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Roger Behrens: Teddie, der Punker & eine kritische Theorie der Popkultur

 
       
     
       
     
       
   

Roger Behrens in seiner eigenen Schreibe

 
   

BEHRENS, Roger (2000): Schon Hitchcocks Vögel zwitscherten synthetisch.
Wenn das Produktionsstudio zum Instrument wird: Neue Veröffentlichungen elektronischer Musik,
in: Berliner Zeitung v. 14.06.

BEHRENS, Roger (2003): Wissen als Design. Anmerkungen zum fortschreitenden Zerfall des Individuums am Ende der Arbeitsgesellschaft. In: Alexander Meschnig & Mathias Stuhr (Hg.) Arbeit als Lebensstil, Frankfurter a/M: Suhrkamp, S.133-146

Meschnig & Stuhr - Arbeit als Lebensstil

Neu:
BEHRENS, Roger (2006): Die Natur beißt zurück.
Von Kante gibt es ein neues Album. Diskurs und Rock kommen auf ihm nicht zu kurz,
in: Jungle World Nr.34 v. 23.08.

"Kante (...) bedienen (...) keine naivromantische Sehnsucht, keine Weltflucht, keine pseudoontologische Seinsvergessenheitslyrik; thematisch ist die von Kante skizzierte Tierwelt eine andere als die neuerlich etwa von Tocotronic oder Blumfeld angerufene. Vielmehr wird hier eine Natur profaner Erleuchtung beschrieben: Sie ist messianisch und materialistisch zugleich, und zwar genau in der Weise, wie das alltägliche Naturverhältnis sich heute allenthalben äußert", meint Roger BEHRENS zum Album Die Tiere sind unruhig von Kante.

 
       
   

Roger Behrens im Gespräch

 
   
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Die Diktatur der Angepassten (2003).
Texte zur kritischen Theorie der Popkultur
transcript Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Hinter der bunten und fröhlichen Fassade der spätkapitalistischen Popkultur herrscht eine »Diktatur der Angepassten«.
In diesem Essayband räumt Roger Behrens mit der Vorstellung auf, dass »Pop« eine subversive oder dissidente Strategie sei, und zeichnet stattdessen mit einer kritischen Theorie der Popkultur das Bild einer stillstehenden und langweiligen Kultur des Konformismus."

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Willkommen zu Hause. Prolog zur Diktatur der Angepassten

Stichworte zur Diktatur der Angepassten

Elemente des Konformismus

Hieroglyphen im Hohlraum der Kulturindustrie. Erkenntnistheorie, dialektische Bilder

Pop Mythos Pop. Zur Konstruktion von Subversion

"Regt Euch jetzt bitte nicht künstlich auf!" Anmerkungen zur Poplinken – Maxiversion & Remixe

Die Rückkehr der Kulturindustriethese als Dancefloorversion. Episode I

Schwierigkeiten einer Philosophie der Popkultur

Shoppen und Tanzen. Gegen den Technoremix der Cultural Studies

"Alles geht kaputt... und ich lach, ha, ha, ha!" – Humor in der Kulturindustrie

Versuch einer kritischen Theorie des Glücks

"Jede ist Expertin!" - Identität und Verweigerung in der Diktatur der Angepassten; notwendiger und möglicher Umbau der Welt

Zitate:

