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BUNZ, Mercedes (1998): Zehn Jahre sprachlos.
in: Telepolis.de v. 29.10.
- BUNZ,
Mercedes (1999): Ally McBeal:
Fernsehen für eine bessere Welt.
Nachdem
Serien etwas von der Realität
gelernt haben wird es für die
Realität Zeit, etwas von den
Serien zu lernen,
in: Telepolis
v. 14.06.
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BUNZ, Mercedes (2005): Dafür statt dagegen.
Tokio Hotel und der Wandel
popkultureller Zeichen,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 24.11.
- Kommentar:
Was für den Mitte-Mainstream "Du bist
Deutschland" ist, das ist für die ehemalige Gegenkultur die
Gegen-Ökonomie. Mercedes BUNZ bringt das auf den Indie-Nenner:
"Pop
und Politik gehen heute eine neue Beziehung ein. Die laute
Rebellion ist von einer leiseren Form des Aufbegehrens abgelöst
worden. An die Stelle der Gegenkultur tritt die Gegen-Ökonomie der
eigenen Nische."
zitty-Titelgeschichte:
Meine Armut kotzt mich an.
Kein Geld, aber tausend Ideen: Urbane
Penner sind die unterschätzte, kreative Elite
Berlins |
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BUNZ, Mercedes (2006): Meine Armut kotzt mich an.
In dieser Stadt sieht man uns überall. Wir bevölkern die Cafés
mit unseren Laptops. Wir betreiben kleine Läden, in denen wir vorne
junge Mode oder minimale Möbel ausstellen. Und wenn man spätabends
an den erleuchteten Fenstern unserer Ladenlokal-Büros vorbeigeht,
sieht man uns immer noch Design entwerfend hinter den Rechnern
sitzen. Wir sind hip, hoch qualifiziert, diffus kreativ und arm.
Urbane Penner eben,
in: zitty v. 16.02.
- Inhalt:
Mercedes BUNZ skizziert diverse Gründe, die
das Phänomen der urbanen Penner begünstigen, u.a. die
Elternabhängigkeit:
"Wie
kommt es, dass qualifizierte Menschen in der Blüte ihrer Jahre einen
so mageren Lohn hinnehmen, ohne aufzubegehren oder zu murren? Wieso
sind wir - gut ausgebildet und belastbar -
bereit, ein
Praktikum nach dem anderen abzureißen, ohne Geld zu verdienen?
(...)
»Warum«, frage ich
Terkessidis, »wird also nicht demonstriert,
randaliert oder zumindest lauthals gemotzt?
Warum bleibt ein
Generationskonflikt aus?« Der Grund ist eindeutig: In der Ökonomie des
Urbanen Pennertums spielen die Eltern eine nicht unwesentliche Rolle, denn
sie sind es, die ihrem Kind ein Praktikum nach dem anderen ermöglichen.
»Mittlerweile ist die private Subventionierung von Gehalt bei jungen
Leuten normal«, sagt Terkessidis. »Die Eltern finanzieren, was die
Wirtschaft oder der Staat nicht mehr bezahlen will oder kann, immer in der
Hoffnung, dass sich das symbolische Kapital, das ihr Kind erwirbt, später
auszahlt. Denn von dem Lohn, der für Volontariate, Assistenzen und
Praktika in Verlagen, Theatern oder Agenturen bezahlt wird, kann man nicht
wirklich leben.« Die ältere Generation bügelt also das Manko von Staat und
Wirtschaft mit ihrer Privatschatulle aus. Im Grunde bezahlt sie damit von
ihrem Gehalt zwei Leben, nämlich ihr eigenes und das ihrer Kinder. Daher
war Rebellion auch gestern, denn man beißt nicht die Hand, die einen
füttert."
- Kommentar:
Was das wirklich Neue ist: für Mercedes BUNZ
ist das urbane Pennertum keine Frage er Wahlfreiheit, wie es die
Individualisierungsoptimisten
behaupten, sondern es geht um Zwangsindividualisierung:
"Diese
Situation ist nicht entstanden, weil man eine Wahl gehabt hätte. Es
gibt zu ihr derzeit keine Alternative"
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DIEDERICHSEN,
Diedrich (1985): The Privileged Poors, in: Sexbeat
- DIEDERICHSEN,
Diedrich (1993): Gefühlte Paprika.
