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Kurzbiographie
- 1954 in
München geboren
- Studium der Medizin und
Geschichte
- 1983 Debütroman
"Irre"
- 1986 Essayband
"Hirn"
- 1999 Buch "Abfall für alle"
- 2008 Buch
"Klage"
- 2009 Buch
"Loslabern"
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Rainald Goetz in seiner
eigenen Schreibe
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- GOETZ, Rainald Maria
(1978):Der macht seinen Weg.
Privilegien. Anpassung. Widerstand,
in: Kursbuch Nr.54 Jugend,
Dezember
- GOETZ, Rainald (1981): Im Dickicht
des Lebendigen,
in: Spiegel Nr.43 v. 19.10.
-
GOETZ, Rainald (2005): Michel Houellebecq - Das Elend der Liebe.
Die Zeit sprach von "fundamentalistischem Phallokratismus", die
FAZ von „aufdringlicher Schamlosigkeit". Der neue Roman von Michel
Houellebecq, "Die Möglichkeit einer Insel", polarisiert. Auch der
Schriftsteller Rainald Goetz hat ihn gelesen – enthusiasmiert,
in: Cicero Nr.10, Oktober
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Rainald Goetz: Werkschau
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- WINKELS, Hubert (1991): Krieg der Zeichen.
Rainald Goetz und die Wiederkehr des Körpers. In:
Hubert Winkels (1991)
Einschnitte. Zur Literatur der 80er Jahre, Frankfurt a/M:
Suhrkamp, S.217-266
- MELLER, Marius
(2003): Er bot ihnen die Stirn.
Vor 20 Jahren schnitt sich der Schriftsteller Rainald Goetz in
Klagenfurt blutig - und wurde berühmt. Eine Werkschau,
in: Tagesspiegel v. 29.06.
-
BARTELS, Gerrit (2008): Flirrender Echtweltstaub.
25 Jahre pure Gegenwart: Rainald Goetz’ Roman "Irre" von 1983 und
sein aktueller Blog "Klage" - ein Mann, der auf mehreren Hochzeiten
gleichzeitig tanzt,
in: Tagesspiegel v. 20.06.
-
JELLEN, Reinhard (2008): Über Rainald Goetz (1),
in: junge Welt v. 29.11.
-
JELLEN, Reinhard (2008): Über Rainald Goetz (2),
in: junge Welt v. 06.12.
- JELLEN, Reinhard (2008): Über Rainald Goetz
(3),
in: junge Welt v. 13.12.
-
JELLEN, Reinhard (2008): Über Rainald Goetz (4),
in: junge Welt v. 20.12.
-
JELLEN, Reinhard (2008): Über Rainald Goetz (5),
in: junge Welt v. 24.12.
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Rainald Goetz: Gespräche und
Porträts
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Klappentext
"»In
einer Aufwallung von Direktheit und quasi sinnfreier
Intentionalität hatte der Höllor, die Arme von sich
werfend himmelwärts, ausgerufen: LOSLABERN: Traktat,
Traktat über den Tod, über Wahn, Sex und Text, und,
erheitert von diesem soeben so plötzlich und so
sinnlos durch ihn hindurchgefahrenen
Expressivitätsereignis: Bericht!, der Herbst 2008!,
dem davon dadurch Angestoßenen sofort stattgegeben
und es geschehen lassen, daß da also LOSGELABERT
würde …«
Beck wurde
rausgeschmissen am Schwielowsee, in Cern wurde der
Teilchenbeschleuniger angestellt, und nachdem Damien
Hirst in London seine Sensationsauktion glücklich
(111 Millionen Pfund Erlös) hinter sich gebracht
hatte, kollabierten noch am selben Tag in New York
die in die dortigen Feuchtbiotope und Felsen hinein
errichteten Banken: Lehman, Goldman, Partners und
Konsorten. Das Wort Rettungsschirm kam auf, die
Dinger wurden aufgespannt, die Kredite trotzdem
immer fauler. Kreditkrise, Staatskrise, Vertrauen
weg, Derivate angeblich hochspekulativ usw. Frage an
den Staat: Hast du mal ein paar Millliarden? Herr
Ackermann, Herr Mehdorn, der Schwarze Schwan im
Herbst 2008; September, Oktober, November. Ja: Wie
war das gleich noch mal gewesen? Wie hat sich das
angefühlt?
Loslabern erzählt in drei Kapiteln (1. Reise; 2.
