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Tobias Rapp: Lost and Sound

 
       
   
  • Kurzbiographie

 
       
     
       
   

Tobias Rapp in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

BLÜMNER, Heike & Tobias RAPP (1997): Lieber einen "walk on the wild side" riskieren, als sich auf der sicheren Seite zu langweilen,
in: TAZ v. 12.02.

"Wir waren Hausbesetzer und haben selber eine Zeitschrift herausgegeben. Wir haben Politologie und Philosophie studiert und ein Praktikum bei der Ausländerbeauftragten gemacht. Nebenbei haben wir unseren Unterhalt damit verdient, alte Leute zu versorgen und uns um alkoholkranke Sozialhilfeempfänger gekümmert.
Doch statt uns mit Parteisitzungen den Abend zu vermiesen, gehen wir lieber in Techno-Klubs. Statt Flugblätter zu verfassen, legen wir lieber Platten auf",

bekennen BLÜMNER & RAPP und begründen, warum ihnen politische Institutionen gestohlen bleiben können. 

RAPP, Tobias (1997): Wer will in die Hauptstadt?
Wird Berlin unattraktiver? Der Zuzug jüngerer Menschen hat nachgelassen. Für wehrdienstfähige Männer gibt es keinen Grund mehr zu kommen,
in: TAZ v. 02.05.

"Von der APO in den Sechzigern bis zu den Hausbesetzungen in den Achtzigern übte Berlin eine besondere Anziehungskraft aus. (...). Kreuzberg bedeutete immer mehr als nur »Szeneviertel«.
            
In den Neunzigern scheint sich dies fortzusetzen. Die »Clubs in Mitte« oder die »Prenzlauer-Berg- Szene« üben auf junge Leute scheinbar immer noch eine Anziehungskraft aus, die Ofenheizung und Außenklo als Zeichen von Urbanität begehrenswert machen. (...).
            
Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache", meint Tobias RAPP.

RAPP, Tobias (1998): Massenboheme auf E.
Werden wir noch einmal so aufgeregt sein? Der Musikkritiker Simon Reynolds über Parallelen zwischen Rock- und Rave-Kultur und die Bedeutung von Drogenzyklen, den männlichen Kriegerkörper im Hardcore und die politis,
in: TAZ v. 04.09.

RAPP, Tobias (1999): The body is the message.
Wie die Ästhetik von heute zur Ethik von morgen wird: Gabriele Klein stellt in ihrem Buch "Electronic Vibration" den Körper ins Zentrum ihrer Poptheorie,
in: TAZ v. 14.05.

"Ulf Poschardts »DJ-Culture« war eines der ersten Bücher, das die elektronische Musik zum Sprechen brachte und ihr im Vorbeigehen gleich noch eine Geschichte verpaßte - wenn auch im philosophischen Schlußteil hanebüchener Unfug zusammengequirlt wurde und nach einigen poststrukturalistischen Umwegen zu guter Letzt der Weltgeist in der Love Parade zu sich selbst fand. Nun legt der gleiche Verlag mit Gabriele Kleins »Electronic Vibration« die ideelle Fortsetzung von »DJ-Culture« nach. Mit einigen kleinen Unterschieden. Anders als Poschardts Buch verzichtet »Electronic Vibration« fast völlig auf Geschichtsschreibung. Und ebenfalls anders als Poschardt sind Gabriele Kleins Überlegungen auch stimmig. Dafür ist es auch weit weniger aufregend", meint Tobias RAPP zum Buch Electronic Vibration von Gabriele KLEIN.

RAPP, Tobias (1999): Der Individualhubschrauber in Mitte.
Hier wurde der Spätneunziger-Chic kreiert: Die Einrichtung im WMF führt die unterschiedlichsten Fraktionen hipper Trinker der Stadt zusammen. Seit zwei Jahren ist der Club in der Johannisstraße,
in: TAZ v. 15.12.

RAPP, Tobias (2004): Strategische Dummheit.
Der wirklich allerletzte Beweis für das ultimative Ende der Poplinken: Mieze und ihre Band Mia besingen auf ihrem neuen Album "Stille Post" vor allem Gefühle, die einen in ihrer vollen politischen Naivität aber mit einer gewissen Wahrhaftigkeit anlachen,
in: TAZ v. 13.03.

