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Mercedes Bunz: Gegen-Ökonomie oder Urbanes Pennertum?

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1971 in Magdeburg geboren
    • Mitbegründerin der Zeitschrift De:Bug
 
       
     
       
   

Mercedes Bunz in ihrer eigenen Schreibe

 
   

BUNZ, Mercedes (1998): Zehn Jahre sprachlos.
in: Telepolis.de v. 29.10.

BUNZ, Mercedes (1999): Ally McBeal: Fernsehen für eine bessere Welt.
Nachdem Serien etwas von der Realität gelernt haben wird es für die Realität Zeit, etwas von den Serien zu lernen,
in: Telepolis
v. 14.06.

BUNZ, Mercedes (2005): Dafür statt dagegen.
Tokio Hotel und der Wandel popkultureller Zeichen,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 24.11.

Was für den Mitte-Mainstream "Du bist Deutschland" ist, das ist für die ehemalige Gegenkultur die Gegen-Ökonomie. Mercedes BUNZ bringt das auf den Indie-Nenner:

"Pop und Politik gehen heute eine neue Beziehung ein. Die laute Rebellion ist von einer leiseren Form des Aufbegehrens abgelöst worden. An die Stelle der Gegenkultur tritt die Gegen-Ökonomie der eigenen Nische."

ZITTY-Titelgeschichte:
Meine Armut kotzt mich an.

Kein Geld, aber tausend Ideen: Urbane Penner sind die unterschätzte, kreative Elite Berlins

BUNZ, Mercedes (2006): Meine Armut kotzt mich an.
In dieser Stadt sieht man uns überall. Wir bevölkern die Cafés mit unseren Laptops. Wir betreiben kleine Läden, in denen wir vorne junge Mode oder minimale Möbel ausstellen. Und wenn man spätabends an den erleuchteten Fenstern unserer Ladenlokal-Büros vorbeigeht, sieht man uns immer noch Design entwerfend hinter den Rechnern sitzen. Wir sind hip, hoch qualifiziert, diffus kreativ und arm. Urbane Penner eben,
in: zitty v. 16.02.

Mercedes BUNZ skizziert diverse Gründe, die das Phänomen der urbanen Penner begünstigen, u. a. die Elternabhängigkeit:

"Wie kommt es, dass qualifizierte Menschen in der Blüte ihrer Jahre einen so mageren Lohn hinnehmen, ohne aufzubegehren oder zu murren? Wieso sind wir - gut ausgebildet und belastbar - bereit, ein Praktikum nach dem anderen abzureißen, ohne Geld zu verdienen?
          
(...)
          »Warum«, frage ich Terkessidis, »wird also nicht demonstriert, randaliert oder zumindest lauthals gemotzt? Warum bleibt ein Generationskonflikt aus?« Der Grund ist eindeutig: In der Ökonomie des Urbanen Pennertums spielen die Eltern eine nicht unwesentliche Rolle, denn sie sind es, die ihrem Kind ein Praktikum nach dem anderen ermöglichen. »Mittlerweile ist die private Subventionierung von Gehalt bei jungen Leuten normal«, sagt Terkessidis. »Die Eltern finanzieren, was die Wirtschaft oder der Staat nicht mehr bezahlen will oder kann, immer in der Hoffnung, dass sich das symbolische Kapital, das ihr Kind erwirbt, später auszahlt. Denn von dem Lohn, der für Volontariate, Assistenzen und Praktika in Verlagen, Theatern oder Agenturen bezahlt wird, kann man nicht wirklich leben.« Die ältere Generation bügelt also das Manko von Staat und Wirtschaft mit ihrer Privatschatulle aus. Im Grunde bezahlt sie damit von ihrem Gehalt zwei Leben, nämlich ihr eigenes und das ihrer Kinder. Daher war Rebellion auch gestern, denn man beißt nicht die Hand, die einen füttert.
"

Was das wirklich Neue ist: für Mercedes BUNZ ist das urbane Pennertum keine Frage der Wahlfreiheit, wie es die Individualisierungsoptimisten behaupten, sondern es geht um Zwangsindividualisierung:

"Diese Situation ist nicht entstanden, weil man eine Wahl gehabt hätte. Es gibt zu ihr derzeit keine Alternative"

ZITTY-Titelgeschichte: Die neuen Berliner Jungs.
Entspannet, relaxt, männlich: Blöder Trend oder Modell für morgen?

BUNZ, Mercedes (2006): Die neuen Berliner Jungs.
Entspannt, relaxt, männlich: Blöder Trend oder Modell für morgen?
in: zitty v. 20.07.

