von TERKESSIDIS lautet:

"Werbung und Marketing haben die rebellischen Gesten der Populärkultur übernommen und deren Protagonisten sprachlos gemacht".

Die Kulturkritik ex-linker Provenienz ist demnach heute fester Bestandteil der Konsumideologie geworden. Was ist heute cool? gehört zur entscheidenden Frage derjenigen, die in der Konsumgesellschaft nicht sozial isoliert sein wollen. Das Buch Generation Golf von Florian ILLIES ist Ausdruck einer Sozialisation durch Massenkultur, die Rebellion durch Konsum ersetzt hat. Das Buch gehört zusammen mit der Popliteratur zur neuesten "Version des bürgerlichen Bildungsromans". TERKESSIDIS erläutert am Beispiel der Band Blumfeld sowie der Musiker Jan Delay und Matthew Herbert die verschiedenen Artikulationsweisen von Kritik innerhalb der Populärkultur.

Die von David BROOKS als Bobo bezeichnete Bildungselite ist das Sinnbild einer sozialen Gruppe, die den rebellischen Gestus mit einem wohlhabenden und erfolgreichen Leben in Einklang gebracht haben. Hinter der Bobo-Fassade verbirgt sich nach Meinung von TERKESSIDIS jedoch das "Schwanken zwischen Angst und Ekel", wie es auch von Jochen Distelmeyer (Blumfeld) und Michel HOUELLEBECQ zum Ausdruck gebracht wird. Was für frühere Bildungseliten die Hochkultur war, das ist für die neue Elite die Populärkultur:

"Platten, Videos und Stilfragen sind für die Identität der heutigen Neobürger ebenso bedeutungsvoll wie die Hochkultur in vergangenen Tagen".

Jegliche Totalopposition ist für TERKESSIDIS unmöglich:

"Auch der Einspruch gegen die konsumistische Differenzkultur ist - eine Differenzgeste. Vor allem dann, wenn dem 'Ihr', von dem sich der Kulturschaffende abwendet, kein soziales 'Wir' mehr gegenübersteht, sondern zunächst bloß ein Individuum."

Einzig die Aufklärung über die Popkultur - "Alphabetisierung in Sachen Pop" - weist einen Ausweg aus der "Differenzhölle".

TERKESSIDIS, Mark (2001): Melodie einer Zeit.
Im Halseisen der Klischees. Viviane Forrester und Matthias Horx markieren zwei extreme Meinungs-Pole zum Thema Globalisierung,
in: Freitag Nr.33 v. 10.08.

TERKESSIDIS stellt der Globalisierungsgegnerin FORRESTER den glücklichen Globalisierer Matthias HORX gegenüber.:

"Dass Horx ein lächerlicher Ideologielieferant ist, wäre vielleicht nicht mal so tragisch, wenn er denn irgendwelche brauchbaren Beschreibungen liefern würde. Kürzlich erschien auf Deutsch das Buch des US-amerikanischen Wirtschaftsjournalisten David Brooks über die »Bobos«, die neue »Bildungselite«. Auch Brooks liebt das Objekt seiner Studie und zählt sich gar selbst dazu. Doch sein Buch war voll von interessanten Beobachtungen. Bei Horx findet sich nichts derartiges."

TERKESSIDIS, Mark (2003): Völlig losgelöst.
Der Kapitalismus ist wieder ein Thema für Intellektuelle - doch ihrer Kritik fehlt der Bezug zur eigenen Tradition wie zur Praxis der Protestbewegungen,
in: Literaturen Nr.3, März

Mark TERKESSIDIS bespricht neue Bücher von Naomi KLEIN ("Über Zäune und Mauern"), Ulrich BECK ("Macht und Gegenmacht im globalen Zeitalter"), Axel HONNETH ("Befreiung aus der Mündigkeit") und Christine BUCHHOLZ u.a. ("Unsere Welt ist keine Ware"). Von den deutschen Autoren ist TERKESSIDIS wenig begeistert. Die wichtigste Informationsquelle ist für den Autor das Internet, denn Aktivisten brauchen weniger Theorie als Information. Bezeichnend auch, dass er mit Joachim HIRSCHs & Roland ROTHs Das neue Gesicht des Kapitalismus. Vom Fordismus zum Post-Fordismus ein vergriffenes Buch aus dem Jahr 1986 empfiehlt. Sein Fazit:

"Die »Multitude« zu denken ist in Deutschland weiterhin das schwierigste Problem. Die Praxis der vielfältigen Subjektivitäten hat keinen Platz in den idealistischen Großlösungen Ulrich Becks, in den ängstlichen, anti-marxistischen Leitbegriffen der  »Kritischen Theorie« oder in der Sehnsucht von Trotzkisten nach der Einheitsorganisation."  