Die politische Subjektivität der Boheme,
in:
Texte zur Kunst, September 1993
- Inhalt:
Diedrich DIEDERICHSEN
beschreibt den Umschlagspunkt der neuen Ernsthaftigkeit in
der Gesellschaft des Weniger:
"Exakt an dem Punkt, wo
sich die zugestandene Aufschiebung des Ernstes des Lebens
(ewige Studentenzeit, erträgliche Einnahmen in den
Schattenökonomien der Indie-Szene und der Kunstwelt) in
einen erzwungenen Aufschub (Arbeitslosigkeit, Rezession auch
im Kulturbereich, Steigerung des Anteils auch der
Beschäftigten, die nicht mehr dauerhafte Jobs haben, sondern
sich von Job zu Job hangeln, wodurch Leute unfreiwillig
bohemisiert werden, aber of die betreffenden
Verhaltensweisen und Denkgewohnheiten entwickeln)
verwandelt, wird aus der fröhlichen Dissidenz des
theoretischen Selberdenkers politischer Ernst."
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BECK, Ulrich (2005): Die Gesellschaft des Weniger.
Arbeitslosigkeit, Hartz IV: ein Land steigt ab,
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.02.
- Kommentar:
Vor über 10
Jahren hat der Poptheoretiker
Diedrich DIEDERICHSEN den Umschlagspunkt der
neuen Ernsthaftigkeit in der Gesellschaft des Weniger
beschrieben:
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MANGOLD,
Ijoma (2005): Das neue Subproletariat.
Inwieweit profitiert die NPD vom "White Trash"?
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.02.
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RUTSCHKY, Michael (2005): Neuzugänge bei der Boheme,
in: TAZ v. 09.02.
- Kommentar:
Die 68er sind sichtlich gealtert. Nach 30
Jahre Wirtschaftskrise kommen sie uns immer noch mit den
alten Bohemekonzepten (Da war selbst
Diedrich DIEDERICHSEN vor 10 Jahren schon weiter), mag
sein, dass die Erbengeneration das Geld ihrer Eltern noch
eine zeitlang verprassen kann.
Für andere wird es dagegen
jetzt schon eng. Darüber schreibt Ijoma MANGOLD.
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KORTMANN, Christian (2005): Wir müssen leider draußen
bleiben.
Die Generation Praktikum und die Diskriminierung durch "Rankism",
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.04.
- Kommentar:
"Generation
Praktikum.
Die
Zeit widmete ihr kürzlich das Titelthema, und anders
als bei früheren Generationsbefunden ist der Begriff
diesmal handfest und überfällig, denn er definiert nicht
nur ein diffuses Lebensgefühl, mit dem sich über
Lifestyle-Medien Produkte vermarkten lassen.
Es gibt immer mehr späte Berufsanfänger und ewig
unbezahlte Praktikanten, Legionen von sich mit
Gelegenheitsjobs durchschlagenden kinderlosen
Akademiker-Desperados, die zwar oft
verzweifelt sind, sich dafür aber in den guten Momenten
wie Bohemiens fühlen dürfen.
Fraglich ist, ob der Begriff die Öffentlichkeit so
intensiv beschäftigen wird wie etwa der der Generation
Golf, schließlich definiert er nur die Problematik einer
diskriminierten Kaste, die keine Lobby hat.
Das Erfreuliche an dem Zeit-Schwerpunkt ist also, dass
einer Gruppierung ein Forum gegeben wird, die sich schon
damit abgefunden hatte, dass niemand ihre Nöte erhört.
Schließlich sind die Probleme der Generation Praktikum
nicht existenziell: Unbezahlte Praktika muss man sich ja
erstmal leisten können – wirklich dreckig geht es erst
dem, der jeden Job annehmen muss",
erklärt uns KORTMANN etwas, das regelmäßigen
single-dasein.de-Lesern längst bekannt ist.
Rankism oder deutsch
Status ist der Dreh- und Angelpunkt dieser Gesellschaft.
Was KORTMANN hier beschreibt ist das Problem der
Statusindifferenz.
Bei der
unsäglichen Debatte um die
Kinderlosigkeit der Akademikerinnen und vor
allem bei der Einengung auf das Thema Elterngeld, werden
genau jene kinderlosen Akademiker(Innen) ausgeblendet, die
bei KORTMANN im Mittelpunkt stehen.