Die Poplinke und die besseren Partys

"Dass wir die besseren Parties haben, überzeugt ja nicht einmal mehr die größten Idioten in den eigenen Reihen.
Zudem: Die so genannte Pop- oder Kulturlinke glaubte als politischen Fehler der Linken die Politik selbst zu erkennen und meinte die Politik zugunsten der Popkultur verwerfen zu können. Schon als Konzept einer immanenten Kritik der Linken ist das fraglich (...). Darüber hinaus liegt der Kulturlinken der doppelt merkwürdige Befund zugrunde, wonach die traditionelle Linke keine adäquate Auseinandersetzung mit dem »kulturellen Feld« kannte, und die Politik sich dort einholen ließe, wo die Politik des Sozialen sich in Kultur auflöst - wenn alles Pop wird, dann ist poplinks auch politisch; und wenn Pop das Gemisch aus Party, Musik und Sex ist, dann proklamiert poplinks die besseren Parties, die bessere Musik, den besseren Sex. Diejenigen, die das als Konsens der Linken definiert haben wollten, nivellieren die Linke dadurch als Konkurrenzunternehmen zur Rechten, im Sinne der Attraktivität und des Identifikationsangebots für Jugendbewegungen. So betreibt man Jugendzentren, aber keine emanzipatorische Praxis. (...).
Auch die besseren Parties finden noch immer im Falschen statt; die Drohung des Exterminismus, das Zeitalter der Angst lässt sich nicht wegtanzen."  (S.136f)

Die Poplinke und der bessere Sex

"Die Kulturlinke kennt (...) keine politische Bewegung (also: das Desiderat der Theorie kippt hier in die fehlende Praxis). Ihr Adressat ist ein Publikum, das zunächst genauso konsumiert wie das Mainstreampublikum; auch poplinks verlangt man Unterhaltung und nicht Rechenschaft über Produktionsbedingungen. Man möchte Spaß und will sich wenigstens darüber freuen, dass der Spaß von links kommt. Das führt, über einen kleinen Umweg (...) zum besseren Sex: Die Kulturlinke versprach, dass die Warengesellschaft nur lustvoll abgeschafft werden kann; geeinigt hat man sich wohl darauf, dass diese Gesellschaft nicht abgeschafft zu werden braucht, solange sie ein bisschen »Sexyness« zulässt.
Es wird behauptet (...) in den (post-)modernen Formen der Massenkultur schaffe sich ein neuer, lustvoller Körper Raum: gegen die körperfeindliche Gesellschaft, die das Begehren und die Lüste aussperre, habe sich jenseits des Mainstreams Orte und Inseln der subversiven Körperpraxis gebildet". (S.141) 

Die Identitätspolitik der Poplinken

"Der Kulturbegriff der Linken, der globalen wie der antiglobalen, orientiert sich selbst am Authentischen, echten, an der Unmittelbarkeit. Darauf zielt das Scheinproblem der Identitätspolitik: In ihrem Nahmen werden Identitäten nicht neu bestimmt, aufgelöst, sondern gefestigt; und das häufig schon im naiven Gebrauch des Identitätsbegriffs. Mit der Kritik der Identität wurde schließlich das emanzipatorische Konzept von Subjektivität selbst über Bord geschmissen. In der linken Kulturpraxis wurde dies als scheinbarer Hedonismus propagiert, der aber nicht mehr bedeutete als die Ornamentalisierung und Ästhetisierung des eigenen (authentischen) Lebens; übrigens ein frühes Modell bürgerlicher Selbstbehauptung." (S.143f.)

Identitätspolitik contra Klassenpolitik

"Die Identitätspolitik einer radikalen Linken ist bestimmt durch das Experimentieren mit neuen Identitäten und die Verweigerung bestehender Identitätsmuster. Das ist vielleicht der wesentliche Unterschied zu einer Politik des Klassenbewusstseins, die nach dem Modell größtmöglicher Identifikation mit dem männlichen, weißen Arbeiterideal funktionierte." (S.255)

Die kritische Theorie der Popkultur als Ideologiekritik

"Eine kritische Theorie der Popkultur (...) entschlüsselt (...) Popkultur als sowohl überzeichneten als auch naiven Ausdruck des falschen Bewusstseins von falschen gesellschaftlichen Zuständen". (S.151)

 
     
 
       
   

Rezensionen

fehlen noch
 
       
   

Adorno-ABC (2003)
Leipzig:
Reclam

 
   
     
 

Klappentext

"Nachschlagewerk - Lektürehilfe - Geschichtenfundus.
Leben und Werk von Theodor W. Adorno (1903 - 1969) alphabetisch aufbereitet in Stichwörtern wie Amerika, Barbarei, Cool, Kulturindustrie, Negative Dialektik, Polizeieinsatz, Profitmotiv, Spießer, Tod, Utopie."