TERKESSIDIS, Mark (2003): Bloß kein "Rückfall in die alte Scheiße".
Warum der frühe Tod des Studentenführers eine praktisch orientierte Kritik am Kommunismus in Deutschland verhinderte,
in: Literaturen, April

Rudi Dutschke - Jeder hat sein Leben ganz zu leben

TERKESSIDIS, Mark (2004): Konsumiert, was euch kaputt macht.
Über die Verwandlung kritischer Veranstaltungen in ästhetische Spektakel. Und die neoliberalen Arbeitsverhältnisse in der Neoliberalismuskritik,
in: TAZ v. 02.10.

TERKESSIDIS beklagt die politische Folgenlosigkeit globalisierungskritischer Veranstaltungen, denen das Umfeld einer breiten sozialen Bewegung fehlt:

"»Spannend« ist das Wort der Stunde. Spannend ist alles mögliche, aber besonders spannend sind Veranstaltungen. Globalisierungskritik in Häppchen am Theater. Toni Negri und Michael Hardt, die von Riesenleinwänden herunterpredigen. Zum Witz geronnene linke Theoriekaskaden im Zelt. Dokumentarische Ausstellungen über Prostitution im Grenzland. Die Grenze im Allgemeinen. Bootsfahrten im Palast der Republik. Besichtigungsfahrten durch die koloniale Archäologie der Stadt. Selbst der Kommunismus wird wieder spannend, wenn denn der Kongress dazu tanzt. Was »spannend« ist, das spielt sich in »mobilen Akademien« ab, auf »beweglichen Landkarten« oder in »Zwischennutzungen«. Meistens jedoch in Theatern, Museen oder an Ausstellungsorten. Je mehr es aus der Politik tönt, es gebe keine Alternativen mehr, und je mehr die Kritik als sinnlose Beschäftigungstherapie für professionelle Bedenkenträger desavouiert wird, desto stärker wandern Politik und Kritik in die spannende Veranstaltung aus."

Desweiteren beklagt TERKESSIDIS die Selbstausbeutung von Akademikern im mittleren Lebensalter, die nicht selten in der Depression endet.

Alain Ehrenberg - Das erschöpfte Selbst

TERKESSIDIS, Mark (2005): Die neuen Rechthaber.
Groß-Thesen haben ihre Tücken: Die aktuelle Kritik am Kapitalismus und Globalisierung verrät einiges über das Wir-Gefühl der Intellektuellen,
in: Literaturen Nr.6, Juni

Mark TERKESSIDIS rezensiert gleich - auf den ersten Blick -  5 ganz unterschiedliche  Bücher: Reinhard SPRENGERs Der dressierte Bürger, Hans-Peter BARTELs Victory-Kapitalismus, Peter SLOTERDIJKs Im Weltinnenraum des Kapitals, Robert MISIKs Genial dagegen und Johano STRASSERs Kopf oder Zahl. Die Gemeinsamkeiten sieht TERKESSIDIS zum einen darin, dass alle dem deutschen Idealismus verhaftet sind und deshalb in Mentalitäten das Hauptproblem sehen, zum anderen sieht sich jeder Autor als "paradigmatischer Bürger". TERKESSIDIS fragt sich dagegen wie ein Gemeinwohl definiert werden kann, angesichts der Heterogenität der Bevölkerung, die gespalten ist

"nach Chancen, nach Klassen, nach Geschlecht, nach geschlechtlicher Orientierung, nach Ethnizität".

Nichtsdestotrotz liebäugelt TERKESSIDIS mit dem politischen Programm von Hans-Peter BARTELS, der die Politik der sozialen Inklusion aus Großbritannien in Deutschland salonfähig machen möchte. Antidiskriminierung bedeutet für TERKESSIDIS z.B. dass Theater nur noch dann gefördert werden sollen, wenn ihr PUBLIKUM sozial repräsentativ ist (Die Repräsentativität der TheaterARBEITER bleibt dagegen unberücksichtigt!).