Statusinkonsistenz existiert
familienpolitisch überhaupt gar nicht! Einzig
single-dasein.de hat immer wieder darauf verwiesen,
dass der berufliche Abschluss noch lange nichts darüber
aussagt, ob jemand auch einen entsprechenden Beruf ausübt.
Aber wo sind die Studien?
Fehlanzeige!
Das
Familienministerium beauftragt Gefälligkeitsgutachten um
das Yuppie-FAZ/SZ/FR/TAZ-Wahlklientiel zu ködern.
Tatsächlich ist jedoch die
Generation Golf selber schuld, denn hat sie sich nicht
lange genug selber als Bohemien entworfen?
Offenbar sind das
erste Zeichen eines Stimmungsumschwungs.
Statusinkonsistenz wird als Statusinkonsistenz bewertet
und nicht mehr als statusindifferenter,
bohemistischer Lebensstil
verklärt. Ein erster Schritt weg, vom
Individualisierungsirrtum...
-
KOCH, Christoph (2006): Vokabeln lernen: Urbane Penner.
Das Magazin Zitty hat auf unserem Planeten eine neue Lebensform
entdeckt,
in: jetzt.de v. 16.02.
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SCHMIDT, Jochen (2006): Unter uns urbanen Pennern,
in: TAZ v. 15.03.
- Inhalt:
Angesichts einer erfolgreichen
Titelgeschichte über "urbane Penner", denkt Jochen SCHMIDT aus
ostdeutscher Perspektive über das Phänomen nach:
"Laut
Statistik erbt ein westdeutscher gleichaltriger (35) urbaner
Penner 311.000 Euro (ohne Immobilien!), ich ostdeutscher urbaner
Penner 22.000. Ich denke, dieses Wissen lässt einen anders in den
Tag gehen. Warum soll ich Mitleid haben mit jemandem, der die Zeit
bis zur Erbschaft damit totschlägt, sinnlose Websites zu designen,
überflüssige Clubs zu verhübschen oder lustige Umstandsmode zu
entwerfen, und sich deshalb kreativ nennen darf? Und trotzdem im
auf Pump bezahlten Anzug herumläuft?"
- EGE, Moritz & Tobias
TIMM (2006): Das internationale Prekariat.
Ausgebeutete? Urbane Penner? Die Praktikanten protestieren,
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.04.
- Kommentar:
EGE & TIMM berichten, dass der Protest der
Generation Praktikum in Berlin implodiert ist.
Sie stellen
sich deshalb die Frage, warum in Deutschland im Gegensatz zu
Frankreich Protestunwilligkeit herrscht.
Das größte
Hindernis ist offensichtlich der private Generationenvertrag:
"subventionierende
Eltern. Wer die nicht hat, hat ein Problem".
Selbstausbeutung
ist seit der Alternativbewegung keine Seltenheit mehr, sondern zur
Normalität geworden. Die New Economy und die Kulturindustrie
führen fort, was die Alternativen begannen.
Wenn sich nun
erstmals überhaupt Unbehagen bei den "Aufstiegsfähigen" regt,
indem man sich zum "urbanen Penner" ausruft, dann scheint der
bohemistische Lebensstil seinen Zenit überschritten haben.
Der urbane
Penner ist im Grunde nur ein
Bobo
(David BROOKS), dem dämmert, dass er möglicherweise den
als sicher geglaubten Lebensstil gar nie erreichen wird.
Das Leiden
der Bobos hat BROOKS trefflich mit Status-Einkommens-Disparität
(SED) beschrieben:
"Diese Krankheit
überkommt Leute, denen ihre Arbeit hohen sozialen Status verleiht,
zu der aber nur ein vergleichsweise bescheidenes Einkommen gehört.
Die Tragödie der SED-Kranken ist, dass sie ruhmreiche Tage, aber
erniedrigende Nächte durchleben."
Für
Praktikanten gilt das natürlich weniger als für urbane Penner,
also Kreative wie Mercedes BUNZ.
Dass die
Probleme der "prinzipiell Aufstiegsfähigen nicht nur mit
Solidarität, sondern auch mit aggressiver Häme begegnet wird" ist
deshalb kaum verwunderlich.
Mit dem
Wegfall der elterlichen Subventionen würde die bohemistische Blase
genauso platzen wie einst die New Economy. Die
Aufkündigung des öffentlichen
Generationenvertrags durch die Besserverdienenden
könnte dies zusätzlich beschleunigen.