Tobias RAPP behauptet, dass mit der Band Mia die Poplinke an ihr Ende gelangt sei. Tatsächlich ist jedoch die Poplinke schon lange nur noch eine Sekte gewesen. Sie hat es nur nicht bemerkt! In Großstadt-Ghettos konnte sie sich noch lang genug selbst feiern, aber so mancher feiert jetzt nur noch sein Geschichtsgefühl. Andere träumen sich dagegen zur "ewigen Zielgruppe".

Wenn Mia das nun ans Licht bringt, dann hat das ja etwas Gutes: Selbsterkenntnis kann bekanntlich der Anfang einer wunderbaren Geschichte sein. RAPP ist jedoch noch nicht so weit! Im aktuellen Heft von Ästhetik & Kommunikation, das sich pikanterweise mit dem Geschichtsgefühl befasst, wird u.a. die Zeitschrift Spex - also das ehemals zeitgeistige Zentralorgan der Poplinken - historisiert. Bekanntlich geschieht so etwas erst, wenn der Verwesungsgeruch schon deutlich riechbar ist...

RAPP, Tobias (2004): Da liegt der strand.
Lebensstandort Deutschland (2): In wunderbarer und weltbekannter vielfalt trotzt die berliner nischenkultur seit jeher allen unbilden. Mittlerweile auch an beiden spreeufern,
in: TAZ v. 12.08.

"Alle finden Berlin toll. Weil es hier so frei ist. Weil alle so creative sind. Weil man tun kann, was man will. Weil alle so dedicated zu ihrer work sind. Wobei work eben die arbeit am kunstwerk des eigenen lebens ist.
             Doch dann blickt man sich um, schaut sich etwa an, wie man das letzte wochenende zugebracht hat, und muss feststellen: sie haben recht. Die weltberühmte berliner nischenkultur lebt und gedeiht. Da sitzt man etwa den ganzen samstagnachmittag in einer der zahllosen neuen strandbars an der Spree herum. In der nähe des s-bahnhofs Jannowitzbrücke gelegen, eingeklemmt zwischen dem Deutschen Zentrum für Architektur und jener industrieruine, die vor vielen jahren einmal den plant beherbergte, eine der keimzellen des berliner technonachtlebens, im unterschied zu anderen clubs bis heute unvergessen, weil Wolfgang Tillmans dort mal seine kamera in die sonntägliche morgensonne hielt", meint Tobias RAPP

RAPP, Tobias (2005): Zerreißen und neu starten.
Hinweg mit dem alten Rockkanon, hier kommt der neue! Der britische Musikjournalist Simon Reynolds erzählt mit "Rip It Up And Start Again" die Geschichte des Postpunk der Jahre 1978-84,
in: TAZ v. 20.05.

RAPP, Tobias (2005): Nihilisten auf Abenteuerurlaub.
Tina Uebel: Horror Vacui,
in: DeutschlandRadio. Sendung v. 24.05.

RAPP, Tobias (2005): Ein Blitzgerät als Symbol.
Bernd Cailloux: "Das Geschäftsjahr 1968/69",
in: DeutschlandRadio v. 05.07.

RAPP, Tobias (2005): Die Verhältnisse sprechen wieder.
Lange war die Popmusik in Deutschland politisch nicht mehr so interessant wie heute: Im Infantilitätspop artikuliert eine junge Mittelschicht ihre Sehnsucht nach einem beschützten Leben jenseits der Unbill gesellschaftlicher Konflikte. Im aggressiven HipHop boxt sich eine urbane Unterschicht durch eine als kalt empfundene Welt. Und die Linke sorgt sich um die Nation,
in: TAZ v. 14.09.

Tobias RAPP denkt angesichts Ulf POSCHARDTs Artikel in der ZEIT über Pop, Politik und die Poplinke nach.