Herbstempfang 2008; 3. Der Jüngling) verschiedene
Geschichten aus dieser grandios durchgeknallten
Zeit. Das Ende vom Anfang des neuen Jahrtausends war
plötzlich da."
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Das Buch in der Debatte
-
BERNARD, Andreas (2009): Die Welt der Seele.
Ist Rainald Goetz nur ein Pop-Poet? Nein, der Mann ist ein
Simultandolmetscher des Jetzt und unser letzter Romantiker. Sein neues
Buch heißt "Loslabern",
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.10.
-
STEINFELD, Thomas (2009): Der mitschreibende Mönch.
Die Buchmesse beginnt - Rainald Goetz sagt: "Loslabern".
Sein Buch erzählt von der Buchmesse 2008,
in: Süddeutsche Zeitung v. 14.10.
- RADISCH, Iris (2009):
Buchmessen-Ekel,
in: Die ZEIT Nr.43 v. 15.10.
-
KNIPPHALS, Dirk (2009): Im Exil der Gegenwart.
Loslabern: Rainald Goetz' neues Buch wirft einen
intensiven Blick auf die Nullerjahre. Nur ein Roman ist es
nicht,
in: TAZ v. 27.10.
-
RIECHELMANN, Cord (2009): Irre und Lücken,
in: Jungle World Nr.44 v. 29.10.
-
Neu:
MAGENAU, Jörg (2009): Vorwärts in den Irrsinn.
Unerschrocken begibt sich Rainald Goetz in seinem Buch "Loslabern"
ins Kampfgetümmel des Kulturbetriebs und an die Ränder der Macht.
Dabei verhält er sich als sensibler, sich selbst nicht schonender
Beobachter,
in: DeutschlandRadio v. 03.11.
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Klappentext
"Einer
eigenen, allgemeinen Programmschrift gegen die
Verzweiflung von Herbst 2006 folgend, trat KLAGE
Anfang Februar 2007 auf der Internetseite der
neu gegründeten Zeitschrift Vanity Fair als
aktuelles Weblog an und konkretisierte seine Themen
im ersten Eintrag folgendermaßen:
»Beim Heben
des Kopfes wird der Dunkelraum sichtbar, den ich in
letzter Zeit in verschiedene Richtungen hin
auszumessen versucht habe, notierte Kyritz,
vielleicht vergeblich.
1: Text; 2:
Politik; 3: Geschichte; 4: Liebe; 5: Familie; 6:
Justiz
Ein Gewitter
zieht auf. Kurze Zeit später setzte heftiger Regen
ein. Kyritz wollte hier eigentlich nur in Frieden
dasitzen, ohne an Leid und Tod erinnert zu werden.«
KLAGE
versuchte dabei, an einigen neueren Üblichkeiten der
Weblogs, speziell an der Ichfigur, eher
vorbeizugreifen, ohne jedoch ganz auf sie zu
verzichten. So ergab sich die Form des
Denkpartikels, der kurzen Argumenterzählung, der
polemischen Intervention, des eiligen Tagesgedichts
manchmal auch. Eine Form, wie man sie
eigentlich aus den Reflexionstagebüchern der
Tradition schon kennt. Für das Weblog KLAGE war der
Weg dorthin ein Experiment – das man im Buch KLAGE
jetzt nachvollziehen kann."
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Rezensionen
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HÜBENER, Thomas (2008): Rainald Goetz.
Vanity Fair als seismographische Registraturmaschine der
auf ihn einfließenden medialen, politischen und kulturellen
Reizströme: Seine vor zehn Jahren mit dem Prototyp des
literarischen Blogs, »Abfall für alle«, erlangte Reputation
als Chronist des bundesrepublikanischen Lebens hat Rainald
Goetz in siebzehn Monaten mit dem elektronischen Diarium
»Klage« untermauert. Weshalb sein Reflexionstagebuch so
wichtig ist und welche widerstreitenden Kräfte die
Goetz’sche Textproduktion befeuern,
in: Spex Nr.316, September/Oktober
-
SUNDERMEIER, Jörg (2008): Aktualität ist kein Wert an sich.
Rainald Goetz hat Blogs für Vanity Fair geschrieben,
jetzt gibt es die Sammlung "Klage" als Buch gedruckt,
in: Berliner Zeitung v. 15.10.
-
DIECKMANN, Dorothea (2008): Gegen die Verdummung der
Gesellschaft,
in: DeutschlandRadio v. 13.11.