TERKESSIDIS, Mark (2005): Ich will nicht reden müssen.
Nicht alles, was eine Debatte sein möchte, ist auch eine. Einem Strukturwandel der intellektuellen Öffentlichkeit, der die verallgemeinerte Beobachtung, das Halbwissen und die starke Meinung der Recherche vorzieht, sollte man sich entziehen. Eine Antwort auf das Gesprächsangebot von Ulf Poschardt,
in: TAZ v. 08.10.

Mark TERKESSIDIS will in Ulf POSCHARDT keinen Ex-Linken erkennen, sondern hält ihn für einen Poser. Auch eine revolutionäre Elite sieht TERKESSIDIS in Deutschland nicht am Werk, sondern

"in Deutschland bestehen die Eliten aus einem neofeudalen Klüngel von Menschen, deren Eltern und Großeltern auch schon Elite waren und die hauptsächlich daran interessiert sind, die Eliteposition auch für ihre Kinder zu sichern. Diese Elite ist sozial ungefähr so durchlässig, wie die Berliner Mauer es war - Leistung zählt da gar nichts."

KULTURAUSTAUSCH-Schwerpunkt: Die Zukunft der Stadt.
Explodieren Schrumpfen Konkurrieren

TERKESSIDIS, Mark (2006): Am Stadtstrand.
Wie wir Touristen in der eigenen Stadt werden,
in:
Kulturaustausch, H.3

TERKESSIDIS, Mark (2007): Zombies aus dem Grab der Ideen.
In Deutschland ist noch jede gesellschaftspolitische Reform auf halber Strecke verendet. An allen Fronten sammelt sich eine große Koalition zur Verteidigung ihrer Privilegien,
in: TAZ v. 03.03.

"Je reaktionärer man sich gebärdet, desto größer die mediale Aufmerksamkeit. Eva Herman und Bischof Mixa singen gemeinsam das Hohelied der Frau hinter dem Herd, sekundiert von Sachsens Kultusminister Steffen Flath, den Kinderkrippen an den Kommunismus erinnern. Gender-Mainstreaming, so heißt es in der FAZ, sei eine Art totalitäre Philosophie der Umerziehung von Jungs in Mädchen.
             (...).
Die neuen Reaktionäre in Deutschland unterscheiden sich nach Alter und Geschlecht und stoßen auch keineswegs ins gleiche Horn. Es handelt sich eher um so etwas wie eine große Koalition zur Verteidigung von Privilegien", meint Mark TERKESSIDIS.

TERKESSIDIS, Mark (2008): Flagge zeigen.
Partypatriotismus: Was bedeutet "Nation", wenn in allen Nationalmannschaften Brasilianer spielen?
in: Freitag Nr.25 v. 20.06.

Neu:
TERKESSIDIS, Mark (2008): Tanger in Europa.
Die Grenzen zwischen Tourismus und Migration verwischen sich,
in: Freitag Nr.28 v. 11.07.

 
       
   

Mark Terkessidis im Gespräch

 
   
fehlt noch
 
       
   

Mainstream der Minderheiten (1996).
Pop in der Kontrollgesellschaft
(herausgegeben zusammen mit
Tom Holert)

Berlin: Edition ID-Archiv

 
   
     
 

Klappentext

"Mit 1989, Rostock, Hoyerswerda und der These vom »Ende der Jugendkultur« verlor auch das Wörtchen Pop seine vielbeschworene Unschuld. Die subkulturellen Codes und Stile gerieten nun generell unter Verdacht, nur wenig Auskunft über die Einstellung und Haltung von Individuen zu geben. Viel wurde hierzu in den letzten sieben Jahren diskutiert, doch mit kaum feststellbarem Ergebnis.
Mainstream der Minderheiten setzt an den Nahtstellen der damaligen Diskussion an und untersucht aktuell die Funktionen, die Pop als Vehikel für Minderheitenkulturen, aber ebenso für die Zwecke nationaler Repräsentation tauglich macht. Entwicklungen wie Techno, Swingbeat, Britpop oder Crossover werden nicht außer acht gelassen, jedoch immer wieder auf die Schlüsselaspekte von Repräsentieren und Repräsentiertwerden, Ein- und Ausschlußmechanismen bezogen."

 
     
 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 10. April 2003
Update: 10. April 2015