RAPP, Tobias (2005): Lass uns nicht über Spex reden.
Wer hat die Hegemonie im Popdiskurs? Ulf Poschardt wirft Diedrich Diederichsen Realitätsverlust vor, Dietmar Dath wünscht der Popkulturlinken den Weltbürgerkrieg an den Hals. In der Popkritik tobt ein Erbfolgekrieg um die Hinterlassenschaft der "Spex" und die Definitionsmacht darüber, was real ist,
in: TAZ v. 15.11.

Tobias RAPP zeichnet nochmals die POSCHARDT-Debatte nach, wobei er noch Dietmar DATH und seinen Roman Für immer Honig mit einbezieht. Im Roman von Dietmar DATH zettelt eine "Gruppe von mathematisch und leninistisch geschulten Übermenschen einen Weltbürgerkrieg an". RAPP zeigt die poplinken Verflechtungen auf, die zwischen Diedrich DIEDERICHSEN, Ulf POSCHARDT und Dietmar DATH bestanden, um seine Vatermord-These zu belegen:

"Diederichsen (...) war der Gutachter von Poschardts Doktorarbeit, die unter dem Titel »DJ-Culture« dann das Buch wurde, das ihm einige Türen öffnete. Dath war der letzte Spex-Chef bevor das Magazin verkauft wurde - Diederichsen war damals einer der Herausgeber."

DIEDERICHSEN wird von RAPP als "Lobbyist hinter den Kulissen" dargestellt, der das wahre Erbe der Musikzeitschrift Spex weiterpflegt:

"seine Behauptungen und ästhetischen Richtungsangaben konnten ihre Kraft auch deshalb entfalten, weil er niemals müde wird, sie als Lobbyist hinter den Kulissen durchzusetzen. Er mag nicht der einzige gewesen sein, der in der Jury saß, die die Bundeskulturstiftung bei der Vergabe ihrer Gelder beriet, doch es gab Partys linker Kulturschaffender in den letzten Jahren, wo die Zahl derjenigen, die ihre Miete direkt oder indirekt von der Bundeskulturstiftung bezahlt bekamen, locker die Zahl überwog, die sich anderswo ausbeuten. Umso abstruser natürlich Poschardts Vorwurf, Diederichsen hätte die Verbindung zur Realität verloren. Dies ist Realpolitik."

Vor diesem Hintergrund erscheint die POSCHARDT-Debatte dann als

"Erbfolgekrieg um die Hinterlassenschaften der Spex (...). Es geht um kulturelle Hegemonie. Und der, der über sie bestimmt, darf sagen, was real ist."

RAPP, Tobias & Arno FRANK (2006): Die neue Blumfeld.
Diese Woche erscheint "Verbotene Früchte", von manchen ersehnt, von anderen gefürchtet. Fest steht: An Blumfeld scheiden sich die Geister,
in: TAZ v. 25.04.

RAPP, Tobias (2007): An der Denkschranke.
Abrechnen mit den poplinken Kulturpessimisten der 90er-Jahre? Oder die weitere Zersplitterung der Musikindustrie beschreiben? Die neue "Spex" ist da - und schon geht der Streit um das Erbe weiter,
in: TAZ v. 02.03.

RAPP, Tobias (2007): Vorbereitungen zu Elivs' Krönung.
Vor 30 Jahren starb Elvis Presley. Pophistoriker Jon Savage erzählt in einem Buch, wie das Subjekt entstand, das ihm Weltruhm brachte: der Teenager,
in: TAZ v. 16.08.

RAPP, Tobias (2008): Vom Jungen zum Mann.
in: DeutschlandRadio v. 05.02.

Rezension des Buches Slam von Nick HORNBY.

RAPP, Tobias (2008): Auch das noch - die Avantgarde verlässt Berlin.
Die Tage Berlins als europäische Hipness-Hauptstadt sind gezählt. DJ Fetisch ist weg und dem "FAS"-Feuilleton geht's auch nicht so gut,
in: TAZ v. 18.09.

RAPP, Tobias (2008): Wie Herr Lehmann nach Berlin kam,
in: DeutschlandRadio v. 23.09.

Rezension des Buches "Der kleine Bruder" von Sven REGENER.