- Infos zu:
Dorothea
Dieckmann - Autorin der Single-Generation
-
WULFF, Matthias (2008): Gefühl und Härte.
Der Blog des Schriftstellers Rainald Goetz ist als Buch
erschienen und hinterlässt die Frage: Ist Weltekel in Zeiten
des ohnehin rabiaten Tonfalls im Internet noch angebracht?
Natürlich ist er das. Aber nur, wenn er auch mit einem
Plädoyer für die Nettigkeit verwoben ist,
in: Welt am Sonntag v. 16.11.
-
FASTHUBER, Sebastian (2008): Brandauer ist der scheußlichste
Mensch,
in: Falter Nr.52 v. 24.12.
-
OPITZ, Michael (2009): Analysen und Verrisse,
in: DeutschlandRadio v. 15.01.
-
JURT, Pascal (2009): Weniger ich, mehr Hass.
Nach "Abfall für alle" erscheint auch der zweite Blog von
Rainald Goetz bei Suhrkamp als Buch. Seine "Klage" auf der
Website von Vanity Fair bot Beobachtungen und Beleidigungen,
Kunst und Kokolores,
in: Intro Nr.168, Februar
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Hirn (1986)
(Wiederveröffentlichung 2003)
Frankfurt a/M:
Suhrkamp
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Zitate:
Mode & Stil
"Mode ist das Gegenteil von Stil. Stil
ist die ununterbrochene, besessene, hochgeheime
Arbeit am Selbst. Diese Arbeit schließt alles ein,
von der Formung des Fleisches nach dem Willen, der
Entscheidung zu einem bestimmten Lebenstempo, einem
bestimmten Gang, der Auswahl eines letzten kleinen
scheinbar bedeutungslosen Accessoires, bis hin zur
entschlossenen Negation dieser Arbeit. Mode hingegen
ist ununterbrochenes Kleidung hervorbringendes
Gerede über die Arbeit am Selbst, die so extrem
narzißtisch ist, vorausgesetzt man hat tatsächlich
Stil, daß sie Gerede und Offenlegung nur schwer
erträgt. Deshalb ist Mode für die Erwachsenen und
Stil eine Sache der Jugend (...). Deshalb konnte
Paul Weller mit 18 als Musiker und Songschreiber von
natürlicher Klasse eine wunderbarer Heroe der
Modjugend sein und ist heute mit seinem endlosen
Gerede über Stil und dessen politische Bedeutung ein
aufs traurigste sich anbiedernder Volksschullehrer".
(S.72f.)
René Wellers
Lebensmotto
"René Weller nimmt sich, wie die Jungen immer,
unbekümmert um Altmännerdiagnosen, nach eigener
Façon die Welt. Wie sagt er doch so treffend: Wo ich
bin, ist oben, falls ich mal unten bin, ist unten
oben."
(S.80)
Eltern
"Deine Eltern hatten in ihrer Dummheit nichts
Häßlicheres und Kümmerlicheres zu tun, als ihrer
eigenen erbärmlichen Existenz einen Funken von Recht
zu geben, indem sie dich in die Welt gesetzt haben.
Den Dank, den sie dafür absurderweise ausgerechnet
von dir verlangen, stattest du ihnen am besten ab in
Form von solidem Haß. Haß macht sehend. (...).
Erbrich ihnen die Freiheiten, die sie dir geben
wollen, in ihr liberales Gesicht zurück, bis du ihre
Freiheitengeberherrschaft zerstört hast." (S.119)
"Nieder mit den Eltern. Nieder mit der Kleinfamilie,
Großfamilie, Liberalfamilie. Nieder mit dem stupiden
Kinderzeugen. Nieder mit den verwachsenen
Erwachsenen. Nieder mit dem Staat. Nieder mit dem
Frieden. Für Haß. Für Ausreißen. Für Denken und Haß."
(S.120)
Heiraten
"Geheiratet wird, wie die Fliegen, kein Mensch weiß,
warum, drängt die Frau zur Ehe, oder der Mann, oder
der Verkehr zwischen beiden, aus dem
Nachkommenschaft resultieren kann, ein Sohn, der
Wahnsinn, oder alles. Zur Ehe gehört Moral, zur
Moral der Verrat, zum Verrat die Lüge. Man hat mir
verheirateten Menschen zu tun, und es wird einem
ununterbrochen beteuert, das Gesetzt der Ehe, das
die Besitzansprüche des Menschen auf den Menschen
wünschenswert klar regelt, gelte denen nichts, die
sich doch freiwillig ihm unterstellt haben. Eheleute
sollen in Ehe leben, sie sollen Nichteheleute nicht
mit ihrer Ehe behelligen, die natürlich nur ein
einziges ununterbrochenes Ehebruchsbegehren ist.