Dann
besteht aber immer noch ein Unterschied zwischen den Gutgebildeten
und den Schlechtgebildeten, der die Solidarität des "Prekariats"
(oder modischer:
Multitude ) verhindert:
"Es bleibt
schließlich ein Unterschied, ob das Praktikum nach dem
Staatsexamen in der renommierten Kanzlei oder nach dem
Hauptschulabschluss in einer Bäckerei absolviert wird".
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STAHL, Enno (2006): Wenn ein jeder zum Krämer wird.
Die Zahl der prekär
Beschäftigten wächst. Aber das Prekariat hat nicht dieselben
Interessen wie die Industriearbeiterschaft und ist sehr heterogen,
in: Jungle World Nr.17 v. 26.04.
- Kommentar:
Enno STAHL referiert über die gegenseitigen
Abneigungen von Beschäftigten jenseits des
Normalarbeitsverhältnisses.
Die
Spitzenposition in der Hackordnung der Prekarisierten nehmen
zurzeit wohl die urbanen Penner ein.
Jüngere
dürfen sich dagegen mit den
"Lebenspraktikanten" oder der
"Generazione 1000 Euro"
identifizieren.
Die
Elitensoziologie der Generation Berlin spaltet mittels
Inklussion-Exklussion-Trendvokabeln und Anwälte der
Exklussionsklientel sprechen gerne von
Working Poor.
Man darf
sicher sein, dass noch nicht aller Begriffe Abend ist...
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GROSS, Thomas (2006): Von der Boheme zur Unterschicht.
Job, Geld, Leben – nichts
ist mehr sicher. Eine neue Klasse der Ausgebeuteten begehrt auf: Das
Prekariat,
in: Die ZEIT Nr.18 v. 27.04.
- Kommentar:
Thomas GROSS liefert einen kurzen
historischen Abriss der Debatte um die Prekarisierung der
Arbeitsverhältnisse, die er Anfang der 80er beginnen lässt. Den
Durchbruch der Debatte verlegt GROSS auf die Jahrtausendwende:
"Virulent
wurde der Prekarisierungsdiskurs erst, als Anne und Marine Rambach
in ihrer 2001 erschienenen Streitschrift Les intellos précaires
(»Die prekären Intellektuellen«) das Bild einer Intelligenz
entwarfen, die mit dem Widerspruch leben muss, bei relativ hohem
Sozialstatus immer schlechteren Arbeitsbedingungen ausgesetzt zu
sein – und damit in Frankreich einen Bestseller landeten. Neu an
der Debatte sind also nicht ihre Sachverhalte, neu ist die
Tatsache, dass diese die urbanen Mittelschichten ergriffen haben."
In
dem lesenswerten Sammelband
"Generationen"
behauptet der Kulturwissenschaftler
Kaspar MAASE,
dass wir im Zeitalter der postheroischen Generationen angelangt
seien.
Es
stellt sich also die Frage, ob die "Klasse" des Prekariats den
Generationendiskurs in Zukunft ganz erledigt oder ob sich die
Prekarisierten zu einer heroischen Generation zusammenfinden.
Bislang
deutet nicht viel darauf hin, dass entweder das eine oder das
andere zutreffend sein könnte.
Die Hackordnung der Prekarisierten
deutet eher darauf hin, dass sich eine neue Arbeitsordnung
entwickelt. Die urbanen Penner könnten zur neuen Mittelschicht
mutieren - analog zu den Bobos, den Kriegsgewinnler der
Alternativbewegung.
Wenn
Thomas GROSS die Debatte um die Prekarisierung mit der Neuen
Bürgerlichkeit verknüpft, dann ist da die
neue Unterschichtenliteratur
auch nicht weit.
-
APIN, Nina (2006): "Diskutieren wir lieber die Klassenfrage".
taz-Serie "Prekäre Leben"
(Teil 4): Inzwischen gilt es schon als schick, prekarisiert zu
leben, sagt Christiane Rösinger, Sängerin von Britta. Die Band singt
über die schwierigen Lebensverhältnisse von Künstlern - und
verarbeitet auch eigene Erfahrungen,
in: TAZ Berlin v. 04.07.
- Inhalt:
Christiane RÖSINGER kritisiert
die Debatte um die "urbanen Penner" und benennt die
Ungleichheiten innerhalb der
Gruppe der Prekarisierten:
"Auf
der neuen Britta-Platte
»Das
schöne Leben« stellt Ihre Band
die Frage: »Ist das noch Boheme
oder schon die neue Unterschicht?«
Wo verläuft denn die Grenze zur Armut?