RAPP, Tobias (2008): Die dümmste Jugendkultur.
In Berlin randalierten junge Punks in der Universität für "mehr Bildung" - und demonstrierten damit, wie sehr diese Jugendbewegung inzwischen auf den Hund gekommen ist,
in:
TAZ v. 14.11.

RAPP, Tobias (2010): Das Wunderkind der Boheme.
Die Schülerin Helene Hegemann ist erst 17 und lebt in Berlin. In ihrem ersten Roman erzählt sie, wie schwer jungen Menschen die Rebellion fällt, wenn schon die Eltern Rebellen sind,
in: Spiegel Nr.3 v. 18.01.

Tobias RAPP porträtiert Helene HEGEMANN und beschreibt die Intention des Romans Axolotl Rodkill, das vom "linksresignativen Milieu der Kulturschaffenden" handelt, in dem jugendliche Rebellion schwer ist. Nicht auf den Plot komme es an, sondern auf die Atmosphäre des Romans. Dass der Roman auch im Technoclub Berghain spielt, hält RAPP nicht für erwähnenswert.

RAPP, Tobias (2012): Hackescher Markt, Trucker-Mütze, Tourist. Der Berliner Hipster in drei Begriffen. In: Mark Greif u. a. (Hrsg): Hipster - eine transatlantische Debatte, Berlin: Suhrkamp Verlag

JUNGLE WORLD-Thema: Hangover in Berlin.
Das angebliche Ende des Berlin Booms

RAPP, Tobias (2014): Hype und Hysterie.
Nach zwei Verrissen der Berliner Techno-Diskothek Berghain im amerikanischen Rolling Stone und der New York Times behauptete Ende Februar das New Yorker Blog »Gawker«, der globale Berlin-Boom sei endgültig vorbei. Die Debatte hat auch die deutschen Feuilletons und die Berliner Stadtmedien ergriffen. Das könnte Folgen haben,
in: Jungle World Nr.13
v. 27.03.

Neu:
RAPP, Tobias (2016): Systemische Blindheit.
Über das drohende Ende unserer liberalen Schönwetterveranstaltung,
in:
Spiegel Nr.46 v. 12.11.

"Kaum ein Meinungsforschungsinstitut hat seinen Sieg vorausgesehen, die überwältigende Mehrheit hat eine Wahlempfehlung gegen Trump ausgesprochen. Wenn eine Gesellschaft das, was sein sollte, mit dem verwechselt, was ist, gibt es ein Problem. Das ist kein Irrtum mehr. Das ist systemische Blindheit",

schreibt Tobials RAPP als Vertreter der Poplinken bzw. kulturellen Linken. Für RAPP ist die Gesellschaft identisch mit den Eliten, denn nur diese kleine elitäre Gruppe der oberen Mittelschicht und Oberschicht - und nicht etwa die gesellschaftliche Mehrheit - votierte für ein Weiter-So des US-amerikanischen Establishments. RAPP beschreibt uns dieses Milieu folgendermaßen:

"Es sind die Leute, die Straßen und Häuser planen. Die das Fernsehprogramm bestimmen. Die in den Thinktanks sitzen, wo über die Zukunft der Menschheit nachgedacht wird, in den Instituten der renommierten Universitäten. Die neue Computersoftware konstruieren und auf den Markt bringen. Es sind die Leute, die die großen Vermögen verwalten, und die, denen diese Vermögen gehören. Kurz: die liberale Elite Amerikas."

Das profitierende Anhängsel dieser Reichen sind Journalisten wie RAPP:

"Aber vieles, woran sie glauben, wird auch von ihrem weiteren Umfeld geteilt. Den Medienschaffenden, den Bewohnern der gentrizierten Innenstadtviertel, den Agenturbetreibern, den Kreativen - in den USA genauso wie in Deutschland.
Es sind die Guten. Zumindest in ihrem Selbstverständnis."

Bereits diese Sicht zeigt, dass RAPP keinen Riss innerhalb der Eliten erkennen will, sondern, den Graben allein zwischen Globalisierungsgewinnern und -verlierern in den westlichen Industriestaaten zieht. Diese Sicht der Polarisierung ist Teil der Blindheit.