Die neue zitty-Chefredakteurin Mercedes BUNZ sucht mit ihrer ersten Titelgeschichte als Chefredakteurin Anschluss an den Mitte-Diskurs, speziell an den erfolgreichen FAS- und Neon-Kurs. Den Berliner Jungs, die sich in keinster Weise von Jungs in anderen urbanen Zentren unterscheiden (wenn auch die Einleitung anderes suggeriert), wird mit neuer Bürgerlichkeit zu Leibe gerückt. Nils MINKMARs Kritik an der Zeugungsunwilligkeit der neuen Männer wird kritiklos beigepflichtet.

ZITTY-Titelgeschichte: Wie wir heimlich Hauptstadt wurden...
Die wohnen jetzt alle hier

BUNZ, Mercedes (2006): Unaufhaltsam ist Berlin das kulturelle Zentrum unseres Landes geworden.
Alle wohnen hier. Ganz einfach. Oder? Wie wir heimlich Hauptstadt wurden, ohne es zu merken,
in: zitty Nr.22 v. 26.10.

BUNZ, Mercedes (2006): Jenseits der Festanstellung.
Holm Friebe und Sascha Lobo proklamieren die digitale Bohème,
in: zitty Nr.22 v. 26.10.

Sascha Lobo & Holm Friebe - Wir nennen es Arbeit

BUNZ, Mercedes (2006): Warum wir gehen.
Meine Generation wandert aus, weil ihr die Perspektiven fehlen,
in: Tagesspiegel v. 26.10.

Zuerst erfand Mercedes BUNZ den Begriff "urbane Penner" und erklärte den Lesern der zitty, warum ihre Armut sie ankotzt. Kurz darauf war sie die neue Chefredakteurin des Berliner Stadtmagazins zitty.

Jetzt erklärt sie uns, warum ihre Generation auswandert (dabei weiß niemand so genau, ob die Zahlen, die politisch korrekt als Auswanderung interpretiert werden, nicht eher darauf hindeuten, dass ein zeitlich begrenzter Aufenthalt im Ausland heutzutage zur normalen Lebensphase unserer neuen Elite gehört). Mercedes BUNZ dagegen wird bleiben...

BUNZ, Mercedes & Nadine LANTZSCH (2009): Glotze aus!
Eine Verteidigung der "Generation Internet": Warum der Computer der bessere Fernseher ist,
in:
Tagesspiegel v. 29.03.

DE:BUG-Titelgeschichte: Pop am Nullpunkt.
Diskurs hat ausgekotzt

BUNZ, Mercedes (2009): Erhörte Gebete:  Kapitalismus, Popkultur, Internet.
Das Internet hat den Kapitalismus verändert und dafür die Popkultur beklaut. Deren Versprechen sind mit dem Arbeitsplatz Computer wahr geworden. Ist die Popkultur jetzt arbeitslos?
in: de:bug,
Nr.131, April

 
       
   

Mercedes Bunz: Porträts und Gespräche

 
   

KLINGNER, Susanne (2003): Das Sesamstraßenkind.
Medienmädchen III: Sie ist Copyright-Expertin und Frontfrau von "de:bug", dem Organ für "Musik, Medien, Kultur und Selbstbeherrschung". Und ihr Name ist sogar "halbwegs echt": Mercedes Bunz,
in: TAZ v. 28.04.

KÖTTER, Dirk (2000): Glücklich der Mensch, der sagen kann: "Ich arbeite gern".
De:Bug - eine Zeitung gründen ohne einen Pfennig Geld? Das geht,
in: brand eins, Nr.6

 
   

Debatte um das urbane Pennertum

 
   

DIEDERICHSEN, Diedrich (1985): The Privileged Poors, in: Sexbeat

DIEDERICHSEN, Diedrich (1993): Gefühlte Paprika.
Die politische Subjektivität der Boheme,
in:
Texte zur Kunst, September

Diedrich DIEDERICHSEN beschreibt den Umschlagspunkt der neuen Ernsthaftigkeit in der Gesellschaft des Weniger:

"Exakt an dem Punkt, wo sich die zugestandene Aufschiebung des Ernstes des Lebens (ewige Studentenzeit, erträgliche Einnahmen in den Schattenökonomien der Indie-Szene und der Kunstwelt) in einen erzwungenen Aufschub (Arbeitslosigkeit, Rezession auch im Kulturbereich, Steigerung des Anteils auch der Beschäftigten, die nicht mehr dauerhafte Jobs haben, sondern sich von Job zu Job hangeln, wodurch Leute unfreiwillig bohemisiert werden, aber of die betreffenden Verhaltensweisen und Denkgewohnheiten entwickeln) verwandelt, wird aus der fröhlichen Dissidenz des theoretischen Selberdenkers politischer Ernst."