Jede soll vernünftig wissen wollen, was er will, und
der Vernunft die Herrschaft zusprechen, und sich
dafür ruhig anschimpfen lassen als Moralist, denn
sein Handeln ist bestimmt von Vernunft, Gewissen,
Sitte, Gesetz. Und man kann sehen und es ist schön,
daß was bleibt und dauert nicht der Affärenplural
ist, sondern der eine Bund, der freiwillig betretene
Kerker des Zuzweit." (S.183f.)
Das
Hochkulturfeuilleton
"Ich bin zum Beispiel nicht verheiratet. Außer mit
Josef Quack, Professor Hinck, Lothar Baier, Heinrich
Vormweg, Karlheinz Kramberg und wie sie alle heißen,
die die Monogamie meines Archivs bevölkern. Das
Feuilleton der Hochkultur wird zu Unrecht verachtet.
Dem Fleißigen ist es ein gigantisch redseliges
auskunftswütiges Auskunftsbüro, ein herrliches,
unendlich wachsendes Lexikon, eine sagenhafte
Sammelstelle haltlosesten Überschwangs, denn jeder,
die Null und der Größte, plappert dort über die
göttlichesten Gegenstände vollkommen schamlos
entspannt darauf los, überzeugt, daß nichts
wurschter sei als die gestrige Zeitung. Gesammelt
über einen längeren Zeitraum hinweg stehen da gerade
von den vielschreibenden Gewohnheitsfeuilletonisten
der minderen Kategorie gigantische Monumente von
hirnlos anintellektualisiertem alltäglichem
Gebrabbel, die viel interessanter sind als die von
einer bösen Denunziationsabsicht in die Übertreibung
hinein ruinierten Flaubertschen
Literaturparadedummköpfe Bouvard und Pécuchet,
wirkliche Monumente von wirklichen Schreibern und
wirklich heroisch, weil sie im Wissen ihrer
Mittelmäßigkeit sich sicher an nichts mehr
überheben, weil sie alles, was sie zum Hochheben
anpacken, sicherheitshalber gleich gar nicht
anpacken, und so hoch heben. Und bei alledem so
schamlos offen, wie es das nur gibt bei denen, die
an Scham und Selbstentblößung gar nicht denken, weil
sie meinen, sie könnten etwas leisten, ohne sich
selbst dabei zu entblößen und so hin zu geben."
(S.184)
Inhaltsverzeichnis
Subito
Was ist ein Klassiker
Warum die Hose runter muß
Gewinner und Verlierer
Fleisch
Männer Fahren Abenteuer
Kerker
Neue Massen
Der Attentäter
Und Blut
Pressestimmen
"Der berühmteste Bachmanntext aller Zeiten ist »Subito«
von Rainald Goetz. Es geht dort um Diedrich
Diederichsen, der da »Neger Negersen« heißt und in
der Hamburger NDW-Bar Subito verkehrt, die auch im
Text so heißt. Goetz schneidet sich beim Lesen die
Stirn auf. Das dürfte er auch heute noch ungestraft
tun. Den Text dürfte er nicht mehr vortragen"
(Joachim Lottmann in der TAZ vom
05.07.2003)
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Rezensionen
- SCHULZE, Hartmut (1986):
"Eis, Unerbittlichkeit, Strenge, Zorn, Grazie".
"Krieg/Hirn" von Rainald Goetz,
in: Spiegel Nr.26 v. 23.06.
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Das Buch in der Debatte
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LOTTMANN, Joachim (2003): Nichts als die Wahrheit.
Ob Goethe, Goetz oder Biller: Literatur ist am besten,
wenn sie nah an der Wirklichkeit ist. Wenn sie aus Liebe
entsteht oder aus Wut im Bauch. Ein Plädoyer für Maxim
Billers verbotenen Roman "Esra",
in: TAZ v. 05.07.
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Klappentext
"Rainald Goetz schreibt in seinem
Roman über die Psychiatrie und einen Helden unserer Tage.
Wie weh tut der Irrsinn den Irren? Wie schlimm ist das
Arbeiten als Arzt in einer psychiatrischen Klinik? Wie geht
das Leben? Muß das wirklich so zerrissen und zerfetzt sein?"