Es muss einem doch sehr verwundern, wenn uns RAPP mit dem herrschaftsfreien Diskurs kommt. Das war Anfang der 1980er Jahre als HABERMAS seine Theorie des kommunikativen Handels vorstellte. Die Poplinke machte es sich in ihrer Blase bequem und wurde höchstens Anfang der 1990er Jahre kurz aus ihrer Traumwelt aufgeschreckt als Popmusik von den Rechten als kulturelles Kampffeld entdeckt wurde. Freiheit macht arm schrieb ihr Guru Diedrich DIEDERICHSEN. An dessen Karriere lässt sich der lange Marsch der Poplinken ins Establishment ablesen. Inzwischen gehört DIEDERICHSEN zu den Popverwaltern. Indiepop ist Teil des Establishments geworden.

RAPP verwischt herrschaftsfreien Diskurs mit demokratischem Konsens. Das fiel nicht auf solange am Diskurs nur die neuen sozialen Bewegungen als kommende Eliten teilnahmen. Mit dem Niedergang der neuen sozialen Bewegungen in den 1990er Jahren und der Spaltung der Mitglieder in besitzstandswahrende Eliten und Rückzug ins Private ist auch der herrschaftsfreie Diskurs obsolet geworden. Er wurde ersetzt durch das, was der britische Soziologe Nikolas ROSE durch die neue Herrschaftsform des Regierens durch Communities beschrieben hat. Seinen Höhepunkt fand diese Form in der deutschen Hartz-Gesellschaft Mitte der Nuller Jahre. Nicht Augenhöhe, sondern Druck heißt seitdem die Devise. Damit einhergehend verschob sich die Machtbalance. Was RAPP jetzt beklagt, das hat sich seit Anfang der 1990er Jahre erst schleichend entwickelt und ist spätestens mit Rot-Grün offensichtlich geworden. Rot-Schwarz hat das seitdem nur noch verwaltet. Die Präsidentschaft von TRUMP in den USA war kein Schockereignis, sondern nur ein weiteres Mosaiksteinchen in einem lang andauernden Prozess. Wenn jetzt die Poplinke als Teil dieses Systems aus ihrer Wolke fällt, dann ist das eher ein Zeichen dafür, dass sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat.

"Stehen sich die Parteien so unversöhnlich gegenüber, dann kann aus der Rhetorik des Ausschließens die Logik des Bürgerkriegs erwachsen",

beschwört RAPP nun eine Situation, die Anfang des Jahrtausends noch eine Sache der neuen Reaktionäre in Deutschland war. Zu keinen Kompromissen ist eher die Lifestylelinke zu bereit, denn sie hat viel zu verlieren: ihre Besitzstände, auf denen sie sich ausruhen wollte, sind nun bedroht durch Menschen, die sie verachten. Selbstkritik ist ihnen fremd. Es ist bequem diejenigen, die sich von den Errungenschaften der Lifestyle-Elite nichts mehr erwarten auszugrenzen. Schließlich glaubte man ja den Kultursektor zu beherrschen. Die Türsteher des "juste milieu" sehen nun, dass gar niemand mehr in ihren Salon will. Der Salon leert sich, denn längst wechseln auch in Deutschland ehemalige Linke die Seite. Das ist nicht einfach den Erfolgen der Rechten anzulasten, sondern der Ignoranz einer Lifestyle-Linken, die sich sicher fühlte. Nun lernt auch die Lifestyle-Linke, was Unsicherheit heißt und entdeckt den demografischen Wandel als Problem:

"Im Einwanderungsland USA zeichnet sich das Ende der weißen Vorherrschaft ab, in vielen Städten gibt es keine weiße Mehrheit mehr. Auch in Europa vollzieht sich der demografische Wandel. (...). Dummerweise stecken wir mittendrin."

So lange die Poplinke die neue soziale Frage ignoriert, ist von ihr nichts zu erwarten als solch wehleidiges Gejammere.