BECK, Ulrich (2005): Die Gesellschaft des Weniger.
Arbeitslosigkeit, Hartz IV: ein Land steigt ab,
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.02.

Vor über 10 Jahren hat der Poptheoretiker Diedrich DIEDERICHSEN den Umschlagspunkt der neuen Ernsthaftigkeit in der Gesellschaft des Weniger beschrieben.

MANGOLD, Ijoma (2005): Das neue Subproletariat.
Inwieweit profitiert die NPD vom "White Trash"?
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.02.

RUTSCHKY, Michael (2005): Neuzugänge bei der Boheme,
in: TAZ v. 09.02.

Die 68er sind sichtlich gealtert. Nach 30 Jahre Wirtschaftskrise kommen sie uns immer noch mit den alten Bohemekonzepten (Da war selbst Diedrich DIEDERICHSEN vor 10 Jahren schon weiter), mag sein, dass die Erbengeneration das Geld ihrer Eltern noch eine zeitlang verprassen kann. Für andere wird es dagegen jetzt schon eng. Darüber schreibt Ijoma MANGOLD.

KORTMANN, Christian (2005): Wir müssen leider draußen bleiben.
Die Generation Praktikum und die Diskriminierung durch "Rankism",
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.04.

"Generation Praktikum.
        
Die Zeit widmete ihr kürzlich das Titelthema, und anders als bei früheren Generationsbefunden ist der Begriff diesmal handfest und überfällig, denn er definiert nicht nur ein diffuses Lebensgefühl, mit dem sich über Lifestyle-Medien Produkte vermarkten lassen.
Es gibt immer mehr späte Berufsanfänger und ewig unbezahlte Praktikanten, Legionen von sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagenden kinderlosen Akademiker-Desperados,
die zwar oft verzweifelt sind, sich dafür aber in den guten Momenten wie Bohemiens fühlen dürfen.
Fraglich ist, ob der Begriff die Öffentlichkeit so intensiv beschäftigen wird wie etwa der der Generation Golf, schließlich definiert er nur die Problematik einer diskriminierten Kaste, die keine Lobby hat.
Das Erfreuliche an dem Zeit-Schwerpunkt ist also, dass einer Gruppierung ein Forum gegeben wird, die sich schon damit abgefunden hatte, dass niemand ihre Nöte erhört.
Schließlich sind die Probleme der Generation Praktikum nicht existenziell: Unbezahlte Praktika muss man sich ja erstmal leisten können – wirklich dreckig geht es erst dem, der jeden Job annehmen muss
",

erklärt uns KORTMANN etwas, das regelmäßigen single-generation.de-Lesern längst bekannt ist. Rankism oder deutsch Status ist der Dreh- und Angelpunkt dieser Gesellschaft. Was KORTMANN hier beschreibt ist das Problem der Statusindifferenz.

Bei der unsäglichen Debatte um die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen und vor allem bei der Einengung auf das Thema Elterngeld, werden genau jene kinderlosen Akademiker(Innen) ausgeblendet, die bei KORTMANN im Mittelpunkt stehen. Statusinkonsistenz existiert familienpolitisch überhaupt gar nicht! Einzig single-generation.de hat immer wieder darauf verwiesen, dass der berufliche Abschluss noch lange nichts darüber aussagt, ob jemand auch einen entsprechenden Beruf ausübt. Aber wo sind die Studien? Fehlanzeige! Das Familienministerium beauftragt Gefälligkeitsgutachten um das Yuppie-FAZ/SZ/FR/TAZ-Wahlklientiel zu ködern. Tatsächlich ist jedoch die Generation Golf selber schuld, denn hat sie sich nicht lange genug selber als Bohemien entworfen? Offenbar sind das erste Zeichen eines Stimmungsumschwungs. Statusinkonsistenz wird als Statusinkonsistenz bewertet und nicht mehr als statusindifferenter, bohemistischer Lebensstil verklärt. Ein erster Schritt weg, vom Individualisierungsirrtum...

KOCH, Christoph (2006): Vokabeln lernen: Urbane Penner.
Das Magazin Zitty hat auf unserem Planeten eine neue Lebensform entdeckt,
in: jetzt.de v. 16.02.