Rainald Goetz und Michael
Rutschky
"Der
Schriftsteller Michael Rutschky, Jahrgang 1943, hat den
Medizinstudenten Rainald Goetz einige Jahre vor dem
Klagenfurter Auftritt kennen gelernt und seitdem gefördert.
In verschiedenen von Rutschky herausgegebenen
Suhrkamp-Bänden (»Errungenschaften« 1982, »1982. Ein
Jahresbericht« 1983 u.a.) sind Texte von Goetz enthalten,
die man allesamt als Vorstufen von »Subito« und »Irre«
verstehen kann. Rutschkys Projekt, in das er Rainald Goetz
einbezieht, ist eine »Ethnographie der Gegenwart«. Der
Literaturkritiker Hubert Winkels beschreibt die enge
Zusammenarbeit zwischen Rutschky und Goetz in seinem Buch
»Einschnitte. Zur Literatur der 80er Jahre«.
Irgendwann später muss es zum Bruch zwischen Goetz und
Rutschky gekommen sein. Die Ablösung von seinem Mentor
Rutschky klingt noch lange in Goetz’ Werk nach. Noch im
Internet-Tagebuch »Abfall für Alle» von 1998 wird Rutschky
ziemlich unappetitlich beschimpft.
Im Roman »Irre« gibt es gleich zu Anfang einen Abschnitt, in
dem Michael Rutschky auftritt. Dort ist er zwar noch ein
»neutraler, jedoch wohlgesonnener Beobachter«, aber eine
fundamentale Differenz wird bereits markiert. Der »wohlgesonnene
Beobachter« moniert an Raspes/Goetz’ Manuskripten den
Kunstcharakter: »Wen interessiert das, frage ich Sie, die
Kunscht, oder noch schlimmer, die Kunscht-Ambition...« Was
dagegen von Interesse sei, »ist Material, eine Ethnographie
unseres Alltags, die geduldig ist und genau, die von dem
Eingeständnis ausgeht, dass wir uns selbst die Wilden
geworden sind, da kann keiner weitermachen wie gestern mit
irgendeiner Kunscht, korrigiere mich, kann natürlich
weitermachen, aber interessiert eben nicht.« Jungautor Goetz
bleibt (damals noch) höflich. Was er vor hat, will er nicht
sagen, also sagt er: »Warten Sie es doch einfach ab.« (Im
Original kursiv.) Ethnographie der Gegenwart – so weit so
gut. Aber ohne Kunstcharakter? Goetz will in die genau
entgegengesetzte Richtung, er will rein in die Kunst, in die
Schrift, in ihre »Heiligkeit«. Warten Sie ab, bis »Irre«
fertig ist, warten Sie ab bis Klagenfurt."
(Marius Meller im Tagesspiegel vom
29.06.2003)
Pressestimmen
"Wie weiland Peter Handke in Princeton
mit seiner Beschimpfung der Gruppe 47, so war Rainald Goetz
nun mit seinem Klagenfurter Blutauftritt bekannt geworden.
Seinen ersten Roman kann eine Literaturredaktion jetzt nur
noch vorsätzlich ignorieren."
(Christian Schultz-Gerstein im Spiegel vom 26.09.1983)
"Der Krieg im Kopf bleibt, gerade weil
er draußen nicht stattfinden kann. Bleibt die Musik, die das
widerspiegelt, der Punk. Man tanzt, springt, fällt, trinkt.
»Run, run, this is confrontation street, run, run, there
ain't nothing her but heat.«
(...). Bilder tauchen
auf, auch von München, von der »wunderschön niedergeschlagenen
Szenerie des Schlachthof- und Großmarktviertels«. Bilder aus
Achternbusch-Filmen, die im Arena-Kino laufen, Achternbusch
selbst im Stadtmuseum. Am Ende wird sich alles auflösen".
(Hubert Filser in der Süddeutschen
Zeitung v. 14.09.2001)
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Rezensionen
- SCHULTZ-GERSTEIN, Christian
(1983): Der rasende Mitläufer,
in: Spiegel Nr.39 v. 26.09.
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Das Buch in der Debatte
- FILSER, Hubert (2001): Nichts
als raus aus der Stadt.
Stadtansichten (41): Rainald Goetz' "Irre" - ein Roman
über einen Menschen, der an sich und der Welt verzweifelt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 14.09.
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