Zitat:

 Teddie, der Punker

"Amorbach Im Gastzimmer der Post von Amorbach im Odenwald, so erinnert sich Adorno an das Urlaubstädtchen, in dem er als junger Mann gelegentlich die Ferien verbrachte, hing an der Wand eine Gitarre. Was nun in diesem Gastzimmer passierte, war für den Jugendlichen eine einmaliges Erlebnis - für die Popkultur, vor allem für die Popmusik nach Adornos Tod, wurde es allerdings symptomatisch: Adorno, der nicht Gitarre spielen konnte, nahm das gute Stück von der Wand. Ohnehin fehlten dem Instrument »ein oder zwei« Seiten (bei sowieso nur sechs Saiten macht das schon einen Unterschied). Die restlichen Saiten waren »sehr verstimmt«. Adorno erinnert sich: »Ich konnte nicht Gitarre spielen, aber riß mit einem Griff alle Saiten zugleich an und ließ sie vibrieren, berauscht von der dunklen Dissonanz, wohl der ersten so vieltönigen, an die ich geriet, Jahre ehe ich eine Note von Schönberg kannte« (GS Bd. 10-1, S.306. Wahrscheinlich hat  Adorno eine solche Dissonanz nie wieder gehört. Musikgeschichtlich taucht sie stilprägend im Punk auf, bei Crass, aber auch bei den Sex Pistols. Anklänge gab es schon bei Velvet Underground, MC5, The Stooges oder Vanilla Fudge.
Adorno »fühlte den Wunsch: so müßte man komponieren, wie diese Gitarren klingen« (GS Bd. 10-1, S.306". Der Komponist Glenn Branca und Sonic Youth sind diesem Wunsch gefolgt.
Das alles in der kleinen Post in Amorbach - und im Amorbach einer besseren Welt müsste wohl ein Schild aus Messing unter diesem Instrument hängen: »Mit dieser Gitarre hat Theodor 'Teddy' Adorno die Musik erfunden, die für die Menschen zum Symbol des Widerstands wurde. Mit ihren dunklen Dissonanzen haben wir die freie Gesellschaft erstritten.«"

 
     
 
       
   

Rezensionen

  • MICHEL, Sascha (2003): M wie Mückenkuchen.
    Roger Behrens' Alphabet des Adornitischen Denkens,
    in: Frankfurter Rundschau v. 06.08.

    • KAUBE, Jürgen (2003): Wer A sagt, muß auch ABC sagen.
      Adorno im Wörterbuch,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.08.

Die "Nähe der Philosophie Adornos zu Lebensmotiven Heranwachsender hat seine Rezeption empfindlich für Veränderungen der Jugendwelt gemacht. Das vorliegende Buch (...) ist ein hierfür geradezu drastisches Dokument",

meint Jürgen KAUBE. Pedantisch weist der Feuilleton-Revoluzzer dem Poptheoretiker Roger BEHRENS Stil- und Sachfehler bei seinem Adorno-ABC nach, aber am meisten stört ihn, dass BEHRENS nicht ADORNO als Angehörigen des Niveaumilieus herausarbeitet, sondern ADORNO popkulturell für das Integrationsmilieus vereinnahmt. Das bringt BEHRENS das Verdikt "Beitrag zum vollendeten Verblödungszusammenhang" ein, was die Zielgruppe von BEHRENS keineswegs zu stören braucht.

Angehörige des Niveaumilieus bedient die FAZ auf der gleichen Seite mit niveaumilieumäßig korrekten Werken. Und der heutige SPIEGEL lässt aus dem Leben von ADORNO plaudern.

 
   

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Update: 09. April 2015