SCHMIDT, Jochen (2006): Unter uns urbanen Pennern,
in: TAZ v. 15.03.

Angesichts einer erfolgreichen Titelgeschichte über "urbane Penner", denkt Jochen SCHMIDT aus ostdeutscher Perspektive über das Phänomen nach:

"Laut Statistik erbt ein westdeutscher gleichaltriger (35) urbaner Penner 311.000 Euro (ohne Immobilien!), ich ostdeutscher urbaner Penner 22.000. Ich denke, dieses Wissen lässt einen anders in den Tag gehen. Warum soll ich Mitleid haben mit jemandem, der die Zeit bis zur Erbschaft damit totschlägt, sinnlose Websites zu designen, überflüssige Clubs zu verhübschen oder lustige Umstandsmode zu entwerfen, und sich deshalb kreativ nennen darf? Und trotzdem im auf Pump bezahlten Anzug herumläuft?"

EGE, Moritz & Tobias TIMM (2006): Das internationale Prekariat.
Ausgebeutete? Urbane Penner? Die Praktikanten protestieren,
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.04.

EGE & TIMM berichten, dass der Protest der Generation Praktikum in Berlin implodiert ist. Sie stellen sich deshalb die Frage, warum in Deutschland im Gegensatz zu Frankreich Protestunwilligkeit herrscht. Das größte Hindernis ist offensichtlich der private Generationenvertrag:

"subventionierende Eltern. Wer die nicht hat, hat ein Problem".

Selbstausbeutung ist seit der Alternativbewegung keine Seltenheit mehr, sondern zur Normalität geworden. Die New Economy und die Kulturindustrie führen fort, was die Alternativen begannen. Wenn sich nun erstmals überhaupt Unbehagen bei den "Aufstiegsfähigen" regt, indem man sich zum "urbanen Penner" ausruft, dann scheint der bohemistische Lebensstil seinen Zenit überschritten zu haben. Der urbane Penner ist im Grunde nur ein Bobo (David BROOKS), dem dämmert, dass er möglicherweise den als sicher geglaubten Lebensstil gar nie erreichen wird. Das Leiden der Bobos hat BROOKS trefflich mit Status-Einkommens-Disparität (SED) beschrieben:

"Diese Krankheit überkommt Leute, denen ihre Arbeit hohen sozialen Status verleiht, zu der aber nur ein vergleichsweise bescheidenes Einkommen gehört. Die Tragödie der SED-Kranken ist, dass sie ruhmreiche Tage, aber erniedrigende Nächte durchleben."

Für Praktikanten gilt das natürlich weniger als für urbane Penner, also Kreative wie Mercedes BUNZ. Dass die Probleme der "prinzipiell Aufstiegsfähigen nicht nur mit Solidarität, sondern auch mit aggressiver Häme begegnet wird" ist deshalb kaum verwunderlich. Mit dem Wegfall der elterlichen Subventionen würde die bohemistische Blase genauso platzen wie einst die New Economy. Die Aufkündigung des öffentlichen Generationenvertrags durch die Besserverdienenden könnte dies zusätzlich beschleunigen. Dann besteht aber immer noch ein Unterschied zwischen den Gutgebildeten und den Schlechtgebildeten, der die Solidarität des "Prekariats" (oder modischer: Multitude ) verhindert:

"Es bleibt schließlich ein Unterschied, ob das Praktikum nach dem Staatsexamen in der renommierten Kanzlei oder nach dem Hauptschulabschluss in einer Bäckerei absolviert wird".

STAHL, Enno (2006): Wenn ein jeder zum Krämer wird.
Die Zahl der prekär Beschäftigten wächst. Aber das Prekariat hat nicht dieselben Interessen wie die Industriearbeiterschaft und ist sehr heterogen,
in: Jungle World Nr.17 v. 26.04.

Enno STAHL referiert die gegenseitigen Abneigungen von Beschäftigten jenseits des Normalarbeitsverhältnisses. Die Spitzenposition in der Hackordnung der Prekarisierten nehmen zurzeit wohl die urbanen Penner ein. Jüngere dürfen sich dagegen mit den Lebenspraktikanten oder der Generazione 1000 Euro identifizieren. Die Elitensoziologie der Generation Berlin spaltet mittels Inklussion-Exklussion-Trendvokabeln und Anwälte der Exklussionsklientel sprechen gerne von Working Poor. Man darf sicher sein, dass noch nicht aller Begriffe Abend ist...