 
       
   

Tobias Rapp im Gespräch

 
       
   

KITTEL, Sören (2009): "Berlin ist ein Sehnsuchtsort".
Der Journalist Tobias Rapp ist intimer Kenner der Berliner Clubs und Szene. Heute stellt er in Berlin (20.30 Uhr, Buchhandlung "Pro qm" in Mitte) sein Buch über den Berliner Ausgehbetrieb vor: "Lost and Sound - Berlin, Techno und der Easyjetset". Im Gespräch  erzählt er, warum Berlin ein Ziel für das junge Europa geworden ist,
in:
Berliner Morgenpost v. 27.02.

MÜLLER, Kai (2009): Die neuen Tempel des Techno.
Techno, das war einmal, heißt es. Aber falsch: Autor Tobias Rapp hat ein Buch über den neuen Berliner Underground, Easyjetset und Rave-Touristen geschrieben. Die Szene war noch nie so lebhaft wie heute, sagt er. Ein Gespräch,
in: Tagess
piegel v. 03.03.

 
       
   

Lost and Sound (2009).
Berlin, Techno und der Easyjet
Frankfurt a/M: Suhrkamp

 
   
     
 

Klappentext

"Techno ist tot, zumindest offiziell. In Wirklichkeit waren elektronische Musik und die nächtliche Subkultur des Ausgehens – jenseits von sozialen Utopien und Love Parade – nie kreativer und interessanter als heute. Und nie so an einem Ort konzentriert: Jedes Wochenende bevölkern junge Leute aus ganz Europa ein paar Kilometer am Berliner Spreeufer; sie kommen mit Billigfliegern und bleiben nicht selten, bis die letzte After Hour nach Tagen fast wieder ins nächste Wochenende mündet ...

Tobias Rapp, Musikredakteur der taz und ein intimer Kenner der Szene, porträtiert die faszinierendste, exzessivste und insgeheim einflußreichste Hauptstadtkultur und ihre Protagonisten: Tänzer und DJs, Musikproduzenten und Stadtplaner."

Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Berlin, Techno

Die Woche beginnt: der Mittwoch

Wie eine Clubmeile entsteht

Clubmiles & More
Dieser Club braucht kein Schild
Schwimmen in der MediaSpree
Die Hedonistische Internationale marschiert
Im Zentrum der Szene
Wirtschaftsfaktor Feiern
Wir feiern, wo wir sind
What we gonna do right here is go back
Auferstanden in einer Ruine
Zurück zum Beton

So viele Sprachen hier ... der Donnerstag

Der Easyjetset und die neue europäische Clubgeografie

Das Techno-Hostel
Ein Gespräch mit einem Hostelphilosophen
Der Easyjet-DJ
Wo ist zu Hause, Techno?
Der Mittwochsmann
Bitte gehen Sie auf null, Bang Bang Berlin

Das Berliner Nachtleben ruht auf vier Säulen: der Freitag

Der Ricardo

Samba to Rave
Der Traum vom idealen Club

Das Berghain, die Mitte der Welt (Alexis Waltz)

Techno kann so sexy sein
Kleiner historischer Exkurs: das Ostgut, wo alles begann
Eastside-Killer, Westside-Killer
Nach Techno kommt mehr Techno

Schlange stehen. Ins Berghain gehen. Nie wieder nach Hause wollen. Der Samstag

Das sanfte Glück des posteuphorischen High: der Sonntag

72 Hour Party People. Die Bar 25

Wo wir herkommen, was wir wollen
Wir nennen es nicht Arbeit
Ich bin ein Zirkuskind
Hinter den Plattenspielern sind alle gleich
Eine halbe Tonne Konfetti

Wir treffen uns in der Restrealität

Strukturwandel der Rave-Öffentlichkeit
Die Sehnsuchtskulturen des Pop

Berlin abroad

Europäische Netzwerke

Feiern, bis die Haare leuchten: der Montag

Ravemutter, Ravetochter (Interview Anton Waldt)

Die große Techno-Klötzchenschieberei

Künstler, Ingenieur, Philosoph, Euphoriker
Der will nur spielen
Kleiner subjektphilosophischer Exkurs: Wer macht eigentlich Techno?
Die Legosteine der Musik
Wie ein Schweizer Taschenmesser
Kann ein Programm zu einfach sein?