Solange
man sich den Latte Macchiato noch leisten kann und abends den Sekt
auf Eis, kann man nicht von wirklicher Armut sprechen. Doch durch
die Finanzknappheit verschieben sich allmählich Grenzen, auch von
persönlichen Beziehungen: Man fährt nicht mehr in Urlaub, man
trennt sich von Freunden, die wesentlich mehr Geld haben.
Eigentlich können auch Beziehungen zwischen Armen und Reichen
nicht funktionieren.
Das
klingt jetzt aber schwer nach Klassenkampf.
Wenn
Akademiker und Kinder aus Mittelschichtsfamilien den Lebensstil
ihrer Eltern nicht mehr erreichen können, ist das ein
Mittelschichtsproblem. Das ist nicht vergleichbar mit einer
Hartz-IV-Familie, die kein Geld hat für Schulausflüge der Kinder.
Die »Generation Praktikum« wird irgendwann
ihren Platz in der Gesellschaft finden. Schon durch ihre Bildung
stehen ihnen viel mehr Chancen offen als einer Textilarbeiterin."
- Neu:
FRIEBE, Holm (2006): Wo kommt das alles plötzlich her?
Ironieverdacht? Verschwörungstheorien? In den vergangenen Tagen
konnte man einiges über die Berliner Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig
lesen. Vieles war Unsinn. Hier nun ein schonungsloser
Offenbarungstext über die wahren Hintergründe der Autorin und das
Geschäftsjahr 2006 der ZIA,
in: zitty v. 06.07.
- Inhalt:
Holm FRIEBE schildert die
Zentrale Intelligenz Agentur in der
Tradition der "Muße-Gesellschaft", die Bernd CILLOUX in dem Roman
"Das Geschäftsjahr 1968/69"
beschrieben hat:
"»Jeden
Tag gerieten wir aufs neue in kontroverse Debatten und vertieften aufs
neue das unendliche Thema von Sinn, Zweck und Zukunft der
Muße-Gesellschaft. Mit welchem Anspruch wollten wir demnächst
auftreten? Als Künstlergruppe, als elektrische Derwische mit dem Blitz
der Erleuchtung durch die Republik ziehen? Oder doch als Firma, als
kleines, seine wahren Absichten verschleierndes Unternehmen. Das hörte
sich schnöde an. Es musste noch etwas anderes geben.« Ich fühlte mich
and ie ZIA erinnert und hatte das Buch zu Weihnachten an alles engeren
Mitarbeiter verschenkt. Cailloux schrieb über uns, wenn er schrieb:
»Noch immer schwebte mir eine lose Gruppierung, eine Firma im
Schwebezustand vor, ein improvisierter, spielerischer Betrieb, ähnlich
dem einer Band als der Höchstform für Teams und aus der Lamäng
hingeschlackert - eine Firma als Tarnkappe auch bei der Suche nach
besseren Lebenszwecken.« Genauso musste es sein. Vielleicht hatte ich
es nur selbst noch nicht kapiert."
Zum
Schluss widerspricht FRIEBE noch - als Sprachrohr der digitalen Bohème
- der zukünftigen zitty-Chefredakteurin Mercedes BUNZ:
"Wenn
Mercedes Bunz im April in dieser Zeitung unter der Überschrift
»Meine Armut kotzt mich an« mehr ökonomischen Druck und
kommerzielle Auftraggeber für Berlin einfordert, damit die »urbanen
Penner« endlich Haltung annehmen und ans Geldverdienen herangeführt
werden, kann ich für die ZIA sagen, dass das Gegenteil richtig war:
Halbherzige Brotjobs knicken und sich ganz auf das konzentrieren, was
man selbst interessant findet. Es kommt darauf an, wie die
Programmierer-Legende Paul Graham im Essay »How to do what you love«
auf seiner Website schreibt, wieder mehr zu tun, was man liebt (...).
Die digitale Bohème verfügt über die technischen Produktionsmittel,
eigene Ideen umzusetzen und davon zu leben."
Der
zitty-Artikel bietet einen Vorgeschmack auf das im September
erscheinende Buch
"Wir nennen es Arbeit" von Holm FRIEBE und
Sascha LOBO.
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