GROSS, Thomas (2006): Von der Boheme zur Unterschicht.
Job, Geld, Leben – nichts ist mehr sicher. Eine neue Klasse der Ausgebeuteten begehrt auf: Das Prekariat,
in: Die ZEIT Nr.18 v. 27.04.

Thomas GROSS liefert einen kurzen historischen Abriss der Debatte um die Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse, die er Anfang der 80er beginnen lässt. Den Durchbruch der Debatte verlegt GROSS auf die Jahrtausendwende:

"Virulent wurde der Prekarisierungsdiskurs erst, als Anne und Marine Rambach in ihrer 2001 erschienenen Streitschrift Les intellos précaires (»Die prekären Intellektuellen«) das Bild einer Intelligenz entwarfen, die mit dem Widerspruch leben muss, bei relativ hohem Sozialstatus immer schlechteren Arbeitsbedingungen ausgesetzt zu sein – und damit in Frankreich einen Bestseller landeten. Neu an der Debatte sind also nicht ihre Sachverhalte, neu ist die Tatsache, dass diese die urbanen Mittelschichten ergriffen haben."

In dem lesenswerten Sammelband Generationen behauptet der Kulturwissenschaftler Kaspar MAASE, dass wir im Zeitalter der postheroischen Generationen angelangt seien. Es stellt sich also die Frage, ob die "Klasse" des Prekariats den  Generationendiskurs in Zukunft ganz erledigt oder ob sich die Prekarisierten zu einer heroischen Generation zusammenfinden. Bislang deutet nicht viel darauf hin, dass entweder das eine oder das andere zutreffend sein könnte. Die Hackordnung der Prekarisierten deutet eher darauf hin, dass sich eine neue Arbeitsordnung entwickelt. Die urbanen Penner könnten zur neuen Mittelschicht mutieren - analog zu den Bobos, den Kriegsgewinnler der Alternativbewegung. Wenn Thomas GROSS die Debatte um die Prekarisierung mit der Neuen Bürgerlichkeit verknüpft, dann ist da die neue Unterschichtenliteratur auch nicht weit.

APIN, Nina (2006): "Diskutieren wir lieber die Klassenfrage".
taz-Serie "Prekäre Leben" (Teil 4): Inzwischen gilt es schon als schick, prekarisiert zu leben, sagt Christiane Rösinger, Sängerin von Britta. Die Band singt über die schwierigen Lebensverhältnisse von Künstlern - und verarbeitet auch eigene Erfahrungen,
in: TAZ Berlin v. 04.07.

Christiane RÖSINGER kritisiert die Debatte um die "urbanen Penner" und benennt die Ungleichheiten innerhalb der Gruppe der Prekarisierten:

"Auf der neuen Britta-Platte »Das schöne Leben« stellt Ihre Band die Frage: »Ist das noch Boheme oder schon die neue Unterschicht?« Wo verläuft denn die Grenze zur Armut?
          
 Solange man sich den Latte Macchiato noch leisten kann und abends den Sekt auf Eis, kann man nicht von wirklicher Armut sprechen. Doch durch die Finanzknappheit verschieben sich allmählich Grenzen, auch von persönlichen Beziehungen: Man fährt nicht mehr in Urlaub, man trennt sich von Freunden, die wesentlich mehr Geld haben. Eigentlich können auch Beziehungen zwischen Armen und Reichen nicht funktionieren.
          
 Das klingt jetzt aber schwer nach Klassenkampf.
          
 Wenn Akademiker und Kinder aus Mittelschichtsfamilien den Lebensstil ihrer Eltern nicht mehr erreichen können, ist das ein Mittelschichtsproblem. Das ist nicht vergleichbar mit einer Hartz-IV-Familie, die kein Geld hat für Schulausflüge der Kinder. Die »Generation Praktikum« wird irgendwann ihren Platz in der Gesellschaft finden. Schon durch ihre Bildung stehen ihnen viel mehr Chancen offen als einer Textilarbeiterin."

Neu:
FRIEBE, Holm (2006): Wo kommt das alles plötzlich her?
Ironieverdacht? Verschwörungstheorien? In den vergangenen Tagen konnte man einiges über die Berliner Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig lesen. Vieles war Unsinn. Hier nun ein schonungsloser Offenbarungstext über die wahren Hintergründe der Autorin und das Geschäftsjahr 2006 der ZIA,
in: zitty v. 06.07.

 
   

Mercedes Bunz im WWW

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 22. Februar 2006
Update: 12. April 2015