Wir verkaufen Geschmack

Innervisions
DJ-Gigs sind die Handtaschen des Musikgeschäfts

Zurück auf Start: Der Mittwoch (Reprise)

Zwanzig Platten: eine kleine Geschichte des Berliner Sounds der nuller Jahre

Ricardo Villalobos: »Alcachofa« (Playhouse, 2003)
Luciano: »Orange Mistake« (Cadenza, 2003)
Sleeparchive: »Elephant Island« (Sleeparchive 2004)
Nathan Fake: »The Sky Was Pink«, Holden Remix (Border Community, 2004)
John Tejada: "Sweat On The Walls" (Poker Flat, 2004)
Booka Shade: »Mandarine Girl« (Get Physical, 2005)
Ame: »Rej« (Innervisions, 2005)
Troy Pierce: »Horse Nation« (m_nus, 2005)
Theo Parrish: »Falling Up«, Carl Craig Remix (Third Ear, 2006)
Rhythm & Sound: »Free For All«, Soundstream Remix (Burial Mix, 2006)
Samim & Michal: »Exercize« (Freizeitglauben, 2007)
Dettmann/Klock: »Dawning/Dead Man Watches The Clock« (Ostgut Tonträger, 2006)
Ricardo Villalobos: »Fizheuer Zieheuer« (Playhouse, 2006)
Efdemin: "Just A Track" (Dial, 2007)
Mari Boine: »Voui Voui Me« Henrik Schwarz Remix (Universal Jazz, 2007)
Matt John: »Olga Dancekowski« (Bar 25, 2007)
Radio Slave: »No Sleep Part 4« (Rekids, 2008)
DJ Koze: »I Want To Sleep« (IRR, 2008)
Portable: »Knowone Can Take Away« (Perlon, 2008)     

 
     
 
       
   

Vorabdrucke

RAPP, Tobias (2009): Die Clubmeile.
Mitten in Berlin ist eine neue Ausgehzone entstanden, die jedes Wochenende tausende Feierwütige aus aller Welt anzieht. Dieses Partygeschehen produziert einen neuen Berlin-Mythos, ist aber auch längst zum Wirtschaftsfaktor geworden. Trotzdem haben viele Clubs keine Zukunft, weil auch Stadtplaner und Investoren die Gegend neu erfinden wollen. Der folgende Text ist ein exklusiver Vorabdruck eines Kapitels aus dem Buch "Lost and Sound - Berlin, Techno und der Easyjet" von Tobias Rapp, das im Februar im Suhrkamp-Verlag erscheint,
in: de:bug 129, Januar/Februar

RAPP, Tobias (2009): Bar 25.
Immer alles haben, alles machen, alles sein,
in: Groove, Januar/Februar

RAPP, Tobias (2009): Nie wieder nach Hause.
Über das Schreckensregime des Türstehers, Rave und Religion, die steigende Euphoriekurve, das Drinnen und das Draußen und das ewige Halbdunkel des Morgengrauens. Ein Samstag im Tempel des Techno, dem Berghain,
in: Jungle World Nr.7 v. 12.02.

RAPP, Tobias (2009): Der Easyjetset fliegt auf diese Stadt.
Jedes Wochenende kommen Techno-Touristen nach Berlin, um in den Clubs zu feiern. Wie die Billigflieger die Ausgehkultur umwälzen und warum ohne sie jeder dritte Laden schließen müsste,
in:
TAZ v. 20.02.

 
       
   

Rezension von single-generation.de

Berlin, Techno und der Easyjetset. Oder wie Techno zur einflussreichsten Hauptstadtkultur geworden ist
Das lesenswerte Buch von Tobias Rapp zeichnet ein facettenreiches Bild von Berlin als Welthauptstadt des Techno

 
       
   

Rezensionen

OEHMEN, Xaver (2009): Lost and Sound.
Das Glück in vielen Dimensionen
in: Groove, Januar/Februar

VENKER, Thomas (2009): Feiern, gestern, heute,
in: Intro Nr.168, Februar

DAGAN, Miriam (2009): Easyjetsetter ersetzt Backpacker.
Durch die Nacht mit Tobias Rapp: In einer mit Interviews und theoretischen Schlussfolgerungen angereicherten Erzählung lebt die Geschichte Techno-Berlins auf,
in: Spex Nr.319, März/April

KRÖGER, Martin (2009): Feierhauptstadt des Globus.
Tobias Rapp hat ein Buch über Techno und Berlin geschrieben – eine prima Idee,
in: Neues Deutschland v. 09.04.

DENK, Felix (2009): Superhelden der Schlaflosigkeit.
Zeitgeist, verdichtet: Was wurde eigentlich aus Techno? Tobias Rapp sucht in Berliner Hinterhöfen, Heizkraftwerken und Holzverschlägen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.04.

OBKIRCHER, Florian (2009): Ickarus stürzt ab.
Katerstimmung in der Klapse,
in: Falter Nr.17 v. 22.04.

LOICHINGER, Stephan (2009): Berlins Technoszene.
Zeitverschwendung im großen Stil,
in:
Frankfurter Rundschau v. 26.05.

 
       
   

Die Techno-Hauptstadt Berlin in der Debatte

SZ-MAGAZIN (2009): Im Reich des Wahnsinns.
Falls Sie nicht reinkommen: So sieht der derzeit berühmteste Club der Welt von innen aus,
in:
SZ-Magazin Nr.15 v. 09.04.

ROLL, Evelyn (2009): Jetset trifft Easyjet-Set.
Das neue Berlin: Die Hauptstadt schmückt sich gern mit Glanz und Namen. Doch den Takt und den Stil geben hier die vor, die kein Geld haben. Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall hält das ewig Unfertige die Leute in Bewegung. Ein Streifzug durch das Tag- und Nachtleben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.04.

SEIBT, Gustav (2009): Die Mitte der Welt.
Schön war's: Kunst und Weltmarkt geben dem Berliner Nachtleben den Todeskuss,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.04.

Infos zu: Gustav Seibt - Autor der Single-Generation

MARQUARDT, Sven/KOPPELSTÄTTER, Lenz/LIPPITZ, Ulf (2010): Uns gehört die Nacht.
Wenn der Mond scheint, streunen sie durch die Stadt, reihen sich in Schlangen, verschwinden hinter dicken Türen. Sie sind jung oder alt, exotisch oder unauffällig, betrunken oder nüchtern - und sie teilen einen Wunsch: Tanzen! Die ganze Nacht,
in: zitty Berlin Nr.23 v. 04.11.

HOFFMANN, Mareike (2010): "Berlin ist ein Hexenkessel".
In unserer Titelgeschichte haben wir Menschen über das Tanzen in Clubs gefragt. Nun sind die Veranstalter an der Reihe. Steffen Hack und Ulrich Wombacher betreiben den Club Watergate und veranstalten Berlins Club-Festival Berlin Music Days,
in: zitty Berlin Nr.23 v. 04.11.

VOGELSANG, Lucas (2010): Die Hostel-Hopper.
Easy-Jetsetter: Die Etagenbetten der Stadt sind voll mit Easy-Jetsettern in Partylaune. Was sind das für Leute und was treibt sie nach Berlin? Unser Autor hat sich eine Nacht lang umgehört,
in: Tagesspiegel v. 04.11.

GUTMAIR, Ulrich (2014): Honey, wir sind nicht in Kansas.
Berlin-Hype: Zu hohe Mieten, zu viele Touristen: Laut US-Presse ist Berlin nicht mehr die coolste Stadt der Welt. Doch bis es eine neue gibt, erfreuen wir uns an ihr,
in: TAZ v. 28.02.

BALZER, Jens (2014): Berlin ist vorbei - endgültig und unwiderruflich.
Debatte zum Berghain: Unser Popkritiker befasst sich in seiner neuen Kolumne mit der in US-Medien weit verbreiteten Meinung, dass die einst so beliebte Hipster-Metropole Berlin ihren Status als coolste Stadt auf der Welt für immer verloren hat,
in:
Berliner Zeitung Online v. 04.03.

 
       
   

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© 2002-2016
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webmaster@single-generation.de Erstellt: 09. Januar 2009
Update: 14. November 2016